Entführung für Fortgeschrittene

von Maja Lito
GeschichteSchmerz/Trost, Suspense / P18
Castiel Dean Winchester Sam Winchester
20.07.2020
30.09.2020
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16.09.2020 4.057
 
Wieder hatte Dean keine Ahnung, wie lange er einfach im Dunkeln dasaß und abwarten musste. Es kam ihm vor, wie mehrere Stunden, vielleicht waren es aber auch nur Minuten gewesen. Langsam machte sich bei ihm einmal mehr der Hunger bemerkbar. Er wurde wütend. Der nächste Mensch, der ihm zu nahe kam, konnte sich auf etwas gefasst machen! Dean spürte, dass er zu zittern anfing. Die permanente Anspannung forderte inzwischen ihren Tribut. Er wäre schon froh gewesen, wenn er sich einfach hätte ausstrecken können. Er musste aus diesem verdammten Käfig raus, ganz egal wie!
Als sich die Wand wieder öffnete, kam ihn offensichtlich gleich eine ganze Abordnung besuchen. Zwei der Diener, Aisha, die Blondine und auch ihre Chefin. Dean hob die Augenbrauen und zischte. Die Oberherrin lächelte Aisha amüsiert zu.
“Na, da hast du dir aber ein ganz besonders wehrhaftes Schätzchen ausgesucht, oder? Das dürfte interessant werden.”
Auf ein Fingerschnippen ihrerseits traten die beiden Diener vor und öffneten den Käfig. Bereits vor einer Weile hatte Dean bemerkt, dass der Käfig offensichtlich sowohl oben, als auch an den Seiten Türen besaß. Überall hingen dicke Schlösser vor, die er unter Garantie nicht aufbekommen würde, aber das Gefängnis ließ sich also gleich mehrfach öffnen. Die Diener klappten jetzt den Deckel hoch. Vorsichtig streckte Dean sich ein wenig und stieß mit dem Kopf zum ersten Mal seit Stunden nicht mehr an Gitterstäbe. Das nützte ihm zwar nicht viel, weil er sich immer noch nicht bewegen konnte, so wie sie ihn festgekettet hatten, aber es war ein Anfang.
“Er sollte sprechen können.”
Sofort sprang einer der Untergebenen vor und wickelte endlich das verdammte Klebeband ab. Die letzte Schicht löste sich nur schmerzhaft mit einem üblen Ziepen, aber Dean verkniff sich einen Kommentar dazu. Er hatte sich bereits auf den Schmerz einstellen können, er war ja nicht zum ersten Mal mit solchem Tape konfrontiert. Stattdessen starrte er nach oben und sah die Frauen an.
“Und nun?”
Wow, seine Stimme klang noch rauer, als ohnehin schon. Na gut, er hatte sie auch ein paar Stunden nicht genutzt und vorher in Whiskey ertränkt. Eigentlich sollte er sich nicht wundern.
“Weißt du, warum du hier bist?”
“Ich soll euch dienen. Bei was auch immer.”
Er wich ihren Blicken nicht eine Sekunde aus. Zwar wusste er, dass er eigentlich so viele Fragen wie möglich stellen sollte, um herauszufinden, womit er es zu tun hatte, aber er konnte sich einfach nicht überwinden, jetzt eine freundliche Kommunikation zu starten. Und ergeben zur Seite zu schauen, brachte er erst recht nicht fertig.
“Bist du dazu bereit?”
“Lasst mich hier raus und ich zeige es euch!”
Dean biss sich auf die Zunge. Das hatte sich jetzt gar nicht so angehört, wie er es beabsichtigt hatte. Er wusste, er sollte sich unterwürfig geben, damit sie ihm so schnell wie möglich vertrauten. Stattdessen hatte er wie der Killer geklungen, der er im Grunde war. Und den Blicken der Frauen nach zu urteilen, hatten sie das auch alle verstanden. Die Älteste gestattete sich ein leichtes Kopfschütteln.
“Oh ja, das wird dauern. Und es wird anstrengend für dich, Aisha. Ich bin mir nicht sicher, ob wir den hier auch hinbekommen, jedoch respektiere ich deinen Wunsch, es zu versuchen. Ich denke aber, es ist für alle ungefährlicher, wenn wir ihn noch ein paar Tage in dem Käfig lassen. Er muss sich erst an seine Position gewöhnen und das geht darin sicher gut.”
Dean hasste, was er hörte.
“Ihr könnt mich hier nicht ewig drin festhalten!”
Ihr Lächeln wurde zu einem fiesen Grinsen.
“Oh doch, das können wir, du wirst sehen. Aus deinem Käfig zu kommen, musst du dir verdienen. Und davon bist du noch sehr weit entfernt. Ich schätze, du brauchst erst eine gehörige Dosis Medizin. Und da ich annehme, dass du nicht freiwillig kooperieren wirst, bringen wir dich dazu.”

