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Even when your kind appears to triumph - Part 3

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Haytham Kenway OC (Own Character) William Miles
11.07.2020
07.11.2020
44
63.054
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22.08.2020 1.891
 

Kapitel 14

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Marie, ich komme!


Kurz darauf, als ich gerade mit den Gedanken in der anderen Welt war, kam der Anruf von Herrn Schäfer. „Guten Morgen Alex. Ich hoffe, dass wir uns heute zusammensetzen können und die nächsten Schritte planen können?“ ich erklärte ihm, dass ich nicht viel planen musste, da ich lediglich in die Klamotterie der Zeit schlüpfe und dann... nunja, einfach hinüber ginge. Ein ungläubiger Ausruf und er meinte nur „Ich gehe davon aus, du weißt, was du tust! Wie lange müssten wir eigentlich mit deiner Abwesenheit rechnen?“ fragte er in einem lockeren Ton und mir fiel auf, dass er immer noch das DU nutzte. War mir etwas entgangen?

„Tobias, das kann ich erst sagen, wenn ich dort vor Ort bin. Die letzten Male arteten ein wenig aus, ich hoffe, dieses mal nicht. Ich muss wirklich nur den Armreif an mich bringen. Und wenn ich richtig liege, muss ich dazu ins Fort Arsenal und zu Master Cormac. Dieser sollte jetzt Großmeister sein, da Master Kenway und Master Lee ja … verstorben sind!“ und erst jetzt wurde mir klar, dass Herr Schäfer diese Geschichte so noch nicht kannte und ich erntete ein „Wie bitte?“ von ihm.

„Herr Schäfer, es ist etwas komplizierter, aber bitte. Ich werde alles erklären, wenn ich wieder zurück bin!“ das fehlte mir noch, wenn er mir jetzt einen Strich durch die Rechnung machen würde. „Also schön, dann solltest du heute Nachmittag gegen 16 Uhr hierher kommen. Dann ist es ruhiger und ich kann das Ganze überwachen, was brauchst du sonst noch dafür?“ fragte er völlig pragmatisch.

„Nichts, ich habe alles. Die Kleidung und so hängt hier noch am Schrank. Ich denke, mehr brauche ich nicht.“ In Gedanken packte ich aber bereits ein paar Kleinigkeiten für Notfälle ein. „Also schön, dann bis nachher.“

Als ich aufgelegt hatte, rief ich meinen Mentor an und teilte ihm mit, dass ich heute Nachmittag gehen würde. „Alex, ich hoffe du weißt, was du da tust und komm heile wieder zurück. Wir brauchen dich noch, das weißt du hoffentlich!“ kam es besorgt von William. „Das weiß ich und ich bin dankbar für deine Unterstützung und Fürsprache! Ich bin bald wieder da.“ erwiderte ich nur und legte auf.

Jetzt saß ich da und wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Doch ich fing an, vorzugreifen und vereinbarte einen Termin mit einem Notar, damit ich die Wohnung verkaufen konnte. Doch kurz nachdem ich aufgelegt hatte, kam mir eine Art innere Stimme, welche meinte, warum verkaufen, schenk sie deinem Sohn! Sie bleibt in der Familie und er hat ein Dach über dem Kopf! Unsere Wohnung war abbezahlt und er könnte mit Melissa einfach hier bleiben, es war eine ideale Lösung. Und... wenn er im Sommer seine Ausbildung anfing, bräuchte er auch keine Miete zahlen, sonder nur die Nebenkosten und das übliche halt.

Und wieder verdüsterten sich meine Gedanken. Sollte ich ihn wirklich alleine lassen? Ich meine, während der Ausbildung kann so viel passieren, er könnte sich umentscheiden, er könnte... ja WAS? Er könnte ALLES tun, ob ich nun anwesend war oder nicht! Darauf hätte ich keinen Einfluss, oder? Ich wollte aber meinen Sohn nicht einfach so im Stich lassen, ich konnte es nicht, für welchen Preis? Ich eilte einer Liebe hinterher... einem Gefühl, welches ich noch nie gehabt habe. Auf der anderen Seite wusste ich, dass ich ein Versprechen gegeben hatte!

Ich schob das Ganze erst einmal wieder von mir. Einen Schritt nach dem anderen! Keine stolpernden Schritte und ich hatte plötzlich Edwards Worte im Kopf!

