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Kaltes Herz

von Black Owl
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Astoria Greengrass Blaise Zabini Draco Malfoy Lucius Malfoy Narzissa Malfoy
13.07.2020
04.05.2021
38
101.517
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04.05.2021 2.481
 
Es kam Draco immer noch alles surreal, wie in einem verdammten Albtraum, vor. Als wäre es nicht echt. Als würde er jederzeit aufwachen und feststellen, dass das alles nur ein schrecklicher Albtraum war. Doch er wachte nicht auf. Die Zeit im Krankenhaus, eine recht kurze Zeit, war ihm bizarr vorgekommen. Astoria war still gewesen. Furchtbar still. Sie hatte nach dem Baby gefragt als sie wach wurde und er hatte … er hatte ihr gesagt, was passiert war. Sie hatte nicht geschrien. Nicht geschimpft. Nicht geweint. Sie war einfach nur still gewesen. Selbst als die Heilerin später gekommen war, um ihr alles zu erklären, war sie beinahe … teilnahmslos gewesen. Als wäre sie gar nicht da.

Sie hatte nicht einmal protestiert als man ihnen sagte, dass sie am nächsten Tag bereits entlassen werden konnte. Draco dagegen schon. Er hatte mit der Heilerin gestritten, ob das ihr verdammter Ernst war. Aber die Frau mittleren Alters hatte Draco recht schnell abgewürgt. Dass sie die Heilerin war und nicht er. Dass es nichts mehr gab was sie hier tun konnten. Die Blutung war gestoppt. Astoria musste jetzt zu Kräften kommen und sich erholen und dass sie das am besten Zuhause konnte. Verdammter Unsinn, nochmal. Trotzdem waren sie am späten Nachmittag Nachhause gegangen und Draco hielt es immer noch für keine gute Idee.

Dass dachte er auch jetzt als er im Türrahmen lehnte und dabei zusah, wie Astoria sich wieder hinlegte, nachdem sie sich umgezogen hatte und seine Mutter dabei half das Bett ihr zu richten. Er kam sich so nutzlos vor.
„Du wirst sehen, es wird wieder alles gut werden.“, sprach Dracos Mutter sanft. Gut? Wie sollte das hier gut werden? Sie hatte ein Kind verloren. Ihr… gemeinsames Kind. Draco senkte den Blick und schluckte hart bei den Gedanken. Er… konnte das ganze immer noch nicht fassen.
„Versuch zu schlafen, Astoria.“, meinte seine Mutter und sah auf als sie mit einem Schlenker des Stabes die Vorhänge zuziehen ließ.

Draco stellte sich gerader hin als Narzissa auf ihn zukam.
„Was… was ich kann ich tun?“
Denn er wusste es nicht. Er wusste generell nicht, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Seine Mutter lächelte traurig und blickte über ihre Schulter zu Astoria, die mit den Rücken zu ihnen lag.
„Sie braucht jetzt Ruhe, Draco. Der Trank wirkt sicherlich gleich. Sie schläft dann durch bis heute Abend.“ Sie atmete schwer aus und sah Draco wieder an. „Sei für sie da. Auch wenn sie es abstreitet, dass sie dich braucht. Denn sie tut es. Glaub mir.“ Und dann? Was sollte er sagen? Was tun? „Versprich mir da, ja?“
Draco nickte.
„Natürlich.“
„Lass etwas zum Abendessen vorbereiten. Und schau, dass sie isst und genügend trinkt.“ Er nickte erneut und seine Mutter blickte ihn besorgt an. „Soll ich hierbleiben?“

Er schüttelte den Kopf.
„Nein. Nein, Mum. Ich… ich bekomme das sicherlich hin.“
Sie berührte ihn an der Schulter.
„Wenn du mich doch brauchst, gib mir Bescheid. Ja? Zögere nicht, Draco. Jederzeit.“ Natürlich würde er das tun. Sie streckte sich etwas und küsste ihn mütterlich auf die Wange. Ihre blauen Augen glänzten verräterisch. „Es… es tut mir so leid, Draco so unendlich leid.“ Ja, ihm tat das hier auch leid. Er wünschte sich, er hätte dieses Geschenk eher wertgeschätzt, statt jetzt dazustehen und nichts tun zu können, wo man es ihm weggenommen hatte. „Ich wünschte, euch wäre das erspart geblieben.“
Das hätte er auch gehofft.

