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Waffenbrüder Staffel 1 - 9. Geständnisse

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
17.07.2020
04.09.2020
9
25.327
8
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58 Reviews
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17.07.2020 1.906
 
Hallo, meine lieben Leser!

Kurz nach Mitternacht, und somit schon Freitag. Da ich tagsüber permanent unterwegs bin und Euch nicht bis zum späten Abend warten lassen wollte poste ich halt jetzt schon :-)! Gewöhnt Euch aber nicht daran – ist wirklich eine Ausnahme ;-)

Diese Waffenbrüder-Story ist die bisher längste – sie hat 9 Kapitel und fast 20.0000 Wörter. Was aber viel wichtiger ist: Dieses 1. Kapitel daraus ist, wie schon angekündigt, die allererste Geschichte, die ich zu den Waffenbrüdern geschrieben habe – vor fast einem Jahr! Die anderen 8 Kapitel kamen nach und nach dazu, um das Ganze abzurunden.

Nun überlasse ich Euch mein Goldstück also zum Lesen, Genießen und vielleicht ein bisschen Schwelgen.

Kaffee, Tee und Frühstücksgebäck stehen für Euch bereit!

Viel Vergnügen

Ann

 

- Kapitel 1: Am Boden -


24.08.2019


Athos am Boden...

Blutend...

Tot...

D’Artagnan schüttelte heftig den Kopf.

Verdammt, nein! Er musste dieses Bild aus seinen Gedanken bekommen!

Sein Verstand wusste, dass es nicht der Wahrheit entsprach. In seiner Pistole war nur Pulver gewesen, keine Kugel, als er nach ihrem lautstarken, spektakulären Streit mitten auf dem Markt seine Waffe gezogen und auf seinen Freund geschossen hatte, so dass es jeder sehen konnte – einschließlich Milady.

Das alles war Teil des komplizierten Plans, Milady de Winter zu überführen und zu fassen. Sie hatte von D’Artagnan als Beweis seiner Treue verlangt, ihren früheren Ehemann zu töten - Athos. Und um ihr Vertrauen endgültig zu gewinnen, hatten sie dieses gewagte Spiel gespielt.

Nun saß er als angeblich in Ungnade gefallener Musketier und Mörder in Miladys Unterkunft auf dem Bett. Die List hatte Erfolg gehabt – sie war überzeugt von Athos‘ Tod. D‘Artagnan hätte zufrieden sein sollen - doch stattdessen trieb ihn eine seltsame Unruhe um.

War wirklich keine Kugel im Lauf der Pistole gewesen?

Nein, natürlich nicht! Er musste aufhören, sich mit diesen unsäglichen, unsinnigen Fragen zu quälen und stattdessen seinen Verstand zusammen nehmen.

Athos ging es gut - wahrscheinlich saß er mit Porthos und Aramis gerade in einer Taverne und ließ sich seinen geliebten Rotwein die Kehle hinab...

...falsch. Da Athos als tot galt, konnte er wohl kaum in der Öffentlichkeit trinken, und ihre gemeinsamen Freunde mussten ihre Wut über d’Artagnans vermeintlichen Verrat in der Stadt verbreiten. Athos würde in seinem Quartier in der Garnison der Musketiere verborgen sein. Und es ging ihm gut...

Blut, das dunkel zwischen Porthos‘ Fingern hervor quoll... Aramis, der voll verzweifelter Wut auf ihn zu rannte und ihn damit aus seiner bestürzten Erstarrung riss, so dass er endlich ihrem Plan gemäß vom Schauplatz der Schießerei floh...

D’Artagnan registrierte erst, was er tat, als er bereits die Stiefel an den Füßen hatte und den Waffengurt umlegte. Kurz stockte er in der Bewegung, doch dann zuckte er in einer fast trotzigen Geste die Schultern.

Es war tief in der Nacht. Niemand würde bemerken, wenn er sich nur kurz vergewisserte, dass Athos und die beiden anderen sicher in die Garnison zurückgekehrt waren. Mehr wollte er ja gar nicht.

Sein Zimmer bei Milady lag im ersten Stock; ein Leichtes für den jungen Mann, aus dem Fenster zu steigen und über die umliegenden Giebel zu entkommen. Schwieriger würde es werden, in der Garnison ungesehen in die Zimmer zu gelangen, die Athos‘ dort für sich beanspruchen durfte - sie lagen unter dem Dach. Doch auch das gelang d‘Artagnan. Dass eins der Fenster der ungewöhnlich warmen Herbstnacht geschuldet offen stand, erleichterte ihm das Unterfangen. Erst, als er seinen wegen der Anstrengung des Kletterns heftig gehenden Atem unterdrückend auf dem blanken Holzboden im Wohnbereich von Athos‘ Quartier stand, setzte sein Verstand wieder ein.

Was zur Hölle tat er...

