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Geschichten Gruft

Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P12 / Mix
18.07.2020
18.05.2022
47
77.559
15
Alle Kapitel
47 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.11.2021 6.981
 
Beitrag für: Die aktuelle Runde (21.10.2021 - 26.11.2021) des [Wettbewerb] Die Unendlichen Runden [Harry Potter]

Vorgabe von Teufelchen4:
Unter dem Tarnumhang
Das Genre und die vorkommenden Charaktere überlasse ich ganz euch. Wichtig ist nur, dass jemand einen Tarnumhang benutzt. Platzt der jenige in eine Situation, die er so nicht erwartet hätte? Wird er möglicherweise erwischt? Handelt es sich um einen Schüler, der eigentlich im Bett sein müsste? Vielleicht habt ihr auch vollkommen andere Ideen. Es muss sich nicht zwangsläufig um Harrys Umhang handeln, darf es aber gerne


Charaktere: Severus Snape, Harry Potter

~*~

Entspannt saß Severus vor dem Kamin in seinen Privaträumen und genoss die letzten, ruhigen Minuten, bevor er zu seinem allabendlichen Rundgang, durch die hoffentlich leeren Gänge von Hogwarts, aufbrechen würde. Normalerweise wäre er alles andere als abgeneigt ein paar freche Schüler zu erwischen, welche nach Sperrstunde noch durch die Gänge liefen, doch nicht so am heutigen Abend. Er war immer noch erschöpft von einem unsinnigen Ausflug, auf welchen ihn Albus Dumbledore mitgeschleift hatte und welcher ihn doch mehr mitnahm, als er es sich zunächst eingestand. Sie waren zusammen durch die Hochmoore von Schottland gewandert und Albus hatte ihm schon fast ein Ohr abgeschwatzt, als er über die Natur berichtete, so dass er mehr als einmal einen Silencio hatte sprechen wollen. Doch wenn er dies getan hätte, wäre nur eine Diskussion über das Benehmen gegenüber Älteren aufgekommen und auf eine solche konnte er gut verzichten. Der Ausflug war nun schon zwei Tage her, aber diese fünf Stunden, die sie im Moor verbrachten, spürte er jetzt immer noch. Albus wollte ihn sogar schon nach St.-Mungo oder zumindest auf die Krankenstation jagen, doch diesen Gedanken konnte sein Vorgesetzter gleich wieder verwerfen. Denn er würde sich niemals in die Hände einer Krankenschwester oder eines Heilers begeben, wenn er sich nicht noch selbst mit Heil- und Stärkungstränken helfen konnte. Seufzend legte er den Kopf in den Nacken, als ihm die Bilder des Ausfluges wieder in den Sinn kamen. Hoffentlich ließ ihn der alte Zausel in den nächsten Wochen mit irgendwelchen komischen Ideen in Ruhe, denn sonst würde er noch durchdrehen.

Durch ein leises Klopfen wurde Severus aus seinen Gedanken gerissen und für einen Moment überlegte er, ob er nicht durch den Geheimgang aus seinen Privaträumen fliehen sollte. So kurz vor der Sperrstunde konnte es doch nur Albus sein, denn kein Schüler würde um diese Uhrzeit noch unterwegs sein und dann auch noch ausgerechnet bei ihm klopfen. Vor allem nicht an seinen Privaträumen. Sich kurz sammelnd erhob sich Severus aus seinem bequemen Sessel und ging erhobenen Hauptes zu seiner Tür, welche er nur einen Augenblick später öffnete. Allerdings konnte er auf den von Fackeln erleuchteten Gang niemanden erblicken. Weder Albus, noch einen anderen Professor oder einen Schüler. Hatte er sich das Klopfen evtl. nur eingebildet oder war es ein Streich gewesen? Dann konnte es nur ein Schüler aus einem anderen Haus gewesen sein, denn seine Slytherins waren eine feste Gemeinschaft, die ihm auf keinen Fall einen Streich spielen würden. Noch einmal ließ er seinen Blick durch den Gang schweifen, doch als er immer noch keine Person und keinen Schatten sehen konnte, wollte er die Tür wieder schließen, um sich auf den Rundgang vorzubereiten. „Warten Sie Professor. Ich brauche Ihre Hilfe“, ertönte eine Stimme, direkt neben seiner Tür, genau in diesem Moment. Kaum waren die Worte gesprochen, tauchte vor ihm auch schon das Gesicht seines absoluten Lieblingsschülers auf. Harry Potter. Dieser hatte seinen Tarnumhang vom Kopf gezogen und sah ihn nun etwas verunsichert an.

Im ersten Moment war Harry sich nicht sicher gewesen, ob er sich wirklich seinem Professor zeigen sollte. Doch ihm blieb keine Wahl. In seiner Situation benötigte er dringend die Hilfe des anderen und er war sich absolut nicht sicher, ob er noch einmal den Mut gefunden hätte, wieder an der Tür des Tränkemeisters zu klopfen, wenn dieser in seinen Räumen verschwunden wäre. Er war zwar ein Gryffindor und in ihm steckte der Mut eines Löwen, aber wenn er diesem Mann gegenüber stand, dann verschwand der Löwe in einem Käfig und ein junges, verschüchtertes Kätzchen kam zum Vorschein.

Abschätzend sah Severus seinen ungebeten Gast an, bevor er sich wieder fing und seine übliche Art zum Vorschein kam. „Potter. Ist Ihnen bewusst, dass es kurz vor Sperrstunde ist und Sie um diese Uhrzeit nichts in den Kerkern zu suchen haben? Zudem verbitte ich mir, dass Sie ohne jeden ersichtlichen Grund an meine Privaträume klopfen und auch noch in ihrem Tarnumhang herum schleichen. Sie können froh sein, dass ich Ihnen wegen ihrer Unverschämtheit nicht sämtliche Punkte abziehe, die ihr Haus besitzt! Nun, wären Sie so freundlich und würden in ihren Turm zurückkehren? Dann würde ich es bei einem Monat Strafarbeit belassen. Ohne jeglichen Punktabzug“, schnarrte Severus und war wieder dabei die Tür zu schließen, als Harry seinen ganzen Mut zusammen nahm und sich entschieden in den Türrahmen stellte, damit diese nicht geschlossen werden konnte. Woher dieser Mut gerade kam, konnte er sich nicht erklären, aber er war wirklich erleichtert darüber, dass sein Körper gerade so reagierte. „Entschuldigen Sie Professor, aber ich benötige wirklich Ihre Hilfe. Und das konnte leider nicht bis morgen im Unterricht warten. Bitte hören Sie mich an“, sprach Harry zwar leise, aber so ruhig wie möglich, aus. Sein Mut hatte sich schon fast wieder verflüchtigt, als er den strafenden Blick seines Professors sah. „Sie werden wohl keine Ruhe geben? Auch nicht, wenn ich Ihrem Haus jeden Punkt abziehe und Sie bis zum Ende ihrer Schulzeit nachsitzen lasse?“, hakte Severus nach, obwohl er die Antwort schon ahnte. Und sein Gefühl ließ ihn auch nicht im Stich, denn Harry schüttelte verneinend den Kopf. Nun gut, vor einem Punktabzug hatte der junge Gryffindor sicher keine Angst, denn Albus würde doch sowieso am Jahresende wieder irgendeine Tat finden, die er mit reichlich Punkten belohnen konnte.

