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Sonnenschein und Handschellen

von Yumestar
GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P12
L Light Yagami Misa Amane Soichiro Yagami
14.07.2020
09.08.2020
10
22.530
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31.07.2020 2.223
 
„Das ist alles, was Sie brauchen, Ryuzaki?“, fragte Watari, der noch eine Platte Kekse auf den Tisch stellte.
L begutachtete die gebrachten Sachen; ein Fieberthermometer, ein paar Tücher, Wasserflaschen, Knabberkram, Medikamentenpackungen und weiteres. Dann nickte er knapp.
„Und das hier.“
Watari hielt ihm den silbernen Laptop hin, doch L lehnte mit einer Handbewegung ab.
„Hab mich vorerst aus den Ermittlungen genommen“, erklärte er knapp.
Die Braue des alten Mannes verzog sich kurz verwundert nach oben, doch er machte keine Anstalten, Ls Handlungen zu hinterfragen. Stattdessen legte er den Laptop auf den Schrank und verließ das Zimmer.
L schaute ihm nach. Sein Blick fiel dann auf den Laptop, denn er schleunigst aus seinem Blickfeld bannen musste. Er legte ein Buch und ein paar Hefte darauf, damit er gar nicht erst in Versuchungen käme.

„Du scheinst es wirklich ernst zu meinen, Ryuzaki“, merkte Light an. Er nahm einen Schluck von dem Wasser, das ihm gebracht wurde. Das Schwindelgefühl war fast verschwunden.
„Deine Krankheit scheint es ernst zu meinen“, sagte L kühl und blickte sich um. Watari hatte auch ein Medizinbuch mitgebracht, doch er konnte es auf Anhieb nicht finden.
Misa kicherte und deutete auf den Schrank. L stieß ein lautloses Seufzen aus und trottete dorthin. Seine Finger glitten kurz über den Laptop. Die Versuchung, weiter am Fall zu arbeiten war groß, doch seine Entschlossenheit siegte. Er nahm das Medizinbuch an sich und ging mit dem dicken Wälzer zurück zum Sofa.
„Eine einfache Erkältung wird das wohl kaum sein“, sagte er und legte das Buch offen auf den Tisch. Er sprang aufs Sofa, hockte sich hin und blätterte die Seiten durch. Dabei griff er mit der linken Hand die rechte Seitenecke und schlug sie um. Dann blätterte er mit der rechten Hand die linke Seite auf dieselbe Art um. Immer im Wechsel. Und das war nicht das einzig Seltsame.
„Sag bitte, du überfliegst die Seiten nur“, meinte Misa. Es klang wie eine stille Hoffnung, die L ihr augenblicklich zerstörte.
„Ich habe sie gelesen, aber sie sind unrelevant.“
„Kann ich auch sehen?“, fragte Light. Der Schmerz in seinem Kopf hatte etwas nachgelassen und er fühlte sich bereits gut genug, um nicht untätig daneben zu sitzen.
„Du, Light, du ruhst dich aus“, ermahnte L ihn und schaute kurz zu der Kamera, „Dein Vater ist beängstigend, wenn er wütend ist.“
„Mein Vater ist harmlos“, entgegnete Light und lehnte sich zurück. Er stieß ein Husten aus und fasste sich mit der Hand an die Brust.
„Hast du Schmerzen beim Atmen?“, wollte L wissen. Seine Hände ruhten und das Medizinbuch blieb auf der Seite über Atembeschwerden stehen.
„Nein. Nur beim Husten“, erklärte Light und hustete wieder, wobei er das Gesicht verzog, „Es ist nicht schlimm, nur unangenehm.“
Ls Blick wandte sich zu Misa, „Und du, Misa?“
„Nur Schmerzen im Hals.“
„Eure Symptome sind etwas unterschiedlich“, bemerkte L und blätterte weiter.

