Der Spatz, der dem Schwan das Fliegen lehrte

OneshotRomanze / P12
Captain Jack Sparrow Elizabeth Swann
19.07.2020
19.07.2020
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Disclaimer!
Pirates of the Caribbean und die darin vorkommenden Charaktere und Zitate gehören nicht mir, sondern Disney! Die zitierten Kommentare real existierender Personen sind ebenfalls nicht mein Eigentum. Ich mache durch die Veröffentlichung dieses Schreibens keinen finanziellen Gewinn.

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Heyy!
Ich bin wieder zurück, nur dieses Mal mit einem Oneshot im Analysestil, in dem ich eine Frage aus meiner Sicht erörtere und beantworte: Gehören Jack und Elizabeth zusammen?
Die Punkte, die ich im folgenden Text auflisten und interpretieren werde, sind Großteils in Zusammenarbeit mit Freunden und Bekannten entstanden. Daher eine kleine Danksagung an Sabi, hier auf Fanfiktion.de unter dem Namen ‚Autmnbreeze‘ zu finden (Instagram: @potc.souldreamer), mit der ich gefühlt stundenlang die kleinsten Blicke und Gesten der beiden auseinandergenommen und erörtert habe.
Die einzelnen Zitate sind so aus dem Film, Skript oder Kommentaren entnommen worden. Wo ihr diese finden könnt gebe ich jeweils an. Aufgrund der Vorgaben dieser Website, kann ich euch die verschiedenen Videos, über die ich reden werde, nicht verlinken, aber wenn ihr zu bestimmten Teilen Fragen habt, dann könnt ihr euch sehr gerne an mich wenden.
Jetzt habe ich auch genug um den heißen Brei gelabert und fange einfach an.

Kurze Legende:

PotC --> Pirates of the Caribbean
PotC - CotBP --> Pirates of the Caribbean - The Curse of the Black Pearl (Teil 1)
PotC - DMC --> Pirates of the Caribbean - Dead Man‘s Chest (Teil 2)
PotC - AWE --> Pirates of the Caribbean - At World‘s End (Teil 3)
PotC - OST --> Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides (Teil 4)
PotC - DMTNT --> Pirates of the Caribbean - Dead Men Tell No Tales (Teil 5)

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Beginnen wir mit Teil 1. Schon in der ersten Szene lernen wir Elizabeth Swann und ihre Zuneigung zu der Piraterie kennen. Entgegen der allgemein verbreiteten Furcht vor Piraten, empfindet sie eher Spannung für die Geschichten, die mit den Seemännern einhergehen. „Ich denke, es wäre ziemlich aufregend einem Piraten zu begegnen.“ (Elizabeth zu - damals - Captain Norrington, PotC-CotBP)
Es wird also schnell klar, Elizabeth ist anders. Sie schützt die Piraten, anstatt sie auszuliefern, weswegen sie auch Will bei ihrer ersten Begegnung das Medaillon abnahm. Diesen Charakterzug behielt sie bis ins Erwachsenenalter bei, was man merkt, als Elizabeth sich schützend vor Jack stellte, um Norrington von der Verhaftung ihres ‚Retters‘ abzubringen. Schon hier beginnt Elizabeth Jack zu verteidigen, sympathisiert mit einem Schwerverbrecher, was damals schon als Verbrechen für sich galt, stellt sich mit dem Rücken zu ihm hin und vertraut ihm blind. Immerhin hat er sie gerettet, wieso sollte er ihr jetzt etwas tun?
Dass sie sich diesbezüglich getäuscht hat, musste sie auf die harte Tour feststellen. Jack zieht sie mit den Handschellen zu sich und bedroht sie mit seiner Waffe. Was kriegen wir zu sehen? Wir sehen keine ängstliche junge Frau, die sich dem bedrohlichen Piraten unterwirft. Nein, wir sehen eine starke Frau, die ihrem Gegenüber die Stirn bietet und ihm deutlich ihre Abneigung zeigt. Ihr Blick, mit dem sie ihn ansieht, spricht Bände. Sie ist nicht angewidert von seiner Person, noch ist sie verängstigt. Sie ist wütend und enttäuscht, weil sie ihm vertraut hat und er dieses Vertrauen gegen sie verwendet hat.
Dass sie bei dieser Begegnung nicht eine Sekunde Angst hatte, wird einmal mehr deutlich, als ihre Zofe beim zu Bett gehen sagte, es sei ein „schwieriger Tag gewesen“. Elizabeth geht automatisch davon aus, die Zofe spräche über den Antrag des Commodore‘s, den sie am selben Tag erhalten hatte und ging darauf ein. Als ihre Dienerin sie dann aber berichtigte und darüber zu sprechen begann, wie „furchterregend“ es gewesen sein musste, von einem Piraten bedroht zu werden, schweift Elizabeth‘s Blick träumend in die Ferne, während sie zwar ihrer Zofe zustimmte, der Subtext jedoch Gegenteiliges bewies. Sie schien also den Antrag eines Mannes, den sie nicht liebte, als furchteinflößender zu empfinden, als von einem ihr unbekannten, bewaffneten Mann bedroht zu werden. Ihre Hand glitt zu dem Medaillon, das sie von Will entwendet und Jack‘s Interesse geweckt hatte.
Will. Ihre Jugendliebe, die - ohne es zu wissen - Elizabeth am Morgen enttäuschte. Sie bettelte förmlich, dass er sie beim Vornamen nannte, doch trotz der ausdrücklichen Bitte, kam Will dem nicht nach. Anders als Jack. Er kannte sie noch keine fünf Minuten, da nannte er sie direkt beim Vornamen, etwas, was sie von Will seit vermutlich schon Kindertagen wollte. Doch woran lag das? Ich vermute, weil Jack sie ganz anders wahrnahm.
Zu der damaligen Zeit wurden Frauen wie Objekte behandelt. Sie waren der Besitz des Mannes, wie eine zerbrechliche Vase, die in jeder Sekunde ihres Daseins dem Schutz des Mannes bedarf. Will, sowie auch Norrington, sahen in Elizabeth die junge, hochgeborene Gouverneurstochter, die geboren wurde, um als Hausfrau und Mutter ihr Leben zu verbringen. Sie sahen nicht, welches wilde und freiheitsstrebende Gemüt in dem Korsett gefangen war. Elizabeth wiederum fühlte sich zu Will angezogen, weil er ihr Abenteuer versprach. Sie wusste, dass in seinen Adern das Blut eines Piraten floss, was ihn in ihren Augen umso aufregender machte. Daher bezeichnet sie ihn in der Endszene auch als einen Piraten, da Piraten das verkörperten, wonach sie sich so sehr sehnte: Freiheit. Und war Jack nicht die Freiheit in Person?
