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der Tag an dem ich meine Oma verlor

OneshotFamilie, Schmerz/Trost / P12
12.07.2020
12.07.2020
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Hallo meine Lieben,

die nachfolgende Geschichte ist wahr und tatsächlich so passiert, es ist ein Ereignis, was ich mir einfach von der Seele schreiben wollte. Mir fiel es schwer, die richtigen Worte zu finden, da es dafür keine richtigen Worte gibt. Es gibt kaum Worte, die das beschreiben, was passiert ist und was ich gefühlt habe, diese Hilfslosigkeit, diesen Schmerz.
Sicher hat diese Geschichte Rechtschreibfehler, oder es fehlt ein Komma, das tut mir sehr Leid. Dennoch hoffe ich, sie gefällt Euch irgendwie.

Viel Spaß

Liebe Grüße
Bueroazubi
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Es war Abends, gegen 18:00 Uhr, als meine Oma und ich losfuhren. Die letzten Jahre machte ich es immer so, wenn ich Urlaub hatte, versuchte ich sie zu besuchen. Genauso, wie auch dieses Mal.
Wir gingen erst gegen 18:00 Uhr los, da wir uns gegen 16:00 Uhr kurz schlafen legten und es zu dieser Zeit noch sehr warm war.
Der Strand vom Haussee war nur ca. 2 Minuten mit dem Auto, daher ließen wir sämtliche Wertgegenstände wie Geldbeutel und Handy in ihrer Wohnung liegen.
Am Strand angekommen, suchten wir uns eine ruhige Ecke, in der wir unsere Rucksäcke mit den Ersatzklamotten, sowie den Handtüchern ließen.
Meine Oma meinte zu mir, ich solle zuerst ins Wasser gehen, um zu schauen, wie die Temperatur für mich ist. Es war angenehm kühl. Zwar brauchte ich einen Augenblick um mich an die Wassertemperatur zu gewöhnen, aber es war herrlich.
Es gab einen etwas höheren Steg, der ins Wasser verlief, von denen einige Jugendliche herunter sprangen. Die Sicht war herrlich, man konnte den großen See überblicken. Links standen einige Häuser am Wasser, der Rest war Wald. Wald, wohin das Auge auch reichte.
Nach einigen Minuten ging ich heraus und schickte meine Oma ins Wasser. Sie meinte, sie würde langsam ins Wasser gehen, sie sei ja schließlich schon etwas älter, da müsse man ja aufpassen.
Sie gab mir irgendwann ein Zeichen, ihr zu folgen. Wir schwammen ein wenig in dem See, ehe wir wieder zurück kehrten. Die Luft war uns zu schwül, um weiter zu schwimmen. Als wir fast aus dem Wasser fast wieder heraus waren, meinte meine Oma, sie würde schwer Luft bekommen. Ich war es schon gewohnt, da sie an einer Asthma und COPD-Erkrankung litt. Ich ging schnell aus dem Wasser, um ihr ihren Inhalator zu bringen. Als ich zurückkam, war sie bereits aus dem Wasser heraus und hatte sich an den Rand gesetzt. Ich reichte ihr das Spray. Es zeigte leider nicht die gewünschte Wirkung, also fragte ich sie, ob ich einen Krankenwagen rufen soll. Sie schüttelte zwar mit dem Kopf, ich tat es dennoch. Ich lief zu der ersten Dame herüber und fragte, nach einem Handy. Da sie keines dabei hatte, lief und zu einer Mutter mit ihren Kindern und fragte nach einem Handy. Gott sei Dank hatte sie eines dabei. Die erste Dame schien sich hier auszukennen und rief für mich einen Krankenwagen und Notarzt.
Sofort kehrte ich zu meiner Oma zurück. Sie hatte sich in der Zwischenzeit umgedreht und lag auf den Knien und Ellbogen abgestützt. Die Zeit schien nicht vergehen zu wollen und der Krankenwagen schien ewig zu brauchen.
Als der Notarzt ankam, informierte ich ihn über die entsprechenden Vorerkrankungen und den Verdacht auf Asthmaanfall. Er kniete sich zu ihr herunter und drehte sie auf den Rücken. Er blickte zu mir hoch und fragte, ob ich reanimieren könnte.
Ich schüttelte den Kopf. Ich habe es zwar im Erste-Hilfe-Kurs gelernt, aber in diesem Moment konnte ich nicht. Ich schüttelte den Kopf und mir liefen die Tränen.
Um die Rettungskräfte in Ruhe arbeiten lassen zu können, ging ich ein paar Schritte weg. In diesem Moment wusste ich, ich musste den Rettungskräfte Raum und Zeit zum Arbeiten geben, ich musste alles zusammen packen und meinen Vater informieren. Daraufhin traf auch schon der bestellte Rettungswagen ein, die Besatzung lief zu dem Notarzt um zu helfen. Ich ging erneut zu der Mutter und fragte, ob ich meinen Vater informieren dürfte, da sein Bruder in der Nähe wohnt, in der Hoffnung, er könnte vorbeikommen. Sie gab mir ihr Handy und ich rief meinen Vater an. Er notierte sich alles und meinte, ich solle mich melden, wenn es Neuigkeiten gibt und er versucht, seinen Bruder zu erreichen, dass dieser dort hinkommt. Ich ging zu unseren Sachen, diese mussten schließlich zusammengepackt sein, wenn der Notarzt es schaffte und wir ins Krankenhaus gemusst hätten. Einer der Sanitäter folgte mir und unterhielt sich mit mir. Die erste Dame kam wieder zu mir und leistete mir die ganze Zeit Gesellschaft, womit der Sanitäter zurückgehen und helfen konnte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hörten die Sanitäter auf. Ich ging hin, um zu fragen, wie es meiner Oma geht. Der Notarzt schaute mich an und meinte nur, dass sie nichts mehr für sie tun konnten. Ich brach heulend zusammen. Ich zitterte am ganzen Körper und fragte den Notarzt, warum sie solange gebraucht haben, bis sie endlich hier eintrafen. Ich weiß nicht, wie lange ich da saß und weinte. Einfach nur weinte, um den Tod meiner Oma. Nachdem ich mir kurz beruhigt hatte, sah ich den Notarzt an und entschuldigte mich für meine Worte und meinte, er mache auch nur seinen Job.
Die Mutter mit dem Telefon kam zu mir gelaufen und sagte, mein Vater sei am Telefon.
Es war das schwierigste Telefonat, das ich jeh führen musste. Meinem Vater zu sagen, dass seine Mutter gerade in meiner Anwesenheit verstorben ist. Das Einzige, was ich herausbrachte, war ein “Es tut mir Leid.” Mein Vater weinte am Telefon. Meinen Vater habe ich so gut wie noch nie weinen gesehen, geschweige denn gehört. Das ist das Letzte, woran ich mich erinnere, bis meine Tante und eine ihrer Töchter schließlich auftauchten. (Aus Erzählung meiner Mutter weiß ich, dass zwischen dem Anruf mit meinem Vater und dem Anruf meiner Tante, dass sie nun da sein, eine halbe Stunde lag. Eine halbe Stunde, von der ich keinerlei Erinnerung habe, ich nicht weiß, was passiert ist. Ich weiß aber auch nicht, ob ich das wirklich wissen will.) Der Notarzt benötigte einige Daten, sowie ihren Personalausweis. Ich hatte jeglichen Zeitgefühl verloren, es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Notarzt alle Daten hatte und meine Tante den Ausweis aus der Wohnung meiner Oma geholt hat. Sie hatte in der Zwischenzeit ihren Mann, den Bruder meines Vaters, erreicht, sowie ein weiteres Kind meiner Oma erreicht und informiert.
Danach ging ich zu meinem Onkel und konnte erstmal da bleiben. Wir holten nur kurz mein Sachen aus der Wohnung meiner Oma und fuhren dann zu meinem Onkel.
Meine Eltern kamen noch in derselben Nacht aus Schleswig-Holstein nach Mecklenburg Vorpommern, um für mich da zu sein und alles zu klären.

