Der Wächter

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
Edward Anthony Masen Cullen Embry Call Isabella "Bella" Marie Swan Jacob Black OC (Own Character) Sam Uley
11.07.2020
25.10.2020
20
72.017
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18.10.2020 4.057
 
Er lag total verrenkt auf der Wiese. Trotz seiner geschlossenen Augen wusste der Wächter, dass Jake zu ihm gerannt kam und sich nun über ihn beugte. Schnell sagte er: „Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Sieh erst nach den anderen, angefangen mit Leah. Ich befürchte, ihre Verletzungen könnten die Schlimmsten sein.“
Entsetzt starrte Jake auf den bewegungsunfähigen Mann hinab und sah, wie sein Körper unkontrolliert zuckte. Dann spuckte Isaak Blut. Dieser schien das aber gar nicht zu realisieren. Mit Panik in der Stimme sagte Jake mental: „Dir geht’s nicht gut. Du hustest Blut.“
„Ach wirklich?“, Isaaks Stimme klang nicht besorgt, sondern eher neugierig, interessiert. Er hörte sich an, als würde es sich bei diesem Umstand um etwas Besonderes handeln, etwas, das er gerne studieren würde. Der Wächter spürte die wachsende Panik des Wolfsjungen und murmelte: „Ein Vorschlag zur Güte: Drehe mich auf den Rücken und lege meine Brustverletzung frei. Wenn du dann erlaubst, werfe ich kurz einen Blick darauf. Danach kannst du dich beruhigt um die anderen kümmern. Einverstanden?“
Ohne zu zögern griff Jake mental, und auch in der Realität, nach Isaak. Während er dessen Geist in seinen Kopf zog, drehte er vorsichtig seinen Körper um. Er sah sehr viel Blut und riss geschockt die Augen auf. „Das sieht schlimmer aus als es ist. Glaube mir“, versuchte der andere ihn zu beruhigen.
Es funktionierte einigermaßen und der Wolfsjunge zerriss Isaak schnell das Shirt. Dann nahm er dieses und tupfte vorsichtig die Wunde ab, um etwas sehen zu können.
„Das ist ja interessant. Siehst du die Wundränder? Man kann gut die Reaktion des magischen Giftes mit meinem Gewebe sehen. Das Gift kämpft gegen meine Heilkräfte an. An den schwarzen Veränderungen rund um die Wunde erkennst du, dass sich das Gift in meiner Blutbahn ausbreitet“, diagnostizierte Isaak, als würde er einer medizinischen Dokumentation folgen.
Das war nicht gerade förderlich, um Jake zu beruhigen. Dessen Puls beschleunigte sich auf die Ausführungen des Wächters hin sofort.
„Beruhige dich, Jake. Ich werde daran nicht sterben. An dem Muster, und gemessen am Fortschritt der Vergiftung, wird es mehrere Stunden dauern, bis das Gift lebenswichtige Organe befällt. Bis dahin habe ich es längst neutralisiert. Vertraue mir. So schnell gebe ich den Löffel nicht ab. Ich bin zäher als ich aussehe. Es gibt jetzt Wichtigeres. Kümmere dich um die anderen.“
Abermals wollte Isaak sich aus seinem Bewusstsein zurückziehen, aber Jake hielt ihn fest: „Hilf uns, bitte. Keiner von uns hat dein Wissen.“
„Jake, ich kann, außer die Augen und Augenlider, keinen Muskel rühren. Wie soll ich das bewerkstelligen?“, fragte der Wächter traurig.
„Übernimm doch einfach die Kontrolle über meinen Körper. Das kannst du doch. Vorhin hast du das auch getan“, erwiderte Jake. Er konnte spüren, wie Isaak zusammenzuckte und zurückschreckte.
„Das war aus einem Impuls heraus. Es tut mir leid. Ich wollt das nicht. Ich werde es nie wieder tun“, brabbelte der Rotblonde in Erklärungsnot.
