Sternschnuppen.

OneshotHumor, Romanze / P12 Slash
Sam Sebastian
19.07.2020
19.07.2020
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Sternschnuppen.

Pairing:
Sam x Sebastian

Kurzbeschreibung:
Sind Sternschnuppen kitschig oder doch romantisch?  


Sternschnuppen.

Als ein Klopfen an meiner Zimmertür ertönt, sehe ich überrascht von meinem Bildschirm auf. Ein Blick auf meine Uhr erinnert mich daran, dass mein Freund heute vorbei kommen wollte. …und ich habe es wieder einmal verpasst, mir rechtzeitig einen Wecker dafür zu stellen.

„Äh… Ja, komm rein“, bitte ich etwas überfordert.

Und schon öffnet sich die Tür und Sams freudiges Lächeln erhellt das dunkle Kellerzimmer, in dem ich wohne. Er lässt seinen Rucksack sinken, schließt die Tür und tritt fröhlich auf mich zu. Sam bleibt neben meinem Schreibtisch stehen und beugt sich zu mir nach vorne. Ich halte ihm meine Wange hin, die mein Freund zur Begrüßung küsst. Diese Situation hat etwas von einem einstudierten Tanz und wie bei einem Tanz bleibe ich regungslos sitzen.

„Hey, Seb. Du hast wieder nicht auf die Zeit geachtet, oder?“
„Nein, entschuldige“, gebe ich meinen Fehler zu. „Ich weiß, ich wollte einen Wecker stellen, aber das hab ich irgendwie vergessen.“
„Schon gut, Hauptsache du schläfst nicht“, winkt Sam ab. „Ich bin selbst nicht ganz pünktlich. Wenn du noch ein paar Minuten brauchst, ist das auch okay. Ich kann warten.“
„Danke, Sam.“

Mein Freund macht es sich in meinem Bett bequem. Ich blicke kurz zu ihm hinüber, er richtet gerade das Kissen. Ich kann seine blonden, wuscheligen Haare von meinem Schreibtisch aus sehen. So spannend Sams Haare auch sind, widme ich mich trotzdem wieder meinem Bildschirm.

„Ich hab übrigens Essen mitgebracht.“
Neugierig richte ich meinen Blick gleich wieder zu meinem Freund. „Und das sagst du erst jetzt? Ich bin gleich fertig.“
„Außerdem hab ich vorhin deine Schwester getroffen.“
„Ach ja?“, frage ich nach, wende mich dabei aber schon wieder meinem Bildschirm zu. Das Essen hat mein Interesse eindeutig stärker geweckt als Sams Gespräch mit meiner Schwester.
„Mhm. Sie hat mir erzählt, dass man heute Nacht viele Meteoriten sehen kann. Der Höhepunkt soll heute Nacht von zwölf bis zwei sein.“
„Hab ich gehört und zwar mehrmals“, antworte ich. „Maru freut sich schon die ganze Woche darauf.“
„Und wie sieht’s mit dir aus?“, fragt Sam nach. „Hast du vielleicht Lust, sie anzusehen? Könnte… naja romantisch sein?“

Ich lächle etwas, doch ich versuche es nicht zu sehr zu zeigen. Es war klar, dass Sam sich für den Sternenhimmel interessiert. Bei den vielen Alien-Dokumentationen, die ich mir mit ihm zusammen ansehen musste, wundert es mich, dass er seine ‚Einladung‘ so zaghaft formuliert.

Bevor ich meinen PC herunterfahre, sichere ich noch meine Arbeit. Es wird Zeit, dass ich meinen Freund erst einmal anständig begrüße, bevor wir essen. Ich eile zu meinem Bett und kuschle mich an Sams Seite. Mein Freund legt sofort seinen Arm um meine Schultern. Es folgt ein liebevoller Kuss auf meine Wange.

