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Geschichten Gruft

Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P12 / Mix
18.07.2020
18.05.2022
47
77.559
15
Alle Kapitel
47 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
31.12.2021 1.334
 
Beitrag für: [Projekt] Adventskalender der Zitate [Fanfiction, Freie Arbeiten]

Türchen 22 || Türchen 23 || Türchen 24


Zitat
Wenn der Schneemann lacht, ist der Winter erwacht. - Monika Minder

~*~

Ein helles Lachen ertönte. Immer und immer wieder. Aber irgendwie klang es … merkwürdig. Nicht so wie ein Mädchen, aber auch nicht wie ein Junge. Einfach … anders. Neugierig stand Severus auf und ging hinaus auf das Gelände von Hogwarts. Er hatte bis eben in der großen Halle gesessen und das Frühstück genossen, welches sich länger als sonst hinzog. In diesem Jahr waren nicht viele Schüler über die Weihnachtsferien geblieben. Zu seinem Leidwesen leider auch drei der vier Rumtreiber und genau diese drei standen da draußen, mitten im Schnee und liefen freudig um einen Schneemann herum. Und dieser Schneemann gab dieses helle Lachen von sich. So sehr er die drei und gerade James Potter auch verabscheute, musste er doch zugeben, dass dieser ein außergewöhnliches Talent im Entwickeln von Zaubersprüchen hatte. Denn er kannte keinen Spruch, der einen Schneemann oder überhaupt einen toten Gegenstand zum Lachen brachte! Und er verbrachte jede freie Minute in der Bibliothek, weshalb er schon oft von Lucius aufgezogen wurde und dieser behauptete, dass er wohl besser nach Ravenclaw gegangen wäre.

Schnell verschwand Severus hinter einer Mauer, als sich die kleine Gruppe auf den Weg zurück ins Gebäude machte. „Das ist genial, James. Wir bauen nachher eine ganze Armee dieser Schneemänner“, grinste Sirius voller Tatendrang und hüpfte schon regelrecht vor seinen beiden Freunden hin und her. „Das ist eine tolle Idee. Wir bauen sie alle vor dem Portal, dann können wir Slughorn so richtig auf die Palme bringen“, lachte James und rieb sich freudig die Hände. Sein Zauber hatte gut funktioniert, wenn auch nicht ganz so, wie er es gerne gehabt hätte. „Jungs, bitte übertreibt es nicht. Wir haben immer noch fast zwanzig Stunden an Nachsitzen offen“, meinte Remus ruhig. Er versuchte generell seine Freunde von zu größenwahnsinnigen Aktionen abzuhalten. „Ach, sei doch kein Spielverderber, Remmy. Es ist fast Weihnachten und da wollen wir unserem lieben Tränkemeister doch ein schönes Geschenk machen. Also bauen wir so … 100 Stück. Und jetzt kommt, ich habe Hunger und vielleicht ist das Mittagessen schon da. Danach haben wir noch viel zu tun!“ Kopfschüttelnd folgte Remus seinen Freunden ins Gebäude. Bei so vielen Schneemännern würden sie sicher großen Ärger und noch viel mehr Nachsitzen bekommen.

Vorsichtig kam Severus aus seinem Versteck und ging direkt auf den immer noch lachenden Schneemann zu. Dieser stand unbeweglich da. Nur zwei Reihen aus kleinen Kohlestücken, die den Mund darstellten, bewegten sich im Rhythmus des Lachens. Ein wirklich interessanter Zauber. Und mal etwas ganz anderes, als die sonstigen Streiche, die die Rumtreiber immer spielten und an deren Ende meistens er stand. Doch wenn er sich vorstellte, dass davon 100 Stück auf einmal lachten, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Das wäre ein Krach, den keiner lange ertragen könnte. Und das würde sicher nicht nur den sonst so ruhigen Professor Slughorn nach einer Weile auf die Palme bringen, sondern sicher auch alle anderen Professoren. Wie kam Potter nur immer auf solche Ideen? Seufzend schüttelte Severus den Kopf, ehe er wieder im Gebäude verschwand. Am Ende würde man noch ihm den Schneemann anhängen, weil er viel zu lange daneben gestanden hatte. Das Lachen verfolgte ihn noch eine ganze Weile.