Dean wollte nicht ansatzweise wissen, was genau sie meinte, aber ihm war klar, dass er verloren hatte. So dämlich konnte aber auch nur er sein. Nicht mal ein wenig Kooperation konnte er heucheln. Und in dem Moment, in dem die Chefin den Mund wieder öffnete, wurde alles noch schlimmer.
“Ich will ihn mir genauer ansehen, dafür muss er auf die Knie. Ich denke aber, zuerst braucht er einen Halsring. Kümmert euch darum. Und ruft mich, wenn ihr ihn soweit habt. Ihr wisst, was zu tun ist, ist ja nicht das erste Mal, dass einer ein wenig widerspenstig ist.”
Sie drehte sich um und ging. Auch einer der Diener verschwand, kehrte aber keine zwei Minuten später mit einem massiven Eisenring in der Hand zurück. Dean ahnte, was das werden sollte und verkrampfte. Nur wehren konnte er sich nicht. Der Typ trat hinter Dean, wahrscheinlich konnte er sich denken, dass sonst die Gefahr bestand, gebissen zu werden, und legte Dean den Kragen um. Fühlte sich beschissen und kalt an. Er hörte das Schloss in seinem Nacken klicken und wusste, dass er diesen ekelhaften Eisenring erstmal nicht loswerden würde. Was seine Laune absolut nicht hob. Noch schlimmer wurde es, als an einer Öse, ebenfalls mit einem Schloss, eine lange Kette angebracht wurde. Dean kam sich vor, wie ein gefährlicher Tiger im Käfig und konnte plötzlich sehr gut mit den Tieren mitfühlen. Erst recht, als die Klappe über ihm gesenkt und wieder abgeschlossen wurde.
Zum ersten Mal seit Ewigkeiten merkte er, dass er absolut sprachlos war. Ihm fiel nichts ein, was er sagen konnte, ohne seine Situation noch zu verschlimmern. Also hielt er, untypisch für ihn, seine Klappe. Und das war wahrscheinlich auch besser so.
“Gut, das haben wir. Ich würde sagen, dann machen wir die Füße und Hände los, oder? Seid vorsichtig!”
Aisha schien ihn gut einschätzen zu können und auch die beiden Diener machten einen routinierten Eindruck. Sie hielt die Kette zu seinem Halsring, die sie durch die Gitterstäbe gezogen hatten, während die Männer begannen, die Schlösser, mit denen seine Hand- und Fußfesseln am Käfig befestigt waren, zu lösen.
Erschreckt musste er feststellen, dass die plötzliche Bewegungsfreiheit ihm überhaupt nichts brachte. Seine Arme und Beine waren aufgrund der stundenlangen Zwangshaltung reichlich steif und so verursachte jegliche Bewegung Schmerzen. Die ganz sicher auszuhalten waren, wenn auch eben unangenehm. Zumal er sich auch weiterhin nicht strecken konnte, dafür bot der Käfig einfach viel zu wenig Platz. Dean hätte sich wenigstens gern die Handgelenke gerieben, aber das ging nicht, denn die Eisenschellen waren nicht gelöst worden. Eine innere Stimme sagte ihm deutlich, dass das wohl auch erstmal nicht passieren würde. Er versuchte, diesen freundlichen Hinweis seines Unterbewusstseins auszublenden, so richtig gelingen wollte ihm das jedoch nicht.
Unwillkürlich fuhr seine Hand in Richtung seiner Mitte. Es zu sehen, war eine Sache gewesen. Jetzt auch wirklich fühlen zu können, dass er an sein bestes Stück nicht ansatzweise herankam, machte die Angelegenheit noch einmal realer und dementsprechend wütend wurde er. Als wäre das nicht genug, musste er durch die verdammten Gitterstäbe sehen, wie Aisha ihn angrinste.
“Du brauchst dir keine Mühe zu geben, da kommst du im Moment nicht ran. Erst dann, wenn wir es dir erlauben.”
Dean schenkte ihr einen bösen Blick und verkniff sich einen Kommentar. Daran, dass die beiden anderen Diener ein gleiches Konstrukt trugen, konnte er gut erkennen, wie schnell er wieder an seine eigenen Körperteile ran dürfen würde. Wahrscheinlich nie mehr, wenn es nach ihr ging. Und immer noch hielt sie die Kette, die an seinem Halsring befestigt war, fest in der Hand. Nun fing sie auch noch an, daran zu ziehen.
“Du hast es gehört, oder? Du sollst auf alle Viere. Also los.”