„Gut, keine Antwort ist eine Antwort. Wie war dein Tag?“, fragt er nach.
„Na ich weiß nicht ob es so spaßig ist, mit Maru und Demetrius Sterne zu beobachten… Romantisch ist es schon gar nicht.“
Sam küsst meine Nase. „Der Himmel ist für uns alle da und man kann ihn von verschiedenen Stellen aus betrachten.“
„Was willst du damit sagen?“, frage ich mit geschlossenen Augen. Sam hat wieder diesen Duft aufgelegt, den ich an ihm so liebe.
„Dass wir uns eine oder zwei Decken mit nach draußen nehmen, es uns gemütlich machen und die Sterne über uns betrachten.“
„Hm… Könnte vielleicht doch ganz nett werden“, willige ich ein.
„Mehr Begeisterung kann ich wohl nicht erwarten.“ Ich werde sanft gestreichelt. „Vielleicht sollten wir zuerst dein kleines Bäuchlein füllen. Später können wir ja immer noch darüber sprechen, was wir heute Nacht anstellen.“
„Am liebsten wäre es mir, zu schlafen, not gonna lie.“
„Kann man ja immer noch machen.“

Mein Freund gibt mir noch einen Kuss, schon klettert er aus dem Bett. Ich setze mich auf und warte auf unser Abendessen. Sam hebt eine Tüte auf. Die ist mir vorhin gar nicht aufgefallen, aber von meinem Schreibtisch aus habe ich sowieso nicht alles im Blick.

„Also, mein kleiner Liebling. Wir haben hier Maki, Sashimi und gebratene Nudeln mit Gemüse“, zählt Sam auf, als er zu meinem Tisch tritt.
„Mhhm…“, freue ich mich. „Da kennt mich jemand gut.“
„Wird Zeit nach so vielen Jahren.“
„Auch wahr.“

Ich stehe auf und gehe auf meinen Freund zu. Sobald die Tüte geöffnet ist, kann ich auch schon den Duft unseres Abendessens wahrnehmen. Sam beginnt damit, das Essen und die Getränke auf dem Tisch, auf dem wir normalerweise immer Solarion Chronicles spielen, zu verteilen. Kaum sitze ich, stellt Sam auch eine Flasche Wasser auf den Tisch, da er weiß, dass ich seine geliebte Joja Cola nicht trinken kann. Geduldig warte ich auf die Essstäbchen, die er mir mit einem Lächeln reicht. Ich beginne mit einer leckeren Makirolle, die ich in etwas Sojasauce tunke.

„Danke, Sam. Beim nächsten Mal zahle ich wieder.“
„Ach was, ich habe keine Liste, auf der ich die Gefallen eintrage, die du mir zurückzahlen musst“, entgegnet Sam. „Ich hab einfach nur an dich gedacht und wollte dir etwas Gutes tun. Mir war klar, dass du noch nicht gegessen hast.“
„Ich bin berechenbar. Vielleicht sollte ich dich mal überraschen und dich tatsächlich frisch geduscht und gesättigt empfangen“, überlege ich laut.
„Ach was, überanstreng dich nicht. Mir reicht es vollkommen, wenn du wach bist“, winkt Sam ab. Er lächelt mich an. „Hauptsache wir sind zusammen. Alles andere ist optional.“
„Wie Recht du hast.“
„Dabei fällt mir ein: Ich hab auch Glückskekse dabei“, erzählt er mir. „Für ein richtiges Dessert hat’s heute nicht mehr gereicht.“
„Das würde ich nach dem Essen sowieso nicht mehr runter bekommen“, beruhige ich ihn.  

Um mich nicht gleich an den Maki zu überfressen, gehe ich nach zwei weiteren Makirollen zu Sashimi über. Sam und ich tauschen einen Blick aus und er zieht den Rest der Maki zu sich hinüber. Ich beobachte meinen Freund dabei, wie er eine Makirolle mit seinen Stäbchen zu seinem Mund führt. Auf halbem Weg verliert er sie, doch dank seinen Reflexen fängt er sie mit seiner freien Hand auf. Ich schmunzle.

„Das hast du nicht gesehen“, spricht er verschwörerisch und befördert den mundgerechten Happen gleich mit der Hand in seinen Mund.
„Du machst Fortschritte“, ermutige ich ihn, weiterhin mit Stäbchen zu essen. Essstäbchen sind nicht unbedingt seine Stärke, doch Sam gibt nicht so schnell auf, egal wie oft sein Essen vor ihm flieht.  
„Ja schon, aber für Reis bin ich noch lange nicht bereit, deswegen hab ich Nudeln mitgenommen.“ Im Augenwinkel kann ich deutlich erkennen, dass Sam mir auf die Finger sieht, während ich ein Stück Fisch zu meinem Mund führe. „Bei dir sieht das so elegant und einfach aus. Eigentlich sind all deine Bewegungen sehr elegant. Du bist gewandt wie eine Katze.“
„Ach du“, winke ich etwas peinlich berührt ab. „Und starr mich nicht so an, du Creep.“
„Schöne Menschen muss man ansehen“, entgegnet Sam schmunzelnd.
„Ich glaube ich muss hier eine Trennwand aufstellen, damit ich in Ruhe essen kann.“ Ich deute auf den Bereich vor mir und neben mich.
„Ach, nicht nötig, ich hab da eine andere Idee.“