Er begleitete seine Mutter nach unten zum Kamin und verabschiedete sich von ihr, nachdem er ihr erneut versprach, dass er ihr Bescheid gab, wenn er Hilfe brauchte. Einen Augenblick blieb er einfach in der Eingangshalle stehen. Versuchte klar zu denken und ruhig zu bleiben. Er konnte jetzt nicht die Fassung verlieren. Nein, er durfte es nicht. Astoria brauchte ihn. Er wandte sich seufzend vom Kamin ab, nur um Richtung Küche zu gehen. Einige der Angestellten saßen an einem großen Tisch vor dampfenden Tassen und Mrs. Edwards sprang sofort auf als Draco sich räusperte. Er hob die Hand und sprach ruhig
„Bleiben Sie bitte sitzen.“, damit nicht alle aufsprangen, so wie die ältere Dame.
„Was können wir für sie tun, Sir?“, fragte die Ältere überfreundlich, obwohl er sich war, dass Mrs. Edwards Draco nicht leiden konnte und bestimmt auch nicht damit einverstanden war, dass Astoria ihn geheiratet hatte. Vermutlich glaubte sie, dass Abschaum war.

„Würden Sie für das Abendessen etwas Kräftigendes vorbereiten, für Astoria. Vielleicht einen Eintopf oder so etwas in der Art.“
Sie alle wussten sicher schon Bescheid. Genügend hatten mitbekommen wie Dracos Vater mit Astoria auf den Arm ins Haus gestürmt war. Mrs. Edwards blinzelte erstaunt.
„Ähm… natürlich, Sir.“
„Und wir brauchen oben noch frisches Trinkwasser.“
Am besten so viel wie möglich. Die Heilerin hatte gesagt, Astoria müsse viel trinken. Hanna sprang sofort auf und schien sich darum zu kümmern. Er bedankte sich und ging wieder nach oben, nur um festzustellen, dass Astoria wirklich schlief. Er ließ sich in den Sessel nahe dem Fenster fallen und schob den Vorhang ein Stück auf, um etwas Tageslicht hineinzulassen. Er atmete schwer ein und aus, bevor sein Blick wieder auf Astoria fiel. Sie wirkte so klein und zerbrechlich. Er seufzte. Und sie war immer noch so unheimlich blass.

Wie sollte es weitergehen? Was konnte er tun? Was konnte er tun, um ihr zu helfen? Sie zu unterstützen? Er hatte keine Ahnung wie er damit umgehen sollte. Er hatte das Gefühl als wären sie einfach so aus ihrem Leben gerissen worden. Als hätten sie es nicht schon schwer genug gehabt und ja, er wusste, dass er selbst für das Chaos von der Hochzeit verantwortlich war. Draco hatte nur geglaubt, dass sie endlich auf einem guten Weg waren. Dass sie eine Chance bekommen hatten. Er… hatte sich auf das Kind gefreut, was er zu Beginn nie gedacht hätte. Und jetzt? Jetzt war es einfach weg, als hätte es nie existiert. Wie sollten sie das überstehen? Er wusste es nicht. Er fühlte sich ratlos und damit überfordert.

Er sah auf als es klopfte und Hanna mit einer Karaffe Wasser und zwei Gläsern kam.
„Danke.“, sprach Draco knapp als sie die Dinge auf dem Sideboard abstellte.
„Kann ich sonst noch etwas tun, Sir?“, fragte Hanna nach und Draco schüttelte stumm den Kopf.
Niemand konnte ihm helfen. Nicht hierbei. Er sah ihr nach und seine Augen hefteten sich wieder auf Astoria als die Tür sich schloss. Er würde hierbleiben und warten. Er würde dafür sorgen, dass sie später aß und trank. Dass sie sich die nächsten Tage ausruhte, egal wie sehr er ihr vermutlich dabei auf die Nerven ging. Sie war seine Frau und verdammt, selbst wenn sie das nicht wäre, er sorgte sich um sie. Mehr als um jemand anderen.


Er wusste nicht wie viele Stunden er wach geblieben war. Nur, dass er am späten Abend sich müde gefühlt hatte und die Augen geschlossen hatte. Sie nur ein wenig schließen wollte, für ein paar Minuten. Es waren keine Minuten, das wurde ihm klar als er sah, dass es draußen tiefste Nacht war und er nahm die Bewegung im Raum war.
„Tori.“, sprach er und sprang regelrecht auf als sie scheinbar zurück zum Bett tapste. „Wie… wie fühlst du dich?“, fragte er vorsichtig und es kam ihm dämlich vor.
Sie sah ihn nicht an.
„Was machst du noch hier, Draco?“, frage sie schwach gegen und er zog seine Brauen nach oben.
Was war das für eine Frage? Was er hier machte?