Dean überlegte kurz. Zwar wollte er sich gern bewegen und eine Positionsveränderung wäre sicher nicht verkehrt, aber gleichzeitig musste er daran denken, was er ihr dann zwangsläufig zu präsentieren gezwungen war. Seinen nackten Hintern. Er schaffte es, schief zu grinsen, und schüttelte den Kopf.
“Das hättet ihr wohl gern. Kommt nicht in Frage.”
Sie schien im ersten Moment antworten zu wollen, verdrehte dann aber nur die Augen und ging ein wenig um den Käfig herum. Nun stand sie ihm gegenüber. Die Kette, an der sein Halsring hing, war durch die Gitterstäbe über seinem Kopf geführt worden und jetzt erst wurde Dean klar, dass das kein Zufall gewesen war. Aisha zog an der Kette und wohl oder übel würde er dem Druck früher oder später nachgeben und sich vorbeugen müssen. Wenn sie dann weiter zog, blieb ihm nichts anderes, als sich auf alle Viere zu begeben. Noch hielt er dagegen, so gut es ging, obwohl seine Nackenmuskeln von der unentspannten Haltung in den letzten Stunden ohnehin schon schmerzten. Ewig würde er das nicht aushalten können. Und das schien Aisha auch zu wissen, denn ihr Grinsen wurde breiter.
“Dir ist schon klar, dass es dir nichts nützt, dich zu wehren, oder? Noch sind wir nett und versuchen es halbwegs zivilisiert. Wir können dich auch wieder schlafen legen.”
“Das werden wir ja noch sehen!”
Schon wieder klang das, was seinen Mund verließ, eher nach einer Drohung. Und richtig wütend machte ihn nicht mal, dass er gerade kein Stück unterwürfig sein konnte, sondern dass sie die Frechheit besaß, zu kichern.
“Oh ja, das werden wir. Na gut, du willst es nicht anders. Todd, versuch mal, dir seinen Arm zu schnappen.”
Dean verkniff sich ein Grinsen, als einer der Diener, dessen Namen er nun scheinbar kannte, wieder an den Käfig trat. Der war wirklich so unvorsichtig, seinen Arm durch die Gitterstäbe zu stecken. Blitzschnell griff Dean zu, zog und zerrte, bis er ein Knacken hörte, das ihm sehr willkommen war. Todd heulte auf und riss seinen Arm zurück. Aisha fluchte, etwas, das Dean auch gern getan hätte, als er bemerkte, dass er sich ein Problem eingehandelt hatte, ohne vorher darüber nachzudenken. Durch seine plötzliche Bewegung war er in die Mitte des Käfigs gerückt und Aisha hatte, ohne zu zögern, die Kette weiter angezogen. Nun saß Dean aufrecht und kam nicht mehr zurück.
“So willst du also spielen? Na gut, das kannst du haben!”
Sprachlos beobachtete er, wie sie ein weiteres Schloss aus der Tasche zog und seine kettengliedrige Leine außen an dem Käfig befestigte. Voll gespannt natürlich. So konnte er weder seinen Kopf senken, noch sich anders hinsetzen. Wieder mit dem Rücken anzulehnen, ging schon gar nicht. Die einzige Option, die den Zug auf den Halsring wenigstens etwas minimieren würde, war, sich vorwärts zu bewegen, soweit ihm das möglich war. Und das klappte nur, indem er sich auf alle Viere begab. Letztlich hatte sie also schon gewonnen, aber er war nicht bereit, klein beizugeben. Und während Dean noch darüber nachdachte, wie er es doch schaffen konnte, nicht das zu tun, was sie wollte, legte Aisha einen Arm um Todd und starrte den Winchester dann von oben herab an.
“Ich schätze mal, früher oder später wirst du Hunger kriegen. Und Durst. Sehr viel Durst. Ich denke, das warten wir dann mal ab und schauen, ob du vielleicht selbst merkst, dass Kooperation doch keine so schlechte Idee ist.”
Sie führte den verletzten Diener aus dem Raum und ließ Dean allein.