Sam legt eine Hand über seine Augen. Blind tastet er sich mit seiner freien Hand zu der Plastikverpackung, in der sich die Maki befinden, vor. Ich schüttle mit dem Kopf, als er verzweifelt versucht blind mit seinen Stäbchen eine der Maki zu fassen zu bekommen.

„Du bist so ein Idiot“, mache ich mich über ihn lustig. „Nimm die Hand aus deinem Gesicht, sonst verhungerst du noch.“
„Und anstarren darf ich dich auch wieder?“
„Nö.“
„Dann hör auf so schön zu sein.“
„Geht klar.“

Als Sam seine Hand wieder sinken lässt, dreht er sich gleich zu mir. Er lacht, als er sieht, dass ich mich mit einer Grimasse entstellt habe. Nicht mehr ‚so schön‘ zu sein, ist ziemlich einfach.

„Das funktioniert nicht ganz, Seb. An dir ist sogar das Duckface reizend.“
„Du bist wohl auf den Kopf gefallen.“
„Ein bisschen“, stimmt er mir grinsend zu.
„…wie kann man ein bisschen auf den Kopf fallen?“, frage ich belustigt nach.
„Meine Frisur dämpft Schläge auf meinen Kopf.“
„Ahhh-ja.“ Ich nicke verstehend. Die Antwort zeigt, dass er wohl einmal zu oft auf den Kopf gefallen ist.

Nach reichlich Essen, um gut gesättigt, aber nicht überfressen zu sein, reicht Sam mir zwei Glückskekse. Ich überlege nicht lange und greife nach dem Keks in seiner rechten Hand.

Die Verpackung ist schnell geöffnet. Ich zerbreche den knusprigen Keks in der Mitte und ziehe den kleinen Zettel heraus. Die Botschaft bringt mich zum Lächeln.

„Du zuerst“, bittet Sam.
„Der richtige Augenblick zum Glücklichsein ist jetzt“, lese ich vor.
„Das klingt vielversprechend.“
„Jetzt du“, bitte ich meinen Freund.
„Ein langersehnter Durchbruch kündigt sich an“, liest Sam vor. Ich sehe Sam skeptisch an. Sein Grinsen verheißt nichts Gutes. „Klingt als dürfte ich dich heute nackt sehen.“
Ich bin nicht begeistert von seinen Hoffnungen, also dämpfe ich gleich seine frechen Gedanken: „Spoileralarm: Nein.“
„Ach Mann…“



Nach unserem Essen klettern wir wieder zusammen ins Bett. Auch wenn ich noch nicht bereit für Sex bin, heißt es nicht, dass ich Sam nicht nah sein möchte. Kuscheln tut mir immer gut.

Sam legt seine Hand an mein Kinn. Ich sehe zu ihm und werde schon in einen liebevollen Kuss verwickelt. Meine Augen fallen wie von selbst zu. Es dauert nicht lange, schon intensiviert Sam den Kuss. Ich werde in die Matratze gedrückt, mein Freund liegt nun über mir. Wie immer ist Sam etwas vorsichtig, aber auch sehr leidenschaftlich, während er mich küsst. Ein letzter Kuss auf meine Lippen folgt, schon arbeitet er sich zu meinem Hals vor. Ich drehe meinen Kopf zur Seite, seine Küsse kitzeln mich etwas, doch sie fühlen sich auch so gut an. Immer wenn wir beide zusammen sind, fühle ich mich rundumwohl. Sam ist mein persönlicher Sonnenschein.

