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Divergenz

von Alwaid
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
12.07.2020
26.02.2021
21
57.426
7
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Dieses Kapitel
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03.10.2020 2.982
 
Als Dan ihr kurz vor Ende des ersten gemeinsamen Arbeitstages ein Stapel Lehrbücher vor die Füße warf,  sah Irina ihn amüsiert an.
„Was!?“, zischte er.
„De´ja`-vu“, lächelte Irina und zuckte mit einer Schulter.
„Ach, dich hat schon mal jemand so liebevoll unter seine Fittiche genommen wie ich?“
Irina begann zu lachen. „Du hast mich unter der Fuchtel, Dan, nicht unter deinen Fittichen.“



Nach Feierabend rief Irina vor der Werkstatt Blue zu sich und machte sich mit ihm auf den Weg zum Trainingsgelände. Irina ließ Blue auf dem Beifahrerseite sitzen, öffnete sein Fenster und er steckte während der Fahrt den Kopf hinaus,  hielt die Nase in den Fahrtwind und ließ seine Lefzen und Zunge darin flattern.  „Nur noch pelzige Ohren und du siehst aus wie ein Labrador“, kicherte sie.

Während ihrer Strafarbeit erkundete Blue das Trainingsgelände, buddelte dort nach Metallsplittern und ließ sich seine Ausbeute schmecken. Nicht mein Problem, dachte Irina, ein paar Stücke Schrott werden die sicher nicht vermissen.

Kurz vor Schluss stütze Irina sich auf ihren Besen und beobachtete Blue, der sich auf den Bauch warf, die Beine nach hinten streckte und sich wie ein Seehund über den Boden schob bis er mit seinem Kopf in einem Sandhaufen steckte. Irina verstand nicht mehr, warum sie überhaupt versucht hatte ihn wegzuschicken.
Sein wütendes Fauchen und anschließendes Zusammenrollen auf ihrem Bett war Blue´s deutliche Antwort darauf gewesen und die lautete: Nein. Ich werde niemals gehen.

Eigentlich hatte Irina schon bei Mr. Johnas beschlossen Blue zu behalten und auf ihn aufzupassen. Für ein kleines Reptil hätte sich immer ein Plätzchen gefunden. Doch das, was sich gerade vor ihren Füßen mit Freude rücklings in ihren mühsam zusammengekehrten Sandhaufen warf und ihn wälzend wieder auf der Straße verteilte, hätte sie nicht mehr so einfach verstecken können.

Wäre Blue auch gewachsen, wenn N.E.S.T. sie nicht erwischt hätte? Er hatte in der ganzen Zeit bei Mr. Johnas seine Gestalt nicht verändert. Irgendetwas hier hatte seine Entwicklung in Gang gesetzt und Irina fiel dazu nur das Futter ein, das er von Ratchet bekam.

Irina sah zum Sicherheitszaun aus engmaschigem Doppelstabgitter, der mit Sensoranlage, Kameraüberwachung und den aufgepflanzten Nato-Draht Rollen  ein Bollwerk gegen die Außenwelt bildete und für einen Augenblick empfand sie ein Gefühl der Sicherheit.  

Marek hatte sie bestimmt suchen lassen, doch selbst Sascha und seine Bluthunde hatten keine Möglichkeit sie hier zu finden. Schon kurz nach ihrer Verhaftung hatte ein anderer ihren Platz eingenommen, nur fühlte Marek sich um seinen Besitz betrogen und wollte sie deshalb unbedingt zurück. Wenn Zeit alles heilt, dann hoffentlich auch verletzten Stolz und aufgeblasene Ego´s, dachte sie.

Auf dem Rückweg wollte Irina Blue hinter dem Pick Up herlaufen lassen, doch der holte den Wagen erstaunlich schnell ein, sprang ab, krallte sich in die Heckklappe, kletterte auf die Ladefläche und machte durch wütendes Brüllen deutlich was er von ihrer Idee hielt.