„Hey, hör auf mit dem Mist“, fuhr ihn Jake an. „Ich habe mich nicht beschwert. Du wolltest nur helfen. Dank dir lebt Embry noch.“ Er dachte kurz nach und ließ den Blick über die Lichtung schweifen. „Deinetwegen leben wir alle noch.“
„Das sehe ich etwas anders, aber, jetzt ist weder die Zeit noch der richtige Ort für eine solche Unterhaltung“, mahnte Isaak und fragte kleinlaut: „Du bist mir nicht böse wegen meinem Überfall auf deinen Geist?“
Jake atmete mit einem Stoß aus und sagte ruhig: „Ok, es war nicht gerade schön, aber nötig. Ich bin dir nicht böse.“ Dann straffte er die Schultern und ging langsam auf Leah zu, welche noch immer in ihrer Wolfsform dalag. „Also kannst du den anderen mit Hilfe meines Körpers helfen oder nicht?“
„In der Theorie durchaus, aber das ist ein sehr intimer Eingriff in deinen Geist. Ich würde das gerne vermeiden, wenn ich ehrlich bin. Ich muss deinen Körper dafür meinem Willen unterwerfen und das möchte ich dir nicht antun, wenn es nicht unumgänglich ist. Außerdem ist das was du verlangst wesentlich anders, als dich erstarren zu lassen. Die vollständige Kontrolle zu übernehmen könnte sehr beängstigend für dich sein“, erklärte sich Isaak.
Jake schlug sich mit einer Hand an den Kopf und schnauzte: „Ich gebe dir nicht nur die Erlaubnis. Ich bitte dich darum es zu tun und uns zu helfen.“
Der Wächter knirschte, hin- und hergerissen, innerlich mit den Zähnen. Er wollte ihnen helfen, aber in seinen Augen war das etwas, das man nicht leichtfertig tun sollte. Schlussendlich seufzte er laut auf und gab klein bei. „Na gut. Ich werde mich aber sofort zurückziehen, wenn es für dich unangenehm ist.“
Dann konzentrierte er sich auf seine Aufgabe und sagte: „Sag Sam er soll…“
„Sag es ihm selbst“, motzte Jake. „Ich weiß, dass du in der Verbindung des Rudels eindringen kannst. Leugne es nicht.“
„Schon aber…“
„Kein aber. Mach einfach. Rede direkt mit allen.“ Allmählich fragte sich Jake, was der andere für seltsame Ansichten hatte.
„Jake, ich möchte nicht…“
„Hey, du sagtest wir sollen uns beeilen, also halt die Fresse und mach endlich“, knurrte er wütend.
„Nicht ohne Sams Erlaubnis“, bestand Isaak.
„Sam, er will deine Erlaubnis“, sagte Jake am Rande der Verzweiflung. Dieser sture Bock hatte sie doch nicht mehr alle. Wohingegen der Wächter nur mit ihm gesprochen hatte, redete Jake von Anfang an mental mit allen gleichzeitig.
Paul, Embry und Sam hoben ihre Wolfsköpfe. Sie hatten Jakes Part mitbekommen und konnten sich größtenteils zusammenreimen, was Isaak gesagt haben musste. Während die beiden sich stritten, hatten sie nach den anderen gesehen. Nun stand das Trio ratlos da und wussten nicht so recht, was es machen sollte. Sie waren nur zu dritt und außerdem hatte keiner von ihnen medizinisches Fachwissen.
Leah war bewusstlos, aber immer noch eine Wölfin. Das war nicht normal. Jared hingegen war zu einem Baum gekrochen lehnte dort. Kreidebleich im Gesicht versuchte er jeglichen Schmerzenslaut zu unterdrücken und vor allem seine Beine nicht anzusehen. Sie standen in einem seltsamen Winkel ab und ein Knochen ragte aus der Haut heraus. Quil war mittlerweile aufgewacht, lag auf dem Rücken und starrte vollkommen desorientiert in den Himmel über sich. Offenbar bekam er gar nichts von dem mit, was um ihn herum geschah.
