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Sonnenschein und Handschellen

von Yumestar
GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P12
L Light Yagami Misa Amane Soichiro Yagami
14.07.2020
09.08.2020
10
22.530
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04.08.2020 2.437
 
In der Stille schien die Standuhr dramatisch laut zu ticken, so als würde sie jeden Moment einen Tod vorhersagen. In Ls Kopf klang das Lied My grandfather’s clock wieder, in welchem die Uhr zum Todeszeitpunkt des Großvaters stehen geblieben war. L warf einen kurzen Blick zu der Standuhr. Die Zeiger bewegten sich mit einem rhythmischen Ticken voran. Ls Blick fiel zurück auf Light, dessen Brust sich hob und sank. Sein leises Schnarchen klang genauso laut wie das Ticken der Uhr.
„Ryuzaki, ist das nicht etwas pervers?“, fragte Misa, die zu Ls Unglück nicht eingeschlafen war. Zwar war das Mädchen heute dank der Krankheit stiller als gewöhnlich, trotzdem durchlöcherte sie L ständig mit irgendwelchen unnötigen Fragen, bei denen er nur verwirrt den Kopf schief legen konnte.
„Hm?“, machte L, ohne den Blick von Light zu heben.
„Na, du starrst Light die ganze Zeit an. Während er schläft.“
„Oh“, war Ls einzige Reaktion.
Doch selbst als er dies wusste, konnte er seinen Blick nicht von Light lassen. Etwas an Lights Zustand interessierte ihn, nein, faszinierte ihn gar. Er starrte Light wie gebannt an, als hätte L noch nie einen Schlafenden gesehen.

Light lag auf dem Rücken und hatte den Arm zum Schutz vor dem Licht über seine Augen gelegt. Seine Haare sahen etwas durchwuschelt aus, von all den Malen, bei welch er sich unruhig hin und her bewegt hatte. Seine Wangen waren gerötet und sein Mund war leicht geöffnet. Ab und an konnte L ihn leise murmeln hören. Hauptsächlich atmete Light aber nur. Tiefe, lange Atemzüge. Ls Pupillen weiteten sich, als hätte er etwas entdeckt, dass seine ganze Aufmerksamkeit forderte. Doch da war nichts. Zumindest nichts Offensichtliches.
„Boar, Ryuzaki, lass das“, murrte Misa und klang eifersüchtig, „Du siehst ja fast schon verliebt dabei aus.“
„Verliebt?“ L steckte den Daumen in den Mund und kaute an seinem Nagel, als würde ihm dadurch ein Licht aufgehen. Doch da war kein Licht. Nur Light.
„Sehe ich nicht“, sagte er schließlich.
Misa seufzte und hustete, „Idiot.“
„Auch Idioten haben ein Herz“, gab L zu Bedenken und kaute weiter an seinem Daumennagel. Schließlich gab er dieses Verhalten aber auf und nagte stattdessen an einem Keks.
Was war das nur für ein seltsames Gefühl? Er spürte, wie sein Herz schneller klopfte. Etwa ein Herzinfarkt? Versuchte Kira ihn etwa zu töten?
Er biss kräftig in den Keks, der zwischen seinen Zähnen zerbröselte. Krümel fielen dabei auf das Sofa und auf die Decke, die L an sich genommen hatte. Light hatte sie wieder einmal weggestrampelt.
Nein, es wird mir noch einfallen, sagte L sich, ja geradezu musste er sich beruhigen. Denn es machte ihn teils wahnsinnig, nicht zu wissen, was ihm aufgefallen war. Vielleicht wollte er es auch einfach nicht wahrhaben.

„Ryuzaki?“
Als Misa ihn bei seinem Decknamen rief, fiel ihm glatt der Keks aus der Hand.
„Ja?“
„Seid ihr wirklich Freunde? Also, Light und du?“
„Ja“, antwortete L ohne Zögern und hob den Keks auf. Er entfernte eine Teppichfluse und biss hinein. Mit vollen Mund fügte er hinzu, „Wir doch auch, Misa.“
„Ja, schon, aber…“ Misa seufzte und sank noch tiefer ins Kissen. Dann murmelte sie, „Aber wenn ich dich so mit Light sehe, werde ich glatt eifersüchtig.“
„Warum das?“
„Na, weil du ihm so nah bist.“
„Ich bin an ihn gekettet.“
L nahm den letzten Bissen von seinem Keks und schluckte ihn runter. Er spülte mit einem Glas Milch nach und nahm dann einen Schluck von seinem kalten Tee. Misa verzog beim Zuschauen das Gesicht.
„Du bist seltsam“, sagte sie schließlich.
„Ich weiß.“ L nahm sich einen Pandakeks und zerbröselte ihn mit den Fingern. Dann ließ er die Krümel in seinen Mund rieseln als wäre es Zucker und sein Mund der Kuchen, der damit versüßt wurde.
Misa verzog erneut das Gesicht und meldete dann, dass sie sich auch schlafen legen würde. An der Art wie sich ihre Decke hob und sank, konnte L aber sehen, dass sie nicht eingeschlafen war.
L wandte den Blick ab und beobachtete weiter Light.

