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Die Affäre Filch

von Bernd
GeschichteFantasy / P18
Albus Dumbledore Argus Filch Dolores Umbridge Lily Potter Petunia Dursley
20.07.2020
25.11.2020
61
144.155
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01.08.2020 2.150
 
In dem kleinen Küstenort Kirkcolm starrte ein älterer Mann fassungslos auf ein Gebäude. Nichts erinnerte mehr an das Haus und den Pub, vor dem er vor drei Jahren mit Milena stand. Die Tür war verschlossen, die Fenster eingeschlagen und mit Brettern vernagelt. Der Putz war von den Wänden abgefallen, von der Schrift Blue Peter fehlten die Buchstaben t und r. So also sah das Haus jetzt aus. Blau angepisst. Ich habe Ähnlichkeit mit dem Haus, dachte Argus versonnen. Ich sehe genauso ramponiert aus.
Aus seiner Tasche holte er einen Schlüsselbund, dessen Schlüssel schwarz angelaufen waren. Lange nicht benutzt, Mia. Nur gut, dass Du das hier nicht sehen musst. So eine verdammte Scheiße!
Der Schlüssel hakelte im Schloss, doch dann gab es mit einem Mal nach. Aus dem Hausflur roch es modrig und nach Mäusedreck. Ja es war verkommen und schmuddelig. Am Tresen suchte er in dem schwachen Licht, das durch die Bretter an den Fenstern fiel, nach dem Lichtschalter. Sinnlos. Alles kaputt. Bei jedem Schritt, den er machte, knirschte Glas unter seinen Schuhen.
Er tastete nach der Hintertür, von der es eine Treppe nach oben gab. In ihr Liebesnest, von dem man über das Meer nach Irland Ausschau halten kann. Bei gutem Wetter sah man gelegentlich einen schmalen Streifen der Küste über dem weiten Horizont.
Die Tür war aus den Angeln gerissen, die Möbel waren verschwunden. Er sah sich Raum für Raum an. Wie schön es hier einmal war! Mia hatte sich so viel Mühe gegeben, die Wände gestrichen, an den Fenstern blühten immer die schönsten Blumen.
Schließlich blieb er am Kamin stehen und stützte sich ab.

Hier hatte ihn Mia das erste Mal so geküsst, dass er die Sinne verlor. Sie haben sich vor dem Kamin geliebt, genau hier, wo er jetzt stand. Hier lag einmal ein dicker roter Teppich und da stand die Flasche mit dem Sekt. Sie hatten den Sekt aus der Flasche getrunken. Er kniete nieder und fuhr mit seinen Händen über den Boden. Zwischen den Dielen funkelte etwas. Vorsichtig versuchte er mit seinem Taschenmesser zwischen den Dielenbrettern das funkelnde Etwas herauszuheben.
Mias Ohrring. Sie hatten ihn lange gesucht, doch er war weg.
Es war schön, etwas von Mia in seiner Hand zu halten. Ein winziges funkelndes Etwas. Er wickelte es sorgfältig in sein Taschentuch und steckte es ein.
Ob ihre geheime Ecke noch intakt war? In jedem Haus gibt es geheime Ecken, die nur den Bewohnern bekannt sind. Und das hier ist unsere geheime Ecke, Argus. Fühlst Du das Versteck? Mias Stimme klang in ihm nach.
Er konnte es fühlen, früher. Jetzt war da nichts mehr, womit er fühlen konnte. Oder vielleicht doch?
Er schloss seine Augen und berührte mit seiner Hand die Stelle, die er genau kannte. Nein, da war nichts. Er öffnete die Augen und drückte auf die Stelle an der Wand, die ein winziges Stück nachgab. Neben dem Türrahmen klickte etwas und ein kleines Bodenbrett hob sich an. Mit klopfendem Herzen lief er über die knarzenden Bodendielen und hob das Brett an.
Das Versteck war auf dem ersten Blick leer, doch er wusste es besser. Er fasste in das Versteck und holte einige Seiten Pergament hervor. Er würde sie in Hogwarts noch einmal lesen.
Von unten kamen schwere Schritte die Treppe herauf.
Argus verschloss hastig das Versteck und schaute sich nach dem Eindringling um.

