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Imperfections

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Gellert Grindelwald Newt Scamander OC (Own Character) Pickett Seraphina Picquery Theseus Scamander
11.07.2020
18.01.2021
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01.08.2020 1.669
 
Einige Stunden waren vergangen. Die Sonne knallten gnadenlos auf sie herab, hinterließen ihre Spuren auf Lydias blasser Haut.

Sie war schon immer eine sehr sportliche Person gewesen, weshalb sie gut mit dem Tempo des Magizoologen welcher vor ihr lief mithalten konnte. Vielleicht hatte sich der englische Zauberer gedacht, er könnte sie damit abschütteln. Bei diesem Gedanken musste sie leicht schmunzeln.

Es war ungewohnt mit einem Mann allein zu sein. Ihre Mutter würde sie tadeln, wüsste sie über Lydias Situation. Ein Skandal das wäre, wenn sie ihre Ehre verlor und sie kein anderer mehr wollte. Eine lächerliche Vorstellung, wo sie sich sicher war, dass es kein Mann mit ihr aushalten würde und vice versa. Außerdem, ihr Beruf ließ eine solche Denkweise nicht zu. Sie war geradezu umgeben von Personen männlichen Geschlechts und sowieso war diese Denkweise, fand sie, total veraltet.

Gerade waren die beiden auf einem steinigen Pfad unterwegs. Von weitem konnte sie schon die riesigen beeindruckenden Schluchten des Grand Canyon sehen, gefärbt in verschiedenen braun und orange Tönen. Ein atemberaubendes Phänomen welches durch den Colorado River vor Millionen von Jahren entstand.

Lydia betrachtete mit Bewunderung das Phänomen der Natur und schwor sich, dieses durch eine Zeichnung in ihrem Block zu verewigen. Mit ihren Augen versuchte sie so viel wie möglich in Erinnerung zu behalten, scannte jedes kleinste Detail der Szenerie, welches sie vor sich sah. Sie nahm mit allen Sinn wahr, roch die erdige, trockene Luft, schmeckte ein wenig Sand auf ihren Lippen, der durch den leichten Wind aufgewirbelt wurde, hörte das knirschen der Steine unter ihren Füßen.

Sie sah die Sträucher, die verschiedenen Schattierungen der steinigen Felswände, die kleinen schuppigen Echsen, welche in verschiedene Spalten umherkrochen. Sie vermieden die Pfade, welche von den No-Majs markiert wurden. Wollten einen Zusammenstoß und eine mögliche Befragung verhindern, sollten sich in der Nähe offizielle Behörden befinden. Auch der Gedanke, dass der Donnervogel möglichst weit weg von den Menschen lebte, nahmen sie zur Kenntnis.

Das Ergebnis war, dass sie an engeren Wegen entlang laufen mussten, teilweise mussten sie sich so eng wie möglich an Wände pressen, um keinen steilen Hängen zum Opfer zu fallen. Das Apparieren hatten sie sein lassen, da man doch auf einige ungünstige, sehr sensible Stellen kommen konnte, und dies womöglich kein gutes Ende genommen hätte. Newt Scamander schien sich mit solchen Wegen auszukennen. Durch einige Fragen konnte sie herausfinden, dass er in Australien, sowie in Afrika schon Erfahrungen mit solchen Geländern gemacht hatte.

Auf der Karte waren Stellen verzeichnet, in der das Wachstum von Pflanzen wohl auffällig stark vorkam. Was für die No-Majs oder „Muggel“ wie Newt Scamander sie nannte als zufällig eingestuft wurde, war ein Hinweis auf den Verbleib von Frank, dem Donnervogel. Diese Wesen waren dafür bekannt Stürme auszulösen, was eine Bewässerung des Bodens zuteil hatte.



Newt Scamander schien kaum müde zu sein über diese Kreatur zu reden; war enthusiastisch bei der Sache.

„Donnervögel haben einen unglaublich sensiblen Charakter. Sie bevorzugen es ihre Nester weit oben zu bauen um sich so vor den Menschen und jeglichen anderen Gefahren zu verstecken. Sehen sie die verschiedenen Nischen oben? Diese sind in Vielzahl vorhanden und an gefährlichen Stellen lokalisiert, dass man so einfach nicht an sie herankommt“, erklärte er und obwohl sie nur seinen Rücken sehen konnte, konnte sie sich vorstellen welche Begeisterung sich in seinem Gesicht wiederspiegeln musste. Er schien in seinem Element zu sein, wissend wohin es gehen würde.

