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Die vergessene Schwester

von Vardoria
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Dettlaff van der Eretein Emiel Regis Rohellec Terzieff-Godefroy Geralt von Riva OC (Own Character)
13.07.2020
22.07.2021
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22.07.2021 3.720
 
Meine Augen weiteten sich erst verdutzt, dann brach ich in ein beschämtes Lachen aus. Kurz wich ich dem nachtschwarzen Blick des Vampirs aus, räusperte mich aber dann und sammelte mir genug Mut an, um zu antworten.
„Ich hoffe, ich habe gestern...Es war doch gestern, oder?“.

„In der Tat, Geralt brachte dich zum spätem Nachmittag des letzten Tages hierhin. Keine Sorge, zeitliche Orientierungslosigkeit und Gedächtnislücken gehören oft zu den Folgen eines so schweren Fiebers, wie du es hattest. Es würde mich sehr wundern, wenn du nicht unter diesen Symptomen leiden würdest.“

Ich griff mir in die dichten Haare meines Hinterkopf und fuhr einer Locke entlang. Vermutlich würde ich erst am Tag des jüngsten Gerichts die Gewohnheit ablegen, mit meiner Mähne herumzuspielen. Sie war immer noch ein wenig verknotet, aber dies ließ sich bei den Locken auch nie wirklich vermeiden.

„Naja, ich hoffe, ich habe nicht zu viel wirres Zeug in meinem Wahn gelabert. Meine Erinnerungen sind tatsächlich ein wenig schwammig...“, begann ich ein wenig kleinlaut. Hoffentlich hatte ich mich nicht grenzenlos vor Regis blamiert, bevor ich ihn überhaupt kennenlernen durfte. Der erste Eindruck war vermutlich ganz schön in die Hose gegangen. Vor meinem inneren Auge sah ich mich selbst Regis lallend um den Hals fallen und wurde bei dieser Vorstellung wieder rot an den Wangen. Ich betete zu irgendeiner höheren Macht, dass es nicht zu so etwas gekommen war.
Am Rande meiner Wahrnehmung erkannte ich ein Zucken der Mundwinkel des Mannes vor mir. Oh nein. Ich hatte wirklich so etwas gemacht, oder?

Mein Gesicht brannte vor Scham, doch der Gedanke an mein nun sicherlich rotes Gesicht verschlimmerte diese noch und ich befand mich in einem Teufelskreis aus Scham und Schamröte. Nun, Cat, viel mehr blamieren und einem Stoppschild ähneln kannst du nun eh nicht mehr. Die empfindliche Nase meines Gegenübers wurde bestimmt eh durch den Gestank meiner Nervosität malträtiert.

„Der Begriff ist in dieser Welt schwer zu erklären..äh...ich glaube, es würde einer Bücherreihe am ähnlichsten sein? Bitte, vergiss einfach alles, was ich gesagt habe“, beendete ich und aß weiter an dem Brot, welches Regis mir serviert hatte, um mich abzulenken.
Dieser brach in ein leises Lachen aus, welches er scheinbar reflexartig mit einer Hand überdeckte. „Keine Sorge, meine Liebe. Ich versichere dir, dass es zu keinen gravierenden Brüchen der Etikette kam“, sagte er und zwinkerte mir zu.

Als ich dies sah, weigerte sich mein Herz weiterzuschlagen und ich kippte auf der Stelle tot um. Okay, leider nicht, aber man durfte ja Träume haben. Stattdessen presste ich mit gequälten Augen meine Lippen zusammen und beschäftigte mich eingehend mit einem besonders interessanten Blatt ich meiner Kräuterpaste...Wow...es war so...grün...und...blättrig...