Machen wir einen schnellen Sprung zu der Szene, in welcher Will und Elizabeth zurück an Bord der Interceptor kehren und Mister Gibbs fragt, wo Jack sei. Elizabeth horcht sofort auf und hakt nach: „Jack? Jack Sparrow?“ Zugegeben, diese Szene kann man interpretieren, wie man will. Man kann sagen, dass Elizabeth so schockiert nachfragte, weil es sie empörte, dass Will Jack zur Freiheit verholfen hat. Da sie aber ebenfalls zu Beginn versucht hat, Jack vor dem Kerker zu retten, klingt diese Aussage für mich nicht plausibel. Ich persönlich glaube, dass sie so bohrend nachfragt, weil sie ebenfalls an der Antwort nach Jack‘s Verbleib interessiert ist. Dies wird deutlich, als Elizabeth fassungslos über die Regeln des Piratenkodex ist: „Was für ein Mensch tauscht das Leben eines Mannes gegen ein Schiff ein?“ Sie ist ganz offensichtlich schockiert darüber, dass Jack‘s Leben riskiert wurde, um das Schiff nicht zu verlieren.
Nun zu der wohl aussagekräftigsten Szene in Teil 1, der Inselszene. Extrem substanziell für deren Verhältnis und die letzte Szene aus PotC-CotBP, auf die ich mich beziehe. Es beginnt damit, dass Elizabeth voller Bewunderung über Jack spricht. Sie lässt ihn indirekt hochleben und macht mehr als einmal deutlich, wie sehr sie ihn für die Geschichten, die sich um ihn ranken, verehrt. „Aber Ihr seid Captain Jack Sparrow. Vor den Augen von sieben Vertretern der East India Company seid Ihr verschwunden, Ihr habt den Hafen von Nassau geplündert, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern, seid Ihr der Pirat von dem ich gelesen habe oder nicht?“ Hier merkt man zum ersten Mal, dass Elizabeth vor ihrem Kindheitshelden steht. Sie hat alles über ihn gelesen, wusste über seinen Taten und Geschichten Bescheid und hatte genug Vertrauen in ihn, um zu glauben, dass er sie ohne weiteres von einer verlassenen Insel retten konnte.
In dieser Szene lässt Jack seine Fassade bröckeln. In den fünf Teilen, die wir zu sehen bekommen haben, hat Jack sich für niemanden geöffnet. Selbst bei seinem besten Freund (Gibbs) hielt er das Mysterium Jack Sparrow aufrecht und ließ niemanden dahinter blicken. Lediglich Elizabeth gegenüber öffnet er sich. Ihr zeigt er, wer er war, was er erlebt hat. Zu ihr war er ehrlich. Nur ihr sagte er, wie er wirklich von der Insel entkommen konnte und nur ihr zeigte er, was wirklich an den Geschichten, die sich um ihn rankten, wahr war.
Hier beziehe ich mich auf eine gelöschte Szene, die tief in Jack‘s Vergangenheit blicken lässt. Er zeigt Elizabeth seine Narben. Er zeigt ihr die Verbrennungen an seinem Unterarm, die er beim Verbrennen der Pearl erlitten hat. Er zeigt ihr die Schusswunden in seiner Brust und ihr zeigt er - freiwillig - die Brandmarkung, die ihn für den Rest seines Lebens als Piraten zeichnet. Elizabeth durfte als einzige Person hinter das Mysterium Jack Sparrow blicken.

Schließen wir direkt an der ersten Szene aus Teil 2 an. Elizabeth und Will werden festgenommen, weil sie Jack zur Flucht verholfen haben. Als Beckett seinen Namen erwähnt, lässt er bewusst den Titel aus und wird daher in Sekundenschnelle von Will und Elizabeth korrigiert, wobei sie noch mehr Wert darauf legte, als ihr Verlobter. „Captain! Captain Jack Sparrow.“ Ihre Zuneigung zu Jack wird auch in der Szene deutlich, in der Will sich von ihr verabschiedet, bevor er sich auf die Suche nach Jack machte. „Ich habe Vertrauen. In euch beide.“ Sie stellt klar, dass sie Jack ebenso sehr vertraut, wie Will, obwohl Jack ihr nie wirklich einen Anlass dazu gegeben hat. Sie vertraut beharrlich auf das Gute in ihm. „Ich wusste, dass Ihr ein guter Mensch seid.“ (Elizabeth zu Jack, PotC-DMC)
Sie flieht, lässt ihren Vater im Stich und taucht bei Beckett wieder auf, um den Kaperbrief mit sich zu nehmen. Im Verlauf dieser Analyse werdet ihr merken, dass Beckett mit als einziger Charakter der Franchise Jack, aber auch Elizabeth durchschaut. In dieser Szene zum ersten Mal. „Eine unterbrochene Vermählung oder die Macht des Schicksals?“ Dadurch, dass er direkt darauf Jack und ihre Bemühungen, ihn zu retten, anspricht, wird verdeutlicht, dass Beckett vermutete, dass Elizabeth Gefühle für Jack hegte. Wieso sonst sollte sie die Papiere mit sich nehmen, die Jack‘s Leben retten konnten? War es die Macht des Schicksals, dass Elizabeth‘s Heirat unterbrochen wurde, sodass sie nun ihren Weg zu Jack fand?
Als ich die Filme zum ersten Mal geschaut habe, stellte sich mir immer und immer wieder eine bestimmte Frage: Wieso funktionierte Jack‘s Kompass nicht? Diese Verwirrung wurde noch größer, als Tia Dalma anfing sein Problem zu verstehen, jedoch nicht umher kam, in Rätseln zu sprechen und so diese Frage für den Zuschauer unbeantwortet zu lassen. „Ah! Jack Sparrow hast keine Ahnung, was du willst. Oder weißt du es doch, bist aber zu unwillig es als dein Eigen anzuerkennen?“ Wer einmal genau auf Will‘s Reaktion achtet kann erkennen, dass er misstrauisch wird. Er scheint zu ahnen, wer Jack‘s Kompass zur Verwirrung brachte und dieser Gedanken schien ihn ganz offensichtlich nicht zu schmecken. Die endgültige Erklärung lieferten uns dann aber niemand geringeres, als die Drehbuchautoren der Filme Ted Elliot und Terry Rossio.
