Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

What if...?

von Jule0701
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
America Singer August Illéa Clarkson Schreave Maxon Calix Schreave
10.07.2020
04.02.2021
32
133.530
8
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.08.2020 2.434
 
Am Abend hatte ich dann angefangen meine Sachen zu packen, da wir am nächsten Morgen abreisen würden. Anne, Mary und Lucy kamen ein letztes Mal zu Besuch, was mich sehr freute, den Abschied allerdings nicht einfacher machte. Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob ich jemals wieder herkommen würde. Selbst wenn unsere ganze Rebellion so stattfinden würde, wie wir sie im Moment planten, war die Wahrscheinlichkeit, dass ich darin einen aktiven Beitrag leistete sehr gering. Ich musste also mal wieder heulen, als wir uns verabschiedeten. Ich hatte es so satt zu weinen.

Am nächsten Morgen wurde ich relativ früh von Anne geweckt, die bereits das Frühstück für mich dabei hatte. Im Morgenmantel setzte ich mich ein letztes Mal auf den Balkon und genoss die Leckereien, während Anne mir wieder eine Tasche zurechtmachte, in die sie die schönsten Kleider des Palastes versteckte. Schon jetzt weinte ich dem Essen nach. Ich war so eine verwöhnte Ziege geworden, aber wen interessierte das schon.

Da saß ich nun in meinem Luxus, der allerdings nicht mir gehörte, als ich plötzlich Anne sagen „Euer Hoheit“ Überrascht drehte ich mich um und sah plötzlich Maxon in der Tür stehen, Anne verließ gerade das Zimmer. Er sah nicht gerade glücklich aus und ich ahnte, was nun kommen würde. Mit einer Handbewegung wies er mich an hereinzukommen.

Ich gehorchte und schloss die Tür hinter mir, bevor er loslegte. „Spinnst du, America! Was hast du dir dabei gedacht!“, rief er verzweifelt aus, „Wir haben ausgemacht, dass ich mich um alles kümmere. Weißt du eigentlich, wie gefährlich das war?“ Es war ja nicht so, als hätte ich eine solche Reaktion nicht erwartet. Mit verschränkten Armen stand ich vor ihm und konnte es nicht vermeiden die Augen zu verdrehen und frech zu fragen, ob er jetzt fertig war, was ihn nur noch wütender machte. „Verdammt, America, das ist kein Spaß! Willst du das dein Rücken so aussieht wie meiner!“, warf er mir an den Kopf und verursachte damit doch ein leichtes schlechtes Gewissen.

„Maxon, es hat doch funktioniert. Officer Patel ist dabei und er hat mir versichert, dass er einige Vertraute unter den Wachmännern hat. Er scheint ziemlich überzeugt, wenn er sich so schnell bei dir gemeldet hat. Was ist also das Problem?“ Er starrte mich entgeistert auf und lief angespannt einige Schritte hin und her.

„Das Problem ist, dass du dich in Gefahr bringst und das anscheinend gar nicht realisierst. Du hast gestern noch gesagt, dass ich mich um alles kümmern würde. Dann kannst du doch nicht einfach so etwas bringen, das hatten wir nicht besprochen!“ Langsam steckte mich seine aufbrausende Stimmung an. Es war ja schön und gut, dass er sich um mich sorgte, aber ich war doch kein kleines Kind mehr.

Ich trat also einen Schritt an ihn heran und packte ihn an Beiden Schulten. „Hör doch mal auf, mich wie ein kleines Mädchen zu behandeln. Ich verstehe, dass du dich sorgst, besonders wegen deinem Vater, aber du kannst mich nicht vor allem beschützen und musst das auch nicht. Das ist genauso mein Plan, wie deiner. Wir stecken da zusammen drinnen, aber das wird nicht funktionieren, wenn du mich aus allem raushalten willst. Ich hatte die Möglichkeit persönlich mit Carter zu sprechen, ohne dass es irgendjemanden auch nur ansatzweise interessierte im Gegensatz zu dir, immerhin hockt dir dein Vater auf der Pelle. Es war einfach schlauer, dass ich diesen Teil übernehme, du kommst schon auch noch zum Zug. Du musst mit diesen Wachen deine Fake Flitterwochen planen, viel Spaß dabei, ich werde dir nicht in die Quere kommen.“