„Sam, hör auf“, bitte ich ihn wenig überzeugend. Ich lege zwar meine Hand an seinen Brustkorb, aber ich drücke ihn nicht von mir. „Ich hab doch gesagt, dass ich noch duschen muss.“
„Das merkt man gar nicht. Du duftest betörend“, bekomme ich ein Kompliment. Gleich danach spüre ich wieder Küsse an meinem Hals. Mein Freund saugt an meiner Haut, auch das kitzelt ein wenig.
„Sam, bitte… Wir müssen uns nicht beeilen, wir haben die ganze Nacht Zeit zum Kuscheln.“
Sam sieht mich an. Er stützt sich links und rechts neben meinem Kopf ab und lächelt etwas. „Entschuldige, aber es ist sehr schwer, dich nicht mit Küssen zu überhäufen, wenn wir uns ein paar Tage nicht gesehen haben.“
„Ich hatte viel zu tun.“
„Ich weiß, ich musste ja auch arbeiten, es nervt aber trotzdem etwas. Da angelt man sich den hübschesten Kerl in der Stadt und dann hat man nicht mal die Gelegenheit, täglich mit ihm zu kuscheln.“
Ich schmunzle meinen Freund an. „Mit ein bisschen mehr Kleingeld könnten wir uns ein kleines Apartment suchen“, erinnere ich ihn an meinen Plan, nach Zuzu City zu ziehen.
„Ich weiß“, antwortet Sam. Er lehnt sich wieder vor, um mich zu küssen. Mit geschlossenen Augen erwidere ich den Kuss. Mein Freund lässt sich auf mich sinken.

Dieses Mal überfällt er mich nicht so sehr. Im Gegenteil, er nimmt sogar wieder etwas Abstand, nur um mich in seine Arme zu ziehen. Nebeneinander zu liegen und zu kuscheln ist nicht ganz neu für uns. Das haben wir immer schon getan, doch seit wir ein Paar sind, hat sich die Kuschelzeit noch einmal drastisch erhöht und ich liebe es!

Sam küsst meine Stirn, sein Lächeln ist so verdammt ansteckend, dass sich sogar meine sonst so ausdruckslosen Mundwinkel etwas heben. Er streichelt meine Wange, gleich darauf streicht er mir eine Strähne hinter mein gepierctes Ohr.

„In den letzten Tagen hast du es nicht oft gehört, aber du bist sexy und niedlich und hübsch und ich liebe dich.“
„Ach du“, winke ich ab. Sam bekommt einen ganz leichten Klaps auf die Brust. „Du musst mir das nicht sagen. Das klingt so schmalzig. Ich weiß schon, dass du mich gern hast. Sonst wärst du ja nicht hier.“
„Tz, dein Lächeln sagt etwas Anderes aus“, entgegnet Sam mit einem breiten Grinsen. „Willst du mir nicht auch etwas sagen?“
„Was? … Ach, ja, ja, klar. Ich liebe dich auch, aber hör auf so frech zu grinsen.“
„Versuch doch, mich davon abzuhalten.“
„Okay, wenn du dir das so sehr wünschst.“ Um Sams Lippen zu beschäftigen, verwickle ich meinen Freund in einen weiteren Kuss.

Nach und nach fallen einige Klamotten zu Boden. Wir ziehen uns aus, um es uns bequemer zu machen. Es ist um einiges angenehmer, sich an nackte Haut zu kuschen, anstatt seine Wange gegen Jeansstoff zu drücken.

Ich atme tief ein, als ich mich an meinen Freund kuschle. Sam sorgt dafür, dass ich gut zugedeckt bin. Er bekommt einen vorsichtigen Kuss auf seine Brust, schon schließe ich wieder meine Augen, um den Moment zu genießen.

„Hast du dir das mit den Sternschnuppen schon überlegt?“, erkundigt sich mein Freund nach dem Plan für heute Nacht.
Ich wusste es. „Du willst sie unbedingt sehen, richtig?“
„Ja schon, aber nur wenn du auch willst. Ich will dich nicht gegen deinen Willen rausschleppen“, entgegnet Sam mir.
„An sich würde ich sie mir schon gerne ansehen.“
„Das klingt nach einem aber…“
„Ich bin schon ziemlich müde“, antworte ich. Um meinen Zustand zu verdeutlichen, lege ich noch ein herzhaftes Gähnen nach.
„Dann mach ein kleines Nickerchen. Ich wecke dich rechtzeitig.“
„Klingt gut…“



Ein Nickerchen und eine Dusche später spazieren Sam und ich Hand in Hand den Weg Richtung See entlang. Es ist dunkel und etwas frischer, als ich vermutet habe. Ich habe zwar ein Shirt und einen Hoodie an, doch eine Lederjacke wäre nicht verkehrt gewesen. Umkehren will ich jedoch deswegen nicht, das ist es nicht wert.

