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[Daft Punk] Stuck In A Summer Love

von papirossy
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Gaspard Augé Goliath Guy-Manuel de Homem-Christo Sébastien Tellier Thomas Bangalter Xavier de Rosnay
19.07.2020
19.07.2020
8
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19.07.2020 1.195
 
Als er nach Hause kommt, lässt er Goliath von der Leine und gießt sich erstmal ein Glas Pinot ein, bevor er das Handy nimmt.

Rufaufbau. Vor den Fenstern pulsierende Pariser Nacht.

„Hey.“

Herzklopfen beim Klang seiner Stimme. Freundlich, flirtend, ein bisschen überrascht. Guy läuft nervös durch seine Wohnung. Das einzige Licht kommt aus der Küche, wo eine offene Flasche Wein auf ihn wartet und Goliath vor dem Fressnapf hockt.

„Ich, ähm, hab da diese Augen-OP. Keine große Sache. Ich werde sediert und, äh, ich brauche jemanden, der mich danach nach Hause bringt… also“

„…fragst du mich?“

Guy stellt das Weinglas ab und schluckt.

„Oui.“

Natürlich holt Thomas ihn ab. Guy diktiert ihm die Adresse und die Zeit, macht höflichen Smalltalk, setzt sich auf die Fensterbank und widersteht dem Drang zu rauchen.



*



Als er aufwacht, steht er völlig neben sich. Orientierungslosigkeit, Tasten nach dem Handy, fremde Stimmen, die ihm sagen, er solle ruhig liegen bleiben und die Augen geschlossen halten. Sie würden jetzt seine Kontaktperson anrufen.

„Oh ja, tun Sie das. Sagn Sie ihm, dassisch ihn liebe...“

Guys Kopf sinkt zurück auf das Kissen und selig schläft er wieder ein. Scheiße, diese Drogen sind gut.

Eine vertraute Stimme weckt ihn. „Na Schlafmütze?“ Ist es Sonntagmorgen? Hat er Frühstück gemacht? Er sieht ein bärtiges Gesicht verschwommen hinter einem weißen Schleier. Er spürt starke Arme. Instinktiv krallt Guy seine Finger in weichen Satinstoff.

„Trägsu etwa die Blousonjacke?“, lallt er im Fahrstuhl und wird – das Gesicht in den weichen Satinstoff begraben – ganz benommen von dem herben Männerduft, den Thomas ausdünstet. „Diestehtdirsogut…“

Sie haben sie zusammen gekauft. Es war ein verregneter Tag in London, irgendein Laden in Shoreditch nach einem kurzen Streifzug durch Rough Trade, wo man sie erkannt, aber in Ruhe gelassen hat. Guy hat sie ihm nur mit dem Wort „hier“ gereicht und Thomas hat sie ihm zuliebe angezogen. Grauer fast schwarzer Satinstoff, schlanker minimalistischer Schnitt, moderner Look. „Ist das nicht eine Hipster-Jacke?“ Thomas – mit seinen krausen Locken und seinem bärtigen Gesicht – sieht unfassbar gut in ihr aus.

Guy spürt ein sanftes Beben. Thomas lacht. „Bist du betrunken?“

Mit seiner schweren Sonnenbrille sieht Guy tatsächlich ein bisschen so aus, als würde er gerade seinen Rausch auskatern.

„Fühlt sich irgendwie so an.“

Das Pling des Fahrstuhls. Straßenlärm. Autos fahren über nassen Asphalt. Guy gleitet auf einen glatten Ledersitz, spürt struppige Locken und seinen Atem, als Thomas sich über ihn beugt, um den Gurrt festzuzurren. Hunger auf seine Lippen. Guy greift ihn beim Kragen seiner Jacke und zieht ihn zu sich, wird bald irre, als er seinen Bart, seine Lippen und seinen Atem spürt. Nachdem er sich an ihm satt gefressen hat – irritiertes Innehalten. „Okay, alles gut? Sitzt du bequem?“, fragt Thomas außer Atem.

Es hat geregnet. Die Luft riecht nach nassem Asphalt, Benzin und Eau de Cologne.

„Oui.“

Thomas schließt die Tür so sachte wie möglich, geht um das Auto herum und steigt auf der anderen Seite wieder ein. „Okay, kann es losgehen?“ Guy brummt und fällt, eingebettet in weichem Sonnenlicht und dem Gefühl von Sicherheit, das viel mit dem Mann neben ihm zu tun hat, in einen sanften Dämmerschlaf.

Zuhause aufgeregtes Hundegebell und Pfoten, die an seinen Beinen hochklettern. „Hey, mein Süßer!“

Thomas bringt ihn direkt ins Bett, zieht ihm die Schuhe von den Füßen, dann die Vorhänge zu.

„Kannst du kurz mit Goliath rausgehen?“, seufzt Guy in sein Kopfkissen.

„Sicher.“

Obwohl es nicht Teil ihrer Vereinbarung ist, bleibt Thomas über Nacht. Er geht mit Goliath raus, kocht ihnen beiden Ratatouille und weckt ihn alle zwei Stunden für die Augentropfen.

„Sexy oder?“, kommentiert Guy die Schutzbrille, die er tragen muss. So soll verhindert werden, dass er sich im Schlaf die Augen reibt. Thomas legt sich zu ihm.

„Hat ein bisschen was von Die Fliege.“

Guy kann seinen verliebten Blick beinahe auf seiner Haut spüren. Die Art wie die Temperatur sich ändert und die Zeit sich ausdehnt.

„Sie haben meine Augen mit Klammern offen gehalten“, erzählt er schläfrig von seiner OP. „Es war wie bei Clockwork Orange.“

Sanftes Lachen neben ihm.

„Haben sie auch Beethovens Neunte gespielt?“

„Nein, leider nicht.“

Langes Schweigen.

„Danke, dass du geblieben bist.“

„Natürlich.“

Traurigkeit hängt zwischen ihnen wie ein alter Vorhang. Der Wunsch ihn zu küssen. Vielleicht etwas mehr, als er sanfte Finger in seinen Haaren spürt.

„Deine Haare.“

Eine sentimentale Berührung, von der Guy sich jetzt schon fragt, was sie ihn kosten wird. Seine Geduld, seine Würde, sein Herz?

„Was ist damit?“

„Sie sind so lang geworden.“

„Hm.“

„Beinahe wie früher.“

„Ja, kann sein.“

So richtig lang sind sie eigentlich nicht. Locker kringeln sie sich auf seinen Schultern. Nichts im Vergleich zu den langen Zotteln früher in der Schule.

„Ich war damals richtig traurig, als du sie dir abrasiert hast.“

„Ist das so?“

„Ja. Du warst irgendwie ein ganz anderer Mensch mit diesen raspelkurzen Haaren.“

(Das war die Idee.)

„Du meinst so wie du vor ein paar Jahren mit dem Schnurrbart?“

„Dem Schnurbart?“

„Ja. Der war einfach scheußlich. Wolltest du damit etwa einen auf Moroder machen?“

Guy lacht jungenhaft – so wie damals, wenn er auf Thomas‘ Bett lag, sich mit Chips vollstopfte und Sitcoms sah, während Thomas am Schreibtisch über seinen Hausaufgaben brütete.

„Das war doch ein cooler Look.“

Guy prustet wieder los. Fehlen nur noch die Chips.

„Nein, war es nicht.“

Thomas versinkt in Betroffenheit. Ein Anblick, der Guy mit seiner Fliegenbrille erspart bleibt. Was nicht heißt, dass er das Klima von Thomas‘ Gefühlen nicht fühlen kann. Er nimmt sie wahr wie das Wetter. Hitze, Kälte… jetzt gerade ist es sehr schwül. Er ist erregt und Guy nutzt es aus.

„Aber der Bart ist heiß.“

Die Selbstverständlichkeit und der plötzliche Ernst, mit denen er diesen Satz ausspricht und seine Hand auf seine bärtige Wange legt, lässt Thomas erröten. Guy liebt das Prickeln seines Bartes auf seiner Haut und sinkt ein paar Herzschläge lang hinein in das Gefühl butterweicher Sehnsucht. Aber als DJ und Produzent kennt er sich mit Timing aus und weiß, wann er sich aus einem heißen Flirt zurückziehen sollte. Denn irgendwann verwandelt sich Sehnsucht in Verzweiflung und ein Flirt in eine Klammer. „Ah, Merde!“ Er stößt also ein Ächzen aus und streckt sich ausgiebig.

„Mir ist so langweilig. Erzähl mir was!“

Er rollt sich in der Kuhle von Thomas‘ langem, gebogenem Körper wieder zusammen, hüllt sich in seine Wärme und seinen Duft wie in eine alte tröstende Decke. Thomas säuselt sanft in seine Haare.

„Was soll ich dir denn erzählen?“

„Wie lief es im Studio?“

Erschöpftes Seufzen.

„Hat sich nicht viel getan ohne dich. Todd und ich haben nochmal am Sound geschraubt. Warte, ich hab eine erste Version von dem Song.“ Thomas steht auf, kommt wieder. Er setzt Guy Kopfhörer auf und fummelt an seinem Handy herum. Stille. Dann der Song. „…and it was you… and it was youthe one that would be breaking my heart…“

Guy schließt die Augen, Tränen fließen unter seiner Schutzbrille.

„Klingt gut.“

Es ist absurd, Thomas diese an ihn gerichteten Worte singen zu hören. Zwar durch den Vocoder verzerrt. Aber ganz eindeutig er. Seine Emotionen, sein Puls, sein Herz.








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Anmerkung: Diese Fic kann als eigenständige Geschichte gelesen oder als Fortsetzung der Air-Serie (Playground Love, Ein Song von Air) verstanden werden.
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