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Children.

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Bobby Singer Dean Winchester John Winchester Sam Winchester
16.07.2020
15.01.2022
7
9.719
3
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Dieses Kapitel
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15.01.2022 1.727
 
Six. Oh, Mary, what would you say if you could see your family...?

Sam zuckte zusammen, als die Tür zuknallte und blickte hinüber zu Dean, welcher sich langsam zu rühren begann.
"Dean?", fragte er in die Stille des Raumes und schmunzelte, als sein Bruder unausgeschlafen gähnte. Er rieb sich die Augen und richtete sich auf. "Was war das?", wollte er wissen und blinzelte tapfer gegen die Müdigkeit an. "Dad. Er ist zurück.", erklärte sein kleiner Bruder. Man konnte förmlich erkennen, wie Dean erschrocken zusammenzuckte und hellwach wurde. "Wirkte er sauer?", fragte er und schluckte sichtbar. Sam schüttelte den Kopf, zögerte dann und zuckte schließlich mit den Schultern. "Weiß nicht.", gestand er und legte den Kopf leicht schief. Dean nickte langsam und ließ dann seine Beine aus dem Bett baumeln. "Ich hab versucht dich zu wecken.", Tränen bildeten sich in Sams Augen und vorsichtig trat er ans Bett zu seinem Bruder. Dieser legte seine Arme auf die Schultern seines Bruders und umarmte ihn kurz. "Tut mir leid, Sammy.", sagte er, wohl wissend, dass sein Bruder sich Sorgen machte, wenn er nicht gleich zur Stelle war. "Ich bin sehr müde und hungrig. Hat Dad was zu essen dabei gehabt?", wieder nur ein Schulterzucken von Sam. Dean musste es ihm abgewöhnen, das wusste er, denn ihr Vater hasste es, wenn man nicht richtig antwortete.

Als der Ältere aufstand, musste er sich am Bett festhalten und schwankte gefährlich hin und her. "Was hast du, Dee?", wollte Sam weinerlich wissen, doch der Andere hob nur abwehrend die Hand. "Nichts, mir geht's gut. Ich hab nur Hunger.", erklärte er, wusste aber nicht, ob Sam schon das Ausmaß seines Nichtessens verstehen würde. "Aber wir haben nichts...", Sams Mund stand erschrocken wenige Zentimeter offen. Er schien sich wirklich um seinen Bruder zu sorgen. Dean nickte, das wusste er selbst. Leider. Plötzlich keuchte sein Bruder auf, als würde er sich an etwas Wichtiges erinnern. "Wir fahren um... 12 Uhr!", sagte er und stemmte seine kleinen Ärmchen in seine Hüfte. Dean nickte. Er hatte nichts anderes erwartet. Vielleicht hatten Sammy und er Glück und John würde für ein paar Tage, vielleicht sogar eine Woche oder mehr, Rast bei Bobby machen. Neue Hoffnung erfüllte den Achtjährigen. Er liebte Bobby abgöttisch. Auch wenn er grummelig war und viele Feinde hatte, wie John stets beteuerte. Das war Dean egal und Sammy mit Sicherheit auch. Er vertraute dem Mann.

Dean zwang sich, Sammy zu überreden, ihm beim zusammenpacken zu helfen und sie brauchten tatsächlich nur wenige Minuten, um all ihr weniges Hab und Gut in die Reisetasche zu stopfen. "Fertig!", rief Sammy zufrieden und ließ sich aufs Sofa fallen. Die Betten waren gemacht, die Küche aufgeräumt und Dean hatte mit einem kleinen Besen und einem Kehrblech den Boden größtenteils gesäubert und vom auffälligsten Schmutz befreit. John war noch immer im Bad und langsam begann Dean, sich Sorgen zu machen. Es war schon fast 12 Uhr, wollte er dann nicht los?
Deans Blick huschte unentwegt von Uhr zur Badezimmertür. Hin und her, hin und her.

Dean hatte so Hunger. Sein Bauch tat so weh und zwang ihn einige Male sogar in die Knie. "Dad.", rüttelte er nun zum bestimmt fünften Mal an der Tür zum Badezimmer. "Lass mich, Dean!", rief sein Vater und dann war das Rauschen von Wasser zu hören.

