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Sonnenschein und Handschellen

von Yumestar
GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P12
L Light Yagami Misa Amane Soichiro Yagami
14.07.2020
09.08.2020
10
22.530
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15.07.2020 2.277
 
„Was ist mit Light!?“ Soichiro sprang augenblicklich auf, als er sah, wie Light die Augen schloss.
„Er war müde und ist eingeschlafen“, informierte L ruhig. Er wollte aufstehen und sich zu den Monitoren begeben, als Light sich an ihn lehnte.
Das war aber jetzt nicht Teil meines Plans, dachte L und rutschte vor Unbehagen ein Stück weit weg. Doch den Schlafenden wurde er nicht los. L zog seine Beine noch näher und bohrte seine Finger ins Knie, während ihm ein unheimlicher Schauer über den Rücken lief. Angespannt knabberte an seinem Daumennagel und schob sich zwischenzeitlich ein Bonbon in den Mund. Die Situation war für ihn mehr als unangenehm.

„Kann den bitte irgendjemand wegnehmen“, murmelte L leicht aufgebracht, „So kann ich nicht ermitteln.“
„Ehm, sicher!“, meinte Matsuda und ging mit Aizawa und Mogi zum Sofa. Die drei Polizisten taten ihr Bestes, um Light möglichst ohne viel Bewegung und Lärm auf die Seite zu legen. Soichiro schaute ihnen besorgt zu und ging ebenfalls zu ihnen. Kurz legte er eine Hand auf Lights Stirn, zog dieser aber schnell weg.
„Er ist warm.“
„Das Fieber steigt“, meinte L.
Zuerst mussten die Polizisten nach ihm suchen, da L sich auf den Boden gehockt hatte. Anscheinend wollte er vermeiden, nochmal von Light als Anlehne benutzt zu werden.
„Warum hocken Sie denn jetzt auf dem Boden, Ryuzaki?“, wollte Matsuda wissen.
Soichiro fragte besorgt: „Ist das mit dem Fieber jetzt gut oder schlecht?“
L beantwortete nur letztere Frage, „Keine Angst, das Fieber muss steigen, sonst wäre es keine Infektion.“
„Aber wenn es zu hoch steigt…!“ Soichiro musste seinen Satz gar nicht beenden, denn die Sorge sah man ihm bereits im Gesicht an.
„Ich beobachte Light, also gibt es keinen Grund für voreilige Schlüsse.“ L stand vom Boden auf und klopfte sich den imaginären Staub von der Hose. Dann versuchte er auf den Stuhl zu gelangen, doch die Fessel bohrte sich tief in sein Handgelenk. Er stolperte zurück und zog danach den Stuhl mit den Fuß zu sich. Endlich bei ihm angekommen, setzte er sich zufrieden auf den Stuhl.

„Ryuzaki, was würdest du tun, wenn das mit Light wirklich Kiras Werk ist?“, wollte Soichiro wissen. Seine Stimme klang so ernst, dass es den anderen Polizisten ein mulmiges Gefühl bereitete. L zeigte sich angesichts dessen aber ruhig und antwortete bescheiden, „Wenn es wirklich Kiras Werk ist, wird Light wohl an dieser Krankheit sterben.“
„Ryuzaki“, hauchte Matsuda und schaute zum Polizeichef, der außergewöhnlich kühl mit der Sache umging.  
„Ich habe dich danach gefragt, was du tun würdest.“
„Ich?“ L deutete verwundert auf sich und ließ kurz den Blick schweifen. Dann antwortete er, „Was sollte ich schon dagegen tun? Gegen Kiras Morde bin auch ich machtlos. Ich könnte nichts für ihn tun.“
Die schonungslose Ehrlichkeit traf die Polizisten hart. So gerne wie sie auch widersprochen hätten und sagen wollten, dass man immer etwas tun konnte, so blieben dieses Mal ihre Münder verschlossen. Sie hatten es nicht mit irgendeinem Mörder zu tun, den man nur allzu leicht von seiner Tat abhalten konnte. Nein, sie standen in einem Kampf gegen Kira. Bei diesem Massenmörder wussten sie nicht einmal wie er tötete. Wie sollten sie ihn da überhaupt aufhalten?

