Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Batman / Spider-Man - Crisis in Manhattan

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Peter Parker / Spiderman
12.07.2020
12.07.2020
7
41.303
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.07.2020 8.068
 
Viel zu wenige Stunden Schlaf später erwachte Peter und hasste sich ein wenig für die nächtliche Superhelden-Tour. Müde kroch er aus seinem Bett und schaltete den Wecker aus. Dann ging er langsam auf den Kleiderschrank zu und öffnete ihn, nur um den Schock seines Lebens zu kriegen.
„DEADPOOL! Was zur Hölle machst du hier…in meinem verdammten Kleiderschrank?“
Der Söldner lag dort, in einer unnatürlich wirkenden Position, die definitiv nicht bequem sein konnte, eingequetscht und blickte ihn erwartungsvoll an.
„Überraschung? Ich dachte mir, nachdem wir gestern so wenig Zeit hatten, könnten wir uns heute einen lustigen Tag machen. Und da du schon geschlafen hast, als ich hier ankam, beschloss ich, einfach auf dich zu warten und bin dabei wohl eingeschlafen…“
„…in meinem Kleiderschrank. Wie zur Hölle hast du meine Wohnung überhaupt gefunden?“
„Deine Adresse steht in der Avengers-Datenbank, schon vergessen? Auf die hat jeder von uns Zugriff und ich habe sie mir natürlich direkt abgespeichert. Man weiß ja nie, wann unser nächster Filmabend ansteht.“
„Wir hatten noch nie einen Filmabend, Wade. Nie.“
„Eben! Es wird höchste Zeit! Wir wäre es, wenn wir direkt damit anfangen?“
„Wie wäre es, wenn du nicht wie ein Creep in meinem Kleiderschrank übernachten würdest? Vor allem habe ich aber gar keine Zeit dafür – ich muss zur Uni. Mach dir was zum Frühstück und schließ die Tür, wenn du gehst – ich muss mich beeilen.“

Mit diesen Worten hatte Peter sich ein paar Sachen geschnappt und war dann im Bad verschwunden. Er hielt es für sicherer, die Tür abzuschließen, auch wenn er davon überzeugt war, dass ein Türschloss Deadpool nicht aufhalten würde, wenn er ins Bad wollte. Wieso nur musste er sich dauernd mit diesem Irren herumschlagen? Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schien der Söldner zu glauben, sie wären beste Freunde, was jedoch weiter von der Wahrheit entfernt war, als Trump von einer guten Präsidentschaft. Als er schließlich frisch geduscht und fertig angezogen aus dem Bad kam, saß der Söldner am Küchentisch und schlang vergnügt ein paar Cornflakes hinunter.
„Guten Appetit“, meinte Peter beiläufig und fischte sich einen Donut aus einer Tüte, ehe er nach seiner Tasche und seinem Türschlüssel griff und dann, mit einem letzten Blick auf Deadpool, aus der Wohnung verschwand. Ihm war zwar absolut nicht wohl dabei, diesen Chaoten dort zurückzulassen, aber er hatte auch keine Zeit, sich damit aufzuhalten. In weniger als 20 Minuten würde Doktor Connors Vorlesung beginnen und er musste pünktlich dort sein, wenn er nicht wieder Minuspunkte kassieren wollte.
Also zog er sich schnell sein Kostüm über und schwang sich im Eiltempo Richtung Empire State University. Glücklicherweise waren die Straßen zur Abwechslung mal ruhig. Es kam oft genug vor, dass er sich verspätete, weil er auf dem Weg zur Uni noch einen Bankraub verhindern oder eine Katze von einem Baum holen musste. Doch heute lief zumindest das glatt – wenigstens etwas!
Etwas abseits vom Unigelände landete er in einer Seitengasse und zog sich dort schnell um, bevor er schnellen Schrittes auf den Haupteingang zuging.
„Du bist spät dran, Parker“, hörte er eine vertraute Stimme sagen und blickte sogleich in die grünen Augen von Felicia Hardy, seiner Kommilitonin und Sitznachbarin in Doc Connors Kurs. Erst jetzt fiel ihm ein, dass sie ausgemacht hatten, sich vor der Vorlesung zu treffen, um den Unterrichtsstoff vom letzten Mal nochmal durchzugehen.
„Felicia…ja, tut mir Leid. Ich bin heute morgen einfach nicht in die Gänge gekommen. Es war förmlich so, als würde etwas in meiner Wohnung verhindern wollen, dass ich gehe…“
„…und das ist nicht einmal gelogen“, fügte er in Gedanken hinzu und versuchte erneut, die Sorge bezüglich Deadpool zu verdrängen.
„Schon gut“, entgegnete Felicia und wirkte dabei fast schon versöhnlich. „Jetzt bist du ja da. Aber nochmal warte ich nicht auf dich, verstanden? Und jetzt komm, sonst verspäten wir uns noch.“
Während er ihr zu dem Saal folgte, in dem die Vorlesung stattfand, dachte Peter darüber nach, dass er Felicia schon seit Ewigkeiten nach einem Date fragen wollte. Doch eigentlich war er sich sicher, dass er bei ihr keine Chance hatte. Sie stammte aus reichem Hause, war beliebt, clever und schlagfertig. Und verdammt hübsch. Möglicherweise war sie die beliebteste Studentin der gesamten Universität. Dagegen war er nur irgendein Nerd, der aus Queens hierhergezogen war und den meisten wie ein Sonderling vorkam, weil er dauernd zu spät kam, abstruse Ausreden vorbrachte und hin und wieder sogar mal in den Vorlesungen einschlief. Der Loser und die Musterstudentin – nein, das würde wohl nie etwas werden. Wenn sie ein Hollywood-Star war, war er im Vergleich ein erfolgloser Schauspieler, der seinen Unterhalt mit dem Bespaßen von Kindern auf Geburtstagen verdiente. Ja, dieser Vergleich beschrieb es eigentlich ziemlich passend. Außerdem war da ja noch diese Sache mit Black Cat. Diese Frau wollte ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen. Und das, obwohl Peter sich fast sicher war, dass sie ihn einfach immer wieder nur verarschte. Nein, wegen Black Cat musste er bestimmt kein schlechtes Gewissen haben. Warum auch? Immerhin war es ja nicht so, dass sie ein Paar wären, oder?

„Möchtest du mir verraten, warum du einfach so im Gang stehen bleibst und Löcher in die Luft guckst, Parker?“, hörte er Felicia fragen und realisierte nun, dass er tatsächlich einfach stehen geblieben war.
„Sorry, ich war in Gedanken. Entschuldige bitte.“
„Du bist schon ein komischer Kauz, Peter Parker. Aber irgendwie hat das einen gewissen Charme.“
Hatte sie ihm gerade ein Kompliment gemacht? Nein, das war bestimmt nur…oder doch? Peter war verunsichert. Er hatte zwar nie das Gefühl gehabt, dass Felicia ihn nicht leiden konnte…aber ihre „Beziehung“ wirkte eher so wie die zwischen Sitznachbarn, die eben gut miteinander auskamen. Wie Freunde eben und nicht wie ein zukünftiges Liebespaar. Peter wurde klar, dass er schon wieder abgeschweift und stehen geblieben war und er verpasste sich selbst eine mentale Ohrfeige.
„Parker, da vorne spielt die Musik. Hör mit diesen Tagträumen auf!“, ermahnte er sich selbst und folgte ihr zu ihren Sitzplätzen. Dort, auf seinem Tisch, fand er ein Blatt Papier, auf dem bereits mehrere Textpassagen markiert waren.
„Was ist das denn?“, fragte er irritiert.
„DAS sind UNSERE Hausaufgaben, Parker. Ich nahm an, du hast vergessen, dass wir die heute morgen gemeinsam machen wollten und habe dir deshalb eine Kopie gemacht, damit du nicht ohne alles an der Vorlesung teilnehmen musst.“
„Danke…ich schulde dir was“, antwortete Peter schuldbewusst.
„Ich weiß.“

