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Batman / Spider-Man - Crisis in Manhattan

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Peter Parker / Spiderman
12.07.2020
12.07.2020
7
41.303
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12.07.2020 7.054
 
„Spider-Man ist ein Krimineller, der hinter Gitter gehört! Und wer das anders sieht, leistet Beihilfe zu seinen Verbrechen – so einfach ist das!“
Das laute Geschrei des Podcasts von J. Jonah Jameson hallte durch Peters Ohren, als er sich durch die Häuserschluchten von Manhattan schwang. Würde dieser Typ je aufhören, Spider-Man wie einen Kriminellen zu behandeln? Würde er eines Tages anständig von ihm für die Bilder, die er von Spider-Man machte, bezahlt werden? Würde er eines Tages die Anerkennung erhalten, die ihm eigentlich zustand? Und würde Jameson irgendwann endlich einsehen, dass sein Haarschnitt zuletzt modern war, als Noah eine Arche baute? Peter wusste leider auf keine dieser Fragen eine Antwort, aber sie beschäftigten ihn unentwegt – na gut, zumindest immer dann, wenn er über Jameson nachdachte. Das passierte zum Glück nicht so häufig, sodass dieser Blödsinn ihm nicht allzu viel Zeit seines Tages stahl. Bisher hatte er nicht in Erfahrung bringen können, was der Daily Bugle-Chef gegen ihn hatte, aber vielleicht würde sich das eines Tages ja ändern. So oder so: Jemand musste diesem Mann wirklich einen anderen Friseur empfehlen!

Während er noch in Gedanken war, schnappte er plötzlich Wortfetzen aus den Nachrichten auf:
„Fledermausartige Gestalt versetzt seit beinahe einer Woche die Menschen der Stadt in Angst und Schrecken! …Polizei schafft es nicht, der Sache Herr zu werden... Wann werden die Avengers einschreiten?“
Genervt rollte Peter unter seiner Maske mit den Augen. Ja, auch er war ein Avenger…aber dieser Verein konnte sich doch nicht um alles kümmern! Außerdem war Manhattan SEIN Revier. Gut, daran hielten sich nicht alle Helden sonderlich akribisch…und manchmal war er für etwas Hilfe ja auch durchaus dankbar…aber es ärgerte ihn trotzdem, wenn die Leute nach den Avengers schrien, obwohl sie doch die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft direkt vor ihrer Haustür hatten! Zum Glück hatte er keine Ego-Probleme, so wie es bei anderen Helden der Fall war…
„Guckt mal, da ist Spiderman!“, hörte er einen Herrn einige Meter unter sich rufen.
„Es heißt SPIDER-BINDESTRICH-MAN!“, rief Peter laut, auch wenn er sich sicher war, dass der Betreffende Herr das nicht gehört hatte. Es ging ums Prinzip. Niemand glaubte ihm, wie viele Klicks bei Google ihn dieser blöde Bindestrich-Fehler dauernd kostete…

Aber das war ja jetzt auch erst mal egal – schließlich gab es Wichtigeres! Eine Fledermausartige Gestalt in Manhattan, die die Menschen terrorisierte? Das klang ja fast wie in einem dieser Comichefte, die er als Kind gelesen hatte. Wie hatte der Typ da noch geheißen…Man-Bat? Ob es sich hier um einen Nachahmer handelte? Jedenfalls würde er sich darum kümmern müssen. Und wenn dieser Typ auch nur ansatzweise wie eine Fledermaus drauf war, dann würde er wohl nur bei Nacht rauskommen – das bestätigten auch die bisherigen Sichtungen. Also entschied Peter, dass er heute mal eine Nachtschicht einlegen und sich im Stadtzentrum auf die Lauer legen würde. So kam es, dass Peter, nachdem er bis in die frühen Abendstunden auf dem Empire State Building gehockt und Spiele auf seinem Handy gespielt hatte, auf einen Bankraub aufmerksam wurde, der über den Polizeifunk gemeldet wurde. Als er den Tatort erreichte, lieferten sich die Bankräuber gerade eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei.
„Hach ja, ein Rennen, das jeden Hollywood-Regisseur neidisch machen würde. Ein ganz normaler Abend im Leben von Spider-Man!“
Mit diesen Worten schwang er sich zwischen den Häuserschluchten hinab, doch noch bevor er bei dem fliehenden Wagen ankommen konnte, bemerkte er aus dem Augenwinkel, wie ein großer, pechschwarzer Schatten auf der Windschutzscheibe des Autos landete und dieses innerhalb von kürzester Zeit zum unsanften Zusammenstoß mit einem Laternenpfahl brachte. Aus angemessener Entfernung beobachtete Peter dann, wie dieser Schatten die Verbrecher fesselte.
Dann erhob er sich in die Lüfte…mit einem Greifhaken? Peter beschloss, dem Schatten zu folgen und ihn an einer geeigneten Stelle, wo es etwas menschenleerer war, zu stellen. Und tatsächlich bot sich eine passende Gelegenheit, als der Verfolgte auf einem nahe gelegenen Hochhausdach landete. Noch bevor der Schatten wieder verschwinden konnte, landete Spider-Man geschmeidig vor ihm und baute sich vor der Gestalt auf.
„Bis hierher und nicht weiter, Fledermaus…Ding. Jetzt hat es sich ausgeflattert!“
Ausgeflattert. Wirklich? Mehr war ihm echt nicht eingefallen? Wow. Naja, der Tag war lang gewesen und er hatte seit Stunden nichts gegessen…aber das war trotzdem eher Deadpool-Niveau, oder?
Bei dem Gedanken lief Peter ein eiskalter Schauer über den Rücken. Wenn er wirklich so tief sinken würde, dann würde er das Kostüm an den Nagel hängen, das stand fest! Während er noch darüber nachdachte, wie er den Witz noch retten konnte, fiel ihm ein, dass er ja eigentlich wegen etwas Wichtigerem hier war.
„Okay Kumpel. Was hast du mit den Bankräubern gemacht? Und was willst du hier in New York? Du weißt es vielleicht nicht, aber wer hier aufkreuzt, um den braven Bürgern von NYC Probleme zu machen, der kriegt es mit mir zu tun! Davon abgesehen haben wir hier wirklich mehr als genug komische Tier-Mensch-Mischwesen. Nach Skorpionen, Rhinos, Geiern, Katzen, Echsen und Ratten kann ich nicht noch eine Fledermaus hier gebrauchen. Ich wäre dir also sehr verbunden, wenn du einfach wieder zurück dahin flatterst, wo du hergekommen bist, okay? Andernfalls sehe ich mich gezwungen, dich umgehend nach Ryker’s Island zu schicken – das ist diese hübsche Gefängnisinsel mit Seeblick dahinten. Kapiert?“