Es dauerte gefühlte Stunden, bis sich die Regalwand wieder öffnete. Dean hatte inzwischen heftige Kopfschmerzen aufgrund seiner noch unbequemeren Sitzposition und den vollkommen verkrampften Nackenmuskeln. Er hatte versucht, sich eine etwas bessere Position zu suchen, aber das war gnadenlos gescheitert. Und mittlerweile hatte er nicht nur Hunger und Durst, er musste auch pinkeln. Nur war er sich absolut sicher, das nicht einfach so im Käfig tun zu wollen, also versuchte er, nicht an die volle Blase zu denken und anzuhalten. Er wusste, dass er das nicht ewig durchziehen konnte, aber noch ging es geradeso.
Zu seiner Überraschung betrat keine der Frauen sein Verlies, sondern ein Diener. Dean glaubte, den schon gesehen zu haben, als sie ihn vom Transporter geholt hatten, war sich aber nicht abschließend sicher.
“Hallo. Ich bin Ephraim.”
Der Typ hockte sich vor den Käfig und sah Dean mit einem freundlichen Blick an, der den spontan an Cas erinnerte. Was auch immer er wollte, Dean hielt lieber die Klappe.
“Würdest du mir verraten, wie du heißt?”
“Was soll das hier werden? Die Frauen geben die Bad-Cops und die darfst jetzt den guten Bullen spielen?”
Ein Lächeln huschte über die Miene seines Gegenübers.
“Ich habe mit Aisha gesprochen und sie hat mich gebeten, mich um dich zu kümmern. Es dir einfacher zu machen. Vor langer Zeit war ich in deiner Lage und auch, wenn ich mich daran kaum erinnere, so weiß ich doch noch, wie schwer mir die Umstellung fiel. Ich möchte dir die Situation gern erleichtern, aber dafür musst du mit mir reden und dich ein bisschen kooperativ zeigen.”
Nichts lag Dean ferner. Aber inzwischen war ihm aufgegangen, wie wenig Chancen er besaß, solange er in diesem Gefängnis feststeckte. Er musste da raus. Und dafür war es wohl nötig, ein wenig offener zu werden und Dinge zu tun, die ihm absolut widerstrebten.
“Mein Name ist Dean. Und wenn du es mir einfacher machen willst, wäre es ein toller Anfang, wenn du mich aus diesem Käfig lässt.”
“Du weißt, dass ich das nicht tun darf.”
Soweit hatte Dean auch schon denken können. Nun gut, er musste mehr über die Frauen erfahren und dafür brauchte er das Vertrauen von diesem Kerl. Es blieb ihm also wohl nichts anderes übrig, als vorerst mitzuspielen. Und letztlich war das ja vielleicht auch gar nicht so schlimm, versuchte er sich einzureden. Wenn er sich jetzt auf alle Viere hockte und den Weibern seinen Hintern präsentierte, dann würden sie möglicherweise zufrieden sein. Das konnten sie ohnehin nicht lange durchziehen, denn so würde er weder essen, noch auf Toilette können, dementsprechend mussten sie ihn fix wieder losmachen. Also hieß es wohl nur, einmal kurz die Zähne zusammenzubeißen und dann zu verkünden, dass er menschliche Bedürfnisse hatte.
“Ja, schon klar. Also, was soll ich tun?”
“Du musst dich nur hinhocken. Und… ich denke, die Herrinnen werden darauf bestehen, dass du wieder gefesselt wirst. Du hast Todd den Arm gebrochen.”
Dean verkniff sich ein Grinsen nur mühsam. Na gut, wenn sie es so wollten, sollten sie es eben bekommen. Er kam aus dieser Nummer ohnehin nicht mehr unbeschadet raus, da konnte er es auch gleich hinter sich bringen.
“Mehr passiert nicht?”
“Nein. Vorerst nicht. Wenn du tust, was sie wollen, bekommst du etwas zu essen.”
Also wollten sie wohl tatsächlich nur, dass er kurz auf alle Viere ging und dann würden sie es gut sein lassen. Damit konnte Dean leben. Er nickte, was ihm aufgrund seines Halsrings und der angespannten Kette nur mühsam gelang.
“Ja, dann hol die verdammten Hexen hierher, ich mache, was sie sagen. Und du kannst ihnen gleich erklären, dass ich keine beschissene Banane will, sondern einen Burger. Das scheint ja ein Geben und Nehmen zu sein.”
Einen Moment lang stutzte er, als er Ephraims aufrichtiges Lächeln und das darauffolgende Nicken sah.
“Natürlich. Du wirst deinen Burger bekommen.”
Dean konnte das nicht glauben, aber das sagte er lieber nicht. Stattdessen sah er dem Diener hinterher, nicht ohne sich wieder über dessen Rückansicht zu ärgern, die er selbst wahrscheinlich ebenso präsentierte. Diesmal blieb die Regalwand auf, das brachte ihm allerdings rein gar nichts, noch ein Punkt mehr auf der inzwischen unendlich langen Liste für den einen oder anderen gepflegten Wutanfall.