Nach der Vorlesung gingen sie gemeinsam in die Kantine, um dort zu essen. Nach dem ganzen Superhelden-Getue war es schön, einfach mal wieder mit jemandem ein ganz normales Gespräch über Dinge wie das Studieren, Hausaufgaben, Dozenten oder Freizeitbeschäftigungen zu führen. Dabei fiel ihm auf, dass Felicia ihm immer wieder einen seltsamen Blick zuwarf und des Öfteren erwähnte, dass sie sich in den letzten Tagen viel zu oft zuhause gelangweilt hatte. War das eine Aufforderung? Ein Hinweis? Oder plauderte sie einfach nur gerne aus dem Nähkästchen? Wollte sie, dass er sie nach einem Date fragte? Aber das konnte doch nicht sein, oder? Warum sollte sie…ausgerechnet mit IHM? Die beliebtesten Typen der Uni standen förmlich bei ihr Schlange…
Peter entschied, dass er es endlich einmal auf einen Versuch ankommen lassen würde. Immerhin hatte er diese Stadt bereits mehrfach gerettet – wie schlimm konnte es da sein, eine Freundin um ein Date zu bitten? Sicher nicht schlimmer, als gegen Doktor Oktopus zu kämpfen, oder?
„Du…Felicia. Ich…ähm…hättest du…eventuell Lust…heute Abend…ins Kino zugehen…mit mir?“
„Glückwunsch, Parker. Das war wohl die schlechteste Einladung zu einem Date, seit Eva Adam den Apfel der Erkenntnis gereicht hat. Damit hast du es ihr gezeigt, Tiger. Wer könnte zu diesem Hengst wohl ‚Nein‘ sagen? Du kannst froh sein, wenn sie dich nach diesem Gestammel nicht vor versammelter Mannschaft auslacht…“ Während Peter sich noch in Gedanken über seine vergeigte Einladung ärgerte und das Date bereits abgeschrieben hatte, realisierte er zunächst nicht, dass Felicia ihn gar nicht abgewiesen hatte. Dann hörte er sie etwas sagen und traute seinen Ohren kaum.
„Entschuldige…was hast du gesagt?“, fragte er verwirrt nach.
„Ich sagte, dass ich heute Abend zufällig noch nichts vorhabe. Also kann ich gerne mit dir ins Kino gehen, wenn du unbedingt willst. Aber sei dieses Mal gefälligst pünktlich, okay? Wenn du mich warten lässt, gucke ich den Film ohne dich, Parker!“
Am liebsten hätte Peter Luftsprünge vor Freude gemacht, doch er beschloss, sich im Griff zu behalten, weil es doch etwas seltsam ausgesehen und Felicia wohl auch in Verlegenheit gebracht hätte. Und sowas hasste sie – so viel hatte er inzwischen mitbekommen. Aber verdammt…ein Date mit Felicia! Das hätte er nicht für möglich gehalten! Vielleicht bestand ja doch eine geringe Chance, dass sie etwas mehr für ihn übrig hatte, als nur für einen Mitstudenten?

Von da ab konnte das Ende der heutigen Vorlesungen für Peter gar nicht schnell genug kommen. Seit seinem ersten Date mit Gwen vor ein paar Jahren war er nicht mehr so aufgeregt gewesen! Und seit seine erste große Liebe vor zwei Jahren bei einem Kampf mit dem Grünen Gnom getötet worden war, war er nicht mehr derselbe gewesen. Ein Teil von ihm war damals mit Gwen in die Tiefen gestürzt und es hatte sehr lange gedauert, bis er sich wieder davon erholt hatte. Seine Tante May hatte versucht, ihn mit der Nichte ihrer Freundin Anna – einer angehenden Schauspielerin namens Mary-Jane Watson – zu verkuppeln, doch das hatte nicht funktioniert. Irgendetwas hatte nicht gepasst, auch wenn Peter nicht genau wusste, was es gewesen war. Dann war er auf die Uni gegangen und hatte dort Felicia kennengelernt. Es hatte fast so angefühlt, wie damals bei Gwen…und doch irgendwie ganz anders. Richtig beschreiben konnte er es nicht, aber… Nein, das ließ sich nicht so recht in Worte fassen. Doch bis zum heutigen Tage hatte er sich keinerlei Chancen ausgemalt und freute sich jetzt umso mehr, dass er seinen Mut zur Abwechslung mal ohne Maske zusammengenommen hatte. Er würde diese Chance heute Abend auf gar keinen Fall vergeigen!

Eilig kehrte er nach Hause zurück, um sich für das Date fertig zu machen. Als er jedoch zur Tür hereinkam, erlitt er fast einen Herzstillstand.
„DEADPOOL! Warum in Lokis Namen bist du immer noch hier?“
Der Söldner drehte sich verwundert zu ihm um. Er trug ein weißes Shirt, das ihm offensichtlich viel zu klein und wohl eigentlich in Frauengröße war. Auf der Brust prangte ein großes Herz mit der Aufschrift „I love Spider-Man“.
„Naaaa, muss ich mehr sagen?“, meinte Deadpool und Peter hatte das ungute Gefühl, dass Wade ihm gerade ein verführerisches Lächeln unter seiner Maske zuwarf…oder es zumindest versuchte.
„Ja musst du. Und zwar ‚Sorry Spidey, ich muss jetzt leider gehen. Wir sehen uns sicher mal wieder – auf dem nächsten Avengers-Picknick oder so…‘. Wo die Tür ist, hast du sicher noch in Erinnerung?“
„Warte…es gibt ein Avengers-Picknick? Warum wurde ich bisher nie eingeladen?“
Peter ließ resigniert die Schultern sinken. Wie zur Hölle sollte er diesem Typen nur begreiflich machen, dass sie nicht die besten Freunde waren, für die Wade sie beide hielt? Jeder Hinweis, jede Beleidung…ja selbst wenn Peter es direkt ansprach: Nichts davon schien zu wirken.
„Nein, Wade. Es gibt KEIN Avengers-Picknick. Aber wenn es eins gäbe, dann würdest du es sicher nicht erfahren.“
„Puhhh…da habe ich ja nochmal Glück gehabt. Ich dachte echt, ich hätte was verpasst.“
Während Peter seinen Kleiderschrank nach Date-tauglichen Klamotten durchsuchte, spürte er deutlich, dass Deadpool ihn interessiert beobachtete.
„Suchst du etwas Bestimmtes? Falls du nach deinen Iron-Man-Boxershorts suchst…die habe ich an. Sorry, ich hatte leider vergessen, mir Ersatzunterwäsche mitzubringen, weil ich die Übernachtung hier nicht geplant hatte. Aber die ungeplanten Pyjama-Partys sind doch die besten, habe ich nicht Recht?“
„Ganz bestimmt, Wade“, murmelte Peter, der gar nicht zugehört hatte. Er musste sich im Moment um Wichtigeres als diese Nervensäge kümmern.
„Wenn ich raten müsste, dann würde ich sagen, dass du heute ein Date mit einer Lady hast, auf die du schon ziemlich lange stehst und jetzt nicht weißt, was du anziehen sollst, um Eindruck zu schinden.“
Überrascht warf Peter einen Blick über die Schulter und entdeckte dabei Deadpool, dessen Kopf von dort interessiert in den Kleiderschrank hineinblickte.
„Ist das so offensichtlich?“
„Mensch Spidey“, meinte Deadpool kumpelhaft und ließ sich lässig auf einen der Stühle fallen.
„Wie lange kennen wir uns jetzt? 16 Jahre?“
„18 Monate“, verbesserte Peter ihn nüchtern.