Während seiner kleinen Ansprache hatte er die dunkle Gestalt eingehend gemustert, doch dieser Typ, der zumindest ein menschliches Kinn zu haben schien, hatte nicht mal gezuckt. Entweder er hatte kein Wort verstanden, oder er besaß nicht einmal einen winzigen Funken Humor. Andernfalls hätte er zumindest mal mit dem Mundwinkel zucken müssen. Falls nicht, konnte Peter seine geplante Karriere als Stand-Up-Comedian beerdigen, bevor er sie überhaupt begonnen hatte! Er spannte seine Muskeln automatisch an und machte sich kampfbereit, als die Gestalt sich langsam aus ihrer hockenden Haltung erhob und ihn mit ihren weißen, kalten Augen fixierte. Peter war sich nicht sicher, ob dieses Ding Flügel hatte, oder ob das ein Cape war, dass sich um den Körper schlang und ihn wie einen großen, schwarzen Fleck wirken ließ.
„Also nochmal von vorne: Ich Spider-Man. Ich hauen böse Typen. Du verschwinden, sonst Faust. Okay?“

„Ich habe dich bereits beim ersten Mal verstanden.“
Peter war von der plötzlichen Antwort so überrascht, dass er zuerst nicht wusste, was er antworten sollte. Aber hey, zumindest sprach dieses Ding – das war ein Anfang!
„Super, dann ist ja alles cool. Antwortest du mir freiwillig, oder muss ich dir alles aus der Nase ziehen, Man-Bat? Und kann es sein, dass du zu viele Comics gelesen hast? Wegen dieses Looks könntest du ernsthafte Copyright-Probleme mit einem großen Verlagshaus kriegen. Oder bist du ein Mutant? In dem Fall hast du mein tiefstes Mitgefühl für diese unansehnliche…“
„Es heißt Batman. Und ich bin auf der Suche nach jemandem.“
„Nun, gefunden hast du jemanden, mein Padawan. Dafür hättest du allerdings nicht einen Haufen Menschen zu Tode erschrecken müssen. Moment…sagtest du ‚Batman‘? Das klingt ein bisschen, als würdest du mit einem Baseballschläger…naja, ist ja auch egal. In jedem Fall hast du den Leuten Angst gemacht – das muss aufhören.“
„Vor mir müssen nur die Angst haben, die sich nicht an das Gesetz halten. Rechtschaffene Menschen haben nichts von mir zu befürchten.“
„Ach echt? Wenn man dich so reden hört, könnte man fast meinen, wir wären Kollegen!“
Peter dachte einen Augenblick lang nach, dann weiteten sich seine Augen.
„Warte…was? Du willst mir gerade weißmachen, du bist ein Superheld? Dein Ernst? Bist du neu im Gewerbe? Denn von einem Batman habe ich noch nie gehört. Und glaub mir – ich kenn mich aus. Wir haben Ameisen, Falken, Eisenmänner, Tiefkühlsuperhelden, grüne Wutmonster…aber an eine Fledermaus würde ich mich erinnern.“
„Ich bin nicht…von hier.“
„Nicht von hier? Das ist alles? Da musst du schon etwas genauer werden, wenn ich dir glauben soll. Kommst du von Jersey? Oder drüben, aus Europa? Warte, sag’s nicht: Du bist ein Cosplayer aus Japan!“
Batmans Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Offenbar schien er wirklich keinen Humor zu besitzen, denn er wirkte ziemlich genervt. Dann antwortete er mit tiefer Stimme:
„Ich komme von einer anderen Erde.“
„Andere Erde? Du meinst eine andere Dimension? Echt? Cool!“
Peter war selbst überrascht, wie gelassen er solche Offenbarungen inzwischen hinnahm, aber nachdem er vor einem Jahr auf seine Doppelgänger von verschiedenen Parallelerden getroffen war, konnte ihn so etwas offensichtlich nicht mehr schockieren.
„Nun, das erklärt zumindest, warum ich dich nicht kenne…oder eher, warum du mich an diesen Comichelden erinnerst. Du bist also ein Held von einer Parallelerde. Lass mich raten: Du verfolgst einen bösen Schurken, der hierher geflohen ist und musst ihn nach Hause zurückbringen?“
Batman nickte stumm.
„Nice, ich hab’s noch drauf! Okay, dann helfe ich dir!“
Batman blickte ihn misstrauisch an.
„Jetzt schau nicht so. Ich gebe zu, wir hatten einen schlechten Start, aber ich hab mehr drauf, als nur ein paar gute Witze, okay? Und du wirst keinen Superhelden finden, der sich in Manhattan besser auskennt, als ich!“
„In Ordnung.“
Peter blickte ihn einen Augenblick lang überrascht an, ehe er zufrieden unter seiner Maske grinste.
„Cool! Okay, wen oder was suchen wir? Einen intergalaktischen Weltenverschlinger? Einen verrückten auf einem Fluggleiter? Ein Alien? Einen Dämon?“
„Einen Clown.“
Beinahe hätte Peter laut losgelacht, doch ein Blick in Batmans Augen genügte, um ihn zum Schweigen zu bringen. Dieser Typ meinte das tatsächlich ernst. Offenbar suchte er einen Clown.
„Ooookaaayyy…einen Clown also. Na, öfter mal was Neues, nicht wahr? Was hat er gemacht? Hat er einen Kindergeburtstag überfallen?“
„Mehrere Terroranschläge, Bankraube, unzählige Morde…die Liste ist lang. Dieses Mal will er sich in einer Parallelwelt Hilfe organisieren, um mir auf die Nerven zu gehen. Er ist wahnsinnig, falls das noch nicht durchgeklungen ist.“
„Das dachte ich mir schon“, entgegnete Peter, den diese Liste von kriminellen Machenschaften in Verbindung mit dem Aussehen eines Clowns doch etwas schockiert hatte. Kein Wunder, dass so viele unter einer Clownsphobie litten.
„Wir suchen ihn jetzt, seit wir vor einer Woche hier angekommen sind, aber bisher leider ohne Erfolg. Daher meinten die anderen, dass es an der Zeit wäre, uns Hilfe zu holen.“
„Wir? Wer ist wir? Gibt es mehrere von dir? Oder hast du auch einen dieser nervigen Alien-Symbionten? Welcher ist es? Venom? Carnage? Justin Bieber?“
„Nein, mit ‚wir‘ meine ich meine Mitstreiter, die mit mir hier gelandet sind. Wir kamen zu dritt hierher, genau wie unsere Gegner auch – zumindest nehmen wir das an. Und da die anderen beiden von deiner Arbeit hier beeindruckt waren, bestanden sie darauf, dass ich mich mit dir treffe.“
„Oha, also sind sie Fans von mir? Jetzt fühle ich mich doch tatsächlich geschmeichelt!“, meinte Peter mit belustigtem Unterton in der Stimme, doch erneut verzog Batman keine Miene. War das Gesicht dieses Typen aus Stein gemeißelt? Wie konnte der die ganze Zeit so ernst bleiben?
„Habt ihr eigentlich schon eine Bleibe hier? Ich würde euch ja zu mir nach Hause einladen, aber mein zuhause ist nicht wirklich groß genug für 4 Superhelden…“
„Wir sind bereits versorgt. Wenn es für dich in Ordnung ist, würde ich unser Gespräch sowieso dorthin verlagern, damit du die anderen beiden auch gleich kennen lernen kannst. Dort sind wir dann auch etwas ungestörter und weniger auf dem Präsentierteller.“
„Klingt gut“, antwortete Peter sofort. „Nach dir!“
Ohne lange zu zögern sprang Batman von dem Dach und stürzte sich in die Tiefe, nur um dann wieder diesen Greifhaken zu verschießen und sich an dem Seil durch die Häuserschluchten zu schwingen, während Spider-Man ihm folgte. Kurz darauf gelangten sie an einem heruntergekommenen Gebäude im Westen von Manhattan an. Unauffällig betraten sie es durch die Hintertür und Peter staunte nicht schlecht, als Batman auf einem versteckten Panel eine Zahlenkombination eingab und sich vor seinen Augen eine Wand zur Seite schob, um den Blick auf eine Treppe frei zu geben, die nach unten führte. Unten angekommen wartete ein großer Raum, in dem sich mehrere Hightech-Computer, Trainingsgeräte und jede Menge technischer Schnickschnack befanden.

