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Ich gehöre hier nicht hin

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Alex Danvers Eliza Danvers Kara Danvers / Kara Zor-El
13.07.2020
19.07.2020
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Um mich herum ist alles dunkel.  Nicht mal den kleinsten Schatten kann ich erkennen. Ich möchte meine Augen öffnen, aber es geht nicht. Habe ich überhaupt noch Augen? Ich befinde mich in einem seltsamen Zustand. Mein Körper befindet sich im Hyperschlaf, seit die Explosion meines Heimatplaneten Krypton meine Kapsel hierher geschleudert hatte. Doch mein Geist ist hellwach. Ich kann mich nicht bewegen oder auch nur spüren, was mit mir passiert. Ist es kalt oder warm? Müsste ich nicht langsam Hunger bekommen oder die Toilette besuchen?
Nein, da ist nichts. Kein Hunger, kein Schmerz, kein Jucken am Rücken, das mich wahnsinnig mache, weil ich nicht rankomme. Als würde mein Körper überhaupt nicht existieren. Auch hören oder sehen kann ich nichts.
Hier sind nur meine Gedanken, die völlig losgelöst in der Phantomzone umher zu schweben scheinen. Wie lange ich schon hier bin? Ich habe keine Ahnung. Es könnten wenige Minuten gewesen sein. Oder Stunden? Vielleicht auch Tage oder Wochen.
Ich weiß, dass es keine Rolle spielt, wie lange ich schon hier bin. Ich werde hier sowieso nicht mehr wegkommen, werde für immer hier gefangen sein. Als körperloser Geist, in der ewigen Dunkelheit.
Doch plötzlich gibt es einen großen Knall. Ich habe das Gefühl, dass es mir nach der langen Zeit in totaler Stille das Trommelfell zerreißt. Ich werde heftig durchgeschüttelt. Scheinbar hat sich mein winziges Raumschiff doch wieder in Bewegung gesetzt. Was passiert jetzt mit mir? Ich habe solche Angst. Was wenn ich an einen Ort getragen werde, der noch schlimmer ist als dieser hier? Ich bin noch immer nicht in der Lage, meine Augen zu öffnen, aber ich spüre jetzt wie mein Magen sich verkrampft, als mein Raumschiff immer mehr an Geschwindigkeit zuzunehmen scheint.
Auf einmal ist mein Körper wieder da und das viel zu schnell. Mein Herz schlägt so heftig, dass mir die Brust weh tut. Ich kann wieder fühlen, wie sich meine Lungen mit Luft füllen. Aber ist das nicht zu viel Luft? Ausatmen, ich muss ausatmen. Und dann diese Geräusche. Warum ist es auf einmal so laut? Ich habe Angst.
Dann setzt mein Raumschiff hart auf.


Schlagartig öffne ich die Augen. Mein Atem geht schnell und unregelmäßig.
‚Es war alles nur ein Traum.‘, denke ich erleichtert.
Doch als ich Alex Danvers Stimme höre, fällt mir auf einmal alles wieder ein. „Musst du jede Nacht so einen Lärm machen?“, fragt mich das Mädchen, mit dem ich mir jetzt ein Zimmer teilen muss und ich weiß wieder, dass es nicht nur ein Traum war. Ich bin wirklich hier. Ich bin auf der Erde. Meine Eltern sind wirklich tot, so wie mein Planet.
Dieser Moment nach dem Aufwachen, in dem mir wieder klar wird wo ich bin, ist das Schlimmste. Jeden Morgen aufs Neue. Das was passiert, während ich wach bin, ist der wahre Albtraum.
Langsam setze ich mich in meinem Bett auf und ignoriere Alex’s Blicke. Ich kann es kaum erwarten, dass dieser Tag vorbei ist, noch bevor er richtig angefangen hat.

