Sie blinzelte kurz...

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
11.07.2020
01.08.2020
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01.08.2020 1.844
 
Am nächsten morgen in der Scheune, hinter dem Wirtshaus.

Alice war wie jeden morgen schon früh wach, um sich um die Kühe zu kümmern und Hausarbeiten zu erledigen. In Gedanken versunken, summte sie vor sich hin und wurde gerade mit dem melken von Susi fertig.
„Na, schon so früh fleißig?“ ertönte es hinter ihr.
Vor Schreck auf-quiekend, ließ sie beinahe den Eimer mit der frisch gemolkenen Milch fallen. Sie drehte sich der Stimme folgend zum Scheunentor und schaute in ein belustigtes Gesicht. Alice spürte wie ihre Wangen warm wurden. Gabriel kam ihr langsam entgegen und nahm ihr den Eimer aus den Händen. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken.“ Er stellte den Eimer, zu zwei weiteren, schon gefüllten Eimern.
„Alles in Ordnung, ich war nur in Gedanken und habe so früh noch mit niemanden gerechnet. Normalerweise bin ich mit Mutter die Einzige, die so früh wach ist.“ Dieses Mal würde sie sich nicht von ihm irritieren lassen.
Gabriel nickte verstehend. „Tja, bei mir ist es eher, weil ich so weiche Betten nicht gewohnt bin. Da stehe ich lieber zeitig auf und erschrecke schöne Fräulein. Ist so eine Macke von mir.“ Er schaute ihr direkt in die Augen und zwinkerte ihr zu. Alice schaute beschämt zu Boden und ärgerte sich über sich selbst. Verdammt, nicht mal eine Minute hatte sie seinem Blick standgehalten…
„Wie geht es deinem Handgelenk?“
Alice wurde etwas distanzierter. Musste er wieder davon anfangen?
„Alles gut, danke der Nachfrage.“ Sie zog ihre Arme hinter ihren Rücken, damit er nicht auf die Idee kam, sich ihr Handgelenk nochmals anzuschauen.
Gabriel entging scheinbar der Stimmungswandel nicht und er räusperte sich.
„Das Verhalten der Trunkenbolde gestern ist keine Seltenheit nehme ich an?“
Kein gelungenes Thema, dachte sie und fing an aufzuräumen. „Das habt Ihr doch sicher vom Herrn Wilhelm erfahren? Er redet viel, wenn er getrunken hat.“ Sie stellte den Schemel ab und drehte sich zu Gabriel: „Immer mal wieder, meinen die Drei genügend getrunken zu haben, um zu schauen wie weit sie gehen können.“ Alice seufzte. „Ich nehme an er hat Euch auch erzählt was jeder im Dorf gegen mich hat?“ Gabriel nickte jetzt ernst. „Er hat von Zeichen erzählt, die auf magische Weise auf deinen Körper erschienen sind“

