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Die Paten

von Feinstein
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / MaleSlash
20.07.2020
20.07.2020
18
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20.07.2020 249
 
Die letzten Tage der Sommerferien waren für Wiebke Schiller, Internatsleiterin der einzigen Internatsschule von Erfurt, immer die anstrengendsten Tage im ganzen Jahr, und das, obwohl sie bis auf den einen oder anderen Handwerker allein war im Internat. Es waren alljährlich die gleichen Pflichten, die sie beschäftigten und deren Ergebnis sie nie hundertprozentig zufriedenstellte: das Zusammenstellen der neuen Zimmergemeinschaften und das Zuteilen von Patenschaften für die Fünftklässler und andere Neulinge. Sie wusste aus Erfahrung, dass sie im Lauf des Schuljahres umso weniger Ärger haben würde, je besser sie das alles zusammenpuzzelte, aber das war weit schwieriger, als es auf den ersten Blick aussah. Nach Möglichkeit sollte keine Zimmergemeinschaft nur aus einem Jahrgang bestehen, aber der Altersunterschied durfte auch nicht zu groß sein, sonst konnten die Jüngeren nicht schlafen, weil die Älteren noch rumturnten, oder die Älteren waren knatschig, weil sie aus Rücksicht auf die Jüngeren abends im Zimmer nichts mehr machen konnten. Ab und an konnte es angebracht sein, beste Freunde räumlich zu trennen, damit sie nicht nur zusammengluckten, und natürlich wäre es unklug gewesen, zwei Leute in ein Zimmer zu stopfen, die sich wegen jeder Kleinigkeit an die Kehle gingen. Kurz: Frau Schiller musste die Balance wahren zwischen dem Miteinander, das die Kinder und Jugendlichen lernen mussten, und dem Zuviel an Unterschiedlichkeiten, das sie ihnen nicht zumuten durfte. Besonders bei den Neuen glich das einer Lotterie, denn wenn sie die überhaupt schon kennengelernt hatte, dann nur flüchtig, wenn die Eltern sie persönlich angemeldet und sie dabei mitgebracht hatten.
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