Irina genoss die Gesellschaft von Blue bei ihrer Arbeit so sehr, dass sich zwei Stunden Sand schaufeln eher nach Erholungspause anfühlten als nach Strafe und das entging Colonel Lennox leider nur zwei Wochen lang.


*



„Wie lange lässt dich Lennox eigentlich noch die Straße fegen?“, fragte Dan kurz vor der Mittagspause.
„Du hast es doch gehört. Bis auf Weiteres.“
„Hätte gedacht, er beruhigt sich bald wieder.“
„Ähm. Nö. Er ist immer noch stinksauer und gestern musste ich mir bei ihm den nächsten Anschiss abholen. Hatte für seinen Geschmack  zu viel Spaß bei meiner Strafarbeit und darf Blue jetzt erst danach bei Ratchet abholen.“

Dan zog eine Augenbraue hoch und machte ein nachdenkliches Gesicht. „Lügen verzeiht er nicht so schnell.“
Dann stieß er Irina mit dem Ellbogen in die Rippen und lächelte verschmitzt. „Ich wollte in der Mittagspause schnell ein paar Sachen besorgen, kommst du mit?“

„Wo willst du das bitteschön machen? In der nächsten Stadt?“, fragte Irina genervt.
Dan lachte laut auf. „Ach, Schätzchen, das hier ist nicht nur ein Stützpunkt. Das hier ist eine Stadt. Diese Werkstatt  befindet sich im Kernbereich der Basis mit der höchster Sicherheitsstufe. Ein paar Kilometer weiter beginnt der Bereich für die Familien der Stützpunktangehörigen und das ist eine
Kleinstadt mit allem was dazugehört. Wirst schon sehen.“

„Hier gibt es Zivilisten?“, fragte Irina skeptisch.
„Na ja, nicht wirklich Zivilisten. Jeder in Atlantis arbeitet in irgendeiner Weise für den Stützpunkt.“
„Atlantis. Wem ist denn der bescheuerte Name eingefallen?“
„Für eine verborgene Stadt ist er doch treffend.“
Irina hob ihr linkes Hosenbein. „Meinst du meine Kette ist lang genug?“

„Wird sich zeigen.“, sagte Dan, legte ihr beide Hände auf die Schultern und bugsierte sie zur Werkstatt hinaus.
„Versuch und Irrtum sind in dem Fall etwas riskant für mich, findest du nicht?“

„Mach dir nicht ins Hemd, Ina, wieso solltest du nicht in einen Bereich mit niedrigerer Sicherheitsstufe dürfen? Vertrau mir, es ist alles kein Problem.“  

Kurz darauf fuhren sie in  Dan´s Privatwagen auf der Hauptstraße des Stützpunktes auf einen der  Checkpoint´s zu.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Irina und in ihrer Stimme schwang die schlechte Vorahnung mit, die sie bereits hatte.
„In einem Supermarkt einkaufen.“ antwortete Dan.  
„Ich hab nicht mal Geld dabei.“
„Deine Chipkarte fürs Essen funktioniert in Atlantis genauso zum Bezahlen.“

Am Kontrollpunkt angekommen nahm Dan Irina ihren Ausweis ab, hielt ihn mit seinem Ausweis zusammen den Wachsoldaten entgegen und konnte passieren. Dan grüßte  freundlich und wandte sich Irina zu.
„Die waren mir noch einen Gefallen schuldig.“

Irina wollte noch fragen, was er damit meint, aber es verschlug ihr regelrecht die Sprache. Sie fuhren plötzlich auf der Hauptstraße einer Kleinstadt an gepflegten Häuser mit Vorgarten vorbei.  Irina klappte die Kinnlade runter. „Das ist alles Teil des Stützpunktes?“
Dan nickte.
„Und was machen wir jetzt hier?“  
„Ich dehne deine Kette bis sie reißt.“
Irina starrte Dan erschrocken ins Gesicht, riss ihr linkes Hosenbein hoch und sah auf ein wild blinkendes rotes Lämpchen.
„Fuck! Von wegen erlaubt.“
„Ups“, lächelte Dan.
„Was heißt hier Ups!“, schrie sie los, „Dreh sofort um! Das hab ich davon dir zu glauben!“

Entfernte Sirenen der Militär Polizei war bereits zu hören. Dan hielt an, Irina stieg aus und legte ihre Hände aufs Autodach.
„Tut mir wirklich leid, Ina, aber das ist notwendig, anders geht es leider nicht.“
„Du bist so ein blöder Arsch!“ fauchte sie Dan an.