Innerlich seufzend sah Severus sein Gegenüber an und forderte eine Erklärung für die abendliche Störung. „Dann sagen Sie mir, was Sie für ein Problem haben und welches nicht von ihren Freunden gelöst werden kann, so dass Sie mich um diese Uhrzeit stören müssen“, verlangte er von seinem ungebetenen Gast und ließ seine Stimme so kalt wie möglich klingen. Diese Kälte in der Stimme des anderen ließ Harry schwer schlucken und an seiner Bitte doch zweifeln. Doch dann nahm er all den Mut eines Gryffindors zusammen, um wieder sprechen zu können. „Dürfte ich bitte reinkommen und es Ihnen dort erklären? Ich möchte es nicht gerade hier auf dem Gang und zwischen Tür und Angel mit Ihnen besprechen. Bitte, Sir. Es wird auch nicht lange dauern.“ Hatte Severus wirklich gedacht, dass er den anderen so schnell wieder los wurde? Nein, eigentlich hatte er damit nicht gerechnet und wenn er es sich selbst eingestand, dann wollte er das im Grunde auch gar nicht, aber das durfte er nicht offen zeigen. „Und warum sollte ich Sie in meine Räume lassen? Was sollte ein triftiger Grund dafür sein, dass Sie es mir nicht hier und jetzt erklären können, Potter?“, wollte Severus wissen und spie das letzte Wort noch kälter aus, was selbst ihn erschreckte. Und auch Harry jagte dieses eine Wort einen leichten Stich ins Herz, denn schon vor mehr als einem Jahr hatte er bemerkt, dass er sich allmählich in seinen Professor verliebt hatte. Nicht nur dieser Umstand machte die Situation gerade nicht leicht, die kalten Worte des anderen machten diese Situation gerade noch viel schwieriger.

Dennoch nahm er noch einmal seinen ganzen Mut zusammen, da er seinem Professor noch eine Antwort schuldig war. Auch wenn diese ihm nun die Schamröte ins Gesicht trieb und er hoffte, dass man diese durch die Fackeln nicht sehen konnte. „Weil es mir peinlich ist, hier draußen darüber zu sprechen“, hauchte Harry und wenn Severus nicht so dicht vor ihm stehen würde, hätte er es vielleicht nicht verstanden. Doch das hatte er und ihm war auch die Veränderung im Gesicht des Jüngeren aufgefallen, was ihn doch neugierig auf den Grund machte. Natürlich würde er dies nie zugeben, denn er hatte sich nicht umsonst ein düsteres Image aufgebaut. Und dies würde er so schnell auch nicht ablegen, weshalb er dem Jüngeren auch noch eine Antwort schuldig blieb, was diesen noch nervöser machte. Was, wenn sein Professor ihm die Hilfe verweigern würde? Oder ihm erst gar nicht zuhören würde? Dann könnte er ab morgen nicht mehr in den Unterricht und ihm wäre auch ein Abschluss verwehrt, weshalb er gleich die Schule schmeißen konnte. Hoffentlich konnte sich sein Professor doch dazu durchringen, ihm zu helfen oder ihm wenigstens eine andere Person zu organisieren, die ihm helfen konnte. Nach einer kurzen Zeit des Schweigens, in der Severus die aufkommende Panik des anderen doch sehr genoss, begann er zu sprechen. „Sie haben Glück, Potter. Da ich ein Lehrer dieser Schule bin und mir deshalb auch das nichtigste Problem eines Schülers anhören muss, wenn dieser zu mir kommt, werde ich Sie in meine Räume lassen, damit Sie mir Ihres erzählen können. Seien Sie sich aber bewusst, dass Sie dafür jeden Abend, bis zu ihrem Abschluss, bei mir nachsitzen werden“, erklärte Severus ohne jede Regung im Gesicht, ehe er einen Schritt zur Seite machte, um den anderen hinein zu lassen. Schnell trat Harry in die Privaträume, bevor es sich sein Professor noch einmal anders überlegen konnte. Die Androhung der Strafe störte ihn nicht im geringsten. Er würde sie sogar genießen.

Gleich danach schloss Severus die Tür wieder und machte sich auf den Weg zu seinem Sessel, während der andere etwas unschlüssig im Raum stehen blieb. „Setzen Sie sich Potter und verschwenden sie nicht noch mehr meiner kostbaren Zeit“, schnarrte Severus, auch wenn er diese Unterbrechung mittlerweile durchaus schätzte, da nun Minerva den Rundgang übernehmen musste. Er hatte mit ihr und Albus eine Vereinbarung treffen müssen, dass sie den Rundgang übernahm, wenn er sich nicht fünf Minuten nach Sperrstunde bei ihr gemeldet hatte. Denn schließlich sollte er sich ja noch erholen, wo der Ausflug ihn doch so erschöpft hatte. Nun gut, erholen konnte er sich noch nicht, aber das würde später noch kommen. Durch die Stimme wieder in die Realität zurückgeholt, setzte sich Harry in Bewegung und ließ sich auf dem Sessel gegenüber des anderen nieder, welcher ihn nun genau musterte. „Ich hätte doch ein paar mehr Manieren von Ihnen erwartet, Potter. Es ist wirklich unhöflich, dass ich mich mit einem schwebendem Kopf unterhalten muss. Aber dieses schreckliche Benehmen liegt ja bei Ihnen in der Familie.“ Die Stimme von Severus ließ den Jüngeren kaum merklich zusammen zucken. Gerade weil er wieder einmal mit seinem Vater verglichen wurde. „Es tut mir leid, Professor. Aber genau da liegt mein Problem. Ich kann meinen Tarnumhang nicht abnehmen“, entgegnete Harry und war, trotz der harten Worte, erleichtert, dass der andere ihm eine Möglichkeit gegeben hatte, ihm sein Problem zu erzählen. Misstrauisch zog Severus seine Augenbraue in die Höhe. Wegen so einer Kleinigkeit wurde er am Abend gestört? „Natürlich können Sie, Potter. Oder haben Sie sich den Umhang an den Leib geklebt, dass Sie zu mir gekommen sind? Da muss ich Sie aber enttäuschen, denn dafür gibt es einen Spruch und keinen Trank“, sprach Severus sarkastisch, aber auch deutlich amüsiert aus und erhob sich aus seinem Sessel, da sich die Angelegenheit ja nun erledigt hatte.