Etwas abseits vom See legt Sam eine Decke ins Gras, während ich mit meinem Smartphone den kleinen Platz erhelle. Die Decke liegt bereit, wir nutzen die Tasche, in der wir die Decke transportiert haben, als Kopfkissen. Zusätzlich mache ich es mir noch auf Sams Arm bequem.

„Sag mal, gibt es eine bestimmte Richtung, in die man schauen sollte?“, fragt Sam nach.
Ich muss mein Lachen unterdrücken, dabei antworte ich: „Ja, klar.“
„Und?“
„Nach oben, du Idiot“, mache ich mich über ihn lustig.
„Haha, wie witzig, Sebastian. Das hab ich nicht gemeint.“
„Ich weiß, wie du es gemeint hast, aber es hat sich gerade perfekt angeboten.“

Gemeinsam blicken wir in den Nachthimmel. Minute für Minute vergeht und abgesehen von Dunkelheit und funkelnden Sternen sehe ich gar nichts. Wenn das hier der ‚Höhepunkt‘ sein soll, dann weiß ich nicht, wie viele Sternschnuppen man den gesamten Abend sehen beziehungsweise eher nicht sehen konnte. Ich langweile mich ziemlich schnell, daher setze ich mich auf, um meine Zigaretten zu suchen. Meine Packung habe ich aus der Hosentasche gezogen und neben mich gelegt, um es etwas bequemer zu haben.

„Wolltest du nicht aufhören?“, fragt Sam mich, als ich mein Benzinfeuerzeug öffne und die Flamme im Anschluss unser kleines Lager erhellt.
Ich halte meine Zigarette in die kleine Flamme, um sie zu entzünden. Ich inhaliere den Rauch und puste ihn in den Nachthimmel, dann lege ich mich wieder neben meinen Freund. „Ich bin auf fünf Zigaretten pro Tag runter. Zwei morgens, zwei tagsüber und eine vor dem Schlafengehen.“
„Ist das die letzte für heute?“
„Nein, bin nicht dazu gekommen. Das ist meine dritte Zigarette für heute. Ich hab deinen Rat beherzigt und lege mir für den Tag immer fünf Zigaretten zurecht. Wenn die alle sind, hab ich eben Pech gehabt.“
„Was für ein System hast du? Von Aufwachen bis Schlafengehen oder der klassische 24-Stunden-Rhythmus?“
„Mit dem 24-Stunden-Rhythmus läuft’s besser. Da hab ich einen besseren Überblick. Wenn ich um Mitternacht noch wach bin, stecke ich fünf Zigaretten in meine Packung, falls nicht, mache ich das, sobald ich aufstehe.“
„Mein Freund ist ein sehr cleveres Kerlchen“, lobt Sam mich.

Er greift nach meiner freien Hand und streicht mit seinem Daumen über meinen Handrücken. Ich ziehe an meiner Zigarette, während ich wieder in den Himmel sehe. Über uns zieht eine kleine Sternschnuppe über den Himmel.

„Vergiss nicht, dir etwas zu wünschen“, erinnert Sam mich.
Ich schmunzle etwas, weil meine Antwort auf diese Aussage viel zu kitschig ist, um sie auszusprechen. Er würde sich nur über mich lustig machen und das möchte ich mir nicht antun. Auch wenn sich unser Umgang geändert hat, seit wir zusammen sind, will ich mir diese Blöße nicht geben.

Ich genieße die letzten Züge meiner Zigarette, dämpfe sie dann im Gras aus und lege sie auf einen kleinen Stein, um sie später nicht zu vergessen. Sam hebt seinen Arm, ich nehme die Einladung zum Kuscheln gerne an, da mir immer noch etwas kalt ist.

„Willst du meine Jacke?“, bietet Sam mir fürsorglich an.
„Nein, dann ist dir kalt. Ich halt das schon aus.“
„Blödsinn, mir ist total warm“, entgegnet mein Freund schnell.
Er deckt mich mit seiner Jacke zu. „Ich könnte kotzen, weil wir so klischeehaft sind…“
Mein Freund küsst meine Wange. „Blödsinn. Ich hab dir meine Jacke schon geliehen, als wir noch nicht zusammen waren. Weniger denken, mehr genießen, Sebastian.“ Sam zeigt in den Himmel. „Da. Noch ein Wunsch.“

Ich folge seinem Finger und sehe eine Sternschnuppe, wie ich sie noch nie gesehen habe. Sie ist um einiges größer als die Sternschnuppe von vorhin. Der große Feuerball leuchtet heller, er zieht einen dickeren Schweif nach, doch wie alle anderen Sternschnuppen, verglüht auch er am Himmel. Ich staune nicht schlecht, als mir klar wird, was ich da gerade gesehen habe. Das war die größte Sternschnuppe überhaupt!

