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2020 07 17: Vergehen und Strafe [by LockXON]

OneshotAllgemein / P18 / Gen
Jason Peter Todd / Red Hood
18.07.2020
18.07.2020
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18.07.2020 2.315
 
Tag der Veröffentlichung: 17. Juli 2020
Zitat: „Der beste Freund eines Mannes ist seine Mutter.“ (Psycho)
Titel der Geschichte: Vergehen und Strafe
Autor: LockXOn
Hauptcharakter: Jason
Nebencharaktere: Bruce
Pairings: /
Kommentar des Autors: Es ist wirklich nicht so, dass ich Bruces Einstellung gegenüber des Tötens nicht verstehe. Es bedeutet einfach ein (zu) hohes Risiko, den Falschen zu erwischen, wenn man auf eigene Faust entscheidet, wer leben darf und wer sterben soll. Aber manchmal ... Manchmal bin ich auch ganz bei Jason.

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Jason pfiff beeindruckt durch die Zähne. Beeindruckt davon, wie fuchsteufelswild ihn Gothams Missetäter noch immer machen konnten, obwohl das Gift der Lazarusgrube schon lange nicht mehr wie ein Malstrom in ihm wütete. Zwar kam der Anblick nicht unerwartet, er hatte natürlich von vornherein gewusst, welche Lieferung dieser neueste von ihm untergrabene illegale Handel beinhaltete, doch das tat nichts dazu, seine Wut am Aufkeimen zu hindern.

Nachdem er die mannshohe Kiste aufgebrochen und den Deckel energisch von der Öffnung gestoßen hatte, starrten ihn mehrere Paare panisch geweitete Augen aus der Dunkelheit an und er nickte sachte, um die dazugehörigen Frauen ein wenig zu beruhigen. Langsam streckte er die Arme hinunter und wartete, bis sich eine traute, ihm den Rücken zuzukehren. Vorsichtig schob er die Hände unter ihre Achseln und hob sie an, über den Rand der Kiste hinweg, wobei sie hilfreich die Beine anzog, und die kurze Stehleiter hinunter zu Boden. „Lauf nicht weg“, flüsterte er ihr zu, „Es ist alles sicher. Lass mich erst die anderen befreien.“ Sie schluckte und nickte, bewegte sich nicht von der Stelle, obwohl frische Tränen ihre Wangen hinunterzulaufen begannen.

Er beeilte sich damit, die drei wartenden Kisten zu leeren, mit zunehmendem Enthusiasmus der eingesperrten Frauen, als sie merkten, dass er ihnen zur Hilfe gekommen war.

„Holla die Waldfee, da ward ihr aber echt fleißig die letzten Monate, was?“, flötete er laut in Richtung der Meute an die Stützstreben der Halle gefesselten und geknebelten Menschenhändler, die er die letzte Stunde zu vermöbeln das Entzücken gehabt hatte, „Tut mir unendlich leid, dass ich so lange gebraucht hab, obwohl ihr so nachdrücklich um meine Aufmerksamkeit gebuhlt habt. Aber jetzt bin ich ja da, und ihr habt meine Volle, das versichere ich euch.“

Einige der Männer schwitzten Blut und Wasser, einige zitterten unkontrollierbar, aber einige wirkten auch frustrierend ruhig. Immerhin hallte es inzwischen lange genug durch die Straßen, dass Red Hood nicht mehr tötete. Eine Entwicklung, die Jason nicht sonderlich begrüßte. Zum Anfang hin hatte sein Ruf noch viele Opfer geschützt, doch später hatten sich ehrgeizige Bastarde mehr und mehr herausgenommen, mussten sie doch außer ein paar gebrochenen Knochen von der einstmals mörderischen Fledermaus der Narrows nicht mehr viel befürchten.

Herzlichen Dank, Bruce.

Jason zückte ein Messer, langsam und kontrolliert, damit die Frauen sahen, dass er sie nicht anzugreifen gedachte, und schnitt einer von ihnen die Fesseln auf, die Hände und Füße zusammenbanden. Den Knebel riss sie sich, kaum dass sie es konnte, selbst aus dem Mund, klappte ihn jedoch sofort zu, als er diskret einen Finger an die Mundpartie seines Helms legte.

