Shine

von Armilus
GeschichteAllgemein / P18
OC (Own Character)
18.07.2020
18.07.2020
1
803
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
18.07.2020 803
 
Die Luft roch süsslich nach Tiberium vom nahegelegenen Feld und gelbe Wolken zogen rasch auf. Ein deutliches Zeichen dafür, dass ein Ionensturm bevorstand.
Auf meinem Motorrad fuhr ich auf der holperigen Strasse nach Hause. Der Fahrtwind blies mir ins Gesicht, um mich herum konnte ich bis auf ein einen oder anderen längst verstorbenen Baum nur Sand und Felsen sehen. An einer Stelle verschwand die Strasse ganz unter einer kleinen Sanddüne und tauchte einige Meter weiter wieder auf um zwanzig Meter weiter wieder im Sand zu verschwinden. Diesmal Endgültig.
Es war bedeutungslos. Ich wusste wo ich war.
An der Ruine der alten Tankstelle vorbei und den Hügel hinauf, schon war ich zuhause.
Meine Familie wohnte in einer der Neuen Siedlungen. Massenproduzierte Häuschen aus Stahl und Plastik, die von aussen mit ihrer minimalistischen Ästhetik an einen Bunker erinnerte, innen drin aber den ganzen Komfort eines Zuhauses bot, wenn auch auf kleinem Raum, wenn man es mit den grossen Häusern aus Stein und Holz oder den hohen Türmen aus Glas und Beton von vor dem ersten Tiberiumkrieg vor vierzig Jahren verglich. Die Siedlung hatte sechs dieser Gebäude. Die GDI hatte sie uns zur Verfügung gestellt als unser altes Zuhause durch die Tiberiumkontamination unbewohnbar geworden war. Vielen Familien war es so ergangen. Ich war damals noch klein und erinnere mich nicht an unser früheres Zuhause. Meine Mutter erzählte mir, es sei ein kleines Haus mit Garten gewesen, mit einem Apfelbaum.

Ich stieg von meinem Motorrad ab, da kam mir schon Julie entgegen. Meine Nachbarin.
Sie war in meinem Alter, hatte dunkelbraune Haare, ein hübsches Gesicht und blaue Augen.
«Morgan, gut das du da bist. Dein Onkel hatte schon Angst du würdest es nicht vor dem Sturm schaffen.»
«Dann kann ich Onkel Steve gleich beruhigen.», sagte ich und ging auf unser Haus zu. An einem normalen Tag hätte ich mir ein paar Sekunden Zeit genommen um Julie auf die Brüste oder den Hintern zu gucken, wie es ein Junge meines Alters eben tat. Damals glaubte ich, ich sei richtig gut darin geworden meine lüsternen Blicke zu verbergen. Heute vermute ich, sie hat es einfach ignoriert. Es spielt keine Rolle mehr. An dem Tag kam ein Ionensturm, und am Horizont waren schon silberne Blitze zu sehen. Da blieb keine Zeit für sowas.
Im Haus zog ich mir wie jeden Tag die Jacke aus und schlüpfte aus den Stiefeln.
«Morgan! Endlich!», sprach mich Onkel Steve an, kaum dass ich drinnen war.
«Wieso Endlich? Wir hatten heute eine grosse Ladung auf der Arbeit. Wenn der nächste Monat auch so wird wie dieser, können sie damit die Altstadt sanieren…»
Ich setzte mich an den Tisch in der Ecke. Meine Mutter stand in der Küchenzelle und verteilte Tagesrationen. Die Hände wieder einmal blutig von ihrem Job auf dem Bauernhof.
«Die Arbeit in der Raffinerie ist nicht gut für dich. Du arbeitest dich noch zu Tode.», sagte sie.
Sie hatte gut reden. Ich deutete auf ihre Hände.
«Ich weiss. Wir brauchen das Geld. Trotzdem. Ich arbeite mit Tieren und Pflanzen, du mit Tiberium. Das ist etwas völlig anderes. Mir wäre es lieber du würdest dich um einen Job beim GDI Stützpunkt in der Verwaltung bewerben. Schlau genug bist du, es wäre sicher, und das Geld würde für die ganze Siedlung reichen.»
Ich schüttelte den Kopf. Das konnte ich nicht. Nicht nachdem was mit meinem Vater passiert war.
Er war im zweiten Tiberiumkrieg vor sechs Jahren unter Commander Michael McNeil wo er in der Schlacht um Hammerfest in Norwegen von einer Granate getötet wurde, die einem Soldaten der Schwarzen Hand von Nod galt. Nach seinem Tod zog Onkel Steve zu uns. Er war es auch der die alte Raffinerie wieder in Schuss gebracht hatte, war er doch ausgebildeter Ingenieur.
Wir begannen zu Essen. Die trockenen Rationen schmeckten immer gleich. Meine Mutter und Onkel Steve konnten sich nie einigen, wonach sie schmeckten. Meine Mutter bestand auf Kartoffeln, Onkel Steve fand eher, dass sie nach trockenem Brot schmecken. Für mich schmeckten die Tagesrationen einfach nach Tagesration.
Wir wechselten kein weiteres Wort während dem Essen.
Ehe wir fertig waren brach der Sturm über uns.
Die Lichter flackerten und fielen aus. Die ganze Elektronik war weg. Wie bei jedem Ionensturm.
Bei jedem Blitz konnte ich aus dem Fenster das Tiberiumfeld im Tal sehen, das ich auf dem Heimweg umfahren hatte. Dahinter war die Stadt in der ich arbeitete. Das Glühen der grünen Kristalle hob sich ab vom Braun und Gelb des Sandes und der Wolken um uns. Sobald die Sonne untergegangen war, würde man es deutlicher sehen können.
Schmerz.
Ich krümmte mich und hielt die Hand an meine Brust. Ein stechender Schmerz war dort aufgetaucht. Einfach so.
«Morgan! Alles okay?», rief meine Mutter.
Ich nickte keuchend und nahm die Hand von der schmerzenden Stelle. In dem Moment blitzte es, und ich sah meine Hand. Sie war voller Blut.
Review schreiben