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Die Affäre Filch

von Bernd
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P18 / Gen
Albus Dumbledore Argus Filch Dolores Umbridge Lily Potter Petunia Dursley
20.07.2020
10.08.2022
285
704.315
24
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Dieses Kapitel
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20.07.2020 1.249
 
Die Argus Filch Affäre

Argus Filch wartete mit klopfenden Herzen in seiner Zelle. Jetzt ist Mittagspause des Gamots, bevor das Urteil über ihn gesprochen wird. Er selbst bekam keinen Bissen herunter, abgesehen davon, es war eine widerliche Brühe und trocken Brot. Es roch ein bisschen nach Kohlrüben, wenn er den Deckel des Topfes abnahm. Er steckte sich das Brot ein, um es später zu essen.
Drei Tage Gerichtsverhandlung lagen nun hinter ihm, heute wird man das Urteil sprechen. Endlich. Er war froh, dass es zu Ende war. Egal, wie das Urteil ausfällt, Milena war tot, alles was von da an auf ihn einströmte war ihm gleichgültig.
Die stundenlangen Verhöre der Auroren, der Schlafentzug, das miese Essen, das Alleinsein in seiner Zelle hatten ihn abgestumpft. Er nickte nur noch zu den Antworten, die ihn die Auroren vorgaben.

Er war jetzt 29 Jahre alt. Seit vier Wochen war Milena tot. Es war seine Schuld. Allein seine Schuld. Sie waren zu Besuch in Irland, bei ihren Verwandten, in Belfast. Genauer gesagt in West Belfast. In dem Haus wurde eine Frau getötet, sie war siebenundsiebzig Jahre alt. Es hieß, es wären IRA Leute gewesen, doch das stimmte nicht. Er hatte gesehen, wer in diesem Haus ging, als es geschah. Es waren UVF Leute, zwei von ihnen kannte er. Sie hatten kürzlich gegenüber einem katholischen Spirituosengeschäft Hassparolen gesprüht. An einem Haus, in dem Protestanten wohnten! Das Schimpfwort Papist und Das Haus wird von einem Taig bewohnt. Die Frau verbrannte, weil man in ihr offenes Fenster eine Flasche mit Benzin warf. Ihre Schreie waren das Schrecklichste, was er je hörte. Milena drängte sich durch die grölenden und pöbelnden Männer und lief durch das Haus um die Frau zu retten. Er hatte sich das nicht getraut.
Milena tauchte mit brennenden Kleidern und abgesengten Haaren wieder auf. Sie sah furchtbar aus. Die grölenden Männer verstummten und verschwanden, so schnell sie konnten.
Er hatte Mühe, Milena zu löschen. Er zog sie in das kleine Zimmer ihres gemieteten Zimmers. Ihre Haut war schwer verbrannt. Er kühlte die Wunden, so gut er konnte, doch Milena schüttelte den Kopf.
Aus ihren Augen rann eine Träne.
„Bitte Argus“, flüsterte sie. „Verstecke…den Stab…er kommt…Argus.“
„Von wem sprichst Du?“
„Du…musst…Dich…Sicher…“, keuchte sie unter Schmerzen. „Sterben…Liebster…hilf mir…bitte…“ klang ihre Stimme verzweifelt.
Argus reichte ihr den Zauberstab.
„Nein…Du…bitte…“
„Avada kedavra!“

Eine Träne rann noch aus ihren Augen, es war vorbei.

Er wusste nicht, wie lange er noch an ihrem Bett saß. Er hatte sie gewaschen und ihr ein weißes Kleid angezogen. In den gefalteten kalten Händen hielt sie nun eine der kostbaren schwarzen Rosen, die sie so liebte.

Das Bersten der Tür nahm er kaum wahr, er wurde zu Boden gerissen und gefesselt. Er ließ es geschehen ohne sich zu wehren. Milena verschwand vor seinen Augen und dann wurde er mit dem Gesicht zu Boden gedrückt. Aus den Augenwinkeln sah er, wie einer der Männer den Zauberstab aufhob und ihn an sich nahm. Er wurde hochgerissen und auf das leere Bett geschleudert. Milena war plötzlich verschwunden, hatte er Aussetzer gehabt? Er wusste es nicht mehr. Dann hörte er, wie jemand ein Obliviate sprach. Und dann riss es ihn am Bauchnabel aus dem Haus des Todes.

Er wurde aus der Stille gerissen, als das Klirren der Schlüssel an seiner Zellentür von dem zurückschlagen des Riegels abgelöst wurde. Mit einem Ruck wurde seine Zellentür geöffnet, er blinzelte in das starke Licht des langen Korridors.

Er schwebte mit dem Gesicht nach unten durch den Korridor in den Gerichtsraum. Man setzte ihn auf den einzigen Stuhl in der Mitte des Gerichtsraumes. Der Stuhl fesselte ihn an Armen, Beinen und um den Hals, er konnte sich kaum bewegen. Vor sich sah er einen Torbogen mit einem wehenden Schleier.