Jedenfalls dachte er das, doch er wurde sofort eines Besseren belehrt. „Warten Sie, Professor. Das ist es nicht … Es ist … Am besten zeige ich es Ihnen“, hielt Harry den anderen schnell auf, ehe er sich ebenfalls erhob und tief durchatmete. Noch misstrauischer beobachtete Severus den anderen dabei, wie er sich umdrehte und ihm nun den Rücken zuwandte. Was hatte der Jüngere denn jetzt wieder vor? „Und was soll das werden, wenn ich fragen darf?“, sprach er auch gleich seinen Gedanken aus. „Ich möchte Ihnen mein Problem zeigen“, gab Harry ruhig von sich, ehe er den Tarnumhang um seine Schultern löste und sich diese seinem Professor nun entblößt zeigten. „Mr. Potter, darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich dies hier schon als versuchte Verführung eines Lehrkörpers auslegen kann und Sie dafür einen Schulverweis erhalten würden?“, erklang die Stimme von Severus hinter ihm, doch etwas war anders als vorhin. Sie war nicht mehr so kalt und ein wenig Unsicherheit schwang in ihr mit. „Das ist nicht meine Absicht und es wäre auch nur so, wenn ich wirklich nackt wäre. Doch das bin ich nicht. Ich trage meine normale Schulkleidung und das können Sie auch gerne testen“, sprach Harry so ruhig wie möglich aus und vernahm sogleich ein Schnauben des Älteren. „Glauben Sie etwa, dass ich blind bin?“ Dennoch trat Severus einen Schritt nach vorne und fuhr mit seinen Fingern am Hals des Jüngeren entlang, deutlich verwundert, dass er den Kragen eines Hemdes unter seinen Fingern spürte. Die kühlen Finger an seiner Haut ließen Harry eine Gänsehaut bekommen und er hoffte sehr, dass der andere es nicht bemerkte. Doch auch Severus spürte ein Blitzgewitter in sich, als er die Haut berührte. Denn auch er hatte vor einiger Zeit gemerkt, dass sein ehemaliger Hassschüler ungeahnte Gefühle in ihm auslöste und er sich noch mehr konzentrieren musste, sein düsteres Image aufrecht zu erhalten und keine Sympathien zuzulassen. Denn ihm war bewusst, dass er niemals eine Chance haben würde.

„Was genau haben Sie angestellt, Potter?“, sprach er deshalb so kalt aus, dass er sich schon wieder vor sich selbst erschreckte. „Das ist das Ergebnis eines missglückten Zauberspruches von Neville. Er hat in der Bibliothek nach Zaubern gesucht, die mir bei meiner Aufgabe helfen können und hat dabei einige Zauber gefunden, die wie mein Tarnumhang funktionieren. Leider ist er zur Zeit erkältet, so dass er den Zauber nicht korrekt ausgesprochen hat und dann ist das hier passiert. Nun bin ich nicht selbst unsichtbar geworden, sondern jede Kleidung, die meine Haut berührt, wird es“, erklärte Harry sachlich, ehe er sich seinen Tarnumhang um die Hüfte band, damit nichts sichtbar wurde, was nicht sichtbar werden durfte. Und bevor Severus auch nur etwas sagen konnte, zog Harry sein Hemd aus und hielt dieses in seiner Hand, wo es komplett sichtbar wurde. „Ich habe meinen Tarnumhang übergezogen und dabei festgestellt, dass dieser auf den Zauber zum Glück nicht reagiert. Wir haben Neville gefragt, welchen Zauber er ausprobiert hat, doch leider kann er sich nicht mehr genau daran erinnern. Nur noch an das Buch, aus welchem er den Spruch geholt hat. Also haben Hermione und ich das Buch durchgelesen und dabei fünf verschiedene Zauber dieser Art gefunden. Zwei von denen konnte man mit einem Zauber wieder aufheben, aber diese haben keine Wirkung gezeigt, weshalb es nur einer der drei anderen sein kann. Jeder von diesen wird durch einen anderen Trank aufgehoben. Und daher brauche ich Ihre Hilfe, denn Sie sind nun einmal der beste Tränkemeister, den wir kennen. Sie brauchen sich auch keine Gedanken machen, denn das Buch sagt, dass die Tränke keine Nebenwirkungen haben, wenn man sie bei einem falschen Zauber einnimmt. Nur gibt es eben das Problem mit den Zaubern an sich. Einer hält ein Jahr, der zweite hält zehn Jahre und der dritte ist unwiderruflich, wenn man nicht innerhalb eines Monats den passenden Trank einnimmt“, erklärte Harry schnell, ehe Severus ihn noch unterbrechen konnte.