Als ich nach untern in die Küche komme, sitzen Alex und Jeremiah bereits am Tisch. Sie stochert gelangweilt in einer Schüssel Cornflakes, während er in Die Morgenzeitung vertieft ist. Ich werde mich nie daran gewöhnen, dass die Menschen ihre Nachrichten in einem labbrigen Stück Papier drucken. Wenn sie das lesen, ist das doch alles schon längst veraltet.
„Guten Morgen Kara.“, Empfängt Eliza Danvers mich und möchte mir die Hand auf die Schulter legen. Ich weiche ihr aus. Es fühlt sich falsch an. Ich wünschte sie würde endlich aufhören so zu tun, als wäre sie jetzt meine Mutter. Ich habe schon eine Mutter, auch wenn sie jetzt nicht mehr lebt. Ich greife an meine Kette und merke, wie mir Tränen hinter den Augen brennen. Ich darf jetzt nicht anfangen zu weinen.
Eliza setzt sich zu uns und fragt gut gelaunt: „Wie habt ihr geschlafen?“
Alex verdreht genervt die Augen. „Ich habe beschissen geschlafen. Die da hat mich die ganze Nacht wach gehalten.“, sagt sie und deutet auf mich, „Weißt du, auf unserem Planeten ist man Nachts leise.“
„Alexandra!“, Jeremiah schaut von seiner Zeitung auf, „Überlege dir wie du mit deiner Schwester redest.“ „Sie ist nicht meine Schwester.“, erwidern Alex und ich im Chor. Wenigstens darin sind wir uns einig.
Ich schäme mich. Ich möchte nicht, dass Alex wegen mir in Schwierigkeiten gerät und ich möchte ganz bestimmt nicht, dass sie wegen mir schlecht schläft.
Eigentlich mag ich sie ja auch, aber sie ist immer so gemein zu mir. Egal was ich auch tue, Es macht alles nur noch schlimmer.
Ich betrachte verlegen meine Schuhe. „Es tut mir leid. Ich habe schlecht geträumt. Ich wollte keinen stören.“, murmle ich kaum hörbar.
„Ist schon ok Kara.“, antwortet Eliza mitfühlend, „Wie wäre es wenn du nach oben gehst und schon mal deine Sachen holst?“
Ich weiß genau was das heißt. Ich soll nur nach oben gehen, damit ich sie nicht mehr höre. Sie wollen mich nicht dabei haben, wenn sie mit Alex reden. Auch wenn es mir nicht gefällt so ausgeschlossen zu werden gehe ich brav nach oben, um meinen Rucksack zu holen. Doch auf der Treppe bleibe ich stehen, um mein Supergehör einzusetzen.
„Du solltest wirklich netter zu Kara sein.“, höre ich Eliza sagen, „Sie hat es nicht leicht und sie braucht unsere Hilfe.“
Bei diesen Worten spüre ich, wie Wut in mir aufsteigt. ‚Als währe ich ein kleines dummes, hilfloses Mädchen, dass nicht allein zurecht kommt. Aber ich bin nicht hilflos. Ich würde sehr gut alleine zurecht kommen, wenn sie mich nur lassen würden. Wenn sie mich nicht ständig behandeln würden, als könnte ich nicht selbst auf mich aufpassen.‘
Ich verstärke den Griff auf das Treppengeländer und habe auf einmal ein Stück davon in der Hand. Ich habe es zerbrochen. Das passiert mir häufig. Ständig mache ich etwas kaputt.
Ich schluchze lauf auf und schmeiße es gegen die Wand. Weinend renne ich die Treppe hinauf, in mein Zimmer. Dort angekommen, werfe ich mich auf mein Bett.
Kurz darauf kommen Eliza und Jeremiah herein. Gefolgt von Alex, die mit verschränkten Armen in der Tür stehen bleibt. „Sie hat schon wieder was kaputt gemacht. Irgendwann wird sie noch unser ganzes Hause abreißen.“, höre ich sie in gehäßigen Tonfall sagen. „Alexandra, das reicht. Ich möchte kein Wort mehr hören. Du wirst heute bei Kara bleiben und du wirst nett zu ihr sein. Sonst müssen wir mal über ein paar deiner Privilegien nachdenken.“, erklärt Jeremiah harsch.
‚Na super. Schon wieder bringe ich sie in Schwierigkeiten.‘
Eliza setzt sich zu mir auf die Bettkante. Sie legt mir die Hand auf den Rücken. Aber ich möchte nicht, dass sie mich anfasst. Ich möchte zu meine Mum.
„Lass mich in Ruhe.“, schreie ich. Ich greife nach meinem Rucksack und renne aus dem Zimmer.

In der Schule wird es nicht besser. Ich hasse es hier zu sein. Ich habe Probleme damit die vielen Eindrücke um mich herum zu verarbeiten. Es fällt mir so schon schwer meine Kräfte zu kontrollieren. Aber hier ist es unmöglich. Mein Supergehör ist auf Dauerempfang. Jedes einzelne Geräusch klingt unendlich lauft in meinen Ohren wieder. Das zuschlagen einer Spindtür, hat mich an meinem ersten Schultag so sehr erschreckt, dass ich mich eine ganze Stunde in der Mädchentoilette versteckt habe. Auch jetzt stehe ich orientierungslos auf dem Schulhof, umringt von Teenagern. Unendlich viele Gesprächfetzen dringen an mich heran. Ich kann hören, wie zwei Mädchen über mich reden. Was sie sagen ist nicht gerade nett. Außerdem setze ich ständig aus Versehen meinen Röntgenblick ein, so dass meine Mitschüler wie gruselige Skelette aussehen.
Es klingelt. Ich halte mir die Ohren zu. Es tut so sehr weh.
Alex zieht energisch an meiner Hand. „Jetzt komm endlich. Wir kommen zu spät zu Mathe.“
Doch da lässt sie mich auf einmal wieder los.
Dämlich grinsend bleibt sie vor einem älteren Jungen stehen. „Hey Rick.“
Rick Melvern ist ein Klasse über uns und Alex steht auf ihn. „Wir fahr’n mit ein paar Leuten nach Swan-Beach nach der Schule. Kommst du mit?“ Sie lässt die Schultern hängen und verdreht die Augen. „Das geht nicht. Ich soll bei ihr bleiben.“ Dabei schaut sie mich abfällig an. Sie redet über mich, als wäre ich ein kleines dummes Kind. Aber Rick zuck lächelnd mit den Schultern. „Sie kann doch mit kommen.“

Der Matheunterricht ist so langweilig. Das was die hier auf der Erde in der achten Klasse lernen, hat mir meine Lehrerin auf Krypton schon als Kleinkind beigebracht. Was hat es also für einen Sinn hier zu sitzen? Aber hier ist es wenigstens nicht so laut wie in den Gängen.
Gelangweilt kritzle ich die Formeln in mein Heft, die ich zuletzt gelernt habe, bevor Mutter und Vater mich in meine Raumkapsel gesetzt haben.
Was der Lehrer vorne erzählt bekomme ich kaum mit. Im Unterricht fällt es mir leichter, Geräusche auszublenden, weil nicht alles so durcheinander geht. „Miss Danvers!“, Höre ich Mr. Lavern aus der Ferne sagen, doch ich muss mich erst noch an meinen neuen Nachnamen gewöhnen. Also bekomme ich erst mit, dass Mr. Lavern mit mich meint, als er direkt hinter mir steht. „Miss Danvers, langweilen wir sie vielleicht?“ Erschrocken schlage ich mein Matheheft zu. „Miss Danvers, das bin ich? Ähm nein ich langweile mich nicht.“ Die Klasse bricht in Gelächter aus und ich merke, wie mein Gesicht rot wird. Beschämt sinke ich ein Stück tiefer in meinen Stuhl. „Dann ist ja gut.“ Mr. Lavern wirft mir einen Mahnenden Blick zu.
Es klingelt und alle Schüler springen auf. Schon wieder dieses Durcheinander.
„Hausaufgabe zu morgen ist Nummer sieben.“, ruft der Lehrer in das Getümmel, „und Miss Danvers, sie bleiben bitte noch einen Augenblick hier.“
Ich lasse mich seufzend wieder auf meinen Stuhl fallen. „Nennst du das etwa dich unauffällig verhalten?“, raunt Alex mir wütend ins Ohr, als sie an mir vorbei geht.
Als alle anderen Schüler den Raum verlassen haben, nimmt Mr. Lavern sich einen Stuhl und setzt sich verkehrt herum drauf. Warum tut er das? Kann er sich nicht normal auf einen Stuhl setzen? Auf Krypton hat sich niemand verkehrt herum auf einen Stuhl gesetzt
„Du bist ein kluges Mädchen Kara. Aber wie währe es, wenn du dich in Zukunft mehr an unserem Unterricht beteiligen würdest?“ Ich nicke wortlos. Diese ganze Situation ist mir sehr unangenehm. „Oder fühlst du dich in meinem Unterricht etwa unterfordert?“, fragt er. Ich schüttle nur den Kopf und hoffe, dass er bald fertig ist. Doch er redet weiter. „Ich weiß es ist manchmal nicht einfach sich in einer neuen Schule zurecht zu finden. Wo bist du noch mal vorher zur Schule gegangen?“
In meinem Hals bildet sich ein riesiger Kloß. Was soll ich darauf jetzt antworten? Ich versuche das schlechte Gefühl runterzuschlucken, bevor ich anfange zu sprechen: „Ich ähm… Ich wurde zu Hause unterrichtet.“ Mr. Lavern steht auf und schiebt den Stuhl wieder an den anderen Tisch. „Ich verstehe. Ich will nur sagen, falls du Hilfe brauchst, dich hier einzuleben, wird die Schulpsychologin sicher…“ „Ich komme zurecht!“, unterbreche ich ihn. Ein Gespräch mit der Schulpsychologin ist das letzte was ich will. Alex sagt da gehen nur die Freaks hin. Das würde mir nur noch mehr das Gefühl geben hier nicht hinzugehören.
„Ich verspreche, dass ich mir mehr Mühe geben werde. Darf ich jetzt gehen? Ich komme zu Spät zur nächsten Stunde.“ Mr. Lavern nickt. Erleichtert verlasse ich das Klassenzimmer und werde sofort von Alex am Arm gepackt und mitgezogen.

