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Imperfections

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Gellert Grindelwald Newt Scamander OC (Own Character) Pickett Seraphina Picquery Theseus Scamander
11.07.2020
18.01.2021
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Fokussieren. Zielen. Treffen.

Eine gewaltige Spannung fuhr durch ihren Arm, so stark, dass sie befürchtete er würde in nächster Sekunde durch den Druck einfach zerbersten. Doch wie eine starke Welle strömte die ihr so vertraute Energie durch sie hindurch in ihren Zauberstab. Glitt dahin, so wie es schon immer tat. Mit einer schwungvollen Bewegung zielte sie auf die mannshohe Holzfigur, grob geformt, ideal als Zielscheibe und ließ diese durch die Wucht des ganzen in viele kleine Holzsplitter zerlegen.

Eine weiteres Trainingsobjekt, welches ihr zum Opfer gefallen war.

Hinter diesem drei weitere im gleichen Zustand. Sie lief durch die große Trainingshalle, welche den Auroren als Trainingsplatz diente. Dabei hallten ihre Schritte den dunklen Raum, welches spärlich durch die blauen Fackeln beleuchtet wurde, die sich an den Wänden befanden. Aus einer Ecke nahm sie sich eine weitere Trainingspuppe, wollte noch nicht aufhören bis sie den Zauberspruch ihrer Meinung nach perfekt beherrschte. Mit zusammengebissenen Zähnen zerrte sie das schwere Ding in die Mitte des Raumes. Als sie sich sicher war, dass ihr Ziel richtig stand, stützte sie sich ein wenig daran ab. Mittlerweile klebten ihr die Haare in ihrem Gesicht, ihre Trainingskleidung durch den Schweiß schon fast komplett durchnässt. Ihre Muskeln brannten bei jedem Schritt, wollten endlich die Pause, welche ihrem Körper zustand.

Die Hexe nahm genug Abstand zur Trainingspuppe und positionierte sich wieder. Sie nahm den harten Untergrund unter ihren Füßen wahr. Machte sich ihrer Umgebung und ihres Körpers bewusst. Sie atmete tief durch die Nase – ein und aus und Zwang die Energie in ihr wieder, sich zusammenzuballen. Sich durch ihren Arm zu schlängeln. Sie richtete ihre Zauberstab auf ihr Ziel und-

„Denkst du nicht, das ist genug?"

Mit einem Satz zischte der für die Trainingspuppe gedachte Zauberspruch direkt am Ziel vorbei und erwischte knallend die Wand dahinter. Die Hexe biss die Zähne zusammen um nicht frustriert aufzuschreien. Ihre grünen Augen huschten reflexartig zur Quelle der Stimme, nur um sich verärgert wieder herumzudrehen.

„Habe ich dir nicht gesagt, dass ich um 22 Uhr fertig bin?“

„Wilkinson, das war vor einer Stunde.“

Sie schnaubte nur verächtlich und strich sich das kurze, kastanienbraune Haar hinters Ohr und verschränkte trotzig die Arme. „Ich war beschäftigt.“
Seine sturmgrauen Augen musterten sie ein wenig bevor er einen Blick hinter ihr warf. Sie war froh dass sein Blick nicht mehr ihr galt. Zu sehr hasste sie es, von jemandem begutachtet zu werden.

„Das sehe ich. Was haben Dir diese armen Dinger getan?“
Die Hexe ignorierte seinen Kommentar und ging an ihm schnellen Schrittes vorbei zu ihren Sachen. Hatte beschlossen, dass es für heute genug war.

„Ich hab dir schon gesagt, Fontaine-"

„Wir stehen kurz vor einem Krieg. Wir müssen auf jede Situation vorbereitet sein. Jaja", äffte er sie nach und lief ihr langsam und mit lässigen Schritten hinterher. Seine Hände hatte er in den Taschen seines grauen Mantels vergraben und nach dem nassen Zustand des Stoffes musste es wohl draußen regnen. Auch sein blondes, sehr gepflegtes Haar schien nicht davon verschont geworden zu sein.

Lucas Fontaine war einer ihrer Arbeitskollegen in der Auroren-Abteilung, aber sie kannten sich schon seit der Schulzeit und sie wagte es sogar, ihn als eine Art Freund zu bezeichnen. Sie hatte in Erinnerung, dass er immer gelangweilt im Unterricht saß und auch nicht so oft Lust hatte sich darin zu beteiligen.

Sie, Lydia Wilkinson, war das komplette Gegenteil gewesen, ständig in der Bibliothek bis in die späten Abendstunden, um sich auf den Unterricht vorzubereiten. Versucht, immer die Bestleistung zu bringen, die möglich war.
Bürokratie war nicht sein Gebiet, doch wenn er sich im Kampf befand war er sehr präzise und geschickt. Nur leider war dies nicht das Einzige, was ihn interessierte.

