Goosebumps

von taev-v
KurzgeschichteDrama, Romanze / P18
Naruto Uzumaki Sasuke Uchiha
18.07.2020
07.08.2020
13
23.438
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Dieses Kapitel
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01.08.2020 2.314
 
Taub.
Alles war taub.

Ich wusste nicht, wie ich nach Hause gekommen war, doch ich kam wieder zu mir, als ich an der Tür hinab sank. Mein Körper zitterte, wollte mir nicht gehorchen. Das einzige Geräusch was immer wieder ertönte, war mein Handy, welches neben mir lag. Es war mir aus meiner Jackentasche gerutscht und leuchtete nun auf. Irgendwer rief mich an, doch ich konnte mich nicht bewegen.

Wie hatte das passieren können? Ich wollte unbedingt auf den richtigen Zeitpunkt warten, doch gab es diesen überhaupt? Durch die Situation mit Sasuke hatte ich überhaupt nicht mehr daran gedacht, meinen Freunden das mit meinen Eltern zu erzählen. Es war ganz weit nach hinten gerückt. Doch jetzt blieb mir keine andere Wahl. Diese Wahl hatte mir mein Lehrer durch meinen eigenen Fehler abgenommen. Ich war so dumm.

Lange saß ich dort an der Haustür, doch wie lange wusste ich nicht. Ich saß einfach nur da, zusammen gesunken, meine Arme um meine Beine geschlungen. Es gab mir Sicherheit. Ich hatte das Gefühl, als würde ich auseinander fallen, wenn ich mich nur einen Zentimeter bewegen würde. Selbst das Klingeln meines Handys nahm ich nicht mehr wahr. Ich saß einfach da, hatte meine Augen geschlossen und atmete. Mehr konnte ich einfach nicht tun.

~*~


Das nächste Klingeln. Langsam öffnete ich meine Augen und sah auf mein Handy, welches neben mir auf dem Boden lag. „Sasuke…″, flüsterte ich leise und meine Hand bewegte sich automatisch, wie von selbst. Ich nahm das Handy, nahm den Anruf an und führte es an mein Ohr.

„Hey, ich wollte nach der Uni noch einkaufen gehen. Möchtest du irgendwas Bestimmtes haben? Dann kann ich es direkt mitbringen.″, fragte Sasuke. Seine Stimme beruhigte mich. „Kannst du zu mir kommen?″

Nicht ich sprach diese Worte aus und doch kamen sie aus meinem Mund. Die Stimme hörte sich mir so fremd an.

„Was ist passiert?″, fragte er direkt und es ließ mich leicht Lächeln. „Zu viel. Ich bin so dumm. Ich habe alles kaputt gemacht.″, flüsterte ich. Keine Ahnung, ob er mich verstanden hatte, doch ich konnte einfach nicht lauter sprechen.
„Wo bist du?″, fragte er weiter, ging nicht auf meine Aussage ein. „Du weißt doch sonst auch alles, warum dann nicht das?″, fragte ich und lehnte mich nach hinten an die Wand. „Naruto, antworte mir einfach. Bist du zu Hause?″, fragte er nun energisch. „Ja, bin ich.″, murmelte ich und sah an meine Eingangstür.
„Ich bin zu Hause.″

~*~


Sasuke brauchte genau 13 Minuten, dann stand er vor meiner Haustür und schob diese vorsichtig auf. Er hatte irgendwann einen Hausschlüssel von mir bekommen, da es mich genervt hatte, das er jeden Tag, wenn er herkam die Klingel benutzte und ich aufstehen musste, um ihn hereinzulassen. Vielleicht auch dumm, aber jetzt gerade durchaus praktisch. Ich wäre nicht aufgestanden um ihn hereinzulassen.

Sasuke schloss die Tür wieder und kniete sich zu mir hinab. „Was ist passiert?″, fragte er leise und legte seine Hände auf meine Wangen. Sie waren so warm. Geborgenheit. Ja, sie schenkten mir Geborgenheit.

„In der Uni…″, murmelte ich, doch brach ab. Ich schüttelte nur meinen Kopf und schloss meine Augen wieder. Sasuke schob meine Beine leicht weg und legte dann seine Arme um mich, um mich an sich heranzuziehen.
Wärme, Geborgenheit.
Er blieb ruhig, fragte nicht. Das war schön.