Ein Windstoß fuhr Irina durch die Haare, sie sah neben sich nach unten und dort saß Blue und
sah sie fragend an. Irina seufzte. „Bitte Blue, geh zu Ratchet und bleib da.“ Blue knurrte kurz, verschwand aber so schnell er aufgetaucht war.

Die Militärpolizei rückte mit zwei Einsatzfahrzeugen an, blockierten Dan´s Wagen, die Soldaten sprangen aus den Jeep´s und zogen ihre Waffen.
„Ach kommt schon, Leute! Das ist echt unnötig!“, rief Irina.
Dan stieg aus dem Auto und grüßte freundlich den Einsatzleiter.  „Hey, Steve, das war mein Fehler, die Kleine kann nichts dafür. Wir wollten nur schnell ein paar Sachen besorgen.“
„Hey, Dan“, antwortete der Soldat, „du weißt ja, Vorschrift. Wir bringen sie zu Colonel Lennox.“
Irina verdrehte genervt die Augen.

Zwei andere MP´s packten gleichzeitig Irina, drehten ihr die Arme grob auf den Rücken und warfen sie mit Schwung zu Boden.

Dan ging entspannt zu Irina herum, die mittlerweile mit den Händen auf dem Rücken gefesselt neben dem Wagen bäuchlings auf dem Asphalt lag.  
„Einkaufszettel?“
„Rechte Beintasche, du Penner!“
„Ich bring dir dein Zeug mit, Irina. Bis nachher.“
„Blöder Arsch.“

Irina wurde in einen Jeep verfrachtet und fand sich Minuten später in Lennox´ Büro wieder. Der zweite Anschiss innerhalb von 24 Stunden wird sicher großes Kino, dachte sie. Lennox´ Gesicht zeigte aber eher Stress als Wut und Irina hoffte, dass ein schwer beschäftigter Colonel sich nicht übermäßig lange mit ihr abgeben und diese Sache schnell abhaken würde.

„Sie wurden außerhalb des Kernbereiches in Begleitung von Dan Karlson aufgegriffen. Stimmt das, Sie wollten mit Dan Karlson einkaufen fahren?“, fragte Lennox.
„Ja, Sir.“
„Das ist wirklich nicht notwendig. Sie haben hier alles was Sie brauchen.“
„Soll ich wirklich jemanden von meinen Kollegen bitten mir Deo, Haarshampoo und Tampons mitzubringen?“
Lennox seufzte müde und rieb sich die Augen. „Ihr Bewegungsradius ist vielleicht etwas eng gesteckt.“
Er überlegte etwas,  griff zum Telefon und scheuchte Irina und die MP mit einer Handbewegung nach draußen. „Ich werde die Elektronikabteilung informieren. Die MP bringt Sie hin.“  


Die Soldaten brachten Irina in den Elektronikhangar und schoben sie durch die Tür eines riesigen Büro.
„Irina Miller, richtig?“, fragte eine Männerstimme.
„Jep.“

Irina rieb sich die Handgelenke, sah der MP hinterher und dann auf die rechte Seite des Büros, zu den beiden Männern, die sich grinsend in ihren Bürosessel lümmelten. Beide hatten kurze braune Haare und sahen mit Hemd und Jeans  nicht aus wie Nerd´s, doch die Unordnung um sie herum wies sie, klischeehaft, aus solche aus.