„Und wie hast du das alles nochmal in der kurzen Zeit hier, in einer für dich fremden Welt, aus dem Boden gestampft?“, fragte Peter beeindruckt.
„Ich bin Batman.“
„Das hast du erwähnt, ja…“, entgegnete Peter und fragte sich, inwiefern das eine Antwort auf seine Frage sein sollte, doch die Art, mit der dieser Typ es gesagt hatte, deutete darauf hin, dass er der Meinung war, es würde als Antwort genügen, also entschied er, nicht weiter nachzufragen.
„Da seid ihr ja endlich. Das hat aber ganz schön lange gedauert, Jungs.“
Eine Frau in einem hautengen, pechschwarzen Anzug war hinter einem der großen Bildschirme hervorgetreten und dann zielstrebig auf Batman zugegangen, um der wandelnden Steinstatue einen liebevollen Kuss zugeben.
„Freut mich, dass du doch noch auf mich gehört hast.“
Einen flüchtigen Augenblick lang glaubte Peter ein Lächeln über das Gesicht Batmans huschen zu sehen, als dieser antwortete: „Tue ich das nicht immer?“
Dann wandte sich der Held zu Spider-Man um und deutete auf die Frau an seiner Seite.
„Peter, darf ich vorstellen: Das hier ist Catwoman.“
„…seine Frau…ich nehme an, dass hat er nicht erwähnt, oder?“

Für einen Moment lang war Spider-Man so überrascht, dass er nicht wusste, was er sagen sollte. Hatte Batman ihn gerade „Peter“ genannt? Nein, das musste er sich eingebildet haben…oder?
„Wie hast du mich gerade genannt?“, fragte er vorsichtig nach.
„Peter…ist doch richtig, oder nicht?“, meinte Batman, als sei es die reinste Selbstverständlichkeit.
„Bringt es etwas, wenn ich ‚nein‘ sage und es abstreite? Wie viel wisst ihr über mich?“
Kurz wirkte es, als würde Batman Luft holen, ehe er die Informationen geradezu herunterratterte:
„Peter Benjamin Parker, 18 Jahre alt, Waise, Student an der Empire State University. Aufgewachsen in Queens, lebt zur Zeit in einem kleinen Apartment in Manhattan und hält sich mit Fotografen-Jobs für das Schundblatt ‚Daily Bugle‘ über Wasser. Wurde mit 15 Jahren während eines Schulausfluges von einer radioaktiven Spinne gebissen, die ihm übermenschliche Kräfte verlieh. Nach dem Tod seines Onkels wurde er zu Spider-Man und beschützt seitdem die Stadt New York vor allerlei Gesetzesbrechern. Habe ich irgendetwas vergessen, Cat?“
„Nein, seinem Blick nach hast du den armen Jungen bereits mehr als genug verstört.“
„…aber…WIE?“, fragte Peter fassungslos. „Wie hast du in nur einer Woche meine Identität herausgefunden und all diese Informationen über mich gesammelt? Selbst meine cleversten Feinde haben das in den letzten drei Jahren nicht hinbekommen. Ich bin doch echt vorsichtig. Habe ich irgendwo mein Tagebuch liegen gelassen? Oder waren meine Facebook-Posts vielleicht doch nicht so privat, wie ich dachte?“
„Kinderleicht. Ich bin…“
„…Batman. Ja, ich erinnere mich“, beendete Peter den Satz frustriert und wandte sich dann Catwoman zu: „Ist er immer so?“
Sie schenkte ihm ein amüsiertes Lächeln.
„Meistens. Man gewöhnt sich dran. Ich bin übrigens Selina.“
„Freut mich sehr. Ich bin Peter…aber das weißt du ja bereits.“
„Und ich bin der legendäre Green Arrow!“, meldete sich der dritte Held im Bunde zu Wort, nachdem er kurz zuvor mit einem Motorrad durch einen Tunneleingang hereingerauscht war.
„Du bist Bogenschütze, sehe ich das richtig?“
„Ein echter Blitzmerker. Kein Wunder, dass Batsy und Cat dich im Team haben wollten. Du darfst mich aber auch gerne Oliver nennen. Oder Ollie. Das tuen hier alle.“
„Niemand nennt dich hier Ollie“, entgegnete Batman trocken und ging dabei geradewegs auf einen der Computerbildschirme zu.
„Doch, das tun sie alle – er will es nur nicht zugeben“, meinte Oliver flüsternd und zwinkerte Peter dabei kumpelhaft zu, während er seine Maske abnahm und sich müde auf einen der Stühle sinken ließ.