Ein Klingeln unterbrach diese Ruhe schließlich. Wir beide sahen auf. Es war die Hausklingel.

„Soll ich ihnen sagen, dass sie gehen sollen?″, fragte Sasuke leise und sah mich an. Er schien zu erahnen, wer vor der Tür stand. Ich erwiderte seinen Blick, doch schüttelte schließlich meinen Kopf. Ich konnte nicht weiter davor weglaufen. Es würde nie einen perfekten Zeitpunkt dafür geben.
Sasuke half mir dabei aufzustehen und erst als ich stand, bemerkte ich, wie sehr mein Körper schmerzte. Wie lange hatte ich hier gesessen?

Ich öffnete die Haustür und vor mir standen Kiba und Ino. „Naruto!″, rief Ino und umarmte mich. Ich spürte, wie Sasuke sich hinter mir anspannte. Als Ino mich in ihre Arme geschlossen hatte, war er ganz leicht in meine Richtung gezuckt, als wolle er diese Berührung vermeiden.

Ino entfernte sich wieder von mir und sah mich traurig an. „Tut mir leid, aber ich habe mir Sorgen gemacht, weil du nicht an dein Handy gegangen bist.″, sagte Ino. Ich sah zu Kiba, doch dieser mied meinen Blick.
„Es ist alles gut.″, murmelte ich nur und ging etwas auf Abstand.

„Und wir sind noch wegen etwas anderem hier. Die Anderen kommen auch gleich.″, murmelte Ino auf einmal und sah auf den Boden. Ihre Hände zitterten leicht.
Das war klar gewesen. Sie wollten Antworten.

„Hey Leute.″, rief auf einmal eine neue Stimme. Ich sah an Kiba vorbei und sah zu Gaara, Temari und Kankuro.

Alle traten ein und wir gingen ins Wohnzimmer. Es war mir unangenehm, dass sie alle hier waren. Seit dem Tod meiner Eltern waren sie nur noch selten bis gar nicht mehr hier gewesen. Ich hatte das Gefühl, dass alles beschmutzt wurde.
Sie quetschten sich alle auf die Couch, nur ich setzte mich auf einen Sessel. Sasuke stellte sich hinter mich. Er hatte nichts mehr gesagt, seit dem ich die Haustür geöffnet hatte.

„Wann wolltest du uns sagen, dass deine Eltern tot sind?″, fragte Gaara direkt und ich erstarrte. Es war klar das diese Frage kommen würde, doch sie traf mich härter, als ich es erwartet hätte. Sehr viel härter. Wie ein Schlag in die Magengrube.

Kalt, alles wurde kalt.
Schwarz, alles wurde schwarz.

Ich hörte nichts mehr, außer mein eigenes Herz welches immer langsamer zu schlagen schien. Dieser Schmerz in mir war intensiv und zog sich einmal durch meinen Körper.

„Gaara! Was soll das? Wir sollten das Thema langsam beginnen und nicht so mit der Tür ins Haus fallen!″, fuhr Kiba Gaara an. „Warum? Sollen wir etwa lange drum herumreden?″, fuhr Gaara nun Kiba an. Doch all das schien so weit entfernt zu sein. Sie stritten sich weiter, doch ich sah nur noch ihre Lippenbewegungen, hörte nicht, was sie sagten.

Sie wollten über den Tod meiner Eltern reden, was nur selbstverständlich war. Doch dazu war ich noch nicht bereit. Genau das bemerkte ich in diesem Moment.
Sie waren nun seit zwei Jahren nicht mehr bei mir und ihr Verlust hatte mich hart getroffen. Doch was sollte ich schon sagen? Dass ich sie vermisste? Dass ich mich seit ihrem Tod einsamer denje fühlte?
Ich fühlte mich so einsam und allein und das egal wo ich war, ob in diesem verdammt riesigen Haus, welches mir meine Eltern hinterlassen hatten oder in Gesellschaft. Es machte keinen Unterschied.


Gänsehaut.
Ich zuckte etwas auf und kam zurück in die Realität.
Wärme. Geborgenheit.
Ich sah leicht über meine Schulter zu Sasuke. Er hatte seine Hand auf meine Schulter gelegt. Von ihr ging diese Wärme aus.
Nein.
Wenn er bei mir war, fühlte ich mich nicht einsam. Ich fühlte mich nicht allein.