Als er zurückkam, war Ephraim nicht nur in Begleitung von Aisha, sondern auch von der Blondine und der Chefin. Sie alle lächelten.
“Du bist bereit, dich zu fügen?”
Alles in Dean wehrte sich, aber er nickte trotzdem. Eine andere Möglichkeit blieb ihm ja scheinbar nicht. Und immerhin tat sich sofort etwas, denn Aisha trat an den Käfig und löste die Kette. Sobald der Zug auf seinen Nacken verschwunden war, konnte Dean sich zu seiner eigenen Schande ein erleichtertes Aufatmen nicht verkneifen.
“Dann knie dich hin.”
Er tat es. Biss zwar dabei die Zähne zusammen, aber er brachte es hinter sich. Aus dem Augenwinkel sah er, dass Aisha weiter die Kette festhielt, während sich die Blondine an den Käfig wagte und nach seinem rechten Bein angelte. Er schloss die Augen und konzentriere sich nur auf seinen Atem, als sie daran zog und er sehr wohl bemerkte, dass sie seinen Fuß in der Käfigecke fixierte. Dann ging sie um sein Gefängnis herum, er versuchte, nicht darüber nachzudenken, dass sie gerade seinen Arsch im besten Blick hatte und damit das, was von den Metallstäben garantiert prima freigelegt wurde. Sie fixierte auch seinen zweiten Fuß in der anderen Käfigecke, so dass seine Beine gespreizt waren. Das war schon vom ersten Moment an extrem anstrengend, lange würde er so nicht aushalten, da war er sich sicher. Und es wurde noch schlimmer, als sie wieder in den Käfig langte und ihm seine linke Hand, auf die er sich bisher aufgestützt hatte, wegzog. Kurz verspürte er den Impuls, sofort zuzugreifen und ihr ebenfalls den Arm zu brechen, aber er beherrschte sich mühsam. Das würde nur noch mehr Ärger bringen und wer wusste schon, ob die Ladys dann nicht doch auf die Idee kamen, ihn umgehend zu entsorgen. Wehren konnte er sich jedenfalls nicht, er musste sie dementsprechend nicht mordlustiger machen, als sie wahrscheinlich ohnehin schon waren. Also stützte er sich, statt auf die Hand, nun auf den Unterarm, und sah dabei zu, wie sie seine Hand mit einem Schloss in der dritten Käfigecke fixierte. Schon, bevor sie ein weiteres Stück um den Käfig herumtrat, wusste Dean, was mit seiner anderen Hand geschehen würde und da er sich ohnehin bereits auf seine Unterarme stützte, kam er ihr ein wenig entgegen. Sofort ertönte von Aisha ein leises, anerkennendes Pfeifen.
“Er scheint doch lernfähig zu sein.”
Alles in Dean schrie danach, sofort eine Antwort zurückzupfeffern, aber er verkniff sich das. Er hockte in einem verdammten Käfig, alle Viere leicht gespreizt gefesselt und musste seinen Hintern präsentieren. Nein, es war kein guter Zeitpunkt, um richtig deutlich zu werden.