Sam knurrte laut auf und befahl: „Er soll reden oder ich reiße ihm die Kehle raus. Dann schweigt er für immer.“
Jake gab die Worte des Alphas weiter.
Der Wächter zuckte nicht mal bei dieser Drohung und sagte zu allen: „Entschuldigt bitte mein Eindringen in die Verbindung. Ich werde es so kurz halten wie möglich. Jake, mach dich bereit, ich übernehme deinen Körper. Auf deinen Willen hin, damit wir uns recht verstehen.“
Dann spürte der Wolfsjunge, wie sich Isaaks Geist in ihm ausbreitete und langsam, Stück für Stück, die Steuerung übernahm. Es war ein eigenartiges Gefühl. Sein Bewusstsein wurde zurückgedrängt und ihm war, als würde er unendlich lange fallen. Reflexartig wehrte er sich, um nicht im Nichts zu verschwinden.
Sofort zog sich Isaak wieder zurück.
„Noch mal“, knurrte Jake angepisst, weil er sich gewehrt hatte.
„Jake, das ist…“
„NOCHMAL“, schrie er ihn an.
Dann wiederholte sich das Szenario in seinem Kopf. Diesmal versuchte er krampfhaft still zu halten und es geschehen zu lassen. Das Gefühl des Fallens wurde nach und nach von einer Abgeschnittenheit und einer seltsam anmutenden Distanz verdrängt. Es war so, als ob er neben sich stehen würde; seinen Körper zu steuern war nicht mehr möglich, was beängstigend war.
„Soll ich aufhören?“, fragte Isaak unsicher. Er behielt die Emotionen des Gestaltwandlers genau im Auge. Nichts lag ihm ferner, als Jake Angst zu bereiten.
„Geht schon“, presste dieser zwischen den Zähnen hervor. „Mach weiter.“
Jake hob den Kopf und sah sich um, aber es war Isaak, der seinen Körper bewegte, nicht er. Bei diesem Eindruck musste er schaudern. Das war wirklich sehr unangenehm. Der Wächter hielt inne und zögerte. Da zwang sich der Wolfsjunge dazu ruhig zu bleiben. „Weiter“, stammelte er.
Der fremdgesteuerte Körper setzte sich in Bewegung, gleichzeitig redete er mit allen: „Sam, such bitte nach einem Ast auf den Jared beißen kann. Er sollte möglichst stabil und groß sein. Embry, du suchst bitte nach dieser Pflanze. Sie müsste hier irgendwo im Umkreis wachsen. Ich habe sie vorhin gesehen.“
Er zeigte ihnen ein Bild des gewünschten Gewächses und fuhr fort: „Paul, verwandle dich bitte und leg dich auf den Rücken. Versuche möglichst nicht mehr deinen Kopf zu bewegen. Ich muss mir erst deine Halswirbel ansehen. Achtet bitte darauf dieses Areal…“ Er deutete zu dem seltsamen toten Bereich, den er erschaffen hatte. „…auf keinen Fall zu betreten. Meine Magie würde euch augenblicklich töten und eure Körper in Staub verwandeln.“
Dann ging er in die Hocke und hielt Jakes Hand vor Leahs Maul. Die anderen erledigten ihre Aufgaben schweigend und waren froh etwas zu tun zu haben. Lediglich Paul begann zu mosern, fügte sich aber.
Isaak konnte ihren Atem spüren. Dann sah er sich die Wölfin genauer an. „Atmung flach und unregelmäßig. Sie lebt also. Keine äußeren Verletzungen zu erkennen. Jake, übernehme und betrachte sie mit dem „Wahren Blick“.“
Sie tauschten die Kontrolle und er musterte sie. Ihre Konturen flackerten und verschwammen.
„Das hatte ich befürchtet. Ihre Zukunft ist ungewiss. Jegliche Bewegung ihres Körpers könnte sie töten. Nichts zu tun könnte sie ebenfalls töten. Um herauszufinden was ihr fehlt muss ich sie mit den Händen untersuchen. Damit würde ich sie aber bewegen und das könnte tödlich enden. Diese Entscheidung ist nicht die meine. Was soll ich tun, Sam?“
„Hm… also sie untersuchen könnte sie töten, sie nicht zu untersuchen ebenso“, begann Sam zusammenzufassen und dachte kurz nach. Konnte er Isaak überhaupt vertrauen? Sie wussten kaum etwas über ihn.
Jake rollte mit den Augen und fragte: „Wie stehen die Chancen?“
Sofort kam die Antwort: „50 zu 50.“
Der Alpha kam nun zu ihnen und begutachtete noch einmal selbst die Lage. In seinem Maul hatte er den gewünschten Ast mitgebracht. Er hatte ihn einem jungen Baum entrissen. Dann sah er zu seinem Beta und fragte ihn: „Kannst du sie nicht so untersuchen wie bei Jake?“
„Nein, das kann ich nicht. Mit Jakes Körper kann ich keine Magie anwenden. Zudem ist mein eigener Körper gelähmt und all meine Kraft aufgebraucht. Es würde“, Isaak unterbrach sich und Jake sah ihm dabei zu, wie er mit seltsamen Zeichen zu rechnen begann. „47 Stunden dauern bis ich dazu in der Lage wäre. Wenn ich allerdings meine Kräfte einteile und nicht gegen das Gift ankämpfe, bin ich bereits in 14 Stunden im Stande sie so zu untersuchen. Was allerdings das Risiko birgt, dass ich vorher sterbe und Jake somit auch töte.“
Trocken meinte Jake nur: „Variante eins dauert zu lange. Von der anderen will ich nichts mehr hören. Wenn du nochmal so einen Stuss redest, dann beiße ich dich an eine Stelle, wo es besonders weh tut. Denk dran, du kannst dich nicht bewegen.“
„Also 50 zu 50. Hm…“, meinte Sam und fragte sich erneut, wie er entscheiden sollte.
Sein Beta fragte indes: „Was ist mit einer Bedingung? Würde das gehen?“
„Nein. Diese Angaben sind bereits mit Bedingungen. Eine Diagnose ohne kann ich frühesten in einer Woche ausführen. Du musst verstehen, dass ich wirklich am Ende mit meinen Kräften bin. Es dauert, bis meine Magiereserven wiederaufgeladen sind“, erklärte Isaak bedauernd.
„Tu es“, knurrte Sam und machte Jakes Körper Platz.
„Wie du willst. Ich gebe zu Protokoll, dass ich diese Entscheidung unterstütze. Jake, ich möchte deine Erlaubnis. Diesmal werde ich wesentlich weiter gehen müssen und dich komplett unterwerfen. Bisher hattest du die Möglichkeit dich mir zu widersetzen. Jede Bewegung, sei es auch nur ein Zucken deinerseits, kann sie aber töten. Ich muss sicherstellen, dass du nicht aus einem Impuls heraus eingreifen kannst.“
„Tu es, ich vertraue dir“, sagte Jake und lockerte die Muskeln. Er hatte Schiss. Diesen Umstand würde er aber niemals zugeben; dafür war er zu stolz.
„Auf deinen Wunsch hin“, erwiderte Isaak und übernahm die Kontrolle. Diesmal war es um einiges schlimmer. Er hatte nicht mehr das Gefühl neben sich zu stehen, sondern in einen winzigen Raum gezwängt zu werden. Die Welt wurde schwarz und er konnte nicht einmal mehr etwas mit seinen eigenen Augen sehen. Er rollte sich zusammen und begann zu zittern.
