Sternenfeuer

von derPlanB
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Fili Kili Legolas OC (Own Character) Thorin Eichenschild Thranduil
18.07.2020
18.10.2020
51
80.925
10
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18.07.2020 1.310
 
Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz
Nur ein Gefühl, empfunden eben;
Und dennoch spricht es stets darein,
Und dennoch stört es dich zu leben.

Wenn du es andern klagen willst,
so kannst du’s nicht in Worte fassen.
Du sagst dir selber: „Es ist nichts!“
Und dennoch will es dich nicht lassen.

So seltsam fremd wird dir die Welt,
Und leis verläßt dich alles Hoffen,
Bis du es endlich, endlich weißt,
Daß dich des Todes Pfeil getroffen.

Theodor Storm


Das Surren einer Bogensehne war das letzte, was meine Ohren aufnahmen, bevor dieser raue Schrei an mein Ohr drang. Und es gab keinen Zweifel, dass er aus Ledhwens Mund kam. Eine eisige Klaue schien sich augenblicklich um mein Herz zu schließen, als ich meinen Kopf herumriss und die kleine Anhöhe hinunterblickte. Und tatsächlich stand dort eines dieser abscheulichen Wesen mit einem Bogen in der Hand und schaute mit einem grässlichen Grinsen im Gesicht in meine Richtung.
Wie eine Welle aus dem Innersten meines Körpers brach die Wut aus mir heraus und brachte meine Hände zum Zittern. Noch fester umklammerte ich nun das Heft meines Schwertes und suchte zwischen den Bäumen nach dem blonden Haar meines besten Freundes. Und da stand er mit einem Pfeil tief in seiner Brust. Gerade glitt ihm das Schwert aus den Händen, als er den Kopf unter großer Anstrengung hob, um zu mir zu sehen.
Nur langsam konnte ich die ersten Schritte in seine Richtung machen, stolperte dann aber den kurzen Abhang hinab und rannte mit dem kleinen Schwung so schnell wie noch nie in meinem Leben. Gerade sackte Ledhwen in sich zusammen, als ich meine Arme um seinen Oberkörper schließen konnte und mit ihm zu Boden sank.
Schnell drückte ich meine Hand auf die Wunde, nachdem ich seinen Kopf auf meinen Schoß gebettet hatte. Das Blut, das aus der Wunde floss, bedeckte meine Finger auf eine seltsame Weise. Schnell riss ich meinen Blick von der Wunde los, um in das schöne Gesicht unter mir zu blicken. Ledhwens Augen waren geschlossen, während er die Augenbrauen vor Schmerz zusammengezogen hatte. Seine sonst so rosigen Lippen waren ganz blass und eine kleine, aber tiefe Wunde klaffte in seiner Oberlippe. Das wenige Blut, das dadurch seine Lippen bedeckte, bildete einen starken Kontrast zu seiner blassen Haut.
„Ledhwen“, flüsterte ich mit zittriger Stimme seinen Namen. Das erneute Zischen eines Pfeils ließ mich aufblicken, doch die Spitze durchbohrte nicht meine Haut. Einige Schritte entfernt von uns sah ich einen meiner Kameraden in die Arme eines anderen sinken. Im nächsten Augenblick stürmte der wütende Hinterbliebene auf den Ork zu und tötete ihn, als dieser gerade nach einem neuen Pfeil greifen wollte.
Meine Nasenflügel flatterten, als ich wieder nach unten sah und nun in die braunen Augen meines Freundes blickte. Seine Mundwinkel zuckten vor Anstrengung, aber er lächelte.
„Es ist in Ordnung“, hauchte er, woraufhin ich hektisch den Kopf schüttelte. Ein eigenartiger Druck setzte sich auf meine Brust und erschwerte mir das Atmen. Dieser warme Ausdruck in seinen Augen ließ mich tief Luft holen.
„Bleib bei mir“, flüsterte ich gepresst, bevor Ledhwen nach meiner Hand griff.
„Das tue ich“, erwiderte er noch, bevor er mir schwach zunickte, die Augen schloss und dann seinen letzten Atemzug tat.
Ich spürte die Gänsehaut, die meinen gesamten Körper bedeckte. Ich spürte das Zittern meiner Hände. Die eisigen Temperaturen nahm ich trotzdem kaum wahr. Mein Brustkorp schnürte sich noch weiter zusammen, als ich leicht seine Hand drückte. Nur Kälte, diese unerträgliche Kälte.