Alice ließ die Schultern etwas hängen. „Das erste tauchte nach wenigen Monaten auf. So in etwa vor sieben Jahren. Ich spielte mit Victor, Valeria und einigen anderen Kindern aus dem Dorf. Es wurde etwas wilder und wir stritten uns. Als ein Junge mich an den Haaren zog, sah er, wie das erste Symbol in meinem Nacken sichtbar wurde. Er rannte schreiend davon. Das machte natürlich schnell die Runde, in so einem kleinem Dorf wie unserem. Der Dorf Arzt untersuchte mich, konnte aber auch keine Erklärung dafür finden. Etwa ein Jahr, nachdem sich die Aufregung wieder gelegt hatte, erschien das Zweite Mal beim Wäsche waschen am Fluss. Es waren zwei Frauen aus dem Dorf bei mir.“
Sie hielt kurz inne. Verwundert über sich selbst so viel Preis gegeben zu haben. „Jahr für Jahr kamen mehr. Mit dem Unterschied, dass das Erscheinen der anderen Symbole von niemanden außer mir bemerkt wurde.“ Das hatte sie auch noch keinem erzählt. Aber was sollte es für einen Unterschied machen, wenn er sich jetzt auch noch von ihr fern hielt? Gleich würde er sie fallen lassen, genau wie vor ihm schon so viele, aus Interesse und Neugier würde Abscheu und Verachtung.
„Würdest du mir eines der Symbole zeigen?“ Verdutzt schaute sie ihn an. So direkt hatte sie noch keiner danach gefragt. Abgesehen vom Dorf Arzt natürlich.
Sie fing sich schnell wieder und überlegte kurz. „Ich...ja...“Sie schwieg wieder. Sie stellte sich vor den Schemel und stellte ihren rechten Fuss darauf. Zögerlich griff sie zu ihrem Stiefel, Band diesen unsicher auf und zog ihn aus. Alice griff unter ihren Rock und zog ihren Strumpf, gefühlvoller als gewollt, langsam vom Schenkel, bis über ihren Knöchel. Währenddessen fragte sie sich, ob sie überhaupt sicher war, was sie da tat. Als das Symbole, an der Außenseite ihres Knöchels zu sehen war, traute sich Alice wieder zu Gabriel zu blicken. Der schien ganz gebannt ihren Finger gefolgt zu sein und bemerkte ihren Blick. Ertappt räusperte er sich und ging auf sie zu. Vermutlich um sich das Symbol aus der Nähe anzusehen, fragte er „Darf ich?“ Alice nickte nur knapp. Wieder färbten sich ihre Wangen rosa und sah den Schalk in Gabriels Augen aufblitzen. Das half ihr nicht gerade. Gabriel kniete sich vor Alice und musterte aufmerksam das Symbol. Gedankenverloren murmelte er etwas vor sich hin und berührte dabei ihren Knöchel. Sie erschauerte kurz, was sie so gut es ging zu verbergen versuchte. Mit den Worten „peccatum mortale” die er vor sich hin murmelte, konnte Alice nichts anfangen. Trotzdem kamen ihr die Worte merkwürdig bekannt vor. Ohne den Blick zu heben, fragte er. „Wie viele Symbole, sagtest du, hast du?“ Etwas abgelenkt von seinen warmen Händen, die bereits ihren halben Unterschenkel entlang fuhren, stammelte sie.“...Sechs...bis jetzt. Jedes Jahr kam ein neues dazu...“
Er fuhr direkt fort. „Wo befinden sich die anderen Vier? Knöchel, Nacken, und?“ Sie merkte wie Gedankenversunken er war und gar nicht mitbekam, wie unbehaglich sie sich fühlte. „Äh...Nacken, rechtes Schulterblatt,...Bauch,...Brust und Oberschenkel Innenseite...“ Es war ihr mehr als unangenehm so etwas Intimes einem Fremden preis zu geben, egal wie ungewohnt angenehm seine Berührungen auch sein mochten.
Aber er schien tatsächlich etwas zu wissen, oder vielleicht auch nur eine Ahnung zu haben. Alice spürte das leichte Zucken seiner Fingerspitzen auf ihrer Haut und musste unweigerlich schlucken. Innerlich verfluchte sie sich für ihre Dummheit. Warum hatte sie ihm auch ausgerechnet das Symbol auf ihrem Knöchel gezeigt, statt dem in ihrem Nacken? Sie hatte nicht mit seinen zarten Berührungen gerechnet, welche sie vollkommen aus dem Gleichgewicht brachten. Außer ihrer Familie kam ihr normalerweise niemand so nahe. Sie würde vermutlich, als einsame Jungfer und ewig im Wirtshaus arbeiten.
Alice fragte sich gerade, ob ihre Geschwister auch so lange hier arbeiten würden. „Gut" er räusperte sich. „Würdest du mir dann noch bitte deinen Nacken zeigen?“
Tatsächlich hatte sie mit einer anderen Antwort gerechnet. Alice nickte einmal und setzte ein knappes „Gut" dahinter. Zu mehr fühlte sie sich nicht in der Lage. Gerade wollte sie sich zu Ihrem Strumpf beugen, um ihn hochzuziehen, als Gabriel ihr zuvor kam. Bewegungsunfähig stockte sie. Gabriel ließ ihn vorsichtig an ihrem Bein hochgleiten, ohne den Blick von ihrem Gesicht zu nehmen. Alice bekam Gänsehaut. Heiße Wellen durchströmten ihren Körper, als er über ihr Knie und langsam unter ihren Rock fuhr. „W-Was…“ stotterte Alice.
„Was macht Ihr da mit MEINER SCHWESTER!?“ Beide erschraken und schauten zum Scheunentor. Victor stand mit ungläubigen Blick und geballten Fäusten im Eingang. Gabriel schien keine Anstalten zu machen seine Hände von ihrem Oberschenkel zunehmen und schaute nur etwas verwundert, als ob es doch das normalste der Welt wäre. Alice war die Situation mehr als unangenehm und entzog sich, mit etwas zu viel Schwung, Gabriels Händen. Beim Versuch sich zu ihrem Ziehbruder zu wenden, verlor sie in der Bewegung das Gleichgewicht. Mit den Armen rudernd, versuchte sie ihre Balance wiederzufinden, doch Gabriel reagierte bereits. Er umfasste mit seiner linken Hand ihre Kniekehle, zog sie dadurch wieder zu sich, stand schwungvoll auf und umfasste mit seiner rechten Hand ihre Taille. Bei dem Ruck den er ihr dabei versetzte, quiekte Alice erneut auf und fand sich Brust an Brust, in den Armen ihres Retters wieder. Der drückte ihren Schenkel etwas zu sehr an seine Hüfte und lächelte sie verschmitzt an. Noch überwältigt von der Situation, schaute Alice, Gabriel überrascht in die grün-goldenen Augen. Ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt.
Victor, der die Szene mit Entsetzen verfolgt hatte, fing sich als Erster wieder. „Nehmt sofort Eure Hände von Alice!“ Gabriel blickte noch für einen Augenblick zu lange in ihr heißer werdendes Gesicht, schien sich jedoch dann wieder der Situation bewusst zu werden und ließ Alice vorsichtig los. Seinen Unwillen konnte man für den Bruchteil einer Sekunde in seinem Gesicht erahnen, auch wenn er es sofort überspielte.