Ich fühlte mich von allen missverstanden, obwohl ich mir sicher war, das man mich verstehen könnte, wenn ich jemanden davon erzählen würde. Aber andererseits, was sollte ich denn schon erzählen?

Bei Sasuke fühlte ich mich nicht missverstanden. Ich musste kein Wort sagen, musste nichts erklären. Es war, als würde er meine Gedanken lesen können. Er verstanden immer.

Wie würden meine Freunde reagieren, wenn ich ihnen erzählen würde, dass meine Eltern seit zwei Jahren tot waren? Würden sie sich verraten fühlen, weil ich es ihnen verschwiegen hatte?

Ich sah wieder nach vorne zu meinen Freunden.
„Ja, meine Eltern sind tot. Sie sind vor zwei Jahren bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Es war sogar in den Medien.″, sagte ich schließlich monoton und unterbrach so den Streit zwischen Kiba und Gaara. Der Griff auf meiner Schulter verstärkte sich. Sie wandten alle ihre Blicke zu mir. Ich fühlte mich wie auf einem Silbertablett.

„Warum hast du uns das nie gesagt?″, fragte Ino. Sie sah traurig aus. „Warum hätte ich das machen sollen? Ich rede nicht einmal mit meinem Therapeuten darüber. Ich kann und möchte noch nicht darüber reden.″, sagte ich und wandte meinen Blick ab. Es tat weh. Der Schmerz nahm von Minute zu Minute immer weiter zu. „Du gehst zu einem…″ - „Ja, seit anderthalb Jahren schon.″, beantwortete ich die Frage, bevor sie gestellt wurde.

„Ich hätte es euch schon noch gesagt, wenn der Zeitpunkt gepasst hätte. Wenn
ich dazu bereit gewesen wäre. Aber das bin ich jetzt noch nicht. Also… Könntet ihr mich jetzt bitte alleine lassen und wieder gehen?″ fragte ich leise. Ich zitterte. Ich hatte gedacht, dass es jetzt richtig wäre es zu klären. Doch alles in mir wehrte sich.

Was war passiert, das ich in Selbstmitleid ertrank und kaum noch Luft bekam? War es wirklich nur der Tod meiner Eltern? Warum wusste ich es nicht?

„Aber Naruto! Wir sind deine Freunde! Wir sind für dich da. Du hast dich so sehr verändert, doch wir haben uns nie weiter Gedanken darüber…″, fing Ino an, doch sie wurde unterbrochen.
„Genau, ihr habt euch nie Gedanken darum gemacht. Warum bezeichnest du euch dann als seine Freunde?″, unterbrach Sasuke und seine Stimme klang so kalt, sie war voller Hass. Ich erschauderte. „Misch du dich da nicht ein!″, fuhr Temari nun Sasuke an. Sie sah wütend aus. „Wer bist du, das du dir erlaubst dich hier einzumischen?″, zischte sie. „Ich bin derjenige, der sich nun seit Wochen um euren Freund kümmert. Derjenige, der dafür sorgt, dass er jeden Tag regelmäßig isst und endlich wieder durchschlafen kann. Was habt ihr in den letzten Wochen für ihn gemacht?″, zählte Sasuke auf. „Außer jeden Freitag im Café zu sitzen.″, fügte er noch abfällig hinzu.

Alle sahen Sasuke mit offenem Mund an. „Wir sind schon seit Jahren mit ihm befreundet. Tue nicht so, als würden wir nichts für ihn machen.″, verteidigte sich Temari und stand nun auf. Sie war wirklich wütend. Sie hatte ihre Hände zu Fäuste geballt und auch die anderen sahen nicht glücklich aus. Sie alle sahen Sasuke sauer an. Gaara hatte seine Hand in die Lehne der Couch gekrallt.
„Ach so? Warum ist er dann so abgemagert? Wolltet ihr das nicht ändern oder war es euch schlichtweg einfach nur egal? Ist es euch überhaupt aufgefallen?″, fragte Sasuke nun weiter und seine Stimme wurde noch kälter. Er war ebenfalls wütend.

