Commilitones 7 - Maler, Mörder und Mäzene

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Claudia Auditore da Firenze Desmond Miles Ezio Auditore da Firenze Leonardo da Vinci OC (Own Character) Shaun Hastings
14.07.2020
11.08.2020
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14.07.2020 651
 
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„Beobachte die Flamme einer Kerze und betrachte ihre Schönheit. Schließe kurz die Augen und schau wieder hin. Was du nun siehst, war vorher nicht da, und was vorher da war, ist nun nicht mehr. Wer entzündet diese Flamme stets neu, die doch ständig stirbt?“
Leonardo da Vinci (1452 – 1519)

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Das Blut an seinen Fingern war das Erste, was ihn an diesem Tag zu wärmen vermochte – einem sterbenden Tag, dessen schwindendes Licht über die Oberfläche des Naviglio Grande tanzte und ihn in einen Spiegel verwandelte. Er blickte nur kurz hinein, ohne Hoffnung, ohne Reue. Das Gesicht eines Mannes zu sehen, der nichts mehr zu verlieren hatte, verdross ihn, und so zog er ein Taschentuch hervor, um seine Klinge von der klebrigen Sünde zu befreien, in der sie gebadet hatte. Dann wusch er sich die Hände, wickelte das befleckte Tuch um einen Stein und versenkte es im Kanal.
Er wusste nicht, was es war, das ihn einige Minuten später zu der Stelle zurücktrieb, an der er seine Fassung verloren hatte – die Stelle, die ihm vor Augen führte, dass er in einen Abgrund gestürzt war, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Wenn er ehrlich mit sich war, wollte er auch keines zulassen. Es tat gut, seiner Wut nachzugeben, und er verspürte nicht das Bedürfnis, sie vor der Welt zu verstecken. Alle sollten sie sehen – jeder glückliche Bastard in dieser Stadt, dem noch eine Zukunft vergönnt war, während er mittellos und entwurzelt dastand, eines Lebens beraubt, das er sich vor einem Jahr noch in den schillerndsten Farben ausgemalt hatte. Sie hatten ihn betrogen, die Adeligen, die Geistlichen, die Gesetzeshüter. All jene, die sich rühmten, die Gesellschaft durch ihre Anwesenheit und ihr Wirken zu bereichern und zu wahrer Blüte zu verhelfen. Was für Heuchler sie doch waren.
Er bückte sich nach der Frau, die halb verborgen im Gestrüpp lag, und zerrte sie an ihren Beinen ins Freie. Dornen verfingen sich in ihrem Habit und boten Widerstand, so als wollten sie die Tote nicht freigeben. Er aber hegte den Wunsch, sie zu präsentieren. Er war ein Jäger und sie seine erlegte Trophäe.
„Die erste“, schnaufte er, als er den Straßenrand erreichte. „Aber nicht die letzte!“
Die Via Grande Seveso, auf der er nun stand, war eine der ältesten Straßen der Stadt, aber hier, abseits des Zentrums, so menschenleer wie eine Taverne zur Sperrstunde. Felder und Viehgatter fanden sich zwischen der Porta Nuova im Norden und der Porta Orientale im Osten, durchsetzt von Höfen und Palazzi, auch wenn sich Letztgenannte mehrheitlich entlang des Kanals befanden. Lebhaftes Markttreiben suchte man in Comacina, wie man dieses Viertel nannte, vergebens, so auch Geschäfte und Gasthäuser. Die einzig markanten Gebäude weit und breit waren die Kirche zu San Babila und die ihr gegenüberliegende Basilika aus dem fünften Jahrhundert, errichtet auf dem Fundament eines römischen Sonnentempels.
‚Eine Opferstätte‘, dachte er und konnte nicht verhindern, dass er kicherte. Er ließ die Tote los und schaute auf sie herab, von Genugtuung erfüllt, die der sich in seinem Geist formende Plan mit sich brachte. Nein, sie würde nicht die Letzte gewesen sein. Sie war nur eine Vertreterin jener pharisäischen Schicht, die ihn ins Verderben gestürzt hatte, noch dazu eine unbedeutende. Ein Auftakt. Die Offenbarung seiner Mission. Eine Wegweiserin.
Er spuckte aus und wandte sich ab. Mochte sie ein Knecht oder Gänsehirte finden und die Kunde in die Stadt tragen, auf dass die Herolde einen Skandal bekamen, den sie in die Menge speien konnten. Er würde ihnen lauschen und lächeln, während er den nächsten Akt seiner Inszenierung plante, seines nach Gerechtigkeit schreienden Kreuzzugs. Er würde der Stadt ein Rätsel aufgeben und sich einen Namen machen, der seine Existenz überdauern würde.
Es war das Mindeste, was er verdiente.
Er lächelte, während er der Straße zurück ins Zentrum folgte, mit reinem Gewissen und einem Lied auf den Lippen, das er vor sich hin summte, während die Dunkelheit über Mailand kam.

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