„Verzeihung, Ryuzaki, die Frage war nicht fair“, entschuldigte sich Soichiro und senkte den Kopf.
„Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen“, meinte L und schob sich nachdenklich noch ein Bonbon in den Mund, „Die Frage hat mich nur überrascht und mir nochmals vor Augen geführt, wie dringend und gefährlich dieser Fall ist.“
Er warf einen kurzen Blick zu Light, der von ihrer Unterhaltung nichts mitbekam.
„Doch bei ihm stehen die Chancen gut, dass er bloß erkältet ist und gar nicht im Visier von Kira steht.“
In Gedanken fügte er hinzu: Sollte er selbst Kira sein.
Natürlich konnte er es nicht laut aussprechen, da die Polizei schlecht auf seinen Verdacht zu sprechen war.
Deswegen schwieg L, als die Frage von Matsuda kam.
„Warum glaubst du das, Ryuzaki?“
„Ah, wir sollten uns weiter den Ermittlungen widmen“, meinte L und drehte sich zu den Monitoren, „Je weiter wir vorankommen, desto wahrscheinlicher können wir weitere Morde verhindern.“
Keiner der Polizisten schien so recht zufrieden mit Ls Verschwiegenheit zu sein, akzeptierten seinen Vorschlag aber ohne Widerrede. Sie gingen zurück an ihre üblichen Plätze und setzten ihre Ermittlungen und Misas Überwachung fort.

In der Zeit, in der Light schlief, konnte L nicht viel Neues in Erfahrung bringen. Um genau zu sein befand er sich immer noch am Ausgangspunkt seiner Ermittlungen und seine Motivationsunlust, bedingt durch das Ausbleiben eines Fortschrittes, hielt ihn zurück. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und beobachtete Light, der im Schlaf das uninteressanteste Observationsobjekt seiner Detektivkarriere war. Sogar Misa, die im Schlaf ihre wildesten Träume mit Light verriet, war um einiges spannender. Auf dem Schreibtisch wackelte ein Turm aus Zuckerwürfel, der Ausdruck seiner Langeweile gewesen war. Doch auch die Beschäftigung des Stapelns war ihm schließlich zu langweilig geworden.
Vielleicht sollte ich den Fall abgeben, dachte L. Es war ein Gedanken, den er öfters hatte, aber nicht ernsthaft in Erwägung zog. Schließlich hatte er für diesen Fall sogar seine Identität preisgegeben und somit auch seine Sicherheit aufgegeben. Noch nie war er so nah bei den Ermittlungen dabei, wie jetzt. Und er genoss es auf seine eigene Weise. Doch nicht in diesem Moment, wo die Langeweile die Minuten so furchtbar langsam verstreichen ließ.

Es dauerte noch einige für L mühsame Stunden, bis Light die Augen aufschlug. Im selben Moment fiel der Turm zusammen und die Zuckerwürfel stürzten wie Hagelkörner vom Tisch. L versuchte einen mit der Mund zu fangen und zeigte sich erfolgreich. Der Zucker knisterte und zerbröselte unter seinen Biss.
Dann wandte er sich Light zu und sprach mit zuckergefülltem Mund, „Na, gut geschlafen?“
„Es geht“, antwortete Light und klang dabei recht heiser. Er räusperte sich, doch seine Stimme blieb gedämpft, „Die Kopfschmerzen haben mich bis in den Schlaf verfolgt.“
„Vielleichtest solltest du dann Bildschirmarbeit vermeiden“, entgegnete L und stieg vom Stuhl aufs Sofa. Jetzt, wo die Gefahr eines sich anlehnenden Lights gebannt war, konnte er sich unbesorgt aufs Sofa hocken.
„So schlimm ist es nun auch wieder nicht“, meinte Light und hielt zwei Finger gegen seine pochende Schläfe.
L nahm Lights Finger runter und starrte ihm in die Augen, als würde er darin die Wahrheit sehen können, „Oh doch. Es ist sehr schlimm.“
„Jetzt spiel dich nicht als Hellseher auf“, murrte Light und befreite seine Hand aus Ls Griff. Er schüttelte diese kurz, sodass auch die Kette zwischen ihnen raschelte.
„Das habe ich doch gar nicht“, entgegnete der Detektiv und neigte unschuldig den Kopf zur Seite, „Ich sehe einfach nur, dass du dich quälst. Aber das kann auch andere Gründen.“
Die Ermittler verstanden nicht, worauf L hinauswollte, doch Light verstand es in der ersten Sekunde.
Er schluckte seinen Frust über die Verdächtigung hinunter und entschied sich dafür, den Schmerz lieber offen zuzugeben.
„Okay, okay, du hast Recht, mein Kopf tut ganz schön weh.“
„Sag ich doch.“ L lächelte zufrieden.
Dabei stieß er gedanklich auf Verwunderung, Warum hat er das so schnell zugegeben? Etwa, weil ich ihn verdächtigt habe, Kira zu sein?
Jedoch beachtete L dem wenig Beachtung, da Lights Husten sein Interesse stärker weckte.
„Seit wann fühlst du dich eigentlich schon krank?“, erkundigte er sich.
„Seit heute Morgen“, antwortete Light und fröstelte wieder. Er ergriff die Decke und kuschelte sich dort hinein, egal, wie lächerlich das auch aussah. Zudem konnte er mit dem Stoff seinen Husten dämpfen. Es wäre nicht vorteilhaft gewesen, wenn L sich bei ihm angesteckt hätte. Es reichte ja schon, dass zwischen ihnen kein Zwei-Meter-Abstand bestand.