„Sasuke, ich wollte auch nicht das sie mir helfen…″, versuchte ich sie trotz allem zu beschützen. Ich hatte es immer vermieden, dass sie meinen Körper sahen. Ich hatte zu große Klamotten getragen und sie angelogen das ich schon gegessen hatte. „Du wolltest auch nicht das ich dir helfe. Du hast dich am Anfang dagegen gewehrt und trotzdem habe ich es weiter versucht. Ich habe es gesehen. Sie nicht.″, zischte er und sah mich dabei kein einziges Mal an. Sein Blick lag auf meinen Freunden. In seinen dunklen Augen loderte ein heftiges Feuer, welches ausschließlich meinen Freunden galt.

Ino sah mir das erste Mal direkt in die Augen. Ihr liefen Tränen über ihre Wange. Temari sah mich ebenfalls an, sie zitterte. Ob vor Wut oder Trauer konnte ich nicht deuten. Sie warf einen Blick auf meine Arme, versuchte anscheinend meine Figur unter den zu großen Klamotten auszumachen.
„Mir ist aufgefallen, wie dünn er geworden ist.″, zischte sie zwischen zusammen gebissenen Zähnen Sasuke entgegen. „Und trotzdem hast du nichts gemacht. Ihr alle habt nur zugesehen. Hättet ihr es wirklich gewollt, hättet ihr all die Anzeichen schon viel früher erkennen und handeln können.″, sagte Sasuke.

Er hatte wahrscheinlich recht. Er kannte mich gerade einmal seit ein paar Wochen und hatte schon so viel von mir gesehen. E war auf einmal da gewesen, hatte mich nicht in Ruhe gelassen. Jedoch konnte ich ihm trotzdem nicht komplett recht geben.
Ich hatte ihn anders behandelt als meine Freunde. Ich hatte ihn viel näher an mich herangelassen in der Zeit als meine Freunde.
Die Wochenenden, welches ich normalerweise alleine verbracht hatte, verbrachte ich nun mit Sasuke.
Meine Nachmittage, welche ich normalerweise alleine verbracht hatte, verbrachte ich nun mit Sasuke.
Mir wäre nie eingefallen, diese Zeit für jemanden anderen aufzugeben.
Es war also auch meine Schuld.

„Ihr solltet jetzt gehen.″, murmelte ich und unterbrach das alles. Ich fühlte mich erschöpft, mein Magen rumorte. Mir war schlecht.
„Aber Naruto…″, fing Kankuro an, doch ich hob nur meine Hand. „Wir unterhalten uns ein anderes Mal, okay? Ich bin müde und kann jetzt gerade nicht darüber reden. Wir alle sind etwas aufgewühlt, so wird das sowieso nichts.″, erklärte ich leise und stand auf. „Ihr habt mich etwas überrumpelt. Ich habe das alles schon lange verdrängt, weil es so einfacher für mich war. Das jetzt wieder hochzuholen tut weh. Es ist meine Schuld, dass es zu dieser Situation gekommen ist. Niemand anderes trägt die Schuld daran.″, redete ich weiter.

„Wir haben definitiv alles falsch gemacht, was man als Freunde falsch machen kann. Wir hätten bemerken müssen das da etwas anders ist als sonst. Wir hätten etwas machen müssen. Wir hätten für dich da sein müssen.″, sagte Ino und wischte sich die Tränen aus ihrem Gesicht. „Es tut mir leid, dass wir dich damit so überfallen haben. Wir haben uns verraten gefühlt, weil du uns nie eingeweiht hast, doch wir haben dabei vergessen wie es dir damit gehen muss.″, redete Temari weiter und sah vor sich auf den Boden.

Ich sagte dazu nichts. Mein Kopf war leer. Ich brauchte erst Zeit um mich zu sortieren.

„Wir gehen jetzt und lassen euch alleine. Aber wenn irgendwas ist, ruf bitte an Naruto.″, sagte Kiba und mit seinen Worten standen auch die anderen auf. Wir alle gingen zusammen zur Tür.
Trotz allem, umarmten mich alle kurz und verließen dann das Haus.

Ich schloss die Tür und atmete dann tief durch. Seit dem Sasuke bei mir war, dachte ich nur noch selten an meine Eltern. Das eben hatte mich zurückgeworfen.
Ich hörte leise Schritte, welche auf mich zu kamen und direkt hinter mir verstummten. Er sagte kein Wort. Er nahm mich in seine Arme, drückte mich an seinen warmen Körper. Es war anders als die Umarmungen eben.

So anders.
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