„Irgendwas Neues? Habe ich was verpasst? Übrigens…die Pizzeria um die Ecke müsst ihr ausprobieren. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal sooo gute Pizza gegessen habe…“
„ARROW! Nicht jetzt.“
Oliver verstummte schlagartig und machte dann eine theatralische Geste, die wohl Batman nachäffen sollte.
„Das habe ich gesehen“, meinte der genervt und deutete auf den Bildschirm neben sich, auf dem die Bilder der Sicherheitskameras hier im Raum zu sehen waren.
„Ist ja gut, Big Brother Junior. Okay, bringt mich auf den neusten Stand. Macht der Kleine mit?“
„Klein? Hey, ich bin immerhin…“
„Gerade alt genug, um mein Sohn zu sein? Jap, das kommt hin. Sorry, Spider-Boy, ich wollte dich nicht beleidigen oder so. Aber so wie ich das sehe, bist du hier im Raum der Jüngste. Keine Sorge – ich werde es mit den Frischlings-Witzen schon nicht übertreiben, okay?“
Missmutig verschränkte Peter die Arme und positionierte sich dann neben Batman und Catwoman, um ebenfalls einen Blick auf die Bildschirme erhaschen zu können.
„Seid ihr fertig?“, fragte Batman in einem Ton, der nicht gerade begeistert klang.
„Bisher war es uns nicht möglich, den Joker, Deathstroke und Deadshot aufzuspüren. Wir haben zwar ein paar Hinweise, aber bisher nichts Handfestes. Und da wir es mit mehr als nur einem Feind zu tun haben, mussten wir bisher die Suche immer mindestens zu zweit durchführen, was es etwas verlangsamt hat. Jetzt allerdings können zwei Teams gleichzeitig agieren, was die Sache hoffentlich schneller und effektiver gestaltet. Wir wissen nicht, was der Joker genau hier vorhat und wie weit sein Plan bereits vorangeschritten ist. Fest steht nur: Wir dürfen ihn nicht gewähren lassen. Irgendwelche Fragen?“
„Ich hätte eine! Wer oder was ist ein Joker? Und hat einer von euch zufällig die Toilette gesehen? Ich hatte vor zwei Stunden einen ziemlich geilen Burrito, der jetzt verzweifelt seinen Weg nach draußen sucht…“

Alle vier Helden hatten sich überrascht umgedreht, doch noch bevor Peter sehen konnte, wer da gerade gesprochen hatte, kam eine Ahnung in ihm auf und er hoffte inständig, dass er sich irrte.
„Bitte nicht…bitte nicht. Bitte, lass es nicht…“, sendete er innerlich ein Stoßgebet zu Himmel, das er schlagartig abbrach, als er ein ihm nur allzu bekanntes Gesicht vor sich sah.
„Deadpool.“
„Spideeeeeeyyy!“, kreischte der Söldner begeistert und umarmte Spider-Man stürmisch, ehe er sich dann Batman zuwandte und ihm euphorisch die Hand schüttelte.
„Batman! Hey, wie geht’s? Ich bin wirklich ein großer Fan deiner Arbeit. Und deiner Spiele, Filme und Actionfiguren. Ach ja…tut mir Leid, das mit deinen Eltern. Und bevor ich es vergesse: Deine Frau ist echt heiß. Aber das weißt du, nehme ich an? Immerhin steht sie ja hier neben dir. Wie geht’s eigentlich Robin? Oder bist du momentan Sidekick-los? Hast du deshalb den grünen Hawkeye mit dem Ziegenbart mitgebracht?“
„Wie bist du hier reingekommen?“, fragte Batman kalt und Spider-Man sah ihm sehr deutlich an, dass er nicht begeistert über den Neuankömmling war.
„Na durch die Tür. Zugegeben, ich musste kurz ein paar Seiten zurückblättern, um den Code zu studieren, den du eingegeben hast, aber dann war es ganz leicht. Warum guckt ihr mich eigentlich alle so seltsam an? Habe ich was im Gesicht? Halt, sagt nichts…ist es Janice? Die konnte sich bei unserem letzten Date einfach nicht von mir lösen! Frauen…aber wem sage ich das, was?“

„Was willst du hier?“, wollte Spider-Man wissen und warf Batman dabei einen Blick zu, der wie ein „Ich kümmere mich schon darum“ rübergekommen sollte.
„Na was wohl? Ich will euch helfen! Außerdem habe ich viel zu lange nicht mehr mit meinem Kumpel Spider-Manio abgehangen. Das war längst nochmal überfällig. Unser letzter Männerabend ist so lange her, dass ich mich schon gar nicht mehr daran erinnern kann. Schlimm, oder?“
„Wir hatten noch nie einen Männerabend, Wade“, entgegnete Peter.
„Nicht? Nun, das erklärt, warum ich mich nicht daran erinnern kann. Aber umso besser – dann haben wir unser erstes Mal ja noch vor uns! Und sind die ersten Male nicht immer die besten?“.
Kumpelhaft hatte er Spider-Man den Ellenbogen in die Seite gestupst, doch Peter ignorierte die flachen Sprüche seines Gegenübers so gut er konnte. Er konnte Deadpool unmöglich hier mitmachen lassen – das würde nur für unnötiges Chaos sorgen. Inzwischen war der Söldner zwar ein Avenger und prahlte damit ständig vor allen Leuten, doch dass er den Posten nur bekommen hatte, weil Nick Fury ihn in einer Phase des Personalmangels rekrutiert hatte und ihn seither nicht mehr losgeworden war, ließ Wade Winston Wilson nur zu gerne aus.
„Also…bin ich dabei?“
„Hältst du dann endlich die Klappe und lässt uns weiterarbeiten?“, unterbrach Batman verärgert das Gespräch.
„Sir, ja Sir!“, antwortete der Söldner und nahm eine salutierende Haltung an.
„Herzlichen Dank. Gut, der Plan ist wie folgt: Spider-Man. Du wirst mit Catwoman und mir auf Patrouille gehen. Deadpool – du gehst mit Green Arrow. Diese zehn Standorte werden wir als nächstes überprüfen. Ihr übernehmt die im Westen der Stadt, wir kümmern uns um den Osten. Gibt es noch Fragen?“
Green Arrow meldete sich mit einem gequälten Gesichtsausdruck zu Wort:
„Hasst du mich wirklich so sehr, oder ist das die Revanche für eben?“
„Irgendwelche ernst gemeinten Fragen?“, ignorierte Batman seinen Mitstreiter und blickte in die Runde, ehe er fortfuhr: „Gut. Wir beginnen sofort.“
Mit diesen Worten war Batman zielstrebig zur Treppe gegangen und die Stufen hinauf in Richtung Tür gesprintet, ehe er sich zu Selina und Peter umdrehte und sie fragend anblickte.
„Wartet ihr auf eine Sondereinladung?“
Im Vorbeigehen legte Peter dem deprimiert dreinblickenden Arrow kurz tröstend die Hand auf die Schulter, ehe er mit Catwoman dem dunklen Ritter folgte und den Bogenschützen bei dem Söldner zurückließ.
„Dann sind wir wohl jetzt das neue dynamische Duo, was? Bist du Robin? Darf ich Batman sein?“
Oliver ließ resigniert die Schultern sinken. Womit hatte er das verdient? Naja, vielleicht würde es ja nicht so schlimm werden, wie er erwartete. Andererseits sprachen die Infos, die er über Deadpool hatte, eine recht deutliche Sprache. Aber Job war Job, also half es nichts, hier weiter Trübsal zu blasen.
„Kommt mit“, meinte er und schwang sich dann auf sein Motorrad.
„Darf ich fahren?“, fragte Deadpool begeistert.
„Vergiss es. Sei lieber froh, dass ich dich überhaupt mitfahren lasse. Und jetzt hüpf rauf und mach es dir bequem.“
„Uhhh…du gehst aber ran, Grüner. Na, mir solls recht sein. Ich nehme, was ich kriegen kann und gebe nichts wieder zurück – so hat Jack Sparrow mir das beigebracht.“
„Ich gehe nicht ran…ach, egal. Wir haben Wichtigeres zu tun. Und im Übrigen: Es heißt CAPTAIN Jack Sparrow. Klar soweit?“