„So lange kennst DU MICH. Ich kenne dich natürlich schon viiiiiiiiiieeeeeeel länger. Aber…das wollte ich dir eigentlich gar nicht erzählen. Also frag besser nicht, wer damals dieses Schundheftchen in deinem Zimmer bei deiner Tante liegen gelassen hat. Ich war es bestimmt nicht! Und das komische Zeug darauf war natürlich Mayonnaise, und nicht etwa…“
„DEADPOOL! Komm zum Punkt!“
„Oh ja, der Punkt. Irgendwie verliere ich den immer so schnell aus den Augen. Was ich eigentlich sagen wollte: Ich behaupte mal, dass ich erkenne, wenn du auf eine Lady stehst. Und diese Felicia…nun, wie könntest du nicht auf sie stehen? Clever, selbstbewusst, blond, offenbar sportlich und nett ist sie offenbar auch noch…immerhin hat sie DEINE Hausaufgaben gemacht – das ist doch sonst in den Filmen immer andersherum, oder nicht? Die Schnitte steht auf dich, Mann. Also geh und schnapp sie dir, Tiger!“
Peter sah ihn verwirrt an.
„Meinst du echt?“ Dann dachte er einen Augenblick über Deadpools Worte nach. „Moment…woher zur Hölle weißt du das alles?“
„Ist das nicht offensichtlich, Spidey? Natürlich, weil ich deine gute Fee bin! Ich würde schließlich nie auf die Idee kommen, eine Wanze an deinen Klamotten zu verstecken oder dich heimlich in der Uni zu beobachten. Niiieeeemals!“
Für einen Moment lang wünschte Peter sich, dass Wade ein psychopathischer Killer wäre, der ihn aus purer Mordlust verfolgte. Denn in diesem Fall hätte sein Spinnensinn ihn jedes Mal, wenn dieser Idiot in der Nähe war, deutlich vorgewarnt. Doch Peters Gefahrenwarnsystem schien Wade Wilson nicht als eine Bedrohung wahrzunehmen. Und deshalb warnte es ihn auch nicht vor dessen nervigen Stalker-Tendenzen. Leider.
„Okay, das reicht jetzt, Wade. Schluss mit dem Stalking. Du hattest deinen Spaß und irgendjemand da draußen findet das bestimmt so unterhaltsam, wie du. Ich aber nicht. Ich versuche gerade herauszufinden, was ich tun oder werden muss, damit diese Frau mich mag und nicht für einen totalen Loser hält. Wenn du also die Güte hättest, mich jetzt in Ruhe zu lassen, damit ich mich darauf fokussieren kann, wäre ich dir wirklich sehr dankbar…“
Er hatte Wade die Tür geöffnet und ihn dann nach draußen geschoben. Doch noch bevor er die Tür hinter dem Söldner schließen konnte, hatte der sich umgedreht und seinen Fuß dort eingeklemmt – und zwar wortwörtlich, wenn Peter das knackende Geräusch richtig interpretiert hatte.
„Spidey…die Antwort ist doch vollkommen klar“, meinte Deadpool und wirkte dabei deutlich ernster, als er es sonst tat. „Sei einfach du selbst. Mehr braucht es nicht, damit dir jede Lady in der ganzen Stadt zu Füßen liegt. Hol dir ein bisschen was von dem Selbstvertrauen, das dir deine Maske gibt und zeig ihr, wer du bist: Peter ‚Motherfucking‘ Parker. Aber nimm das nicht zu wörtlich – Frauen stehen meistens nicht so drauf, wenn du mit ihren Müttern in die Kiste steigst, nachdem du zuerst hinter den Töchtern her warst. Das kannst du mir glauben. Und frag nicht, woher ich das weiß.“
Es folgte ein Moment der Stille, ehe ihre Blicke hinab zu Deadpools eingeklemmten und sehr unnatürlich verbogenem Fuß wanderten.
„Mach dir darum keine Sorgen – der wird schon wieder“, meinte der Söldner vergnügt und zog dann mit einem kleinen Schmerzensschrei das, was von seinem Fuß übrig war, aus dem Spalt heraus.
„Ich werde dir jedenfalls die Daumen drücken! Ich shippe PeLicia nämlich jetzt schon. Oder heißt ihr FeliTer? Wie auch immer – komm und schnapp sie dir, Buddy!“
Mit diesen Worten humpelte Deadpool den Korridor entlang und verschwand dann endlich, wobei er Peter nachdenklich zurückließ. Irgendwie musste er dem Söldner Recht geben. Es brachte nichts, sich für Felicia zu verstellen. Zum Einen kannten sie sich inzwischen schon fast ein Jahr und zum Anderen hatte sie es nicht verdient, dass er ihr etwas vormachte. Und merken würde sie es sowieso – so viel stand fest. Also würde er einfach Wades Rat befolgen und er selbst sein.

So kam es, dass Peter – zur Abwechslung mal überpünktlich – um kurz vor sieben, in einer dunklen Jeans und mit einem schwarzen Hemd bekleidet, vor dem Kino stand und dort auf Felicia wartete. Als sie dann plötzlich vor ihm stand, kam er sich ganz kurz wie ein hässliches Entchen vor, das einen wunderschönen Schwan zu einem Fest begleiten soll. Doch offenbar sah sie das anders.
„Wow Parker – ich muss zugeben, ich bin überrascht. So herausgeputzt kenne ich meinen schusseligen Sitznachbarn ja gar nicht. Alles nur für mich, oder gibt es einen Anlass, von dem ich wissen sollte?“
Er rang sich zu einem selbstbewussten Lächeln durch…nun ja, es sollte selbstbewusst wirken, aber wahrscheinlich sah es eher so aus, als würde er gerade einen Krampf im Gesicht kriegen.
„Ich dachte mir, ich strenge mich mal ein bisschen an, um mich für die Sache mit den Hausaufgaben zu revanchieren.“
Peter hoffte inständig, dass dieser Spruch nicht zu aufdringlich, aber auch nicht zu lasch gewesen war. Zumindest wirkte Felicia nicht so, als wäre sie verärgert. Das war beruhigend!

