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Kyras Adventures

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
OC (Own Character)
16.07.2020
21.11.2020
13
15.699
3
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 1.177
 
„Jack!“ rief ich nochmal. Dort, wo der Pfeil ihn getroffen hatte, färbte sich seine Kleidung tiefrot. Der Blutfleck wurde schnell größer. Kurzerhand packte ich ihn an den Schultern, zog ihn weg von der Truhe und die Treppen hinauf. Draußen war stockfinstere Nacht. Raus gehen konnten wir nicht, denn Zombies waren bekannt dafür, Blut zu riechen. Was jetzt? Da mir nichts anderes übrig blieb, zerrte ich Jack nochmal die Treppen hoch in die zweite Etage. Hier gab es nicht viel, nur ein paar Kessel, Stroh und zwei Betten. Auch hier waren die Wände mit Malerei verziert. Ich hob Jack auf eines der Betten und sorgte dafür, dass er auf dem Rücken lag. Dann riss ich ein Loch in sein T-Shirt um die Kleidung von der Verletzung freizuhalten.
„Jack?“ fragte ich vorsichtig. Seine Augenlider flatterten. „Au… Wie ist das passiert?“ Er hob leicht den Kopf und betrachtete verwundert das Blut an seiner Schulter, als würde es ihm erst jetzt auffallen. „Du musst auf einen geheimen Mechanismus getreten sein. Damit hätten wir eigentlich rechnen müssen.“ erklärte ich. „Und… also ich muss jetzt den Pfeil entfernen. Das könnte wehtun.“ warnte ich. Jack ließ den Kopf wieder sinken und nickte nur ergeben. Dann umschloss ich den Pfeil mit beiden Händen, atmete tief durch – und zog ihn mit einem Ruck heraus. Jack zuckte und gab keinen Ton von sich, doch ich sah ihm an, dass er nur mit Mühe einen Schmerzensschrei unterdrückte. Dann legte ich den Pfeil weg und sah mir die Wunde genauer an. Sie war nicht groß, oder besser gesagt: Ich konnte nicht genau erkennen, wie groß sie war, denn da war überall Blut… Soviel Blut. Und außerdem war da noch etwas. Ich sah genauer hin. Um die Wunde herum hatte sich ein Fleck gebildet – ein grüner Fleck. Was war das? Es schien sich auszubreiten und sah fast aus wie Kuro damals…
Oh nein. Mich überkam eine Vermutung. Keine gute Vermutung.
„Jack… Ich glaube du bist vergiftet worden.“ Er atmete einmal tief ein und aus und meinte dann mit schwacher Stimme: „So fühl mich auch. Verdammt…“
Ich nahm den Pfeil wieder in die Hand und betrachtete ihn. Tatsache! Die scharfe Spitze war zwar voll mit Blut, doch ich konnte etwas Grünes erkennen. Unverkennbar Gift. Jack sah mich an. „Wie lange habe ich noch?“ sagte er flüsternd. Ich setzte mich auf den Boden neben ihn und fuhr mir durch die Haare. „Wenige Stunden. Wenn wir kein Gegenmittel finden.“ antwortete ich genauso leise. Er stieß einen tiefen, traurigen Seufzer aus. Wir sahen uns an. Es wurde still, während er die Augen schloss und ich nachdachte. Schließlich traf ich eine Entscheidung. „Okay“ fing ich an. „Ich gebe doch jetzt nicht einfach auf.“ Ich öffnete meine Tasche und fing an zu suchen. Zum Glück! Hier war ein frisches Tuch. Das legte ich über die Wunde und es saugte sich sofort mit Blut voll. Vorher wusch ich die Verletzung natürlich mit Wasser aus. Dann holte mein Seil heraus und band damit das Tuch so gut wie es ging an Jacks Schulter fest. So, das sollte halten. Jetzt stand ich ruckartig auf und sagte: „Jack, meinst du, du kannst laufen?“ Ohne die Antwort abzuwarten, half ich ihm, sich aufzusetzen. „Komm, steh auf“ meinte ich.