Nun wirklich verwirrt sah Severus dabei zu, wie Harry das Hemd wieder anzog. Dieses verschwand in dem Augenblick, als es die Haut des Jüngeren berührte. Einen Moment später verschwand auch der nackte Oberkörper wieder unter dem Tarnumhang und der schwebende Kopf wandte sich zu ihm. „Ich habe noch nie etwas von so einem Zauber gehört. Aus welchem Buch haben Sie die Zauber?“, wollte Severus wissen, als er sich wieder gefangen hatte. „Ähm … Aus einem Buch aus der verbotenen Abteilung“, gab Harry leise von sich. „Wie bitte? Haben Sie aus ihrer Eskapade des ersten Jahres nichts gelernt?“ Das durfte doch nicht sein, dass der andere immer noch so extrem die Regeln brach und nun auch noch mit verbotenen Zaubern experimentierte. „Erstens, war ich nicht zuerst in der verbotenen Abteilung, sondern Neville und zweitens haben wir eine Sondergenehmigung von Professor Dumbledore erhalten“, gab Harry beleidigt von sich. Als wenn er nicht wusste, warum die verbotene Abteilung verboten war. Die Bücher waren ja teilweise noch gefährlicher als das Monsterbuch der Monster. Oh, das war ja wieder einmal wunderbar. Warum gab Albus den Schülern jetzt auch noch die Genehmigung für die verbotene Abteilung? Da konnte doch nichts Gutes bei herauskommen. „Da werde ich noch einmal mit Professor Dumbledore sprechen, was solche Genehmigungen angeht. Und es ehrt mich ja wirklich sehr, dass Sie mich als bester Tränkemeister ansehen, aber warum hat Ihnen Miss Granger nicht geholfen? Wenn ich mich richtig erinnere, hat sie Ihnen doch schon einmal einen sehr komplizierten Trank gebraut?“, wollte Severus nun doch verwundert wissen, denn er hatte schon längst von der kleinen Aktion in der Mädchentoilette erfahren. Und damals schien sich Miss Granger absolut sicher gewesen zu sein, einen ihr unbekannten Trank zu brauen. Warum hatte sie es jetzt also nicht getan?

„Woher …? Ähm, nun, Hermione hat mich her geschickt, weil sie für die UTZs lernen muss und der Meinung war, dass auch Professor Dumbledore mich zu Ihnen geschickt hätte, da es ja seine Idee war.“ Nervös sah Harry seinen Professor an. Er konnte aus dessen Blick einfach nicht einschätzen, ob dieser ihm helfen würde oder nicht. „Das ist ja sehr löblich von Miss Granger, dass sie sich nicht selber an den Trank gewagt hat. Dann geben Sie mir die Rezepte, dass ich Ihnen die Gegenmittel brauen kann“, verlangte Severus und streckte die Hand aus. Als er jedoch das immer röter werdende Gesicht seines Gegenübers sah, wurde ihm klar, dass er doch noch durch das Schloss laufen musste. „Ich habe mir nichts aufgeschrieben“, gab Harry kleinlaut zu. Daran hätte er aber auch denken können. Doch er war so verzweifelt gewesen, dass ihm das gar nicht in den Sinn gekommen war. „Nun gut, dann werden Sie mich jetzt in die verbotene Abteilung begleiten und mir das Buch zeigen, so dass ich heute noch anfangen kann zu brauen.“ Mit diesen Worten trat Severus an seine Tür heran und sah den Jüngeren auffordernd an. Sogleich setzte sich Harry in Bewegung und verließ als Erster den Raum. Kurz darauf folgte auch Severus, schloss seine Tür und machte sich mit dem jungen Gryffindor auf den Weg zur Bibliothek. „Weshalb haben Sie überhaupt Mr. Longbottom den Zauber sprechen lassen, wenn dieser erkältet ist?“ Harry war wirklich überrascht, dass sein Professor noch mit ihm sprechen wollte. „Weil Hermione noch mit den Hausaufgaben beschäftigt war und wir sie nicht stören wollten.“ Hatte Severus wirklich eine andere Antwort erwartet? Auch wenn er den Fleiß der jungen Dame wirklich bewunderte, wäre diese doch eine bessere Wahl gewesen.

Nach einem kurzen Marsch, den sie beide dann doch schweigend hinter sich gebracht hatten, kamen sie vor der Bibliothek an. „Wo genau haben Sie mit Mr. Longbottom das Buch gefunden?“, wollte Severus wissen, während sie die Bibliothek betraten und weiter in Richtung der verbotenen Abteilung liefen. „Ziemlich weit hinten in der verbotenen Abteilung. Im dritten Regal auf der rechten Seite“, erklärte Harry und folgte dem anderen durch den dunklen Gang, welcher nur von dem Lumos des Älteren erleuchtet wurde. „Gut, dann schauen Sie gleich, welches Buch es war. Ich werde noch schnell Pergament holen, um die Rezepte zu kopieren.“ Nickend ging Harry voran und kam am betreffenden Regal an. Kurz ließ er seinen Blick über die Bände schweifen, während Severus noch einmal in den offenen Teil der Bibliothek ging und sich einige Blätter Pergament holte, mit denen er zu dem anderen zurück ging. Dieser hatte das Buch schon aus dem Regal gezogen und stand mit nacktem Oberkörper vor dem Tisch, während er durch die alten Seiten blätterte. „Würden Sie Ihren Tarnumhang wieder anlegen? Sie lenken mich dadurch nur ab.“ Hatte er das gerade wirklich gesagt? Merlin, er musste aufpassen, was er sagte! Überrascht sah Harry auf und fragte sich, ob er das eben tatsächlich gehört hatte. Doch der Blick des anderen verriet nichts darüber, ob die Worte wirklich aus dessen Mund gekommen waren. Dennoch band Harry den Tarnumhang wieder los und schlang ihn um seine Schultern. „Jetzt müssen nur Sie weiter blättern. Es müsste aber jeden Moment kommen, denn ich erinnere mich an diese Zeichnung“, meinte er mit einem Nicken auf die Abbildung eines Zauberers.