Elektronische Bauteile, Fachzeitschriften, handschriftliche Notizen und Werkzeug verteilten sich auf ihren Schreibtischen und nur die Computertastaturen ragten aus dem Chaos hervor. Zerknülltes Papier, das der Mülleimer, in dem sich Dosen, Pappbecher und Food-Container stapelten nicht mehr aufnehmen konnte, verteilte sich auf dem Boden. Die Beiden hätten das sicher als kreatives
Chaos bezeichnet, Irina betitelte das in Gedanken als Schweinestall.

Der Arbeitsbereich auf der anderen Seite dieses Büros mit Arbeitsstationen, weiteren Computern und einer derartigen Menge von Bildschirmen, dass man hätte denken könnten man wäre in einem Raumschiff, war hingegen penibel sauber und ordentlich.

Alle Bildschirme waren ausgeschaltet, um zu verhindern, dass Irina einen Blick auf irgendwelche sensible Daten erhaschen konnte. Als würde mich euer Mist interessieren, dachte sie.

„Colonel Lennox schickt mich.“
„Wissen wir. Ich bin Robert Baker, Leiter der Elektronikabteilung und das hier neben mir ist Maximilian Hall, mein Stellvertreter.“
„Wow. Mich gleich zu den Chefs schicken. Ich fühle mich geehrt.“
„Das darfst du auch. Wir sind die Experten für die Kombination von Mensch-Alien Technologie. Aber bitte, ich bin Robert und das ist Max.“

„Ich bin hier wegen meiner Fußfessel.“
„Diese Bezeichnung ist ja fast eine Beleidigung.“, rief Max empört.
„Genau. Du bist quasi ein Prototyp.“, erklärte Robert.
„Wie bitte?“ Irina zog verwundert die Augenbrauen hoch.
„Es ist nicht nur eine elektronische Fußfessel.“ erklärte Max.  „Wir haben gemeinsam mit Que das erste Mal auf diese Art cybertronische Technik mit unserer Elektronik kombiniert. Das schicke Teil hat diverse Extras.“
„Es ist eine spezielle Technologie, die sich sogar mit dem menschlichen Nervensystem verbinden könnte und dann neuronale Signale in Audio-und Videodateien umwandelt.“ erklärte Robert.

Irina brauchte ein paar Sekunden um diese Informationen richtig zu verarbeiten, bekam aber dann große Augen und fauchte los. „Das heißt das Ding liest meine Gedanken!“
„Es könnte.“, bemerke Robert trocken.
Irina blieb erst die Luft weg, atmete dann tief ein und schrie los. „Sind hier alle total wahnsinnig! Was gehen euch meine Gedanken an! “

„Ratchet interessiert sich eben für deinen kleinen Freund und die Verbindung zwischen euch und er wollte es sogar auf sämtliche Körperfunktionen ausweiten. Die Fußfessel könnte Gespräche aufzeichnen und das was du siehst und hörst übertragen.“ sagte Max so ruhig als hätte er gerade ein Kuchenrezept erklärt.

Irina starrte die Beiden mit offenem Mund an und wurde bleich um die Nase.
„Setzt dich hin bevor du umkippst.“, rief Robert und stürzte hektisch auf Irina zu, die zurück wankte und sich auf einen Stuhl an den Computerterminals fallen ließ. Sie hatte viel gesehen und erlebt die letzten Wochen aber das war nun eindeutig zu viel für ihr Nervenkostüm.

„Ratchet hat es vorgeschlagen, Que hat es mit uns entwickelt, Direktor Galloway wollte es so durchsetzen, Optimus Prime hat interveniert und General Morshower hat zu deinen Gunsten entschieden. Die Extras der Fußfessel sind deaktiviert.  Sie ist und bleibt nur ein Peilsender, der zusätzlich deine Lebenszeichen sendet und es ist eine Art elektronischer Zaun angelegt. Die Bereiche in denen du dich frei bewegen kannst sind hier programmiert“, erklärte Robert weiter und schaltete einen Bildschirm ein, auf dem eine Karte des Stützpunkts erschien.

