Mein geliebter Verrückter

von Rosko89
GeschichteRomanze / P18 Slash
16.07.2020
06.09.2020
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16.07.2020 1.572
 
Mike POV:

Manchmal wachte ich auf und wusste nicht mehr wer ich war. Wie alt war ich?
Wie lange war ich schon hier? Welches Jahr haben wir? Mein Name vergaß ich nie.
Natürlich nicht. Mit dem wurde ich täglich angesprochen. Und er stand an meiner Tür, Schmdit, Mike Aaron. Aber der Rest? Das waren nur Daten, die in einem früheren Leben mal von Bedeutung gewesen waren.

Aber jetzt nicht mehr, es waren Daten. Daten die man auch nachschlagen konnte, in irgendwelchen Akten. Mike, so nannte mich der Chefarzt ein älterer Mann mit einem jungenhaften Lächeln und einer engelsgleichen Geduld. ich hätte gerne behauptet, dass ich einen besonderen Draht zu ihm hatte. Doch das wäre eine Lüge gewesen.

Er war mir egal, genauso egal wie der Rest der acht Milliarden Individuen, dieser Abscheulichen Spezies, der ich nun mal  leider auch selbst angehörte. Menschen waren nur eine Abnormität der Natur, eine Fehlbildung. ein
Geschwür, Rücksichtlos machten sie diesen Planeten kaputt. Rücksichtlos und lieblos gingen sie miteinander um,  sobald es um Macht und Geld ging. Menschen verrieten einander, sie zertstörten  ihre Umwelt und pflanzten sich fort, wie der Schimmel auf einem Laib Brot, das schon zulange, lag. Sie würden erst sterben, wenn auch der Nährboden ihrer Existenz unterging. Diese Welt und so sehr och die Menschen auch hasste, so sehr liebte ich die Natur und ihre nicht menschlichen Bewohner.

Richtig gehört ich hasste Menschen, die Menschheit als  Ganzes denn sie zerstörten den Planeten, ohne Rücksicht auf andere Lebewesen. Aber auch jeden Einzelnen, denn jeder war Teil des großen Ganzen.
Du fragst dich jetzt sicher, wie ich auf diese düsteren Gedanken kam. Tja, wenn man in einer Anstalt lebte, eine wie diese, dann hatte man nicht viel zu tun, als seinen Gedanken nach zu gehen.
Die Therapien brachten mir nicht mehr als ein wenig Abwechslung in diesen trüben Alltag.

Doch Lasst mich von vorne erzählen. Wie hat alles angefangen, ihr müsst wissen eins hatte ich Freunde eine Familie und habe mich verliebt, doch das ist sehr lange her.

Alles begann als ich zwölf Jahre alt war. Es war die Zeit, in der ich gemerkt hatte, dass ich Jungs interessanter finde als Mädchen. Ich war zum ersten Mal verliebt gewesen, verliebt in meinen besten Freund. Und auch wenn mich das verunsichert und ich mich selbst erst mal finden musste, unter dem Umstand, dass ich anders war, ging es mir mit der Tatsache recht gut ging.
Das war auch der Verdienst meiner besten Freundin, denn mit ihr konnte ich reden, sie gab mir halt.

Als ihr schlecht ging, baute ich sie auf. Doch als sie schließlich in einer Krise verfiel konnte ich ihr nicht mehr helfen, nicht dass ich es nicht versucht hätte. Doch es ging nicht, sie wurde immer trauriger, zog sich weiter zurück. Ich erinnere mich noch an ihren leblosen Körper. Wie sie da lag, blass, kalt und tot. Meine beste Freundin und gleichzeitig auch nicht mehr, denn es war nur noch ihre Hülle, die dort lag, neben den leeren Tablettenschachteln so blass. Ihre Eltern gaben mir die Schuld sie beschuldigten mich nicht, ausreichend für sie da gewesen zu sein. Ich feucherte die Anchuldigung zurück, doch in meinem Inneren war etwas zerbrochen. Ich fragte mich ob es doch meine Schuld gewesen war. Ob ich es hätte verhindern können, hätte ich es nur besser versucht. Mehr Zeit investiert, mehr Liebe, mehr Kraft.

