Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Broken Passion

GeschichteAllgemein / P16
Kuroo Tetsurou Nishinoya Yuu OC (Own Character)
20.07.2020
26.10.2020
15
37.288
16
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
20.07.2020 1.603
 
„Ach, du bist doch noch so jung, du hast noch so viel Zeit!“
Ich denke, diesen Spruch kennen wir alle, oder? Aber denkst du das wirklich?
Jedes Gefühl, jedes Denken, jedes Handeln beeinflusst unser Leben. Unsere Erfahrungen machen uns weiser, besser, stärker. Definieren unsere Persönlichkeit. Wichtig sind die richtigen Menschen, um dich herum. Menschen, die dich nicht brauchen, brauchst du auch nicht. Nur durch unsere eigenen Entscheidungen können wir unser Leben ändern.
Doch spielt das Leben nicht immer fair. Es kann schneller vorbei sein, als man vielleicht denkt. Alles kann sich von einer Sekunde auf die andere ändern. Die Welt auf den Kopf stellen. Wir sind nicht immer die, die über unser Leben entscheiden. Man kann es nennen, wie man will. Gott, höhere Macht oder Schicksal.
Nichts auf dieser Welt passiert zufällig. Alles hat einen Sinn. Es ist unsere Aufgabe diesen zu erkennen und daran zu wachsen. Sich ins Positive oder vielleicht auch ins Negative zu entwickeln.
Aber eins ist sicher:
Lebe im hier und jetzt. Das Leben ist nicht endlos…
…und die Zeit auch nicht. Zeit ist das wertvollste, was wir haben.
Fang an deine Träume zu Leben! Genau jetzt!


~ Akita, 09. März 2012 ~

Ein lautes Knacken erfüllt das Spielfeld.  
Um mich herum spielt sich alles plötzlich wie in Zeitlupe ab. Mein Körper sackt zusammen. Am Boden liegend rolle ich mich zum Schutz zusammen. Der Schock betäubt meinen kompletten Körper. Ich spüre nichts.
Am Rande bekomme ich mit, wie sich meine Mitspielerinnen um mich herum versammeln. Sie reden auf mich ein. Doch verstehe ich kein einziges Wort. Alles um mich herum ist ruhig. Es herrscht absolute Stille. Ich höre nichts.
Vor meinen Augen erscheinen mehrere schwarze Punkte. Diese breiten sich immer weiter aus. Zu einer grenzenlosen Schwärze. Dabei bin ich mir sicher, dass ich meine Augen offen habe. Völlige Dunkelheit umgibt mich. Ich sehe nichts.
Mein Zeitgefühl habe ich bereits verloren. Seit einer gefühlten Ewigkeit liege ich hier auf den Hallenboden. Dabei dürften es bestimmt nur einige Sekunden, wenn überhaupt Minuten gewesen sein. Und ein einziges leises Geräusch löst mich aus meiner Starre.
Der Ball prallt auf dem Boden auf und springt mehrfach wieder hoch, bevor er zum Stillstand kommt. Der Pfiff des Schiedsrichters unterbricht das laufende Spiel. Plötzlich trifft mich alles wie ein Schlag. Jeder meiner Sinne kehrt zurück. Hundert- wenn nicht sogar tausendfach stärker als sonst. Alles trifft mich unvorbereitet mit so einer Wucht, die mich und meinen Körper komplett überfordert.