Nach stundenlangen Beobachten fielen L die Augen zu. Sein Kopf stieß gegen die Sofalehne und seine Hände fielen ihm auf die Knie, die er angewinkelt hatte. Noch bevor der Schlaf über ihn herfiel, dachte er über all die Dinge nach. Light und Misa waren krank. Lights Zustand verschlechterte sich. Deckte sich das nicht mit der Annahme, dass Light der erste Kira und Misa der zweite Kira war? Vielleicht machten einen die Kira-Fähigkeiten früher oder später krank?
Und da Light diese vermutlich zuerst hatte… L öffnete die Augen, als er glaubte, seinen Namen gehört zu haben.

„Ryuzaki, schläfst du?“, fragte Light und rieb sich die Augen. Er streckte sich einmal, verzog aber das Gesicht, als ein stechender Schmerz durch seine Glieder fuhr. Er sank zurück ins Kissen und stieß ein erledigtes Seufzen aus.
„Ich schlafe nicht, Light“, entgegnete L in einem belehrenden Tonfall und setzte sich auf. Er beugte sich näher zu Light hinüber und musterte ihn, „Wie fühlst du dich nach all den Stunden Schlaf?“
„Als hätte mich die Dampfwalze aus meinem Traum platt gewälzt“, antwortete Light heiser und hing ein kleines Lachen hintenan. Prompt durchschüttelte ihn der Husten.
„Warum hast du von einer Dampfwalze geträumt?“, wunderte sich L und legte den Kopf schief.
„Weiß nicht.“ Light zuckte mit der Schulter. „Träume eben.“
„Hast du vom Töten geträumt?“
„Ryuzaki!“ Light wollte laut werden, doch seine Stimme untersagte es ihm. Krächzend fuhr er fort: „Nein, habe ich nicht. Es war wirr und seltsam. Ein typischer Fiebertraum.“
„Typisch sagst du?“ L legte den Finger an den Mund, als würde er etwas länger über die Worte nachdenken. Schließlich nickte er, „Kann schon sein, dass solche Träume für Fiebernde gewöhnlich sind.“
Light rollte die Augen. Er hätte wohl darüber gescherzt, dass Ryuzaki keine Ahnung hatte, wenn die Schmerzen in seinem Hals nicht so stark gewesen wären.

Light rieb sich den Hals und deutete mit einem Blick auf das leere Glas.
„Trinken?“, fragte L nach. Light nickte. L schüttete ihm ein neues Glas Wasser ein und reichte es ihm. Light kämpfte sich durch die Schmerzen und setzte sich auf. Seine Arme zitterten stark, als er sich auf diese stützte. Noch bevor er eine angenehme Position annehmen konnte, rückte L mit dem Glas näher und setzte es an Lights Lippen an.
„Trink einfach“, forderte L ihn auf. Das Drängen in seinem Ton rührte wohl daher, dass diese Nähe für L mehr als unangenehm war.
Auch Light hatte das unangenehme Gefühl, dass gerade nicht nur das Wasser, sondern auch sein Stolz dahinfloss. Er konzentrierte sich daher darauf, so schnell wie möglich das Glas zu leeren, wobei er sich verschluckte. Kaltes Wasser spritzte bei dem Hustenstoß auf sein Hemd und seine Hose. Er wendete seinen Blick ab und dachte gar nicht mehr daran, jetzt noch den kleinen Rest im Gras zu trinken.
L stellte das Glas weg und musterte Light. Mit den vor Scham geröteten Wangen und dem frustrierten Blick sah er fast schon niedlich aus. Aber nein, das war nicht, was L dachte.
„Du bist ganz schön ungeschickt.“
„Ryu…“ Light hustete, noch bevor er den Namen zu Ende aussprechen konnte. Er ließ sich zurück aufs Kissen fallen und legte die Hand auf seine Brust. Die nasse Stelle am Hemd erinnerte ihn schmerzvoll daran, wie erbärmlich er gerade war. Und das auch noch vor L!
Wäre er noch ein kleines Stück röter im Gesicht geworden, hätte er wie ein Streichholzkopf ausgesehen.

„Hast du Schmerzen?“, fragte L und zog an der Kette, um Lights Hand anzuheben.
„Hm-Hm“, war das einzige, was der von Peinlichkeit besiegte Light dazu sagen konnte. Dann hob er den Kopf und wunderte sich über die Art, wie L seine Hand musterte. Als könnte er an den paar Falten den Gesundheitszustand ablesen.
„Du bist gerade ziemlich schwach“, äußerte L und ließ Lights Hand wieder gleiten. Die Art wie er es machte, erinnerte Light an einen Puppenspieler.
Toll, bin ich jetzt seine Marionette, oder was? dachte Light sich. Er hätte die Arme vor die Brust gekreuzt, wenn die jetzige Position für ihn nicht so bequem gewesen wäre.
„Es geht“, antwortete er verzögert. Seine Augen waren nur halb geöffnet.
„Nein, dir geht es nicht gut“, korrigierte L ihn und forderte ihn mit einem Nicken auf, „Geh wieder schlafen, Light.“
„Aber…“ Light stieß ein Seufzen aus, überdachte seine Situation und schloss die Augen. Er fragte sich schließlich aber doch, warum er auf L hörte.
Kann zwar sein, dass er ein guter Detektiv ist, dachte Light und schüttelte innerlich den Kopf, Aber er hat mich nicht so rumzukommandieren.

Light öffnete die Augen und sah zu L. Tatsächlich schien es, als wäre keine einzige Sekunde vergangen, so regungslos hockte L da. Als L jedoch die Augenbewegung von Light bemerkte, ruckte er mit dem Kopf hoch.
„Geh wieder schlafen, Light“, wiederholte er im monotonen Ton, „Du bist erschöpft.“
Light wollte ihn fragen, warum er das so genau wissen, schüttelte aber nur langsam mit dem Kopf. Sicher machte er auf L nicht gerade den wachsten und gesündesten Eindruck. Wahrscheinlich lag er auf dem Sofa wie ein Betrunkener, der seinen Rausch noch ausschlafen musste. So fühlte er sich auch. Sein Schädel brummte, seine Glieder schmerzten, seine Stirn glühte, sein Körper war kalt. So ging er Ls Aufforderung nach und schloss die Augen. Seine Sorgen und Gedanken vermischten sich mit Bildern, die man nur kurz vor dem Einschlafen haben konnte.
Und er ahnte schon jetzt, dass der Traum, den er bekommen würde, kein Angenehmer werden würde.

L beobachtete Light eine zeitlang, schlief aber vor Langeweile ein. Er lehnte mit dem Kopf an der Sofalehne, daher spürte er die Vibration, als Light so heftig zitterte. L schlug die Augen auf, blinzelte eins, zweimal und rappelte sich dann auf, um Light zu begutachten. Schon trat ein Fuß nach ihm. L wich aus und landete mit beiden Füßen sicher auf dem Boden.
„Nicht sehr nett“, murmelte er. Dann ging er zu Light hinüber und musterte ihn. Light hatte das Gesicht zu einem schmerzvollen Ausdruck verzogen. Seine Arme warf er über den Kopf, als wollte er sich vor einen Steinschlag schützen. Seine Hände verkrampften, während er sich die Haare raufte. Seinen Körper krümmte er, als versuchte er damit die Schmerzen loszuwerden. Er windete sich, als wollte er die schwere Belastung von sich schütteln. L legte vorsichtig eine Hand auf Lights Stirn und zog diese schnell weg, als er glaubte, sich daran zu verbrennen.
„Lights Fieber ist erneut gestiegen“, murmelte er gerade laut genug, dass Misa es hörte und aus ihrer Decke hervorkroch.

