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Sonnenschein und Handschellen

von Yumestar
GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P12
L Light Yagami Misa Amane Soichiro Yagami
14.07.2020
09.08.2020
10
22.530
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04.08.2020 2.120
 
Träume spiegelten immer nur einen Teil der Realität wider. Sie verzerrten das Bild, das man tagsüber noch so klar vor Augen hatte und wandelten es in etwas Grausames, etwas Verwirrendes. Das Bild seines Vaters wandelte sich in eine verschwommene Gestalt, die Light noch nie zuvor gesehen hatte: Ein pechschwarzes Wesen mit solch grässlichen Flügeln, das ihm bei dem Anblick schlecht wurde. Er dachte daran, was er als Letztes zu sich genommen hatte, das Brötchen, und war sich beinahe sicher, dass er es gleich wiedersehen würde. Er hielt sich den Bauch, wandte den Blick von dem Wesen ab, doch die Gestalt huschte zurück vor seinen Augen. Er stolperte zurück, doch kein Schritt brachte ihn weiter weg von dem Wesen. Er bewegte sich in solch einer verdrehten Welt, dass er nicht einmal sagen konnte, wo der Himmel und wo der Boden war. Links und rechts schienen vertauscht. Oder waren sie richtig herum? Stand er hier etwa falsch?

Light sank auf die Knie, besiegt. Seine Beine hatten nun endgültig unter der Schwere seines Körpers nachgegeben. Er zitterte unkontrolliert, teils aus Angst, teils aus Kälte, die über ihn fuhr und ihm eine Gänsehaut bescherte. Er strich sich über den Arm. Der pulsierende Schmerz ließ ihn genau an seinem Handgelenk stoppen. Eine Kette? Seit wann war er gefesselt? Er schüttelte seine Hand aus, als wäre das Metall eine Schlange, die sich in seine Haut festgebissen hatte. Sie raschelte und Light erschrak. Das Geräusch war ihm fremd. Es irritierte ihm. Und dann stand L vor ihm. Er glaubte, endlich jemand Vertrautes gefunden zu haben. Er streckte die Hand nach ihm aus und hauchte den Namen, den er bei der Eintrittsfeier kennengelernt hatte.
„L…“
Lights Augen weiteten sich, als L sich zu ihm umdrehte. Auf den blassen Lippen lag ein hämisches, fast schon bestialisch großes Grinsen. Hätte L den Mund aufgerissen, war Light sich sicher gewesen, dass es ihn verschlungen hätte.
„Light, du bist Kira. Daran habe ich keine Zweifel.“
Light zuckte mit der Hand weg und strich sich darüber, als hätte er etwas Brennendes angefasst. Sein Handgelenk schmerzte, seine Glieder pochten. In seinen Ohren dröhnten Ls Worte viel zu laut, sodass er sich die Ohren zuhielt.
„Du bist Kira. Du hast all diese Morde begangen.“

Light öffnete den Mund, um laut dagegen zu protestieren, doch seine Stimme versagte. Kein einziger Ton kam über seinen Lippen und er schloss seinen Mund. Nicht einmal leise darüber fluchen konnte er.
„Kira wollte eine Welt voller Gerechtigkeit schaffen, doch seine Methoden sind falsch.“
Wer sagte das? Ls Mund schien sich nicht bewegt zu haben. Überhaupt war die buckelige Gestalt wieder verschwunden und Light saß alleine im Nichts. Und der Schrei, der vorher nicht über seine Lippen kommen wollte, brach aus ihm heraus, ohne dass er die Kontrolle darüber hatte.
All die Angst, die Verzweiflung, die Wut… Sie strömten völlig unbehrrscht aus ihm heraus.
Sein Schrei schallte auch in der Ferne noch wieder. Vielleicht hatte er aber auch mehrmals geschrien. Lights Hals fühlte sich trocken und rau an. Das Durstgefühl nahm von Sekunde zu Sekunde zu. Der Husten brach über ihn wie eine unaufhaltsame Welle, die ihn durchschüttelte. Und als er sich davon beruhigt hatte und aufschaute, blickte er in die Sonne. Hitze überschüttete ihn mit einer Eiseskälte, die ihn heftig frösteln ließ. Ob es sich genauso anfühlte, wenn man in der Antarktis in die Sonne blickte?