„Hast du deinen Anwalt noch nicht aufgesucht?“, redete sie emotionslos weiter.
„Meinen Anwalt?“, wiederholte er verwirrt.
„Ja.“ Er verstand nur Eulenmist. „Für die Scheidung.“
Er starrte sie einfach nur an, bevor er den Kopf schüttelte.
„Ich werde mich nicht von dir Scheiden lassen.“
Verlor sie jetzt den Verstand?
„Wieso nicht?“, fragte sie tonlos und schien sich selbst zu umklammern, ohne ihn weiterhin anzusehen. „Du hast mich geheiratet wegen… wegen dem Kind. Es gibt kein Kind mehr. Also gibt es keinen Grund mehr für diese Ehe.“
Er murmelte betroffen ihren Namen, bevor er sich neben sie setzte. Sie zog ihr Gesicht noch mehr von ihm weg als er ihr die Haare hinters Ohr streichen wollte.
„Tori.“, wisperte er schwer und legte seine Hand in ihren Nacken. „Ich weiß, das ist kein Trost, aber du bist jung. Du kannst noch viele Babys bekommen.“
Eine ganze Quidditchmanschaft, wenn sie wollte.

Er spürte, wie sie zitterte.
„Du willst keine Babys.“ Er murmelte erneut ihren Namen und sie schluchzte. „Das war alles ein Fehler. Ich hätte dich nicht…“
Er unterbrach sie, in dem er seine Hände auf ihre Schultern legte und sie zwang sich ihm zuzuwenden.
„Hör auf. Hör auf das zu sagen.“ Wenn jemand ein schlechtes Gewissen haben musste, dann er. Nicht sie. „Ich weiß, dass du mir das jetzt nicht glaubst, Astoria. Aber wir überstehen das. Wir werden das überstehen, gemeinsam. Und ich… ich will Babys mit dir.“ Irgendetwas regte sich in ihren Augen. „Ich weiß, dass ich mich wie der letzte Idiot aufgeführt habe, aber ich habe mich nach dem Ultraschall wirklich auf das Baby gefreut.“
Das Baby das nicht mehr da war. Das sicher ein Mädchen geworden wäre. Draco wusste es einfach.

Er sagte erneut ihren Namen und legte seine Hände an ihr Gesicht, nur um mit den Daumen die ersten Tränen wegzuwischen.
„Wir stehen das gemeinsam durch.“, sagte er erneut. „Ich werde nie wieder weglaufen oder dich im Stich lassen, Astoria, weil du mein Leben bist.“ Sie hatte ihn gerettet. „Weil ich möchte, dass du glücklich wirst.“
Und alles bekam was sie sich wünschte. Weil er sie liebte. Er wollte gerade wieder den Mund aufmachen als Astoria aufschluchzte.
„Ich habe unser Baby verloren.“
Er nickte wissend und zog sie enger an sich als sie noch mehr weinte. Ihre Hände klammerten sich an ihn, während er sie festhielt. Leise auf sie einredete und seine Lippen auf ihr Haupt drückte. Sie würden das überstehen. Gemeinsam.






Als sie am dritten Tag die Augen aufschlug, war sie einen Moment geblendet von dem hellen Tageslicht und setzte sich irritiert in dem Bett auf. Draco war nicht da. Draco der die letzten beiden Tage nicht von ihrer Seite gewichen war. Dafür sorgte, dass Astoria aß und trank. Da war, wenn sie im Schlaf aufwachte durch Albträume oder einfach nur weinte, wegen dem Tod ihres Babys. Ihre Brust zog sich schmerzhaft zusammen als sie daran wieder dachte. Ihr Baby… ihr Baby war einfach nicht mehr da. Einfach tot. Sie rieb sich über die Augen. Sie wollte am liebsten wieder Schreien vor Verzweiflung als sie daran dachte. Wünschte sich immer noch, dass es einfach ein schlechter Traum war und sie wieder aufwachen würde und alles wie zuvor war.

Sie wandte den Kopf als die Tür aufging und Narzissa eintrat mit einem hinterher schwebenden Tablett.
„Du bist ja schon wach.“, begrüßte Dracos Mutter sie überrascht.
„Wo ist Draco?“, fragte Astoria ängstlich gegen.
War er doch weggegangen? Obwohl er die letzten beiden Tage immer und immer wieder zu gemurmelt hatte, dass er hierbleiben würde. Bei ihr bleiben würde, für immer. Narzissa ließ das Tablett auf das Sideboard sich abstellen und setzte sich zu Astoria ans Bett.
„Er redet mit Smith. Smith hat einige Dinge mit ihm zu klären und da du dich noch ausruhen sollst, tut er das.“ Er… was? „Es ist ohnehin eine gute Übung für ihn. Er sollte wissen was für eine Arbeit hinter deinen Aufgaben steckt.“