„Light geht es schlechter?“, fragte sie das Offensichtliche.
L nickte ihr kurz zu und knabberte an seinem Daumennagel, als überlegte er, was er als nächstes tun sollte.
„Weck ihn“, krächzte Misa ihm zu. Wäre sie nicht so heiser gewesen, hätte sie Light wohl aus dem Schlaf geschrien.
„Wecken?“, wunderte sich L. Er stupste Light vorsichtig an der Schulter an als wäre er ein Mensch, der einen gefährlichen Löwen wecken sollte.
Light reagierte mit einem Zucken und krümmte sich nur mehr zu einer Kugel zusammen. Und dann schrie er. L stolperte zurück und knallte mit dem Rücken gegen den Tisch. Er rieb sich über seinen Buckel und sah dann zu Light, der schwer atmete.
„Nicht… Vater…“, keuchte er und biss die Zähne zusammen, „Nicht schießen… Ich bin nicht Kira.“
„Das werden wir ja noch sehen“, murmelte L und berappelte sich wieder. Er steckte die Hände in die Hosentaschen und machte ein paar Schritte auf Light zu. Plötzlich war Lights Alptraum für ihn interessant geworden.
Wer weiß, vielleicht plaudert er Interessantes aus?
Er ignorierte Misas heiseren Rufe, er solle Light doch endlich wecken, und hockte sich aufs Sofa.
Komm schon, plaudere Light, forderte er ihn im Gedanken auf, Ich weiß doch, dass du Kira bist.

Sein Blick huschte kurz zu Misa, die sich aufgesetzt hatte. Sie wartete noch darauf, dass das Schwindelgefühl weggehen würde. Die Füße hatte sie bereits auf den Boden gestellt.
„Was wird das, Misa?“, wollte L wissen.
„Wenn du Light nicht rettest, dann tue ich es“, sagte sie. Trotz der Müdigkeit klang sie entschlossen, so als würde sie auch am Sterbebett noch ihr Leben für Light opfern.
L deutete mit einer Handbewegung an, dass sie sitzen bleiben sollte, „Ich hab alles unter Kontrolle.“
„Hast du nicht“, schimpfte Misa und hustete, „Mein armer Light träumt schlecht, weil du ihn gequält hast!“
Wieder hustete sie, dieses Mal aufgrund der Lautstärke, die sie für diese Worte gewählt hatte.
„Ich? Ihn gequält?“ L schaute zu Light und knabberte an seinem Daumennagel, als würde er darüber nachdenken. Aber er schüttelte den Kopf, „Daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.“
„Du hast Lights Vater dazu animiert, eine Waffe auf seinen Sohn zu richten“, erinnerte Misa ihn, „Kannst du dir vorstellen, wie schrecklich das für ihn und Light gewesen sein muss? Ich hätte mir vor Angst in die Hose gemacht, wenn jemand aus meiner Familie das getan hätte.“
„Aber deine Familie ist tot, Misa.“
Misa öffnete den Mund, brachte aber vor Fassungslosigkeit keinen Ton heraus. Schließlich schüttelte sie nur mit dem Kopf und kreuzte beleidigt die Arme vor die Brust. Warum sollte die diesem Spinner überhaupt noch irgendetwas erzählen?

Stattdessen blickte sie zu Light, der noch immer mit dem Alptraum kämpfte. Er drehte sich auf die Seite, riss dabei die Decke zu sich und warf sie über sich, als wäre er darunter sicher. Doch auch innerhalb der stauenden Hitze hörten die Qualen nicht auf. Er hustete so stark, dass Misa sich erhob. Dann sank sie wieder aufs Sofa zusammen. Mit der Hand fächelte sie sich Luft zu, um den Schwindelgefühl entgegenzukommen.
Light, halt bitte durch, dachte sie. Still für ihn beten war das einzige, was sie in diesem Moment für ihn tun konnte. Sie legte sich zurück aufs Sofa, faltete die Hände zusammen und auch wenn sie vorher niemals allzu religiös gewesen war, wisperte sie ein leises Gebet vor sich hin, „Lieber Gott, mach, dass mein Light ganz ganz schnell wieder gesund wird, ja? Lass ihn nicht sterben, Amen.“
„Betest du zu Kira?“, wunderte sich L und musterte sie mit seinen großen Augen.
Sie schüttelte schnell den Kopf und deutete dann zu Decke, „Dieses Mal glaube ich an den Gott da oben.“
L zuckte mit der Schulter und wandte sich wieder Light zu.
Komm schon, mach endlich einen Fehler.
Ich warte.
Kira.

Und es wird spannend!
Seriously, Light leidet ein bisschen viel. Jetzt hab ich auch noch eine private Sickfic, in der er die Grippe hat und halbsterbend Namen aufschreiben muss (und dafür sorgen muss, dass seine Mutter ihn nicht ins Krankenhaus verfrachtet XD)
Light, tut mir leid, schreib mich bitte nicht in dein Death Note …
Sollte die Geschichte nicht mehr geupdatet werden, hat Light mich umgebracht :D (Aber die Geschichte wird weitergehen!)
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