Dean war so unglaublich verzweifelt. Er konnte nicht anders, legte sich zurück ins Bett und weinte still vor Schmerz. "Dean? Was hast du?", Sams Patschehändchen legten sich auf seine bebende Schulter. "Nichts, Sammy, mir geht's gut.", schluchzte der Junge, der in diesem Moment nichts weiter als ein hungerndes Kind war. Sam schien vollkommen überfordert mit der Situation. Er kletterte einfach aufs Bett und schmiegte sich an seinen älteren Bruder.

John blieb Stunden im Bad. Er wusch sich am Waschbecken, schließlich gab es in diesem gottlosen Motel keine Dusche, rasierte sich, behandelte seine kleinen Wunden und brauchte einfach Zeit für sich. Gedämpft vernahm er die Stimmen seiner Söhne, wie sie im Zimmer nebenan aufräumten und sich unterhielten und er hörte das Klopfen Deans. Sein Flehen rauszukommen. Der Junge musste schrecklichen Hunger haben, denn er hatte nun seit drei Tagen nichts mehr gegessen. Eigentlich müsste John ihn schnappen und mit ihm zum Essen fahren, aber er wollte sich seine Schuld nicht eingestehen. Er wollte Zeit für sich alleine und in keine anschuldigende Augen blicken. Einfach ignorieren, dass er sich schon wieder unverantwortlich und unmöglich und sowie so total egoistisch verhielt.
"Lass mich, Dean!", er schlug gegen die Wand neben dem Spiegel, drehte den Wasserhahn erneut auf und wusch sich zum zweiten Mal. Hauptsache etwas zu tun haben, Hauptsache nicht rausgehen und sein Versagen vor Gesicht bekommen. Enttäuschung sehen. John wollte es nicht. Er wollte es einfach nicht. Und er konnte es nicht. Es machte ihn wütend, er machte sich wütend, doch diese Wut würde wie so oft die Falschen treffen - seine Kinder, wahrscheinlich eher Dean als Sammy.

Irgendwann machte er den Wasserhahn wieder aus. Wenn sie jetzt schon fertig waren, konnten sie auch früher aufbrechen. Eigentlich hatte John nicht sonderlich Lust, Bobby aufzusuchen, doch der konnte seinen Kindern gesundes Essen zubereiten. Und vor allem Dean brauchte endlich mal wieder etwas in den Magen. Und wenn John dafür Bobbys anklagenden Kommentare und Blicke herunterschlucken musste, war es das wert.
John hatte keine Lust, einkaufen zu gehen. Er war noch immer wie ausgelaugt von der anstrengenden Jagd und gerade deswegen sah er einem Gespräch mit einer fremden Person - wie einer Verkäuferin - nicht sonderlich wohlgesonnen entgegen.

Er schloss die Tür des Bades auf und trat ins Wohn-, Schlaf- und Kochzimmer. Eigentlich hätte er damit gerechnet, seine Kinder quengelnd irgendwo auf ihrem Bett vorzufinden, doch sie saßen ganz artig nebeneinander auf der unbequemen Couch und schauten sich einem leisen Cartoon im Fernsehen an. "Seid ihr fertig?", fragte der Vater seine Kinder. Dean stand auf, wirkte erschreckend wackelig auf den Beinen. "Nur noch die Sachen aus dem Bad.", sagte er und verschwand mit einem Kulturbeutel im Badezimmer.
John setzte sich neben Sam und rang mit sich, ob er ihm durch die Haare streichen sollte oder nicht. Er zögerte, entschied sich doch schließlich dagegen. Es kam ihn nicht passend vor. "Ich hab Hunger... Und Dee auch.", der Vierjährige schaute seinen Vater anklagend an. Genau diesen Blick hatte John nicht gewollt. Konnte ihn nicht ertragen. Er stand auf, drehte sich von Sam weg. "Jammer nicht wie ein kleines Mädchen.", sagte er stattdessen. Er wusste, es war falsch, aber er konnte sich nicht gegen seine eigenen Worte wehren. "Sonst siehst du nicht nur aus wie eins, sondern verhältst dich auch wie eine kleine Göre.", er klang abwertender, als er es wollte. Als er zu Sam blickte, starrte dieser auf seine Hände, welche er in seinem Schoß gebettet hatte, und John erahnte Tränen in seinen Augen. Er wollte sich entschuldigen, sagen, dass er nicht wie ein Mädchen aussah, doch konnte er es wieder einmal nicht. "Kommt zum Auto, wenn ihr fertig seid. Ich warte da auf euch.", Hauptsache weg, damit er nicht noch mehr falsch machen konnte.

