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Straßenkinder

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
16.07.2020
26.11.2020
20
29.963
13
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23.07.2020 1.206
 
Am nächsten Morgen traf sich Boris mit Frau Schreiner vom Jugendamt in ihrem Büro.
„Mensch Boris,“ seufzte sie und schüttelte den Kopf, „was hast Du da schon wieder gemacht. Mit Deinen Extratouren bringst Du mich ganz schön in Schwierigkeiten. Wegen Dir habe ich schon wieder ein paar graue Haare mehr bekommen.“
Boris lachte nur, drückte sie ganz ganz fest und verstrubbelte ihre Haare.
„Ich sehe noch kein einziges graues Haar auf Deinem Kopf, liebste Ellen. Also kann es doch gar nicht so schlimm sein.“
„Dir kann man doch einfach nicht böse sein, Boris. Komm, jetzt lass uns mal überlegen, wie wir die Sache mit Robin Richter hinkriegen.“
Sie setzten sich in die Sitzecke und Ellen Schreiner schenkte ihnen Kaffee ein.
„Ellen, ich konnte wirklich nicht anders,“ begann Boris, „Du hättest das kleine Kerlchen mal sehen sollen. Sein Vater hatte ihn so schlimm zugerichtet, das kannst Du Dir nicht vorstellen. Robin war dermaßen verängstigt und durch den Wind und als er mir dann von seinem Onkel erzählt hat, hatte ich gar keine andere Möglichkeit, als ihn dahin zu bringen. Und dieser Tobias Ehrlinger scheint mir ein sehr gut situierter und verantwortungsbewusster Mann zu sein. Da ist Robin ganz bestimmt viel besser aufgehoben als in einem Heim oder in irgendeiner Pflegefamilie. Komm Ellen, gib Deinem Herzen einen Stoß.“
Boris schaute Ellen Schreiner mit seinem bezauberndsten Lächeln an und dem hatte sie noch nie widerstehen können.
„Okay,“ sagte sie, „dann werde ich mich mal mit diesem Tobias Ehrlinger in Verbindung setzen. Wenn er wirklich so ist, wie Du ihn beschrieben hast, wäre es für Robin vielleicht wirklich das Beste, wenn wir ihn in seiner Obhut ließen.“
„Du, Ellen,....“ Boris druckste ein wenig herum, „meinst Du ich könnte Dich begleiten, wenn Du Dich mit diesem Ehrlinger triffst?“
Ellen Schreiner schaute ihn erstaunt an, und als sie eine leichte Röte auf seinen Wangen sah, fing sie an zu lachen. „Nachtigall, ick hör dir trapsen. Dieser Ehrlinger gefällt Dir, stimmt`s?“
Sie war die Einzige, die von Boris Homosexualität wusste.
„Dir kann man aber auch nichts vormachen,“ knurrte Boris und drückte sie noch einmal fest, „ja er gefällt mir. Er hat irgendwas an sich, das mich ganz durcheinander bringt.“
„Na, dann will ich mal nicht so sein. Natürlich kannst Du mitkommen. Ich rufe Tobias Ehrlinger nachher an und mache einen Termin mit ihm aus. Ich sage Dir dann Bescheid, Boris.“
„Ach Ellen, Du bist einfach die Beste. So, jetzt muss ich mich aber wieder auf den Weg machen. Ich muss doch sehen, was meine Sorgenkinder machen.“