Meine andere Hand zitterte, als ich sie hob, um sanft die hellen Strähnen aus seinem bildschönen Gesicht zu streichen. Es war gut, dass er die Augen geschlossen hatte. Diesen leeren, fremden Ausdruck in seinem Gesicht hätte ich nicht ertragen.
Ich sah wieder zu dem Pfeil in Ledhwens Brust. Langsam streckte ich meine Hand danach aus und schloss sie fest um das raue Holz. Beinahe entkam meinen Lippen ein Schluchzen, als ich den Pfeil mit einem kräftigen Ruck aus dem Körper meines besten Freundes zog. Ich musste kurz die Augen schließen, um die Tränen vom Fließen abzuhalten. Mit einem wütenden Schnaufen warf ich den Pfeil dann so weit weg wie möglich und drückte meine Hand wieder auf die Wunde, als könnte ich mit dem Stoppen der Blutung noch etwas bewirken.
„Du hast ihn sterben lassen.“ Kurz schloss ich die Augen, bevor ich mich von Ledhwens Anblick losriss und nach oben schaute. Doch Yavan schaute nicht auf uns herab, sondern in die Richtung des anderen Leichnams.
„Habe ich nicht“, entgegnete ich mit überraschend fester Stimme. Langsam wandte sich Yavan mir zu und sah mich aus seinen stechenden blauen Augen herablassend an.
„Hättest du den Feind getötet, anstatt zu ihm zu rennen, hätten wir noch einen guten Soldaten mehr“, zischte er und versetzte mir damit einen Stich. Er hatte Recht.
Der Pfeil ragte wie ein Beweis meines Verrates aus dem bewegungslosen Körper. Ich hatte einen Meinesgleichen getötet. Ich hatte egoistisch und emotional gehandelt und damit genauso, wie ich es nicht tun sollte.
Mit einem verächtlichen Schnauben wandte sich Yavan von mir ab und lief hinter den anderen Überlebenden hinterher, die bereits zwischen den Bäumen verschwanden. Sie liefen zum Dorf.
Mit der Abenddämmerung kam die Kälte der Winternacht. Aber es war eine angenehme klare, stille Kälte. Ich blieb allein in dem kleinen Waldstück zwischen Lórien und dem Anduin. Meine Kameraden hatten mich allein gelassen. Sicherlich würden sie seinen Leichnam recht schnell bergen wollen. Ich hatte also nicht alle Zeit der Welt.
Meine Hand glitt von der Wunde, die schon lange nicht mehr blutete zu seiner Hand, die halbgeöffnet neben seinem Körper lag. Ich umschloss sie schnell mit meiner, um sie an meine Wange zu legen. Aber die Haut des Elben war kalt, seine Finger steif und unbeweglich. Kein Blut pumpte mehr durch seinen Körper. Er war tot.

Die dünne Schicht Schnee, die noch an einigen Stellen lag, reflektierte die letzten roten Strahlen der untergehenden Wintersonne. Mir war, als würde es mir helfen. Der kalte Wind strich mir wie eine tröstende Hand über die Wange und ich griff wieder fester nach Ledhwens Hans. Ein weiterer Blick in sein ruhiges Gesicht ließ mich zusammensacken. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und atmete tief ein und aus, um das Weinen zu verhindern. Dieses Mal misslang es mir aber. Ich nahm nur den Hauch seines Geruchs wahr, womit meine stille Trauer ein Ende fand.
Mein Schluchzen und Heulen war viel zu laut für die Stille des Waldes. Wären noch Orks in der Nähe gewesen, die ich in meiner Wut nicht hatte erschlagen können, wäre es ein Leichtes für sie gewesen, mich zu finden und zu töten. Aber es wäre mir egal.
Die vielen heißen Tränen fühlten sich auf meinen kalten Wangen fremd an. Meine Nase lief und ich drückte Ledhwens Hand schon fast gewalttätig an meine Brust. Ein verzweifelter Schrei verließ meinen Mund. Er durfte mich nicht allein lassen! Wie hatte ich das nur zulassen können? Wir hatten uns immer gegenseitig beschützt. Aber ich war wieder einmal übermütig geworden und hatte mich zu weit von ihm entfernt. Auch die anderen waren zu weit weg von ihm gewesen. Die Orks waren selbst für den geschickten, kampfgeübten Elben zu viele gewesen. Und dann sein Schrei! Ein raues, schmerzerfülltes Aufschreien. Es hatte für mich keinen Zweifel gegeben, dass dieser Schrei zu meinem Freund gehörte. Ich hatte ihn durch einen einfachen Orkpfeil sterben lassen.
Wieder verließ ein lautes Schluchzen meine Lippen und ich rang immer wieder nach Atem, als ich etwas kommen hörte. Langsam richtete ich mich auf, ließ Ledhwens Hand aber nicht los. Der Leichtigkeit der Schritte nach zu urteilen, waren es Elben. Sie hatten ein Pferd bei sich. Sie kamen, um seinen Leichnam zu holen und sie sollten es tun. Auch wenn er mein Freund war, gehörte er dennoch zu seinem Volk, zu seiner Familie. Was würde aus seiner Frau werden? Sie liebte ihn so. Ihr Leben würde keine hellen Tage mehr haben.
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