„Und? Was schauen wir uns an?“
Er warf ihr einen verwirrten Blick zu, bis er wieder realisierte, dass sie sich ja auf dem Weg ins Kino befanden. Offenbar hatte sie gedacht, er hätte bereits einen Film ausgesucht.
„Verdammt, Parker! Du kannst sie doch nicht zu einem Date einladen und dann nichts vorbereiten! Was läuft gerade überhaupt? Etwa immer noch diese Fortsetzung von dem Film mit den blauen Außerirdischen?“ Die lief doch bestimmt schon seit 24 Monaten, oder kam ihm das nur so vor? Fieberhaft suchte er aus den Augenwinkeln die Plakate ab. Ein paar wirkten wie Liebesfilme, aber war das nicht zu klischeehaft? Nein, das ginge wohl zu weit…oder mochte Felicia möglicherweise solche Filme? In diesem Fall wäre es natürlich ideal! Erst jetzt fiel ihm auf, dass er noch nie mit ihr über ihren Filmgeschmack gesprochen hatte. Ihm kam eine Idee, die ihn vielleicht retten könnte!
„Ich hatte mir zwar den einen oder anderen Film ausgesucht…aber welcher würde dich denn am meisten interessieren? Schließlich möchte ich dich nicht in einen Film zerren, der dich überhaupt nicht interessiert, Felicia.“
PERFEKT! Jetzt hatte er den Ball in ihre Hälfte gespielt. Eine selbstbewusste Frau wie Felicia würde es bestimmt begrüßen, wenn er sie in die Entscheidung mit einbezog, statt sie ihr einfach abzunehmen. „Parker, manchmal bist du eben doch ein Genie!“, lobte er sich innerlich selbst und hätte sich nur zu gern auf die Schulter geklopft.
„Eigentlich ist mir das relativ egal. Die Filme klangen so ziemlich alle interessant. Such dir einfach einen aus, Parker. Ich bin mir sicher, du findest was Interessantes.“
Beim letzten Satz hatte sie ihm einen Blick zugeworfen, den er irgendwie nicht deuten konnte. War das ein „Ich vertraue dir – du schaffst das schon!“? Oder doch eher ein „Egal was du nimmst – das hier war ein Fehler. Wäre ich doch bloß zuhause geblieben und hätte Bachelor geguckt!“?
Peter beschloss, sich auf Ersteres zu verlassen und kaufte an der Kasse zwei Tickets, etwas Popcorn und Getränke für sie beide.
„Wusste ich es doch, dass du diesen Film nehmen würdest“, meinte sie lächelnd, als sie auf das Ticket blickte. „Gute Wahl – hoffe ich zumindest…für dich.“
Peter erwischte sich dabei, wie er erleichtert ausatmete. Offenbar hatte er richtig gelegen. Während des Films fühlte er zwar immer noch eine gewisse Anspannung, aber es war deutlich weniger schlimm, als zuvor. Und auf der positiven Seite konnte er verbuchen, dass Felicia zumindest so wirkte, als hätte sie Spaß. Tatsächlich hatte er sie bisher noch nie so lachen sehen, wie in diesem Moment. Und dabei gab er sich doch dauernd solche Mühe mit seinen Witzen. Entweder sie waren zu schlecht…oder – was wahrscheinlicher war – sie verstand sie wohl einfach nicht. Ja, das musste es sein! Es lag eindeutig an ihr!

Nach einer Weile gelang es ihm dann auch endlich, sich etwas zu entspannen und die gemeinsame Zeit mit Felicia voll und ganz zu genießen. Glücklicherweise war der Saal relativ leer, sodass man beinahe von Privatsphäre reden konnte. Traute Zweisamkeit mit Felicia Hardy – hätte man ihm das bis gestern erzählt, dann hätte er ungläubig den Kopf geschüttelt. Aber hier saß er nun und schaute sich mit ihr gemeinsam einen dieser Blödelfilme an, bei denen erst alles schief lief und am Ende doch alles gut wurde. Innerlich hoffte er, dass das auch auf sie beide zutreffen würde. Machte er sich vielleicht gerade zu viele Hoffnungen? Bisher konnte das hier genauso gut ein einfaches Treffen unter Freunden sein…also nicht zu viel in diese Sache hineininterpretieren, Parker! Sonst trällerst du gleich Liedchen auf Wolke sieben, während sie sich nur „Was tut dieser Idiot da eigentlich?“ denkt. Komm wieder runter!  Peters Gedankengänge wurden jäh unterbrochen, als sein Spinnensinn wie wild zu klingeln begann. Gefahr war im Anmarsch! Und tatsächlich dauerte es keine zwei Minuten, bevor ein lauter Knall die Filmvorstellung unterbrach.

„Ladies und Gentlemen…ich muss die Vorstellung leider unterbrechen, weil der Film einfach zum Sterben langweilig ist…die Betonung liegt hier ganz eindeutig auf STERBEN. Alsoooo…wer ist der erste Freiwillige?“
Ein seltsam aussehender Typ mit grünen Haaren, kreidebleicher Haut und blutroten Lippen hatte den Saal betreten und die Kinoleinwand gesprengt, indem er eine Bombe dagegen geworfen hatte, während er wie ein Irrer lachte. Jetzt, wo Peter darüber nachdachte, kam ihm dieser Kerl bekannt vor… War das etwa dieser Joker, von dem Bruce am gestrigen Abend gesprochen hatte? Was zum Teufel hatte dieser Typ hier verloren? Warum schienen eigentlich immer alle Arschlöcher mit kriminellen Tendenzen der Meinung zu sein, dass Peter Parker keine Dates ohne nervige Unterbrechungen haben durfte? Gab es eine Art Tinder für Superschurken, wo sie sich absprachen?
„Der Spinnenheini hat wieder ein Date – wer ist dieses Mal dran? Du, Schocker?“
„Och nö, ich hab ihm schon das letzte versaut. Heute ist Rhino dran.“
„Leck mich, Mann! Ich war neulich auch erst. Dieses Mal kriegt wer anders die Tracht Prügel!“
Ja, so oder so ähnlich stellte sich Peter ein gemütliches Treffen seiner Feinde vor, während sie sich darüber berieten, wer ihm als Nächster auf die Nerven gehen durfte. Das klang zwar ein wenig egozentrisch, aber irgendwie war es nun mal einfach so: Immer, wenn er mal etwas Zeit mit jemandem, der ihm wichtig war, verbringen wollte, kamen seine Pflichten als Spider-Man dazwischen. War das vielleicht irgendein Fluch, den ihm jemand vor langer Zeit auferlegt hatte?
Das laute, gackernde Lachen des Clowns holte Peter wieder aus seinen Gedanken zurück.
„Huhuuuuu! Meldet sich noch jemand freiwillig, oder soll ich einen Helfer aus dem Publikum auswählen? Spoiler: Die betreffende Person könnte nach unserem nächsten Zaubertrick möglicherweise unter schweren Magenbeschwerden leiden…aufgrund einiger Einschusslöcher…oder einer überhöhten Dosis Säure? Also: Wer will nochmal, wer hat noch nicht?“
Während der kleinen Ansprache war der Clown die Reihen langsam abgeschritten, während seine Schläger, die ihn flankiert hatten, sich langsam im Saal verteilten.
„Parker? Was machen wir jetzt?“, hörte Peter Felicia verängstigt fragen.
Verdammt. Wenn er alleine hier gewesen wäre, hätte er sich schnell, in einem unbeobachteten Augenblick, einfach zur Decke raufgezogen und dort dann das Kostüm übergestreift. Doch so, mit Felicia direkt an seiner Seite, war das nicht so einfach möglich. Panisch überlegte er, wie er aus dieser Misere entkommen und gleichzeitig verhindern konnte, dass Felicia ihn enttarnte. Dann bemerkte er, wie ein paar der Schläger sich etwas zu weit von einem der Ausgänge entfernt hatten, sodass sich ein erreichbarer Ausweg bot. Er tippte Felicia an der Schulter an und deutete dann in Richtung des Ausganges.