Mit diesen Worten hatte er den Motor angelassen und war, mit Deadpool auf dem Rücksitz, in den Tunnel gesaust, um kurz darauf über eine kleine Rampe nach draußen zu gelangen und so den Weg auf die Straßen New Yorks zu finden.
„Huuuuuiiiiiiii!“, schrie der Söldner begeistert und klammerte sich dabei an dem Motorrad fest.
„Wenn du noch lauter schreist, dann hören sie ins auch im Weißen Haus.“
„Das wäre vielleicht gar nicht so schlecht. Die alte Orangenhaut wollte ich eh mal besuchen. Wegen dem hätten sie beinahe Jose, meinen Lieblingsmexikaner, aus dem Land geschmissen. Kannst du dir vorstellen, was das für eine Katastrophe gewesen wäre? Wo hätte ich dann bitte meine geliebten Chimichangas herkriegen sollen? Oder Nachos? Tortillas? Salsa? Es wäre fürchterlich gewesen. Und mal ganz im Ernst: Wenn er so dringend eine Mauer bauen möchte, dann hätte er doch einfach nur Maurer werden müssen, oder sehe ich das falsch?“
„Jaja, du hast bestimmt Recht“, meinte Arrow und konzentrierte sich weiter auf den Monitor des Navigationsgerätes, das ihm den Weg zu ihrem ersten Ziel anzeigte.

„Hast du sowas schon mal gemacht?“, fragte er den Söldner.
„Was? Eine Aufklärungsmission? Klar, Aufklärung ist mein zweiter Vorname, Bro!“
„War dein zweiter Vorname nicht ‚Winston‘?“
„Okay, erwischt. Es ist eigentlich mein 16. Vorname. Aber sag es nicht Batman, sonst schmeißt er mich noch aus dem Team. Und dabei wollte ich schon immer Mitglied der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen werden!“
Arrow entschied, dass es wohl besser war, nicht nach den anderen 14 fehlenden Vornamen zu fragen, wenn er nicht den Rest des Abends mit abstrusen Geschichten verbringen wollte.
„Moment…sagtest du Liga der außergewöhnlichen Gentlemen? Wie kommst du darauf?“
„Ist das nicht unser Teamname?“
„Nein?“
Der Söldner sah ihn bestürzt an.
„Wirklich nicht? Verdammt, ich bin im falschen Kurs!“
Mit diesen Worten hatte Deadpool das Motorrad losgelassen und sich seitwärts bei voller Fahrt auf die Straße geschleudert. Arrow bremste sofort ab, doch es war zu spät: Der Söldner hatte sich mehrfach überschlagen und war mit voller Wucht gegen ein vorbeifahrendes Auto geprallt, woraufhin er bewegungslos liegen blieb.
„Was zur…verdammte Scheiße! Was war das denn?“, rief Oliver wütend und schockiert zugleich, ehe er zu dem am Boden liegenden Deadpool lief. Der war jedoch bereits wieder dabei, sich aufzurappeln. Er renkte seinen Arm, der eine absolut unnatürliche Haltung hatte, ohne zu zucken wieder ein und sprang dann auf die Beine, als wäre er nicht gerade mit 180 km/h gegen eine Windschutzscheibe geflogen.
„Äh…bist du okay?“
„Ich? Klaro. Wieso? Hast du dir etwa Sorgen gemacht? Das wäre doch nicht nötig gewesen, Greenie. Ich habe doch meine Selbstheilungskräfte!“
Erst jetzt fiel Oliver wieder ein, dass dieser Typ ja über unglaubliche Heilkräfte verfügte.
„Warum hast du das eben getan?“
„Gegenfrage: Warum nicht? Die Leser, die mich noch nicht kennen, müssen doch wissen, wozu ich fähig bin, wenn Kamui ihnen schon keine Einführung in die Geschichte des großen Deadpool spendiert, meinst du nicht auch?“
Während Arrow sich noch fragte, was für eine gequirlten Mist sein Mitstreiter da redete, stieg er wieder aufs Motorrad und bedeutete Deadpool, es ihm gleich zu tun, ehe sie ihre Fahrt fortsetzten.
„Sag mal…habe ich dir eigentlich schon meine mega-coole Herkunftsgeschichte erzählt?“
„Nein“, antwortete Oliver knapp, „Und das musst du auch nicht.“
„Ach was, ich bestehe drauf! Aaaaalsooo. Als ich vor ein paar Jahren in einem Kriegsgebiet unterwegs war, bekam ich Bombensplitter in die Brust und wurde von Terroristen gefangen genommen, die mich dazu zwingen wollten, ihnen eine Waffe zu bauen. Aber stattdessen baute ich mir eine Kampfrüstung flog damit davon. Cool, oder?“
„Ich bin mir sehr sicher, dass das nicht DEINE Geschichte ist, Tony Stark.“
„Na gut, erwischt. Eigentlich bin ich ein Ninja, dessen Familie von einem rivalisierenden Ninja-Clan getötet wurde. Daraufhin schwor ich Rache und tötete den feindlichen Großmeister. Jedoch stellte sich im Nachhinein heraus, dass der eigentlich ein echt netter Typ war und ich hereingelegt worden war. Ein einfaches ‚Sorry‘ hat seinen Leuten leider nicht dafür genügt, weshalb ich jetzt bei ihnen ein bisschen auf der Abschussliste stehe. Aber zum Glück habe ich meine Freunde Liu Kang und Johnny Cage, die mir regelmäßig aus der Patsche helfen…“
„Willst du mir ernsthaft erzählen, du wärst ein Ninja aus Mortal Kombat?“
„Vielleicht bin ich das ja auch!“