In mir wuchs das Gefühl falsch zu sein. Nicht dazu zu gehören nicht zu passen. Jeden Tag erwachte ich mit diesem Gefühl auf, mein bester Freund entfernte sich von mit. Ich habe ihm nie meine Liebe gestanden, doch er hatte wohl gemerkt, dass ich mich in seiner Nähe plätzlich anders verhielt. Alle schienen mich zu verlassen. Dann führte eins zu anderen. Die Trennung meiner Eltern. Eine neue Wohnung. Meine erste Beziehung und mein erstes Mal, die Beziehung hielt nicht lange. Ich fühlte mich benutzt und allein. Es folgte weitere Vertrauensbrüche.

Die Freunde an der neuen Schule bleiben nicht meine Freunde. Sie redeten mit anderen über Dinge, die unter uns hätte bleiben müssen daraus zog ich meine Konsequenzen. Ich hörte auf Menschen zu vertrauen und verschloss meine Gefühle sorgfältig in meinem Inneren.

Hinzu kamen die Meldungen wie Hunger, Tot und Krieg und Massentierhaltung und Homophopie und Fremdenfeindlichkeit hier.
Ich hasste Menschen und ich hasste die Menschheit. Mit Fünfzehn begann ich zu rauchen, zu trinken und gelegentlich Drogen zu nehmen. Der Schmerz in meiner Seele aushielt. Solange bis mein Körper rebelierte.
Die Entzugskliniken wollten mich nach der vierten abgebrochenen Therapie nicht mehr. Ich war inzwischen volljährig, hatte einige Affären und Exzessen hinter mir. Die Schule hatte ich irgendwann abgebrochen.

Also entschieden sich meine Eltern schließlich mir meine Vormundschaft aufzuerlegen. Mit einem Guthachten und einigen Test wurde mit die Entscheidungsgewalt über mein Leben aberkannt. Sie ließen mich in einer Spezialklinik einweisen. Erst kam ich auf Entzug, dann auf die geschlossene Anstalt. Angeblich wurde hier größter Wert daraufgelget, die psychischen Erkrankungen der Patienten zu therapieren und sie gleizeitig in soziale Leben zurück zu führen soweit das möflich war. Das sollten sie erst mal versuchen. Inzwischen glaubte ich nicht mehr daran, dass ich das Klinikgelände jemals wieder von außen sehen würde. An meiner Tür Stand  "Schmidt, Mike Aaron  -stationärer Langzeitpatient" -Ich war bereits seit über fünf Jahren hier.
"Mike komm rein", sagte Dr. Rickert, als ich das Zimmer betrat. Es war ein sehr schöner Raum, nicht so steril wie viele der anderen Behandlungszimmer. Hier gab es Pflanzen, Kerzen, schöne Landschaftsbilder an den Wänden und zwei schokobraune Sessel, in die wir uns einander gegenübersetzten.  "Kaffee?", fragte der Doc und ich winkte ab. "Nein Danke", sagte ich knapp.

"Wie war ihre Woche?", erkundigte sich Dr. Rickert, nachdem er sich selbst eine Tasse eingeschenkt hatte. "Gut, die täglichen Gruppensitzungen nerven. Ich will nach draußen", sagte ich stumpf. "Sie wissen, dass sie einen Mann angegriffen und mehrfach ins Gesicht und auf dem Brustkorb geschlagen haben, als sie das letzte mal draußen warn?", sagte der Doc ernst und ich seufzte. "Ich kann nicht gut damit umgehen, wenn jemand seinen Müll irgendwo rum liegen lässt", sagte ich knapp. Das Thema hatten wir schon unzählige Male durchgesprochen. "Wir beide wissen, dass diesem Thema bereits genung beachtung geschenkt haben.