Es war Sams Schuld. Er hatte ihn mit diesen Augen angeschaut, ihn mit seinem Blick angeklagt, ihn bestraft. John hatte sich nur gewährt, nur verteidigt, es war Sams Schuld gewesen. So wie es auch immer Deans Schuld war, wenn John die Hand ausrutschte - er merkte selber, in was er sich da rein manövrierte. Oh Mary, was würdest du nur sagen, könntest du deine Familie sehen...

Als Dean mit voller Tasche wieder aus dem Bad kam, war weit und breit nichts von John Winchester zu sehen. Einzig und allein hockte ein verloren dreinblickender Sam auf dem Sofa und schluchzte leise vor sich hin.
Für Dean war nur eine Sache klar: John hatte wieder mal einen Spruch gegen Sam gebracht oder war ihn sogar körperlich angegangen. Dean wurde schlecht. Er hasste es, seinen kleinen Bruder weinen zu sehen. Es zeugte davon, dass er versagt hatte. Und Dean hatte schreckliche Angst zu Versagen. Nein, Angst war nicht das richtige Wort für das, was er fühlte. Es war viel mehr eine Art Panik, gemischt mit Angst, die sein Inneres zusammenziehen ließ. Es war ein übles Gefühl, schmeckte schrecklich und abgestanden auf seiner Zunge. Ihm wurde schwindelig, alles tat ihm weh, sein Herz schlug schneller als jemals zuvor. Er hatte so Panik vor dem, was John mit Sammy gemacht hatte.
Schnell setzte er sich neben seinen Bruder. "Sammy? Was ist los?", vorsichtig strich er über den Rücken seines Bruders. "Bin ich ein Mädchen?", fragte der Kleine zutiefst erschüttert. Deans Magen zog sich noch mehr zusammen, sofern dies überhaupt möglich war. Er erinnerte sich daran, dass sein Vater stets dagegen war, dass er seiner Mutter in der Küche half, da dies Frauenarbeit war. Auch immer wenn er weinte, schaute John ihn nur an und sagte sowas wie "Hör auf zu weinen wie ein kleines Mädchen.". Er konnte sich sehr gut vorstellen, dass John soetwas in der Art zu seinem kleinen Bruder gesagt hatte. "Du bist doch kein Mädchen. Du bist ein Junge. Ein schöner, starker und großer Junge.", Dean strich noch immer über seinen Rücken. Er wusste aus Erfahrung, dass ihn diese Art der Zuneigung schneller beruhigte. "Sind meine Haare zu lang für die eines Jungen?", Sammy's Augen sahen so traurig aus, so unglaublich traurig. Denn Sammy liebte seine wuscheligen und auf jeden Fall um einiges längere Haare als die von Dean. Aus Spaß schlug der Ältere immer vor, sie ihm abzuschneiden, doch er würde es niemals tun. Dafür liebte Sammy sie zu sehr. "Nein Sammy. Deine Haare sind perfekt, gut so wie sie sind. Auch Jungs dürfen lange Haare haben. Und deine sind doch gar nicht lang. Sie sind nur länger als Dads und meine.", Sam beruhigte sich langsam und zog seine Nase geräuschvoll hoch. Er nickte und ließ sich von Dean von der Couch ziehen. Als sie standen, umarmte der Kleine seinen Bruder liebevoll und schließlich liefen sie Hand in Hand in die Ungewissheit.

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Ich lebe wieder, und auch wenn es so klingen mag, es ist nicht das Ende des Buches.
 
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