„Felicia…siehst du die Tür dort vorne? Wenn ich dir ein Zeichen gebe, dann laufen wir beide so schnell wie möglich los und rennen nach draußen, verstanden? Und halt bloß den Kopf unten, falls sie uns bemerken und schießen.“
Sie sah ihn mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen an.
„Und was ist mit den anderen? Sollten wir nicht versuchen, ihnen zu helfen?“
Peter rang sich zu einem beruhigend wirkenden Lächeln durch und legte ihr sanft die Hand auf die Schulter.
„Wir helfen ihnen am besten, indem wir draußen Hilfe holen. Ansonsten sterben wir hier drin wahrscheinlich alle. Also müssen wir fliehen, verstehst du?“
Er war sich nicht sicher, wie er ihren Blick verstehen sollte. War das die Angst? Oder ein Hauch von Enttäuschung? Verachtung? Aber wieso? Sie hatte doch nicht erwartet, dass er hier gegen eine Bande Schläger und einen wahnsinnigen Clown kämpfen würde, oder? Während er sich noch Gedanken machte, war der Ausdruck auch schon wieder verschwunden und sie nickte ihm zu, als wolle sie ihr Einverständnis signalisieren. Peter sah sich noch einmal nach allen Seiten um. Dann gab er ihr das vereinbarte Zeichen und sprintete gemeinsam mit Felicia los. Sein Spinnensinn meldete sich und sorgte dafür, dass er Felicia im letzten Moment mit dem Kopf nach unten drücken konnte, sodass eine der Kugeln sie knapp verfehlte, als Jokers Männer das Feuer eröffneten.
„Waaaaas? Ihr wollt uns schon verlassen? Das ist aber schade!“, hörte er den Clown noch rufen, doch da hatten sie es zum Glück bereits herausgeschafft.

„Da lang geht’s raus! LAUF!“, rief er ihr zu und ließ sich ein Stück weit zurückfallen, sodass sie nicht mitbekam, wie er abbog und in Richtung Toilette rannte. Er hoffte inständig, dass Felicia einfach verängstigt weiterrennen und sich nicht nach ihm umdrehen würde. Aber darum konnte er sich jetzt keine Sorgen machen. Hier standen Menschenleben auf dem Spiel. Innerhalb von wenigen Momenten hatte er sich umgezogen und bewegte sich flink und kaum hörbar zurück in den Saal, wo der Joker weiter nach einem Freiwilligen suchte. Glücklicherweise hatte er bisher noch niemanden getötet. Die meisten Anwesenden lagen zwar verängstigt kauernd am Boden, aber sie waren zumindest noch unversehrt.
„Haaaaalloooooo?! Möchte sich denn wirklich niemand melden? Meine Güte…die Menschen in dieser Welt sind wirklich langweilig. In Gotham hätte ich in dieser Zeit schon mindestens einen Wunderknaben verstümmelt und eine Polizistentochter in den Rollstuhl verfrachtet. Was ist nur aus den guten, alten Opfern von Gewaltverbrechen geworden, die ich so gerne mag?“

Peter beschloss, dass jetzt der richtige Moment war, um einzuschreiten:
„Wir unterbrechen die aktuelle Sendung für eine Eilmeldung: Die Horror-Clown-Saison ist offiziell beendet, weil die Leute das Gimmick zuletzt angsteinflößend fanden, als Tim Curry Stephen Kings „Es“ gespielt hat. Alle Clowns zweiter und dritter Klasse werden gebeten, umgehend den Saal zu räumen und sich in Polizeigewahrsam zu begeben. Vielen Dank für ihr Verständnis.“
Mit diesen Worten hatte Peter sich hinabgeschwungen und zwei der Schläger mit seinen Fäden eingewickelt, um sie nach oben zu ziehen und dort zu fixieren. Direkt im Anschluss schnappte er sich einen weiteren Handlanger und schaltete diesen ebenfalls aus.
„Wen haben wir denn da? Du musst dieser Spiderbursche sein, von dem alle so viel erzählen! Wie schön, dass wir uns endlich mal über den Weg laufen.“
„Ich würde ja gerne das Gleiche sagen, aber von deinem Gesicht kommt mir mein Frühstück wieder hoch. Und ich habe echt keine Lust, mitten im Kampf in meine Maske zu kotzen, okay? Davon abgesehen: Hast du die Durchsage nicht mitbekommen? Ich glaube, die Polizei hat draußen ein Paar Handschellen mit deinem Namen drauf. Zusätzlich gibt es eine Bonusreise in eine Einzelzelle mit Gefängnishof-Blick. Klingt doch super, oder? Und außerdem heißt es Spider-MAN.“

Bevor der Clown reagieren konnte, hatte Peter einen weiteren Schläger mit einem Sprungkick ausgeschaltet. Aus dem Augenwinkel konnte er deutlich sehen, wie Joker ihn beobachtete und jeder seiner Bewegungen folgte. Unter seiner Maske lächelte Peter selbstsicher. Dieser Typ mochte vielleicht für einen Helden ohne Superkräfte ein Gegner sein, aber er würde diesen schlecht geschminkten Gauner im Handumdrehen ausschalten und in eine Zelle verfrachten. Schließlich war er der erstaunliche Spider-Man, oder nicht?
Während er sich dem nächsten Gegner widmete, meldete sich sein Spinnensinn zu Wort und gab ihm zu verstehen, dass Joker gerade eine Salve Gewehrkugeln auf ihn abgefeuert hatte. Peters siegessicheres Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen. Er würde diesem Typen jetzt mal zeigen, wozu er fähig war! Mit einer geschmeidigen Drehung wich er der ersten Kugel aus und bereitete sich zeitgleich auf die Ankunft der nächsten vor. Er duckte sich weg, verlagerte sein Gewicht etwas und bewegte dann schnell einen Fuß vor den anderen, um sich ein weiteres Mal zu drehen. Hätte man es in Zeitlupe betrachtet, hätte es wohl wie ein komischer Tanz ausgesehen. So aber musste es für einen außenstehenden Beobachter wie Zauberei wirken. Eine Kugel nach der anderen verfehlte ihr Ziel und rauschte an Peter vorbei in die Leere des Saales, bis er schließlich die letzte in der Luft auffing.

Zufrieden stellte er fest, dass sein Auftritt die erhoffte Wirkung gehabt hatte: Die verbliebenen Schläger waren nun endgültig in Panik.
„Boss? Hat er gerade die Kugel mit der Hand gefangen? Ist er allen anderen ausgewichen? W-w-wie sollen wir diesen Typen bitte treffen?“
„Sehr gut. Macht euch in die Hose, zweifelt an euch selbst…oder tut das gleiche, nur in der umgekehrten Reihenfolge. Hauptsache, ihr gebt auf und lasst euch brav schnappen. So mag ich es am liebsten“, ging es Peter durch den Kopf. Doch als er seinen Blick zum Joker schweifen ließ, traute er seinen Augen nicht: Im Gesicht des Clowns war von Zweifel oder Panik keine Spur zu sehen. Im Gegenteil – er lachte noch lauter und wahnsinniger, als zuvor.
„Was ist los, Spider-Boy? Dachtest du etwa, ein kleiner ‚Ich fange die Kugel im Flug‘-Stunt würde mich beeindrucken? Ich muss dich enttäuschen – deine Tricks sind älter als die Hitparade aus den 30ern. Ich habe schon mit Helden gekämpft, die deutlich schneller…und vor allem BESSER waren, als du es je sein wirst. Aber nett, dass du vorbeigekommen bist. Du kriegst ein Fleißkärtchen fürs Versuchen. Beim nächsten Mal strengst du dich aber bitte etwas mehr an, sonst ist das langweilig, okay?“

