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Indestructible

von stone0902
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Brutus Cato Clove Enobaria
18.07.2020
31.12.2020
3
7.713
 
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18.07.2020 2.102
 
Teil 1: Der Mentor – Kapitel 1

In dem Moment, in dem die Kanone ertönte, brach ihr Bündnis.

Thresh sackte in sich zusammen und noch während sein lebloser Körper fiel zog Marvel den Speer mit einem kräftigen Ruck aus dessen Brust. Als Thresh den Boden berührte holte Marvel bereits aus, nur um das Schwert von Cato noch rechtzeitig abzuwehren.

Der letzte gegnerische Tribut war soeben gefallen und das gemeinsame Ziel ihrer Allianz erreicht: Die Karrieretribute aus den Distrikten 1, 2 und 4 hatten vom ersten Tag an zusammengearbeitet, um alle anderen Tribute zu jagen und zu töten, solange bis keiner mehr von ihnen übrig war, nur um sich dann selbst zu bekämpfen. Schließlich konnte nur einer von ihnen die Arena lebendig verlassen.

Derjenige wäre der Sieger der 74. Hunger Spiele.

Im Blutbad war bereits der erste aus ihrem Bündnis gefallen: Dillon, der männliche Tribut aus Distrikt 4. Ein viel zu frühes Ende für einen Karrieretribut und eine Schande für seinen Distrikt. Dieses Jahr kamen aus dem Distrikt der Fischerei nur schwache Tribute, denn wenige Tage später war ihm seine Distriktpartnerin Elyse gefolgt. Unachtsam war sie in eine Falle eines anderen Tributs getreten, die ihr kurzerhand das Genick gebrochen hatte. Drei Tage später erwischte es Glimmer aus Distrikt 1. Obwohl sie in ihrem Camp am Füllhorn alle überlebenswichtigen Vorräte sicherten, wie Nahrung, Wasser und Medikamente, hatte das unvorsichtige und naive Mädchen Appetit auf ein paar verführerisch aussehende dunkelrote Beeren gehabt. Leider waren sie giftig gewesen.

Während Tag für Tag die Kanonen ertönten und die Anzahl der verbliebenen Tribute immer kleiner wurden starb Prima, der weibliche Tribut aus Distrikt 2 im Kampf gegen den Jungen aus Distrikt 12. Gegen drei Karrieros konnte sich niemand verteidigen, doch es gelang dem blonden Jungen tatsächlich noch vorher einen von ihnen mit in den Tod zu reißen.

Letztendlich blieben aus dem Bündnis nur noch Marvel und Cato übrig, die beiden männlichen Tribute aus Distrikt 1 und 2. Nur noch ein weiterer lebender Tribut befand sich außer ihnen in der Arena: Thresh, der männliche Tribut aus Distrikt 11. Bisher war es ihm gelungen sich zu verstecken und bis hier hin wer weiß wie zu überleben. Entweder war der muskulöse, einschüchternde Junge ein Überlebenskünstler oder er hatte großzügige Sponsoren. Es war nicht einfach gewesen, ihn ausfindig zu machen, da er jeder Konfrontation erfolgreich aus dem Weg gegangen war. Doch nun war es ihnen gelungen – sie hatten ihn in seinem Weizenfeld gefunden. Nun waren sie schon sechzehn Tage in der Arena. Cato und Marvel wussten, nur gemeinsam würden sie Thresh besiegen können, denn er war von Anfang an ihr größter und gefährlichster Konkurrent gewesen. Und danach würden sie sich selbst bekämpfen.

Dann würde einer von ihnen endlich nach Hause gehen können.

Die Zuschauer daheim kamen wirklich auf ihre Kosten. Nun saßen sie vermutlich alle gespannt vor den Bildschirmen, mit ihren Wettscheinen in den Händen, die Augen auf das diesjährige Spektakel gerichtet. Wer würde den Kampf nun gewinnen? Würden Cato und Marvel Thresh besiegen? Oder würde Thresh, der zwar in der Unterzahl lag, sich jedoch bisher wacker geschlagen hatte, durch einen Geniestreich die beiden bezwingen? Oder würde gar etwas ganz Unerwartetes geschehen, durch das Einschreiten der Spielemacher?