„Gut, dann setzen Sie sich jetzt auf den Stuhl dort in der Ecke. Nicht das durch Ihre bekanntliche Tollpatschigkeit noch ein Fehler beim Kopieren passiert“, schnarrte Severus in alter Manier und überspielte gekonnt sein kleines Missgeschick von eben. Etwas traurig zog sich Harry auf den Stuhl zurück und sah dabei zu, wie sein Professor weiter in dem Buch blätterte und kurze Zeit später etliche Zeilen auf die Blätter kopierte. Hoffentlich ging das Brauen der drei Tränke auch schnell und er war nicht gezwungen sein ganzes Leben unter dem Tarnumhang zu verbringen oder in einer verdunkelten Wohnung immer nackt herumlaufen zu müssen. Keine dieser Optionen war nun wirklich verlockend, auch wenn die erste Option wohl schon einmal vorgekommen war. Denn Neville hatte ihm von dem Märchen der drei Brüder erzählt und das einer der Brüder auch so einen Tarnumhang, wie seinen, besessen hatte und sich mit diesem vor dem Tod versteckte. Nein, so ein Leben wollte er auf keinen Fall! „Potter! Hören Sie mir überhaupt zu?“ Erschrocken fuhr Harry nach oben. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass der andere mit ihm sprach. „Entschuldigung Professor, ich war in Gedanken“, gab er leise von sich. „Das habe ich wohl bemerkt. Ich sagte, ich begleite Sie jetzt in Ihren Turm und werde danach dann mit dem Brauen beginnen. Sobald einer der Tränke fertig ist, werde ich Sie darüber informieren“, erklärte Severus noch einmal, was er eben sagte. „Das heißt, ich soll solange im Turm warten?“, wollte Harry wissen. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, mit dem Tarnumhang in den Unterricht zu gehen. Dort würden ihn schließlich alle sehen und am Ende würde ein Slytherin noch an seine Eltern berichten, dass er so einen Umhang besaß. Und dann kam das Geheimnis am Ende noch zu Voldemort und dieser nutzte es dann aus.  „Nein, Sie werden ganz normal morgen in den Unterricht gehen. Sie sind schließlich nicht schwer krank! Und jetzt kommen Sie. Je eher wir am Gryffindorturm ankommen, umso besser!“, sagte Severus mit Nachdruck und sah den Jüngeren ernst an oder besser gesagt er sah den schwebenden, enttäuschten Kopf an.

„Was ist, wenn irgendjemand das Geheimnis um den Tarnumhang an Voldemort weiter gibt?“, wollte Harry ernst wissen. Der andere musste doch verstehen, warum er besser im Turm blieb. Zudem wäre es ihm extrem unangenehm die ganze Zeit mit freiem Oberkörper herum zu laufen, aber das musste er, wenn er beide Arme ordentlich benutzen wollte. „Glauben Sie mir, Potter, es gibt niemanden in dieser Schule, der dieses Geheimnis an IHN weitergeben würde. Und jetzt kommen Sie endlich. Sonst werden Sie nicht genug Schlaf bekommen und in den ersten zwei Stunden haben Sie morgen Zaubertränke. Und ich werde keine Nachsicht zeigen, auch wenn ich den Grund kenne“, erinnerte Severus den Jüngeren schon fast grinsend. Er war sich absolut sicher, dass dieses Geheimnis Hogwarts nicht verlassen würde. Dennoch amüsierte es ihn sehr, wie enttäuscht der andere war, dass er sich nicht im Turm verstecken konnte. Seufzend erhob sich Harry. Er würde wohl mit keinem Argument gegen den anderen ankommen und musste sich eben fügen. So gingen sie schweigend zum Gryffindorturm. Beide waren froh, dass ihnen weder Professor McGonagall noch Filch oder Miss Norris über den Weg liefen. „Gehen Sie jetzt umgehend in ihr Bett. Wir sehen uns morgen früh im Unterricht“, mit diesen Worten sah Severus den Jüngeren noch einmal eindringlich an, welcher kurz darauf durch das Portal verschwand. Tief durchatmend machte sich der Tränkemeister zurück auf den Weg in die Kerker. Hoffentlich hatte Potter seine Unsicherheit nicht bemerkt und nutzte das am Ende noch aus! Und er hoffte inständig, dass schon der erste Trank funktionierte, denn sonst würde die Zeit für ihn eine Qual werden, wenn der andere ständig mit freiem Oberkörper herum lief.

~*~

Am nächsten Tag saß Harry sehr nervös auf seinem Platz im Klassenzimmer für Zaubertränke und hoffte insgeheim, dass ihn sein Professor doch noch befreien würde. „Warum hast du nicht einfach die Tränke gebraut?“, wollte er schon leicht vorwurfsvoll von Hermione wissen. Ihm war es mittlerweile sehr unangenehm, dass er seinen heimlichen Schwarm um Hilfe bitten musste, denn seine Hormone spielten ordentlich verrückt. „Weil ich so kurz vor unseren UTZs keinen Ärger bekommen möchte! Zudem hat auch Professor Dumbledore zugestimmt, dass Professor Snape die beste Wahl war“, gab Hermione ernst zurück, während sie ihr Lehrbuch auf den Tisch legte. „Was? Du hast Professor Dumbledore davon erzählt?“ Erschrocken sah Harry seine beste Freundin an. Er hatte auf keinen Fall so viel Aufsehen erregen wollen. Auch ein Grund weshalb er lieber im Turm geblieben wäre. „Natürlich habe ich das. Er hat schließlich den Auftrag dazu gegeben ...“
„Wenn sie dann nun mit ihren privaten Gesprächen fertig wären, dann können wir ja mit dem Unterricht beginnen. Mr. Potter, setzen Sie sich auf den freien Platz hinten in der Ecke“, unterbrach Severus das Gespräch zwischen den beiden Gryffindors. Etwas erschrocken sah Harry auf und machte sich dann langsam auf den Weg zu seinem zugewiesenen Platz, immer dabei bedacht seinen Tarnumhang nicht zu verlieren. Kaum das er dort saß, erschien vor ihm ein Kessel und sein Lehrbuch. „Schlagen sie nun alle Kapitel 8 auf. Wir werden heute ein Skele-Wachs brauen“, verlangte Severus und sah dabei zu, wie alle Anwesenden die Bücher aufschlugen. Sein besonderes Augenmerk lag dabei auf Harry, welcher dabei bemüht war, mit einer Hand durch den Tarnumhang zu greifen und im Buch zu blättern. Nein, so ging das nun wirklich nicht. „Potter, Sie werden den Trank nicht mitbrauen. Sie werden einen Aufsatz über die genaue Wirkung und die Verwendungsmöglichkeiten schreiben. Dabei möchte ich vor allem ihre eigene Erfahrung mit dem Trank lesen“, mit diesen Worten ließ Severus einen Paravent erscheinen, welcher Harry vor den Blicken der anderen schützte. „Natürlich bekommt Potter eine Sonderbehandlung“, murmelte in diesem Moment Draco Malfoy leise, doch Severus hatte es genau gehört. „Mr. Malfoy, darf ich Sie an ihre Aufgabe erinnern? Sie sollen ein Skele-Wachs brauen und nicht reden“, herrschte Severus den Schüler seines eigenen Hauses ungewohnt barsch an, was sowohl diesen, als auch Harry sehr erstaunte.