„Ähm was wird das?“ fragte Jack. Er stand auf und musste sich an mir abstützen. Ich nahm seine Tasche. „Wir besorgen uns das Heilmittel“ zischte ich mit zusammengebissenen Zähnen. Jack war nicht gerade leicht. „Jetzt komm.“
Gemeinsam gingen wir die Treppe langsam herunter. Währenddessen meinte er: „Aber… wir können jetzt nicht raus. Sieh doch, es ist Nacht.“ Unten angekommen hatte ich diesmal nicht viel übrig für Malereien an den Wänden. „Es ist nicht Nacht, es ist früher morgen“, berichtigte ich ihn. „Die Sonne geht in weniger als einer halben Stunde auf. „Aber…“ entgegnete Jack. „Aber die Zombies und Skelette…“
Ich hielt inne, drehte mich zu ihm um sagte ernst: „Hör mal. Sollten irgendwelche Zombies, Skelette, Creeper und was sonst noch alles da draußen ist, uns Probleme machen: Ich habe sowohl ein Schwert als auch einen Bogen. Und ich zögere nicht, die beiden zu benutzen. Ich schwöre dir: Wir werden so lange in diesem Dschungel herumirren, bis du das verdammte Gegenmittel hast. Und uns bleibt nicht viel Zeit, also sei jetzt leise und komme einfach mit mir, ja?“
Jack sagte nichts. Er nickte einfach nur. „Gut.“ sagte ich.
Zusammen traten wir aus dem Dschungeltempel. Draußen war es wirklich immer noch dunkel. Hoffentlich behielt ich Recht und es würde bald hell werden. Jetzt bei Nacht war der Dschungel gar nicht mehr so schön. Er war gruselig und… unheimlich. Mit jedem Schritt, den wir taten, knisterten die Blätter unter unseren Füßen. Immer, wenn von irgendwoher ein Geräusch ertönte, sei es der Ruf eines Vogels oder das Rascheln eines Busches, zuckten wir beide zusammen. Besonders Jack. Ich musste ihn beim Gehen stützen und der gab sich wirklich Mühe, selbst zu laufen. Doch mit jedem Meter wurde er schwächer und ich wusste, dass er nicht mehr lange durchhalten würde. Wir hatten nicht mehr viel Zeit.
Bald hatten wir den Dschungel endlich hinter uns gelassen und kamen in eine Wüste. Eine Wüste neben einem Dschungel, so etwas hatte ich auch noch nicht gesehen. Hier gab es zum Glück kein dichtes Gebüsch, hinter dem sich potenzielle Monster verstecken könnten. Die Wüste war – nun ja, so wie man sich eine Wüste eben vorstellt. Nichts als Sand, hier und da mal ab und zu ein paar Kakteen oder tote Sträucher. Eine karge Landschaft, die irgendwie leer wirkte. Vor uns ging gerade langsam die Sonne auf und es wurde hell.
Plötzlich sackte Jack in sich zusammen. Er schien keine Kraft mehr zu haben, um sich alleine auf den Beinen zu halten. Ich schaffte es gerade noch, ihn nicht unsanft auf den Boden fallen zu lassen und fing ihn ab. Dann kniete ich mich neben ihn. „Jack“, flüsterte ich vorsichtig. „Jack, kannst du mich hören?“ Er nickte schwach. Puh, zum Glück war er noch bei Bewusstsein. Jetzt drehte er abrupt den Kopf von mir weg und übergab sich in ein Gestrüpp aus toten Sträuchern. Als er damit fertig war, kippte er einfach um. Sein Gesicht lag zur Hälfte in seinem Erbrochenem. „Jack?“ rief ich. „Jack! Komm, bitte wach auf!“ Ich rüttelte ihn heftig an der Schulter. „JACK!“
Er rührte sich nicht. Ich maß seinen Puls und stellte erleichtert fest, dass er noch lebte. Doch wenn ich nichts unternahm, tat er das nicht mehr lange. Mir blieb keine Zeit, um zu überlegen was ich tun sollte. Also hob ihn hoch, legte einen Arm um seinen Nacken und den anderen um seine Beine. Ich trug ihn den Armen wie eine Mutter ihr Kind und ging weiter.
Jack war schwer. Schon nach kurzer Zeit wurden meine Arme schwer und meine Beine vom vielen Gehen ebenfalls. Außerdem war inzwischen Vormittag und die Sonne brannte auf mich nieder, als wollte sich mich mit ihrer Hitze verschlingen. Vor meinen Augen begann alles zu flimmern. Es sah überhaupt nicht gut aus für uns beide. Jack und ich würden mit Sicherheit sterben, wenn nicht jetzt gleich ein Wunder geschah.
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