Einige DVD Versionen von PotC-DMC enthalten das Feature ‚Audiokommentare der Drehbuchautoren‘. Hier kommentieren sie die einzelnen Szenen, beschreiben ihre Vorstellungen und erklären Unklarheiten. Mit unter anderem auch diese: „Elizabeth is playing into Jacks thoughts in some degree. Jacks conflict is that he may wants Elizabeth but he really does not want to want her. And that‘s causing the compass to not work.“ (dt: Elizabeth spukt in gewisser Weise in Jack‘s Kopf rum. Jack‘s Problem ist, dass er Elizabeth zwar will, aber sie nicht wollen will.)
Dieses Problem wird in einer der ersten Szenen mit Jack verdeutlicht, als er in seiner Kajüte sitzt und frustriert feststellen muss, dass sein der Kompass keinen Punkt sicher fixieren konnte. Hier sagt er eine der berühmtesten Aussagen: „Wieso ist der Rum dauernd alle?“ Dieses Zitat bezieht sich auf Elizabeth und auf die Szene in Teil 1, in dem sie den Rum verbrennt.  Er vermisst sie und Jack ist sich dessen bewusst. Daher wusste er auch als einziger die Antwort auf die Frage, was allen Männern Ärger bereitete: „Eine Frau.“
Sie liegt ihm am Herzen, was auch der Grund ist, wieso er bereit ist, Will zu helfen. Als Will auf der Kannibaleninsel auf Jack trifft und ihn um Hilfe bittet, winkt dieser ab und scheint uninteressiert. Als jedoch Elizabeth‘s Name fällt, stoppt Jack mitten im Schritt und beschließt zu helfen. Zwar nicht nur, um sie zu retten, sondern auch aus Eigennutz, doch schien sein eigener Vorteil nicht Antrieb genug gewesen zu sein.
Ebenfalls eine sehr wichtige Szene für die Beziehung der beiden ist die berühmte Curiosity-Szene. Mit der Analyse fange ich aber ein Stück früher an.
Elizabeth sitzt auf der Treppe zur Brücke, deutlich frustriert, was Jack bemerkt und ihr Gesellschaft leistet. Als er hört, was sie bedrückt, zögert er nicht lange und macht ihr Hals über Kopf einen Heiratsantrag. Könnt ihr euch Jack verheiratet vorstellen? Nein? Ich auch nicht. Und Jack wahrscheinlich ebenfalls nicht. Im Originalskript des Filmes wird die Institution Ehe von Jack ironisch kommentiert: „I like marriage! It‘s like a wager on who will fall out of love first.“ (dt: Ich liebe Hochzeiten. Sie sind wie eine Wette, bei wem zuerst die Liebe verschwinden wird.) Jack sieht ebenfalls keinen Sinn in einer Heirat, trotzdem bietet er ebendiese Elizabeth an.
An dieser Stelle sagen viele, dass Jack es nur tut, um die körperlichen Vorzüge einer Ehe ausnutzen zu können, da er nur an Sex interessiert ist und genau das ist der springende Punkt! Jack versteckt sich hinter der Fassade, er wolle nicht mehr als ihren Körper. Während er insgeheim Gefühle für sie hegt, versteckt er diese und zeigt nach außen hin lediglich sein primitives Interesse, jedoch ohne jemals körperlich zu werden. Er weist sie durch sein Auftreten bewusst von sich, um sich vor ihr und vor allem vor seinen Gefühlen zu schützen. Gefühle machen angreifbar und Jack wusste das. Indem er seine wahren Gefühle verbarg, schützte er sich.
Dies wird auch in der Szene verdeutlicht, in der Will und Jack von der Kannibaleninsel abreisen und gemeinsam verhandeln: „...zur Befreiung deines Schnuckelschnäuzchens, der guten...wie heißt sie nochmal?“ Natürlich hat Jack ihren Namen nicht vergessen, auf diese Art und Weise konnte er allerdings den Anschein erwecken, sie würde ihn in keiner Weise interessieren. Denn Jack war nicht auf den Kopf gefallen. Er wusste, dass sich Elizabeth - solange Will in ihrem Leben war - niemals für ihn entscheiden würde. Er ersparte sich unangenehme Gespräche und Situationen, wenn er so tat, als wäre sie ihm völlig egal und nicht mehr als eine weitere Frau, die er gerne für eine Nacht an seiner Seite hätte.
Tatsächlich ist es Elizabeth, die schamlos beginnt zu flirten. Sie achtet nicht darauf, ob sie Jack in eine unangenehme Situation brachte. Sie verführte ihn und testete so seine Grenzen aus. Daher betont sie, als Jack dem Drang sie zu berühren nachgab, dass er, wenn er ein guter Mensch war, von ihr ablassen würde, um sie nicht in eine Lage zu bringen, die ihre „Ehre beschmutzen würde.“, obwohl sie es letztendlich selbst war, die sich in diese Situation gebracht hat.
Ein weiterer Punkt, der meiner Meinung nach viel über die versteckten Gefühle von Elizabeth gegenüber Jack aussagt, wird durch Will‘s Rückkehr von der Dutchman verdeutlicht. Als Will Jack mit seiner Tat konfrontiert und somit Elizabeth über Jack Zutun aufklärt, reagiert sie empört und hochgradig wütend. Doch was fällt bei ihrer Wortwahl auf? Betrachten wir sie mal genauer. „Alles was Ihr zu mir sagtet, jedes Wort war eine Lüge!“ Sie ist nicht wütend darüber, dass Jack ihren Verlobten bewusst hat ins Messer laufen lassen und somit seinetwegen in Lebensgefahr schwebte. Was sie so sehr empörte war die Tatsache, dass Jack sie angelogen und ihr Vertrauen erneut missbraucht hat. Sie ist also mehr enttäuscht über sein Verhalten ihr gegenüber als über die Tatsache, dass er den Tod ihres Verlobten hätte verursachen können.
Reden wir nun über eine gelöschte Szene, die kurz vor dem Dreierkampf stattfindet. Jack, Norrington und Will bedrohen sich alle mit dem Säbel und sind bereit - offiziell - um die Truhe zu kämpfen. Jack versucht Will auf seine Seite zu ziehen, indem er ihm klar macht, dass man Norrington nicht vertrauen konnte: „We can not let him get the chest, trust me on this. You can mistrust me less than you can mistrust him, trust me.“ (dt: Wir dürfen nicht zulassen, dass er die Truhe bekommt, vertrau mir hierbei! Du kannst mir weniger mistrauen als ihm, vertrau mir.) Norrington verteidigt sich und versucht Jack ins schlechte Licht zu rücken, indem er das sagt, was jedem, der Jack und Elizabeth zusammen sehen will, das Herz höher schlagen lässt. „He just wants Elizabeth for himself!“ (dt: Er will Elizabeth nur für sich selbst.)