Lights Atmung begann zu zittern. Die Atemzüge dehnten seine Lungen immer heftiger und er spürte es so stark, dass er Angst vor seinem eigenen Körper bekam. Was war nur los mit ihm? Wo war er? Und wie konnte er dem entkommen?
Bevor er überhaupt die Antwort wusste, öffnete sich unter ihm der Himmel (?). Er blinzelte. Dann war er sich sicher, dass er auf den Wolken lag und dass diese gerade wegbrachen. Er drehte sich nach links, fiel aber nach rechts, direkt in den Abgrund. Er schrie ein weiteres Mal. Jemand anderes schrie auch. Etwas packte ihn am Nacken. Etwas anderes an der Hüfte. Irgendetwas stieß an seinen Hintern. Er öffnete die Augen und sah ein Licht.
Noch nie zuvor war er so erleichtert gewesen, eine Lampe gesehen zu haben.

„Light…?“ Ls Arme zitterten unter dem Gewicht, dass er zu tragen hatte.
Dann purzelte L zur Seite, stieß gegen den Tisch und hatte Light auf seinen Beinen liegen. Aber irgendwie schaffte er es noch, dass er Lights Kopf sicher unterm Arm hatte. Eine Gehirnerschütterung war das letzte, was sie jetzt gebrauchen könnten.
Misa erschrak und sprang vom Sofa auf. Die Schwäche war über den Schock vergessen und sie kniete sich zu den beiden, nicht wissend, ob sie weiter erschrocken oder kichern sollte. Oder doch lieber eifersüchtig werden wollte.
Lights Kopf lag in Ls Armen und seine Stirn ruhte gegen Ls Brust. Lights Beine lagen ausgestreckt auf den angewinkelten Knie, die unter solch einem Gewicht heftig zitterten. Ls Hand ruhte noch auf Lights Hüfte, doch er zog sie langsam weg. Dann betrachtete L die Kette, welche sich mehrmals um seinen Arm und um Lights Bein gewunden hatte. Für Misa musste es bestimmt wie ein Knotenchaos aussehen. Für L war das Rätsel hingegen schnell gelöst.

„Misa, halt mal die Kette fest“, wies L sie an.
Misa nickte und griff mit der wenigen Kraft, die sie besaß, die Kette. Als sie diese fest zwischen den Fingern hielt, drehte L seinen Arm wie einen Propeller, um sich von der Kette zu befreien. Als diese locker von seinem Handgelenk baumelte, nickte er einmal zufrieden. Misa ließ die Kette los und seufzte einmal auf.
„Ganz schön anstrengend.“
„Wem sagst du das“, meinte L.
Dann wandte er sich an Light und rüttelte leicht an dessen Schulter.
„Jetzt bist du dran, Light. Du musst dich bewegen.“
Light grummelte, schaute aber zu L hoch. Er fand nicht die Kraft zu sprechen. Zu trocken war seine Kehle. Light wandte den Kopf zum Husten weg. Dann atmete er tief durch und versuchte sich mit dem Armen hochzudrücken. Beim ersten Versuch fiel er mit dem Kopf zurück auf Ls Arm, beim zweiten Versuch schaffte er es, für kurze Zeit eigenständig zu sitzen.

Als L sich aber aufgerappelt hatte, lehnte Light bereits wieder an ihm.
„Sorry“, murmelte er leise.
„Bist du wirklich so schwach, Light?“, wollte L wissen. Es schien, als würde sich ein kleiner Hauch Sorge in seine Stimme geschlichen haben. Vielleicht war das aber auch bloß die Verwirrtheit, die Light so denken ließ.
„Hm-Hm“, machte Light nur und konzentrierte sich auf seine Atmung, die viel zu schnell war. Selbst L konnte hören wie schnell er ein und ausatmete, da Light laut atmete. Und ihm entging auch nicht das Rasseln, das klang als würden Nägel in Lights Lungen hin und her bewegt werden.
„Das klingt nicht gesund“, murmelte L, gerade so laut, dass es Light hören konnte.
„Hm?“, machte Light und schielte unauffällig zu L hinüber, nicht wollend, dass Misa irgendetwas von dem Gespräch mitkam. So wie sie auf den Boden kniete, den Kopf ans Sofa gelehnt, wollte er sie nicht weiter stressen.
L verstand und flüsterte, „In deinen Lungen scheint etwas festzusitzen. Du könntest ersticken.“
„Ryuzaki.“ Light stieß ein Seufzen zwischen seinen schnellen Atemzügen aus.
„Ich mein ja nur. Ich dachte, ich warne dich vor.“
Light verrollte die Augen. Auch wenn er nicht ganz klar denken konnte, war er sich sicher, dass er nicht ersticken würde. Zwar fiel ihm das Atmen gerade ungemein schwer, doch seine Lungen erschienen ihm noch kräftig genug. Der nächste Atemzug schmerzte und stach in seiner Brust, aber er glaubte nicht, dass ihm die Lungen versagen würden.

„Brustschmerzen?“, fragte L nach.
Er musste bemerkt haben, dass Light sich an die Brust gefasst und sein Hemd an der Stelle zerknittert hatte.
„Etwas“, entgegnete Light heiser und räusperte sich, doch seine Stimme klang immer noch belegt, „Nicht so wild.“
„Nicht so wild heißt also, dass es ziemlich schmerzt?“, schlussfolgerte L und griff Light unter den Arm. Er setzte ihn gerade auf und drückte Lights Kopf von seinen Schultern, um endlich frei zukommen.
„Behalt eine gerade Sitzposition bei“, wies L ihn an, während er selbst aufstand. Er musste sich am Tisch stützen, um seine Beine langsam wieder an die Belastung des Stehens zu gewöhnen. Zu schwer hatte Light auf diesen gelegen. Auch seine Schulter war steif vom Anlehnen gewesen. Und sein Körper…. Er schauderte wohlig in der neugewonnenen Freiheit.

L half kurz Misa zurück aufs andere Sofa, eher er sich wieder Light zuwandte und sein Bein aus den Ketten befreite.
„Wovon hast du eigentlich geträumt, dass du dich dafür sogar aus dem Bett geworfen hast?“, fragte er, ohne seinen Blick von den Fesseln zu nehmen. Sie hatten sich fest an Lights Bein geklammert, teilweise drückte sie sich ins Fleisch. Wenn L sie nicht bald lösen würde, würden bestimmt Blutergüsse zurückbleiben.
„Himmel“, murmelte Light und rieb sich durchs Gesicht, um wacher zu werden. Kurz hielt er die Hände an seinen Mund, völlig fasziniert und geschockt davon, wie heiß sein Atem war. Und wie kalt ihm gleichzeitig war. Es schien als würde er dieser Eiswüste niemals entkommen.
„Himmel?“, hinterfragte L und zog an einem der Kettenglieder, um es vom Bein zu lockern.
„Du hast vom Himmel geträumt?“
„Es war seltsam“, erklärte Light. Seine Worte klangen staubig und trocken. L reichte ihm ein Glas Wasser und er trank einen Schluck, bevor er weitersprach. Seine Stimme zitterte. „M-Mein Vater war da… Und du auch. Und Kira…“
L horchte auf. „Kira war da?“
Light schüttelte den Kopf und hielt zwei Finger gegen seine pochenden Schläfen. Er konnte sich kaum noch an den Traum erinnern.
Schließlich sagte er leise, „Du hast mich für Kira gehalten.“
„Der L in deinem Traum war schlau“, meinte L und hob Lights Bein, um die Kette abzuwickeln.