Sein Gedanke wurde grob unterbrochen durch das vertraute Geräusch einer Pistole, die von geübter Hand entsichert wurde.

„Wer da?“, ertönte Athos‘ sonst so angenehmer Bariton mit schneidender Schärfe - und jagte die unterschiedlichsten Emotionen durch d’Artagnans Blut, so verwirrend, dass er Sekunden brauchte, um zur Antwort zu raunen: „Ich bin es! Lass die Waffe stecken - oder willst du mir noch ein Loch in den Pelz brennen?“

„D’Artagnan?“ Überraschung, Unglaube... und noch etwas anderes, das der junge Gascogner nicht zu deuten wusste schwang in der Stimme mit, und nur einen kurzen Moment später flammte eine Kerze auf, in deren Schein er Athos vor sich stehen sah - heil und unversehrt, wie er mit einem Blick erfasste. Unwillkürlich atmete er einmal tief durch - und bemerkte den besorgt-fragenden Blick des Freundes.

„Ist alles in Ordnung?“

Mit einem Schlag erkannte d‘Artagnan die Absurdität der Situation. Was zur Hölle sollte er nun antworten? Letztlich räusperte er sich nur und nickte.

Athos‘ forschender Blick ruhte weiter auf ihm.

Unwillkürlich trat d’Artagnan einen Schritt näher, unfähig die Augen von Athos zu nehmen. So, als banne ihn dessen intensiver Blick.

Der Ältere stand absolut still, als fürchte er, eine Bewegung könne den jungen Gascogner verschrecken. Und seine Stimme war dunkel, als er behutsam nachhakte: „Was quält dich?“

D‘Artagnans Verstand war eingehüllt von diesem Blick, von der vertrauten Stimme, die beißend klingen konnte, ironisch, voller Ernst und nur selten humorvoll. Doch dieses spezielle Timbre hatte er erst einmal zuvor gehört: Am vergangenen Nachmittag, als Athos sich nach seiner Schusswunde erkundigt hatte... Sanft, besorgt und beruhigend zugleich, und das alles zusammen war der Grund, weshalb er mit entwaffneter Offenheit raunte: „Ich musste dich sehen, mich vergewissern...“ Er stockte unsicher, doch der andere Musketier verstand...

Etwas änderte sich in Athos‘ Miene, subtil, kaum wahrnehmbar und für den verwirrten Gascogner noch viel weniger zu deuten - doch was auch immer es war, es gab ihm das Gefühl, das Richtige gesagt zu haben. Ohne darüber nachzudenken trat er einen weiteren Schritt auf den Freund zu, hob seine Hand und legte sie sacht auf dessen Brust; dorthin, wo seine Pistole gezielt - wo Blut das weiße Hemd getränkt hatte – und spürte den harten Herzschlag unter seiner Hand – fest, beruhigend, lebendig...

„Ich musste sicher sein...“, raunte er fast verzweifelt, und in Athos‘ Augen erschien ein warmer Schimmer, als er seine Linke behutsam über die Hand des Jüngeren legte.

„Es geht mir gut...“, murmelte er, während seine Rechte zu d’Artagnans Wange wanderte, sanft darüber strich, weiter fuhr bis in dessen Haar und schließlich den Nacken des Jüngeren umspannte und ihn behutsam an sich zog, bis sie Stirn an Stirn gelehnt da standen.

Und in diesem Moment geschah es: D’Artagnan hatte keinen Namen dafür, verstand es noch viel weniger, doch mit einem Mal schien seine Welt komplett, vollständig, so, als hätte ein Bruchstück sich verschoben, endlich den vom Schicksal vorgesehenen Platz in seinem Leben eingenommen, und er sei heil... Überwältigt von den Gefühlen, die völlig unerwartet über ihn herein brachen, schloss d’Artagnan die Augen und überließ sich völlig dem Älteren.

Doch nichts weiter geschah.

Er wusste nicht, ob sie nur Sekunden oder gar Stunden in dieser berauschenden, intimen Berührung beieinander gestanden hatten, als Athos mit einer seltsamen Heiserkeit in der Stimme raunte: „Du musst zurück, damit sie nicht misstrauisch wird...“

Hastig öffnete d’Artagnan die Augen und löste sich unwillkürlich von Athos.

Er liebte alle drei seiner Freunde; er war bereit, für jeden von ihnen zu sterben...

Einer für alle, alle für einen...

Doch Athos hatte von Anfang an einen besonderen Platz in seinem Herzen inne gehabt. Er hegte den größten Respekt für den charismatischen Musketier, fühlte sich auf eine besondere Art zu ihm hingezogen. Und seit der Nacht, in der Athos‘ Château abgebrannt war und d’Artagnan ihn aus den Flammen gezogen hatte bestand zwischen ihnen ein besonderes Band tiefen Vertrauens.

Doch das hier... das war etwas völlig Neues, Verwirrendes und doch atemberaubend Wunderbares - und gerade noch schien es, als teile Athos diese undefinierbare Empfindung. Aber nun schickte er ihn fort.

