Straßenkinder

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
16.07.2020
22.10.2020
15
21.880
13
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
16.07.2020 1.379
 
„Hallo Sophie, Du hast mich angefunkt,“ sagte Boris Saalfeld, als er in das kleine Büro der Bahnhofsmission trat.
„Ja, gut dass Du kommst,“ erwiderte Sophie Jung, die Leiterin der Mission, „es geht mal wieder um Robin. Das Übliche.“
Boris Gesichtszüge wurden hart. „Wo ist er?“ fragte er. Sophie wies auf die Tür zum Nebenzimmer.
„Ich habe immer gedacht, schlimmer könnte es nicht kommen, aber leider......“
Boris hörte schon gar nicht mehr hin und betrat das kleine Nebenzimmer. Er war ja von seiner Arbeit als Streetworker einiges gewöhnt, aber jetzt musste auch er schlucken als er das kleine Häufchen Elend sah, das da in der Ecke kauerte.
„Hey Robin,“ sagte er leise. Als Robin ihn sah, sprang er auf und warf sich Boris in die Arme. Er klammerte sich so an ihm fest, als wolle er ihn nie mehr loslassen.
Als Boris ihn genauer betrachtete, loderte ein gewaltiger Zorn in ihm auf. Das linke Auge des Jungen war blau verfärbt und zugeschwollen, die Unterlippe aufgeplatzt und auf dem Kinn und der Stirn befanden sich zwei riesige Schrammen.
„War das wieder Dein sogenannter Erzeuger, Robin?“ knurrte er und bemühte sich, die Fassung nicht zu verlieren.
Roibin nickte nur. „Er war wieder einmal betrunken und wollte Geld von mir, um sich noch mehr Alk zu kaufen. Ich hatte aber doch nichts. Ja, und dann hat er zugeschlagen. Immer und immer wieder, bis ich am Boden lag. Zum Glück konnte ich ihm entwischen und bin ganz schnell hierher zu Sophie gerannt. Ich wusste ja, dass sie Dir Bescheid sagen würde.“
„Eigentlich müsste ich Dich jetzt ins Krankenhaus bringen,“ sagte Boris, „das müsste sich ein Arzt ansehen.“
„Nein, Boris!“ schrie Robin und klammerte sich noch fester an den Streetworker. „Die schalten doch dann das Jugendamt ein. Und ich will nicht in ein Heim oder in eine Pflegefamilie. Bitte, bitte Boris, lass mich bei Dir bleiben.“
„Du weißt doch genau, dass das nicht geht, Robin,“ seufzte Boris und strich dem Jungen zärtlich über das Haar. „Ich darf das doch nicht. Da haben wir doch schon so oft drüber gesprochen. Es tut mir leid, mein Junge, aber ich muss Frau Schreiner vom Jugendamt einschalten. Du bist doch erst zwölf Jahre alt. Aber wir können Dich auch nicht zu Deinem Vater zurückschicken. Ja, wenn Du noch Verwandte hättest, dann wäre es einfacher.“
„Aber ich habe doch noch einen Onkel, den Bruder meiner Mutter. Onkel Tobias. Er lebt auch hier in der Stadt, aber ich weiß seine Adresse nicht.“
Boris runzelte die Stirn. „Warum hast Du mir nie von ihm erzählt?“ fragte er etwas verblüfft.
„Weißt Du Boris, bei uns zu Hause durfte nie über ihn geredet werden und so habe ich überhaupt nicht mehr an ihn gedacht.“
„Und wieso durfte nicht über ihn geredete werden, Robin? Ist er ein Verbrecher oder was?“
„Nein Boris, mein Vater sagte immer, er sei eine dreckige Schwuchtel und mit so Leuten wollten wir nichts zu tun haben. Aber es ist doch nicht schlimm, wenn ein Mann schwul ist, oder Boris?“
„Auf keinen Fall, Robin. Lass Dir das nur ja nicht einreden. Kein Mensch kann was für seine Veranlagung. So, und jetzt wollen wir mal schauen, wie wir Deinen Onkel finden. Weißt Du, wie er mit Nachnamen heißt?“
„Der Mädchenname meiner Mutter war Ehrlinger, deswegen wird Onkel Tobias wahrscheinlich auch so heißen.“
Boris war schon eifrig dabei, im Internet die Adresse von Robins Onkel zu suchen.
„Da haben wir ihn ja,“ rief er aus. „Tobias Ehrlinger, Cusanusstrasse 31.“ Er nahm Robin in den Arm und blickte ihn ernst an. „So, mein Junge,“ sagte er, „was ich jetzt mache, ist eigentlich nicht ganz legal, aber das nehme ich auf meine Kappe. Wir fahren jetzt zu Deinem Onkel. Vielleicht kannst Du da unterkommen. Das mit Frau Schreiner vom Jugendamt regele ich schon.“
Robin warf ihm einen so dankbaren Blick zu, dass es ihm ganz warm ums Herz wurde. 'Was musste dieser arme Junge mitgemacht haben,' dachte er.
Die Cusanusstrasse 31 entpuppte sich als ein kleines Einfamilienhaus mit einem sehr gepflegten Vorgärtchen.
Boris klingelte und Robin trat aufgeregt von einem Bein aufs andere.