Ein heftiger Schmerz durchfährt meinen Körper. Ausgehend von meinem rechten Knie. Meine Hände wandern zu der schmerzenden Stelle. Bereits jetzt ist mein Knie stark angeschwollen. Gefühlt doppelt so dick, wie es eigentlich sein sollte. Dennoch spüre ich eine Delle. Genau da, wo meine Kniescheibe ist. Verzweifelt versuche ich mein Knie zu stabilisieren. In der Hoffnung, dass die Schmerzen irgendwie aufhören. Mir reicht es schon, wenn sie weniger werden. Zwar kann ich mein Knie bewegen, aber das verursacht höllische Schmerzen. Heiße Tränen rennen meine Wangen hinunter. Irgendwie schaffe ich es, mich auf den Rücken zu drehen.
Schlagartig verschwindet die Dunkelheit um mich herum. Die komplette Aufmerksamkeit meiner Umgebung liegt auf mir. Mein Team redet immer noch auf mich ein. Einige panisch, die anderen überfordert und wieder andere komplett beruhigend. Doch viel zu durcheinander kommen die Worte bei mir an. Mir ist es nicht möglich den Sinn hinter diesen Worten zu verstehen. Ich kann damit nichts anfangen.
Ein lauter ohrenbetäubender Schrei erfüllt die ganze Sporthalle. Ein schmerzerfüllter Schrei. Mein Schrei. Immer wieder entkommen mir Schmerzenslaute. Zu etwas anderem bin ich gerade gar nicht in der Lage. Ich spüre die Berührungen meiner Trainerin und auch meiner besten Freundin. Beide versuchen mich irgendwie zu beruhigen. Mich irgendwie von dem Schmerz abzulenken. Vergebens. Der Schmerz hat die Kontrolle über meinen Körper und meinen Verstand übernommen. Mir ist kein einziger klarer Gedanke möglich.
Zwei weitere Personen betreten die Halle und kommen direkt auf mich zu. Sanitäter. Sie legen neben mir ihre Sachen ab. Wie durch Watte vernehme ich ihre Stimmen. Vergebens versuchen sie mit mir zu reden. Hinweise zum Geschehen und meinem Wohlbefinden zu bekommen. Können sie sich das denn nicht denken? Meine Trainerin erzählt den Sanitätern alles, was passiert ist. Jedes Detail von dem ich immer noch nichts verstehe.
Verschleiert von meinen Tränen sehe ich, wie mein Arm von einem der Sanitäter genommen wird. Dieser spritzt mir etwas. Wenig später lassen die Schmerzen langsam nach. Mein Körper beginnt sich zu entspannen. Sehr viel mehr bekomme ich von der ganzen Situation nicht mit. Obwohl ich die Verursacherin bin. In meinem Kopf herrscht ein einziges Chaos. Ein dichter, undurchdringlicher grauer Nebel. Ich spüre noch, wie ich hochgehoben und auf eine Trage gelegt werde. Schon werde ich von den Sanitätern aus der Halle gebracht. An das restliche Geschehen kann ich mich nicht erinnern.