„Kümmere dich bitte ganz um Light, Ryuzaki“, bat Misa und spielte mit dem Deckenzipfel, „Es geht ihm schlechter als mir und das will ich nicht.“
„Willst du also, dass es dir schlechter als ihm geht?“
„Nein, so meinte ich das nicht“, murmelte Misa und schmollte, „Du bist zwar schlau, aber manchmal auch ziemlich dumm.“
„Eher etwas schwer vom Begriff“, meinte Light und lachte heiser. Als er Ls genervten Blick bemerkte, fügte er schnell hinzu, „Aber jeder hat so seine Macken.“
„Manche mehr und manche weniger“, flüsterte Misa und kicherte leise. Dann lächelte sie verträumt, „Aber mein Light hat keine Schwächen. Er ist perfekt!“
„Misa, ich bin auch nicht perfekt“, meinte Light und räusperte sich. Ob er jetzt wegen Misas Worten oder wegen dem Fieber errötete, wusste er selbst nicht so genau.

„39,2°C“, las L von dem Fieberthermometer ab, „Dein Fieber hat einen ganz schön großen Sprung gemacht.“
Er legte das Thermometer auf Seite und betrachtete die Utensilien, die auf dem Tisch verstreut lagen. Ob eines dieser Medikamente gegen das Fieber helfen könnte? Ab wann sollte Fieber gesenkt werden? Und wie hoch durfte es überhaupt sein?
Etwas ratlos wendete er den Blick zu Light.
„Du hast wirklich keine Ahnung?“, erkundigte sich Light und hob eine Augenbraue, um seine Verwunderung zu unterstreichen.
„Theorie und Praxis unterscheiden sich“, antwortete L mit einem Schulterzucken, als wäre es keine große Sache.
Light seufzte. „Ich glaube, ich gebe mich erstmal mit einem kalten Umschlag zufrieden.“
L nickte und wandte sich wieder den Utensilien am Tisch zu. Er hob eines der Tücher hoch und musterte es als wäre es ein neue Art von Gespenst. Dann griff er zu einer der Wasserflaschen.
„Waschbecken, Ryuzaki“, lenkte Light ein. Dann verzog er das Gesicht. Musste er dem schlausten Detektiv der Welt gerade wirklich erklären, wie man einen kalten Umschlag machte?
„Oh“, machte L nur und richtete sich auf, „Das ist aber ein bisschen weit weg.“
Er schielte zu dem Waschbecken, welches sich einen Meter von ihm entfernt neben der Tür befand. Er machte ein paar Schritte darauf zu und schaute immer wieder zu der Kette. Es schien, als würde er nur diesen einen Moment abwarten, in dem sich die Kette so stark anspannen würde, dass er nicht weiterkäme. Doch dieser Moment kam nie.

Er erreichte das Waschbecken und alles, was dafür nötig war, war ein ausgestreckter Arm von Light.
„Tauch das Tuch in lauwarmes Wasser“, wies Light ihn an.
„Lauwarm?“ L starrte auf die Armaturen, als hätte er vergessen, wie sie funktionierten.
„Ein bisschen kaltes Wasser ist auch okay“, meinte Light und stöhnte, „Bitte, beeil dich. Mein Arm erhängt sich gleich.“
L nickte, als wollte er sich selbst ermutigen. Er drehte den Wasserhahn auf und ließ kaltes Wasser über das Tuch laufen, bis dieses ganz nass war. Er schloss den Hahn wieder und ging mit dem nassen Tuch zum Sofa. Dabei transportierte er es, als wäre es ein zerbrechliches Ei. Beim Sofa angekommen legte er den kalten Umschlag auf Lights Stirn.

Light stieß ein langes, entspanntes Seufzen aus, als sein glühender Kopf endlich auf die Kälte traf. Er schauderte kurz, nicht aber aus Unbehagen, sondern weil seine Kopfschmerzen kurz stärker geworden waren. Und dann ließen die Schmerzen genauso plötzlich wieder nach.
„Schon seltsam“, murmelte Light vor sich hin und legte eine Hand auf seine Stirn, als wolle er das kalte Tuch auf einer Stelle halten.
„Hm?“, machten L und Misa gleichzeitig. Ihre Blicke fielen auf Light, der sich etwas rekelte.
„Die Schmerzen kommen und gehen, wie es ihnen beliebt“, sagte er, doch es klang wie ein Flüstern. Er schaute zu den beiden und lächelte schwach, „Ihr seht mich an, als wäre ich krank.“
„Du bist krank“, erinnerte L ihn und legte vorsichtig eine Hand auf Lights Stirn. Aufgrund des kalten Umschlages konnte er aber nicht genau sagen, ob das Fieber stärker geworden war. Aber so wie Light sich benahm, glaubte er, dass es um einen weiteren Grad gestiegen war.