Die restliche Fahrt verbrachte Deadpool – zu Arrows Leidwesen – damit, sich eine abgekupferte Herkunftsgeschichte nach der anderen aus der Nase zu ziehen. Mal war er der letzte Überlebende einer Kriegerrasse von einem fernen Planenten, die sich beim Anblick des Vollmondes in Riesenaffen verwandelte, dann war er plötzlich ein uralter Pharao, der im Körper eines 16-jährigen Jungen widergeboren wurde, um die Welt mit Hilfe eines Sammelkartenspiels zu retten. Dieser Typ las eindeutig zu viele Comics oder schaute zu viele Cartoons.
„Okay, okay…ich gebe es ja zu: Ich habe eventuell etwas geflunkert. Aber jetzt ganz im Ernst:
Tatsächlich bin ich die legendäre Prinzessin Serenity und werde seit Ewigkeiten immer wiedergeboren, um die Erde mit der Kraft des Mondes vor dem Bösen zu beschützen. Dazu verwandle ich mich dann in Sailor…“
„Womit habe ich das nur verdient? Bin ich etwa bereits vor einer Weile gestorben und der Typ ist meine Strafe bis in alle Ewigkeit?“ Diese und ähnliche Gedanken gingen Oliver durch den Kopf, während Deadpool die Fahrt über munter weiter vor sich hinbrabbelte. Es schien ihn nicht zu kümmern, dass Arrow ihm nicht wirklich zuhörte. Für ihn zählte nur, dass er ohne Unterlass reden konnte. Für das nächste Mal würde Oliver sich definitiv Kopfhörer mitnehmen – so viel stand fest.

Währenddessen schwang sich Peter gemeinsam mit Batman und Catwoman zwischen den Häusern entlang dem zweiten Zielort entgegen, nachdem sie an der ersten Stelle nicht fündig geworden waren. Es war ein seltsames, aber irgendwie schönes Gefühl, zur Abwechslung mal nicht der einzige Held zu sein, der sich auf diese Weise durch diese Stadt fortbewegte. Beim Beobachten von Batmans Bewegungen kam eine Frage in Peter hoch, die er dann, wie von selbst, laut aussprach:
„Was genau ist eigentlich seine Superkraft?“
Er hatte dabei instinktiv Selina angeguckt, da er nicht glaubte, dass Batman ihm etwas anderes als „Ich bin Batman“ antworten würde. Catwoman sah ihn zunächst fragend an, dann breitete sich ein freches Grinsen auf ihrem Gesicht aus.
„Rate doch mal.“
Peter dachte nach. Fliegen war es sicher nicht, sonst würde er nicht diesen Greifhaken nutzen. War er vielleicht übermenschlich stark? Oder kugelsicher? Wobei…dann würde er diesen Kampfanzug nicht brauchen. Mhmm…
„Ist er vielleicht besonders agil?“
„Nein. Versuch Nummer 2?“
„Superstark?“
„Auch falsch. Runde 3?“
„Außergewöhnlich intelligent?“

„Könnte man meinen, nicht wahr?“
„Kann er im Dunkeln sehen? Oder hat er ein verbessertes Gehör?“
„Nein und nochmal nein. Gibst du auf?“
„Okay, letzter Versuch: Er hat die Fähigkeit, seinen Humor voll und ganz auszuschalten, sodass er niemals lachen muss?“
Selina prustete laut los und wäre dabei beinahe gestolpert, als sie gerade über das Dach eines Hochhauses gelaufen waren.
„Du hörst dich schon an wie Barry, weißt du das? Nein, er hat seinen Humor nicht komplett ausgeschaltet. Man muss nur den richtigen Moment finden, dann schmilzt seine Verteidigung förmlich dahin, das darfst du mir gerne glauben. Und ab und an macht sogar der große, böse Batman mal einen Witz – ob du es mir jetzt glaubst, oder nicht.“

Tatsächlich konnte Peter sich absolut nicht vorstellen, wie ein Scherz von diesem düsteren Typen wohl aussehen würde. Aber vielleicht würde er das ja noch herausfinden. Dann fiel ihm wieder ein, dass er immer noch keine Antwort auf seine Frage erhalten hatte.
„Was ist denn nun seine Superkraft?“
Erneut lachte Selina belustigt.
„Bist du immer noch nicht darauf gekommen? Dabei müsste es doch inzwischen Klick gemacht haben…“
Peter ging im Kopf nochmal alles durch. Was genau meinte sie? Dann kam ihm ein Gedanke…doch das war viel zu abwegig. Nein, das konnte unmöglich sein…oder doch?
„Du willst mir jetzt aber hoffentlich nicht erzählen, dass er nur ein ganz normaler Typ in einem Fledermauskostüm ist, oder?“
„Der Kandidat hat 100 Punkte! Und ja – so reagieren alle, wenn sie das erfahren. Du hättest mal Green Lantern – einen seiner Kollegen in der Liga – sehen sollen. Das hat sein komplettes Weltbild kaputt gemacht. Der mysteriöse Batman ist ‚nur‘ ein normaler Mensch. Naja, was man bei ihm halt so ‚normal‘ nennt.“
„Und was hat es mit diesem ‚Ich bin Batman‘-Getue auf sich?“
„Ohje…frag besser nicht – lange Geschichte. Das hat sich über die Jahre so eingebürgert.“
„Er tut halt gerade so, als sei es die Erklärung für alles!“
Erneut grinste Selina amüsiert.
„Nun…in unserer Welt ist es das in gewisser Weise auch. Aber das kann man nur verstehen, wenn man ihn etwas länger kennt.“
„Und ist er manchmal auch…nicht Batman?“
Sie sah ihn verwirrt an.
„Du meinst, ob er auch noch etwas anders macht, als Verbrecher zu jagen? Natürlich. Eigentlich leitet Bruce ein milliardenschweres Unternehmen und hat dutzende Stiftungen für wohltätige Zwecke. Und hin und wieder kümmert er sich um die Bedürfnisse seiner liebenden Ehefrau und seines kleinen Sohnes. Und dann wären da noch sein erster Sohn und seine 3 Adoptivsöhne, die oft genug auf der Matte stehen. Wie du siehst – bei uns ist immer was los. Ruhe haben wir in Wayne Manor eigentlich selten.“
„Er heißt also Bruce?“, fragte Peter neugierig, da ihm bisher noch niemand den tatsächlichen Namen des düsteren Helden mitgeteilt hatte.
„Hat er dir das nicht gesagt? Pff…das ist mal wieder soooo typisch für ihn. ‚Hier, seht mich an, ich bin der mysteriöse Batman und weiß alles!‘. Also ja – er heißt Bruce. Bruce Wayne. Und an seine Art gewöhnst du dich – wie gesagt – bestimmt noch. Es wird besser, vertrau mir.“