Als Yannick gegen 14 Uhr wieder zuhause war, aßen wir zu Mittag und ich erzählte ihm, dass ich nachher wieder zu Herrn Schäfer fahren würde, um in die andere Welt zu gehen und das andere Artefakt zu holen. Immer noch hoffte ich, das es so klappt. Wenn nicht und ich wieder nichts mit hinüber bringen könnte, dann hätten wir ein Problem. „Mum, soll ich dich nicht lieber begleiten? Ich meine, du hast mir erzählt, dass dort ein Vorfahre von mir existiert oder bald existieren WIRD. Und ich weiß immer noch nicht, wie das funktionieren soll!“ er klang bettelnd, doch ich konnte nur alleine gehen. Nur ich hatte dieses Symbol am Körper. Aber ich würde die Sonne vermutlich mitbringen können... ja, und dann? Ich bezweifelte immer noch, dass es tatsächlich ein VORFAHRE war, der dort existierte.

Doch ich bat meinen Sohn, mich zu fahren, ich war einfach zu nervös und er könnte wenigstens dort auf mich warten! Wie die Zeitkoordinaten oder ähnliches lauteten, war mir noch ein Rätsel, denn ich konnte nichts einstellen, es war ein auf gut Glück reisen oder auch Last Minute Angebot. Nicht mehr und nicht weniger. Über das, was passiert, wenn du woanders landest wollte ich mir keine Gedanken machen! Ich verdrängte es förmlich.

Wir kamen bei Abstergo an, doch man brachte uns direkt zur Asservatenkammer oder besser in die anderen Forschungsräume daneben. Alles war irgendwie steril gehalten und ein wenig kalt, auch wenn ich sagen muss, es war sicher einfacher sauber zuhalten, als wenn es überall Teppiche gäbe. Erwähnte ich schon einmal meine teilweise absurden Gedanken?

In einem neutralen weißen Raum standen Herr Schäfer und Frau Richter und sahen mich erwartungsvoll an. Auf dem Tisch vor ihnen lag dieser Anhänger, welcher mich gleich weit weg bringen würde. Ich zog mich hinter einem Paravant um und erschien in einem dieser neutralen Kleider, welche ich mitgenommen hatte. Über der Schulter hatte ich meinen Seesack mit Ornat und Waffen, ich wollte doch nicht so ohne alles dorthin zurück. Ich wusste nicht, was mich jetzt erwartete. Im besten Falle eine freudestrahlende Marie. Im schlimmsten Falle ein erzürnter Shay, der mir den Hals umdrehen wollte.

„Alexandra, bist du sicher, dass du das machen willst? Ich weiß, du hast es schon einige Male getan, aber es ist doch etwas anderes jetzt, oder nicht?“ Tobias ließ seine blauen Augen auf mir ruhen und ich wusste nicht, was ich von ihm halten sollte. Denn... irgendetwas war anders an ihm. Nein, er war nicht besessen oder so. Es war... Anerkennung oder auch eine gewissen Zuneigung von ihm für mich. Es war eigenartig.

„Ja, ich muss Gewissheit haben und wir brauchen diesen Armreif. Sonst kommen wir hier nicht weiter!“ Yannick reichte mir den Anhänger und ich sah, dass er wieder grünlich schimmerte und mit meinem Symbol interagierte. Ich führte beides zusammen und das leuchten wurde greller!

Das Beben kam und dann verschwamm wieder alles „Ich bin bald wieder da!“ war das letzte was ich 2020 sagte und dann war ich wie in einem Vakuum. Ich bekam kaum Luft, es war keine Zeitreise wie die anderen. Es fühlte sich an, als zerre man an meinem Körper und wolle mich zerreißen!

Dann schlug ich einfach mit dem Gesicht auf. Für einen Moment wusste ich nicht, worauf ich lag, doch dann machte ich ein Muster unter mir aus. Es war ein Teppich, langsam erhob ich mich und versuchte mich zu orientieren. Ich lag am Fuße einer Treppe in einem Eingangsbereich. Ich kniete noch einen Moment und realisierte, dass es helllichter Tag war, aber niemand war hier, der mein Erscheinen bemerkt hätte. Ich versuchte auf die Beine zu kommen und verstaute den Anhänger sorgsam in dem gefütterten Beutel an meinem Kleid.

Als ich mich umsah, war ich erleichtert, ich sah, dass ich wirklich im Haus des Chevaliers war. Auch wenn ich ihn nicht wirklich leiden konnte. Langsam ging ich zum Arbeitszimmer, doch es war niemand dort. Das Esszimmer war verwaist, genau wie der Salon. Die Küche war mein nächstes Ziel und dort hörte ich Mrs. Rouselant schon schnattern und als ich um die Ecke kam, sah sie mich erschrocken an. In diesem Moment fiel mir siedendheiß ein, dass SIE nicht wusste, wie ich aussah, für sie war ich eine Fremde und ich verfluchte mich, dass ich daran nicht mehr gedacht hatte.