„Wer zum Teufel sind Sie und was machen Sie hier?“
Argus blickte in das blendende Licht. Wer der Frager war, konnte er nicht erkennen.
„Ich bin der Besitzer des Etablissements, hier habe ich mal gewohnt. Ich heiße Argus Filch.“
„Argus Filch Senior?“
„Würden Sie die Güte besitzen und aufhören, mich zu blenden?“
„Können Sie sich ausweisen?“
„Grrr, ich habe einen Schlüsselbund, der mir hier jedes Schloss öffnet. Genügt das?“
„Für’s erste, ja. Ich bin Police Constable Lestrat, Mister Filch.“
„Wie bitte?“ Filch trat einen Schritt zurück.
„Police Constable Lestrat, Sir.“
„Sagen Sie, stammen Sie aus Irland?“
„Ich? Nein. Meine Urgroßeltern wanderten vor vielen Jahren nach Irland aus. Meine Großeltern blieben hier. Mister Filch, was wurde mit dem Junior und seiner reizenden Frau? Sie wollten den Pub hier öffnen, das ist jetzt fast drei Jahre her?“
„Gestorben“, brummte Filch widerwärtig. „Ich wollte das hier verkaufen, aber so wie es hier aussieht? Schade drum, es war wirklich schön.“
„Der Vandalismus in letzter Zeit hier ist wirklich schrecklich. Ich habe wenigstens die Fenster vernagelt, nicht dass es noch abgebrannt wird.“
„Sie waren das? Danke, Police Constable Lestrat. Das war sehr freundlich.“
„Hören Sie, falls Sie immer noch verkaufen wollen, ich würde mir den Blauen Peter wieder herrichten. Die Substanz ist noch gut, allerdings müsste ich auch ganz schön investieren. Dafür könnte ich meinen Job endlich an den Nagel hängen.“
„Was wäre Ihnen das Wert?“
„Fünfzigtausend Pfund?“
„Hören Sie, ich habe es für fünfundsiebzig erworben, ohne Einrichtung.“
„Na gut, ich komme Ihnen entgegen, sagen wir fünfundfünfzig?“
„Dann treffen wir uns in der Mitte. Sechszigtausend und es gehört Ihnen.“
„Top. Hand drauf.“
„Ich schicke Ihnen die Papiere, wenn Sie mir die Adresse geben.“
„Natürlich, hier meine Visitenkarte. Rufen Sie an, wenn es soweit ist.“
„Ich kann nicht selbst kommen, ich schicke Ihnen jemanden vorbei, der sich um meine Angelegenheiten kümmert. Wenn er Gringotts als Stichwort nennt, können sie ihm vertrauen.“
„Okay.“
„Hier, die Schlüssel. Das Nebengelass gehört auch dazu, der zweite Schuppen da und etwas an Land.“
„Na das ist doch mal ein schönes Weihnachten, Sir.“
„Ich wünsche Ihnen mehr Glück, als wir hatten, Mister Lestrat.“
„Danke, Mister Filch. Da wird sich meine Melinda aber freuen.“
Argus zuckte ein wenig zusammen, als er den Namen hörte, nickte und wollte verschwinden.
„Noch was, wenn Sie geschmuggelten Whisky haben wollen, sagen Sie mir Bescheid.“
„Ich bin Police Constable, hier wird es bestimmt keinen Schmuggelwhisky geben.“
„War nur ein Witz des Vorbesitzers, Mister Lestrat.“
„Oh, nun ja. Spaß muss sein. Guten Tag, Mister Filch.“
„Guten Tag, Mister Lestrat. Ach eine Frage noch, haben Sie noch Kontakt mit Ihren Verwandten in Irland?“
„Nein und wenn, dann wäre ich sicher nicht willkommen. Die Nachrichten sind schlecht, es herrscht Bürgerkrieg.“
„Ich weiß, meine Frau stammt aus Irland.“
„Eine wirklich schlimme Zeit, Mister Filch. Ein Ende ist nicht abzusehen. Ich sollte auch nach Irland gehen, aber ich habe mich geweigert.“
„Das habe ich auch, Mister Lestrat.“
„Das wäre seltsam. Der RUC ist doch noch nicht so lange aktiv?“
„Lange genug für mich. Viele der Loyalisten waren schon vorher bei den UVF Leuten und sind jetzt die bei dem RUC was zu sagen haben.“
„Das Militär soll jetzt einrücken und für Ruhe sorgen.“
„Das wird die Probleme in Irland nicht lösen. Aber genug, ich habe noch einige Wege zu gehen. Sie hören von mir, Mister Lestrat.“
„Okay, vielen Dank.“
„Nichts zu danken. Auf Wiedersehen.“