„Hab doch mal ein wenig Spaß. Geh mit mir etwas trinken. Amüsier’ dich. Und wenn du nur halb so viel Zeit damit verbringen würdest, etwas an deinem äußeren Erscheinungsbild zu tun...“

„Dann was? Soll ich mir einen Kerl anlachen, dann heiraten und Kinder kriegen? Stell dich mit deinen Belehrungen hinten an. Meine Mutter nervt mich schon oft genug damit.“

Oh wie oft hatte sie sich dies schon anhören müssen. Mit ihren 26 Jahren war sie einer der wenigen Frauen, welche sich noch nicht gebunden hatte. Die Hexe wusste auch, dass man hinter ihrem Rücken über sie tuschelte. Dass sie eiskalt sei. Das sie vielleicht sogar, um Gottes Willen, auf das andere Geschlecht stand, so geringfügig wie sie ihre männlichen Kollegen behandelte.

Doch sie wollte lediglich das tun, was ihrer Meinung nach ihre Bestimmung war. So wie es die Vorgänger ihrer Familie getan hatten. Ihre Welt vor den No-Majs zu beschützen. Ihre Existenz zu bewahren. Ihr Überleben zu sichern. Dabei blieb wohl kaum Zeit, sich mit Dingen wie Beziehungen und Heirat zu beschäftigen. Und wollten sie nicht alle ein Hausfrauchen, welche daheim das eigene Heim pflegten und die Kinder hüteten? Nein, das wollte sie nicht.

Sie wollte sich nicht wie diese Damen benehmen, wie diejenigen, die ständig um Männer wie ihren Kollegen Fontaine herumtänzelten. Wie sie kicherten und seufzten, sobald sie ihm verfallen waren. Das Tuscheln und das übertrieben nervige Geklimper ihrer Augen. Und sie sollte so werden wie sie?
Lieber schnitt sie sich die Hand ab.

Mit einem schnippen ihres Zauberstabs befreite sie sich von dem Schweiß, welcher an ihrem Körper geklebt hatte, warf sich ihren Mantel um und nahm ihre lederne Aktentasche zur Hand. Mit einer Kopfbewegung deutete sie ihm an, sie zum Ausgang zu begleiten.

„Ich meine ja nur, Lydia", fing er an und joggte ihr hinterher.

„Es ist vollkommen unsinnig deine ganze Energie in diese Sache hineinzustecken. Wir arbeiten alle schon auf Hochtouren ihn zu finden und einige Spuren haben wir doch schon. Du wirst sehen, bald haben wir ihn. Die paar Anhänger und er?“

Die Hexe kniff genervt die Augen zusammen. „Und es ist auch unsinnig, das ganze herunterzuspielen. Wir reden hier von Grindelwald! Er ist dafür bekannt die Mitglieder unserer Gesellschaft zu manipulieren. Ich meine, er hat es immerhin geschafft uns mehrere Monate weiß zu machen, er sei Graves.“
Ein leichter Schauer fuhr ihr durch den Körper über die Tatsache, dass er sich in ihren Kreisen befand und trotzdem keiner es schaffte, ihn zu identifizieren. Sie hatten es alle nicht gemerkt. Eine Gefahr in ihrer Abteilung, wo gerade sie, die Auroren, diejenigen waren, die für die Sicherheit ihrer Welt verantwortlich waren. Es beschämte sie alle, dass sie dies nicht gemerkt hatten.

Und aus diesem Grund würde sie alles dafür tun, um ihn auszuschalten. Ihn aufzuhalten ihre Welt ins Chaos zu stürzen. So etwas dürfte niemals wieder passieren.

Sie traten aus dem MACUSA Gebäude heraus, welches unter den No-Maj’s so gut versteckt war. Das Woolworth Building war groß, auch für die nicht magischen Menschen zugänglich. Doch konnten nur sie Zauberer und Hexen durch die Drehtür in die wahre Gestalt des Gebäudes eintreten. In Wirklichkeit beinhaltete es all ihre Abteilungen, welche die Sicherheit und das rechtmäßige Zusammenleben gewährleisteten. All dies in Mitten von New York.

Tief atmete sie die eisige Nachtluft ein und genoss die Kälte, welche ihren überhitzten Körper ein wenig abkühlte. Leichter Nieselregen ließ sich auf sie nieder, benetzte ihre Haut mit einem leichten Wasserfilm.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass uns das wieder passiert“, sagte Lydia und schaute zum Mond, welcher leicht durch die Wolken durchschien.

Ihr Begleiter folgte ihrem Blick und schwieg. Sie hatten einmal versagt. Noch einmal würde ihnen dies nicht wieder passieren.
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