Stattdessen rief er weiter hinüber, ohne sich bei seiner Arbeit stören zu lassen: „Ich meine, Mütter? Ehrlich? Ist das ’ne Marktlücke im Prostitutionsgeschäft heutzutage? Was sollten die Kleinen machen? Zusehen?“ Natürlich konnten ihm die Angesprochenen nicht antworten, verschnürt wie sie waren, doch er zog gekünstelt die Luft ein und legte mit betont erzürnter Geste eine Hand aufs Herz: „Oh warte, wirklich? Was für abartige, abartige Fantasien doch die reichen Wichser da draußen haben, hm? Glaubt man denn das? Aber hey, es ist ja nicht so, dass euch das gefällt, nicht wahr? Ihr macht das sicher nur, um eure Familien zu ernähren ... Momentchen mal.“

Er trennte den letzten Strick und flüsterte einer Frau zu, die sich etwas selbstsicherer hielt als die restlichen: „Eure Kinder sind draußen. Sie wissen schon, wo‘s lang geht. Nehmt sie und zieht euch zurück bis zu dem Lagerhaus mit den roten Kreuzen an den Türen. Wartet dort. Versucht nicht, weiter in die Stadt zu flüchten, sonst kann ich euch nicht mehr beschützen. Die Polizei wird sich bald um euch kümmern, aber vorher hab ich hier noch was zu erledigen. Okay?“

Ihr Blick huschte zwischen ihm und ihren Peinigern hin und her, und es war recht offensichtlich, dass sie ihn sehr gut verstand.

Und guthieß, was immer er auch vorhatte. Denn sie nickte knapp und fasste die nächststehenden Leidensgenossinnen an den Händen, um sie eilig zum weit geöffneten Lagertor zu ziehen. Die anderen zögerten nicht lange, ehe sie stumm folgten.

Jason wartete, bis sie das Tor bis auf einen schmalen Spalt hinter sich zugeschoben hatten und hob dann beide Arme, um theatralisch hinter ihnen her zu weisen: „Mütter.“

Sein Gesicht ruckte zu den gefangenen Gangstern, die größtenteils heftig zusammenzuckten.

„Mütter“, wiederholte er, als meinte er, sie hätten seine Empörung beim ersten Mal nicht mitbekommen. Er stemmte kopfschüttelnd die Hände in die Hüften, seufzte dann und marschierte zu einer Seite der Halle, wo er zu Beginn des Scharmützels seine große Reisetasche abgestellt hatte. Mit weiterem gespielt ungläubigen Kopfschütteln wühlte er darin: „Wie kommt man ausgerechnet auf Mütter? Wie kommt man darauf, dass es eine gute Idee sein könnte, alleinerziehende Mütter von der Straße weg zu entführen, um sie notgeilen Perversen als ‚Mütter‘ anzubieten? Ich meine, wie lautete denn die Nachfrage?! ‚Ich wär jetzt mal ordentlich geil auf ‘ne richtig dralle Mutter‘?! Und ihr geht hin und findet das okay? Was zur Hölle läuft schief bei euch?!“

Mit einigen Rollen dünner Drähte unter dem Arm und einigen kleinen Päckchen in den Händen begann er eine Runde durch die Halle. Gleich bei der Tasche legte er ein Päckchen ab, steckte ein Kabel hinein und machte einige Schritte zu Seite, um die Prozedur zu wiederholen. „Mütter“, murmelte er dabei, noch immer fassungslos, „Kommt es euch da nicht genauso hoch wie mir, Jungs?“

Die „Jungs“ beobachteten ihn mit wachsendem Grauen.

„Ich mein, man sagt doch, der beste Freund eines Mannes sei seine Mutter, nicht wahr? Und so abgefuckt meine Kindheit auch war, so hier im Moloch der Stadt, ihr wisst schon, hat meine Mutter sicherlich ihr Bestes gegeben, um mich einigermaßen geraten zu lassen. Nicht dass es uns beiden letztendlich was gebracht hat, aber es geht ums Prinzip! Sie hat mich geliebt und ich sie zurück, obwohl wir nicht verwandt waren!“

Sehr sorgfältig wickelte er einen Draht um eine kleinere Kiste, die nur geschmuggelte Munition enthielt, eher er liebevoll ein Päckchen hineinbettete.

„Wisst ihr, meine leibliche Mutter hat genau zwei Dinge für mich getan. Erstens – sie hat mich an den Joker verkauft. Aber hey, das hab ich ihr ziemlich schnell verziehen, weil, meine Güte, es war wahrscheinlich wirklich ein unzumutbarer Schock gewesen, das Söhnchen, das man Jahre zuvor erst mühsam ausgesetzt hat, einfach durch die Tür spazieren und Unterhalt verlangen zu sehen. Geschenkt!“

Er kam an einem der besetzten Pfeiler vorbei und nun versuchten doch einige der Unglücklichen, durch die Knebel hindurch um Gnade zu winseln. Jason blieb stehen und wies mit anklagendem Zeigefinger auf sie.