Regis schien meine Scham zu bemerken:„Wo wir uns grade mit deiner Hyperthermie beschäftigen, so habe ich auch einige Fragen dazu, falls du gestattest.“
Nach meiner etwas zu enthusiastischen Zustimmung fuhr er fort:„Ich muss zugeben, dass ich in meiner Zeit als Chirurg noch nie solch ein Fieber bekämpfen musste. Selten bin ich so ratlos gewesen, wie gestern Nacht, doch vielleicht kann dein außerweltliches Wissen ja Klarheit in die Sache bringen.“
Nachdenklich legte ich meine Hand ans Kinn.
„Ich befürchte, ich kann auch nicht weiterhelfen. Ich könnte dir zwar viel über Fieber erzählen, und wie es sich auf den Körper auswirkt, aber ich kenne keine Krankheit, die so kurze Fieberstösse verursacht.“, klärte ich den Vampir mit gesenktem Kopf auf. Ich schämte mich ein wenig, die Antwort nicht zu wissen, doch zwang mich, mir selbst zu verzeihen. Es war okay, sie nicht zu kennen. Wirklich. Reiss dich zusammen, Kind.

Trotz meiner negativen Antwort trat ein freudiges Glitzern in Regis pechschwarze Augen und ein geschlossenes Lächeln umspielte seine Lippen.
„Ursachen und Auswirkungen einer Hyperthermie? Ich muss zugeben, dass ich enorm an den medizinischen Fortschritten deiner Welt interessiert wäre. Denkst du, dass du fähig bist, mir eure Erkenntnisse zu erklären? Du bist noch geschwächt und ich möchte vermeiden, dich zu überanstrengen“, sprach er von Enthusiasmus in Besorgnis übergehend. Das Funkeln in seinen Augen wurde etwas weicher und seine Mundwinkel entspannten sich ein wenig.

Ich hingegen konnte mir ein Lachen bei dieser Aussage nicht verkneifen.
„Keine Sorge, meine Lehrer haben mir das Wissen so tief in den Kopf gehämmert, ich könnte es auch auf der Schwelle des Todes rezitieren. Aber mittlerweile geht es mir wirklich viel besser, nochmals Danke!“

„Und ich kann dir nur nochmals sagen, dass das alles selbstverständlich ist. Ich muss zwar zugeben, dass ich zu Beginn nicht sehr begeistert war, als Geralt hier mit einem Menschen auftauchte, doch ich hätte ihn niemals weggeschickt. Auch wenn sich meine Furcht, dass du mein Geheimnis entdeckst, bestätigt hat, so hast du um einiges besser darauf reagiert, als zu erwarteten war. Ich hoffe, ich kann darauf vertrauen, dass es weiterhin unter uns bleibt, Cat“, sagte Regis todernst mit einem Unterton, den man als bedrohlich interpretieren konnte. Sein Blick sprach dieselbe Sprache - sein Kiefer schien gepresst, die Augenbrauen waren leicht zusammengezogen und die Intensität hinter seinen schwarzen Augen ließ mich schwer schlucken.
Obwohl mein Herz pochte, blieb ich so ruhig, wie es mir möglich war und antwortete mit ebenso großer Ernsthaftigkeit:
„Regis, ich verspreche, dass ich keiner Menschenseele, oder Elfenseele, oder Zwergenseele, oder jeder anderen Art von Seele, die sich hier zu finden lässt, etwas von deinem Geheimnis erzähle. Ich schwöre es auf....äh...such dir was aus.“ Wow. Das mit der Ernsthaftigkeit kam wahrscheinlich nicht so rüber, wie ich sie gemeint hatte.

Zum Glück war Regis aufgrund meiner verbalen Hilflosigkeit nicht der Meinung, dass ich ihn anlog. Jedenfalls entnahm ich das dem weicheren Ton, den die Gesichtszüge des Vampirs wieder annahmen.
„Das weiß ich sehr zu schätzen. Im Gegenzug möchte ich dir auch nochmals versprechen, dass ich mich niemals an deinem Blut vergreifen werde, noch...“, Regis blickte mich scharf an, als ich protestieren wollte,„...noch dass ich dir auf andere Art und Weisen schaden werde. Während deines Aufenthaltes hier stehst du unter meinem Schutz.“
Da es vermutlich sinnvoller war ein ausgiebiges Gespräch mit der Wand zu führen, als einen erneuten Protestversuch zu unternehmen, bedankte ich leise bei meinem Gegenüber.

