Ein Ausweg

von AJ1305
GeschichteAllgemein / P18 Slash
Paul Richter Stephan Sindera
11.07.2020
24.10.2020
17
21.582
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11.07.2020 1.384
 
Hallo Leute,

Ich hatte da eine Idee im Kopf und musste diese niederschreiben. Ich hoffe, es gefällt euch so wie mir.

Achtung die Thema sind oft sehr sensible. Es geht um physische, psychische und sexuelle Gewalt.


Paul schloss die Tür zu seiner Wohnung und versperrte diese anschließend. Sein Blick glitt zum Türschild.
"Richter und Berkmann" stand da und Paul erinnerte sich an den Tag, an welchem er Marco kennen lernte.

Marco hatte sich an einer Bar neben ihn gesetzt, ihn mit seinem Spitzbübischen Grinsen, welches Paul so sehr liebte, angegrinst und gefragt ob er ihn auf ein Getränk einladen dürfe. Paul hatte einen schlechten Tag gehabt, hatte mit seinem besten Freund Stephan gestritten. Das setzte ihm sehr zu und Marco war im richtigen Moment für ihn da. Lenkte ihn mit seiner freundlichen und fröhlichen Art ab. Machte ihm Komplimente und schenkte ihm seine ganze Aufmerksamkeit.

Sie hatten sich ein paar Mal noch getroffen, bis Marco ihn ganz nervös fragte, ob er ihn küssen dürfe. Paul war so glücklich in dem Moment und die Monate danach waren wie ein Traum für ihn.

Auch seine Kollegen hatten es recht gut aufgenommen und es mittlerweile akzeptiert. Stephan hatte kein Problem damit, aber manchmal reagierte er seltsam, wenn Paul von Marco schwärmte.

Vor einen Monat waren sie zusammen gezogen und dann plötzlich hatte sich alles geändert. Marco hatte einen Verkehrsunfall und zog sich einen komplizierten Bruch am Bein zu. Er wurde Medikamentenabhängig, verlor dadurch seinen Job und fing an zu trinken. Seit dem war er meistens frustriert und schlecht drauf. Paul wollte ihm beistehen, er wusste das es schwierig war.

Aber er war an seine Grenzen gekommen. Trotz allem wollte er sich nicht trennen, er liebte Marco. Er hoffte, dass alles gut werden würde und er seinen liebevollen Mann zurück bekommen würde.

Gestern war die Situation eskaliert. Paul war der Kragen geplatzt, als er von der Arbeit nach Hause gekommen war. Es war eine anstrengende Schicht gewesen und er war müde. Sich dann zu Hause noch anpflaumen lassen, dass hatte er nicht ertragen.
Während dem Streit hatte Marco ihn von sich gestoßen und Paul war so überrascht gewesen, dass er nach hinten gestolpert war und aus dem Gleichgewicht kam. Er konnte sich gerade noch am Tisch festhalten. Marco war aber so wütend gewesen, dass er komplett durchdrehte. Er hatte die kurze Schwäche von Paul ausgenutzt und angefangen mit Fäusten auf diesen einzuschlagen.

Die meisten Schläge hatte Paul mit den Händen abfangen können, ein paar Schläge hatten ihn jedoch hart getroffen. Ein Veilchen zierte sein Gesicht und er war sich auch sicher, einige blaue Flecken und an den Unterarmen zu haben.
Paul hatte die Oberhand wieder gewinnen können und Marco auf die Couch gedrängt. Er hatte gar nicht gewusst, was sagen. Er hatte seinen Partner nur verständnislos angesehen und war dann im Gästezimmer verschwunden. Er wusste gar nicht, wieso er noch da war. Jeder Frau hätte er geraten sofort zu gehen. Aber Marco hätte dies doch nüchtern nie gemacht. Es war sicher nur ein Einzelfall.


Seufzend drehte sich Paul von der Türe weg und lief den Gang entlang zum Ausgang der Wohnanlage. Ausgerechnet mit Stephan hatte er heute Dienst. Dieser würde seine Lügen durchschauen.


Paul öffnete seinen Spindkasten. Auf der Seite hängen ein paar Fotos von ihm und Marco. Sie sahen so glücklich aus. Darunter waren noch Fotos von ihm und seinen Kollegen. Eines zierte das Grinsen von seinem Freund Stephan. Er betrachtete dieses gerade, als sich hinter ihm die Türe öffnete und eben dieser in den Umkleideraum trat. Stephan grüßte ihn mit einem kurze He und begab sich zu seinem Spind.
"Alles klar?" fragte er irgendwann, während sich beide Polizisten anzogen. Meistens führte man belanglose Konservation während dem Umziehen. Paul seufzte, er musste jetzt überzeugend sein. Wenn er jetzt nichts sagte, würde es noch auffälliger sein.
"Ja, es geht so. Hatte gestern einen kleinen Unfall. Am besten frägst du nicht, ziemlich peinliche Geschichte." Paul lachte nervös und drehte sich zu Stephan, welcher ihn neugierig ansah. Sein Veilchen war nicht zu übersehen. Stephan blickte ihn einige Sekunde an. Er sagte kein Wort, er starrte ihn nur an, bis er schließlich die letzten Meter überbrückte und zu Paul trat. Er griff nach dessen Kinn und drehte Pauls Kopf so, dass er das Veilchen gut betrachten konnte.