Unschlüssig stand er auf der Straße. Er hatte noch vier Tage, bevor er zurückmusste. Es war Sturm angesagt. Er kommt vielleicht noch auf die Insel, aber zurück? Das war unsicher. Er merkte wie ihn die schlechte Laune überkam. Er verwünschte den Tag, als man ihm die Magie nahm. Schließlich lief er los in Richtung Hafen um sich nach den Fährverbindungen zu erkundigen.

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„Tunia, ich möchte mit Dir reden. Du hast Dich ja hübsch gemacht, gehst Du heute noch weg?“
„Ich bin eingeladen bei Vernon.“
„Dein Freund?“
Petunia wedelte mit ihrer Hand vor Lilys Augen.
„Du bist verlobt? Wie schön, erzähl doch. Was macht er, wie sieht er aus?“
„Er ist der Chef meiner Abteilung, er baut Bohrmaschinen. Heute will er mich seinen Eltern und seiner Schwester vorstellen.“
„Hast Du ein Geschenk?“
Petunia nickte.
„Ich habe auch was für Dich, für Silvester, hier.“
„Was ist das?“
„Das hat mir Severus gemacht, das ist Knisterpulver. Es kracht, wenn man es in den Mund nimmt und das hier ist bengalisches Feuer.“
„Lass mich in Ruhe mit dem Freakzeugs. Ich will doch nur Silvester feiern.“
„Aber Tunia, das Knisterpulver ist so wie das Zeug in den Limonadengläsern, nur stärker.“
„Hör mir mal gut zu Lily. ICH WILL NICHT. Und Vernon auch nicht, das kann ich Dir jetzt schon versichern.“
„Weißt Du eigentlich, dass es noch mehr Schulen gibt?“
„Ich will nicht, Lily, ist das so schwer? Ich habe eine schöne Arbeit, Vernon ist stolz auf mich. Ich mache mir das nicht kaputt. Meinst Du wirklich, dass Du oder Snape mit Deinen Fähigkeiten wirklich so überragend seid? Ich habe etwas geschafft, worauf ich stolz sein kann.“
„Petunia, Du bist immer meine Schwester, egal welche Fähigkeiten wir haben.“
Petunia seufzte. „Das weiß ich doch, Lily. Ich wäre gern da gewesen, wo Du bist. Das Schicksal hat es eben anders gewollt.“
„Nein Petunia. Dumbledore wollte es. Und ich finde heraus warum. Mit unserem Hausmeister ist es ähnlich seltsam wie bei Dir. Er heißt Filch, Argus Filch. Er ist nett zu mir. James hat mal eine Andeutung gemacht, dass er zur Strafe da ist, weil er nicht zaubern kann. Er sollte erst nach Askaban, doch dann hat man ihn an die Schule geholt.“
„Was ist Askaban?“
„Das schlimmste Gefängnis für Zauberer. Es wird von Dementoren bewacht. Die saugen die Seele aus. Von da kommen nur wenige zurück und wenn, dann sind sie wunderlich.“
„Was hat er denn verbrochen?“
„Potter sagt es nicht, vielleicht weiß er es nicht. Sein Vater ist Auror und hat Mister Filch verhaftet. In Irland.“
„Ist er ein Attentäter? Man hört so viel schlimmes von der IRA. Die bringen Leute um.“
„Ich weiß nicht. Er ist eigentlich ganz normal. Denkst Du die lassen einen Attentäter an eine Schule?“
„Nein, das kann ich mir nicht vorstellen."
"Oft ist vieles anders, als es aussieht, Tunia. Manchmal denke ich darüber nach, in was für einer seltsamen Welt ich lebe. Es ist nicht alles schön, was da abgeht. Ich glaube, ich werde Auror werden, damit es ein bisschen besser wird.“
„Was ist das?“
„So was wie ein Polizist, nur magisch.“
„Aha. Hast Du dann auch Pistolen, Gummiknüppel und so?“
„Nein, nur meinen Zauberstab.“
Petunia blickte skeptisch.
„Was ist eigentlich mit Dir und Snape?“
„Sev? Er ist ganz okay, er hat das Knisterpulver gemacht und das bengalische Feuer. Ich muss noch sehen, wo man Pfefferkuchen bekommt.“
„Im Supermarkt findest Du Pfefferkuchen. Da gibt es sogar einen extra Stand. Sieht aus wie ein Hexenhaus.“
„Machst Du Witze?“
„Ich war schon da. Pfefferkuchen sind lecker.“
„Warum hast Du mir eigentlich nicht geschrieben?“
Petunia sprang auf. „Dumbledore“, zischte sie zwischen ihren Zähnen.
„Was?“
Petunia zeigte auf die kleine Kommode.
„Brief“, kam es undeutlich von ihren Lippen.