Nach einem Moment der Stille räusperte sich Regis und sagte etwas heiterer:„ Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, du wolltest dein Wissen über Fieber mit mir teilen.“
Belustigt schnaubte ich ein wenig und machte etwas Platz auf der Matratze, auf der ich die Nacht verbracht hatte und verkniff mir grade so ein Mein rechter, rechter Platz ist frei, ich wünsche mir den Regis herbei . Stattdessen klopfte ich kurz auf das provisorische Bett und sagte mit einem einseitigen Grinsen:

„Mach‘s dir lieber bequem. Ich denke, wir werden hier etwas länger sitzen.“
Regis setzte sich auf den nun frei gewordenen Platz im Schneidersitz, doch behielt (im Gegensatz zu mir) trotz seiner Entspannung eine fast schon majestätische Haltung bei. Pfft, davon konnte ich mir echt Mal was abgucken.

Der Vampir gab mir ein Zeichen, dass ich beginnen konnte und zeichnete so den Anfang einer sehr langen Konversation ab. Ich fing allgemein an, und ging immer tiefer ins Detail. Ich erzählte dem Arzt neben mir von Proteinen und ihrer Denaturierung, vom Sollwert und vom Istwert und der RGT-Regel. Ab und zu ging ich in meinem Redefluss etwas zu sehr ins Detail und musste zurückrudern, was Regis meist humorvoll kommentierte. Generell brachte sich der Vampir angeregt in die Konversation ein und hielt manchmal selber kleine Monologe über medizinische Erkenntnisse, die er oder andere berühmte Ärzte (mit denen er allesamt eng befreundet war) Zeit seines Lebens gemacht hatten. Die ganze Zeit über leuchtete ein interessiertes Funkeln in seinen tiefschwarzen Augen, egal ob er selbst redete oder ich. Im Laufe dieses für uns beide sehr informierenden Gesprächs hatten wir uns auf der Matratze so bewegt, dass wir nun weniger nebeneinander als gegenüber voneinander saßen (Ich weigerte mich allerdings, der mit Spinnweben bedeckten Wand näher zu kommen. Ich war immer noch sehr skeptisch).

„...als fiebersenkend hat sich die Acetylsalicylsäure bewiesen, die wir umgangssprachlich Aspirin nennen. Sie stammt ursprünglich aus dem Saft der Weidenrinde...“, ich brach ab als Regis seinen Zeigefinger hob und schwenkte, als wäre ihm eine Idee gekommen.

„Entschuldige die Unterbrechung, ich glaube ich habe dazu noch irgendwo etwas rumliegen“, sagte er und erhob sich so schnell, dass Geralt high auf Hexertränken wie eine Schnecke wirkte. Mit langen Schritten bewegte sich der Vampir auf seinen Schreibtisch zu und wich dabei elegant den kupfernen Destillationsapparaten aus. Kurz wühlte er fast hektisch in einem unordentlichen Blätterstapel (noch ein paar mehr davon, und man könnte meinen, es wäre mein eigener Schreibtisch), bevor er ein einzelnes vorsichtiger herausnahm und sich wieder zu mir gesellte.

„Hier“, gab er mir das Pergament,„meine Experimente haben ergeben, dass bei erhöhter Konzentration von...“
Ich hörte Regis gar nicht weiter zu, denn was ich auf diesem Papier sah, ließ meinen Atem stocken und meinen Mund offen stehen. Geschockt legte ich eine Hand auf diesen, als ich versuchte, dass vor mir liegende zu verarbeiten.



Ich konnte nicht lesen.

„Oh neeeeeiinnnn“, stieß ich frustriert aus, was gepaart mit einem genervt-amüsierten Glucksen wahrhaft seltsam klang. Im Augenwinkel erkannte ich eine Bewegung und kurz darauf wurde mir das Blatt aus der Hand genommen.

„Darf ich fragen, was los ist, Catherine?“

Nach einen weiteren tiefen Atemzug schaute ich in Regis‘ leicht besorgte Augen und antwortete:„Diese Welt scheint eine andere Schrift zu benutzen als meine“

„Oh“

„Ja“, seufzte ich etwas leidend.