Musste der Bursche gerade jetzt auftauchen? Wer weiß was noch passiert wäre. Gabriel ärgerte sich zwar, wusste aber, dass es so besser war.
„Wie könnt Ihr es wagen MEINE SCHWESTER mit euren dreckigen Händen so nahe zu kommen!?“
Mutig der kleine. Er sollte lieber aufpassen was er zu ihm sagte. Auch wenn es besser so war, würde er Victor sein Einmischen nicht so schnell vergessen.

Alice hatte den Moment genutzt und ihren Stiefel wieder angezogen. Diese Situation, Victor's oftmals besitzergreifende Art und nun diese aufbrausende Reaktion von ihm gegenüber Gabriel, wurden Alice jetzt zu viel. Alice stellte sich vor Victor, der an sie herangetreten war. "Victor, jetzt reicht es aber! Du kannst nicht immer gleich aus der Haut fahren wenn dir etwas nicht passt!" Victor verstummte. "Wir hatten uns über die Symbole auf meiner Haut unterhalten und ich hatte ihm eines gezeigt. Das war alles. Also nimm bitte die zwei Eimer Milch mit ins Haus, ich komme auch sofort nach." Alice schaute Victor nun sanft, aber auffordernd an. Etwas getroffen und ohne ein weiteres Wort, nahm er die zwei Eimer und tat was sie verlangte. Als Victor durch das Scheunentor verschwunden war, wandte sie sich Gabriel zu. Dieser wirkte etwas zu amüsiert über die Standpauke, die sie Victor gehalten hatte. Langsam war sie wirklich genervt. "Nun zu Euch. Nur weil mein Bruder einen hang zum übertreiben hat, heißt dass nicht das Ihr ohne Konsequenzen tun und lassen könnt was Ihr wollt! Einer Frau an einem solchen Ort, so nahe zu kommen…! Wenn Mutter reingekommen wäre…" Ein Schauder lief ihr den Rücken hinunter. Sie verdrängte den Gedanken an ihre Ziehmutter und funkelte Gabriel wütend an. Sein erst überraschter Ausdruck, wurde von einer ernsten Miene abgelöst. Er machte den letzten Schritt in ihre Richtung beugte sich zu ihrem Ohr hinunter und wisperte "Ich achte beim nächsten Mal darauf das es ein privater Raum, mit verschlossener Tür ist." Gabriel kam wieder hoch, zwinkerte ihr zu und ließ sie ohne abzuwarten stehen. Perplex blieb Alice noch einen Moment stehen "... dieser..!" Sie war wütend, wütend auf Gabriel wütend auf Victor, aber eigentlich nur wütend auf sich selbst, dass dieser dahergelaufene Angeber es einfach so schaffte sie aus dem Konzept zu bringen. Sie war in all den Jahren so darauf bedacht gewesen keine Schwäche zu zeigen und dann kam er. Beim nächsten Mal wird ihr das nicht noch einmal passieren. Sie nahm den letzten Eimer Milch und machte sich auf den Weg ins Haus.


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Ist mal ein nicht ganz soooo langes Kapitel bevor jmd fragt, ja das mit dem Knöchel war erst nicht ganz durchdacht, aber ändern wollte ich es auch nicht...Nacken wäre natürlich aus ihrer Perspektive sinniger gewesen :) vor der dreimaligen Korrektur, war es auch noch etwas pikanter geschrieben *///* aber halt nicht so gut...ich denke es wurde ganz gut gelöst :D
Da sich ja noch niemand beschwert hat, nehme ich an es ist auch kein Problem das ich so unregelmäßig veröffentliche xD


*~Happy Dreaming~*