~*~

Bei Merlin, warum hörte er dieses verdammte Lachen immer noch, er war doch schon …

Verwirrt schlug Severus die Augen auf und sah sich um. Okay, er lag in seinem Bett in Spinners End und war wieder 35 Jahre alt. Seufzend erhob er sich. Er hatte schon lange nicht mehr von seiner Schulzeit geträumt. Und zum Glück war es dieses Mal kein Albtraum gewesen. Wenn er einmal von seiner Schulzeit träumte, dann von den schlimmen Streichen, die die Rumtreiber ihm gespielt hatten. Doch etwas irritierte ihn. Warum hörte er immer noch dieses komische Lachen? Er war wach, da war er sich ziemlich sicher! Sich seinen Morgenmantel überwerfend ging Severus die Stufen nach unten in sein Wohnzimmer, wo das Lachen immer lauter wurde. Es schien aus seinem Hinterhof zu kommen. Zielstrebig lief er dorthin und entdeckte tatsächlich einen lachenden Schneemann, welcher dort mitten im Hof stand und von einem zufriedenen Regulus Black betrachtet wurde. „Was soll das denn hier?“, wollte er sogleich wissen und war wirklich froh, dass er einen permanenten Verschleierungszauber auf seinem Hinterhof liegen hatte. Sonst hätten seine Nachbarn sicher schon mehr als einmal die Polizei gerufen. Etwas erschrocken drehte sich Regulus um, doch dann lächelte er. „Guten Morgen, Sev. Ich wollte den alten Zauber ausprobieren und er funktioniert immer noch. Mir hat es sehr gefehlt den Schneemann am Anfang des Winters lachen zu hören“, gab eben dieser von sich und trat auf den anderen zu.

Oh ja, Severus konnte sich noch gut daran erinnern. Nachdem Potter diesen Zauber entwickelt hatte, hatten die Rumtreiber ihn jedes Jahr gleich nach dem ersten Schnee angewandt und mal mehr mal weniger Schneemänner zum Lachen gebracht. Immer zum Frust der Professoren und selbst wenn sie eigentlich beim Nachsitzen sein sollten, hatten sie es doch jedes Mal geschafft pünktlich ihre Aktion durchzuziehen und das ganze drei Jahre lang. Bis zu ihrem Abschluss und er war sich ziemlich sicher, dass Potter und seine Konsorten die Tradition fortgeführt hätten, wenn der Krieg nicht so schnell voran geschritten wäre. „Ich hatte mich schon gewundert, warum ich ausgerechnet von dieser Aktion geträumt habe. Aber es ist wohl kein Wunder, wenn du den Schneemann genau unter dem Schlafzimmerfenster baust. Doch woher kennst du diesen Zauber überhaupt?“, wollte Severus neugierig wissen und nahm den Jüngeren in die Arme. „Komm, du bist ja eisig kalt. Hast du den Wärmezauber verlernt?“ Besorgt schob Severus ihn zurück in sein Haus und direkt vor den schon brennenden Kamin. „Den habe ich wohl vergessen. Als ich heute Morgen wach wurde, war es so schön am schneien und da bin ich gleich rausgegangen und habe den Schneemann gebaut. Und den Zauber habe ich von Sirius gelernt. Es war das letzte Mal, dass ich mit ihm gesprochen habe“, gab Regulus doch etwas wehmütig von sich.

Er hatte danach nie wieder mit seinem Bruder sprechen können und bis jetzt hatte er auch keinen Kontakt wieder zu diesem aufgenommen, weil er als tot galt und sein Bruder sich nach der Flucht aus Askaban verstecken musste. „Nun, wenn du möchtest, dann können wir ihn doch zu Weihnachten zu uns einladen. Es dürfte kein Problem sein, ihn hier her zu schaffen und dann könnt ihr euch in Ruhe aussprechen“, schlug Severus vor und hatte gleich darauf mal wieder einen Arm voll Regulus.
„Meinst du das wirklich?“
„Natürlich meine ich das so. Ich würde bei so einem Thema keine Scherze machen und das solltest du mittlerweile auch wissen. Und wenn es dich glücklich macht, warum denn nicht?“
Glücklich lächelte Regulus den anderen an, ehe er ihm einen sanft Kuss gab. Er war so unendlich froh, dass er den anderen hatte und dieser alles versuchte, um ihn glücklich zu machen. „Und was ist mit dem Schneemann? Bist du sehr sauer, dass er deine Träume beeinflusst hat?“ Das war doch eine ganz andere Sache. Ihm war durchaus bewusst, dass Severus in seiner Schulzeit sehr unter James Potter und - zu seinem Leidwesen - auch unter Sirius gelitten hatte und die Träume an diese Zeit nie schön sein konnten.

Schmunzelnd betrachtete der Snape seinen besten Freund und Partner und strich ihm beruhigend über die Wange. „Mach dir keine Gedanken. Dieser Traum war sehr angenehm, im Gegensatz zu allen früheren. Und wenn du möchtest, können wir diese alte Tradition gerne wieder aufleben lassen. Ich bilde mir ein, genug starke Zauber gesprochen zu haben, um die Nachbarn zu verwirren und ihnen einen normalen Hinterhof vorzugaukeln“, grinste Severus und sah zufrieden dabei zu, wie die Augen des anderen zu leuchten begannen. „Dann werde ich jetzt immer zum Winteranfang einen Schneemann bauen, damit wir wissen, dass der Winter nun richtig begonnen hat“, strahlte Regulus am Ende regelrecht und kuschelte sich an den Älteren, während das helle Lachen durch das ganze Haus schallte.
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