„Nun, das ist äußerst unerfreulich. Aber wir können dann von Glück reden, dass wir überhaupt dieselbe Sprache sprechen.“
Da hatte er zwar einen Punkt, doch half nicht wirklich gegen meine gegenwärtige Frustration.
„Hier sitze ich, in einer fremden Welt, mit nichts als meiner Kleidung am Leib, und nicht einmal DIE gehört mir wirklich, und jetzt kann ich sogar nicht lesen?! Ich...Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll“
Ich schnaufte verzweifelt und zog meine Beine an die Brust, die ich sofort mit meinen Armen umschloss. Ich weigerte mich, Regis anzusehen, doch fühlte bald eine große Hand auf meiner Schulter.

„Sorge dich nicht, Geralt und ich werden dir helfen, dich hier zurecht zu finden. Außerdem hat unser Hexer einige Bekannte, die dir sicher helfen können, nach Hause zu kommen.“

„Dankeschön, Regis. Es...wird schon alles gut werden...irgendwie“, bedankte ich mich mit einem traurigen Lächeln bei besagtem Vampir.
„So unangenehm mir das auch ist…Kannst du sie mir vielleicht beibringen?”
Er antwortete nicht, sondern holte sofort mehrere Stück leeres Pergament, eine Feder und ein Tintenfass.
Die nächsten Stunden verbrachte ich damit, die neuen Buchstaben so oft aufzuschreiben, bis meine Hände schmerzten wie nach einer Deutsch-LK Abiklausur. Sie schmerzten fast so sehr wie mein Hirn, da ich quasi im „Speedrun“ versuchte, mir alles einzuprägen, sodass ich hoffentlich am Ende des Tages nicht komplett verloren war. Tatsächlich war aber dieses neue Alphabet nicht ganz so schwer wie ich es mir ausgemalt hatte, da die Buchstaben und die Aussprache bestimmter Kombinationen unserem gar nicht so unähnlich war. Nur selten traf ich auf komplett neue Buchstaben und Orthographieregeln, die dann jedoch etwas schwerer zu merken waren.
Regis erklärte mir alles einmal kurz und beantwortete gegebenenfalls meine Fragen, stand aber relativ zu Anfang meiner langen Schreibesession auf und entschuldigte sich:
„Vergib mir, doch ich muss noch einige Vorkehrungen treffen, bis unser Freund und Hexer uns wieder besucht. Ich befürchte, ich bin in unserem Gespräch etwas zu sehr gefesselt worden.“
Trotz seines Lächelns biss ich mir nervös aus die Lippe und schaute den Dunkelhaarigen etwas unsicher an.

„Es tut mir leid, ich wollte nicht-“
Der Vampir erwiderte dann zwar sanft, aber mit Nachdruck:„ Kein Grund, sich zu entschuldigen. Wenn auch unbewusst, war es meine Entscheidung, unseren Diskurs so lange fortzusetzen.“
Ich erwiderte nichts, doch ein nagendes Schuldgefühl setzte sich in meine Brust wie ein Parasit. Hatte ich hier echt nichts besseres zu tun, als Regis vollzulabern? Der arme Mann. In der Schule hatte man auch schon immer gesagt, ich würde zu viel reden.

Trotz meines inneren Tumultes nickte ich Regis mit einem Lächeln, das meine Augen nicht erreichte, zu, und wandte mich meinen Studien zu. Während den Stunden meiner Arbeit sah ich meinen Gastgeber fleißig an einem Kessel arbeiten, in dem er wahrscheinlich Resonanz zubereitete. Ab und zu verließ er die Krypta, doch kehrte meist nach wenigen Minuten zurück. Das Geräusch seiner Schritte sowie vereinzeltes Murmeln hatten eine seltsam beruhigende Wirkung, sodass sich meine Laune bald wieder hob und ich mich besser auf die Blätter vor mir konzentrieren konnte.