Das Ganze ist nun fast 5 Jahre her, und dennoch ist es unglaublich schwer. Der Notarzt hatte festgestellt, dass es wohl eine Herz-Rhythmus-Störung gewesen sein musste.
Ärzte und Sanitäter haben mir im Laufe der Jahre berichtet, dass es nicht meine Schuld war und ich nichts hätte tun können. Das ich alles getan habe, was möglich war.
Und doch ist es schwer, das zu begreifen, auch nach all der Zeit fühle ich mich irgendwie schuldig, als ob ich meine Oma zu der Zeit im Stich gelassen habe.
Da es psychisch leider mehr Auswirkungen hat, als mir lieb ist, bin ich bei einem Psychologen, der mir hoffentlich hilft, mit all dem fertig zu werden.

Genießt die Zeit mit Euren Großeltern, ihr wisst nie, wie viel Zeit Euch noch bleibt. Meine Oma war noch super fit für ihr Alter. Genießt die Zeit, hört ihnen zu, schenkt ihnen Eure Zeit und Euer Ohr, nehmt sie einfach mal in den Arm, sie werden sich darüber freuen. Tut es, ehe es zu spät ist und ihr sie nie wieder sprechen könnt, nie wieder in die Arme schließen könnt. Ich würdet es bereuen, da bin ich mir sicher.
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