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Divergenz

von Alwaid
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
12.07.2020
26.02.2021
21
57.426
7
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19.09.2020 3.173
 
Dan Karlson und Irina standen wenig später vor Colonel Lennox Schreibtisch. Irinas Unterlippe war geschwollen und ihr linkes Auge blau unterlaufen. Dan Karlson neben ihr wirkte nicht minder lädiert. Über seinem linken Auge prangte eine rote Beule und die Bisswunde an  seiner Schulter schmerzte ihn sichtlich.

„Ms. Miller, ich möchte zuerst Ihre Schilderung des Vorfalls hören.“ begann Lennox die Befragung,  „Es heißt, es hätte einen Kampf zwischen Ihnen beiden gegeben.“
„Den gab es nicht.“, antwortete Irina ruhig, „Wir haben nur diskutiert, Sir. Dabei wurde ich sehr unhöflich, meine Wortwahl war unangemessen und mein Kollege hat zurecht erbost darauf geantwortet.“
Dan Karlson warf Irina einen überraschten Blick zu.

„Ah ja, das sehe ich. Worum ging es in dieser Diskussion?“, hakte Lennox nach und zog beide
Augenbrauen hoch.
„Über die richtige Vorgehensweise bei der Fehlerdiagnostik.“
„Ach ja? Und woher haben Sie diese Verletzungen im Gesicht?“
„Ich habe gestern die erste Stufe einer Treppe im Wohngebäude verpasst und bin gestürzt. Daher sind die Schrammen.“

„Mhm“, brummte Lennox, presste gereizt seine Kiefer aufeinander, atmete deutlich hörbar durch die Nase ein  und sah zu Karlson.
„Nun, Mr. Karlson, woher stammen Ihre Verletzungen?“
„Vom gestrigen Training nach Feierabend, Sir.“
Lennox warf genervt seinen Kugelschreiber vor sich auf den Schreibtisch und brüllte dann los.
„Wollen Sie beide mich eigentlich verarschen?“ Er sprang von seinem Stuhl auf und schlug mit beiden Händen auf die Tischplatte. Irina zuckte zusammen, Dan Karlson verzog keine Mine.

„Ihr beide versucht tatsächlich mich für dumm zu verkaufen. Der Lärm aus Hangar 26 hat dazu geführt dass eine vorbeifahrende Streife der Militärpolizei aufmerksam wurde. Ich weiß genau was hier vorgefallen ist!“, schrie Lennox weiter.

Nein, weißt du nicht, dachte Irina, du vermutest es nur. Beweisen kannst du gar nichts. Außerdem ist die MP nicht zufällig vorbei gefahren, die wollten sich bei einer Tasse Kaffee bei uns verkrümeln. Du hast wirklich keine Ahnung.

Derweil tauchte Blue hinter dem tobenden Colonel im Regal auf, Irina bekam große Augen und hielt kurz den Atem an. Bitte, dachte sie, bitte Blue verschwinde, sonst eskaliert das gleich endgültig. Und tatsächlich verschwand Blue sofort. Lennox fuhr herum, sah aber nichts mehr.  Karlson behielt sein ausdrucksloses Gesicht.
„Es handelt sich hier um ein klassisches Missverständnis, Sir, “ versuchte Irina zu beschwichtigen.
„Ich will keine weiteren Erklärungen hören!“ fuhr Lennox sie an. „Sie warten beide vor der Tür, während ich diesen Vorfall mit Jack bespreche.“ Lennox griff zum Telefon. „Raus!“

Die beiden Streithähne verließen das Büro, Irina setzte sich auf einen Stuhl im Flur, lehnte sich an die Wand und blickte durch die Fensterfront in den Hangar. Karlson schritt nervös auf und ab.
„Hey, es tut mir leid, “, sprach Irina Dan Karlson an.
Der fuhr herum und zischte: „Was tut dir leid?“
„Ich habe vorhin deine Beinprothese bemerkt.“
„Du weißt gar nichts!“
„Die Verletzung dürfte ungefähr 18 Monate zurückliegen. Ich vermute, bei einem deiner Einsätze hast du dein Bein verloren und nach der Reha hat man dir einen Job bei den Mechanikern gegeben.“

„Du elendes Miststück.“, fauchte Karlson und ging langsam auf Irina zu.