Plötzlich, als ich grade meine Feder aus Angst vor spontanem Extremitätenverlust hinschmeißen wollte, ertönte ein lauter Knall am anderen Ende der Krypta, gefolgt von dem vergleichsweise leisen Geräusch von Schritten.
„Geralt ist zurückgekehrt, und das sogar schneller, als ich zu hoffen wagte“, sprach Regis mit einem Blick zu mir bevor er aufstand und sich in Richtung des herannahenden Hexers begab. Unsicher, was ich machen sollte, stand ich (etwas zu schnell) auf und erntete prompt ein kleines persönliches Feuerwerk vor meinen Augen. Der dazugehörige kurze Schwindelanfall verführte mich fast dazu, mich wieder auf die Matratze sinken zu lassen, doch das war mir dann doch etwas zu unangenehm. Eine Sekunde wartete ich noch, damit die Krypta nicht mehr so aussah als hätte ein farbenblinder Maler versucht aus ihr ein abstraktes Kunstwerk zu machen, dann folgte ich dem Vampir wieder. Dieser warf mir kurz über die Schulter einen Blick zu, vielleicht um sicher zu stellen, dass mein Fieber doch nicht von 0 auf 100 zurückgekommen war, doch wandte sich schnell dem Weißhaarigen zu, welcher mittlerweile in unserem Sichtfeld war.

Geralt sah ziemlich bedrohlich aus. Dicke, schwarze Adern formten ein wirres Netz auf seiner totenbleichen Haut, die bernsteingelben Katzenaugen waren zu engen Schlitzen verzogen. Seine Rüstung war verdreckt, als hätte er wie ein Hundewelpe im Schlamm herumgetollt und eine seltsame, orangene Flüssigkeit klebte an ihm in zufällig verteilten, faustgroßen Flecken. Ein Geruch, der mich an Magensäure erinnerte, bahnte sich in meine Nase, die sich reflexartig rümpfte.

„Regis“, sagte er als Gruß,„ich sehe deine Fähigkeiten als Arzt sind um kein Deut zurückgegangen seit-“, plötzlich brach Geralt ab und warf erst mir, dann dem Vampir neben mir einen Blick zu. Dieser erwiderte einen für mich undefinierbaren Gesichtausdruck, bevor er antwortete:

„Danke, mein Freund. Allerdings glaube ich, dass die schnelle Heilung meiner Patientin nicht völlig aus meinem medizinischem Talent und Bildung entsprang. Doch sag: Hast du das, worum ich dich gebeten habe?“

„Natürlich, oder denkst du, ich kann einfach nicht genug von dieser romantischen Gruft kriegen?“, antwortete Geralt trocken und reichte Regis eine größere Phiole, deren Inhalt mich wage an einen zu stark verdünnten Spinatsmoothie erinnerte.

Regis lachte leise:„Ich dachte eher an meine wundervollen Konversationskünste. Oder hat dich unser Gespräch im Mondschein abgeschreckt?“
Auf diesen Kommentar hin musste ich ziemlich schmunzeln, was die katzenartigen Augen des Hexers auf mich lenkten, die daraufhin etwas von ihrem Humor verloren.

„Niemals, mein Freund. Selbst deine furchteinflössend langen Monologe machen mir keine Angst. Doch du“, ging er einen Schritt auf mich zu,„du schuldest mir mächtig viele Antworten.”
Die stechend goldenen Augen des Hexers machten mich etwas nervös, als wurden jeden Moment Pfeile aus dem Edelmetall daraus hervorschiessen und mich durchbohren würden. Ich schluckte, verlagerte mein Gewicht und sagte mit gespieltem Selbstbewusstsein:
„Ich weiß es nicht“

„Was?“,schnaubte der Hexer verwirrt und etwas gereizt,„Ich habe dich noch gar nichts gefragt“

Nicht einmal ein Kleinkind hätte es mir abgekauft, wenn ich nun sagen wurde, ich hätte keine Angst, doch ich übersah es bei mir selber geflissentlich als ich in denselben Ton antwortete:
„Du wolltest Antworten von mir, doch ich befürchte, du würdest nur viele verschiedene Variationen von dieser bekommen. Glaub mir, ich wüsste unglaublich gerne, was zum Teufel hier eigentlich abgeht!“