Als die Tür geöffnet wurde, blieb Boris vor Überraschung die Luft weg. O man, was war das denn für ein Sahneschnittchen. Diese tollen schwarzen Haare, das schöne Gesicht mit den braunen Augen, die schmale und doch athletische Figur..... 'Stopp Boris, reiß Dich zusammen,' dachte er. 'Denk dran, es geht um Robin und nicht um Deine Befindlichkeiten.'
„Ja bitte?“ Tobias Ehrlinger schaute sie fragend an. 'Verdammt, sogar die Stimme ist so was von sexy' dachte Boris.
„Entschuldigen Sie Herr Ehrlinger,“ sagte er, „mein Name ist Boris Saalfeld. Ich bin Streetworker und das ist Robin Richter, Ihr Neffe. Wir bräuchten dringend Ihre Hilfe. Dürften wir reinkommen?“
„Robin? Du meine Güte, ich hätte Dich nie im Leben erkannt. Aber es ist ja auch schon eine ganze Weile her, seit ich Dich das letzte Mal gesehen habe. Mindestens 6 oder 7 Jahre. Aber natürlich, kommt bitte herein.“
Tobias Ehrlinger führte sie in ein großes Wohnzimmer und Boris sah sich interessiert um. Ihm fiel sofort ein großes Bücherregal auf, das von einer Wand zur anderen reichte.
„So, und jetzt möchte ich wissen, warum Sie meine Hilfe brauchen, Herr Saalfeld, aber wenn ich mir den Jungen so ansehe, kann ich es mir schon denken.“ Tobias schaute Boris interessiert an, während er einen Arm um die schmalen Schultern von Robin gelegt hatte.
„Herr Ehrlinger, es geht um Ihren Schwager, Jens Richter. Er ist Alkoholiker und jedesmal wenn er betrunken ist, wird Robin von ihm misshandelt. Eigentlich müsste ich den Jungen in die Obhut des Jugendamtes geben, aber er hat mir erzählt, dass er noch einen Onkel hat und da wollte ich mal mit Ihnen reden, ob Sie Robin nicht aufnehmen könnten. Das wäre allemal besser als ihn in eine Pflegefamilie oder in ein Heim zu geben.“
„Ich weiß, dass mein Schwager ein versoffenes Arschloch ist - sorry Robin - aber dass er den Jungen mißhandelt wusste ich nicht.“
Er strich Robin zärtlich über die Haare. „Klar kann Robin bei mir bleiben, das bin ich schon meiner verstorbenen Schwester schuldig.“
„Ich werde gleich morgen früh mit Frau Schreiner vom Jugendamt reden. Die kann sich dann mit Ihnen in Verbindung setzen, Herr Ehrlinger.“
„Geht klar, Herr Saalfeld. Ich werde Robin jetzt gleich mal im Gästezimmer unterbringen, er kann ja vor Müdigkeit kaum mehr aus den Augen schauen.Würden Sie so lange warten, dann können wir uns noch etwas unterhalten.“
Da hatte Boris gar nichts dagegen, im Gegenteil. Dieser Ehrlinger gefiel ihm ausnehmend gut und er freute sich, noch ein wenig Zeit in seiner Gegenwart zu verbringen.
Während Tobias Ehrlinger Robin ins Bett brachte, betrachtete Boris interessiert die vielen Bücher.
'Du meine Güte,' dachte er, 'da ist ja eine ganze Menge Literatur von meinem Lieblingsschriftsteller
Daniel Gordon dabei. Da haben Robins Onkel und ich ja den gleichen Büchergeschmack.'
Er war noch ganz in die Bücher vertieft, als Tobias Ehrlinger zurückkam. „Robin ist sofort nach dem Duschen eingeschlafen, er war todmüde,“ sagte er, „ich würde sagen, wir unterhalten uns noch ein bisschen. Darf ich Ihnen ein Glas Wein anbieten, Herr Saalfeld? Rot oder weiß?“
„Gerne Rotwein, danke, Herr Ehrlinger. Aber darf ich Sie mal was fragen, ich habe gesehen, dass Sie eine Menge Bücher von Daniel Gordon in Ihrem Regal stehen haben. Das ist auch mein Lieblingsschriftsteller. Ich glaube, ich habe alle Bände von ihm.“
„Ja, ich mag ihn auch sehr,“ erwiderte Tobias und unterdrückte ein Lächeln.
Nachdem sie sich gesetzt hatten, fachsimpelten sie eine ganze Weile über ihren gleichen Büchergeschmack, dann fragte Tobias:“ Und Sie sind also Streetworker, Herr Saalfeld. Das stelle ich mir sehr interessant vor. Da erleben Sie doch allerhand aufregende Sachen.“
„Das ist nicht halb so aufregend, wie Sie sich das vorstellen, Herr Ehrlinger, das geht manchmal schon ganz schön an die Substanz. Aber wenn man dann mal wieder eines dieser Straßenkinder aus der Gosse gerettet hat, ist das die ganze Mühe wert.“
Tobias Ehrlinger betrachtete Boris Saalfeld etwas genauer. Mh, der hatte ein wunderschönes Gesicht, so schöne verstrubbelte blonde Haare, ein Lächeln zum Niederknien und die Figur war auch nicht zu verachten.
Je länger er ihn ansah, desto mehr breitete sich ein warmes Gefühl in ihm aus.
Er war sich sicher, diesen Mann musste er wiedersehen.
Review schreiben