An dieser Stelle könnte man sagen, dass dies ja nur die subjektive Wahrnehmung von Norrington war und an dieser Vermutung nichts Wahres dran sein muss, richtig? Nun, das wäre möglich, wenn Jack diese Vermutung nicht bestätigt hätte. „Pot. Kettle. Black.“ ist seine Antwort darauf. Die englische Version des Sprichwortes ‚Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.‘
Fazit: Alle drei Männer kämpfen nicht um die Truhe. Ja, sie ist ebenfalls der Gegenstand des gemeinsamen Interesses und durch das Herausschneiden dieser Szene wurde auch der Fokus auf die Truhe gelegt, aber in Wahrheit kämpfen die drei um Elizabeth. Daher auch Jack‘s undefinierbarer Blick, als Will zurück kehrte und Elizabeth ihm in die Arme fiel. Mit Wills Rückkehr hatte Jack einen Konkurrenten mehr und seine Chance, dass Elizabeth sich für ihn entschied, schrumpfte.  
Springen wir nun über zu einer der legendärsten Szenen von Jack und Elizabeth. Die Krakenszene. Jack hat die Pearl verlassen und ist geflohen, kehrte dann aber mit so einer theatralischen Wirkung zurück, dass diese Szene bis heute einer meiner Liebsten ist. Elizabeth stürzt die Treppe hinauf, um zu dem Gewehr zu gelangen, kriegt es jedoch nicht zu fassen, da jemand es mit seinem Fuß blockierte. Ein Blick nach oben verrät ihr, Jack ist zurück. Ted Elliott und Terry Rossio erklärten in einem Interview, was es mit der Geste, dass Elizabeth sich an Jack‘s Bein klammerte, auf sich hat. Die Pose, die Frau klammert sich schutzsuchend an das Bein des Mannes, ist eine typische Heldenpose, die in vielen Filmen als stilistisches Mittel verwendet wird, um dem Protagonisten noch mehr Heldenhaftigkeit zuzuschreiben.
Als Jack den finalen Schuss abfeuert und Will zu Boden fällt, ließ Elizabeth nicht von Jack ab, um sich zu vergewissern, dass es ihrem Verlobten gut ging. Stattdessen blieb sie bei Jack und kniete so lange vor ihm nieder, bis die Gefahr - vorerst - gebannt war. Sie suchte den Schutz bei ihm. Jack hat sie häufiger als jeder andere gerettet, immer wieder vor dem scheinbar sicheren Tod. Bei ihm war sie sicher.
Bevor wir nun zu der wichtigsten aller Sparrabeth-Szenen kommen, möchte ich noch eine Frage klären: Wohin zeigt der Kompass?
Betrachten wir diese Frage zuerst aus Elizabeth‘s Sicht. Zeigt der Kompass auf die Truhe oder auf Jack. Diese Frage kann tatsächlich niemand so genau beantworten, die Drehbuchautoren haben es aber versucht. Laut ihnen, zeigte der Kompass durchaus das ein oder andere Mal auf Jack, weil Jack genau das verkörperte, wonach sich Elizabeth sehnte. Freiheit. Jack konnte ihr bieten, was sie um alles in der Welt wollte, es aber nicht haben konnte. Er reizte sie und weckte die Neugierde nach dem Unbekannten in ihr, weshalb der Kompass tatsächlich auf ihn zeigte, allerdings nur kurz. Ansonsten schien der Kompass immer auf die Truhe zu zeigen, doch sagt uns ihre Reaktion mehr als genug. Wäre Elizabeth von ihrer Abneigung gegenüber Jack überzeugt gewesen, hätte sie der Kompass dann überhaupt verwirren können? Nein. Sie hätte eins und eins zusammengezählt und wäre sicher gewesen, dass er immer auf die Truhe zeigt, denn wieso sollte sie schon Jack am meisten wollen?
Sie ließ sich aber verunsichern, nicht nur vom Kompass, sondern auch von Norrington, der ebenfalls (wie Beckett) bemerkt hat, dass die beiden das gegenseitige Interesse geweckt haben. Der ehemalige Commodore wählte bewusst passend die Formulierung „derzeitiger Verlobter“, wobei er deutlich auf ihr Verhältnis zu Jack anspielte und das zurecht. Er hat Jack und Elizabeth auch nur beobachtet und konnte anhand ihres Blickes auf verleugnete Gefühle schließen, immerhin ließ der Blick und das Lächeln, dass ihren Mund umspielte nicht viel Interpretationsspielraum. Norrington und der Kompass konnten sie überhaupt erst verunsichern und glauben lassen, dass der Kompass auf Jack zeigte, weil sie sich ihrer Gefühle eben nicht sicher war. Sie empfand etwas für Jack, mögen sie noch so klein und unbedeutend sein, und das beunruhigte sie.
Nun zu der Frage, auf wen oder was zeigte der Kompass bei Jack? Die Szene, in der Jack seinen Kompass fragt, ob er zur Pearl zurückkehren sollte, wurde ganz bewusst so geschnitten, dass der Zuschauer auf diese Frage keine Antwort erhielt. Er sollte für sich selbst entscheiden, wohin der Kompass zeigte und was Jack daraus machte. Das tue ich jetzt. Für mich gab es drei Optionen.
Option 1: Der Kompass zeigte auf die Pearl. Für mich eine unwahrscheinliche Option, auch wenn es die Lieblingsantwort der Zuschauer ist. Ich frage euch, wieso sollte Jack zur Pearl zurückkehren? Um sie zu retten? Wohl kaum. Jack liebte das Schiff, ja, aber als er wieder an Bord war, gab er den Befehl das Schiff zu verlassen: „Alle man von Bord. Ins Beiboot.“ Als Gibbs ihn versuchte daran zu erinnern, was er im Stich ließ, setzte Jack deutlich eine Priorität. „Sie ist nur ein Schiff, mein Freund.“ Also wieso sollte Jack sein Leben für ein Schiff geben, dass so oder so zum Sinken verurteilt ist?
Option 2: Der Kompass zeigte aufs Land. Der Kompass sagte ihm, er solle fliehen und sich in Sicherheit bringen. Darauf scheint er nicht gehört zu haben, der Grund dafür steckt in meiner dritten Option.