Geralt tat einen weiteren Schritt auf mich zu, sodass ich meinen Nacken fast unkomfortabel nach hinten legen musste. Hatten hier alle Männer als Baby neben Muttermilch auch Wachstumshormone pur geschluckt?
Der Hexer stand nun eindeutig in meiner persönlichen Sphäre, denn er stand nun so nah an mir dran, dass ich trotz seiner Größe problemlos einer seiner weißen Strähnen greifen könnte ( und dass ich neben dem Magesäurengeruch auch wieder den vertrauten Geruch nach Kompost wahrnehmen konnte. Lecker.). Im Hintergrund hörte ich Regis sich räuspern, doch er wurde eiskalt von Geralt ignoriert.
„Also hast du mich in den letzten Jahren nicht bewusst in meinen Träumen aufgesucht?“

„Nein“

Einen weiteren, langen Moment schaute mich Geralt so intensiv an, dass ich Angst hatte, spontan in Flammen aufzugehen, und seine Nasenflügel weiteten sich sich kurz, bevor er wieder einen Schritt nach hinten tat, sich zu Regis umdrehte und grummelte: „Sie lügt nicht“
Der Vampir schien sich dazu äußern zu wollen, doch ich kam (gereizter, als es für mich typisch war) ihm zuvor:
„Nein, tut sie nicht. Das einzige, was sie weiß, ist dass sie von einer anderen Welt kommt, sie aber nicht weiß, wie sie hier gelandet ist“
Der Hexer schaute mich erst so an, als hätte ich mich vor seinen Augen in eine Kikimora verwandelt und dann, als hätte ich grade behauptet, ich wäre eine Kikimoraprinzessin...falls es sowas geben sollte.

Geralts Ungläubigkeit wurde aber schnell zur Nachdenklichkeit, als ich ihm (mit begleitendem Kommentar des hiesigen Vampirs) meine Situation erklärte. Er griff sich in den weissen Bart, den er langsam entlangfuhr, und grummelte in seine Hand.
„Du bist, soweit ich weiss, die Einzige, der so etwas unabhängig von einer Spährenkonjunktion passiert ist. Ich werde mich so schnell wie möglich mit Triss und Yennefer, das sind zwei gute Freundinnen von mir, in Kontakt setzen. Sie sind vermutlich die, die sich am besten mit...sowas...auskennen“, bei dem sowas gestikulierte er wild,„Außerdem bin ich mir sicher, dass beide sehr an diesem Fall interessiert sein werden. Doch im Moment haben wir dringendere Sorgen“
In diesem Moment warf er einen bedeutungsschwangeren Blick zu Regis, der diesen sofort zu verstehen schien:„In der Tat, wir haben eine Aufgabe von monumentaler Wichtigkeit. Bitte entschuldige uns kurz.“
Regis warf mir kurz ein kleines Lächeln zu und legte seine Hand eine Sekunde auf den heilen Arm, bevor er sich mit Geralt in Richtung seines brodelnden Kessels begab.
Unsicher (das schien ich zurzeit sehr oft zu sein), was ich machen sollte, setzte ich mich erneut auf die nach Kräutern und Staub riechende Matratze und beschäftigte mich ein wenig mit dem neuen Alphabet. Naja, so halb jedenfalls. Die andere Hälfte in mir beschäftigte sich damit, möglichst angestrengt Regis und Geralt zuzuhören, doch die beiden unterhielten sich einfach zu leise für meinen unterlegenden Gehörsinn. So'n Mist aber auch. Bestimmt lästerten die beiden grade über mich...oder sprachen über die Anschaffung der letzten Zutat für Resonanz, was viel wahrscheinlicher war.

Für mich selber dahinschmollend beschäftigte ich mich halbherzig mit den Pergamenten vor mir, bis die beiden Herren mir wieder die Ehre gaben, was länger dauerte, als gedacht. Ich schaute auf, als ich die Schritte der Männer fast direkt vor mir waren, und schluckte schwer bei dem Anblick, der sich mir bot.
Regis stand hoch über mir. Das war ich zwar mittlerweile gewohnt, doch diesmal lag eine gefährliche Dunkelheit in seinem Blick, die mir die Nackenhaare hochstehen ließen. Seine Hände hielten sich fast verzweifelt an seiner Tasche fest und verlagerte sein Körpergewicht mehrmals hintereinander bevor er wie unter schlimmen Schmerzen keuchte:„Geralt und ich müssen fort...wir...ich...“, seine Nasenflügel blähten sich auf und er ging einen weiteren Schritt auf mich zu, „Ich wollte dich um einen ... Gefallen bitten...“

„Ist alles in Ordnung, Regis? Kann ich dir irgendwie helfen?“, sagte ich besorgt mit ein wenig Furcht, die ich eigentlich nicht durchsickern lassen wollte.
Wow, Cat. An dich geht der Preis der dümmsten Frage des Jahres. Natürlich war nicht alles okay, das sah ja ein Blinder mit Krückstock.