Er sah mich an, als ob er mich am liebsten im nächsten Moment schlagen würde, doch ich wich nicht zurück, bis er schließlich seufzte und sich mit den Händen durch die Haare fuhr. „Du machst mich wahnsinnig, das weißt du oder?“, jammerte und breitete seine Arme aus. „Das war der Plan!“, murmelte ich und schlang meine Arme um seinen Körper.

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, dass genau das hier nicht mehr passieren sollte. Und nun lag ich schon wieder in seinen Armen und konnte mich nicht daraus lösen. „Kriss und ich werden euch offiziell um zehn unten in der Eingangshalle verabschieden.“, erklärte er und drückte mich fest an sich. Ich nickte nur, doch keiner von uns machte Anstalten dazu sich voneinander zu lösen.

„Hast du Angst?“, flüsterte ich irgendwann. Ich hob meinen Blick an und er sah auf mich herab. Ich sah ihm an, dass er mit sich haderte, ob er die Wahrheit sagen sollte. Schließlich murmelte er: „Ich glaube, ich hatte noch nie solche Angst in meinem Leben!“ Er grinste dabei und auch meine Mundwinkel zogen sich nach oben, auch wenn mir nicht ganz klar war, was an dieser Situation zum Lächeln war.

Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste meinen Haaransatz. „Wir schaffen das! Wir Beide bekommen das hin, wir haben gar keine andere Wahl!“, flüsterte er und ich nickte. Ich wollte ihm glauben, also glaubte ich ihm.

Schließlich schob er mich sanft von sich, auch wenn ich mich am liebsten dagegen gewehrt hätte. „Wir sehen uns!“, sagte er, hob meine Hand an und führte sie kurz an seine Lippen. Mit feuchten Augen nickte ich und schaute ihm dann sehnsüchtig hinterher, als er nach draußen verschwand.

Genervt wischte ich mir über die Augen und ging zurück auf meinen Balkon, um mein Frühstück aufzuessen. Ich dachte nicht einmal daran jetzt zu weinen und lenkte mich damit ab, den Garten zu beobachten. Da dort allerdings nichts Spannendes vor sich ging, abgesehen von ein paar Wachen, die umherliefen, war ich froh, als Anne zurückkehrte.

Ich war ihr dankbar, dass sie kein Wort darüber verlor, dass Maxon da war, stattdessen fuhr sie einfach mit ihrer Arbeit fort. Nachdem sie die Tasche fertig gepackt hatte und ich in eine Jeans und eine Bluse vom Palast geschlüpft war, frisierte sie mich und trug außerdem gegen meinen Willen etwas Makeup auf. Und dann war es auch schon soweit.

Es war kurz vor zehn, als es an meiner Tür klopfte und Tai davor stand. Erst als er vor mir stand, fiel mir auf, dass ich ihn die letzten zwei Tage vollkommen vergessen hatte, weil ich so viel anderes um die Ohren hatte. Ich verabschiedete mich schweren Herzens von Anne, indem ich sie fest an mich drückte. Leider musste ich feststellen, dass ich mittlerweile besser wurde im Verabschieden, was eigentlich ein ziemlich trauriger Zustand war. Am liebsten hätte ich auch Anne versprochen, dass wir uns wiedersehen würden, doch ich wollte keine Dinge versprechen, die ich am Ende nicht halten konnte.

Also trennte ich mich wortlos von ihr, bevor ich mich bei Tai einhakte. Wir liefen schweigend nach unten, wo Kriss und Maxon schon auf uns warteten. Kriss empfing mich mit offenen Armen und drückte mich fest an sich. Sie verkündete, wie schön es doch war, dass wir sie besucht hatten, und wie sehr sie mich doch vermissen würde. Es war mir bewusst, dass sie sozusagen gezwungen war sich so zu verhalten, doch ihre falsche Art machte mich mittlerweile richtig aggressiv.