Der seltsame, wütende Schmerz, den das verursachte, ließ das warme Leuchten in d’Artagnans Augen schlagartig erlöschen - als die Hand des Älteren erneut seinen Nacken packte und Athos fast verzweifelt erklärte: „Ich will dich nicht gehen lassen, mon Coeur... Am allerwenigsten zu ihr…“ Seine Stimme bekam einen bitteren Beiklang, als er fortfuhr: „Doch sie würde sofort meinen Geruch an dir erkennen...“

„Deinen Geruch?“, fragte d’Artagnan verwirrt, um heftig aufzubegehren: „Und wenn schon!“

Doch Athos schüttelte den Kopf und erwiderte leise, jedoch mit einer Intensität, die den Jüngeren erschauern ließ: „Niemals würde ich dich einer solchen Gefahr aussetzen!“

Noch einmal zogen beide Hände des Älteren ihn an dessen Stirn, und d’Artagnan gab seinen Widerstand auf, umfasste Athos Schultern, suchte Halt, während er zugleich resigniert die Augen schloss. Und hörte, wie sein Freund um Verständnis bittend erklärte: „Wenn sie auch nur die geringste Ahnung davon hätte, was du mir bedeutest - sie würde dich quälen, dich verletzen und dich töten - nur um mich zu strafen...“

„Was ich dir bedeute...?“, wiederholte d’Artagnan leise und öffnete unwillkürlich die Augen, nur um Athos‘ gesenkte Lider zu sehen.

Doch der Griff um seinen Nacken verstärkte sich, und einen Moment lang glaubte er, dies sei die einzige Antwort auf seine Frage - bis Athos die Augen öffnete, d‘Artagnans Blick mit einem dunklen Leuchten erwiderte und leise, doch voller Leidenschaft bekannte: „Mein Licht, mein Atem - mon Coeur...“

Und bevor d’Artagnan irgendetwas erwidern, überhaupt auch nur begreifen konnte, was sein Freund ihm hatte sagen wollen, küsste Athos sanft seine Stirn und murmelte ruhiger: „Nun geh...“

Das Herz des Gascogners raste, als Athos bewusst einen Schritt zurück trat, ihn dabei frei gab, aber sofort den Blick des Jüngeren suchte, als er inständig bat: „Und sei um meinetwillen vorsichtig.“

Die innige Wärme, die ihm aus den Augen des Älteren entgegen strahlte hüllten d’Artagnan mit einem Mal ein wie eine wollene Decke, machten sein Herz frei und leicht, und so huschte ein Lächeln über sein Gesicht, als er versprach: „Ich werde vorsichtig sein.“ Wie selbstverständlich legte er noch einmal seine Hand über Athos' Herz, als er hinzu fügte: „Ich komme wieder.“

Damit drehte er sich zum Fenster, um zu verschwinden, wie er gekommen war. Doch aus dem Augenwinkel sah er noch das leuchtende, so seltene Lächeln auf dem Gesicht seines Freundes und hörte dessen leise Worte: „Ich werde auf dich warten, mon Coeur...“

 

In dieser Nacht träumte d’Artagnan das erste Mal diesen neuen Traum:

Von Lippen, die sich auf seine legten; nicht sanft wie der Mund einer Frau, sondern harsch und fordernd und begleitet von rauen Barthaaren. Von einem Körper, eng an den seinen gepresst; nicht zierlich und anschmiegsam, sondern fast so groß wie er selbst, dabei kraftvoller als er, hart und gestählt - der Körper eines Kriegers. Hände, die über seine Haut wanderten, nicht zart und weich, sondern groß und rau vom Umgang mit Schwert und Pistole, bestimmt zupackend und dabei doch sacht und nichts als pure Freude spendend. Eine Stimme, nicht hoch und sinnlich, wie er sie bisher beim Liebesspiel gehört hatte, sondern dunkel, vibrierend, beruhigend und erregend zugleich – zutiefst vertraut...

Mon Coeur....

Und bei all dem spürte er eine Präsenz, die nichts als Sicherheit versprach, bei der er sich fallen lassen und seine Deckung völlig aufgeben konnte.

Als er am nächsten Morgen in zerwühlten Laken erwachte, hatte er keine Erinnerung mehr an die Einzelheiten des Traums – doch das Gefühl, unendlich sicher und geschätzt zu sein schwang tief in ihm nach und begleitete ihn durch die nächsten schwierigen Tage.

tbc...

 

(mon Coeur = mein Herz)  

 

Oha – d’Artagnan dämmert da endlich etwas – und Athos wird mutig!

Schauen wir nächsten Freitag, was sich daraus entwickelt! Ganz so ruhig wie heute werden die kommenden Kapitel allerdings nicht werden... ;-)

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und eine gute Woche!

GLG

Ann
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