Thresh hielt sich wirklich nicht schlecht. Sie alle waren inzwischen ausgelaugt, durch die Hitze dehydriert und durch den Schlafmangel mit den Nerven am Ende. Keiner von ihnen wollte jetzt verlieren, so kurz vor dem Ziel. Sie lieferten sich einen erbitterten Kampf – Marvel mit seinem Speer, Cato mit seinem Schwert und Thresh mit seiner Machete und seinem Beil.

Seine goldenen Augen waren voller Entschlossenheit. Am Anfang gelang es ihm nicht nur, die Angriffe der beiden mordlustigen Jungen abzuwehren, sondern sie auch noch zu verletzen – keine großen Verletzungen, aber hier eine tiefe Schnittwunde, da ein blutiger Kratzer – doch allmählich wurden seine Bewegungen langsamer, angestrengter. Und langsam zeigte sich, wer die Überhand über diesen Kampf besaß.

Letztendlich war es Cato, der den entscheidenden Treffer erzielte. Mit voller Wucht rammte er ihm sein Schwert in die ungeschützte Seite. Die Wunde war nicht tödlich, sorgte jedoch dafür, dass Thresh geschockt mitten in der Bewegung erstarrte. Marvel nutzte diesen Moment, um ihm seinen Speer durch die Brust zu rammen, direkt durchs Herz.

Dann ertönte die Kanone.

Keiner von ihnen beiden zögerte in diesem Moment. Genau das könnte einem nämlich das Leben kosten. Sie beide wussten, was in dem Moment zu tun war:

Weiterkämpfen!

Dabei war es egal, ob es sich um einen Verbündeten handelte, es war egal, was man bereits gemeinsam in der Arena erlebt hatte, es war egal, ob man sich mochte oder nicht. Mit dem Ziel vor Augen, dass es hieß töten oder getötet werden, fiel es ihnen eigentlich ganz leicht.

Cato setzte bereits zum Angriff an. Er war nun schon so lange auf den Beinen und völlig erschöpft von dem Kampf mit Thresh, doch das Adrenalin pumpte neue Energie durch seine Adern, ließ ihn weiter kämpfen, ließ ihn immer und immer wieder auf Marvel mit seinem Schwert einhacken. Das Schwert war dem Speer im Nahkampf eigentlich unterlagen, deshalb musste er schnell sein, schnell und stark, und Marvel keine Möglichkeit zum Angriff lassen. Innerhalb eines Wimpernschlags dominierte er bereits den Kampf. Während er sich Marvel näherte und Schritt für Schritt auf ihn zu ging, wich sein Gegner immer wieder vor ihm zurück, um die nötige Distanz zwischen sie zu bringen, um richtig kämpfen zu können. Schließlich machte Marvel den Fehler: er hob den Speer in beiden Händen haltend über sich, um seinen Kopf zu schützen, und Catos Schwert traf direkt in der Mitte des Holzstocks, wo es eine tiefe Kerbe hinterließ. Beim zweiten schnell folgenden Hieb brach der Stock entzwei. Und der gefährliche tödliche Speer war nun nichts weiter als ein zerbrochenes hölzernes Spielzeug.

Marvel warf den unteren nutzlosen Teil beiseite und behielt das Ende mit der metallenen Spitze in der Hand. Er fluchte leise, doch er schien noch nicht in Panik zu verfallen. Er griff schnell an seinen Rücken und zog ein Sax hervor, dessen Scheide sich unter seiner Jacke befand, die er sich um die Hüfte gewickelt hatte. Es war vielleicht nicht so groß und beeindruckend wie Catos Schwert, mit dem er mit einem einzigen Hieb einen Kopf vom Hals trennen konnte, aber es erfüllte seinen Zweck. Die obere Hälfte des Speers nutzte er nun mit der linken Hand zur Abwehr, in der rechten hielt er das einschneidige kurze Hiebschwert. Er stach damit zu, Cato wich aus, wurde allerdings am Oberarm erwischt. Cato fluchte laut, versuchte sich aber nicht durch das arrogante Grinsen auf Marvels Gesicht ablenken zu lassen.

Der Typ dachte wirklich er würde diesen Kampf gewinnen? Dem würde er es zeigen!

Der Sieger dieser Spiele hatte schon von Anfang an festgestanden. Cato hatte es gewusst, noch bevor die Spiele überhaupt begonnen hatten, sogar noch bevor er sich überhaupt freiwillig gemeldet hatte. Der diesjährige Sieger käme aus Distrikt 2.

Cato trat einen Schritt von Marvel zurück. Wütend ballte er beide Hände zu Fäusten, in der einen den Griff des Schwertes fest umklammert. All seine Muskeln spannten sich an. Dann stürzte er sich in Sekundenschnelle auf Marvel, mit der rechten Schulter voran. Jetzt war sein kräftiger Körper seine Waffe.

Trotz der Überraschung wehrte sich Marvel mit seinem Sax. Immerhin war er ein erfahrener Kämpfer. Auch wenn er oft überheblich und arrogant war konnte man Marvel nicht so einfach überrumpeln. Noch im Fall stach er zu und erwischte Cato an der Schulter. Als er auf dem Boden aufschlug wurde alle Luft aus seinem Körper gepresst, er keuchte und japste nach Luft, was nur von Catos Gewicht verstärkt wurde. Blitzschnell riss der Blonde ihm das Sax aus der Hand und schleuderte es weit von sich weg. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Marvel mit dem Speer zulangen wollte, doch er griff nach der Stange und hielt sie fest.

Catos Gesicht war nur wenige Zentimeter über dem von Marvel. Mit seinem kompletten Körper versuchte er die verzweifelten Bewegungen unter sich zu begraben. Mit seiner Schulter drückte er seinen Arm auf den Boden, mit seinen Beinen seinen Unterkörper. In den grauen Augen von Marvel erkannte er Wut und Trotz, doch umso länger er in ihnen suchte, umso mehr Angst fand er auch darin.

„Runter von mir, du Bastard!“, zischte Marvel zwischen zusammengepressten Zähnen. Mit aller Kraft versuchte er den Riesen von sich runter zu werfen, doch es wollte ihm nicht gelingen. Er drückte, schlug und trat, so fest er konnte.

Die einzige Antwort, die er erhielt, war ein überlegenes Schmunzeln. Cato fühlte sie, die Macht, wie sie durch ihn strömte und ihn beflügelte. Endlich war der Moment gekommen, von dem er so lange geträumt hatte. Alle Augen in Panem sahen jetzt ihm zu. Das würde sein Sieg werden.

Und sein Sieg sollte etwas Besonderes werden.

Cato legte den Kopf von der einen auf die andere Seite, während er sein Schwert langsam an Marvels Hals drückte. Daraufhin fing er noch heftiger an zu strampeln. Sein Knie erwischte Cato schmerzhaft im Magen. Irgendwo in der hintersten Ecke seiner Gedanken bemerkte er es, doch es könnte ihn im Moment nicht weniger interessieren. Er überlegte, während seine Finger sich nacheinander kurz vom Schwertgriff lösten und wieder fest drum schlossen: langsam töten oder schnell? Dem Kapitol eine gute Show liefern? Oder dem ehemaligen Verbündeten Gnade erweisen und einen raschen und schmerzlosen Tod bescheren?

Seine Lippen verzogen sich zu einem gefährlichen Lächeln, entblößten weiße gefletschte Zähne. Marvel startete einen weiteren Versuch mit dem Speer. Es gelang ihm die Waffe aus Catos Griff zu befreien und er rammte die Spitze mit all der Kraft, die er aufbringen konnte, in die Hüfte seines Gegners. Er keuchte kurz schmerzhaft auf, ließ seinen Blick aber nicht von Marvels Augen, die sich vor Entsetzen noch weiter weiteten. Cato war viel zu sehr gefangen in diesem Moment.

Das war sein Moment. Sein finaler Kill, den sie immer wieder und wieder zeigen würden, der Moment in dem er zum Sieger wurde. Schon bald würde man Marvels Namen vergessen haben, doch seinen Namen würde man für immer kennen.

Langsam, entschied er sich schließlich. Marvel hatte ihn immer ein hirnloses Muskelpaket genannt und genau diese Muskeln wurden ihm nun zum Verhängnis. Der Schönling aus dem Luxusdistrikt war ebenfalls durchtrainiert, aber bei weitem nicht so stark und muskulös wie Cato. Der Tribut aus Distrikt 2 war mit seinem gewaltigen Körper viel zu schwer, lag mit seinem kompletten Gewicht auf Marvel. Körperlich glich es dem Kampf von David gegen Goliath: ein Winzling gegen einen Riesen. Nur das diese Geschichte anders ausgehen würde. Verzweifelt versuchte Marvel nun mit den Händen gegen das Schwert zu drücken, das bereits seinen Hals einschnitt. An der linken Hand lief das dunkelrote Blut hinab. Cato versuchte ihn noch nicht einmal davon abzuhalten. Sollte er sich ruhig ein wenig wehren, so machte es viel mehr Spaß.

Die panischen und schmerzerfüllten Laute, die folgten, sowie der Ausdruck in den grauen Augen, während das Leben aus seinem Körper wich, würden Cato den Rest seines Lebens begleiten.

Der laute Knall der Kanone riss ihn irgendwann aus seinem tranceähnlichen Zustand, in dem er sich befand, einer Welt, aus dunklem Rot und dem grenzenlosen Gefühl der Macht. Die lauten Fanfaren erinnerten ihn daran, wo er sich befand, was gerade geschehen war und was als nächstes geschehen würde. Cato hielt weiterhin sein Schwert fest umklammert und stand mit wackeligen Beinen auf. Jetzt erst merkte er, wie erschöpft er war. Die Stimme von Seneca Crane nahm er verzerrt war. Was hatte er gesagt?

Sieger … er war jetzt ein Sieger

Catos blaue Augen wanderten von Marvels reglosem Körper zu seinem Schwert, dessen Klinge nun dunkelrot, beinahe schwarz wirkte. Ihm wurde schwindelig, die Hymne wurde immer leiser, dumpfer. Das Adrenalin ebbte allmählich ab und der Schmerz der Wunden an Hüfte und Schulter bahnte sich in sein Bewusstsein. Langsam, mit seiner letzten Kraft hob er das Schwert in einer Siegerpose in die Luft.

Sieger …“

Triumphierend lächelnd glitt er zu Boden.

Endlich …“

Auf dem Rücken liegend starrte er gen Himmel, wo er bereits das Hovercraft erkennen konnte, das ihn aus der Arena holen und zurück ins Kapitol bringen würde. Dabei wanderte seine linke Hand zu seinem Hals und er umfasste den Anhänger seiner Kette – sein Andenken aus Distrikt 2. In der rechten hielt er immer noch sein Schwert.

So fühlt es sich also an …

Wie oft hatte er von diesem Moment geträumt? Wie oft sich diese Szene ausgemalt? War es wie in seiner Vorstellung? Was fühlte er? War es Freude? Begeisterung? Erleichterung? Dankbarkeit? Stolz?

Cato konnte es nicht genau benennen. Er versuchte sich nur diesen Moment und dieses Gefühl ganz genau einzuprägen. Jetzt hatte er sein Ziel erreicht, das Ziel, auf das er sein ganzes Leben lang hingearbeitet hatte:

Er hatte die Hunger Spiele gewonnen.
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