Mit starken Kopfschmerzen werde ich wach. Benebelt öffne ich meine Augen. Mein Blick ist noch verschwommen. Mehrfach muss ich blinzeln, bevor ich wieder klar sehen kann. In meiner Nase liegt der Duft von Desinfektionsmittel. Wo bin ich hier? Was ist passiert? „Hey.“ Die Stimme meiner besten Freundin. Sie sitzt am Fußende des Bettes, in dem ich liege. Gerötete Augen und einzelne Spuren von Tränen erkenne ich bei ihr. Sie hat geweint und sieht unruhig aus. „Wie geht es dir?“, höre ich die Stimme meiner Mutter. Ich sehe zu ihr. Neben ihr steht auch mein Vater. Beide haben einen besorgten Blick aufgesetzt. Aber auch eine gewisse Traurigkeit kann ich bei beiden erkennen.
Erst jetzt realisiere ich, dass ich in einem Krankenhaus bin. Mein rechter Fuß ist hochgelegt und eingegipst. Bis zu meinem Oberschenkel hoch. Doch irgendwelche Schmerzen spüre ich nicht. Vermutlich bin ich bis oben hin mit Schmerzmittel vollgepumpt. Anders könnte ich es mir nicht erklären. „Was ist passiert?“ „Erinnerst du dich an das Turnier und dein Spiel?“, fragt mich mein Vater. Kaum hat er mich das gefragt, kommen sämtliche Erinnerungen zurück. Das Halbfinale des Präfektur-Turniers. Das Spiel gegen die Yuzawa-Oberschule. Wir waren in Führung. Es fehlten nur noch wenige Punkte, bis zum Sieg. „Ja, natürlich. Haben wir gewonnen? Sind wir im Finale?“ Vorsichtig will ich mich aufsetzen, doch drückt mich meine Mutter zurück ins Bett. „Bleib besser liegen.“ „Wir haben verloren…“, erklärt mir meine beste Freundin. „Was? Aber… warum? Es ging doch gar nicht mehr viel ab.“ Wie ein Schlag kommt mir die Erkenntnis. Ich lasse mich zurück in die Kissen meines Bettes fallen.
Natürlich. Mein Unfall. Es ist meine Schuld. Deshalb bin ich auch hier im Krankenhaus. Tränen steigen mir in die Augen. Ich habe es vermasselt. Unsere größte Chance. Die ganze Anstrengung der letzten Monate war umsonst. Alles vergebens. Und das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass ich mein Team enttäuscht habe. Schuldgefühle breiten sich in mir aus. Das kann doch alles nicht wahr sein.
„Nach deinem letzten Angriff bist du falsch gelandet, umgeknickt und zur Seite gekippt. Dabei hast du dir dein Knie stark verdreht und bist auch noch direkt darauf gefallen“, erzählt mir mein Vater. „Was heißt das? Wie… geht es meinem Bein? Meinem Knie? Das wird doch wieder komplett verheilen, oder? Ich werde doch wieder spielen können“, will ich sofort leicht panisch wissen. So ein Unfall kann doch unmöglich alles zerstören. Das muss doch wieder heilen. Es muss… Ich… ich halte doch kein Leben ohne Volleyball aus. Volleyball ist seit meiner Kindheit ein Teil von mir. Ich kann es doch nicht einfach aufgeben. Das geht nicht. Nein. Unmöglich! Meine beste Freundin greift nach meiner Hand und drückt diese beruhigend. „Es wird alles gut. Keine Sorge. Lass dir nichts anderes einreden“, versucht sie mich zu trösten.
In diesem Moment betritt ein Mann im weißen Kittel das Zimmer. Sein Gesichtsausdruck kühl. Das deutet schon einmal nichts Gutes an. Ein schreckliches Gefühl breitet sich in meinem Inneren aus. Eine schlimme Vorahnung. Ernst blickt er mir entgegen. „Hallo Frau Kobayashi“, begrüßt der Mann mich, „Ich bin Dr. Sato, Ihr behandelnder Arzt. Wie geht es Ihnen?“ „Ganz gut, denke ich“, antworte ich mit einem unsicheren Unterton in der Stimme, „Aber… was ist mit meinem Knie? Es… es werden doch keine Folgen zurückbleiben, oder?“ „Ich habe mit Ihren Eltern bereits gesprochen und alles erklärt“, meint Dr. Sato ruhig, „Sie haben mir auch erzählt, dass Sie Sportlerin sind. Ihre Kniescheibe ist ziemlich komplex gebrochen. Auch der Innenmeniskus wurde beschädigt und die Kreuzbänder sind gerissen. Aus diesem Grund mussten wir sie auch schnellstmöglich operieren. Uns ist es gelungen, alle Verletzungen sehr gut zu versorgen.“
„Ich werde nach der Heilung doch wieder Volleyball spielen können, oder?“, stelle ich die für mich entscheidende Frage. Was anderes will ich gar nicht wissen. „Wir haben unser Bestes getan und Sie werden nach einer Reha wieder normal laufen können. Nach etwa sechs Wochen können Sie Ihr Knie wieder anfangen zu belasten. Eine Vollbelastung ist voraussichtlich nach sechs Monaten möglich. Aber Volleyball müssen Sie wahrscheinlich aufgeben. Sie werden vermutlich nie wieder spielen können. Wenn Sie sich erneut…“ Seine letzten Worte nehme ich gar nicht mehr wahr. Ich nehme sie nicht zur Kenntnis.
„Sie werden vermutlich nie wieder spielen können“, hallt es immer wieder in meinem Kopf. Diese Worte brennen sich wortwörtlich in mein Gedächtnis.
„Zuerst müssen wir aber die Heilung abwarten“, versucht der Arzt noch zu mir durchzudringen.
„Wir bekommen das hin. Wir überlegen uns was“, meint meine beste Freundin zu mir. Sie will mich aufmuntern. Doch dieser Versuch gelingt ihr dieses Mal nicht.
Das restliche Gespräch bekomme ich gar nicht richtig mit. Stattdessen befinde ich mich gerade in meiner ganz eigenen Welt. Eine Welt... Nein, meine Welt, die durch die Worte des Arztes komplett in sich zusammenbricht. In unendlich viele Scherben, die sich nicht wieder zusammenfügen lassen.
______________________________________
Weitere Infos zur Story findet ihr hier
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast