Sternenfeuer

von derPlanB
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild Thranduil
18.07.2020
24.09.2020
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16.09.2020 2.161
 
Ihr nennt mich stolz? Wer hat mich so gemacht?
Ihr selbst, die mich betrogen und verrathen!
Die Regung, die ihr schmäht, ist erst erwacht,
Als ich mein Thun verglich mit euern Thaten!

Ihr nennt mich stolz? O wüßtet ihr wie gern
Und freudenvoll der starre Stolz verschwände,
Vor einem Menschen, der, ein lichter Stern,
Hoch über mir und meinem Wesen stände. –

Betty Paoli


Es konnte nicht viel Zeit vergangen sein, als ich von dem Schlagen gegen die Gitterstäbe aufgeweckt wurde.
Nur langsam und widerwillig öffnete ich die Augen, um dann einen Moment lang auf den grauen Stein vor mir zu schauen. Mein Körper war ganz steif vom Liegen und die Kälte hatte meine Finger ganz taub werden lassen.
„Lenna“, hörte ich dann die bekannte Stimme Legolas‘ hinter mir und richtete mich daraufhin auf. Ich blieb auf dem Boden sitzen und drehte mich zu ihm um. Der Prinz trug seine übliche Uniform, war bewaffnet und hielt im starken Kontrast dazu eine hölzerne Schüssel in der Hand.
Ich erwischte mich dabei, wie ich den Hals reckte, um zu erkennen, was er bei sich hatte. Der Hunger hatte meinen Körper aber schon so schwerfällig werden lassen, dass es mich kaum störte, als Legolas mir wissend zulächelte.
Tatsächlich zückte er einen Schlüssel und kam dann zu mir, um mir das Essen entgegenzustrecken. Ich rappelte mich schnell auf, um es ihm abzunehmen.
„Danke“, hauchte ich lächelnd und betrachtete noch kurz das Brot, bevor ich schon von dem ersten Stück abbiss.
Die ersten Bisse schlang ich gierig herunter und schämte mich beinahe ein wenig vor dem blonden Elben, der sich auf der steinernen Bank niedergelassen hatte und mir hin und wieder einen Seitenblick zuwarf. Dieses nervöse Verhalten seinerseits veranlasste mich dann auch dazu, innezuhalten und ihn mir genauer anzusehen.
„Warum seid Ihr hier?“, fragte ich ein wenig misstrauisch und kniff tatsächlich die Augen ein bisschen zusammen. Legolas schaute mich nur kurz an und lächelte, aber ich erkannte sofort, dass es kein echtes Lächeln war. Er war nervös und wollte offenbar hinauszögern, mir etwas zu sagen.
„Ich war mir sicher, dass Ihr nach der langen Zeit hungrig sein würdet“, antwortete er, woraufhin ich den Mund verzog und eine Augenbraue hoch. Anlügen konnte er mich nicht.
„Die Zwerge haben garantiert auch riesigen Hunger, wie ich sie kenne. Schade, dass Ihr ihnen nicht auch etwas mitgebracht habt“, erwiderte ich herausfordernd und ließ die Schüssel in meiner Hand sinken. Legolas musterte mich kurz und seufzte, bevor er sich wieder erhob und kurz zur geöffneten Zellentür ging.
Während er mir den Rücken zugewandt hatte, nahm ich wieder einen Bissen, wobei ich den Prinzen genau im Auge behielt. Seine nächsten Worte veranlassten mich dann aber schon wieder dazu, das Stück Brot zurück in die Schüssel fallen zu lassen und diese auf die Bank zu stellen.
„Mein Vater wünscht Euch zu sprechen“, sprach er es dann endlich aus und eigentlich hatte ich es ja schon die ganze Zeit über erwartet.

Kurz schnürte es mir die Kehle zu, bevor ich tief Luft holte und sich die Anspannung in meinem ganzen Körper ausbreitete. Ich hatte das Gefühl, keinen einzigen Schritt mehr machen zu können.
Legolas wandte sich mir zu, während ich nun auf den Boden sah und um Worte rang, obwohl ich gar nicht wusste, was ich sagen wollte.
Ich konnte nicht widersprechen, schließlich war es irgendwie ein Befehl des Königs, obwohl Legolas es eher wie eine Bitte formuliert hatte. Vielleicht würde Thranduil auch darauf Rücksicht nehmen, wenn ich nicht wollte. Aber früher oder später würde es ohnehin zu einem Gespräch kommen. Die Abweisung, die mir bevorstand, könnte ich dann auch gleich hinter mich bringen. So hätte ich noch ein paar Tage länger Zeit, um in der kleinen Zelle darüber nachzudenken.
„Gut“, sagte ich also und nickte Legolas zu, um meine Entscheidung zu bekräftigen. Er warf mir noch einen zweifelnden Blick zu, bevor er seinerseits nickte und dann aus der Zelle trat.

Legolas führte mich zum Thron. Dessen war ich mir nach einer Weile sicher und es beunruhigte mich ungemein. Es war eigentlich wie bei meiner ersten Begegnung mit dem König. Ich war unglaublich unruhig und konnte mich kaum darauf konzentrieren, was ich sagen würde, wenn er mir gewisse Fragen stellen würde. Jeder Gedanke wurde sofort vom nächsten verdrängt, weshalb ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Dabei wurde es mit jedem Schritt dringlicher, dass ich Worte fand.
Aber eines war auch anders als bei unserer ersten Begegnung: Ich verspürte Angst. Meine Muskeln waren angespannt, ich spürte, dass mein Herz raste, und ich schwitzte, obwohl mir noch immer so unglaublich kalt war, während mein Mund ganz trocken wurde und ich alle paar Sekunden meine Lippen befeuchtete.

Bis wir tatsächlich die Treppen zu der Plattform unter dem Thron emporstiegen, konnte ich nicht den kürzesten Blick auf Thranduil werfen und nun, da ich mit Legolas tatsächlich auf ihn zuschritt, wagte ich es nicht.
Die Stufen waren eine Qual für mich, da ich genau spürte, dass sein Blick auf mir lag. Er schien mich zu durchleuchten und sicherlich wusste er längst, wie unwohl ich mich in dieser Situation fühlte. Als ich gegangen war, war ich mir meiner Entscheidung so sicher gewesen, während ich mich nun tatsächlich fragte, was wohl passiert wäre, wenn ich geblieben wäre. Vielleicht bereute ich meine Flucht sogar ein wenig.
Aber auch der König würde fragen haben, schließlich hätte wohl niemand erwartet, dass ich mit dreizehn Zwergen und einem Hobbit im Wald gefunden würde, wobei Bilbo scheinbar noch immer nicht aufgetaucht war. Hatte er sich verstecken können und suchte nun Gandalf, um mit ihm zusammen die Zwerge zu befreien.
Thranduil hatte vermutlich deutlich wichtigere Fragen in seinem Kopf als ich. Dabei hatte er auch über ein Reich zu herrschen und musste sich Dingen widmen, die deutlich größer waren als meine Gefühlswelt und auch mein Leben.

Ich konnte kaum noch atmen, als wir stehenblieben und Legolas einen Schritt nach vorn ging. Ich hätte den Blick heben und den König ansehen müssen. Nun war ich nichts als ein Feigling.
Alles in meinem Körper fühlte sich gleichzeitig so steif und lebendig an, wobei sich der gesamte Druck als leichter Schmerz in meinem Hinterkopf zu sammeln schien. Ich biss die Zähne fest zusammen und musste die Augen einmal kurz schließen, um nicht völlig die Besinnung zu verlieren.
„Adar, ich werde mich darum kümmern, dass die Patrouille heute zeitiger aufbricht als gestern. Ansonsten können wir die Überwachung der Spinnen nicht richtig durchführen“, sagte Legolas und mir kam es beinahe wie eine Banalität vor, obwohl das Ungeziefer das Waldlandreich so sehr gefährdete. Außerdem war ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich tatsächlich wollte, dass Legolas uns allein ließ. Sicherlich waren noch die vier Wachen da, aber diese würden mich in dem Gespräch wohl kaum unterstützen und hatten wohl auch grundsätzlich den Auftrag, ihren Mund zu halten und nur einzugreifen, sollte der König in Gefahr sein.

Während Legolas‘ Schritte hinter mir langsam verklungen, erhob der König sich mit raschelnden Gewändern und ging viel zu langsam die Stufen hinab, um dann sofort stehenzubleiben. Ich verzog ganz leicht den Mund, weil ich diese Anspannung einfach nicht mehr aushielt. Eigentlich hätte ich den ganzen Worten freien Lauf gelassen und mich entschuldigt, ihm gesagt, dass ich selbst irgendetwas empfand, wobei ich mir noch gar nicht sicher war, was es war. Ich hätte mich liebend gern an seine Brust geflüchtet und dabei die gleiche Behaglichkeit gespürt wie damals, als er mich in den Arm genommen hatte.
„Ich hätte nicht erwartet, dass wir uns so schnell wiedersehen würden“, sagt er dann mit überraschend sanfter Stimme, wodurch ich mich ein wenig entspannte. Dennoch lag in seiner Stimme eine gewisse Gleichgültigkeit, die ich nicht überhören konnte.
Ich musste dastehen wie ein Häuflein Elend, das nicht das winzigste Bisschen Spannung mehr in sich hatte, als der König langsamen Schrittes auf mich zukam. Um nicht ganz so angestrengt nicht zu ihm zu gucken, hob ich den Kopf seitlich, wobei ich ihn aus dem Augenwinkel beobachten konnte.
Sein Blick galt einzig und allein mir, was mich natürlich einerseits unruhig werden ließ, mir aber irgendwie auch ein gewisses Gefühl der Vertrautheit gab. Wie oft hatte ich das in den letzten Monaten vermisst, obwohl es lediglich sein Blick auf meinem Körper war.
Er trug eine silbergraue Tunika, die der von unserer ersten Begegnung nicht unähnlich war. Vielleicht war es sogar dieselbe. Auch die Krone trug er stolz erhobenen Hauptes wie damals, jedoch wurde sie nun nicht von winterlichen Beeren geschmückt, sondern von herbstlich gefärbten Blättern, die in dem Licht der aufgehenden Sonne, die gerade so durch die Fenster schien, rötlich schimmerten. Zudem stellten sie einen starken Kontrast zu seinem hellen Haar und sicher auch zu seinen kristallklaren Augen dar.

Thranduil blieb so vor mir stehen, dass es beinahe schon ein wenig zu nahe war. Aber ich merkte, wie mich seine Nähe gewissermaßen entspannte. Plötzlich war ich mir sicher, dass er mich sicherlich nichts Bösartiges tun würde. Eine leise Stimme in meinem Kopf sprach sogar von der Hoffnung, dass er noch immer so empfand wie damals und nun alles gut würde. Ich hätte niemals gehen dürfen.
„Seht mich an“, flüsterte er mit rauer Stimme, was ein gewaltiges Flattern in meiner Magengegend auslöste. Seine Worte klangen so sanft und schufen eine so intime Atmosphäre, obwohl wir vor seinem Thron in dem offenen Teil der Hallen standen, wo uns theoretisch jeder sehen konnte.
Viel schneller als gewollt, hob ich das Kinn nun gerade an und blickte ihm tatsächlich in die Augen, was mich zittrig nach Luft schnappen ließ.
Er sah mich genauso an wie damals. In seinem Blick lagen so viel Wärme und Zuneigung, dass ich kaum noch etwas von der Kälte aus dem Verließ spürte. All die negativen Gefühle verschwanden mit einem Mal und wieder hätte ich das Empfundene gern in Worte voller Dankbarkeit verpackt, aber mein Kopf war viel zu träge, als dass ich nun große Reden schwingen könnte. Sogar meinen Augen brannten ein wenig, aber Tränen kamen mir keine.
Ein dünnes Lächeln breitete sich auf Thranduils Lippen aus, das mein Herz einen Moment aufhören ließ zu schlagen. Ich konnte nicht anders, als selbst die Mundwinkel zu heben, was ihn offenbar dazu veranlasste, seine wunderbar warme Hand an meine Wange zu legen.
„Ich hätte Euch nicht so lange warten lassen dürfen“, sagte er ein wenig lauter, aber noch immer leise. Vielleicht wollte er nicht, dass ihn jemand hörte. „Ihr seid ganz kalt“, fügte er hinzu und griff mit seiner zweiten Hand nach einer meiner Hände. Ich schüttelte nur lächelnd den Kopf und schmiegte meine Wange mit geschlossenen Augen an seine Handfläche.
Für einen Moment vergaß ich so, in was für einer Situation ich mich eigentlich befand, bevor ich die Augen wieder öffnete und meinen Kopf wieder geraderückte, sodass die wärmende Hand von meiner Wange verschwand.
„Ich hätte niemals gehen dürfen“, sagte ich ernst und senkte den Blick, als der König die Augenbrauen ein wenig zusammenzog und das Lächeln von seinen Lippen verschwand. Wie sehr es ihm wehgetan haben musste, als ich ihn einfach dort stehenlassen hatte.
Wohl um mich zu beruhigen, strich er mit seinem Daumen über meinen Handrücken, was mich aber nur bitter lächeln ließ. Ich hatte ihn praktisch hintergangen und nun nahm er kein einziges Wort der Beschwerde oder des Vorwurfs in den Mund.

Mit einem Mal hörte das Streicheln an meiner Hand auf und sein Griff lockerte sich so weit, dass unsere Hände sich beinahe voneinander trennten. Etwas ängstlich schaute ich zu Thranduil auf und begegnete seinem nun ernsten und nachdenklichen Blick.
„Wieso seid Ihr mit den Zwergen hergekommen?“, schnitt er dann ein ganz anderes Thema an und ich konnte die Abneigung in seiner Stimme sofort erkennen. Offenbar beruhte dieser Hass der beiden Könige auf Gegenseitigkeit.
Ich wollte gerade antworten, als wir beide den hellen Klang eines Horns vernahmen und es urplötzlich ein wenig lauter in den Hallen wurde.
Der König sah zu seinen Wachen und ließ den Blick kurz durch die Hallen gleiten, bevor er einen Schritt zurücktrat und so meine Hand aus seiner glitt.
„Mein Herr Thranduil! Die Zwerge sind dabei zu entkommen“, rief von irgendwoher eine Wache und ich schluckte schwer, als sich unsere Blicke wieder begegneten. Plötzlich war jegliches Gefühl von vorher aus seinen Augen verschwunden und es lag wieder so viel Kälte in dem Blau.
„Ihr wusstet von ihren Fluchtplänen“, zischte er und verengte die Augen dabei ein wenig. Ich schüttelte hektisch den Kopf, konnte aber nur noch das kurze Aufblitzen des Schmerzes in seinen Augen sehen, bevor er sich an mir vorbeischob und mich von zwei Wachen begleitet verließ.
Ich schüttelte weiterhin den Kopf, während ich ihm hinterher schaute und mir die richtigen Worte zurechtlegte, um ihm zu beweisen, dass ich nichts mit den Zwergen zu schaffen hatte.




//Ich muss euch leider mitteilen, dass ich in Zukunft nicht mehr ganz so oft werde updaten können. Es werden wohl nur noch zwei Kapitel pro Woche kommen. Das tut mir sehr leid, aber ich  möchte nicht in Bedrängnis kommen, mal kein Kapitel mehr parat zu haben und zurzeit komme ich mit dem Schreiben nicht ganz so schnell hinterher. :(
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