Aber solange sie ihre Wut in diesen Situationen nicht im Griff haben, können wir sie unmöglich wieder auf die Straße lassen", sagte er freundlich, aber bestimmt. Er ist ja nicht gestorben", zischte ich. "Dem Mann wurde zwei rippen entfernt, weil sie so zertümmert waren, dass sie nicht mehr gerettet werden konnten", Sagte er nun etwas schärfer. "Dann vergisst er es wenigstens nicht so schnell".

"Erzählen sie mir von den anderen Patienten. Haben sie unseren Neuzugang schon kennen gelernt?" "Denise? Ja ich habe sie gesehen. Nettes Gesicht", sagte ich mit einer wegwerfenden Geste. "Sie wissen doch, dass ich mit den  Spinnern hier drinnen nichts anfangen kann. Ich kann auch mit den Spinnern da draußem nichts anfangen. ich will einfach meine Ruhe. Aber es wäre schön wieder raus zu gehen. Den Wald zu sehen. Das Wasser, egal ob einen See oder Fluss. Ich wäre gerne wieder unter dem Sternenhimmel. Da wo keine Menschen sind, ist es immer so friedlich. "ich werde einen Ausflug für sie beantragen. Aber dafür müssen sie erst mal mehr Bereitschaft zeigen, an unseren Therapien teizunehmen". "Was steht denn als nächstes an?", fragte ich und lehnte mich in meinem Sessel vor. In den Brillengläsern des Doktors spiegelten sich meine Augen. Es kam mir immer noch komisch vor, dass sich meine Augen. Es kam mir immer noch komisch vor, dass sie jetzt blau waren. Hellblau, wie eine Gasflamme. So klat, tote Augen. Früher waren sie warm und braun. Doch eine neue Droge namens Nighttfly, die ich mir eine Zeit lang als Augentropfen gegeben hatte, hatte als Nebenwirkung meine Iris entfärbt. Nun waren meine Augen blau und dazu noch lichtempfindlicher als je zurvor. Ob die Farbe jemals wiederkommen würde war noch nicht erforscht.

"Unser Kliniksteam hat für nächste Woche Physiotherapie bestellt, für alle Patienten, die wie sie nicht raus gehen und sich zu wenig bewegen. Ihre Muskeln sind durch das viele Sitzen verspannt, ihre Sehnen drohen zu verkümmern. Wir wollen dem entgegenwirken. Also werden sie in den nächsten Wochen erst Entspannungsmassagen und dann Übungsstunden für ihre Gelenke erhalten", teilte er mir mit. Ich stöhnte auf. "Ich will keine beknackten Massagen. Ich will einfach meine Ruhe. Nichts sehen, nichts hören, nichts fühlen. Lassen sie mich an meinen  Zeichentisch zurück!" schimpfte ich und stand auf. "Sie tun den ganzen Tag nichts abders als zu zeivhnen. Das kann auch eine gute Therapie sein. Doch sprechen sie mit uns über ihre Bilder. Versuchen sie sich zu öffnen. Sie wollen doch  Fortschritte machen, oder Mike?" hörte ich ihn noch sagen, bevor doe Tür ins Schloss fiel.

Vor der Tür wartete bereits einer der Sicherheitsmänner, der mich zurück in mein Zimmer brachte. Der grün getüchnchte Gang roch nach Gips und Desinfektionsmittel. Dann würde ich eben die Physiotherapie hinter mich bringen. Ich würde dem Gesprächskreis etwas über meine Bilder erzählen. Dann konnte ich vielleicht endlich hier raus. Wenigstens für ein paar Stunden. Endlich wieder den Wind in den Haaren zu spüren. Die Bäume rauschen hören. Mich vergiwissern, dass dieser Abschaum noch etwas von meiner geliebten Natur übriggelassen hatte.
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