„Dir ist kalt?“, bemerkte L und noch bevor er Light antworten konnte, holte er das Fieberthermometer aus der Schublade, „Lass uns lieber einmal nachmessen.“
„Meinetwegen“, erwiderte Light und versuchte sich gemütlich hinzusetzen. Seine Beine schmerzten und er verspürte ein solches Unbehagen, dass er kaum stillsitzen konnte. Am liebsten wäre er aufgestanden und hätte seinen verspannten Körper bewegt. Zumindest hätte er sich gerne an den Schreibtisch gesetzt, um sich dort von den Schmerzen abzulenken.

„Sag Ah!“ L hielt das Thermometer zwischen zwei Finger und sah Light erwartungsvoll an.
„Solche Kindereien mache ich ni…“ Noch bevor er seinen Satz beenden konnte, schob L ihm das Fieberthermometer in den Mund.
„Ich wusste, du würdest dich beschweren“, erklärte L mit einem siegreichen Grinsen. Seit Light krank war, konnte er auf seiner Seite mehr Siege gegen ihn verzeichnen. Ob sein Kampf gegen Kira wohl auch so erfolgversprechend vorangehen würde?
Light sah L mit einem bösen Funkeln an. Sicherlich hätte es auch sanftere Methoden als diese gegeben.
L zuckte nur ahnungslos mit der Schulter als wolle er sagen, dass solch eine Möglichkeit niemals bestanden hat.
Schließlich erlöste ein signifikantes Piepen Light aus seiner Schweigepflicht.
„Ryuzaki, was denkst du dir eigentlich dabei…?“ Auch dieses Mal schaffte Light es nicht, laut zu werden. Er fühlte sich müde und ausgelaugt, nicht so enthusiastisch und ehrgeizig wie üblich. Er kämpfte gegen die üblen Kopfschmerzen, seine laufende Nase und die leichten Schmerzen in seiner Brust. Und L hatte nichts Besseres zu tun, als sein Leiden zu verschlimmern.
„Na, dein Fieber zu messen?“, antwortete L verzögert, nachdem er erstmal einige Sekunden lang die Thermometeranzeige studiert hatte. Schließlich hielt er es schwankend vor Lights Nase, „Da steht jetzt 38,3°C. Erhöhte Temperatur ist das sicher nicht mehr.“
Light nieste und schniefte, bevor er das Thermometer auf Seite schob, „Das brauchst du mir nicht zu sagen.“

„Wer weiß, ob das Fieber nicht dein Denken beeinflusst“, entgegnete L und knabberte angespannt an seinen Daumennagel, „Ach ja, nächstes Mal lehn dich bitte nicht nochmal an mich. Das schränkt meine Bewegungsfähigkeit ein.“
Light reagierte kurz verblüfft und vergaß darüber sogar Ls erste Bemerkung. „Ich habe mich an dich gelehnt?“
L nickte stumm.
„Tut mir leid.“ Light lachte leicht. In gewisser Weise fand er es schon amüsant wie L darauf reagierte. Gleichzeitig konnte er mit dem Lachen seine eigene Verlegenheit überspielen. Wäre da nur nicht der Husten gewesen.
L klopfte ihm unbeholfen auf den Rücken, „Ruh dich weiter aus. Ich lasse dir noch einen Tee bringen.“
„Ein Kaffee wäre gut“, meinte Light, bemerkte dann aber den starrenden Seitenblick seines Vaters. Er kratzte sich verlegen am Kopf, „Vielleicht steige ich ja doch auf Tee um.“
„Gute Entscheidung“, meinte L und stellte seine leere Teetasse auf das Tablett.