Dann erklang Isaaks Stimme, wie aus weiter Ferne: „Ich beeile mich.“ Er wollte das nicht, aber es musste sein. Schnell ging Isaak um die Wölfin und legte ganz behutsam seine Finger auf ihren Kopf. Vorsichtig und hauchzart arbeitete er sich vor und tastete die Stelle ab, an der er den Treffer an ihrem Haupt vermutete.
Auch um Jake zu beruhigen begann er dabei wieder zu reden: „Ich kann keine anormalen Hautstellen finden. Ich werde nun mehr Druck einsetzen. Hm… kein Schädelbruch, das ist schon mal gut.“ Er ging auf alle Viere und bewegte sich vor ihr Gesicht. Dann zog er ein Augenlid hoch. Anschließend öffnete er ihr das Maul und untersuchte ihre Zunge. Als Nächstes begann er ihren Nacken abzutasten.
„Da ist es. Im Bereich des ersten Halswirbels ist eine starke Schwellung. Das erklärt alles. Der Halswirbel ist gebrochen oder zumindest angebrochen und drückt nun auf die Nerven im Rückenmarkskanal. Das erzeugt eine Störung bei der Übertragung der Nervenimpulse und hat wohl ihre Rückverwandlung unterbrochen. Durch das ganze Fell kann ich aber nicht viel machen. Der Hals darf nicht bewegt werden. Zumindest nicht bevor ermittelt wurde, wie stark der Schaden ist. Ich brauche ein Röntgengerät.“
Er nahm die Hände von ihr und sah zum Alpha. Dabei gab er Jake frei und zog sich zurück. Dieser atmete erstmal kräftig durch und bewegte seine Finger, nur um zu sehen, ob er wirklich wieder Herr seiner selbst war.
Isaak seufzte schwer und sagte: „Sam, das ist eine äußerst lebensbedrohliche Situation. Ich würde das nicht sagen, wenn es nicht nötig wäre, aber du musst sofort Seth zu den Cullens schicken. Sie sind die einzigen die jetzt noch helfen können. Wir sind zu weit weg und mitten im Wald. Bis der Stamm bei uns ist, wird Leah tot sein.“
Der Alpha gab sofort den Befehl dazu und fragte: „Was brauchst du alles?“
Der Wächter zählte auf: „Ein mobiles Röntgengerät, sowie alles, was zum Erstellen des Bildes von Nöten ist. Dann noch eine komplette OP-Ausstattung, falls ich operieren muss. Zudem einiges an Verbandszeug. Eine Halskrause und drei Trageliegen für einen sicheren Transport von Leah, Jared, und mir brauchen wir auch. Anschließend müssen wir die beiden in ein Krankenhaus bringen, oder wahlweise zu den Cullens. Diese haben ebenfalls das nötige Equipment für die weitere Behandlung.“
„Alles klar, bin auf dem Weg“, beteuerte Seth, der bisher stumm zugehört hatte.
„Sam, sammle bitte alle Waffen ein und versteck sie. Ich möchte nicht, dass sie in die falschen Hände geraten. Diese Klingen sind sehr gefährlich. Berühre auf keinen Fall die Schneiden. Am besten du machst das in Menschengestalt.“
Besorgt fragte er dann: „Jake, hast du dich erholt? Ich muss weiter machen. Sei unbesorgt, für die anderen reicht die leichte Kontrolle.“
„Mach“, flüsterte der Schwarzhaarige heiser.
Isaak übernahm und ging auf Quil zu, während Sam begann die Waffen zu suchen. „Embry? Hast du die Pflanze?“
„Ja“, knurrte dieser und kam zu Marionetten-Jake gelaufen. Isaak nahm ihm das Gewächs aus dem Maul und zupfte ein paar Blätter ab. „Jake, ich werde die Blätter zerkauen. Das wird einen üblen Mundgeruch verursachen. Du wirst dir später gründlich die Zähne putzen müssen.“
„Ok, einverstanden“, erklärte der Angesprochene und sah zu, wie seine Hand ihm die Dinger in den Mund schob. Während Isaak auf dem Grünzeug herumkaute tastete er Quils Nacken ab. Dann stieg Jake ein wirklich abartiger Gestank in die Nase.