„Beruhige dich. Ich zeig es dir.“ Robert nahm ihr Bein, legte es sich auf den Stuhl neben sich und öffnete die Abdeckung der Fußfessel.
„Schau genau hin. Das goldene Scheibchen mit den Haken ist die Sicherung, die diese Funktionen deaktiviert. Die Sonderfunktionen können auch nicht ferngesteuert aktiviert werden, dazu müsste man erst diese Sicherung manuell entfernen.“

„Warum erzählt ihr mir das alles?“, fragte Irina als sie sich ein paar Minuten später wieder beruhigt hatte und sah in den Gesichtern von Robert und Max kurz den Ausdruck von schlechtem Gewissen aufflackern.  
„Galloway hat hier nicht viele Freunde und wir denken, du solltest wissen was du mit dir rumschleppst.“, sagte Max.

„Wir werden deine Kette jetzt länger und lockerer machen als eigentlich vorgesehen.“, fügte Robert hinzu. „Dan hat es tatsächlich geschafft, dass Colonel Lennox einen offiziellen Befehl dazu ausgibt und der ist auch noch wage genug formuliert.“

„Dan hat das eingefädelt?“, fragte sie.  
„Ja. Wir sind hier nur unwissende Erfüllungsgehilfen.“, sagte Robert, hielt eine Art Scanner an Irinas Fußfessel und ein Piepen bestätigte das Hochladen des Updates.  Die ganze Aktion muss tatsächlich vorbereitet gewesen sein.  
„Du hast jetzt Bewegungsfreiheit auf dem gesamten Stützpunkt. Inklusive Atlantis. Nur das Hauptgebäude mit Kommunikationszentrale und Autobot-Hangar, die Rollfelder und das Trainingsgelände müssen wir noch auslassen. Diese Bereiche hat Lennox explizit ausgeschlossen.“

„Ihr wisst was ihr tut, oder?“, fragte sie. „Wenn ich nochmal mit der MP bei Lennox auftauche, macht er mich einen Kopf kürzer.“
Robert und Max grinsten sie an. „Würden wir sonst hier arbeiten?“




Noch vor der Arbeitseinteilung am nächsten Morgen knuffte Dan sie mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Ich müsste unsere Familienkutsche herholen und bräuchte jemanden der mitfährt.“

„Du hast Nerven mich nach deiner Aktion von gestern nochmal zu fragen.“
„Stell dich nicht so an. Ist doch gut gelaufen.“
Irina verdrehte die Augen. „Ja, ist es. Danke, Dan.“
„Immer gerne“, grinste er.

„Hast du mich deshalb gestern gefragt wie es mit Lennox läuft? Weil ich durch deinen Plan nicht noch mehr Ärger bekommen sollte als ohnehin schon?“
Dan lächelte. „Kommst du jetzt mit oder nicht?“
„Wann?“
„Jetzt gleich. Du müsstest  nur kurz bei mir zu Hause warten ob der Wagen anspringt. Karla meinte der Chevi zickt beim Starten.“

„Geht das hier überhaupt so einfach, Privatfahrzeuge reparieren?“
„Klar, wir reparieren hier alles, weißt du doch, natürlich kann man die eigenen Karren hier auch reparieren. Eben nach Feierabend und Ersatzteile werden separat abgerechnet.“


Ein paar Minuten später fuhren sie mit einem Abschleppwagen durch den Checkpoint nach Atlantis. Sie fuhren an Häusern, Geschäften und am Supermarkt vorbei und an einem doppelläufigen Geschützturm, an dem gerade zwei Soldaten Wartungsarbeiten durchführten.
„Halt an!“, rief Irina, „Was ist das?“
Dan stoppte. „Flugabwehrgeschütz. Glaubst du wirklich hier wäre nichts abgesichert? Jedes Wohnhaus hat einen eigenen Schutzraum und zusätzlich die öffentlichen Gebäude einen Bunker. Diese Geschütze sind mit Sensorradar und automatischer Steuerung und haben eine Reichweite von fast zehn Kilometern. Jedes davon feuert tausend Schuss pro Minute und zwei davon reichen aus, um auch einen Sucher vom Himmel zu holen.“
„Sucher?“
„Das sind fliegende Decepticons. Falls du irgendwann mal die Air Force hier am Himmel siehst, lauf so schnell du kannst. Es ist garantiert nicht die Air Force. Über dem gesamten Bereich hier herrscht Überflugverbot.
„Diese Dinger sind überall auf dem Stützpunkt verteilt?“
„Ja. Normalerweise im Boden versenkt. Genug gesehen? Dann können wir weiter.“

