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Sonnenschein und Handschellen

von Yumestar
GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P12
L Light Yagami Misa Amane Soichiro Yagami
14.07.2020
09.08.2020
10
22.530
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15.07.2020 2.418
 
Für Light klang es im ersten Moment wie eine Kampfansage. Dann erinnerte er sich daran, dass L sich nur den Dingen widmeten, die ihn interessierten. Anfangs hatte der Detektiv kein bisschen Interesse an dieser Erkältung gezeigt, daher war für Light klar, dass L nun einen Gedanken dabei verfolgte. Dieser musste ihm wohl gekommen sein, als Light geschlafen hatte.
Schöne Bescherung ist das ja, dachte Light sich und seufzte, Ich fühle mich wie ein Versuchskaninchen.
„Ist etwas, Light?“, fragte L, der seinen Blick keine Sekunde von ihm gelassen hatte. Es schien, als hätte er nicht einmal geblinzelt. Die aufgesetzte Sorge machte Light unzufrieden.
„Nein, nein, ich frage mich nur, wie lange du mich noch anstarren willst“, meinte Light und konnte seinen gereizten Unterton nicht gänzlich verbergen.
„Kein Grund, gleich so genervt zu reagieren.“ L zuckte überrascht, schob sich dann aber seelenruhig eine Lakritzstange in den Mund. Mit vollem Mund sprach er weiter, „Ich versuche nur, dir die Symptome vom Gesicht abzulesen.“
„Du könntest auch einfach fragen.“
„Das ist aber nicht mein Stil.“
Light gab sich mit einem leisen Stöhnen geschlagen und murrte, „Ich habe Halsschmerzen, meine Nase ist zugeschwollen und ich bin etwas erschöpft. Zufrieden?“

„Und du bist leicht gereizt“, merkte L unverfroren an und stopfte sich ein Gummibärchen in den Mund. Auf dem Schreibtisch hatte er eine ganze Tüte Süßigkeiten liegen, von denen er auch Light ein paar angeboten hatte. Doch jener hatte abgelehnt.
„Und du hast keinen Appetit.“
„Ich bin nur gereizt, weil ich diese Überwachung für unnötig halte“, verteidigte sich Light und kreuzte die Arme vor die Brust. Gleichzeitig rieb er sich über die Arme, da ihm kalt geworden war. Hätte er von dieser Kälte gewusst, hätte er sich heute Morgen einen wärmeren Pullover übergezogen.
„Außerdem habe ich keine Lust auf Süßigkeiten. Das versteht jeder“, fügte er hinzu und hustete höflicherweise in seine Armbeuge.
„Ungewöhnlich.“ L wickelte einen Lolli aus seiner Verpackung und steckte ihn sich in den Mund. Er schob diesen mit der Zunge von einer Backenseite zur anderen, bis er diesen in der Mitte mit den Zähnen festhielt, „Jeder mag Süßigkeiten.“
Er bemerkte die Blicke der Polizisten und nahm den Lolli aus dem Mund, „Oder etwa nicht?“

„Ah!“  Matsuda hob den Kopf, als wäre ihm gerade etwas eingefallen, „Wir haben noch Brötchen übrig. Möchtest du eins, Light?“
„Gerne.“ Light stand auf und nahm sich ein Schinken-Brötchen von dem Servierteller. Die Art, wie der Salat auf dem Schinken lag, ließ ihn vermuten, dass seine Mutter diese für die fleißigen Polizisten zubereitet hatte. L, der samt Stuhl hinter Light her rollen musste, betrachtete ihn skeptisch.
„Was ist, Ryuzaki?“, fragte Light und biss in das Brötchen. Er schluckte, bevor er weitersprach, „Soll ich dir auch ein Brötchen reichen?“
L schüttelte langsam den Kopf und sagte dann leise: „Ich nehme das mit der Appetitlosigkeit zurück.“
„Danke.“