Ein ganz normaler Mensch in einem Kampfanzug, der sein gewaltiges Vermögen einsetzt, um das Unrecht zu bekämpfen. Das klang ganz nach einem anderen Helden, den Peter nur allzu gut kannte. Was Tony wohl davon hielt, dass sich hier ein zweiter, schwerreicher Superheld ohne Superkräfte in der Stadt herumtrieb? Besser, er erfuhr nichts davon, sonst würde das am Ende nur in einem Milliardärskräftemessen enden. Als sie gerade das zweite Ziel überprüft hatten, bemerkte Peter, wie Batman mit einem Fernglas auf ein Hausdach in der Umgebung blickte. Bei genauerer Betrachtung entdeckte er dort, in der Ferne, einen schwarz-weißen Fleck, der sich geschmeidig über das Dach bewegte und schließlich, durch eine gewaltsam geöffnete Dachluke, einen Weg hinein fand.
„Black Cat!“
Batman warf ihm einen fragenden Blick zu.
„Du kennst diese Kriminelle?“
Peter nickte zaghaft.
„Wir laufen uns des Öfteren über den Weg…wartet einfach hier – ich kümmere mich darum. Es dauert bestimmt nicht lange.“
Peter wusste nicht, was der Blick, den sich Batman und Catwoman zuwarfen, zu bedeuten hatte, doch sie wirkten so, als seien sie einverstanden. Also schwang sich Peter mit einem Satz hinüber und folgte der katzenhaften Diebin ins Innere des Gebäudes.

Dort angekommen stellte er fest, dass es sich hier wohl um die Privatsammlung eines reicheren Mitbürgers handeln musste, denn der Innenraum glich einem Museum. Überall sündhaft teure Sammlerstücke, die hinter schweren Panzerglasscheiben aufbewahrt wurden. Und inmitten der vielen Vitrinen…stand Black Cat.
„Du musst endlich damit aufhören, Cat. Sonst werde ich dich eines Tages nicht mehr entwischen lassen können.“
Sie drehte sich zu ihm um und schenkte ihm das verführerische Lächeln, das sich so sehr in seinen Kopf eingebrannt hatte.
„Soso, mich entwischen lassen? Das würde bedeuten, dass du mich fangen könntest, Spidey. Ist es nicht eher so, dass ich dir entwische, weil ich dich jedes Mal austrickse? Davon mal abgesehen…wenn ich mit meinen Einbrüchen aufhöre, dann kriege ich dich doch gar nicht mehr zu Gesicht. Wie sonst soll eine hübsche Lady wie ich denn die Aufmerksamkeit eines Helden gewinnen?“
Wie jedes Mal, wenn sie sich trafen, hatte sie es wieder geschafft, ihn mit ihrer Art zu verwirren. Meinte sie das jetzt ernst und flirtete mit ihm, oder lenkte sie ihn nur ab, damit sie wieder entkommen konnte? Hatte sie wirklich etwas für ihn übrig, oder war das nur eine Masche? War er tatsächlich der Grund für die Einbrüche? Suchte sie nur nach seiner Aufmerksamkeit? Während Peter noch darüber nachdachte, hatte Black Cat sich einen der Diamanten eingesteckt und war dann schnurstracks auf ihn zugekommen, nur um wenige Millimeter vor seinem Gesicht anzuhalten. Selbst durch die Maske konnte Peter die Wärme, die von ihr ausging, ganz deutlich spüren. Jeder Atemhauch ließ einen wohligen Schauer über seinen Körper laufen. Was zum Teufel passierte hier schon wieder?
„Also, Spidey…wie siehts aus? Hast du noch was vor, oder möchtest du mir vielleicht noch Gesellschaft leisten? Wagen wir den nächsten Schritt?“
Peter fühlte sich, als wäre er zu einer der Skulpturen geworden, die hier ausgestellt waren. Nächster Schritt? Was meinte sie? Doch nicht etwa… Noch bevor er weiter nachdenken konnte, spürte er einen sanften Stupser auf seiner Nase, als Black Cat ihn mit dem Zeigefinger dort antippte.
„Irgendwann…irgendwann krieg ich dich rum. Aber jetzt muss ich los. Wir sehen uns, Spidey.“