Es war als würde sie einen neuen Menschen vor sich haben. Auf einmal sah sie nicht mehr den schüchternen, gebeugten Mann vor sich. Dieser vor ihr war selbstbewusst, zuversichtlich und voller Leidenschaft. Jetzt, wo seine Umgebung frei von jeglichen Menschen war, schien er so frei, so ausgelassen, so erleichtert. Es war als hätte ihn die Menge erdrückt und irgendwie... verstand sie es. Auch sie fühlte sich nicht mehr so, als müsse sie sich verstecken. Hier draußen fühlte sie sich befreit und voller Energie. Weg vom hektischen und beschäftigten New York. Doch diese Sorglosigkeit änderte sich schlagartig, als ihre Gedanken sie daran erinnerten, weshalb sie hier war. Weshalb sie mit diesem Mann diese Reise unternahm. Dass diese Freiheit mit einem bitteren Nachgeschmack verbunden war.

Plötzlich machte der Zauberer der gerade noch in ihren Gedanken war vor ihr Halt. Eine Wand blockierte ihnen den Weg, welche unendlich weit hoch zu gehen schien. Sie schaute sich um und erkannte doch keinen weiteren Weg, den sie einschlagen konnten. War es das schon? Waren sie an ihrem Ziel angekommen? Ihr fragender Blick schien ihm aufgefallen zu sein, denn er setzte zur Erklärung an: „Dies ist einer der höchsten Punkte des Grand Canyons.“ Er rieb sich den Schweiß von der Stirn und setzte den Koffer ab, den er die ganze Zeit mitgetragen hatte. Vermutlich hatte er ihn mit einem Schwerelosigkeits-Spruch versehen denn sie konnte sich nicht vorstellen, wie er diesen sonst ohne große Mühe hätte mitnehmen können.

„Ich würde es verstehen, wenn Ihnen dies zu gefährlich ist.“ Wie bitte?

„Wollen Sie etwa dort rauf?“, fragte Lydia ungläubig und starrte zum Endpunkt dieser felsigen Wand hoch. Sie waren zu Fuß zwar weit hoch gekommen, aber es waren sicherlich noch 20 Meter bis ganz nach oben.
„Sie können auch gerne hier unten-“
„Nein, ich werde mitkommen“, beteuerte die Hexe. Als ob er sie so leicht loswerden würden. „Also, wie kommen wir dort hinauf? Haben Sie zufällig Besen eingepackt?“

Der Magizoologe kramte etwas aus einem Koffer und einige Sekunden später hielt er schon Seile und einige Haken in der Hand. „Wir benutzen das hier.“

~

Bloß nicht herunterschauen, ermahnte sie sich gedanklich.

Sie hatten schon die halbe Strecke erklommen und Lydia spürte, wie ihre Finger durch das Greifen an der Felswand aufgescheuert und langsam taub wurden. Zuvor hatte ihr Begleiter die Haken durch einen Zauber an die Felswand befestigt, damit auch gewährleistet war, dass diese beim Klettern nicht hinausfielen. Er kletterte ihr voraus, hatte die Aufgabe, sie immer wieder mit dem Seil, an dem sie beide hingen, an den Haken zu befestigen. Hexe biss die Zähne zusammen. Bald hatten sie es geschafft.

Sie hatte zwar keine Höhenangst, aber dass das Einzige, das verhinderte, dass sie tödlich auf dem Boden aufklatschen konnte der Zauberer über ihr war gab ihr trotzdem ein mulmiges Gefühl. Sie fragte sich, ob sie ihn nicht hätte fragen sollen, wie erfahren er in dieser Angelegenheit war, doch das war wohl definitiv etwas zu spät. Einzig allein der Gedanke, dass ihr Zauberstab bei ihr war und sie sich Notfalls durch einen Zauberspruch retten konnte, beruhigte sie ein bisschen.