„Ich gebe dir lieber ein Medikament“, murmelte L und betrachtete die Packungen, auf denen allerlei lateinische Begriffe standen. Er steckte sich den Daumen in den Mund und griff mit der anderen Hand nach einer der Packungen.
„Du hast aber schon Ahnung, oder, Ryuzaki?“, fragte Misa und hustete in die Decke. Die nächsten Worte kamen ihr nur krächzend über die Lippen, „Nicht, dass du Light noch vergiftest.“
„Ich? Light vergiften?“ L zeigte sich überrascht und schüttelte den Kopf, „Das würde ich niemals tun.“
„Dann nimm Paracetamol und nicht das, was du da in der Hand hältst“, meinte Misa und schob mit ihrem Finger eine Packung näher an L, „Das nehme ich auch immer, wenn ich Fieber habe. Oder bei Lampenfieber.“
L lachte nicht über ihren Witz, sondern fragte stattdessen: „Das hilft auch bei Lampenfieber?“
Misa verrollte die Augen, „Nein, Blödi.“
„Schade.“ L legte die Packung aus der Hand und nahm stattdessen das Medikament, das Misa ihm empfohlen hatte. Er hielt den kleinen Karton an der Ecke fest und schüttelte diesen so lange bis der Beipackzettel und die Blister mit den Tabletten auf den Tisch fielen. Misa schaute ihm dabei interessiert, aber skeptisch zu. Sie würde definitiv ihre schmerzenden Glieder bewegen, wenn L auch nur versuchen würde, Light eine Überdosis des Medikaments zu geben. Und sie hielt es für wahrscheinlich, wenn sie daran dachte, wie viel Zuckerwürfel L in seinen Kaffee tat; nämlich zu viele.

L breitete den Beipackzettel wie eine Landkarte vor sich aus und zeigte mit dem Finger auf eine Tabelle, als wäre es das Reiseziel.
„Eine Tablette muss er nehmen“, verkündete L und ließ den Beipackzettel auf den Boden segeln.
„Hm“, machte Misa, als wäre sie mit Ls Worten nicht so recht zufrieden. Sie sah ihn an und fragte noch einmal nach, ob er sich sicher sei.
„Zu 90%“, sagte L und drückte eine weiße, runde Tablette aus dem Blister. Dann füllte er ein Glas mit Wasser.
„Das sind mir 10% zu wenig“, beschwerte Misa sich und beugte sich vor, um die Tablette misstrauisch zu beäugeln, „Sicher, dass es Light nicht vergiften wird?“
Nun meldete Light sich ebenfalls zu Wort, um sie zu beruhigen, „Misa, in diesem Punkt vertraue ich Ryuzaki.“
„Danke“, sagte L und unterdrückte ein Seufzen, Ich vertraue mir selbst nämlich nicht.
Es war nicht so, dass L gar nichts über Medikamente wusste. Nein, er hatte das halbe Medizinbuch bereits durch und den Beipackzettel hatte er ebenfalls verinnerlicht. Es war nur so, dass er sich gut kannte und so wusste, dass sein Motto ‚Viel hilft viel‘ war. Er musste sich davon abhalten, Light sofort die gesamte Tagesdosis zu verabreichen. Ansonsten hätte Light wohl früher das Krankenhaus gesehen als nötig.