Als sie sich endlich von mir löste und sich Tai zuwendete, machte ich einen tiefen Knicks vor Maxon, der lediglich ein Kopfnicken für mich übrig hatte. Er grinste mich für einen kurzen Moment an und das genügte für mich, um mit einem Lächeln abzureisen.

Wir wurden von einem Fahrer des Palasts zum Flughafen gefahren. Auf der Fahrt schwiegen Tai und ich uns an. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich sagen sollte, und auch er schien nicht gerade heiß darauf, mit mir zu sprechen, also schwieg ich. Meine Stimmung war nicht gerade die Beste, ich hatte wenig Lust auf die Reise und wollte einfach nur nach Hause.

Ein erster Schritt war schon mal, als wir endlich nebeneinander im Flugzeug saßen. Ich schloss die Augen und hatte vor, die nächsten Stunden zu verschlafen, dann würde zumindest die Zeit schnell vergehen, doch noch bevor ich zur Ruhe kommen konnte, spürte ich Tais Hand auf meinem Arm.

Nachdem ich mich wieder ihm zugewendet hatte, schaute ich ihn fragend an, woraufhin er seufzte. „America, ich wollte mich noch einmal entschuldigen. Da die Rebellen den Prinzen nicht mehr gebrauchen können, werden sie auch dich endlich in Ruhe lassen. Du bist mich also schnell los. Ich hab deine Signal falsch gedeutet, ich wollte dich in dieser Nacht nur trösten, aber ich hab es jetzt verstanden. Ich hab dich bedrängt, das war nicht meine Absicht.“ Mir war nicht wirklich klar, wovon er gerade sprach. Deshalb wusste ich nicht, was ich antworten sollte.

Er bemerkte offenbar meinen irritierten Blick und fügte hinzu: „Du bist aus meinem Bett geflüchtet und hast einem Wachmann befohlen, mich nicht mehr aus dem Zimmer zu lassen. Ich habe das Signal verstanden, es ist okay. Ich will nur, dass du Bescheid weißt, dass es mir leid tut und dass ich zu dich zu nichts drängen wollte.“ Langsam verstand ich.

Ich hatte vollkommen vergessen, wie unsere letzte Begegnung ausgesehen hatte. Wir hatten erst gestritten, weil er mir das Gespräch mit Maxon weggenommen hatte, doch am Ende war ich in seinen Armen eingeschlafen. Weil danach so viel passiert war, war ich nicht einmal auf die Idee gekommen, die ganze Situation aus seinem Blick zu betrachten.

Erst jetzt verstand ich, dass ich zu ihm hätte gehen sollen, auch wenn ich ihm natürlich nicht erklären hätte können, was passiert war. Ich hätte ihm wenigstens versichern müssen, dass es mir gut ging und das zwischen uns alles gut war.

Plötzlich tat es mir unglaublich leid. Ich konnte mir vorstellen, wie groß seine Schuldgefühle gewesen sein mussten. Vorsichtig legte ich meine Hand auf seinen Arm und versuchte zu erklären: „Tai, es tut mir leid, du hast das vollkommen falsch verstanden. Du hast nichts falsch gemacht, ich war dir sogar sehr dankbar, dass du an diesem Abend für mich da warst.“

Jetzt sah er mich vollkommen verwirrt an. „Und warum bist du dann abgehauen? Und was sollte der Wachmann?“, fragte er und dachte offenbar, dass ich ihn für dumm verkaufte. Seine Fragen waren vollkommen berechtigt, doch ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich darauf antworten sollte.

Eine Weile stammelte ich vor mich hin, bevor ich schließlich zugab: „Es tut mir leid, ich kann es dir nicht erklären, aber du hast wirklich nichts falsch gemacht.“ Offenbar genügte das nicht, da er meine Hand wegschlug. „America, ich weiß echt nicht, was dein Problem ist. Rede doch einfach Klartext mit mir! Erklär es mir!“ Erneut erwiderte ich, dass ich das nicht tun konnte, auch wenn ich es ihm gerne erklärt hätte. Er seufzte und wendete sich dann von mir ab, um sich einen Film anzuschalten.