„Bleib ruhig. Das ist nur der Pflanzenextrakt, welcher sich mit deinem Speichel verbindet. Sein Nacken ist in Ordnung und ich glaube, er hat nur einen Schock.“ Dann spuckte er sich den Pflanzenbrei in die Hand und rieb ihn Quil unter die Nase.
„Embry, bleib bei ihm. Sofern meine Annahme korrekt ist, wird er gleich aufwachen und um sich schlagen. Versuche ihn zu beruhigen. Dann lehne ihn mit dem Rücken an einen Baum und lasse ihn zu sich kommen. Rufe mich, falls du Hilfe brauchen solltest.“
Bevor Isaak aufstand, zupfte er eine wenig Gras und nahm auch etwas Erde. Beides schob er sich in den Mund, um den Geschmack und Geruch etwas zu bändigen. Ein wenig rieb er sich über die Hände und säuberte auch diese. Er spuckte im Gehen aus und kniete sich neben Jared.
Dieser lächelte gequält und sagte: „Boar Jake, du riechst aus dem Maul, wie ne Kuh aus dem Arsch. Ich glaube, das ist eine Verbesserung.“ Isaak grinste den anderen an und sagte: „Das wird sehr schmerzhaft werden. Versuche dich nicht zu bewegen.“
In diesem Augenblick schrie Quil auf, was aber keiner hören konnte und begann wild um sich zu schlagen. Embry regelte das, indem er sich einfach als Wolf auf seinen Kumpel warf und ihn zu Boden drückte.
„Runter von mir, du Vollidiot. Alter was stinkt hier so erbärmlich. Bist du das Embry? Alter geh mal wieder baden, du Spast“, begann Quil zu schimpfen.
„Beruhige dich, dann geh ich runter. Der Gestank kommt von dem Pflanzenbrei auf deiner Oberlippe. Ist echt abartig, das Zeug“, meinte Embry und schnaubte angewidert.
„Runter von mir. Ich will das Zeug loswerden. Runter sage ich.“
Embry stand auf und sah Quil dabei zu, wie dieser sich hastig das Zeug abwischte. Als Rache für diesen Streich, schmierte er es in Embrys Fell. Dieser knurrte und bleckte die Zähne: „Lass den Scheiß, das war ich nicht. Es war Isaak.“
„Wo ist die Schwuchtel? Dem reiße ich den Kopf ab“, begann Quil zu toben.
„Isaak hat gesagt du sollst ruhig bleiben und dich an einen Baum setzen. Du brauchst noch etwas Ruhe“, klärte ihn sein Kamerad auf.
Das hatte aber den gegensätzlichen Effekt. Quil lief rot an und schrie: „Der Homo kann mich mal. Ich mach doch nicht, was der sagt. Geht’s noch? Den mach ich platt.“
„Du wirst genau das machen, was Isaak gesagt hat“, befahl Sam mit der Macht des Alphas und beendete dieses Schauspiel. Angewidert stand Quil auf und hielt sich an Embry fest, um zu einem Baum zu laufen. Dort ließ er sich nieder und schimpfte lauthals, was aber keiner hören konnte, da er nicht mental sprach. Embry neben ihm wälzte sich auf dem Boden, um das Stinkzeug abzubekommen.
Isaak nutzte diese Szene aus und untersuchte Jareds Bein. Dieser verfolgte den Streit und bekam nichts mit.