„Verzeihung Professor“, gab Draco ruhig von sich und widmete sich wieder dem Rezept, auch wenn er die Reaktion des Älteren nicht verstand. Sonst störte es diesem doch auch nicht, wenn er sich über Potter beschwerte. Auch Harry war sehr über die indirekte Verteidigung seiner selbst von Seiten seines Professors erstaunt, während er seinen Tarnumhang von den Schultern zog und sich wieder einmal um die Hüfte band, um mit beiden Armen freie Bewegung zu haben. So machte er sich daran das Rezept und den Text dazu zu lesen und sich dann einige Notizen zu machen. Danach begann er seinen Aufsatz sauber zu schreiben, um dafür keinen Ärger zu bekommen. Schließlich konnte er schon sehr froh sein, dass er keinen Trank brauen musste und ihn Snape sogar vor den neugierigen Blicken schützte. Während der nächsten halben Stunde ging Severus immer wieder durch die Reihen und beobachtete jeden einzelnen. Immer wenn er beim Paravent ankam, musste er den Kopf schütteln, wenn er den halbnackten, schwebenden Oberkörper dort sah. Bei Merlin, so konnte das nicht weiter gehen und dieser Anblick sollte auch niemand anderes bekommen! Wenn dann sollte nur er in den Genuss kommen! Bei Merlin, was dachte er da schon wieder? Er war Professor und Potter noch für ein halbes Jahr sein Schüler, da durfte er nicht an so etwas denken. Innerlich seufzend ging Severus zu seinem Pult zurück und wollte sich gerade dort niederlassen, als es an der Tür klopfte und einen Moment später Albus Dumbledore hinein kam. Der Blick des Direktors schwang durch den Raum und entdeckte schnell den abgeschotteten Harry Potter. „Ah Harry, ich habe schon von deinem kleinen Missgeschick gehört. Und ich weiß auch schon, wie ich dir helfen kann. Pack doch bitte deine Sachen zusammen und warte vor der Tür.“ Verwirrt sah der junge Mann auf. Hätte er gar nicht mit Professor Snape sprechen müssen? Aber warum hatte der Professor es dann nicht schon Hermione mitgeteilt? Ruhig packte er seine Sachen zusammen und band seinen Tarnumhang eng um sich, ehe er aufstand und vor die Tür ging. Dort traf er auf einen fremden Mann, welcher ihm freundlich zunickte. Sollte dieser ihm helfen?

Auch Severus war über das Auftauchen seines Vorgesetzten überrascht und vor allem über dessen Aktion. „Professor Dumbledore, wollen Sie noch etwas oder wollten Sie nur Potter aus dem Unterricht holen?“, wollte er so neutral wie möglich wissen. Insgeheim fand er es wirklich schade, dass der Ältere wohl schon die Tränke besorgt hatte und Harry nun nicht mehr zu ihm kommen musste. „Oh, ich wollte dir Professor Slys vorstellen. Er wird dich im kommenden Monat vertreten“, lächelte Albus großväterlich, während der fremde Mann in den Raum trat und Severus eine Vorahnung bekam. „Albus! Das geht nicht, ich ...“
„Das geht schon, Severus. Und nun geh. Professor Slys wird den Unterricht übernehmen.“ Schmunzelnd ging Albus auf seinen Schützling zu und schob diesen aus dem Raum, wo er von einem verwunderten Harry Potter empfangen wurde. „Professor, was …?“, weiter kam Harry nicht, denn eine Handbewegung des Direktors ließ ihn verstummen. „Severus wird sich um dein Problem kümmern, Harry. Und damit es dabei keine Störungen gibt, wirst du vom Unterricht befreit und bei ihm einziehen“, erklärte der Direktor seinen Plan und lächelte die beiden versonnen an. „Albus, das kannst du nicht machen und du weißt warum!“, begehrte Severus auf und achtete dabei nicht darauf, dass die Tür zum Klassenzimmer noch offen stand und ihn alle hören konnten. Und in diesem Moment begann sein düsteres Image zu bröckeln. „Ich kann, Severus. Und nun geht. Ich glaube bei dir auf dem Feuer steht der Ansatz eines Trankes.“ Dieser alte Zausel wollte ihn wirklich quälen! Erst hatte er ihn durch die Hochmoore gejagt und nun wollte er ihn auch noch mit seinen Gefühlen quälen, denn Albus wusste ganz genau, was er für den Jüngeren empfand.

Um sich wieder zu fangen, schnaubte Severus einmal genervt auf und bedachte seinen Mentor mit den tödlichsten Blicken, die er beherrschte. Davon ließ sich dieser natürlich nicht einschüchtern und machte sich gut gelaunt auf den Rückweg zu seinem Büro. „Potter, kommen Sie“, herrschte Severus den Jüngeren an, welcher extrem verwirrt auf dem Flur stand und absolut nichts verstand. Was war nur mit Professor Snape los? Konnte es sein, dass …? Nein, das konnte einfach nicht sein. Sicher bildete er sich das nur ein und der andere war einfach nicht von seiner Anwesenheit begeistert. „Potter!“ Die energische Stimme von Severus ließ ihn aufschrecken und zu diesem sehen. Und noch ehe er reagieren konnte, hatte dieser ihn knapp unter dem Hals gepackt und wollte ihn wohl mit sich ziehen, doch stattdessen wurde ihm der Tarnumhang entrissen, so dass er nackt auf dem Gang stand. „Professor!“, quietschte Harry panisch und verdeckte schnell seinen Schritt. Besser wurde es dadurch jedoch nicht, denn die Tür zum Klassenzimmer stand noch immer auf und natürlich musste ausgerechnet Malfoy ihn so sehen. „Schaut mal, Potter ist nackt. Er muss sich auch immer in Szene setzen“, höhnte dieser und deutete lachend auf ihn. Warum musste ausgerechnet ihm so etwas passieren? Warum hatte Snape das getan? Warum hasste dieser ihn so? Und dabei hatte er schon eine leichte Hoffnung gehabt, dass seine Gefühle nicht einseitig waren. Tränen der Verzweiflung kamen in Harry auf und er begann nur noch zu laufen, egal wohin. Einfach nur weg von Malfoys Lachen und weg von Severus Snape. So hätte dieser ihn nie sehen dürfen. Leicht genervt wandte sich Severus schon bei dem hohen Wort um und sah mehr, als er sich je ausgemalt hatte. Doch ehe er reagieren konnte, hörte er die Worte von Draco und dessen Lachen und konnte dann nur noch sehen, wie Harry die Flucht antrat. Bei Merlin, jetzt hatte er etwas angerichtet. Dabei war er der Erwachsene und sollte wirklich wissen, wie er mit seinen Gefühlen umzugehen hatte! Und stattdessen hatte er den anderen einfach mitziehen wollen und hatte dabei den Tarnumhang völlig vergessen. Seufzend faltete Severus eben diesen zusammen und betrat mit einem kalten Blick das Klassenzimmer. „Mr. Malfoy, 20 Punkte Abzug von Slytherin, bis zum Ende ihrer Schulzeit Quidditch-Verbot und ebenso bis zum Ende ihrer Schulzeit Nachsitzen bei Filch!“, herrschte er deutlich wütend, was den Angesprochenen zusammenzucken ließ. Noch nie hatte ihm sein eigener Hauslehrer Punkte abgezogen und Strafen aufgebrummt! Was hatte Potter mit ihrem Professor gemacht, dass dieser ihn so schützte und verteidigte?