Er hatte allerdings nicht geahnt, was als Nächstes passierte. Sobald er derart fixiert war, traten alle drei Frauen an den Käfig, streckten ihre Hände durch die Gitter und fingen an, ihn zu betatschen. Dean grunzte unwillig, aber auch hier ließ er mehr lieber stecken. Bis ihm das Nicken und teilweise das Stirnrunzeln, das er aus dem Augenwinkel bei den drei Frauen sehen konnte, dann doch zu viel wurde.
“So, jetzt haben ja alle scheinbar ihren Spaß gehabt. Ich für meinen Teil finde, ich wurde genug begrabbelt, können wir dann jetzt zum angenehmen Teil kommen? Macht mich los, ich muss was essen und auf Toilette.”
Das Kichern, das er hinter sich vernahm, gefiel ihm nicht. Überhaupt nicht! Es trieb eine unangenehme Gänsehaut seinen Rücken herunter.
“Groß oder klein?”
“Wie bitte?”
Oh verdammt, schon wieder klang seine Stimme nur wie ein tiefes Grollen, anstatt nett und höflich. Er konnte eben einfach nicht anders.
“Das war eine ganz einfache Frage. Großes Geschäft, oder kleines?”
“Was spielt das für eine Rolle?”
“Eine erhebliche. Wir müssen wissen, was du brauchst.”
Eigentlich wollte Dean nicht erfahren, was damit gemeint war, aber ihm war bewusst, dass er sich so weit in der Sackgasse befand, dass er ohnehin nicht rauskam.
“Vorerst… klein.”
“Ephraim, kümmerst du dich bitte darum?”
Dean erwartete, dass der Diener ihn jetzt von seinen Fesseln erlöste, und sei es auch nur teilweise, um irgendwo auf die Toilette zu können. Fast hörte er schon, wie es klingen würde, wenn sie das Schloss von seinem beschissenen Keuschheitsgefängnis lösten, aber er wurde eines Besseren belehrt. Sehen konnte er es nicht, wohl aber mit seinen Zehen fühlen. Auch in seinem Rücken hatte der Käfig eine Tür. Und die wurde jetzt geöffnet. Er sah mühsam unter sich und wollte fast würgen, als er entdeckte, was da passierte. Ephraim schob eine Schüssel unter ihn.
“Du kannst laufen lassen.”
“Ganz sicher nicht!”
Eine der Frauen kicherte. Er hasste es.
“Dann wirst du dich später vollpinkeln müssen. Lass es lieber bleiben, das gibt nur eine Sauerei und eine Strafe noch dazu.”
“Ich kann so nicht …!”
“Oh doch, das habe sie alle geschafft, das wirst also auch du hinkriegen. Dein Keuschheitsgürtel hat genug Öffnungen, damit es ablaufen kann. Los jetzt. Du wolltest pinkeln, dann tu es jetzt gefälligst! Du hast sogar Glück, weil du ja scheinbar ein bisschen schüchtern bist, lassen wir euch kurz allein.”
Na ganz toll. Dean knirschte mit den Zähnen. während er die drei Frauen aus dem Raum gehen sehen konnte. Aus dem Augenwinkel sah er, dass Ephraim den Mund öffnete und diesmal konnte er sich nicht bremsen.
“Untersteh dich! Wenn du jetzt auf die Idee kommst, mich hier anzufeuern, dann haben wir demnächst ein ganz großes Problem miteinander!”
Wieder konzentrierte er sich nur darauf, zu atmen und nahm erfreut wahr, dass der blöde Diener wirklich seine Klappe hielt.
“Wenn ich das hier anständig hinter mich bringe, kriege ich dann was zu essen?”
“Einen Burger. Wie du es dir gewünscht hast.”
Irgendetwas in Deans Magen sagte ihm bereits, dass auch das nicht so laufen würde, wie er es sich jetzt vorstellte, aber die Möglichkeit, etwas Ordentliches zu essen, war so gut, dass er darüber lieber nicht weiter nachdenken wollte. Also bemühte er sich, die Fassung zu wahren, auch, als er schließlich das Plätschern in der verdammten Schüssel vernahm. Sich zu erleichtern, tat auf jeden Fall gut, selbst wenn die Art und Weise mehr als beschämend war und eigentlich allein schon genug Anlass für ein Massaker. Und es wurde noch schlimmer, als Ephraim die Schüssel schließlich unter ihm wegzog und anfing, Dean zwischen seinen Beinen so gut es ging mit Feuchttüchern zu putzen. Ganz sicher würde er Sam davon niemals erzählen. Er würde ja selbst nie wieder daran denken wollen.