Mein Gegenüber schaute mich nur an intensiv an und leckte sich die Lippen, bevor er in einem unnatürlich tiefen Ton von sich gab:
„Ich will...“, im Hintergrund hörte man Geralt leise sein Silberschwert ziehen, die Sicht wurde mir aber von dem furchteinflössenden Vampir vor mir genommen. Dessen Blick schien aber daraufhin etwas klarer zu werden und er keuchte:
„Ich muss gehen.“
Daraufhin rannte der Dunkelhaarige förmlich aus der Krypta, während ich ihm mit Schweissperlen am Rücken hinterherschaute. Geralt schien auch mehr als erleichtert zu sein und steckte sein Silberschwert zurück in die Scheide.

„W-Was ist mit ihm?“, stammelte ich. So etwas hatte ich aber im Spiel nicht in Erinnerung gehabt.

„Unwichtig. Das Einzige, was du jetzt wissen musst, ist, dass Regis fragen wollte, ob du ihm einen Trank brauen kannst, während wir weg sind. Die Anleitung liegt auf dem Tisch dahinten“, er deutete wage hinter sich,„Falls was fehlt, liegt da auch eine Karte, auf der alle Kräuterkundler in der Nähe eingezeichnet sind. Das nötige Gold ist auch dabei.
Er hat auch noch ein wenig extra dagelassen, falls du noch etwas anderes brauchst. Wir sind vermutlich erst am späten Abend zurück.“

Unfähig, alle Informationen sofort zu verarbeiten, antwortete ich:„Äahhh...jaaaa. Brauchst du auch etwas vom Kräuterkundler?“

Der Hexer schien erst überrascht, dann sah ich ein kaum erkennbares Lächeln auf seinem Gesicht.
„Tatsächlich, ja. Müsste meinen Vorrat an Schöllkraut etwas aufstocken.“
Er drückte ein paar kalte Münzen in meine Hände.
„Danke“, sagte er kurz und drehte sich um, um sich auf den Weg in die Krypta zu machen, doch stockte noch kurz, „Ich sattle schonmal dein Höllenvieh. Oder kannst du das selber?“
Beschämt schüttelte ich den Kopf. Ich konnte zwar ein wenig reiten, gesattelt hatte ich aber noch nie ein Pferd.
„Hab ich mir schon gedacht...Pass auf dich auf. Ich bin zwar die meisten Monster in der Gegend losgeworden, doch es ist leider unmöglich, sie ganz los zu werden. Halte dich auf den größeren Straßen.“

Damit schien Geralt fertig zu sein, und er schritt seinen langen Beinen in Richtung Ausgang, bevor ich noch weiter etwas sagen könnte.
Ich bedankte mich leise, obwohl der Hexer bestimmt schon außer (jedenfalls menschlicher) Hörweite war, dann hörte ich die Tür zuknallen und ich war allein.

——————————

Ähhh..Hiii


Darf ich mich hier überhaupt noch blicken lassen?

Ich entschuldige mich für die EXTREME Verspätung :(
Bitte nicht hinrichten xD

Ich wollte allerdings noch etwas anmerken: Auch wenn diese Fanfiktion im Moment und noch sehr leicht und witzig ist, so wird sie das nicht immer sein! Es werden, zu mehreren Zeitpunkten, blutige Szenen und sexuelle Inhalte vorkommen. Ich versuche stets, den Schreibstil auf den Charakter und die Laune dessen anzupassen (was man auch in diesem Kapitel beobachten kann).
Also, nicht vergessen: Diese Fanfiktion ist P18!

Ich hoffe ihr hattet trotzdem Spass :D

Bis hoffentlich bald
Eure Kaddi
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