Nach diesen Worten machte sich Severus auf den Weg, um Harry zu finden. Als dieser eben davon gelaufen war, war er in Richtung des Gryffindorturmes gelaufen. Und dorthin ging er auch sogleich und fand den jungen Mann wenige Augenblicke später in dessen Schlafsaal, besser gesagt auf dem Baldachin seines Bettes. „Potter, kommen Sie da runter. Ich habe ihren Tarnumhang hier“, sagte Severus und sah zu der Ausbeulung nach oben. „Schön für Sie. Ich komme sicher nicht runter! Brauen Sie einfach die Tränke und bringen Sie mir dann hier her. Danach wandere ich aus“, gab Harry mit belegter Stimme von sich, die Severus einen Stich ins Herz versetzte. Er hatte nicht gewollt, dass der andere wegen ihm weinte. „Potter, ich habe Sie nicht bloßstellen wollen. Das hier war ein dummer Unfall und glauben Sie mir, es tut mir wirklich leid. Ich habe sogar meinem eigenen Haus Punkte abgezogen, wegen dem Lachen von Mr. Malfoy.“ Vielleicht war es wirklich an der Zeit etwas Sympathie zu zeigen und wenn es nur dann war, wenn sie unter sich waren. Etwas verwundert richtete sich Harry auf und sah vorsichtig über den Baldachin. Hatte er das gerade richtig verstanden? Snape hatte seinem eigenen Haus Punkte abgezogen, obwohl dieser doch immer darauf bedacht war keine zu verlieren? „Wie viele?“, hakte er nach. Wahrscheinlich war es nur ein Punkt und das war keine wirkliche Strafe. „20 Punkte, zudem habe ich noch Strafarbeiten verteilt. Kommen Sie jetzt runter, damit ich weiter am Trank arbeiten kann.“ Skeptisch musterte Harry den Älteren und dieses Mal konnte er an dessen Gesicht erkennen, dass er die Wahrheit sprach. „Legen Sie den Tarnumhang auf das Bett und drehen sich um. Dann komme ich runter“, meinte Harry leise. Er wollte sich nicht noch einmal dem anderen so nackt präsentieren. Jedenfalls nicht in so einer Situation. Merlin, was machten seine Hormone mit ihm? Nickend legte Severus den Umhang ab und wandte sich dann dem Fenster zu, auch wenn er gerne noch einmal genauer geschaut hätte.

Was dachte er da nur wieder? Wenn das so weiterging, dann musste er das letzte halbe Jahr an diesen Professor Slys abtreten und sich Urlaub nehmen. Während dieser Gedanken hörte er das Holz knarzen und kurz darauf das Rascheln von Stoff. „Ich bin fertig, Professor.“ Erleichtert drehte sich eben dieser um und musterte den anderen. „Gut, dann gehen wir jetzt in meine Räume. Sie werden den Aufsatz fertig machen und ich werde den Trank weiter brauen“, gab Severus ruhig von sich und machte sich mit Harry auf den Weg in seine Privaträume, wo er dem Jüngeren seinen Schreibtisch freiräumte und sich dann wieder in sein Labor begab. Seufzend ließ sich Harry an dem schweren Schreibtisch nieder, packte seinen Aufsatz aus und begann zu Schreiben. Die Zeit verging schnell und er merkte gar nicht, wie ihn Severus beobachtete und sich wünschte, dass der Tarnumhang verschwand. Auch wenn er diese Gedanken eigentlich nicht zulassen durfte, konnte er sie einfach nicht unterdrücken. Aber wann hatte er auch schon die Gelegenheit dem Jüngeren so nahe zu sein und diesen so zu betrachten? Sonst nur, wenn dieser in der Krankenstation lag und da war auch immer Poppy zugegen. „Potter?“, sprach er ihn nach einer Weile an, denn schließlich musste er ja noch etwas testen. „Ja Professor?“ Etwas erschrocken hob Harry den Kopf und sah den anderen direkt an. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass dieser an den Schreibtisch getreten war. „Hier ist der erste Trank. Trinken Sie ihn, dann sehen wir, ob es der richtige war. Wenn nicht, dann müssen Sie einen Monat warten. Denn die anderen beiden brauchen fast die volle Zeit, um komplett fertig zu werden“, erklärte er ruhig und stellte eine Phiole auf dem Tisch ab. „Wird der schmecken?“ Skeptisch aber auch erwartungsvoll betrachtete Harry das Gebräu. „Schmeckt denn irgendein Trank wirklich?“ Da hatte Snape natürlich Recht. Seufzend entkorkte Harry die Phiole und würgte den Trank herunter. „Scheußlich“, sich schüttelnd streckte er die Zunge heraus und lehnte sich zurück, während er das Gesicht verzog.