„Wow“, gebe ich staunend von mir.
„Woa, ich hab noch nie so eine große Sternschnuppe gesehen“, stimmt Sam meiner wortkargen Überraschung zu.
„Ja, ziemlich coole Sache…“

Ich schmiege mich an meinen Freund. Sein Parfum steigt mir wieder in die Nase. Der Moment, so kitschig er auch sein mag, ist perfekt. Irgendwie hatte Sam schon Recht, es ist schon recht romantisch. Kitschig, aber romantisch.

Selbst wenn ich es nicht erwartet habe, stimmt die Vorhersage. In den nächsten Minuten zieht immer wieder eine Sternschnuppe über den dunklen Nachthimmel. Wenn ich mir bei jeder Sternschnuppe etwas wünschen würde, wäre ich nach dieser Nacht wunschlos glücklich.

Ich würde mir wünschen, dass ich endlich aus dem Keller meiner Mum verschwinden kann.
Ich würde mir wünschen, dass ich genug Geld zusammen habe, um mir ein schönes Apartment in Zuzu City leisten zu können.
Ich würde mir wünschen, dass Sam und ich dort zusammen leben können.
Ich würde mir wünschen, dass wir gut über die Runden kommen und uns keine Sorgen um Geld oder Rechnungen machen müssen.
Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Zeit füreinander haben.
Ich würde mir wünschen, dass ich alles habe, was ich brauche, um glücklich und zufrieden zu sein.

Meine Augen weiten sich aus Überraschung, als ich eine leuchtende, helle Sternschnuppe erblicke, die sogar noch größer und prachtvoller ist, als die von gerade eben. Sam drückt meine Hand, er zieht überrascht die Luft ein. Er ist von dieser Himmelserscheinung wohl genauso überrascht wie ich. Dass Sternschnuppen so imposant sein können, hätte ich niemals gedacht. In meinem Kopf schwirrt nur noch ein Gedanke.

Ich wünsche mir, dass Sam und ich für immer glücklich miteinander sind…

Als die Sternschnuppe am dunklen Nachthimmel verglüht ist, dreht Sam sich zu mir. Er sieht mich an, als hätte er gerade meine Gedanken gelesen. Es ist mir für einen Moment peinlich, doch dann erinnere ich mich daran, dass Sam definitiv nicht meine Gedanken lesen kann. Er weiß nicht, was wortwörtlich in meinem Kopf vor sich geht.

Auch ich drehe mein Gesicht zu ihm. Der etwas stürmische Kuss, in den er mich verwickelt, überwältigt mich. Ich schiebe seine Jacke zur Seite und schmiege mich auf der Suche nach seiner Nähe an seinen Oberkörper. Mein Freund löst seine Lippen viel zu schnell wieder von meinen. Dass er im Moment mehr als glücklich ist, ist ihm deutlich anzusehen. Ich bin es ebenso. Dieser Moment ist das Highlight meiner Woche und ich will nicht, dass er endet.

„Sam, ich hab mir gewünscht, dass-“
„Sch-sch…“, unterbricht er mich. „Wenn man seine Wünsche ausspricht, gehen sie nicht in Erfüllung.“
„Entschuldige.“

Wir sehen uns für einen Moment in die Augen. Mit einem Mal beschleicht mich das Gefühl, dass sich unsere Wünsche vielleicht gar nicht so unähnlich sind. Ich halte meine Lippen geschlossen, in der Hoffnung, dass sich unsere Wünsche tatsächlich erfüllen. Sam und ich werden für immer zusammen bleiben.

Mit einem Lächeln küsse ich Sams Lippen ein weiteres Mal. Wir kuscheln uns wortlos aneinander, unsere Blicke sind in den dunklen Nachthimmel gerichtet. Eine weitere leuchtende Sternschnuppe zieht an uns vorbei und ich wiederhole gedanklich meinen letzten Wunsch.

Niemals hätte ich gedacht, dass ich so kitschig sein könnte, doch mittlerweile bin ich es und Sam ist der Grund dafür…
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