„Wollen wir uns nicht weiter den Ermittlungen widmen?“, fragte Light und biss nochmals in sein Brötchen. Er schaute zu L, der sich auf den Drehstuhl nach links und rechts drehte.
„Du bist immer noch krank, Light“, merkte er an und schubste sich mit dem Fuß voran, während Light zu den Monitoren ging.
„Ich kann mich trotzdem nützlich machen“, meinte Light und setzte sich neben Matsuda. Dieser sah zu ihm hinüber.
„Wir haben alles im Griff. Du kannst dich ruhig ausruhen, Light.“
Light schüttelte den Kopf und betrachtete die Monitore. „Ist Misa schon die ganze Zeit am Schlafen?“
„Ja, ist sie“, antwortete L, der ihm über die Schulter schaute und dabei genüsslich seinen Lolli lutschte.
Kurz blickte Light hinter sich. Das Poppen des Lollis irritierte ihn, obwohl er sich für gewöhnlich nicht so leicht ablenken ließ.
Auch L schien dies bemerkt zu haben, denn er sagte: „Deine Konzentration scheint heute bescheiden zu sein.“
Light seufzte und wandte sich wieder den Monitoren zu. „War Misa kürzlich raus gegangen?“
L steckte sich wieder den Lolli in den Mund und überließ die Antwort den Polizisten. Höchstwahrscheinlich tat er dies, da Light seine Worte ignoriert hatte.
„Nicht, dass ich wüsste“, antwortete Matsuda, schaute vorsichtshalber aber in den Notizen nach, die er sich gemacht hatte. Bevor er jedoch die benötigte Information finden konnte, zog L ihm die Blätter weg.
Während diese zwischen seinen Finger baumelten, studierte er sie eingehend und sagte schließlich: „Die werden verbrannt. Keine Notizen zum Fall.“

„Warte, ich soll mir das alles merken?“, hinterfragte Matsuda überrascht und ein wenig geschockt. Wenn er nur daran dachte, wie oft sich Misa die Haare machte oder was für ein Blödsinn sie anstellte… Wie solle er sich nur die genauen Uhrzeiten und Handlungen ohne Notizen merken?
„Genau.“ L legte die Blätter auf das leere Kuchentablett, welches später von Watari mitgenommen werden sollte. Dann wandte er sich an Light.
„Um deine Frage zu beantworten, Light. Misa war in den letzten Tagen zweimal draußen und wurde dabei von Matsuda überwacht.“
„Stimmt“, meinte Matsuda und klang erstaunt darüber, dass L mehr darüber wusste, als er selbst.
„Das erste Mal war sie am 25.08. von 16:00 Uhr bis 18:30 Uhr für ein Shooting draußen. Das andere Mal war am 02.09. von 14:12 Uhr bis 17:45 Uhr. Sie hat ein schönes Kleid gekauft, um dich zu beeindrucken, Light.“
„Aha.“ Light zeigte sich davon unbeeindruckt und legte stattdessen die Hand zum Grübeln ans Kinn, „Hm, kann sein, dass sie sich beim zweiten Mal wohl diesen Virus eingefangen hat.“
L schärfte seinen Blick und hielt den Lolli, den er vorher in seinen Mund hat kreisen lassen, ruhig zwischen den Zähnen fest.
„Was bringt dir diese Information, Light?“, fragte er im kindlichen Ton und neugierig, als würde er gerne wissen wollen, was da in Lights Kopf abging. Dabei ahnte er den Gedanken bereits.
„Nun, es ist nicht völlig um die Ecke gedacht, dass dieser Kira mich und Misa, die ja angeblich Kira zwei war, umbringen wollen würde.“

Light warf einen kurzen Blick zu seinem Vater, der ein ernstes Gesicht aufgesetzt hatte. Doch selbst mit dem gefassten Gesichtsausdruck konnte er die Schweißtropfen auf seiner Stirn nicht kontrollieren.
Light beruhigte ihn, „Es ist nur eine Theorie, Vater.“
Er schaute zurück zu den Monitoren und ließ sich die Sache für einige Sekunden nochmal durch den Kopf gehen, bis er schließlich den Kopf schüttelt, „Doch ich halte sie für unwahrscheinlich. Wie Ryuzaki bereits gesagt hatte, Misa war in den letzten Tagen zweimal draußen. Genauso gut hätte sie sich auch einen Rhinovirus einfangen können. Und da ich als ihr Freund natürlich oft bei ihr bin und ihr nahe bin, ist es nicht verwunderlich, dass ich mich angesteckt habe.“
„Das klingt wirklich logisch, Light!“, sagte Matsuda mit erhellter Miene.
Auch Soichiro gab der Aussage ein zustimmendes Nicken. Erleichterung machte sich in seinem Gesicht breit und er atmete beruhigt aus, „Dann also nur eine einfache Erkältung.“
„Genau“, meinte Light.