Light hielt sich am Sofa und Tisch fest, um nicht den Halt zu verlieren. Seine Hände zitterten dabei.
„Ryuzaki“, stöhnte Light, „Bitte, beeil dich.“
„Ich habe es gleich.“
L bewegte noch einmal seine Hand um Lights Bein, bis sich die Kette endlich löste. Sie rollte sich auf den Boden ein wie eine Schlange, die in den Schlaf gefallen war. L beobachtete sie dabei und war so fasziniert davon, dass er ganz vergaß, Lights Bein loszulassen.
„Ryuzaki.“
L wandte sich zu ihm, bemerkte es mit einem „Oh“ und stellte Lights Bein zurück auf den Boden. Dann hockte er sich vor Light hin.
„Kannst du schon aufstehen?“
Light schüttelte den Kopf. Schwindel überkam ihn und er lehnte seinen Kopf gegen das Sofa. Er kämpfte gegen die Übelkeit und gegen das Gefühl der Ohnmacht an. L berührte ihn vorsichtig an der Wange und sorgte dafür, dass er die Augen offen hielt.
„Bleib wach, Light Yagami.“
Warum er ihn bei vollen Namen nannte, blieb Light ein Rätsel. Vermutlich sollte es ihn an die Worte einer Krankenschwester erinnern. Dann wäre auch die Berührung nicht so furchtbar seltsam gewesen.

Ls Hand fühlte sich an seiner Wange kühl an, geradezu angenehm. Light wollte sich gerade mehr auf die Berührung einlassen, als L die Hand wegzog.
„Dein Fieber ist schlimm“, sagte er und musterte Light nachdenklich.
„Ich weiß“, hauchte Light und hustete. Sein Fieber fühlte sich furchtbar an, so als hätte man ihm an einem heißen Sommertag zusätzlich einen heißen Topfdeckel auf den Kopf gelegt. Er wäre dankbar für jede Art von Kühlung gewesen… Nur leider kühlte der Schüttelfrost lieber seinen Körper, als seinen Kopf hinunter. Er zitterte, obwohl ihm so verdammt warm war.
„Wir messen lieber nochmal nach“, meinte L und schnappte sich das Fieberthermometer vom Tisch. Er hielt es mit zwei Fingern am Ende fest und drückte es Light in den Mund. Kurz hustete Light, hielt dann aber das Fieberthermometer still unter seiner Zunge fest.

Das Piepen klang wie eine Erlösung, den er musste wieder husten. Und dieses Mal durchschüttelte der Husten so fürchterlich, dass sein ganzer Körper davonzuckte.
„40,7.“
Als L den Wert aussprach, hielt Light es zunächst für einen Scherz. Doch L war niemand, der scherzte. Light schluckte und wollte sich den Wert gar nicht einmal zeigen lassen, doch schließlich riskierte er einen Blick.
40,7°C. Verdammt, war das hoch. Er blinzelte noch einmal, doch die Zahl änderte sich nicht. Und dann verschwand sie, als L das Thermometer ausschaltete und weglegte.
„Das ist nicht normal.“ L sprach die Worte langsam aus, als würden sie ihm zum Nachdenken bringen. Doch da war auch ein gewisser Schock in Ls kühlen Blick. Genau das war es, was Light so beunruhigte. Er erinnerte sich an Ls Theorie und Panik überkam ihm.
Was ist, wenn Kira mich wirklich umbringen will?
Werde ich jetzt etwa… sterben?

Ich hab deutlich zu viel Spaß daran, Light zu quälen.
Gleichzeitig genieße ich das Shipping, das sich mir bietet. Ich meine, die Szene, in der L Lights Wange berührt, ist wirklich knuffig ^^
Langsam wird es wirklich ernst für Light. Oh ho, mal sehen wie L gleich reagieren wird~
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