„Aber! Zweitens – sie hat mich an den Joker verkauft, ohne vorher sicher zu gehen, dass er sie nicht verarscht! Und jawohl, das war ein bisschen schwerer zu verkraften – immerhin war ihre Gutgläubigkeit schuld daran, dass dieser bleiche Mistbock uns in ein Lagerhaus gepfercht hat, zusammen mit ‘ner echt gewaltigen Bombe! Knalleffekt, kapiert? Ihr versteht doch den Witz, oder? Ha!“

Angsterfüllte Augen folgten ihm, als er eines der Sprengstoffpäckchen betont dicht an zappelnde Füße legte und sich dann wieder auf den Weg machte. Sie versuchten hastig, es von sich wegzutreten, doch lag es leider wenige Zentimeter außer Reichweite.

„Naja, auf jeden Fall hätt ich ihr das auch verziehen, Problem war nur ... Ich war ein bisschen zu tot, um drüber zu reden. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich Zeit brauchte, um mich von dem Zustand zu erholen. Und als ich endlich bereit war, ihr meine Gefühle zu der Angelegenheit kundzutun, musste ich erfahren, dass der BOOM sie damals gleich mitweggeBAMt hat. Dumm gelaufen. Aber der Kern der Sache ist – ich war bereit, ihr diese kleinen Fehltritte zu verzeihen ... Auch wenn sie hundert Prozent unseres Gesamtumgangs miteinander ausgemacht haben. Aber es war meine Mutter, begreift ihr? Begreift ihr, was ich sagen will?“

Mit einem leisen Trällern legte er das letzte Päckchen ab, stöpselte das Kabel ein und rollte es den letzten Rest in Richtung Hallenmitte ab.

„Mütter sperrt man nicht in Kisten, nachdem man sie gewaltsam von ihren Kindern getrennt hat. Mütter sperrt man nicht in Kisten, während sie in unmittelbarer Nähe ihre Kinder weinen und schreien hören. Mütter sperrt man nicht in Kisten, um sie ans nächstbeste Bordell zu verschiffen.“

Mit jedem weiteren Wort trat er plötzlich so fest wie möglich auf den nächstbesten Schleuser ein, der nur gedämpft in den Knebel heulen konnte.

„Mütter. Sperrt. Man. Nicht. In. Verdammte. Kisten! PUNKT!“

Tief durchatmend ließ er die Schultern rollen und entfernte sich dann wieder vom eingeschüchterten Haufen.

„Ihr Flachwichser könnt froh sein, dass euch die Tiger-Mum meines kleinen Bruders nicht auf frischer Tat ertappt hat. Ich hab ’ne Weile bei ihr gelebt und ich kann euch versichern – diese Nummer hier? Die hätte euch Kastration mit rostigem Löffel eingebracht. Früher hätte sie’s nicht gejuckt, aber nach ihm und mir ... Selbst Monster wie sie haben Gefühle, und hier seid ihr, in Gotham, führt euch auf wie die Herren allen Lebens und kidnappt Alleinerziehende auf offener Straße! Schutzbedürftige alleinerziehende Frauen samt Nachwuchs! Explizit mit Nachwuchs, verfickt nochmal. Bin ich der Einzige, der hier zwei bis drei kleine Fragwürdigkeiten erkennt?! Zum Teufel, Leute, wo ist euer Anstand?!“

Inzwischen waren auch die etwas zuversichtlicheren Männer unruhig geworden. Was er sehr begrüßte. Und sie wurden noch nervöser, als er sich am Hinterkopf fasste und die Verschlüsse seines Helms löste.

Einen Knöchel über den anderen gekreuzt, Helm unter dem Arm, begutachtete er sie einige Sekunden wortlos und als er mit ihrer Transpiration zufrieden war, legte er den Kopf schief, als redete er mit uneinsichtigen Rangen.

„Ich meine, sind wir nicht alle Söhne? Ist es nicht zumindest diese eine Sache, die wir alle gemeinsam haben?“

Zwei der Männer brachen in Tränen aus. Es stand zu bezweifeln, dass es wegen der überaus emotionalen Ansprache geschah.

„Mütter haben diesen Sentimentalitätsbonus, ihr wisst schon, so einen, den man nicht leugnen kann, wenn man noch ein halbwegs anständiges Mitglied der Gesellschaft ist und ... Oh, das ist es, was hier nicht so ganz passt, richtig.“

Wie Hamlet den Schädel des Yorick betrachtete Jason nun seinen Helm und donnerte ihn dann mit nicht gelindem Kraftaufwand zu Boden, sodass das metallene Scheppern in der Umgebung widerhallte. Er verband ihn mit dem letzten Kontakt der Verkabelung.