Mit diesen Worten war sie zurück zu dem Seil, das von der Dachluke herabhing, geschlendert und hatte sich lässig daran hochgezogen, um dann durch die Öffnung wieder nach draußen zu verschwinden, während Peter ihr weiter wie benebelt hinterherstarrte. Er wurde aus dieser Frau einfach nicht schlau. Mochte sie ihn jetzt wirklich? Dann wurde ihm bewusst, dass er ihr folgen musste, weil sie sich mit einigen der Sammlerstücke davon gemacht hatte. Doch als er sich gerade auf den Weg machen wollte, fiel ihm auf, dass sie ihn wohl, ohne dass er es realisiert hatte, mit einem Drahtseil um das Handgelenk an eine der Skulpturen gefesselt hatte. Verdammt! Sie hatte ihn schon wieder überlistet! Sicher würde er sich gleich eine Standpauke von Batman anhören müssen. Und das machte es noch schlimmer, als es sowieso schon war. Aber so sehr er es auch wollte…irgendwie konnte er dieser Frau nicht böse sein. Sie hatte etwas an sich, was ihn in ihren Bann zog und immer wieder dafür sorgte, dass er auf ihre Spielchen einging und am Ende der Depp war, dessen Handgelenk an eine nackte Statue von Alexander dem Großen gefesselt wurde.
Während Peter noch versuchte, sich von der Statue zu befreien, war Black Cat draußen auf ein neues Hindernis getroffen, mit dem sie nicht gerechnet hatte: Catwoman.
„Aber hallo…wen haben wir denn hier?“, fragte die Diebin mit dem langen, weißen Haar überrascht und interessiert zugleich.
„Jemand, den du nicht so leicht um den Finger wickeln kannst, wie den armen Kerl da unten. Ich weiß durchaus, wie verlockend diese Beutezüge sein können…aber du solltest das lassen. Das wird kein gutes Ende nehmen – vertrau mir.“
„Ich weiß deine Sorge zu schätzen“, entgegnete Black Cat ernst, „…aber das kann ich leider nicht. Und davon mal abgesehen ist er doch süß, wie er da unten krampfhaft versucht, sich von diesem nackten Typen zu lösen, oder nicht?“
Selina warf dem immer noch feststeckenden Spider-Man einen flüchtigen Blick zu und musste zugeben, dass ihre Gegenspielerin nicht Unrecht hatte. Es wirkte schon ein wenig drollig, wie Peter dort unten mit der Statue rang.
„Er lässt dir sowas vielleicht durchgehen. Ich bin weniger nachsichtig. Gib auf und ich vergesse die Sache. Ansonsten…“ Sie hatte die Krallen in den Fingerspitzen ihrer Handschuhe bedrohlich hervorschnellen lassen. „…sehe ich mich gezwungen, dir dein hübsches Gesicht zu zerkratzen. Und das wollen wir doch nicht, oder? Auch in seinem Interesse. Denn ganz egal ist er dir nicht, oder?“
Selina konnte deutlich erkennen, dass diese Diebin dem jungen Helden sehr…zugetan war. Diese ganze Konstellation erinnerte sie nur allzu sehr an ihre eigene Vergangenheit mit Bruce.
„Wie gesagt. Ich kann nicht. Aber das würdest du nicht verstehen. Und jetzt muss ich leider los, bevor unsere kleine Spinne da unten sich befreit und mich doch noch einholt. Wenn du also so freundlich wärst, mir aus dem Weg zu gehen…“
Black Cat hatte versucht, sich an Selina vorbeizuschlängeln, doch darauf war Catwoman vorbereitet gewesen. Sie hatte sich erneut vor ihr aufgebaut und versperrte ihr den Fluchtweg mit einem herausfordernden Grinsen.
„Das kann ich leider nicht – tut mir Leid. Und deine Tricks ziehen bei mir nicht. Jeden Trick, den du dir ausdenken könntest, habe ich bereits perfektioniert. Lass es also besser, Süße.“
Black Cat wirkte etwas nervös. Irgendetwas schien sie zu beunruhigen. Oder war es nur die Tatsache, dass sie nicht wusste, wie sie mit dieser neuen Herausforderin umgehen sollte?
„Bitte, wie du meinst…dann muss es eben auf die harte Tour gehen!“
Mit diesen Worten war die weißhaarige Diebin nach vorne geschnellt und dann mit einem schwungvollen Rutscher zwischen den Beinen ihrer Gegnerin hindurch geschlittert, um auf der anderen Seite wieder herauszukommen. Damit hatte Selina jedoch gerechnet und hatte währenddessen ihre Peitsche um Black Cats Handgelenk gewickelt, um sie so an sich zu binden.
„Ich hab dich, kleine Katze.“
„Ist das so?“, fragte die Diebin und erst jetzt bemerkte Selina, dass ihre Peitsche gerissen war. Aber wie? Das war bisher noch nie passiert…
Etwas verdutzt, aber dafür umso verärgerter sprintete sie hinter Black Cat her und holte sie auch schließlich ein…nur um auf einer feuchten Stelle auf dem Dach auszurutschen und unsanft auf dem Boden aufzuprallen, während ihre Rivalin den Vorsprung weiter ausbaute. Sofort rappelte Selina sich wieder auf. Solche Fehler passierten ihr doch sonst nicht…was ging hier nur vor? Was es auch war…es machte sie nur wütender. Und wenn sie wütend war, dann stellte man sich ihr besser nicht in den Weg. Zielsicher schleuderte Catwoman eine ihrer Wurffesseln, um ihre Gegnerin so lange genug aufzuhalten, damit sie sie einholen konnte. Doch die Fesseln verfehlten sie nicht nur, nein, sie blieben auch an einem Fahnenmast hängen, nachdem die dortige Flagge durch den gedrehten Wind in die Wurfrichtung geraten war. Black Cat drehte sich ein letztes Mal zu Selina um und zwinkerte ihr zu, ehe sie sich vom Hausdach fallen ließ und dann verschwand, während Catwoman ihr fassungslos hinterherblickte. Inzwischen war Batman lautlos neben ihr gelandet. Sie konnte es zwar nicht sehen, aber sie wusste, dass er sie gerade zutiefst belustigt ansah und dieses ganze Scharmützel wohl witzig fand.
„Ein Wort von dir und du schläfst auf der Couch, klar?“

Als Peter schließlich ebenfalls oben angekommen war, wurde er von Batman und einer sichtlich verärgerten Catwoman erwartet.
„Sorry…es hat etwas länger gedauert, weil ich die Figur nicht beschädigen wollte. Ist Black Cat…?“
„Entwischt. Aber die taucht sicher wieder auf. Das tun sie immer.“
Erneut wusste Peter nicht, was der Blickwechsel zwischen Bruce und Selina zu bedeuten hatte. War sie etwa auch mal eine Diebin gewesen? Verband die beiden eine ähnliche Geschichte? Wenn ja, dann würde das bedeuten, dass auch für ihn und Black Cat eine Chance auf ein Happy End bestand, oder nicht? Moment, worüber dachte er hier gerade wieder nach? Er wusste ja nicht mal, ob sie ihn nicht nur einfach an der Nase herumführte! Eigentlich kannte er diese Frau doch gar nicht!
„Sag mal…kann es sein, dass diese Diebin irgendwelche Superkräfte hat?“, fragte Batman schließlich interessiert.
„Tatsächlich hat sie die. Sie bringt anderen Unglück. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber das hat sie mal erwähnt und es erweist sich immer wieder als wahr, wenn ich mir die Liste unserer Begegnungen so ansehe.“
„Da hast du’s! Deshalb hat einfach nichts geklappt! Komm ja nicht auf den Gedanken, sie hätte mich besiegt, okay, Fledermaus!“
Jetzt konnte Spider-Man doch endlich ein eindeutiges Grinsen auf dem sonst so ernsten Gesicht von Batman sehen.
„Das würde mir nie einfallen. Ich denke, für heute haben wir genug. Wir sollten nach Hause zurückkehren – die Sonne geht bald auf und Team Arrow ist sicher auch bald wieder im Hauptquartier.“
Er warf Peter einen fragenden Blick zu.
„Kommst du noch mit zurück, oder schwingst du von hier aus direkt nach Hause?“
„Ich werde wohl direkt nach Hause düsen. In weniger als sechs Stunden habe ich meine erste Vorlesung…ich sollte also versuchen, noch etwas Schlaf zu kriegen. Soll ich dann morgen einfach wieder vorbeikommen?“
Batman kam langsam auf ihn zu und reichte ihm ein kleines Gerät von seinem Gürtel.
„Nimm den hier. Ich melde mich wegen der nächsten Tour. Und falls du uns brauchst – melde du dich ebenfalls, okay?“
Peter betrachtete das kleine Gerät beeindruckt. So viel Technik in einem so winzigen Kommunikator. Das war dem, was sie bei den Avengers benutzten, doch noch um ein paar Jährchen voraus.
„Ist das ein Bat-Kommunikator?“, fragte er und fühlte sich dabei besonders witzig, doch als er aufblickte, waren Batman und Catwoman bereits spurlos verschwunden.
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