********
Als er auf seiner Tour an einem Hochhaus vorbeikam, hörte er plötzlich jemanden rufen: „Hallo Boris, warte mal.“
„Hey Anne, na was gibt`s?“
Er sah das junge Mädchen fragend an. Sie kam auf ihn zu, an der einen Hand einen ca. 3jährigen Jungen, mit der anderen Hand schob sie einen Kinderwagen, an dem zwei schwere Einkaufstaschen hingen.
„Du Boris, da ist ein Schreiben an meine Mutter vom Jugendamt gekommen. Die Alte ist aber schon wieder seit ein paar Tagen mit ihrem derzeitigen Lover verschwunden und ich weiß nicht, wann sie wieder kommt. Jetzt muss ich mich um meine beiden Geschwister kümmern. Zum Glück hat sie mir etwas Geld da gelassen. Ich weiß ja nicht, wie lange sie dieses Mal wegbleibt, das kann man bei ihr nie sagen. Und ich müsste doch auch in die Schule. Ich will wenigstens einen guten Abschluss hinkriegen, damit ich irgendwann aus diesem Milieu verschwinden kann.“
„Pass auf Anne, ich bin nachher im Jugendzentrum. Komm doch einfach dahin. Die Kleinen kannst Du mitbringen, Frau Göbel kann auf sie aufpassen, während wir uns unterhalten. Bring das Schreiben vom Jugendamt mit. Es ist zwar an Deine Mutter gerichtet und wir müssten uns an das Briefgeheimnis halten, aber in diesem Fall können wir keine Rücksicht nehmen.“
„Alles klar, Boris,“ sagte Anne und strahlte den Streetworker dankbar an „ich mache den Kleinen jetzt noch schnell was zu essen, und komme dann später ins JUZ.“
Sie verabschiedeten sich und Boris setzte seine Tour fort. Als er an dem nahegelegenen Park vorbeikam, sah er vier Jugendliche, die sich um einen kleinen Jungen geschart hatten, der ziemlich ängstlich aussah.
„Hey was soll das? Findet Ihr es toll, vier gegen einen? Findet Ihr das fair?“ Boris war wütend.
„Ey, misch Dich da nicht ein, Alter,“ fauchte einer der Jungs und kam bedrohlich auf Boris zu.
„Und ob ich mich da einmische,“ Boris schaute den Jungen finster an.
„Komm Paul,“ rief einer aus der Gruppe, „das ist Boris, der Streetworker, der für unsere Gegend zuständig ist. Leg Dich ja nicht mit ihm an, da ziehst Du den Kürzeren.“
„Das wollen wir doch mal sehen.“ Dieser Paul ging langsam auf Boris zu, der nur abwartend dastand. Dann wollte er sich wütend auf ihn stürzen, aber so schnell wie er auf ihn zurannte, so schnell lag er auf dem Boden und Boris kniete über ihm.
„Na, immer noch eine große Klappe, mein Junge?“ fragte er.
„Okay, okay,“ rief Paul und sah Boris erstaunt an. „Wie haben Sie das gemacht, mich so schnell auf den Boden zu kriegen?“
„Das nennt man Selbstverteidigung, Paul. Wenn Du Deine Energie nicht dazu verschwenden würdest, kleinere Jungs zu drangsalieren, könntest Du das auch lernen. Ich gebe zweimal die Woche im Jugendzentrum Kurse, da könntest Du ja mal vorbeikommen.“
Plötzlich hatte Paul gar keine so große Klappe mehr und schaute Boris bewundernd an. „Ich glaube, das würde mir gefallen,“ sagte er, „vielleicht komme ich wirklich mal vorbei. Entschuldigen Sie bitte mein Auftreten, es kommt nicht wieder vor.“
„Na, das will ich mal hoffen,“ erwiderte Boris und half Paul auf die Füße, „also dann sehen wir uns bald im JUZ.“
Er sah sich nach dem Jungen um, der von den anderen bedrängt worden war, aber der war still und heimlich verschwunden.
Boris verabschiedete sich von den Jungs, nicht ohne sie noch einmal ermahnt zu haben und setzte seine Tour fort.

********
Als er später ins Jugendzentrum kam, wartete Anne schon auf ihn. „So, dann wollen wir doch mal sehen,“ sagte Boris und öffnete den Brief vom Jugendamt.
„Mh, der Sachbearbeiter Deiner Mutter schreibt, dass sie jetzt den Erzeuger von Philipp ausfindig gemacht haben. Na, dann können sie ja ihre Vorausleistungen von ihm zurückverlangen. Und dann muss er auch an Euch regelmäßig zahlen.“
„Danke Boris, das sind ja mal gute Nachrichten,“ sagte Anne, „und hoffentlich kommt Mama bald von ihrer Tour mit ihrem Lover zurück. So langsam wird mir das alles zuviel.“
„Pass auf Anne,“ sagte Boris, „wenn sie sich in zwei Tagen noch nicht gemeldet hat, sagst Du mir Bescheid. Ich werde dann versuchen, eine Haushaltshilfe für Dich zu organisieren, die auch auf die Kleinen aufpasst. Dann kannst Du wieder zur Schule gehen, okay?“
„Okay Boris, nochmals vielen Dank.Wenn ich Dich nicht hätte.“ Anne schaute ihn mit so einem liebevollen Blick an, dass Boris schlucken musste.
Er hätte gerne noch viel mehr für das Mädchen getan, aber auch er stieß immer wieder an seine Grenzen.
Er hielt sich noch eine Weile im Jugendzentrum auf, als plötzlich der Anruf von Ellen Schreiner kam. „Hey Boris, ich habe heute gegen 17 Uhr einen Termin bei diesem Ehrlinger. Kommst Du
jetzt mit?“
„Na klar Ellen,“ sagte Boris und plötzlich flogen eine ganze Menge Schmetterlinge in seinem Bauch als wären sie in einem Drogenrausch.
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