Unter dem Blutmond

von josi1301
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Della Tsang Kylie Galen Lucas Parker Miranda OC (Own Character) Will
13.07.2020
14.09.2020
17
32.195
2
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
13.07.2020 1.188
 
Mein Leben? Das Wort Katastrophe beschreibt es glaube ich sehr gut. Ärger, Streit und sinnlose Diskussionen standen an der Tagesordnung. Seit ich denken kann wurde ich von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschickt. Sie waren alle sehr freundlich, doch sie hielten es nie länger als ein paar Jahre mit mir aus. Ich wurde oft als Störenfried oder als nicht willkommen bezeichnet. Somit kam ich immer wieder zurück in das Waisenhaus in Fallen, genau so wie auch heute.

„Na Louna? Du warst länger weg, als ich gedacht habe.“, lachte Mrs. Langford. Diese eklige Waisenleiterin kann ich auf den Tod nicht ausstehen, trotzdem setzte ich ein Lächeln auf, sie konnte einem das Leben hier zur Hölle machen. Sie war schon etwas älter. Ihre Haut war so blass und weiß, dass man meinen könnte, sie wäre schon tot. Das graue Haar, welches ihr aus dem Kopf wuchs war jedoch immer top gestylt. Sie trug eine runde Brille, die sie noch strenger aussehen ließ. Mit bösem Blick musterte sie mich. Ihr Blick blieb an meiner Stirn hängen. Sie zuckte mit ihren Augenbrauen, wie als hätte sie einen Anfall. Das ist mir schon oft aufgefallen, dass sie das tat. Ich wusste jedoch absolut nicht warum sie das tat.

„Dein Zimmer ist unverändert, 18 Uhr gibt es Abendbrot.“, ihre eiskalte monotone Stimme konnte einem ziemlich Angst einjagen, mir nicht. Ich hab mich absolut an diese Stimme gewöhnt. Ich nickte als Antwort mit dem Kopf und ging mit meiner Tasche die große Treppe im Flur hinauf. Dieses Haus stammt aus dem 18. Jahrhundert, genau so sah es auch aus… und so roch es auch. Die Tapete löste sich langsam von der grauen Wand, die Möbel sahen alle ranzig aus und allgemein war es sehr dunkel und gruselig in diesem Haus. Mit jedem Schritt den ich machte, knarrte der Boden. Man konnte sich nicht hier raus schleichen, das habe ich schon viel zu oft versucht. Doch Mrs. Longford erwischte mich jedes einzelne Mal, als hätte sie Superohren oder so. Als Strafe durfte ich dann die Küche und die Toiletten putzen. Nach dem dritten Fluchtversuch habe ich es gelassen.

Ich legte meine Hand auf die Türklinke und zögerte kurz. Wieder in diesem Zimmer sein. Wieder eingesperrt und unterdrückt… Ich holte tief Luft und öffnete die Tür. Zwei Augenpaare sahen mich erschrocken an. Schnell lösten sich die Beiden voneinander. Urgh… nein bitte nicht. „Sorry ich wollte nicht…“, fing ich an zu reden. „Wer bist du denn?“, meinte die Brünette schweratmend. Ihr Blick war kalt, genau so wie der von Mrs. Langford. Sie sah sehr bleich aus und ihre Augen… ja was ist denn mit ihren Augen? Ich musste kurz blinzeln, um sicher zu gehen, dass ich mich nicht versah. Ihre Augen leuchteten in einem dunklen orange! Na ganz toll, Lou. Jetzt drehst du auch noch durch…

Das Mädchen warf ihre braunen Haare nach hinten und musterte mich genau so, wie die Leiterin. Der Junge neben ihr tat es ebenso. Er war genau so bleich wie das Mädchen. Die Blicke von ihnen waren kalt. „Hast du deine Zunge verschluckt? Wer bist du?“, herrschte der Junge mich an. Seine Augen leuchteten nun auch. Und da war es wieder, das Gefühl der Wut. Das Gefühl, welches mir so oft das Leben kaputt machte. „Ich bin Louna und die Frage sollte eher lauten, wer ihr seid, denn das ist mein Zimmer.“, die Worte aus meinem Mund waren so tief und klangen bösartiger als ich es wollte. Die Brünette riss erschrocken die Augen auf. „Du bist…“, ihre Stimme klang  gar nicht mehr so böse, eher eingeschüchtert. „Nein ich bin nicht ‚Die Neue‘, ich wohne hier schon eine ganze Weile und jetzt verpisst euch aus meinem Zimmer, bevor ich richtig sauer werde.“, knurrte ich zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Tür.

Die Beiden standen ohne etwas zu sagen auf. Der Junge blieb neben mir stehen. „Das wird dir noch leidtun, du Bitch.“, fauchte er mit glühenden Augen. Er wollte gerade gehen, als ich ihn am Arm packte. Nein Louna, lass das. Doch ohne auf mein inneres Gefühl zu hören, ballte ich meine Hand zur Faust und schlug ihn in seltsamer schneller Geschwindigkeit ins Gesicht. Er fiel zu Boden, direkt in den Flur. „Finn!“, rief das Mädchen erschrocken und kniete sich neben ihn. „Nein du Idiot, dir wird es noch leid tun.“, knurrte ich und die Zimmertür knallte laut in ihr Schloss.

Schluck es runter Lou. Du kannst das. Ich schloss die Augen, um mich zu beruhigen. Was hatte meine Aggressionshelferin immer gesagt? Bis zehn zählen und an etwas Schönes denken. Ich öffnete die Augen wieder. Was Schönes? Es gab nichts Schönes in meinem Leben.

Die Tasche war schnell ausgepackt, ich hatte ja nicht besonders viele Sachen. Alles war wirklich noch so wie bei ihrer Abreise, selbst der Dreck war noch da. Seufzend ließ ich mich aufs Bett fallen, wo die beiden Turteltauben gerade rumgemacht haben. Ach ja, bei dem Gedanken ans Küssen kamen bei mir ganz schlechte Erinnerungen hoch. Daran jetzt bloß nicht denken, sonst wirst du noch wütender.

Ich trat vor den Spiegel und betrachtete mich. Meine langen blonden Haare gingen bis zur Hüfte, sie sind in letzter Zeit ziemlich gewachsen. Ich fasste nach ihnen und nahm mir die Spitzen vor. Ja eindeutig, die sind länger. Auch ich bin irgendwie gewachsen. Die Hose, welche sonst immer perfekt saß, war nun viel zu klein und kurz. Ich hab mich trotzdem rein gezwängt, weil ich nicht so viele habe. Das Oberteil ist ebenfalls zu klein. Meine Brüste waren sehr viel größer als vorher. Mir passt kein einziger BH mehr. Naja da ist ja erst mal nichts komisch. Mit 17 kann man schon mal noch einen Wachstumsschub bekommen. Auf den musste ich auch sehr lange warten. Was hatte mein Ex immer gesagt? „Ich liebe dich, trotz deiner kleinen Brüste, es macht mir überhaupt nichts aus.“ Pah, und zwei Wochen später hing er zwischen den Brüsten dieser blöden Kuh.

Wieder überkam mich das Gefühl von Wut. Ich kann das manchmal echt nicht kontrollieren… Ich sah mir selbst in die Augen. Wurden die etwa gerade orange? Erschrocken trat ich einen Schritt zurück. Ja! Die leuchteten genau so wie die von den zwei Anderen. Was ist das denn? Meine Augen sind doch sonst grün. Ich drehe endgültig durch. Wie die letzte Pflegefamilie gesagt hat, ich bin verrückt.

Wieder setzte ich mich auf mein Bett und nahm das Handy raus. Wie ist es wieder dort zu sein? Camile, meine wahrscheinlich einzige Freundin, schrieb mir. Wir haben eine Zeit lang hier zusammen gelebt, haben aber schon eine Weile keinen richtigen Kontakt mehr. Schnell antwortete ich ihr, bevor es an der Tür klopfte. Nein ich will jetzt nicht, dachte ich mir. „Ja.“, sagte ich laut genug, damit die andere Person mich hören konnte. Mrs. Langford trat hinein. „Es ist jemand hier, der mit dir reden will.“, ihre Stimme klang belegt, als hätte die Angst vor etwas. „Ich will jetzt aber mit niemandem reden.“, meinte ich ohne sie anzuschauen. Stattdessen sah ich lieber aus dem abgedunkelten Fenster. „Louna, es ist wichtig.“, ihre Stimme zitterte ein wenig. Unsicher sah ich die an. Der Teufel hat vor etwas Angst? Das ist ein sehr schlechtes Zeichen…