Apparieren wäre zwar auch eine Option gewesen, wäre doch zu riskant gewesen, falls sich das gesuchte Tierwesen in der Nähe aufhielt. Sie waren von Grund aus zwar sensibel, jedoch reagierten sofort, wenn etwas übernatürlich passierte und sie erschreckte. Einen Angriff wollten sie natürlich möglichst verhindern.

„Geht es Ihnen gut?“, kam es atemlos von oben. Ihr Begleiter hatte den Koffer auf seinen Rücken geschnallt. Im Gegensatz zu ihm jedoch, schien es ihn deutlich weniger Mühe zu kosten als ihr. Er war solch gefährliche Situationen sicherlich schon gewohnt. Musste auf seinen Abenteuern einiges erlebt haben.

„Ja, es ist alles gut, Mr. Scamander.“, versicherte sie ihm und drückte sich mit ihrem rechten Bein mit aller Kraft weiter nach oben. Dieses war wie ihr anderes Bein sicher schon mit einigen Schürfwunden versehen. Lydia spürte, wie der Schweiß ihren Rücken runter rann und obwohl es anstrengend war, fühlte sie sich merkwürdigerweise ziemlich gut. Das Adrenalin pumpte durch ihre Adern und auch wenn ihr morgen alles wehtun würde, rauschte ein Glücksgefühl durch sie hindurch.

„Wir haben es gleich geschafft“, rief er und hievte sich noch ein letztes Mal hoch, bis er es auf die Aussichtsplatte schaffte. Prompt drehte er sich um und hielt ihr seine Hand hin.
„Nehmen Sie meine Hand, ich ziehe Sie nach oben“, keuchte er.

Lydia nahm tief Luft und nahm mit Schwung seine Hand. Sie wollte es ihm leichter machen und suchte nach dem nächsten Vorsprung, um sich mit ihren Beinen abzudrücken. Einen erfasst, stieß sie sich ab doch dieser gab auf einmal unter ihr nach und zog sie ruckartig nach unten. Es nahm ihr kurz die Luft und Panik schoss ihr in die Glieder.

Sie hörte, wie der Magizoologe etwas fluchte und den Griff um ihre Hand verstärkte. „Versuchen Sie einen Halt an der Felswand zu finden“, rief er zu ihr hinunter und versuchte sie hochzuziehen. Panisch kam ihr der Gedanke, dass sie ihn nicht mit zu sich herunter ziehen wollte. Ihr Körper war auf Alarmbereitschaft und nahm ihr jeden Sinn, rational und ruhig zu reagieren. Blind versuchte sie sich irgendwo abzustützen. Ihre Zehen knallten dabei immer und immer wieder gegen die steinharte Wand.

„Komm schon“, presste sie angestrengt hervor. Erleichterung überströmte sie als sie dann endlich einen Halt gefunden hatte. Lydia drückte sich so schnell wie möglich davon ab und griff nach dem erst Besten, was ihr unter die Finger kam, was seine Schulter war. Ihr einziger Gedanke war irgendwo einen Halt zu finden.

Newt Scamander ließ sich so gut es ging mit aller Kraft nach hinten fallen und schaffte es damit, dass beide nun endlich zum Ziel gelangten. Ihre nun wunden Knie spürten den flachen und festen Untergrund und sie war noch nie so froh über einen solchen Schmerz. Kleine Kieselsteine bohrten sich in ihre Handflächen doch das war ihr in diesem Moment total egal. Die beiden atmeten noch heftig, erholten sich von dem Schock.

Der Gedanke nicht meterweise in die Tiefe gefallen zu sein ließ sie ein erleichtertes Keuchen von sich geben. Sie spürte wie ihr ganzer Körper bebte und wie das Blut in ihren Ohren rauschte. Erst als ihr Herzschlag sich ein wenig beruhigt hatte, wagte Lydia es, ihre Augen zu öffnen. Was sie vor sich sah, ließ ihren Atem kurz stocken, den sie vor wenigen Sekunden wieder erlangt hatte.

Ihre Hände waren rechts und links neben seinem Gesicht abgestützt. Sie bemerkte, dass sie sich durch den Sturz auf ihn hatte fallen lassen. Sie lag zwischen seinen Beinen und als sie schließlich ihren Blick von seiner sich stark hebenden Brust hob bemerkte sie , dass ihre Gesichter wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.
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