Fassungslos starrte Peter den Clown an. Wollte dieser Typ ihn verarschen? Was stimmte bitte mit dem nicht? Hatte er vielleicht noch irgendein Ass im Ärmel, dass der Held gerade übersah? Oder war er einfach nur so von sich überzeugt, dass er nicht erkennen konnte, wie gering seine Chancen gegen Spider-Man waren?
„Ich hab mich wohl verhört, Rumpelstilzchen! Falls es dir noch niemand mitgeteilt hat: Du bist hier in meiner Nachbarschaft unterwegs und ich mag es gar nicht, wenn man hier einfach in Kinos stürmt und arme Teenies bei ihren Dates stört. Und weißt du was ich auch nicht mag? Clowns.“
Ohne noch weitere Reden zu schwingen, hatte Peter sich mit einem Satz in die Lüfte erhoben und war hinter dem Clown gelandet, um ihm mit einer leichten Drehung seines Körpers einen seitlichen Tritt zu verpassen. Joker wurde durch die Wucht einige Meter weit geschleudert und blieb dann regungslos zwischen ein paar Kinositzen liegen - leider nur nicht allzu lange. Denn schon wenige Sekunden später hallte wieder sein nerviges Lachen durch den Saal.
„Hehehehe…war das schon alles? Da schlagen ja Batsys minderjährige Möchtegern-Sidekicks härter zu! Selbst Barbara Gordon hatte mehr wumms, als ich sie in ihrer Wohnung gefoltert habe. Und du bist auch ganz sicher DER Spider-Man und nicht nur irgendein lahmer Cosplayer? Warte…sag nicht, du bist eigentlich Schauspieler und bereitest dich auf eine Rolle vor? Welcher bist du? Maguire? Garfield? Oder doch dieser Holland-Bursche?“

Peter hatte keine Ahnung, wovon dieser nervige Idiot da redete und eigentlich war es ihm auch egal. Ihn kümmerte gerade nur, dass dieser Typ ihn ganz offensichtlich nicht ernst nahm und jede Attacke wegsteckte, als wäre er irgendein Schaumschläger. Offensichtlich würde er härtere Methoden auspacken müssen. Bisher hatte er sich zurückgehalten, weil Joker – gemäß Batmans Aussage – nur ein normaler Mensch war. Aber wenn dieser Kerl eine härtere Tracht Prügel wollte, dann würde er sie bekommen! Ein weiteres Mal erhob er sich in die Lüfte und sauste auf den immer noch am Boden liegenden Clown zu. Doch kurz vor dem Aufprall klingelte sein Spinnensinn erneut – zu spät. Der Joker hatte die Blume an seinem Sakko zusammengedrückt und so eine Art grünliches Gas freigesetzt, das Peter kurz die Sicht vernebelte. Das brachte ihn für einen Augenblick aus der Fassung – lange genug für den Clown, um mit den Schlagringen an seinen Händen ein paar Treffer zu landen und Spider-Man so niederzuschlagen. Doch so richtig hart trafen die Schläge Peter trotz der Verstärkung nicht. Was ihn viel mehr traf, war die Tatsache, dass er diesen Gegner offenbar unterschätzt hatte. Das würde ihm nicht nochmal passieren!

Sofort sprang er wieder auf die Beine und funkelte den Clown zornig an.
„Okay Ronald McDonald – jetzt reichts! Ich fand dein Essen ja schon immer scheiße, aber das gerade hat mir so richtig gar nicht geschmeckt. Also lehn dich zurück und genieß die Show, denn jetzt spendiere ich dir das beste ‚KFC-Menü‘, das du je bekommen hast. Und nur damit wir uns nicht missverstehen – KFC steht für ‚Kicks for Clowns‘ – kapiert?“
Doch als Peter gerade loslegen wollte, spürte er erneut seinen Gefahrenwarnsinn. Doch dieses Mal kam der aus praktisch allen Richtungen gleichzeitig. Was ging hier vor?
„Eins muss ich dir lassen – du bist eindeutig unterhaltsamer, als die alte Fledermaus. Dafür bist du aber auch 100 mal leichter auszutricksen. Und jetzt mach schön ‚Bumm‘, okay?“
Erst jetzt entdeckte Peter den kleinen Sprengkörper, den der Clown während ihres Schlagabtausches offenbar an seinem Körper angebracht hatte. Wieder zu spät. Joker hatte den Zünder betätigt und die Explosion ausgelöst. Peter schrie vor Schmerz auf, als der Sprengstoff sich durch sein Kostüm brannte und dabei ein wenig seiner Haut versengte. Während er noch etwas benommen am Boden lag, tastete er nach der Wunde. Puhhh…das hätte schlimmer kommen können. Zum Glück hatte er aus seinen bisherigen Gegnern gelernt und seinen aktuellen Anzug weitestgehend feuersicher gemacht – das hatte größere Schäden verhindert. Andernfalls hätte er jetzt mit Deadpool eine „Wir haben starke Hautprobleme“-Squad gründen können.
Wieder meldete sich der Spinnensinn. Oh nein…nicht noch eine Bombe…
Doch noch bevor die Bombe landen konnte, wurde sie von etwas getroffen, das ihre Flugbahn veränderte und sie in Richtung Leinwand fliegen ließ, wo die Explosion niemanden kümmerte. Verwirrt sahen sowohl Spider-Man, als auch der Joker sich nach dem Ursprung des Wurfgeschosses um und entdeckten dann, am anderen Ende des Raumes, eine weißhaarige Frau in einem schwarzen Kostüm, die sie mit ihren leuchtend grünen Augen zornig anfunkelte.
„Ihr habt jetzt wirklich lange genug euren Spaß gehabt, Jungs. Offensichtlich kann ein Mädchen nicht einmal einen einzigen Abend lang ihre Ruhe haben, ohne dass ihr Männer euch dazu berufen fühlt, euer Revier markieren zu müssen. Verzeiht mir also, wenn ich etwas gereizt bin und dem einen oder anderen von euch mit ein paar Kratzern die Chance auf zukünftige Dates versaue. Andererseits, wenn ich euch Typen so ansehe…eure Chancen standen sowieso nie besonders hoch.“
Noch während ihrer kleinen Kampfansage war Black Cat auf die ersten Schläger, die sich in ihrer Nähe befanden, zugestürmt und hatte sie mit ein paar heftigen Hieben und Tritten förmlich zerlegt. Sprachlos sah Peter der Diebin dabei zu, wie sie sich durch die verbliebenen Handlanger des Clowns prügelte und dabei definitiv nicht zimperlich war.

„Ich werde in Zukunft ganz genau aufpassen, was ich zu ihr sage“, dachte sich der Held, während er beeindruckt und verängstigt zugleich den Kampf beobachtete. „Denn ansonsten…bin ich tot.“
Einer der Angreifer schaffte es jedoch, seine Waffe auf Cat zu richten. Peter war sicher, dass sie es nicht mehr rechtzeitig schaffen würde, dem Schuss auszuweichen.
„PASS AUF!“, rief er panisch, doch da hatte der Schütze bereits abgedrückt – zu seinem Pech, denn Black Cats Fähigkeit wurde ihm ganz offensichtlich zum Verhängnis. Die Waffe klickte und plötzlich explodierte sie einfach in seiner Hand und verbrannte ihm das Gesicht. Schmerzerfüllt schrie er und ging in die Knie.
„Ups… Da wusste jemand scheinbar nicht, dass schwarze Katzen Unglück bringen, was?“
Mit diesen Worten hatte sie ihm einen harten Tritt gegen die Schädelseite verpasst, der ihn mit Sicherheit für ein paar Wochen verfolgen würde – wahrscheinlich ins Krankenhaus. Dann wandte Cat sich zum Joker um, der nicht unbedingt begeistert aussah.
„Ernsthaft?“, meinte er und warf dabei Spider-Man einen verärgerten Blick zu. „Du hast auch so eine Katzenlady? Willst du mich verarschen? Was ist das hier? New York sucht den nächsten Batman – inklusive Möchtegern-Catwoman? Gibs zu: Hier ist irgendwo eine versteckte Kamera! Welcher Jury muss ich mich stellen? Lex Luthor? Bruce Wayne? Stan Lee?“