Option 3: Der Kompass zeigt auf Elizabeth. Für mich die einzig sinnvolle Erklärung. Jack wusste, dass die Leute an Bord zum Sterben verurteilt waren, doch schien er sich nie um andere zu scheren. Lediglich für Elizabeth war er bereit zu sterben, was wir später noch einmal genauer betrachten werden und zwar beim Behandeln der wohl wichtigsten aller Szenen. Der ‚Todeskuss‘ wie er so schön genannt wird. Ich muss zugeben, Jack‘s Lächeln, als Elizabeth ihn an den Mast kettet, war für mich lange Zeit ein großes Fragezeichen. Wer lächelt denn bitte, wenn er dem Tod wortwörtlich in die Augen schaut? Auch hier finden wir die Antwort auf die Frage in einer gelöschten Szene, dieses Mal aus Teil 1. Jack und Elizabeth stehen gemeinsam an der Reling der Endavour und Elizabeth stellt überrascht fest, dass Jack Norrington nicht über den Fluch der Piraten informiert hat. Elizabeth jedoch ebenfalls nicht, was Jack anmerkt. Sie gibt zu, dass sie es bewusst verschwiegen hat, weil sie wusste, dass der Commodore diese Gefahr nicht auf sich genommen hätte, um Will zu retten und da kommen wir zu dem alles entscheidenden Punkt.
Jack: „Don‘t get me wrong, love. I admire a person who is willing to do whatever is neccessary.“ (dt: Versteh mich nicht falsch, Liebes. Ich bewundere eine Person, die bereit ist alles zu tun, was immer nötig ist.)
Elizabeth: You‘re a smart man, Jack. But I don‘t entirely trust you.“ (dt: Ihr seid ein schlauer Mann, Jack. Jedoch vertraue ich Euch nicht voll und ganz.)
Jack: „Peas-in-a-pod, darling.“
Was sagt uns diese Szene? So einiges! ‚Peas in a pod‘, ‚Bohnen aus einer Schote‘, ‚Ein Ei gleicht dem anderen.‘ Diese Aussage macht klar, Jack und Elizabeth sind sich ähnlich. Ähnlicher als es dem Außenstehenden auffällt und ähnlicher als es Elizabeth recht ist. Jack vertraut ihr nicht, sie vertraut ihm nicht, beide würden tun, was nötig ist, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. In der Todeskussszene wird dies bestätigt. Elizabeth hat gezeigt, wer sie wirklich ist und hat genau das getan, was er auch getan hätte. Sie rettet sich auf Kosten eines anderen, etwas, was Jack in jedem Film mehrfach getan hat. Er grinst, weil er sie erfolgreich auf seine Seite gezogen hat.
„Pirat.“ Das letzte Wort, das er zu ihr sagt und er sagt es voller Stolz, denn er war stolz auf die. Stolz auf das, was sie geworden war. Ein Pirat.
Dies ist jedoch nicht die einzige Erklärung für seine unerwartete Reaktion. Seine Gefühle sind ebenfalls ein wichtiger Punkt. Wenn man genau hinsieht, dann erkennt man, dass Jack ihr blind vertraut. Sie beugt sich vor, um ihn zu küssen und er schließt die Augen. Er schließt die Augen und vergisst alles um sich herum. Eigentlich sollte er doch auf der Hut sein und auf die kleinste Veränderung seines Umfeldes achten, immerhin war der Tod in Person hinter ihm her, doch das tat er nicht. Er verlor sich in dem Kuss und vergas für einen kurzen Moment, was um ihn herum geschah. Jack überlässt Elizabeth die völlige Kontrolle. Er wehrt sich weder, als sie begann ihn nach hinten zu drängen, noch als sie ihn gegen den Mast drückte. Auch weiß er, dass am besagten Mast Handschellen befestigt waren. Pausiert man zum passenden Augenblick, kann man erkennen, dass an diesem Mast mehrere Handschellen befestigt sind, es lässt sich also davon ausgehen, dass dies ein üblicher Ort war, um Gefangene zu fesseln. Es war also unmöglich, dass Jack nicht wusste, dass er an den Mast gekettet werden konnte und trotzdem ließ er Elizabeth alles machen und leistete keinen Widerstand, denn er hat endlich das bekommen, wonach er sich seit dem Tag, an dem er sie gerettet hat, gesehnt hat.
Zu dem Kuss gibt es eine wunderschöne Beschreibung von den Drehbuchautoren:
„An incredible Kiss. A kiss for the ages. A kiss that has been building since the day Jack and Elizabeth met.“ (dt: Ein unglaublicher Kuss. Ein Kuss für die Ewigkeit. Ein Kuss, der sich seit dem Tag, an dem Jack und Elizabeth sich getroffen haben, gebildet hat. Terry Rossio & Ted Elliott)
Nun zu der letzten Frage bezüglich dieser Szene: Wieso bleibt Jack ruhig stehen und sagt nichts? Er war noch nahe genug an seinen Männern, um nach Hilfe zu rufen und sie über das Geschehene zu informieren. Ohne Zweifel wären sie ihrem Captain zur Hilfe gekommen, also wieso tut er nichts, sondern wartet, bis das Beiboot abgelegt hat, bevor er begann sich von den Fesseln zu befreien? Man könnte nun sagen, dass er es getan hat, um sicher zu gehen, dass alle anderen in sicherer Entfernung waren, sodass er nun versuchen konnte zu fliehen. Dass er lediglich aus reiner Nettigkeit versucht hat die anderen zu retten, aber gehen wir mal tiefer rein. Wer saß alles in dem Boot?