Doch ich versuchte es auf diplomatischem Wege und erzählte, wer ich sei und dass ich dringend mit Mrs. Gaultier sprechen müsste. Immer noch mit offenem Mund starrte sie mich an, schüttelte den Kopf und sagte nur „Dann folgt mir, sie ist sicherlich hinten auf der Mauer, sie schreibt seit langem nur noch.“ Sie schrieb? Ja, was denn?

„Ich vermute, sie versucht alles zu verarbeiten, was ihr widerfahren ist. Es war schrecklich, habt ihr denn nicht von dieser Tragödie gehört? Ihr Mann gilt immer noch als verschollen. Schon seit über zwei Jahren!“ erzählte sie mir. Seit zwei Jahren? Aber ich ging immer davon aus, dass er verstorben sei! Das heißt, ich war hier erst 1762 aufgeschlagen! Verdammt, ich hoffte ich kam nicht zu spät.

Doch Mrs. Rouselant führte mich wie selbstverständlich nach draußen und ich sah Marie schon dort sitzen. Mit ihren schwarzen Locken und dem feingliedrigen Körper, der jetzt noch zierlicher wirkte als damals. Langsam ging ich auf sie zu und bat die Haushälterin uns alleine zu lassen. „Marie?“ fragte ich nur und sie drehte sich überrascht um. Es dauerte etwas und als ich ihr eingefallenes Gesicht sah, da wusste ich, dass sie litt. Sie litt unter dem Tod oder für sie ja auch unter dieser Ungewissheit ihres Mannes, sie litt unter dem Verlust von meinem Templer und auch das Kind, welches sie nicht auf die Welt bringen durfte, ließ sie leiden.

„Alex? Bist du das? Wie... wie ist das möglich?“ und auf einmal erschien ein leichtes und vorsichtiges Lächeln auf ihrem Gesicht. „Marie, ich kann es schlecht erklären. Aber ich brauche deine Hilfe, doch ich sehe, du hast ebenfalls hohe Verluste erlitten. Es tut mir so leid.“ sagte ich nur und schloss sie in meine Arme.

„Als ich zurückkam stand dieser Cormac vor mir und bedrohte mich... doch ich konnte ihn überzeugen, dass ich wirklich ICH war. Denn... es war als wäre ich neugeboren und hätte eine neue Chance bekommen. Alexandra, diese Vorläufer sind einfach nicht zu stoppen, oder? Ich habe es versucht, doch sie haben weitergemacht und diese Templer haben mir meinen Mann genommen, obwohl ich ihnen versuchte, ein Angebot zu machen!“

Erstaunt sah ich sie an, das waren zu viele Informationen auf einmal. „Marie, langsam... Louis-Joseph ist wirklich tot? Und... die Templer haben die Vorherrschaft hier? Wie ist das möglich? Ich dachte, die Assassinen hätten es geschafft, hier für Ordnung zu sorgen!“

„Das wäre auch so gewesen, doch als dieser Kenway tot war und dieser Cormac in seine Fußstapfen trat, da war die Hölle los. Er hat sich bei den Assassinen für alles gerächt und jeden einzelnen … seinem Schöpfer gebracht. Alex... es war grausam.“ sie fiel mir um den Hals und weinte drauf los. Bei Odin... es war schlimmer als ich dachte.

„Marie, das ist ja grausam. DAS wollte ich nicht... aber dieses Wesen... es war einfach stärker. Doch... in dem Turm... dieses Ding ist anders. Konnte es nicht eingreifen?“

Verzweifelt sah sie mich an. „Ich habe es versucht, ich habe mit Louis-Joseph gesprochen und er war auch der Ansicht, dass ich dorthin sollte. Doch... dort war nichts mehr. Es war nur der Palast, nichts anderes. Es war wie ausgestorben und... auch mein Kind... es ist weg und ich bekomme es nie wieder. Diese Vorläufer sind grausame Wesen und ich würde lieber sterben, als noch einmal einem von ihnen zu begegnen!“ Sie lag mir schluchzend an der Schulter.

Bei Odin... diese Welt war ja noch schlimmer dran als die reale Welt. Was sollte ich denn jetzt machen? Ich konnte ihr nicht helfen. Weder ihren Mann noch ihr Kind konnte ich zurückbringen.
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