Der unheimliche, starre Blick des Helms ruhte vorwurfsvoll auf den Gefangenen, die ihn nicht minder starr, aber besorgt, sehr besorgt erwiderten.

„Da ihr dieses Maß an Sentimentalität offenbar nicht aufweist, gehört ihr wohl zu den nicht mehr halbwegs Anständigen. Und wisst ihr, was der gute Hoodie mit Typen macht, die sich nicht wenigstens halbwegs anständig benehmen? Ihr wisst es, nicht wahr? Natürlich wisst ihr es, aber es hat euch nicht gejuckt, das ist euer Problem! Und jetzt seht euch an, was euch eure Unanständigkeit eingebrockt hat, hm?“

Und die Sorge wandelte sich in heilloses Entsetzen, als die Augen des Helms rot leuchteten und alle Bomben rings um sie herum mit einem doppelten, blinkenden Piepen antworteten.

Jason salutierte lässig.

„Viel Spaß da unten. Betet dafür, nicht im eigenen Sarg aufzuwachen, das ist nämlich wirklich ein Scheißgefühl, das ich euch von Herzen wünsche. Und dafür, dass die Teufel, die fürs Malträtieren zuständig sind, nicht unbedingt Mütter sind. Ich sollte erwähnen, meinerseits auf du und du mit Satan zu stehen und wärmstens auf alles zu plädieren, was euch das Leben nach dem Tod zur Hölle macht, also ... Strengt euch an!“

Das Rufen, Schreien, Weinen und Poltern, als sich einer vom anderen ohne Rücksicht auf Verluste zu befreien suchte, verklang, als Jason die Tür vollständig hinter sich zuzog.

Mit zufriedenem Schnaufen verfiel er in leichtfüßigen Trott mit Ziel auf den sicheren Unterschlupf, wo hoffentlich alle Opfer des aufgeflogenen Menschenhandels auf weitere Anweisungen warteten.

Doch auf einmal, nach einigen Minuten Kontemplation, seufzte er und aktivierte seinen Kommunikator, der unscheinbar in seinem Ohr auf Einsatz wartete. Es dauerte mehrere Atemzüge, dann meldete sich tatsächlich die brummige, dunkle Stimme, die er erwartet, aber nicht „erwartet“ hatte. Immerhin war es oft genug vorgekommen, dass er Bruce angefunkt und sich Alfred, Richard oder Barbara gemeldet hatten. Es tat ihm fast leid, dieses winzige Zeichen guten Willens zerstören zu müssen für einen Haufen krimineller Elemente. Aber so war das Leben einer abtrünnigen Fledermaus nun einmal.

Und so schluckte er den Ärger und stimmte einen flapsigen Ton an, der sein Ziel, Bruce zu ärgern, nie verfehlte.

„Hey, Batman, falls du Interesse daran haben solltest, ’nen Pulk Blackgate-Kandidaten vor einem strahlenden, feurigen Ableben zu bewahren, schlage ich vor, dass du deinen Spandex-Hintern Richtung Pier siebzehn, nordöstliches Dock bewegst. Aber was rede ich, natürlich interessiert es dich. Du hast, lass mich nachsehen, noch zweiundzwanzig Minuten, siebenundvierzig Sekunden. Viel Vergnügen, Pops!“

„Jason. Warum?“

„Du wirst es verstehen, natürlich nur, wenn du auch die Umstände erforschst.“

Jason dachte kurz nach.

„Oder vielleicht auch nicht, bei dir bin ich mir da nie so ganz sicher.“

Ehe Bruce noch etwas sagen, ihm in aller Wahrscheinlichkeit Vorwürfe machen konnte, kappte Jason die Verbindung und beeilte sich, seine Mission erfolgreich abzuschließen.

Immerhin hatte er den Kanaillen eine Chance gegeben. Wenn Bruce es rechtzeitig schaffte, wussten diese Missgeburten jetzt zumindest, dass Red Hood noch immer keineswegs davor zurückschreckte, ab einem gewissen Grad Niederträchtigkeit zu töten. Wenn nicht ...

Nun, er kannte genügend Leute, die trotz dieses zweifelsohne herben Verlustes für die Nachwelt keinerlei Tränen vergießen würden.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Das Zitat hat unglaublich gut zu dieser Geschichte gepasst. Die Umsetzung hat mir gut gefallen.

Eure lula-chan

P.S. Sorry für den späten Upload.
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