Marty, ein treuer Kamerad, den Jack aber nie wirklich wahrgenommen hat. Er war immer da, aber die beiden haben bis zu diesem Moment nie wirklich mehr als ein Wort miteinander gewechselt, wieso sollte Jack dann also sein Leben für ihn lassen? Gleiches Prinzip bei Cotton, ein treuer Gefährte, jedoch für Jack nicht von großer Bedeutung. Pintel und Ragetti. Für uns Zuschauer zwei Piraten, die uns ans Herz gewachsen sind, für Jack allerdings nicht mehr als eine Plage. Die beiden ehemaligen Anhänger von Barbossa haben schon einmal versucht Jack zu töten, also würde er für sie gewiss nicht sterben. Will. Alleine in Teil 2 hat Jack schon mehrfach gezeigt, dass er für Will nicht weit gehen würde. Im Gegenteil, er würde Will ohne Probleme und mit gutem Gewissen zu 100 Jahren in Knechtschaft verurteilen, wenn ihn das von seiner Schuld befreit. Er hielt ganz offensichtlich nicht viel von ihm. Dann hätten wir noch Gibbs. Jack‘s ersten Maat und besten Freund. Für ihn wäre Jack noch am ehesten bereit gewesen zu sterben, doch hat er spätestens ab Teil vier bewiesen, dass auch Gibbs nicht auf seine Treue schwören konnte. Jack lässt ihm im Kerker vergammeln und reist - wenn auch nicht ganz freiwillig - aus London ab, hat aber nach der Abreise kein Mal mehr an Gibbs gedacht, was er selbst zugibt. „Ich habe ihn im Gefängnis verrotten lassen. War mir egal, ist es nach wie vor.“ (Jack zu Blackbeard, PotC-OST) An Bord des Bootes war also niemand, den Jack nicht schon einmal im Stich gelassen oder ausgeliefert hat oder bei dem es Jack Leid tun würde, ihn tot zu sehen. Zumindest nicht leid genug, um seinen eigenen Kopf hinzuhalten. Wir alle lieben Jack, aber sind wir mal ehrlich. Dieser Mann würde jeden ins offene Messer rennen lassen, um sich selbst zu retten.
Außer Elizabeth. Sie wiederum hat er nicht einmal betrogen. Ja, er hat sie belogen, aber sie ausgeliefert, wissentlich in Gefahr gebracht oder im Stich gelassen hat er nie. Stattdessen hat er sie beschützt, wann immer er konnte. Er erschoss Barbossa mit unter anderem, um sie zu retten, er lief Gefahr entdeckt und verhaftet zu werden (was ja dann auch passiert ist), nur um sie aus der Bucht zu ziehen und er warnte Norrington, dass die untoten Piraten für Elizabeth eine Gefahr darstellen konnten. Dutzende Männer waren in Lebensgefahr, doch Jack war es lediglich wichtig, Elizabeth in Sicherheit zu wissen. Lizzy war die einzige, für die er bereit war alles aufzugeben und das hat er getan. Indem er sie machen ließ und zurück blieb, gab er sein Leben auf, um sie zu retten. Später gab er zudem die Unsterblichkeit für ihr Glück auf, dazu aber später mehr.
Ein weiterer Punkt betrifft das Motiv hinter Elizabeth‘s Tat, denn sie hatte zwei. Das erste ist offensichtlich und fällt jedem ins Auge, nicht zuletzt, weil sie es als offiziellen Grund angibt. Der Kraken hatte es auf Jack abgesehen, nicht auf die anderen. Er musste zurückbleiben, damit die anderen gerettet werden konnten. Das zweite Motiv liegt tiefer in ihrem Inneren und wurde von der Autorin Louise Bagshawe sehr schön beschrieben:
„With the kiss of death scene, Elizabeth gets both, slake her lust and literally drown her guilt for feeling lust for somebody other than Will. Would she have been so severe with Jack, had she not been so tempted by him? When he is dead, he is no longer a temptation.“ (dt: Mit dem ‚Todeskuss‘ kann Elizabeth sowohl ihre Lust befriedigen, als auch wortwörtlich ihre Schuld, Lust für einen anderen als Will zu empfinden, ertränken. Wäre sie so streng mit Jack gewesen, wenn sie sich nicht so zu ihm hingezogen gefühlt hätte? Wenn er tot ist, stellt er keine Versuchung mehr für sie da. - Louise Bagshawe)
Dass sie den Kuss nicht nur als Weg zum Ausliefern ansah, wird nochmals deutlich, als sie erneut zu einem Kuss ansetzt, es aber lediglich nicht zu einem kommt, da Jack ihn nicht erwidert. Sie beugt sich vor, ihre Lippen berühren sich erneut, doch Jack‘s Reaktion blieb aus. Er beugte sich nicht zu ihr, er nahm das Angebot nicht an und sie zog sich zurück. Sie wollte also diesen Kuss. Es hätte zig andere Optionen gegeben, um ihn zu überwältigen, aber sie wählte die, die ihr eigenes Verlangen stillen konnte.
Zum Abschluss für Teil 2 noch ein kleiner, unauffälliger Aspekt, den ich durch einen Tumblr-Post erst bemerkt habe. In der Szene in der Tia Dalma über die tragische Liebesgeschichte von Davy Jones spricht, spielt im Hintergrund das Theme ‚Tia Dalma‘. Dieses Lied spielt auch genau in dem Moment, in dem Elizabeth zu sehen ist, wie sie um Jack trauert. Es sind doch die kleinen Dinge, die etwas besonders machen, oder nicht?

Für die Analyse von Teil 3 machen wir mal einen gekonnten Sprung bis zu der Szene, wo Elizabeth und Jack sich das erste Mal im Locker begegnen. Jack erreicht Gibbs, der ihm schnell zu verstehen gibt, wo er sich aufhält, doch scheint diese Information nicht zu ihm durchzudringen. Schließlich ist es Elizabeth, die es nach den Versuchen von Gibbs und Will schafft, Jack aus seiner Illusion zu holen, sodass er versteht, was um ihn herum wirklich geschah. Sie war in dieser Situation die Einzige, der es möglich war zu ihm durchzudringen. Umgekehrt passiert dies, als Elizabeth ihren Vater vorbeifahren sieht und überglücklich über ihre Rückkehr ist. Hier ist Jack es, der ihr - mit Wärme und Mitleid in den Augen - klar macht, was es bedeutete, ihren Vater dort zu sehen. Nur warum tut sie ihm so leid? Wieso spricht sein Blick pures Mitleid aus?
Jack ist nachtragend, das haben wir in den letzten Filmen zu genüge gesehen, immerhin trug er 10 Jahre lang eine Pistole mit einem einzigen Schuss mit sich, nur um sich an Barbossa zu rächen: „Aber Jack kann von der Insel fliehen und hat noch immer diesen einen Schuss, er hat ihn nicht vergeudet. Er hat ihn aufgespart für einen Mann. Für seinen meuternden ersten Maat.“ (Gibbs zu Will, PotC - CotBP). Später verzeiht er Will nicht, dass dieser in seiner Abwesenheit gegen ihn gemeutert hat: „Schafft diese miese, verräterische, feige, stinkende Qualle in die Bilge!“ (Jack zu Pintel und Ragetti über Will, PotC - AWE).