L hatte ihnen lange genug zugesehen und äußerte sich endlich ebenfalls, „Ich finde, wir wiegen uns zu früh in Sicherheit.“
Das Lächeln in Matsudas Gesicht schwand. Die Miene des Polizeichefs wurde wieder ernst. Alle Blicke lagen gespannt auf L, wobei in manchen Augen Feindseligkeit und Unverständnis aufblitzten.
„Misas Zustand scheint sich kontinuierlich zu verschlechtern. Vor einigen Tagen war sie noch recht fit, in den letzten Tagen schläft sie sehr viel.“
„Das ist gewöhnlich für einen Kranken“, fügte Light hinzu, doch L redete weiter.
„Zudem erklärt das nicht, warum nur Misa und Light erkrankt sind, obwohl wir alle vermutlich genauso viel Kontakt zu ihnen hatten und uns hätten anstecken können.“
Light unterbrach ihn erneut, „Aber ich habe doch gesagt…“  
„Ich war auch in Misas Nähe und hab sogar ihren Kuchen gegessen. Und ich bin gesund.“
„Dein Immunsystem ist ja auch nicht von einer 50-tätigen Inhaftierung geschwächt.“
„Auch wieder war“, meinte L und ließ kurz den Blick im Raum schweifen, bevor er wieder zu den anderen blickte, „Nichtsdestotrotz werde ich dieser Theorie nachgehen. Das habe ich bereits beschlossen.“
„Ryuzaki, wir haben besseres zu tun!“, protestierte Light. Er öffnete den Mund, um noch einige Argumente zu bringen, doch ihm entfloh lediglich ein Husten.
„In diesem Zustand kannst du so oder so nicht ermitteln, Light“, schloss Ryuzaki und schüttelte seine Hand, um die Kette rascheln zu lassen, „Und solange du in diesem Zustand bist, kann auch ich nicht richtig ermitteln.“
Ob er jetzt mit ‚Zustand‘ Lights Krankheit oder die Fessel meinte, ließ er dabei offen.

Schlussendlich musste sich Light der Anweisung von L beugen. Als er auf dem Sofa saß, redete er sich aber ein, dass er dies nur tat, um die Nerven seines Vaters zu schonen. Immer wieder blickte Soichiro beunruhigt zu seinem Sohn hinüber, als fürchtete er eine Verschlechterung der Erkrankung. Light verstand nicht, warum alle so einen Wirbel wegen einer einfachen Erkältung machten.
Nein, eigentlich ergibt das Sinn, sagte er sich, Es gibt diverse Gründe, warum Kira Misa und mich umbringen wollen würde. Und es wird ja auch vermutet, dass er noch anders als durch Herzversagen töten kann. Eine Krankheit wäre unauffällig, vor allem nach einer 50-tägigen Inhaftierung. Also…
„Denk nicht zu viel, Light.“ L klatschte ihm ein nasses Tuch auf die Stirn, „Schone lieber auch deinen Verstand. Den brauchen wir hier noch.“
Light nahm das Tuch runter, betrachtete es kurz und seufzte, „Dir ist schon klar, dass man ein Fieber nicht sofort runterkühlen sollte, oder?“
L legte den Kopf schief und zog das „Nein“ extra lang.
Seufzend lehnte Light sich zurück, „Klasse. Du möchtest dich um mich kümmern, aber dir fehlt das Wissen dazu.“
L schwenkte den Finger, als würde er dies verneinen, „Ich habe nie gesagt, dass ich mich kümmern würde. Ich habe gesagt, dass ich dich lediglich beobachte.“
„Kannst du mir dann wenigstens den Laptop reichen?“, fragte Light leicht genervt.
„Sicher.“

L stand auf und zog Light ungewollt hinter sich her. Dieser murrte leise, doch L ignorierte es. Er packte den Laptop am oberen Rand, sodass man fürchtete, der Bildschirm würde sich gleich von der Tastatur lösen. Glücklicherweise geschah dies nicht und der Laptop landete im Ganzen auf Lights Schoss.
„Wenn du mich schon hinterherziehst, hätte ich ihn auch gleich selbst holen können“, murrte Light statt einem Danke.
Dann wischte er mit dem Ärmel den Staub von dem Bildschirm. Da L den Laptop meistens aufgeklappt ließ, sammelte sich nur allzu gerne graue Fusseln auf dem leuchtenden Bildschirm.
„Damit verteilst du deine Viren auf den ganzen Laptop“, merkte L an und steckte sich ein Schokoladentäfelchen in den Mund. Er schob das Stück hin und her, bis er es sich schließlich auf der Zunge zergehen ließ.
„Ich mache es später sauber“, entgegnete Light leicht aufgebracht. Seine Wut drückte sich in der Heftigkeit aus, mit welcher er auf die Tastatur tippte. Ein lautes Klacken erfüllte den Raum und ließ sogar die Polizisten kurz aufhorchen.
„Ärgere Light doch bitte nicht so, Ryuzaki“, bat Soichiro.
L reagierte kurz verwirrt und biss sich vor Schreck auf die Schokolade, welche im halbgeschmolzenen Zustand zerbrach.
„Ich ärgere ihn doch gar nicht“, entgegnete L ganz unschuldig.

Nach einiger Zeit war Lights Tippen leiser und rhythmischer geworden. L lauschte dem eine Weile und stopfte sich dabei immer wieder eine Süßigkeit aus der Tüte in den Mund, bis der Plastikbeutel nur noch mit knapp fünf Bonbons gefüllt war. Zeitgleich holte Watari das Tablett ab und brachte L seinen Tee. Zusätzlich brachte er auch eine Tasse für Light, so wie L es angeordnet hatte.
„Vielen Dank, Watari“, sagte L ungewöhnlich höflich und nippte an seinem Tee. Zu bitter. Mit einem Ploppen fielen drei Zuckerwürfel in die schwarzgrüne Flüssigkeit. L stellte die Tasse ab und stupste Light an.
„Hey, warum trinkst du nicht mal?“
„Welche Sorte?“, erkundigte sich Light, ohne vom Laptop aufzuschauen.
L schaute kurz in die Tasse, als wolle er darin die Sorte ablesen und antwortete dann: „Earl Grey Tea, würde ich sagen.“
„Ich trinke normalerweise nur Kaffee“, antwortete Light und klang wenig interessiert.
Nichtsdestotrotz nahm L die Tasse und schob sie Light zu. Dieser zuckte, als das heiße Porzellan seinen Arm streifte. Selbst durch den Stoff des Pullovers konnte er die Hitze spüren.
„Spinnst du eigentlich?“, fragte Light, wobei er nicht die Kraft hatte sich aufzuregen. Zumal L einen so unschuldigen Blick aufgesetzt hatte, dass man es ihm nicht verübeln konnte.
„Jetzt trink schon, Light“, bat L nochmals und schien nicht nachgeben zu wollen.
„Hast du da irgendetwas rein getan?“
„Nö.“
„Sicher, Ryuzaki?“
„Es ist nur Tee. Vertraue mir.“
Light schaute ihm einige Sekunden in die Augen, bis er sicherstellen konnte, dass er Ls Aussage Vertrauen schenken konnte. Da er den Geschmack von englischen Tee nicht gewohnt war, konnte er beim ersten Schluck nicht feststellen, ob der bittere Geschmack gewollt war oder nicht.

„Brauchst du noch Zucker, Light?“, fragte L, als hätte er ihm den Gedanken abgelesen.
„Nein, es geht schon“, murmelte Light und trank den Tee zügig aus.
„Leute, die ihren Kaffee oder Tee schwarz genießen, sollen angeblich psychopathisch und sadistisch sein“, meinte L und knabberte an seinem Daumennagel, „Denkst du Kira trinkt seinen oder ihren Kaffee schwarz?“
„Was weiß ich.“
„Na, du trinkst deinen Kaffee doch auch immer schwarz, Light. Und den Tee auch.“
„Willst du jetzt etwa von der Art, wie ich trinke, ableiten, dass ich Kira sein könnte?“
L schmunzelte unscheinbar, „Vielleicht. Obwohl dazu aussagekräftige Studien fehlen.“
Light seufzte und stellte die Teetasse ab. Dann widmete er sich wieder der Liste, an die er am Arbeiten war. Er hatte bereits eine Idee, wie er an mehr Informationen für den Fall käme, doch die Umsetzung erwies sich als schwierig. Zumal sein Kopf mittlerweile so stark von der Bildschirmarbeit pochte, dass er sich kaum noch konzentrieren konnte. Dazu kam, dass seine Nase angefangen hatte zu laufen und er ständig schniefen musste. Außerdem überkam ihm eine Erschöpfung, die er sich nicht erklären konnte. Seine Glieder fühlten sich schwer an und seine Finger glitten nur schwerfällig über die Tastatur. Schließlich musste er sich vor dieser Müdigkeit geschlagen geben und klappte den Laptop zu. Er stellten diesen noch ab, bevor er sich ins Sofa zurücklehnte und die Augen schloss.
„Bist du müde, Light?“, fragte L im unschuldigen Ton. Und doch klang es in Lights Ohren verdächtig.
Light gab ein stummes Nicken von sich. Zu gerne hätte er Ls Gesicht gesehen, doch seine Augen wollte er kaum mehr öffnen.
„Gute Nacht, Light“, flüstere Ryuzaki und warf eine Decke über Light. Während er das tat, bekam niemand das kleine Grinsen auf seinem Gesicht mit.

Damn it, L XD
(Ich glaube, das wird jetzt ein Insider.)
Je weiter ich in der Geschichte voranschreite, desto mehr fürchte ich, dass die Charaktere OOC werden. Dabei versuche ich die Charaktere so originalgetreu wie nur möglich wiederzugeben. Sagt mir also bitte Bescheid, wenn die Charaktere sich seltsam verhalten ^^
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