„Das einzige, dem du dich stellen musst, ist meine verdammt schlechte Laune“, fauchte Black Cat zornig, ehe sie auf den Clown zu sprintete und dann einen der Greifhaken in ihren Handschuhen nutzte, um ihn am Bein zu treffen und zu Fall zu bringen. Doch der Joker war gerissener, als die Diebin erwartet hatte. Er rollte sich geschickt zur Seite und ließ an der Stelle, wo Cat gelandet war, eine seiner Bomben explodieren. Nur knapp entging sie den Flammen, doch die Druckwelle schleuderte sie zurück und ließ sie hart auf dem Boden aufschlagen, wo sie einen Moment liegen blieb. Das genügte dem Clown, um eine weitere Explosion auszulösen – dieses Mal war es jedoch die Decke, die auf die Diebin herabstürzte. Zu spät realisierte sie, dass sie kurz davor stand, von Trümmern begraben zu werden, während der Joker gackernd lachte. Doch als Cat die panisch geschlossenen Augen wieder öffnete, entdeckte sie überrascht, dass die Trümmer abgefangen worden waren. Peter hatte sich im letzten Moment schützend über sie gestellt und eine Großteil der herabfallenden Deckenstücke auf seinen Schultern und seinem Rücken aufgefangen. Allerdings musste er in diesem Moment auch seine gesamte Kraft und Körperspannung aufbringen, um nicht unter der Last zusammenzubrechen.

„Bist…du…okay?“, brachte er mit Mühe heraus und warf der noch am Boden liegenden Diebin einen besorgten Blick zu.
„Ich…du machst dir Sorgen um MICH?“, fragte sie ungläubig und scheinbar auch ein wenig beeindruckt, ehe sie sich langsam aufrichtete – soweit das unter einem Haufen Trümmer möglich war. „Wir sollten hier verschwinden – so sind wir ein leichtes Ziel, Spidey.“
„Leichter gesagt, als getan“, meinte Peter und rang sich zu einem müden Lächeln durch, das man dank der Maske natürlich nicht so richtig sehen konnte.
„Was denn? Du willst mir doch nicht sagen, dass diese Trümmer schwer sind, oder?“, meinte sie und sah ihn herausfordernd an.
„Neeeeeein, natürlich nicht. Wenn nur dieses Kratzen in meinem Rücken nicht wäre…dann wäre das hier gar kein Problem!“
„Kratzen? Brauchst du ne helfende Hand? Ich könnte…“
„DAS WAR EIN SCHERZ, CAT! BRING DICH IN SICHERHEIT – ich weiß nämlich nicht, wie lange ich diese Decke hier noch halten kann.“

„Sind sie nicht süß, wie sie sich da unter dem Trümmerhaufen streiten? Irgendwo habe ich das doch schon mal gesehen… Wo war das nur? Mhm… ACH JA! Das erinnert mich an dieses ekelhafte Süßholzgeraspel zwischen Batsy und seiner Hauskatze. Grauenhaft! Ich denke, ich tue der Welt einen Gefallen und töte euch beide, bevor es schlimmer wird. Schließlich will niemand NOCH ein Spin-off von ‚Keeping up with the Kardashians‘, oder?“
Durch eine größere Lücke zwischen den Trümmern konnte er sehen, wie Joker weitere Sprengsätze aus seiner Jackentasche hervorzog. Dann kam er langsam auf sie beide zu und das boshafte Lächeln auf seinem Gesicht wurde dabei immer breiter – bis zu dem Moment, als ihn ein schwarzes Wurfgeschoss am Kopf traf und taumeln ließ.
„Autsch! Bei Robins Jungfräulichkeit…wer nervt denn jetzt schon wieder…och nööö.“
Noch bevor der Clown lange suchen musste, war Batman vor ihm gelandet und hatte ihm einen kräftigen Hieb verpasst. Erleichtert atmete Peter auf. Offensichtlich hatte Bruce die Nachricht, die er ihm mit dem Kommunikator geschickt hatte, noch rechtzeitig erhalten. Vielleicht würde jetzt doch noch alles gut werden. Doch gerade, als er seine Kraft fokussieren und die Trümmer aus dem Weg schaffen wollte, hörte er Batmans grimmige Stimme:
„NOCH NICHT! Er hat weitere Sprengkörper dort befestigt!“

Ernsthaft? Er sollte also weiter Herkules…oder besser Atlas spielen, weil er sonst in die Luft gesprengt werden würde? Wow…wenn er es heil hier heraus schaffte, dann würde dieser dämliche Clown sein blaues Wunder erleben, so viel stand fest. Peter war schon lange nicht mehr so genervt von einem seiner Gegenspieler gewesen. Das hier war nicht nur ein Kampf – das grenzte an Schikane. Der Joker hatte ihn nicht nur nicht ernst genommen, er hatte ihn wie einen Schuljungen aussehen lassen. Klar, im Prinzip war er das ja auch, aber das wusste der Clown ja nicht. So oder so – Peter war stinksauer. Und Black Cat ging es offenbar nicht anders.
„Brauchst du Hilfe? Ich könnte…“, fragte sie und er glaubte einen Anflug von echter Sorge in ihren Augen zu erkennen.
„Ich schaffe das schon, Cat. Heute wird keiner von uns hier begraben – versprochen.“
„Und wer ist dieser Typ, dem du offenbar unser Leben anvertraust?“
„Lange Geschichte. Aber wenn uns jemand hier rausholen kann, dann wohl er.“
Sie sah ihm für einen Moment in die Augen und versuchte offenbar, durch die großen, weißen Linsen der Maske hindurch zu blicken, um dort etwas zu suchen. Dann verzog sich ihr Mundwinkel zu einem angedeuteten Lächeln.
„Okay…wenn du ihm vertraust, dann reicht mir das. Aber mach ja nicht schlapp, hörst du?“
„Niemals, Ma’am!“
„Es reicht jetzt, Joker. Schluss mit deinen Spielchen!“, hörte Peter Batman wütend rufen.
JA! Gibs ihm! Tu ihm richtig weh! Schlag ihm sein hässliches Grinsen aus dem Gesicht! Peter wusste nicht, wann er einen anderen Superhelden schon mal so sehr angefeuert hatte – zumindest mental. Aber das hier war ja auch ein Sonderfall! Zu gerne hätte er gesehen, wie Bruce diesem Clown das Handwerk legte, aber das war leider nicht im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten. So musste er sich mit der Geräuschkulisse von Aufeinanderprallenden Knochen begnügen. Hier und da ein gequälter Laut des Clowns, gefolgt von einem Lachen. Gab dieser Knilch denn nie auf?
„Schluss? Wo denkst du hin, Batsy? Ich fange doch gerade erst mit meinem Plan an! Davon mal abgesehen…wer hätte gedacht, dass du mir wirklich bis hierher folgen würdest? Ich würde mich ja geschmeichelt fühlen – immerhin hatte ich seit Harley keinen Stalker mehr. Und naja… irgendwie zählt sie ja auch gar nicht. Aber das hier geht mir jetzt wirklich ein bisschen zu weit, Bats! Wenn du mir weiter so auf die Nerven gehst, muss ich dich am Ende noch ghosten – und das will doch keiner von uns beiden, oder?“
Ein weiterer Knall ertönte und Peter glaubte eine Erschütterung zu spüren. Waren das die Trümmer? Oder kam das von wo anders? Noch ehe er sich weiter Gedanken machen konnte, hörte er den Clown erneut rufen: „Du hast die Wahl, Fledermaus: Entweder du schnappst mich und lässt die beiden Turteltäubchen unter den Trümmern versauern, oder du schaust dabei zu, wie ich auf meiner Harley in den Sonnenuntergang reite…ups, das Wortspiel war so gar nicht vorgesehen! Hihi…“