Was Elizabeth ihm angetan hat, war um ein Vielfaches schlimmer, und trotzdem hasst er sie nicht und trotzdem straft er sie nicht. Es gibt eine gelöschte Szene, in der Elizabeth Jack fragt, ob er ihr jemals verzeihen wird. Er verneint dies. Und trotzdem kümmert er sich um sie, bemitleidet sie aus tiefsten Herzen, beschützt sie mit allen Mitteln vor Beckett und Davy Jones und wählt sie zum König der Piraten.
Aber wieso wählt er sie zum Piratenkönig? Weil er sie genau einschätzen konnte, wie gesagt, ‚Peas-in-a-pod‘, und sich demnach sicher sein konnte, dass sie das tun würde, was er ebenfalls tun würde, wenn auch aus einem anderen Grund. Er sah den einzigen Ausweg aus seiner misslichen Lage darin, dem Deal mit Beckett Folge zu leisten und die Piraten rauszuschicken und auszuliefern. Elizabeth sah die einzige Chance in einem Kampf, der für Jack auf das selbe hinaus lief. Er wusste, dass Elizabeth genug Feuer in den Adern hatte, um die Piratenlords dazu zu bringen, ihrem Ruf zu folgen, was seinen Plan aufgehen ließ. Er wählte sie aber nicht nur aus purem Eigennutz. Der Blick, mit dem er sie bedachte, als sie die Kriegserklärung aussprach, sprach puren Stolz aus. Jack hat gesehen, wie aus einer jungen Gouverneurstochter, einem Küken, eine wilde junge Piratin wurde, die nun durch seine Stimme zur Königin der Piraten gewählt wurde. Durch ihn ist sie zu dem geworden, was sie immer hätte sein sollen: ein freier Mensch.
Die engen Korsetts, die hochnäsigen Veranstaltungen, die strengen Regeln der Gesellschaft, all das widersprach Elizabeth‘s Natur. Welche hochgeborene Frau würde einem Piraten, der ihr eine Waffe an den Kopf hält, die Stirn bieten und sich nur im Unterrock gekleidet vor ihn stellen, um ihn zu schützen? Welche hochgeborene Frau würde mit einem fremden Mann Arm in Arm ums Feuer tanzen und sich freiwillig in die Höhle des Löwen begeben , um gegen Untote zu kämpfen? Elizabeth war nie eine Frau, die den Zwängen der höheren Gesellschaft unterliegen sollte und Jack hat dafür gesorgt, dass sie es nicht bis ans Ende ihres Lebens musste. Als Jack sie an diesem Tag aus der Bucht zog, hat er sie auf mehr als nur eine Art und Weise gerettet.
Teil 3 ist der Film mit den meisten gelöschten Sparrabeth-Szenen und eine von denen ist ganz besonders aussagekräftig. Die Sandbank-Szene, in der sich Jack, Barbossa und Elizabeth mit Beckett, Jones und Will treffen. Hier wird ein wichtiger Punkt angesprochen, der meiner Meinung nach zwingend hätte im Film zu sehen sein sollen.
Beckett richtet sich an Jack und sagt: „Worauf wartet Ihr, tretet vor, fordert Eure Belohnung ein.“ So, von welcher Belohnung ist nun die Rede? Ohne die gelöschte Szene zu kennen, gibt es zwei Optionen.
Option 1: Schuld ablegen. Jack tauscht das Leben aller Piraten ein, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und seine Schuld bei Jones zu vergleichen. Kann dies zutreffen? Nein! Denn warum sonst sollte Davy Jones kurz darauf das Wort erheben und Jack darauf hinweisen, dass er seine Schuld noch immer nicht bezahlt habe und geflohen ist? Die Schuld trägt er also immer noch, wodurch diese Option wegfällt.
Option 2: Seine Freiheit. Jack ist noch immer nicht im Besitz des Kaperbriefes aus Teil 2, was ihn zu einem gesuchten und todgeweihten Mann macht. Ist die Abmachung nun, dass er zu einem Freibeuter wird und nicht gehängt wird, sobald man ihn in die Finger kriegt? Nein! Der Kaperbrief ist bereits an Norrington ausgehändigt worden und selbst Lord Cutler Beckett wäre nicht in der Lage einen weiteren Kaperbrief für einen der gesuchtesten Piraten der Zeit zu erhalten. Außerdem will er Jack um jeden Preis tot sehen, warum sollte er ihn dann durch das Gesetz schützen lassen?
Die Frage auf die Belohnung wird durch die gelöschte Szene beantwortet.
Barbossa: „And what reward does such chicanery fetch these days?“ (dt: Und was für eine Belohnung bringt ein solches Täuschungsmanöver heutzutage?)
Beckett: „Her.“ (dt: Sie.) (An dieser Stelle gibt es einen Zusatz, der nie gedreht wurde, jedoch so im Skript steht: When the cannon smoke clears and the brethren slaughtered, off he sails on the Pearl, Elizabeth in his arms, and the blame dead square upon his rival. (dt: Und wenn der Kanonenrauch sich klärt und die Bruderschaft abgeschlachtet wurde, segelt er davon, Elizabeth in seinen Armen und die Schuld liegt bei seinen Rivalen.)
Jack: „Even if that was my plan -- and I'm not admitting to anything -- there's not a tinker's chance of it coming off anymore. Is there?“ (dt: Selbst, wenn das mein Plan gewesen wäre - und ich gebe nichts zu - besteht dafür (dass Elizabeth sich für ihn entscheidet) keine Chance mehr, oder?)
Jack hat also so gehandelt, um Elizabeth für sich zu gewinnen und weniger, um sich zu retten und seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Erinnert ihr euch noch an die Unsterblichkeit, die ich vorhin angesprochen habe? Dazu jetzt mehr:
Jack wollte von Anfang an das Herz von Davy Jones erstechen. Ab dem Zeitpunkt, an dem er vom toten Gouverneur erfahren hat, was es bedeutete, Jones zu töten, wollte Jack diese Aufgabe auf sich nehmen. Nicht um sich an ihm zu rächen, sondern um als Unsterblicher die sieben Weltmeere zu befahren: „Aber es klingt doch reizvoll unsterblich zu sein.“ (Jack zu Will, PotC: AWE) Darauf hat Jack den kompletten dritten Teil seit seiner Rückkehr hingearbeitet, wieso sollte er all das aufgeben, nur um Will zu retten? Wir hatten schon einmal besprochen, dass Jack nicht viel Wert auf Will legte. Schon in Teil 2 nicht, in Teil 3 nach der Meuterei noch weniger. Wieso dann alles aufgeben und Will retten? Wegen Elizabeth.