Schmunzelnd betrachtete Severus ihn. Wusste dieser eigentlich, wie süß er gerade wirkte? Eigentlich wäre es sehr schade, wenn dieser Trank schon wirken würde. Denn dann musste er ihn schon gehen lassen. „Wie lange dauert es, bis er wirkt?“ Die Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. „Eigentlich müsste er schon wirken. Laut Rezept tritt die Wirkung sofort ein. Dann wird es wohl doch einer der anderen sein. Aber zumindest ist nun ausgeschlossen, dass Sie für immer in diesem Zustand bleiben.“ Oh toll, jetzt durfte er also im schlimmsten Fall noch zwei solcher ekligen Tränke schlucken. Und am Ende saß er doch ein ganzes Jahr oder sogar zehn Jahre in seinem Tarnumhang in einer winzigen Wohnung und starrte aus dem Fenster. „Dann muss ich Ihnen wohl noch etwas länger Gesellschaft leisten“, murmelte Harry leise. „Ihre Gesellschaft stört mich nicht, glauben Sie mir“, nach diesen Worten war Severus so schnell verschwunden, dass der junge Mann gar nicht mehr reagieren konnte. Vielleicht konnte er sich ja doch ein wenig Hoffnung machen? Er würde sich auf jeden Fall bemühen eine angenehme Gesellschaft zu sein. Leicht lächelnd machte er sich weiter an die Arbeit, denn sein Aufsatz war nur zur Hälfte fertig.

~*~

Der Monat verging verhältnismäßig ruhig und Severus genoss die Gesellschaft des Jüngeren immer mehr, auch wenn er es nicht direkt zeigte. Seine Sorge war einfach zu groß, eine Ablehnung von diesem zu erhalten. Auch Harry ging es nicht anders. Dennoch wollte er unbedingt herausfinden, ob seine Gefühle vielleicht doch erwidert werden würden. So hatte er vor etwa zwei Woche begonnen immer wieder den Tarnumhang rutschen zu lassen und dem anderen seinen Körper zu präsentieren. Manchmal war es doch sehr praktisch ein Teenager zu sein, denn sein Denken hatte sich komplett gewandelt. Wo er noch vor einem Monat rot geworden war, machte es ihm mittlerweile Spaß die leichte Röte im Gesicht des Älteren zu suchen und auch zu finden. Und dies war doch ein gutes Zeichen, oder etwa nicht? So stand er auch an diesem Morgen vor dem Bett, welches Severus in seinem Schlafzimmer zusätzlich aufgebaut hatte und war gerade dabei dieses Aufzuschütteln, während sein Tarnumhang nur seine Hüfte verdeckte. Genau in diesem Moment kam Severus mit zwei Phiolen herein und konnte sich nicht davon abhalten den anderen zu betrachten. Bei Merlin, was machte dieser nur mit ihm? „Die Tränke sind fertig“, gab er schnell von sich und stellte beide Phiolen ab, ehe er schon fast panisch aus dem Raum flüchtete. Was machte er da nur? Das waren seine Räume und er floh aus diesen!

Amüsiert sah Harry ihm nach, ehe er zu den Phiolen ging und diese angespannt betrachtete. Was, wenn keiner der Tränke wirkte, weil der Zauber falsch ausgesprochen war? Dieser Gedanke war ihm in letzter Zeit immer öfter gekommen. Ob er dann vielleicht bei Severus bleiben konnte? Tief durchatmend entkorkte er den ersten Trank und würgte ihn herunter. Kaum war der letzte Tropfen heraus, spürte er ein heftiges Ziehen. Gleich darauf folgte ein heftiger Schmerz, welcher ihn in die Knie trieb und leise aufstöhnen ließ. Oh Merlin, was hatte sich Professor Dumbledore dabei gedacht, sie in der verbotenen Abteilung suchen zu lassen? Das war schlimmer als der Cruciatus. Die Schmerzen wurden immer heftiger und Harry wünschte sich, den Trank nicht genommen zu haben. Da hätte er lieber zehn Jahre unter dem Tarnumhang verbracht, als das hier zu ertragen.

Einem schlechten Gefühl folgend betrat Severus das Zimmer und fand den jungen Mann gekrümmt auf dem Boden kniend, der Tarnumhang lag neben diesen. Doch jetzt gerade hatte er keinen Blick dafür. Die Sorge um den Jüngeren war zu groß. „Harry! Was hast du?“ Ihm fiel gar nicht auf, dass er den anderen beim Vornamen genannt hatte und seine Stimme panisch klang. Besorgt kniete er sich neben Harry und nahm ihn in den Arm. Gerade im Moment wirkte dieser so verletzlich, so dass er auf sein düsteres Image pfiff. Unter seinen Fingern merkte er den Stoff des Hemdes und langsam wurde dieses wieder sichtbar, während das Gesicht des Helden immer schmerzverzerrter wurde, auch wenn nur ein leises Wimmern dessen Lippen verließ. Es dauerte eine Ewigkeit, bis sich das Gesicht entspannte und der kleine Körper erschöpft in seinen Armen lag. „Du wirst dich nie wieder auf so eine Idee einlassen! Hast du mich verstanden?“ Die Stimme drang nur gedämpft an Harrys Ohr, doch er konnte sie verstehen und musste unwillkürlich lächeln. „Dann musst du mit Professor Dumbledore sprechen, war seine“, murmelte er schwach und kuschelte sich näher an den warmen Körper. Er genoss die Nähe des anderen und hoffte sehr, dass er sie nun öfters spüren würde. Und auch wenn er sich gerade fühlte, als wenn ihn die Peitschende Weide massiert hatte, fühlte er sich auch irgendwie gut. „Oh, das werde ich. Glaub mir.“ Und wie er das würde! Albus musste von seinen komischen Ideen abgebracht werden, auch wenn der Besuch im Hochmoor doch etwas Gutes hatte. Denn ohne diesen wäre er nicht so schnell an die letzte Zutat gekommen und der Jüngere hätte tatsächlich ein Jahr in diesem Zustand verbringen müssen.

Leicht lächelnd betrachtete Severus den jungen Mann, welcher sich eng an ihn gekuschelt hatte und nun wieder entspannt aussah. Natürlich hätte er ihm in dieser Zeit zur Seite gestanden und so wie es gerade aussah, wäre das auch ganz im Sinne von Harry gewesen. Und in diesem Moment kam Severus ein Gedanke. Vielleicht hatte Albus das Ganze gezielt geplant, um sie zueinander zu führen, weil sie es nicht selbst sehen wollten. Egal wie es auch gekommen war, er war froh, dass der andere unter dem Tarnumhang bei ihm geklopft hatte.
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