„Seid ihr eigentlich bei den Ermittlungen weitergekommen?“, wollte Light von den Ermittlern wissen.
Diese schüttelte den Kopf.
„Ohne dich geht es leider etwas schleppend voran, Light“, meinte L und sah zu Watari, der neuen Tee und Kekse brachte. L nickte ihm dankend zu und schnappte sich gleich danach einen Keks, in welchen er mit größter Leidenschaft hineinbiss.
Er krümelte, während er sprach, „Die Beobachtung von Misa bringt keine fallspezifischen Informationen, aber bringt ein paar ziemlich spannende Dinge zu Tage.“
Light griff zur Tasse und trank einen Schluck, bevor er fragte, „Was für Dinge?“
„Würdest du lieber unten oder oben liegen, Light?“, wollte L stattdessen wissen.
Light zeigte sich kurz verwirrt, doch als verstand, nickte er bescheiden, „Solche Dinge, also. Ich verstehe.“
„Und deine Antwort?“
„Ich würde natürlich oben liegen. Was erwartest du?“
„Stimmt“, sagte L und murmelte, „Arme Misa.“

„Ryuzaki, bring dieses Liebespaar nicht auf falsche Gedanken“, warnte Soichiro ihn, „Er ist noch viel zu jung für so etwas.“
„Vater, ich bin doch schon…“
„Keine Widerrede, Light.“
„Vor so einem Vater würde ich mich wirklich in Acht nehmen“, merkte L an und schlürfte genüsslich seinen Tee.
„Sag mal, Ryuzaki, hast du eigentlich Eltern?“, wollte Light wissen. Er verstand nicht so recht, vorher dieser plötzliche Wissensdurst kam. Er schob es aufs Fieber.
L verschluckte sich fast an seinem Tee, zeigte sich aber recht ungerührt von der Frage. Er fügte noch einen Zuckerwürfel in seinen Tee ein, eher er kühl antwortete, „Jeder hat Eltern, Light. Auch ich.“
„Entschuldige die Frage, Ryuzaki.“ Light lachte kurz über seine Dummheit und trank dann seinen Tee leer. Er stellte die Tasse ab und begann, „Tut mir leid, ich bin etwas…“
„Durch den Wind?“, beendete L vorsätzlich den Satz.
Light nickte. Seufzend lehnte er sich zurück und legte eine Hand auf seine Stirn, „Die Kopfschmerzen, das Fieber…“

„Ist wohl alles nicht so angenehm“, vermutete L und verrührte den Zucker mit seinem Finger, „Das musst du mir nicht sagen.“
„Wirst du eigentlich auch manchmal müde?“, fragte Light halbscherzend. In Wahrheit aber beneidete er gerade L für seine Wachheit. Im Gegensatz zu ihm, spürte Light jegliche Anzeichen von Erschöpfung, obwohl er bereits so lange geschlafen hatte.  
„Natürlich werde ich auch müde“, antwortete L und schmeckte den Tee ab. Dafür probierte er mit den Fingern. Dann schaute er zu Light auf, „Du stellst mir gerade ziemlich viele Fragen, ist dir das bewusst?“
„Wie gesagt, tut mir leid.“ Light schüttelte den Kopf und zog die Decke näher an sich heran.
„Ach, ich bin es einfach nicht so recht gewohnt, mit Fragen durchlöchert zu werden“, meinte L und schaute Light dabei nicht an, „Und ich bin mir nicht sicher, ob ich jede Frage so schnell beantworten kann.“
Er schmunzelte leicht. In seinen Augen funkelte ein Stück weit Interesse, „Aber so kriege ich auch ziemlich interessante Seiten von dir zu Gesicht.“
Light verstand nicht genau, was L meinte, glaubte aber, den Gedanken dahinter erraten zu haben.
Versucht er etwa zu schauen, ob ich im Fieberwahn irgendetwas von mir gebe, das darauf hinweist, dass ich Kira sein könnte? Light spürte den leichten Frust in sich aufsteigen, Aber ich bin doch nicht Kira!

Hach, ich liebe Lights unwissenden Charakter XD
Irgendwie hat sich die Geschichte langsam in Richtung Shipping gewandelt, dabei war so eine Richtung am Anfang gar nicht angedacht. *lach* Jetzt muss ich wohl mein Bestes geben, der Shipping Gemeinde entgegen zu kommen XD
Aber so schnell wird es nicht zu einem Kuss kommen… Verlasst euch darauf!
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