Sie kniete vor ihm, schreiend und weinend, überwältigt vom Schmerz der Trauer. Sie zerbrach vor seinen Augen an dem Verlust des Mannes, den sie liebte und ein zweites Mal  musste Jack dabei zusehen, wie sie einen geliebten Menschen verlor. Jack überlegt ganz offensichtlich, was er tun sollte. Das Herz selbst erstechen oder Will retten?
Ich will nicht lügen. Will‘s Tod hat Jack nicht kalt gelassen. Als Jones zustach, entglitten Jack die Gesichtszüge und er starrte schockiert auf den jungen Mann, der nun zum Sterben verurteilt war, doch würde er aus reiner Nettigkeit alles, was er sich wünschte, aufgeben? Ich glaube nicht. Will hätte Jack sehr viel bedeuten müssen, damit er so handelt und Will hat nunmal auch schon einmal deutlich gemacht, dass er Jack nicht gerettet hätte, wenn es ihm keinen Vorteil gebracht hätte. Wieso dann sollte Jack für Will völlig uneigennützig handeln? Immerhin gab er dadurch nicht nur die Unsterblichkeit, sondern auch Elizabeth auf. Jack wusste, sie hätte sich für ihn entschieden, wenn Will nicht gewesen wäre und eine gewisse Chance hätte bestanden, dass sie bei ihm bleibt, wenn Will gestorben wäre. Aber er konnte sie so nicht sehen. Er wusste, dass Elizabeth am Tod ihres Mannes zerbrechen würde und wollte ihr diesen Schmerz des Verlustes ersparen. Also gab er für sie beides auf. Die Unsterblichkeit und die Frau, die er liebte, nur damit sie glücklich war.
Einen kurzen Moment später zieht Jack sie von Will fort, um sie aus dem Strudel zu befreien. Er wusste, Will würde es überleben, sie nicht. Er hätte einfach verschwinden und sie ihrem Schicksal überlassen können, doch dies tat er nicht. Er holte sie von Will weg und nahm sie mit sich. Elizabeth legt weinend ihren Kopf an seine Brust und sucht einmal mehr Schutz und Geborgenheit bei ihm.
Kommen wir nun schlussendlich zu der schmerzendsten Sparrabeth-Szene der Trilogie. Der Abschied. Wer darauf geachtet hat, wird gesehen haben, wie Jack auf sie wartete. Während die anderen Männer kerzengerade vor ihr standen, um sich von ihr zu verabschieden, stand Jack am hintersten Platz an die Reling gelehnt, den Kopf gesenkt und vermied konsequent den Sichtkontakt. Erst als sie vor ihm zu Stehen kam, ihn beim Namen nannte und sie ihn so indirekt dazu zwang sie anzusehen, sah er ihr in die Augen. Sie verabschiedet sich mit den selben Worten, die er an sie gerichtet hat, als sich ihre Wege zum ersten Mal trennten: „Das mit uns beiden hätte nie funktioniert.“ Jack lächelt, in seinem Blick liegt pure Wärme. „Versuch dir das ruhig einzureden, Liebes.“ Er weiß, von ihm aus hätte es funktioniert. Wäre Will nicht gewesen, hätte es funktioniert und Elizabeth weiß es ebenso gut. Sie nähert sich ihm und nun spalten sich die Meinungen. Wollte sie ihn küssen oder umarmen? Ich persönlich glaube, dass sie ihn zum Abschied küssen wollte. Immerhin sagte er: „Einmal reicht, voll und ganz.“ Und wenn ich mich nicht komplett täuschte, gab es nie eine richtige Umarmung in diesem Sinne zwischen den beiden.
Und nun stellt sich die Frage, wieso wollte sie ihn küssen? Immerhin war sie eine verheiratete Frau, die gerade auf dem Weg zu ihrer Hochzeitsnacht war, bevor ihr Mann für die nächsten 10 Jahre abreiste. Wieso dann einen anderen Mann küssen?
Weil sie das Bedürfnis nach seiner Nähe verspürte und sie das Gefühl des Kusses noch einmal empfinden wollte, bevor er für immer aus ihrem Leben verschwand.

Was ist also mein Fazit? Ich bin sicher, dass Jack Elizabeth aus tiefsten Herzen geliebt hat. Sie war die einzige Person, die sicher sein konnte, dass er sie mit allen Mitteln beschützte, auch wenn es für ihn einen großen Verlust bedeutete. Jack hat sie unzählige Male gerettet und niemals einen Dank erwartet. Für sie handelte er rein uneigennützig.
Bezüglich Elizabeth‘s Gefühlen gegenüber Jack glaube ich, dass sie ihn wirklich tief im Inneren geliebt hat. Er war ihr Kindheitsheld, der erste Pirat, dem sie begegnete und der erste Mann, der ihr zeigte, was Freiheit war und wie sie sich anfühlte. Jack hat sie alles zu verdanken und ich glaube auch, dass sie sich dessen bewusst ist.
Ich gebe zu, auch ich - die Sparrabeth mit ganzem Herzen shippt - glaube, dass sie Will mehr geliebt hat. Zwar denke ich, dass er mehr ihre Jugendliebe war und die Beziehung von ihr und Jack um ein Vielfaches leidenschaftlicher war, trotzdem hat sie sich nicht grundlos für Will entschieden. (Verstehen werde ich es dennoch nicht.)
Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie beiden am Ende der Filmreihe zusammengekommen wären, auch weil es ursprünglich zwar nicht vorgesehen, aber erwünscht war. Jack und Elizabeth waren eigentlich das gewünschte Paar von den Drehbuchautoren und im übrigen auch von Keira Knightley und Johnny Depp.
Der Altersunterschied war ein Grund, wieso Disney dies abgelehnt hat. Der andere Grund war der, dass es ein märchenhaftes Ende sein sollte, das man mit Will und Elizabeth erzielen konnte. Die Wirkung der einzelnen Momente, die kurzen Gesten und Blicke, die Jack und Elizabeth tauschten waren also kein Zufall. Sie wurden geschickt eingebaut, um dem Paar, das von den Schöpfern der Charaktere gewünscht war, die ein oder andere Minute Ruhm zu gönnen.
Was haltet ihr von Sparrabeth? Ist es etwas für euch oder eher gar nichts? Und wieso?

Ich hoffe sehr, dass euch dieser ‚kleine‘ Eintrag gefallen hat.
Ich wünsche euch ein ganz schöne Woche, genießt das Wetter und bis zum nächsten Mal,
Humperstumpel

(Instagram: @pirates_in_the_caribbean)
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