„Mister Argus Filch. Sie sind schuldig an der Tötung der Hexe Milena Lestrate. Ihnen wird strafmildernd zugutegehalten, dass die Tötung von Milena Lestrate auf ihren eigenen Wunsch erfolgte.
Ihr Urteil lautet Magieentzug, zwei Jahre Askaban und der Verlust ihres Vermögens, was der Familie Lestrate zur Verfügung gestellt wird. Ihr Status ist Squibb. Das Urteil wird unverzüglich vollstreckt. Das Verfahren wird als geheim eingestuft, da Muggel- und magische Interessen berührt werden.“

Zwei weiß gekleidete Hexen traten auf ihn zu und begannen um den Stuhl herum ein Pentagramm zu zeichnen. Dann wurden zwei Zauberstäbe auf ihn gerichtet und er konnte sehen, wie ihn seine Magie verließ. Erstaunt bemerkte er, dass es keine Schmerzen machte, eher als ob etwas aus ihm heraustropfte. Es sah seltsam aus, wie es wirbelte. Eine der Hexen deutete auf den Bogen und das wirbelnde Etwas verschwand in dem Torbogen zwischen den wehenden Schleiern. Er alterte bei der Prozedur, doch das war unvermeidlich.

Es war sehr still in dem Gerichtsraum und es wurde sehr kalt. Der Boden in dem Pentagramm war vereist.

„Abführen!“

Das nächste was er wahrnahm, waren schaukelnde Bewegungen. Er saß gefesselt in einem Boot, auf dem Weg durch die Nordsee, nach Askaban. Er starrte wie betäubt auf den Horizont, über den dunkle Wolken zogen. Langsam kam die schwarze Felsnadel näher. Ein Grauen erfasste ihn, als er die Dementoren erblickte, die um Askaban schwebten. Er schloss seine Augen. Noch einmal von Milena träumen, bevor ihn die glücklichen Erinnerungen verlassen werden.
Die Wärter ließen ihn in Ruhe. So wie er verhielten sich die Gefangenen immer bei ihrer Einlieferung. Sie kannten das schon.
Über ihren Köpfen segelten Sturmmöwen, von denen eine auf das Boot zuschoss.

„Filch, Sie Glückspilz! Askaban wurde Ihnen soeben erlassen. Sie dürfen zurückfahren. Wer zum Teufel ist Dolores Umbridge?“
„Cousine.“
„Sie haben Glück. Sie werden nach Hogwarts gehen, melden Sie sich bei Schulleiter, Armando Dippet.“
„Askaban?“
„Sie werden Ihre Strafe in Hogwarts ableisten, schätze ich. Das nenne ich mal Glück gehabt. Ihre Strafe ist nur ausgesetzt, nicht aufgehoben. Wenn Sie Mist machen… Aber man sagt, nach Gringotts ist Hogwarts der sicherste Ort in Britannien. Freuen Sie sich nicht zu früh. Naja besser als das hier ist es auf jeden Fall.“
„Hogwarts, aber wie?“
„Wie alle anderen auch, fahren Sie mit dem Zug. Hier, Ihr Ticket. Wir setzen Sie am Zug ab. Und machen Sie endlich ein anderes Gesicht.“

Er wurde als Hausmeister beschäftigt. Den Dreck wegräumen, Kontrollgänge machen, Strafarchiv führen, verbotene Artefakte einziehen. Er bekam ein Büro, eine winzige Wohnung und für zwei Jahre das Verbot, Hogsmeade aufzusuchen. Aber es war wirklich um Welten besser als Askaban. Dachte er. Die Professoren waren weisungsberechtigt. Von den zweihundert Galleonen durfte er dreißig für sich behalten, den Rest zog das Ministerium ein.

Von der Familie seiner Frau hörte er nie wieder etwas. Sie waren ausgewandert oder tot oder auf den Mond geflogen. Seine Briefe kamen unbeantwortet zu ihm zurück. Nur Dolores schrieb ihm gelegentlich, dass sie an seiner Rehabilitation arbeitete. Tatsächlich wurde seine Ausgangssperre nach einem Jahr aufgehoben. Er betrank sich an seinem ersten freien Abend in den drei Besen. Slughorn sorgte dafür, dass er unerkannt in die Schule zurückkonnte, seitdem trank er nur noch heimlich in seiner kleinen Wohnung.

Als er das erste Mal in Hogwarts in den Spiegel sah, erschrak er. Er war weiter gealtert, er sah eher wie ein Gnom aus. Es gab nichts, was er dagegen tun konnte. Es gab nur noch einen Spiegel, in den er regelmäßig schaute, Nerhegeb.

Niemals sprach ihn jemand auf seine Vergangenheit an. Als Squibb war er isoliert, man verachtete ihn und die Professoren hielten eine unerklärliche Distanz aufrecht. Er verwünschte deren Dünkel und lernte schnell den Provokationen der Schüler aus dem Weg zu gehen. Aber es war schwer und stumpfsinnig.
 
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