Mit einem großen Schluck Wasser nahm Light die Tablette ein und trank danach das ganze Glas leer. Der kalte Umschlag ruhte auf seinen Schoss und hinterließ einen nassen Fleck auf seinem Knie, der Kälte zu ihm durchdringen ließ. Er schüttelte sich einmal heftiger als ihm lieb war. L und Misa bemerkten es sofort.
„Light!“
Misa bereute ihren Aufschrei augenblicklich, da eine gewaltige Hustenattacke sie prompt in ihren Deckenhaufen drückte.
„Alles in Ordnung, Light?“, fragte L ruhig. Sein Blick huschte aber unruhig umher, War das etwa die falsche Dosis?
Light lachte leicht, um die beiden zu beruhigen, „Nein, nein, das ist nur der Schüttelfrost.“
Er schniefte und kuschelte sich in seine warme Decke zurück. Dann seufzte er, „Das geht vorbei.“
Zumindest erhoffte Light sich das. Seine Glieder pochten genauso stark wie sein Kopf. Er wollte sich kaum noch bewegen, so schwer fühlten sich seine Arme und Beine an. Sein Rücken schmerzte und er legte sich wieder hin, damit es sich besserte. Dann legte er den kalten Umschlag zurück auf seine Stirn. Er seufzte, in der Hoffnung, dass er ein bisschen von der Hitze mit dem Atem ausstoßen könnte. Ihm war heiß und kalt zur gleichen Zeit und er konnte weder die Kälte noch die Hitze ertragen. So strampelte er die Decke mal weg, mal verlangte er nach dieser.
Oh, wie sehr wünschte er sich, dass das Medikament endlich seine versprochene Wirkung entfalten würde.

„Light, langsam mache ich mir echte Sorgen um dich“, meinte L und klang dabei ernsthaft besorgt. Er war gerade dabei, die Decke wieder über L auszubreiten, als Light die Decke wieder von sich trat.
„Das ist das blöde Fieber“, murmelte Light und fühlte mit seiner Hand das Fieber nach.
„Mach bitte den kalten Umschlag neu“, bat er und legte das mittlerweile trockene Tuch auf den Tisch. Zu so viel war sein schmerzender Arm noch fähig.
„Sicher.“ L erhob sich und ging zum Waschbecken, wobei er auf halber Strecke stehen blieb.
Light grummelte, „Was ist, Ryuzaki?“
„Kette.“
„Hm?“
Light blinzelte einige Male und merkte dann, das etwas an seinem Handgelenk zog. Es war L, der versuchte vom Fleck zu kommen.
„Mein Fehler“, murmelte Light und streckte den Arm aus, sodass L zum Waschbecken konnte. Misa kicherte leise in ihre Decke hinein.
„Ihr beide seid anstrengend, wisst ihr das?“, sagte L, während er den kalten Umschlag vorbereitete. Mittlerweile war er etwas sicherer in der Anwendung geworden und brauchte nur noch die Hälfte der Zeit, die er beim ersten Mal noch dafür benötigt hatte. Er sah Light die Dankbarkeit dafür an.

„Danke“, murmelte Light mit heiserer Stimme und schloss die Augen. Er fühlte sich wie im schlimmsten Fieberwahn. So, als hätte er die grandiose Idee gehabt, am heißesten Sommertag des Jahres in der Sonne Sport zu machen. Genauso schmerzten auch seine Glieder. Langsam begann er sogar zu glauben, dass er Sport gemacht hatte, ohne es zu wissen. Immer mehr dachte er an die Möglichkeit, dass er vielleicht Dinge tat, von denen er selbst nichts wusste. Vielleicht gehörte Kira sein dazu. Vielleicht auch nicht.
Er wusste nicht mehr, was er glauben sollte und was nicht. Seine Gedanken waren ein einziges Chaos. Sein Gehirn ähnelte einem matschigen Brei aus Gedanken, Erinnerungen und Ereignissen, die er in keiner Weise mehr zusammenordnen konnte. Sein Kopf war ein großer Schwamm, der die Dinge in seiner Umgebung einsaugte: Das Rascheln eines Papiers, ein leises Husten, der schwache Geruch von Erdbeere, das Umblättern eines Buches. Doch er konnte solche Wahrnehmungen nicht mehr in ein stimmiges Bild bringen.
Und er konnte sich nicht länger zwingen, wachzubleiben.
Schlafen hatte sich noch nie so gut angefühlt.

Da heute der heißteste Sommertag ist und ich nichts besseres zu tun habe, als an meinen Geschichten zu schreiben, geht auch diese Geschichte heute munter weiter XD
Irgendwie ist das Ganze in eine Art Parodie abgedriftet… Aber eigentlich finde ich es witzig so. Armer Light XD (Aber irgendwie verdient er es auch)
Außerdem möchte ich mich für die fünf guten Bewertungen bedanken!

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