Dann mischte sich plötzlich Seth ein und sagte: „Die Cullens helfen uns. Wir sind auf dem Weg. Ich führe sie zu euch.“
Isaak seufzte ungehört und sagte: „Gut. Jared du hast einen komplizierten Splitterbruch in beiden Beinen. Das muss auch geröntgt werden. Da aber die beschleunigte Heilung bereits eingesetzt hat, muss ich sofort die Knochen in die richtige Position bringen, bevor sie falsch zusammenwachsen. Habe ich deine Erlaubnis dafür?“
„Na großartig“, maulte Jared und sah weg. Dann nickte er und schluckte hart.
„Embry, Sam, ich brauche euch hier. Jared, nimm den Stock zwischen die Zähne und beiße darauf.“ Entsetzt sah Quil, wie alle drei sich dem Wächter fügten. Anstelle aber zu dem Rotblonden zu gehen, rannten sie auf Jake zu. Irgendwas stimmte hier doch ganz und gar nicht.
„Verwandelt euch und haltet ihn fest. Jared, das wird jetzt sehr weh tun. Versuch dir nicht die Zunge abzubeißen.“
Isaak wartete, bis die zwei sich ihren Kameraden geschnappt hatten, und sagte: „Ich fange jetzt an.“
Dann griff er zu und Quil erbleichte. Jared schrie und wehrte sich aus Leibeskräften. Auch, wenn er wusste, dass es sein musste, brauchte er ein Ventil für den Schmerz. Die beiden anderen hatten Mühe, ihren Kameraden im Zaun zu halten. Keiner konnte seine Schreie hören und doch zuckten sie zusammen, als würden sie es dennoch tun.
Dann, keine drei Minuten später, erhob sich Isaak und Jared sackte in sich zusammen. Er spuckte den Stock aus, der mit Zahnabdrücken übersät war.
„Sam? Wie weit bist du mit den Waffen?“, fragte Isaak, der vor Leah kniete und ihre Lebenszeichen kontrollierte.
„Ich glaube, ich habe alle beisammen“, gab der Alpha Auskunft.
„Gut, beeil dich bitte. Die Cullens werden nicht mehr lange brauchen. Embry, wirf die Überreste der Vampire dort hinein. Ich will auf Nummer sicher gehen“, sagte der Rotblonde zeigte auf den von ihm verursachten toten Waldabschnitt.
Anschließend drehte Pseudo-Jake sich um und ging auf Paul zu. Dieser zuckte zusammen, als der nackte Jake in sein Blickfeld geriet. Seit Isaaks Anweisung war er brav liegen geblieben und hatte sich auch aus allem rausgehalten. Jetzt konnte er aber nicht anders und schnauzte: „Fass mich nicht an, Schwuchtel.“
Isaak seufzte und erwiderte: „Ich habe auch kein gesteigertes Interesse dich anzufassen, aber nur so kann ich deinen Hals untersuchen. Solange du den Kopf nicht bewegst, kannst du auch gern auf Carlisle warten.“
„Nein“, knurrte Sam. „Dem vertraue ich noch weniger. Paul, du tust was Isaak sagt, und, wenn er dich untersuchen muss, dann halt gefälligst deine dämliche Fresse und sag brav danke. Er hat dir dein Leben gerettet, falls dir das entgangen ist. Oder woher glaubst du kam das Schwert? Er hat sein Leben für dich riskiert. Noch so ein Spruch und ich prügle dich windelweich.“
Paul zuckte beim Wutausbruch seines Alphas zusammen. Dann schloss er die Augen und knurrte: „Dann mach halt.“
Isaak sah zu dem Leitwolf und Jake fing dessen Gefühle auf. Damit war er überhaupt nicht damit einverstanden. Er öffnete den Mund und Jake mahnte schnell: „Lass es bitte. Einen Streit können wir jetzt nicht gebrauchen.“ Er hatte nur zu ihm gesprochen und Isaak wusste das.
Dann schloss der Wächter seinen Mund und mahlte mit den Zähnen. Er ging in die Knie und untersuchte Paul Hals und Nacken.