Dean hatte nach diesem Moment der absoluten Erniedrigung nicht gedacht, dass seine Laune noch mieser werden könnte, musste aber einsehen, dass er sich getäuscht hatte. Denn nachdem Ephraim den Käfig auf seiner Rückseite wieder verschlossen hatte, verschwand der Diener kurz und ließ Dean allein. Dem mittlerweile aufgrund der ungewohnten Haltung sämtliche Muskeln zu zittern anfingen. Und der nächste Schock wartete schon, denn als Ephraim wiederkam, hatte er nicht etwa die Schlüssel für Deans Fesseln dabei, sondern offensichtlich wieder nur einen für den Käfig. Diesmal öffnete er die Tür vor Deans Nase, was dem allerdings einmal mehr überhaupt nicht half. Ganz im Gegenteil, durch die offene Tür sehen, aber sich nicht einen Millimeter bewegen zu können, fachte seine Wut noch mehr an. Bis ihm Ephraim dann sein Essen hinstellte. Es war wirklich ein Burger. In einem verdammten Napf.
“Sie erlauben nicht, dass du dich bewegen kannst. Sie sagen, du bist zu gefährlich. Es muss also so gehen. Vielleicht wird es besser, wenn du deine Medizin bekommst.”
Ach ja, das hatte Dean vollkommen verdrängt. Die Medizin, von der bereits gesprochen worden war. Nein, er wollte immer noch nicht wissen, was es damit auf sich hatte. Und schon gar nicht wollte er den Burger aus einem Napf essen, ohne seine Hände benutzen zu können. Er starrte also nur darauf und wusste einfach nicht, wie er sich verhalten sollte, als die Frauen zurückkehrten. Dean hob den Kopf, soweit das ging, und erstarrte.
Die Blondine hielt eine Spitze in der Hand. Ziemlich groß und gefüllt mit einer merkwürdig fluoreszierenden Flüssigkeit. In der einen Sekunde schimmerte die rosa, in der nächsten grünlich. Und alle drei Frauen lächelten.

“Na, dann wollen wir mal, oder?”
Vor Deans Nase wurde die Käfigtür geschlossen. Er kniete immer noch auf allen Vieren, konnte sich nicht bewegen, war eingeschlossen und hatte einen Fressnapf vor sich. Nichts, aber auch gar nichts, konnte schlimmer sein. Bis die Blondine um den Käfig herumging und er, ohne sich irgendwie wehren zu können, einen ordentlichen Pieks in seiner rechten Gesäßhälfte verspürte.
“So, nun müssen wir nur noch abwarten, bis es wirkt. Ich denke, dann sollte er etwas ruhiger werden.”
Dean wollte etwas sagen, das wollte er wirklich. Und es war bestimmt nichts Nettes. Aber dann ergriff ihn eine wohlige Wärme, seine Muskeln schienen sich zu entspannen und irgendwie fühlte sich in seinem Kopf alles merkwürdig wattig an. Er schloss die Augen und genoss es, sich zum ersten Mal seit Stunden wieder halbwegs okay zu fühlen.

Als er die Augen wieder öffnete, entdeckte er den Burger vor seiner Nase. Er roch so gut! Ohne zu zögern beugte Dean sich über seinen Napf und nahm einen großen Bissen.



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Ihr Lieben,

da war es, das erste von ein paar Monster-Kapiteln. So lang schreibe ich die ja normalerweise nicht, aber diese Story hat das eine oder andere, ich hoffe, das passt für euch ;)
Ich möchte mich an dieser Stelle wieder bei euch bedanken, für die lieben Reviews nach dem letzten Kapitel und das neue Sternchen. Ich hab mich riesig gefreut!

Liebe Grüße
Maja
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