Als Lily die Kommode öffnete, entfaltete sich der Heuler vor ihren Augen. Mit weit aufgerissenen Augen hörte sie ungläubig das jetzt stark abgeschwächte Gebrüll ihres Schulleiters.
Entsetzt sank Lily auf den Stuhl.
Das kann nicht sein! Nicht Dumbledore, dem sie all die Jahre vertraut hatte. Petunia so fertig zu machen!
Ihr Zauberstab fiel zu Boden, als sie aus dem Zimmer rannte.

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Petunia betrachtete Lilys zierlichen Zauberstab. Er war ganz warm in ihrer Hand. Sie stellte sich vor, was sie Dumbledore an den Kopf werfen würde, wenn er vor ihr stehen würde. Oder ihm einen Knoten in den dämlichen Bart machen. Aus dem Zauberstab fuhr ein gleisender Blitz. Erschrocken legte sie den Zauberstab auf die Kommode. Was war das gerade? Das war gefährlich, wie ihr schien.

Sie schaute aus dem Fenster. Der Vater kam heim. Er torkelte ein bisschen, aber er hatte einen Weihnachtsbaum mitgebracht.
Damit wird er Mom auch nicht mehr glücklich machen. In letzter Zeit kam er regelmäßig betrunken nach Hause. Immer nur besoffen ist auch ein geregeltes Leben!

Traurig wendete sie sich ab. Nur gut, dass Vernon keinen Tropfen anrührte. Das wäre ihr auch zuwider. So etwas würde sie sich niemals bieten lassen, schwor sie sich.
Sie hoffte, der Tag, aus der elterlichen Hölle auszubrechen, wäre jetzt schon da. Wenn sie in Schottland heiraten würden, könnte sie jetzt schon verheiratet sein. Vernon ist ja schon einundzwanzig. Mom hatte nur gelächelt, als sie von ihrer Verlobung erfuhr.
Mom war schwer krank. Im Krankenhaus hatte man ihr gesagt, dass sie mit dem Schlimmsten rechnen müssten. Krebs, Endphase. Ein paar Tage, vielleicht erst nach Weihnachten, wenn sie Glück hatten. Heute würde Lily nach ihr sehen.
Wenn ihr Vater im Krankenhaus war, riss er sich so lange zusammen, bis er das Gebäude verließ, danach gab es für ihn kein Halten mehr.

Sie hatte keine Kraft mehr den Vater vor dem Suff zu bewahren. Er verfiel regelrecht vor ihren Augen. Lily war ja immer unerreichbar für sie. Nur Vernon war da und drückte ihr manchmal die Hand.

Das Leben war nicht fair.

Sie blickte in den Spiegel. Sie hatte sich stark verändert. Das Kindliche an ihr war verschwunden, wenn sie sich mit Lily verglich. Sie war deutlich reifer. Ihre langen Haare hatte sie gefärbt und trug sie oft hochgesteckt. Sie lächelte, wenn sie daran dachte wie Vernon seine Augen aufriss, wenn er sie anschaute. Es gefiel ihr, wenn sie das Verlangen in seinen Augen sah.
In einer Stunde würde er sie abholen. Eine Stunde noch.
Was Lily nur an diesem komischen Snape fand?
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