Dan fuhr los, dachte seinem Gesicht nach intensiv über etwas nach und biss sich dabei auf die Unterlippe. „Sag mal, Ina, wenn du jetzt sofort gehen könntest wohin du willst. Wo wärst du dann?“, fragte er.  
„Im Sequoia Nationalpark. Ich würde mit einer Weinflasche in der Hand auf einem Hügel unter einem Mammutbaum sitzen und mich von der Welt am Arsch lecken lassen. Wieso fragst du?“

„Es interessiert mich einfach. Wo Leute sind und wo sie hinwollen sagt sehr viel aus, weißt du.“
„Ach, und was ist mit dir Dan?“
„Genau hier ist mein Platz.“

Sie fuhren um die Ecke auf eine Einfahrt zu, in der eine Frau wartete. Dan zog scharf Luft ein. „Karla ist echt sauer. Wird Zeit, dass mich endlich um diese Karre kümmere.“

Karla war eine ziemlich hübsche Frau mit schwarzen, kurzen Haaren und klaren, blauen Augen.  Irina blieb im Abschleppwagen während Dan ausstieg, seiner Frau einen Kuss gab, den Autoschlüssel in Empfang nahm und sich ans Steuer des Chevrolet setzte. Nach ein paar Versuchen sprang die Familienkutsche an, Dan zeigte den erhobenen Daumen aus dem Fenster und fuhr los. Irina rutschte auf den Fahrersitz, blickte auf und sah Dan´s Frau mit verschränkten Armen direkt vor der Fahrzeugfront stehen. Irinas Herz stolperte kurz.

Ms. Karlson ging an die Fahrertür und klopfte ans Fenster, Irina starrte sie mit großen Augen an,  schluckte, stieg aus, reichte ihr die Hand, behielt aber die Fahrertür zwischen sich und Ms. Karlson.
„Du bist also  Irina.“
„Ja, Ma'am.“
„Mein Mann hat mir viel von dir erzählt und lass das mit Ma'am. Ich bin Karla. Komm mit, ich muss mit dir reden.“
„Ähm, das geht leider nicht, ich würde gern,  aber ich muss zurück, Ma'am, ähm Karla.“, stammelte Irina.
Karla musterte Irina kurz. „Du hast einen guten Einfluss auf Dan, weißt du das?“
„Ähm.“, war das Einzige was Irina herausbrachte.


„Sein letzter Einsatz mit N.E.S.T hat Dan verändert. Er wurde zunehmend aggressiv und ich gebe zu es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte ihn verlassen. Ich habe ihn monatelang angefleht sich in Therapie zu begeben und du bist kaum ein paar Wochen hier und er ruft eines Abends freiwillig den Psychologischen Dienst an. Hattest du ihm die Blessuren verpasst?“
„Ähhm.“ stammelte Irina als Antwort.
„Ich weiß, ich weiß, euer Geheimnis.“, winkte Karla ab.

„Ich wollte nur das du weißt, dass ich dir dankbar bin.“
„Ich habe nicht wirklich etwas getan, Karla.“
„Falls du irgendetwas brauchst, egal was, sag mir einfach Bescheid.“

Irina sah betreten auf ihre Uhr.
„Ich muss jetzt wirklich gehen, Ma'am, Karla, sonst reißt mir Jack  den Kopf ab.“
Nach einer kurzen Verabschiedung flüchtete Irina regelrecht mit dem  Abschleppwagen.
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