„Ich hatte wirklich nicht die Absicht dich so dermaßen zu verletzen. Das war richtig mies von mir. Es tut mir leid.“ sagte Irina.
Karlson beugte sich zu Irina und schlug je eine seiner Fäuste  links und rechts neben ihren Kopf gegen die Wand.
„Weiß du was, kleine Schlampe, das ist mir egal.“, flüsterte er. „Ich wünschte ich hätte Gelegenheit gehabt dich zu erledigen.“
Irina hob den Kopf und sah ihm mit zornfunkelnden Augen ins Gesicht.
„Weißt du was ich jetzt mache, Arschloch? Ich bleibe bei meiner Geschichte und was du tust ist mir scheiß egal.“, fauchte Irina leise. „Ich habe mich entschuldigt, aber fertig machen lass ich mich von dir trotzdem nicht. Na los, schlag noch mal zu. Du hast ja vorhin gemerkt, dass die kleine Schlampe sich doch ein klein wenig wehren kann.“

Die Bürotür flog auf und ein wütender Lennox keifte: „Beide, rein da!“ Er setzte sich wieder an den Schreibtisch und überlegte etwas.
„Anscheinend befiehl die komplette Crew von Hangar 26 eine kollektive Blindheit und Taubheit. Sie beide behaupten, es wäre nichts passiert.“

Colonel Lennox ernster Blick sprang zwischen Irina und Dan hin und her.
„Ich weiß nicht genau um was es bei dieser Auseinandersetzung ging, allerdings weiß ich, dass Sie beide lügen. Allein das Anlügen eines Vorgesetzten hätte bereits dienstrechtliche Konsequenzen für Sie, Mr. Karlson, nur reichen Vermutungen nicht für die Einleitung eines Disziplinarverfahrens aus.“

Lennox sah zu Irina. „Aber das wussten Sie ja schon, Ms. Miller.“

Irina sah dem Colonel in die Augen und verzog keine Mine. Das ist richtig, du kleines Arschloch, dachte sie.

„Ja, was machen wir denn da?“, sagte der Colonel und lehnte sich mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht in seinen Bürosessel zurück.

„Mr. Karlson, Sie haben Glück oder Pech, wie man es nimmt. Diese Angelegenheit überlasse ich Ihrem Werkstattleiter. Jack ist informiert.“
Dan biss kurz seine Kiefer aufeinander.

„Für Sie, Ms. Miller bin ich auf einer anderen Ebene zuständig. Ich werde erzieherische Maßnahmen ergreifen, weil ich Anhaltspunkte habe, dass es für Ihre Charakterbildung und somit Resozialisierung notwendig ist. Ich glaube, dass Sie zu viel Freizeit haben, also bekommen Sie noch zusätzliche Arbeit von mir.“

Du mieses, kleines Arschloch, schoss es Irina jetzt durch den Kopf und ihre Augen verengten sich kurz zu Schlitzen.

Colonel Lennox waren weder Dan´s Reaktion noch Irina´Gesichtsausdruck entgangen und er lächelte kurz zufrieden.

„Ms. Miller, bis auf Weiteres werden Sie jeden Abend, nach Ihrem Feierabend, zwei Stunden lang mit Besen, Schaufel und Schubkarre die Versorgungskorridore am Trainingsgelände  in Ordnung bringen. Und das werden Sie so lange machen, bis mir der Zustand dort gefällt. Der entsprechende Bereich für Ihre Fußfessel ist bereits freigeben, das Betreten des Trainingsgeländes ist Ihnen verboten. “

Fuck, dachte Irina, und alles nur, weil ich nicht mehr die Werkstatt kehren wollte.

„Das war alles. Raus!“, fauchte Lennox und Irina und Dan wandten  sich schweigend zum gehen.

Das war nur der Anfang, vermutete Irina als sie ihren Chef vor dem Hangar warten sah, der zweite Teil des Anschisses wird deutlich heftiger.
Jack White stand vor dem Werkstatt Pickup, hatte die Arme vor der Brust verschränkt und blickte zu Boden. „Einsteigen“, zischte er ohne die Beiden anzusehen. Schweigend fuhren sie zurück zum Hangar 26.

White ließ die komplette Schicht von Mechanikern antreten, überlegte etwas und kam zu dem Schluss, dass eine Strafpredigt keinen Sinn hatte, zumal er stolz war auf den Zusammenhalt in seinem Team. Was im Hangar passierte, blieb im Hangar.

„Ms. Miller, Sie fangen mit ihrer Strafarbeit an. Dan, du räumst die Werkstatt alleine auf und machst den Transporter für Quinn fertig. Und zwar heute noch. Und wenn es die ganze Nacht dauert. Der Rest des Teams hat Feierabend.“, verkündete White ruhig.



Für die Anfahrt zum Trainingsgelände durfte Irina einen alten Pick Up der Werkstatt benutzen, sonst wäre die angeordnete Arbeitszeit komplett fürs hinlaufen drauf gegangen. Sie fluchte leise vor sich hin, als sie Besen, Schaufel, Schubkarre und die Tonne für die Metallsplitter von der Ladefläche des Wagens hievte.

Diese Versorgungskorridore, die sie in Ordnung bringen sollte, waren eigentlich ausgediente Straßen, die seit Jahren ungenutzt, vergessen und begraben mehrere hundert Meter um das  Trainingsgelände herum verliefen. Das Areal war ganz am Ende der Basis angesiedelt und der Sicherheitszaun mit Kameraüberwachung und Sensoranlage verlief nicht weit davon entfernt.

Die Straße war zentimeterhoch mit Metallsplittern und Sand bedeckt und würde es auch bleiben, denn egal wie sehr sie sich anstrengen würde oder wie schnell sie auch arbeiten würde, mit jedem Windstoß wurde wieder neuer Sand aus der Wüste darauf geweht und die regelmäßigen Trainingseinheiten katapultierten neue Trümmerteile darauf.

Als Irina ihre Arbeit begann, schimpfte sie laut vor sich hin. „Was musste ich mich auch einmischen. Warum konnte ich nicht einfach weiter die Werkstatt kehren? Ich hätte wenigstens bei Karlson meine Fresse halten können.  Mit diesem Idioten stimmt doch was nicht.“




Als Irina den Pick Up zurückbrachte stand Quinn´s Transporter noch auf der Hebebühne im Abteil und Dan Karlson war fluchend am Arbeiten.
Irina atmete tief durch und ging wortlos zu Karlson´s Abteil.  
„Verpiss dich!“ polterte Dan.
„Ich helfe dir mit dem Transporter.“
„Wehe du rührst was an!“
„Ach, halt die Klappe, Dan.“, antwortete Irina, sah sich die Mängelliste des Transporters an, nahm das erste Mal seit sie auf dem Stützpunkt war Werkzeug in die Hand und legte los, allerdings nicht ohne Dan Karlson aus dem Augenwinkel heraus zu beobachten.  

Der stutzte über Irina´s Dreistigkeit und dachte seinem Gesichtsausdruck nach einige Sekunden ernsthaft daran ihr einfach irgendetwas über den Schädel zu ziehen. Allerdings war Dan Karlson sehr wohl bewusst, wie knapp er an einem Disziplinarverfahren und dem anschließenden Rauswurf vorbeigeschrammt war und ließ sie gewähren.

Die nächste Stunde hörte man nichts weiter als Klappern von Werkzeug und hin und wieder leises Fluchen.
„Fertig.“, sagte Irina schließlich.
„Nur noch Probefahrt. Die verlegen wir aber besser auf morgen.“, antwortete Dan mit Blick auf die Uhr.
Er legte seinen Schraubenschlüssel in den Werkzeugwagen, beobachtete Irina noch eine Weile, wie sie ihr Werkzeug aufräumte und sprach sie dann an: „Was hast du verbrochen?“

„Das Urteil lautete auf Körperverletzung und Drogenbesitz.“ antwortete Irina in gleichgültigem Ton ohne sich Dan zuzuwenden.

„Warum bist du hier auf dem Stützpunkt?“
Irina drehte sich um, verschränkte die Arme vor der Brust und sah Karlson herausfordernd an.  „So funktioniert das nicht. Ich erzähle dir etwas und du erzählst mir etwas. So funktioniert das.“

Dan betrachtete Irina schweigend mit angespannten Gesichtszügen, sie wandte sich wieder ab und räumte weiter auf. Als sie fertig war, wischte sie sich die Hände ab und sah zu Dan.
„Was willst du wissen?“, frage er.

„Was ist mit deinem Bein passiert?“
Karlson musste schlucken. „Kampfeinsatz mit N.E.S.T., Decepticon Hinterhalt.“

„Warum bist du hier auf dem Stützpunkt?“, wiederholte er seine Frage.
„Mir ist ein Alien-Haustier zugelaufen. Darum.“
„So formuliert klingt es wirklich lächerlich.“
„Wie soll ich es denn sonst formulieren?“, antwortete Irina verärgert.

„Was war das für ein Einsatz bei dem du dein Bein verloren hast?“
Dan hob die Augenbrauen. „Du hast wirklich keine Ahnung was hier abläuft, oder? Lennox hat dich tatsächlich ohne Vorbereitung vor die Autobots gezerrt. Du musst ganz schön abgebrüht sein um das auszuhalten.“
Dass diese unvorbereitete Konfrontation mit Alien-Riesenrobotern gewollte Taktik gewesen war um sie einzuschüchtern war Irina mittlerweile auch klar.
Nein, nicht abgebrüht, dachte sie, nur verdammt viel mehr Angst für immer in einer Zelle zu verschwinden. Aber das geht dich nichts an.
„Ich habe ein paar von den Aliens gesehen,  ein bisschen mehr Info würde aber nicht schaden.“, antwortete sie.  

„Warum hast du mir heute den Arsch gerettet?“
Irina zuckte mit den Schultern. „Ich hab´s bei dir übertrieben. Der Schlag war also irgendwie verdient.“

Mit einem leichten Luftzug tauchte Blue zwischen Irina und Dan auf, sah zwischen den beiden hin und her und legte den Kopf dabei immer wieder schräg. Dann fing er an geschickt an Irina hochzuklettern, stellte sich auf ihre Schulter und stupste sie am Kinn an.

„Ach, dein Haustier kenne ich ja bereits.“, sagte Dan und rieb sich seine Schulter. „Irgendwie putzig.“
„Manchmal hat man mit den Kleinsten den Größten Ärger.“, antwortete Irina und strich Blue über den Rücken.

Nicht nur wegen Blue, sondern auch angesichts der Tatsache, dass Dan Irina locker um einen Kopf überragte, konnte er ein Schmunzeln nicht unterdrücken und nach ein paar weiteren Sekunden Schweigen stemmte er seine Arme in die Hüften und reckte sein Kinn herausfordernd nach oben.
„Willst du ein Bier?“
„Klar.“, antwortete sie, „Wenn es kalt ist.“
„Komm mit, ich klär dich mal ein bisschen auf was hier läuft.“, sagte er, ging mit Irina in den hinteren Bereich des Hangars und öffnete einen als Werkzeugwagen gut getarnten Kühlschrank. Hinter dem Kühlschrank verbargen sich in einer flachen Nische zusammengeklappte Campingstühle.


Beide saßen nebeneinander, jeder mit einem Bier in der Hand auf den Klappstühlen in einer Ecke von Hangar 26 und Blue erkundete die Werkstatt. Dan erklärte Irina, dass diese Alien-Roboter Transformer waren, dass sie zwei verschiedene Formen besaßen, zwischen Roboter und Fahrzeugmodus mühelos wechselten und dass sie eine Energiequelle benötigten, die auf der Erde nicht vorkam.
Er erzählte von den Autobots, den Decepticons und dem Krieg zwischen den beiden Parteien, was sich auf der Erde abgespielt hatte und die Aufgabe von N.E.S.T.. Irina saß während seiner Erzählung schweigen neben ihm, blickte starr in die Werkstatt und trank ab und an von ihrem Bier.
„Du wirkst nicht wirklich schockiert.“, stellte Dan am Schluss fest.

Nach ein paar Sekunden antwortete Irina. „Hätte ich nicht schon welche von denen gesehen, würde ich sagen du verarschst mich. Das hier ist also eine riesige Geheimorganisation. Das muss ich erst mal sacken lassen.“
Jetzt wurde Irina nochmal richtig bewusst in welchen Schwierigkeiten sie steckte. N.E.S.T musste über nahezu unbegrenzte Mittel verfügen. Sie war wirklich erledigt.  

„Das musste ich auch.“, grinste Dan.
„Wie lange warst du bei dieser Einheit?“
„Im dritten Jahr hat's mich erwischt.“
„Wieso bist du nicht Ausbilder geworden oder so was?“
„Meine Frau hätte sich scheiden lassen, wäre ich auch nur in der Nähe der aktiven Truppe geblieben, also mache ich das was ich kann. Autos schrauben.“

„Was glaubst du wollen die von mir und Blue?“
„Keine Ahnung. Gefährlich seht ihr ja beide nicht aus.“, sagte Dan und zeigte auf Blue, der gerade dabei war seinen eigenen Schwanz zu fangen. „Aber die Regierung reagiert dünnhäutig, wenn es um Aliens geht.“

„Ich verstehe immer noch nicht, warum die mich nicht einfach in einer Zelle verrotten lassen.“

„Soweit ich gehört habe, hat sich Optimus Prime für dich eingesetzt.“
„Der rot-blaue Riesenroboter?“
„Genau. Deren Boss.“
„Wieso zum Teufel sollte er das tun?“
Dan zuckte mit der Schulter. „Er hat da so einen Leitspruch. Freiheit ist das Recht aller empfindsamen Wesen.“
Irina rollte mit den Augen. „Oh, der ist von der ehrenhaften Sorte, wie ekelhaft. Na wirkliche Freiheit kann man das hier auch nicht nennen.“
Dan sah sie ernst an. „Für jemanden wie dich ist das hier das Beste was rauszuholen war.“
„Was soll das denn heißen?“
„Sei doch ehrlich, Charakterstärke zählt nicht wirklich zu deinen Eigenschaften. In deiner Haut möchte ich nicht stecken, du wirst es verdammt schwer hier haben.“
„Ach, echt, wäre ich nicht drauf gekommen.“, sagte Irina, rieb sich den Hals und Dan fuhr sich über die Stirn.

„Darfst du mir das alles überhaupt erzählen?“
„Wer würde dir schon glauben,“, schnaubte Dan. „und ich finde du hast es verdient wenigstens ein bisschen Bescheid zu wissen. Es mit Hilfe von Mama M. so einzufädeln, dass sich White und Quinn wieder zusammenraufen, war echt eine geile Aktion. Du bist irgendwie auf irre Weise ok.“


Irina sah Dan in die Augen und nach ein paar Sekunden stellte sie die Frage, die ihr schon seit einiger Zeit unter den Nägeln brannte.
„Wer ist Mama M?“
Dan atmete tief durch. „Das ist jetzt eine gefährliche Frage.“
„Du hast mir gerade fast die gesamten Geheimnisse von N.E.S.T. erzählt und willst nicht über eine alte Kantinenfrau sprechen?“
„Jeder auf dem Stützpunkt kennt sie und jeder respektiert sie. Sie ist verdammt viel mehr als sie zu sein scheint, also tu dir selbst einen Gefallen und forsch da nicht nach.“

Dan zeigte auf Blue, der an irgendetwas herum knabberte. „Der Kleine kann also Raumbrücken öffnen.“
„Meinst du damit so was wie Teleportation? Das gibt es eigentlich nicht.“
Dan schüttelte den Kopf und rollte mit den Augen. „Du solltest dringend deinen Horizont erweitern.“

Irina betrachtete Blue genauer, sprang von ihrem Stuhl auf und stürzte auf die Echse zu. „Was zum Teufel frisst du da?“
„Steckschlüssel-Einsatz“, bemerkte Dan trocken.
„Oh Kacke“, seufze Irina als sie in einem Abteil den aufgebrochenen Kasten am Boden entdeckte, „Wie konnte dieser verfluchte Gecko das bloß zerlegen ohne Lärm zu machen?“
Irina hob Plastikteile und die Reste des Werkzeuges auf und sah dann böse zu Blue, der gerade unbeeindruckt die Reste seiner Beute verschlang.
„Hättest du mich nicht warnen können, Dan?“, seufzte Irina.
„Ist das mein Haustier oder deines?“

Dan stellte seine leere Bierflasche auf den Boden und stand auf. „Du räumst hier auf und das nächste Mal besorgst du das Bier.“
Irina grinste. „Kein Problem.“





Der Erste, der sich am nächsten Morgen von Irina´s Wecker belästigt fühlte war Blue. Er sprang in ihr Bett, stupste sie unter dem Kinn mehrmals an und schleckte ihr übers Gesicht. Irina fuchtelte angeekelt Blue weg, schlug die Augen auf und erschrak.

Blue war nicht nur deutlich gewachsen, er hatte auch begonnen auf vier Beinen zu laufen. Insgesamt sah er nun aus wie ein hochbeiniger Waran in Beaglegröße und seine braunen Schuppen schimmerten jetzt in einem Kupferton. „Oh Mann, Blue,“, seufzte Irina, „wie siehst du denn aus? Ratchet wird ausflippen.“

Zuerst wurden die Beiden allerdings beim Frühstück von Mama M mit einem besorgten Blick gemustert. „Was ist denn mit euch passiert?“
„Bin die Treppe hinuntergefallen.“
„Ja, die Treppen kenne ich“, kicherte Mama M., „einen Kopf größer als du und blonde Haare.“ Irina rollte mit den Augen. Natürlich wusste sie Bescheid.
„Und was ist mit Blue passiert?“
„Wirklich keine Ahnung, Mama M und nochmal Danke für gestern.“
„Immer gerne, Kindchen.“




„Was beim Allspark ist denn das!“, hallte Ratchet´s Gebrüll eine Stunde später durch den kompletten Laborhangar,  führte dazu, dass Blue fauchend die Wand hochkletterte und Que neugierig seinen Kopf durch die Tür der Medic steckte. Irina hob die Hände und wich zurück. „Ich hab davon die wenigste Ahnung.“

„Er kann nicht wachsen.“, rief er. „Transformer wachsen nicht!“
„Dann ist es kein Transformer. Vielleicht ist er eines eurer Wildtiere“, antwortete Irina.
„Er besteht aus Cybertronium, er gibt die Signatur eines Transformers ab und er besitzt einen Spark. Es ist kein derartiges Tier bekannt, außerdem ist er in der Lage Raumbrücken zu öffnen. “, entgegnete Ratchet äußerst gereizt.

„Vielleicht ist eure Datenbank einfach unvollständig und wieso sollte er denn nicht wachsen?
„Lass deine Theorie hören.“, knurrte Ratchet sie an.  
„Durch die zusätzlichen Metalle im Energon-Roherz, das er frisst könnte Blue an Masse zunehmen und damit wachsen. Und was sollen eigentlich Raumbrücken sein? Nur große Massen krümmen den Raum.“

Ratchet drehte seinen Kopf langsam zu Irina, Que stellte sich zwischen die Beiden und schob Irina mit einer Hand zur Medic hinaus. „Du kommst zu spät zur Arbeit, verschwinde.“, zischte Que ihr zu.

Ratchet knurrte, holte hektisch Gerätschaften zur Analyse herbei und bat Que um Unterstützung. Irina begriff endlich, dass sie den CMO ungewollt zur Weißglut gereizt hatte und eilte den Hangar hinaus.  




Gerade noch rechtzeitig erreichte Irina Hangar 26.
„Die Kleine gehört ab heute mir.“, verkündete Dan bei der Arbeitszuteilung. Die anderen Mechaniker starrten ihn mit Gesichtsausdrücken an, die zwischen Verwunderung, Überraschung und Entsetzen wechselten. Der Werkstattleiter nahm seine Brille ab und fuhr sich mit einer Hand durchs Gesicht. „Echt jetzt, dein Ernst?“
„Natürlich, Jack. Jemand muss ihr ja mal was beibringen.“ antwortete Dan.  

„Ms. Miller sie arbeiten ab heute mit Mr. Karlson. Was halten sie davon?“
„Würde mich freuen, Sir.“, antwortete Irina.  Jack White starrte sie einen kurzen Augenblick mit offenem Mund an, blinzelte und setzte dann langsam seine Brille wieder auf.
„Die Einteilung steht. Legen wir los.“
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