Die Frage war nur, kam er damit klar? Narzissa legte den Kopf schief und strich Astoria mütterlich über die Wange.
„Wie fühlst du dich, Liebes?“ Astoria senkte den Blick und sagte nichts. „Ich verstehe.“, murmelte ihre Schwiegermutter. Tat sie das? Wer könnte das schon verstehen? „Wir werden jetzt Frühstücken, dann machst du dich fertig und dann gehen wir Spazieren. Frische Luft wird dir guttun.“, sprach Narzissa, stand auf und zog die restlichen Vorhänge auf und öffnete die Fenster. „Heute ist es nicht so warm. Eher sogar mildes Wetter.“
„Narzissa.“, schluckte Astoria hart. „Ich kann nicht. Ich…“
Sie konnte nicht. Sie fühlte sich kraftlos und erschlagen. Irgendwie am Ende.

Dracos Mutter sah sie milde lächelnd an, setzte sich wieder zu Astoria ans Bett und griff nach ihrer Hand.
„Ich weiß, wie du dich fühlst. Mir ging es ähnlich, nach meinen Fehlgeburten.“
Astorias Augen wurden groß.
„Du… du hattest Fehlgeburten?“
Narzissa griff nach einer ihrer Hände und nickte, bevor sie Astoria wieder ansah.
„Insgesamt drei.“ Astoria konnte es nicht fassen. Sie hatte… sie hatte keine Ahnung gehabt. „Weißt du, im Gegensatz zu dir, war ich nicht gesund. Oder zumindest in Sachen von Fortpflanzung nicht ganz… nun, meine Mutter nannte es immer nicht intakt. Aber ich fand die Beschreibung schrecklich.“
Es hörte sich für Astoria nur grausam an.

„Deshalb wollte sie auch nicht, dass Lucius mich heiratet, sondern lieber eine meiner Schwestern nimmt.“ Was für eine bizarre Vorstellung. Narzissa lächelte breiter. „Aber Lucius war das egal. Er liebte mich und wollte mich. Es war ein fürchterliches Drama zwischen unseren Familien, weißt du. Bevor ich mit Draco schwanger wurde, hat es fast zwei Jahre gedauert, bis ich schwanger wurde und ich habe… ich habe unser erstes Kind, einen Sohn, verloren. Ende des vierten Monates.“ Astoria senkte den Blick. Dachte an ihr kleines Baby. Dieses winzige Ding auf den Ultraschallbildern. Das kleine Schlagen des Herzens, dass sie beim Heiler gehört hatte. „Als ich Draco, nach anstrengenden Monaten, gesund im Arm hielt, war ich einfach nur überglücklich.“

Das konnte sich Astoria gut vorstellen.
„Und Lucius hätte das gereicht. Er… er hätte sogar auf Kinder verzichtet. Aber… ich wollte Kinder. Ich wollte eine Familie. Also habe ich es zwei weitere Male versucht, gegen den Rat des Heilers.“
„Mädchen oder Junge?“, hakte die Jüngere leise nach.
„Erst ein Mädchen und dann wieder ein Junge.“, antwortete Narzissa ruhig. „Nach der dritten Fehlgeburt, gab es schlimme Komplikationen. Nun… es führte dazu, dass mir mein Draco ausreichen musste.“
Astoria sah die Ältere einfach nur an, bevor ihre Lippen bebten.
„Was… was, wenn ich nie Kinder bekomme?“

Sie schluchzte wieder, wie so häufig, und die Blondine zog sie an sich.
„Unsinn. Die Heilerin hat gesagt, dass du völlig gesund bist und die Fehlgeburt, keinen Schaden angerichtet hat.“ Wie es sich anhörte. „Und ich weiß, Tori, dass dir das kein Trost sein wird. Aber Fehlgeburten kommen vor, auch bei gesunden Frauen. Und irgendwann wirst du Mutter werden. Da bin ich mir sicher.“
Und wenn nicht? Sie wollte immer Kinder. Sicher, sie hatte nicht so früh damit gerechnet, aber irgendwann damit gerechnet hatte sie eben schon. Als sie sich beruhigt hatte, ließ Narzissa sie los und strich ihr erneut sanft über die Wange.
„Hört es irgendwann auf, so wehzutun?“, frage sie leise und das Lächeln von Dracos Mutter wurde ein wenig trauriger.
„Ja. Ja, es wird irgendwann leichter. Aber… dieser Verlust wird nie richtig vorübergehen, Astoria. Du hast… ein Baby verloren. Dein Baby. Und jeder Tod eines Kindes, ob geboren oder ungeboren, ist ein Verlust. Fühlt sich so an, als hätte man dir ein Teil deiner Seele rausgeschnitten.“ Genauso. „Aber es wird leichter werde, ich verspreche es, Tori.“
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