Es folgte ein schier unendlich wirkender Augenblick der Stille. Gefolgt vom erneuten Lachen des Clowns, das jedoch steig leiser zu werden schien. Dann hörte Peter ein klickendes Geräusch.
„Die Bomben sind entschärft – du kannst jetzt deine Muskeln spielen lassen, Spider-Man“, tönte Batmans dunkle Stimme zu ihnen hindurch. Darauf hatte Peter nur gewartet. Unter Aufbieten aller seiner verbleibenden Kräfte stemmte er sich gegen die auf ihm lastenden Trümmer und schaffte es schließlich, sie fortzustoßen, um Black Cat und sich zu befreien. Erleichtert ließ er sich auf seinen Hintern neben die immer noch am Boden hockende Diebin fallen und warf dem dunklen Ritter einen dankbaren Blick zu.
„Was ist mit dem Clown?“, fragte er, nachdem er wieder zu Atem gekommen war.
„Entkommen…fürs Erste. Aber der taucht wieder auf – früher, als uns lieb ist.“
„DER kann was erleben, wenn ich ihn erwische!“, unterbrach Black Cat die beiden. „Was für ein verdammter Mistkerl! Das Lachen prügel ich mit jedem Zahn einzeln aus seiner blöden Visage heraus!“

Peter musste zugeben, dass ihm diese Vorstellung gefiel. Langsam richtete er sich auf und bot der ebenfalls etwas erschöpft wirkenden Diebin eine helfende Hand an.
„Danke“, meinte sie und rang sich zu einem Lächeln durch, was sie gleich viel weniger furchteinflößend wirken ließ. „Ich schulde dir was, Spidey.“
„Quatsch. Du hast mich zuerst gerettet. Wir sind also quitt. Ohne dich wäre ich hier aufgeschmissen gewesen, Cat. Aber pass auf, dass diese guten Taten nicht zur Gewohnheit für dich werden – am Ende findest du noch Gefallen daran, eine Heldin zu sein und wechselst die Seiten…“
„Red keinen Quatsch“, entgegnete sie und wirkte dabei fast schon peinlich berührt oder sogar verlegen. „Das hier war nur eine Ausnahme, weil der Typ mir meine Laune versaut hat. Es war was Persönliches! Denk also ja nicht, ich hätte das für dich oder für die Leute hier im Saal getan, ja? Diese Menschen sind mir vollkommen egal, verstanden?“
Sie schien sich jedoch schnell wieder gefangen zu haben, denn nach einer kurzen Pause fügte sie – ganz in ihrer typischen Art und Weise – noch hinzu: „Wobei…an diese Teamarbeit mit dir könnte ich mich gewöhnen. Beim nächsten Mal dann aber nicht unter Trümmern, sondern lieber in einem etwas gemütlicheren Ambiente…“

Sie hatte sich auf dem Absatz umgedreht und sich in Richtung Ausgang bewegt. Dann warf sie noch einmal einen Blick über die Schulter und zwinkerte Peter grinsend zu.
„Ich freue mich schon aufs nächste Mal, Süßer.“
Und schon war sie wieder verschwunden, während Spider-Man ihr erneut ratlos hinterherblickte. Dabei hatte er nicht bemerkt, dass die Diebin ihm zuvor etwas zugesteckt hatte. Als Peter sich zu Batman umdrehte, konnte er ein deutliches Grinsen auf dem Gesicht des sonst so grimmigen Helden sehen.
„WAS? Habe ich was verpasst?“, fragte er verwirrt.
Doch er erhielt keine Antwort vom dunklen Ritter. Stattdessen legte Batman ihm Vorbeigehen nur kurz, fast schon väterlich, die Hand auf die Schulter, ehe er den Raum ebenfalls verließ.
„Ich weiß nur zu gut, was du gerade durchmachst, Kleiner“, dachte Bruce sich, als er durch die Tür nach draußen Schritt. „Hoffen wir mal, dass es für dich ein genau so gutes Ende nehmen wird, wie für mich.“

Ziemlich erschöpft und immer noch sehr verärgert kletterte Black Cat durch das Fenster ihres Schlafzimmers im 40. Stock des Wolkenkratzers, in dem sie wohnte. Der Abend hatte so gut angefangen, doch dann hatte dieser dämliche Clown alles verdorben. Sie zupfte an den Spitzen ihrer Handschuhe und zog sie sich dann von den Fingern, um die auf ihr Bett zu schleudern. Dann legte sie vorsichtig die Maske ab, die ihre grünen Augen umrandete und wischte sich vorsichtig das Blut von der Wange, während sie zeitgleich aus dem Kostüm schlüpfte und in Richtung Badezimmer tapste. Würde sie jemals ein normales Leben führen können, oder würde das immer so weiter gehen? Immer, wenn sie glaubte, dass es bergauf ging, zog etwas sie wieder hinab in die Tiefe und brachte sie so auf den Boden der Tatsachen zurück. Jedes. Verdammte. Mal. Lag es daran, dass sie eine Diebin war? Eine Kriminelle? Falls ja, war das wirklich nicht fair – schließlich hatte sie sich dieses Leben nicht ausgesucht – es war ihr aufgezwungen worden. Und sie hasste es. Okay…vielleicht nicht alles davon. Hin und wieder war es schon ein berauschendes Gefühl, irgendwo einzubrechen, die Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden und sich dabei mächtig zu fühlen. Und natürlich war da noch ein gewisser Superheld, den sie durch ihre Streifzüge regelmäßig treffen konnte. Sie wusste nicht genau, was das zwischen ihnen beiden war…aber irgendetwas zog sie stets zurück zu diesem Spinner. Sie erwischte sich dabei, wie bei dem Gedanken an Spider-Man ein Lächeln über ihr Gesicht huschte, als sie vor dem Spiegel stand und sich das Make-up abwischte, das sie eigentlich für einen völlig anderen Anlass aufgetragen hatte. Wie lange er wohl brauchen würde, um die Nachricht, die sie ihm zugesteckt hatte, zu entdecken?

Dann klingelte ihr Handy plötzlich. Wer störte sie bitte noch um diese Uhrzeit? Ein Blick auf die Nummer ließ sie zusammenzucken und sie nahm das Gespräch widerwillig an.
„Ja? Was willst du?“
„Was ICH will? Ich will von dir wissen, warum du heute in diesem verdammten Kinosaal mit diesem Möchtegernhelden gemeinsame Sache gemacht hast! Das wäre DIE Gelegenheit gewesen, ihn loszuwerden und du fühltest dich plötzlich zu Heldenmut berufen? Hast du vergessen, wer du bist und WEM du gehörst?“
Sie schluckte. Schon bei dem Gedanken an ihren Gesprächspartner – einen Mann, den die meisten nur als ‚Kingpin‘ kannten – wurde ihr schlecht.
„Dieser Clown hat mich gestört…es war was Persönliches. Kommt nicht wieder vor.“
„DAS hoffe ich für dich, sonst wirst du mich kennenlernen, verstanden?“
Nachdem er aufgelegt hatte, schleuderte sie wütend ihr Handy fort, ehe sie sich wie ferngesteuert auf ihr Bett zubewegte und sich dann darauf fallen ließ. Wann würde das endlich enden? Würde sie irgendwann frei sein? Wütend und verzweifelt schluchzend zu gleich schlief Felicia irgendwann endlich vor Erschöpfung ein.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast