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2020 07 18: Rote Stille [by Xalita]

OneshotHorror, Übernatürlich / P16 / Gen
18.07.2020
18.07.2020
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18.07.2020 409
 
Tag der Veröffentlichung: 18.07.2020
Zitat: „Woran stirbt ein Mensch? An einer Kugel im Herzen? Nein! An Krebs? Nein! An einem giftigen Pilz? Nein! Man stirbt, wenn man vergessen wird!“ (One Piece)
Titel der Geschichte: Rote Stille
Autor: Xalita
Hauptcharaktere: Namenlose OCs
Nebencharaktere: /
Pairings: /
Kommentar des Autors: Kurz und ohne weitere Erklärungen, trotzdem gefällt es dem ein oder anderen ja vielleicht! ^^

Rote Stille

Sie war eine der wenigen, die stumm blieben. Es schrien nicht so viele wie man vermuten könnte, meist blieb es bei einem animalischen Gurgeln oder überraschten Seufzen.
Ihre letzte Regung war das verstehende Aufreißen ihrer Augen, dann stürzte sie in seine Arme.
Lange Wimpern, die ebenso wie alles andere rasch an Glanz verloren, ließen ihn einen Moment lang die Sinnlosigkeit des Lebens vergessen.
Die geschwungen Lippen, die im Tod seltsam formlos wurden, fragten ihn zum ersten Mal nicht nach dem Wie oder Warum. Sie schwiegen und das schätzte er.
Mondlicht fiel durch eines der halb verhangenen Fenster und blich das gesprenkelte Rot auf seinen Armen aus, bevor er sie unter die Hülle schob und diese hochhob. Die Tür ließ er wie immer offen.
Die Welt brauchte nicht noch mehr eingesperrte Seelen.
Er wusste aus Erfahrung, dass die Augen von erst kürzlich Verstorbenen dazu tendierten, wieder aufzuspringen bei dem Versuch, sie schlafend darzustellen. Langsamer als sonst zog er zwei flache Steine aus seiner Jackentasche und beugte sich in die Vertiefung. Und hielt inne.
Hunderte, tausende Male hatte er vor diesem Moment dieselbe Prozedur durchgeführt und noch nie hatte jemand so – er suchte gedanklich nach einem passenden Wort – friedlich ausgesehen wie diese Frau vor ihm. Der dunkelrote Fleck erzählte von Überraschung und Verlust, während ihre Gesichtszüge von Entspannung wisperten. Die Augen stumpf und starr und doch …
Die zirpenden Grillen verspotteten den Fleck Dunkelheit, bis er sich mit einem Ruck umdrehte und die Kuhle mit einer Handbewegung füllte. Ohne sich ein weiteres Mal umzusehen, verschwand er zwischen den Blättern, die vom Morgendunst tropften.  

Über die Jahre war Gras über ihr Grab gewachsen, die Haut war ihr von den Knochen gefallen und die rätselhaften Augen längst vergangen. Doch auch nach all der Zeit, nach all den anderen Erretteten stand er wieder an dieser Stelle und drehte eine einzelne Lilie zwischen seinen Fingern.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine interessante Umsetzung dieses Zitates. Wirklich toll.

Eure lula-chan
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