„Du wirst völlig normal sein, hast du gehört? Mach bloß nicht so merkwürdige Sachen, wie zu Hause immer.“ Der Unterricht ist für heute aus und Alex belehrt mich jetzt schon zum siebenten Mal darüber, wie ich mich zu verhalten habe, wenn wir gleich zum Strand gehen. Ich habe gar keine Lust mit ihren Freunden abzuhängen und überhaupt, was ist eigentlich normal auf der Erde? Woher soll ich das wissen?
Doch als wir am Strand angekommen sind, bin ich überwältigt. So etwas schönes wie das habe ich noch nie gesehen. Am besten finde ich die Vögel. Schwerelos schweben sie durch die Luft, als wäre überhaupt nichts dabei. Ich finde es faszinierend und bin zugleich ein wenig neidisch auf sie. Sie dürfen einfach frei durch die Gegend fliegen und ich muss darauf verzichten. Dabei liebe ich es doch so zu fliegen. Dies sind die einzigen Momente, in denen ich mich hier auf diesem Planeten völlig frei fühle.
Wie hypnotisiert schaue ich zu ihnen auf und stelle mir vor einer von ihnen zu sein. Einfach frei fliegen zu dürfen.
„Deine neue Schwester ist irgendwie schräg“, höre ich Rick sagen, bevor Alex mich erneut zurechtweist: „Hör auf, alle gucken schon.“ „Tut mir leid, aber es gab keine Vögel auf meinem Planeten.“, versuche ich mich zu verteidigen und mache Alex damit nur noch wütender. „Sag das doch nicht so laut!“
Plötzlich höre ich einen Schrei, gefolgt von einem Knall und das Weinen eines Babys. Ein Auto hat sich auf der Straße am Strand überschlagen und Feuer gefangen.
Ohne zu überlegen renne ich hin. Ich Springe auf das Auto und reiße die Tür aus den Angeln. Zuerst ergreife ich die Frau, welche die ganze Zeit „Mein Baby, mein Baby.“ schreit und setze sie auf dem Weg ab. Danach rette ich das Baby. Ich lege es behutsam in ihre Arme und fühle mich für einen Moment großartig.
Doch dann explodiert das Auto. Ich stelle mich schützend davor, aber eines der herumfliegenden Teile trifft Alex, bevor ich etwas dagegen unternehmen kann.

** Auszüge aus Staffel 1, Episode 17 wurden verwendet
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