"Wie ist das passiert?" fragte er, seine Stimme klang gepresst. Er traute dem Freund von Paul kein Meter über den Weg. Paul versuchte zu grinsen, was ihm jedoch nicht wirklich gelang.
"Bin dem Fahrrad gestürzt und dabei genau mit dem Gesicht auf der Lenkstange gelandet." meinte Paul und trat einen Schritt von Stephan weg. Er wollte diesen nicht anlügen, aber Stephan war schon immer schlecht auf Marco zu sprechen gewesen.

"Ich glaub dir kein Wort." meinte Stephan, er klang wütend und Paul wusste, dass dieser sicher innerlich kochte. Stephan hatte einen extremen Beschützerinstinkt, besonders wenn es um ihn ging.

"Musst du ja nicht, es war aber so." meinte Paul und drehte sich zum Spind. Er konnte Stephan nicht in die Augen blicken, wenn er so schamlos log. Doch für Stephan war das Thema nicht abgeschlossen. Er packte Paul und drückte diesen gegen den Spind.

"Das war Marco" stellt er fest und blickte Paul tief in die Augen. Paul wusste, er würde es sehen, wenn er jetzt lügen würde. Deshalb ging er lieber in den Angriff über.

"Was ist eigentlich dein Problem mit Marco, von Anfang an mochtest du ihn nicht. Er hat dir doch nichts getan." meinte Paul, er merkte, dass seine Stimme lauter wurde. Stephan ließ sich jedoch nicht beeindrucken davon.

"Wenn er dir nur ein Haar krümmt, bring ich ihn um." zischte Stephan und Paul bekam kurz Angst vor dem wütenden Funkeln in Stephans Augen. Er drängte sich an diesem vorbei und warf sein Spind geräuschvoll zu.

"Du bist nicht normal, würde ich es nicht besser wissen, würde ich sagen, du bist eifersüchtig." sagte Paul auch wütend und eilte aus dem Umkleideraum.

Er begab sich auf den kürzesten Weg aus dem Gebäude und lehnte sich an die Wand. Er musste tief durchatmen. Er wusste er handelte falsch. Er wusste er musste Marco verlassen. Aber es war nur ein Ausrutscher gewesen, er war betrunken gewesen. Marco war so lieb gewesen danach, hatte sich tausend mal entschuldigt, war wieder der Mann in welcher er sich verliebt hatte.

Vielleicht könnten sie es einfach vergessen.

Er rieb sich vorsichtig an den Unterarmen. Er hatte einige blaue Flecken dort, von der Abwehrhaltung. Er seufzte. Ihm war nach weinen. Er wollte sich einfach verkriechen und umsorgt werden. Aber er musste jetzt stark sein und vorallem Stephan beweisen, dass alles gut war. Er hasste es, mit Stephan zu streiten. Dieser war nach Marco der wichtigste Mensch für ihn.

Nachdem er durchgeatmet hatte, begab er sich wieder nach oben. Er musste in die Frühbesprechung. Bei der Sache war er nicht, Klaus redete irgendwas vorne, er konnte dem Ganzen jedoch nicht ganz folgen. Zu sehr beschäftigte ihn das ganze. Er war einer der letzten gewesen, weswegen er ganz hinten an der Wand stand.

Plötzlich sahen ihn alle an und er blickte überrascht in die Runde. Anscheinend hatte man ihn etwas gefragt und wieder einmal war es Stephan der in rettete.
"Er hatte einen Fahrradunfall." seine Stimme triefte nur so vor Ironie. Aber dies bemerkte wohl nur Paul. Er blickte zu Stephan, doch dieser mied seinen Blick. Er war sauer und irgendwie versetzte es Paul ein Stich im Herz. Er brauchte diesen doch jetzt. Er grinste verlegen, als ein paar Kollegen Witze über seine Fahrradkenntnisse machten. Aber er wusste, dass wenn man genau schauen würde, man ihm ansehen würde, dass er nicht wirklich lachte.


Paul saß am Schreibtisch und klickte sich durch die E-Mails. Stephan saß gegenüber von ihm, beachtete ihn jedoch nicht. Paul wusste, dass Stephan jedes Recht hatte sauer zu sein. Beide wussten, dass er gelogen hatte. Aber Paul würde kein Rückzieher machen, er hatte Angst Marco zu verlieren. Stephan muss das doch verstehen.


"Jungs, Einsatz für euch." teilte ihnen Martin mit. Jedoch lief es da auch nicht anders. Stephan redete nur das nötigste mit ihm und wenn dann nur dienstlich. Es nagte an Paul, er hätte seinen Freund so sehr gebraucht.
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