Möglichst professionell fragte er dabei: „Verspürst du irgendwelche Schmerzen? Wenn, ja, dann sag es mir. Mit einer Rückenmarksverletzung ist nicht zu spaßen.“
„Mir geht’s gut“, knurrte Paul.
Dann zog er die Hände zurück und offenbarte: „Ich kann nichts finden. Du kannst dich wieder frei bewegen. Solltest du einen Kopfschmerz verspüren, oder dein Nacken schmerzen, musst du das sofort sagen.“
Er stand auf und ließ den anderen zurück. „Zur Sicherheit würde ich auch dich röntgen.“
Sobald der fremdgesteuerte Jake weg war, sprang er auf und wurde zum Wolf. Das war doch alles nur Verarsche, dachte er sich und ging Embry helfen.
Dann wandte sich Isaak zu Quil und fragte: „Wie geht es dir? Hast du Schmerzen? Schwindelgefühle? Sehstörungen?“
„Nein“, antwortete dieser und sah Jake näherkommen. Dann keifte er: „Würde mir bitte mal einer erklären was hier abgeht?“
Während Jake ihm erzählte was vorgefallen war, untersuchte Isaak den anderen nochmals und zog sich aus ihm zurück. Sofort roch und schmeckte Jake die Pflanze und musste würgen. „Isaak, das ist ja echt widerlich. Wie konntest du das Zeug in meinen Mund stecken und darauf rumkauen, ohne auch nur einen Muskel zu verziehen?“
„Es tut mir leid, aber es war nötig. Die Pflanze entfaltet nur in Verbindung mit Speichel diesen Effekt. Versuche nicht daran zu denken“, entschuldigte sich der Wächter.
Jake ging ein paar Schritte und dehnte die Muskeln. Keine Kontrolle über seinen Körper zu haben gefiel ihm gar nicht. Es musste zwar sein, dennoch war er heilfroh, Herr seiner Sinne zu sein.
Indes hatte Sam alle Waffen in einen alten Fuchsbau gesteckt und den Eingang mit einem toten Baumstamm abgedeckt. Dann markierte Sam das Holz nach Wolfsmanier.
Embry und Paul warfen die letzten Reste ihrer Gegner in den magischen Bereich und sahen dabei zu, wie diese zu Staub zerfiel. Dann stießen sie ihre Schultern aneinander. „Fertig“, meinte Embry.
„Gut. Wo habt ihr die Kleidung hingelegt?“, fragte Isaak.
„Ähm…, die ist auch zu Staub geworden“, meinte Paul bissig. „Wieso?“
Ungehalten knurrte Jake, der wusste worauf Isaak hinauswollte: „Danke Jungs, das bekommt ihr zurück.“
„Mein Fehler. Ich hätte es sagen sollen. Hoffen wir mal, dass die Cullens an eine Hose für Jake gedacht haben. Ich bezweifle, dass er nackt vor ihnen herumlaufen möchte“, meinte der Wächter und schüttelte innerlich den Kopf. Musste er denn wirklich an alles denken?
„Wenn es sein muss, dann muss es sein“, moserte Jake und hoffte auf eine glückliche Fügung des Schicksals.
Anschließend sammelten sich alle. Sie konnten schon die Witterung der Vampire aufnehmen; diese würden gleich auftauchen. Schnell gab Sam den Befehl zur Verwandlung. Heute war schon zu viel passiert und sie würden nicht unvorbereitet in eine weitere Falle tappen.
Nur Jared blieb in Menschengestalt sitzen. Mit seinen Beinen konnte er sich nicht verwandeln. An seiner Seite stellten sich Embry und Quil auf. Jake, Sam und Paul schützten Leah.
Da kam auch schon Seth in Sichtweite. Hinter ihm alle Cullens, schwer beladen mit Kisten und Rucksäcken.
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