Da ich nicht wusste, was ich noch sagen konnte, um die Situation irgendwie besser zu machen, blieb ich still. Ich schloss wieder die Augen und redete mir selbst ein, dass alles irgendwann gut wird. Es dauerte nicht mehr lange, bis Maxon nach Carolina kommen würde. Wir waren ein Team, dann war ich nicht mehr allein.

Doch was dann? Auch wenn das alles funktionieren würde, lief es im Endeffekt darauf hinaus, dass ich wieder von Maxon getrennt wurde. Er würde als König herrschen und ich wäre als fünf in Carolina ganz alleine. Ich versuchte mir nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, was alles passieren konnte, doch ich hatte auf diesem verdammtem Flug leider viel zu viel Zeit für so etwas. Sicherlich bemerkte Tai neben mir, dass ab und zu Tränen aus meinen geschlossenen Augen flossen, doch er ignorierte es glücklicherweise.

Als wir endlich landeten, trennten wir uns noch am Flughafen wortlos, auch wenn es mir das Herz brach. Mir war Maxons Vertrauen wichtiger als alles andere und ich dachte nicht im Traum daran, sein Geheimnis mit irgendjemandem zu teilen, doch es tat weh, wie viele Menschen ich deshalb anlügen musste.

Ich fuhr mit einem Taxi nach Hause und tat mich wirklich schwer meine Niedergeschlagenheit vor meiner Familie zu verstecken. May fragte mich nur nach Maxon, weil sie wahrscheinlich immer noch hoffte, dass ich noch Prinzessin werden konnte. Mum war dagegen ungewöhnlich ruhig. Irgendwann gelang es mir, mich endlich aus Mays Fragerunde zu befreien und in mein Zimmer zu flüchten.

Ich zog mir eine alte Jogginghose und ein schwarzes Top über, um mich dann in mein Bett zu wälzen. Meinen Rücken spürte ich beim Liegen noch immer. Ob Maxons Rücken beim Liegen wohl immer ein wenig weh tat? Ich konnte ihn einfach nicht aus meinen Gedanken verdrängen und so ging es auch die nächste Zeit weiter.

Jeden Tag wartete ich auf eine Nachricht, die mir bewies, dass ich mir das Ganze nicht eingebildet hatte. Als man wieder zu Hause in seinem Alltag feststeckte, schien die Zeit im Palast in weiter Ferne zu liegen.

Immer wieder zweifelte ich daran, dass Maxon das wirklich durchziehen wollte. Was wenn er mich nur veräppelt hatte? Ich stellte die seltsamsten Vermutungen auf, weil ich nicht aufhören konnte darüber nachzugrübeln. Als mir irgendwann bewusst wurde, dass ich nicht mein ganzes Leben nach Maxon und unserem Plan ausrichten sollte, begann ich wieder Auftritte anzunehmen. Sie waren zumindest eine Ablenkung, doch stellten mich nicht im Geringsten zufrieden. Im Endeffekt war ich ganze drei Wochen ein komplettes Nervenbündel.

Ich schottete mich von meiner Familie ab, was mir besonders bei May schwerfiel, doch ich hatte Angst, dass ich ihnen sonst etwas erzählen könnte, was sie nur in Gefahr bringen würde. Mittlerweile war ich richtig paranoid, dass jemand meinen Rücken sehen konnte, also verbrachte ich die meiste Zeit in meinem Zimmer.

Außerdem hatte ich mit Kenna ausgemacht, dass sie Mum, May und Gerad demnächst für drei Wochen zu sich einlud, da ich alleine zuhause sein wollte, wenn Maxon tatsächlich kommen sollte, sonst müsste ich mir jeden Tag Ausreden ausdenken, wo ich denn hinging. Ich erzählte jeden Tag von meinen vielen Auftritten, die ich angenommen hatte, damit ich eine glaubwürdige Erklärung dafür hatte, warum ich nicht mit zu Kenna gehen konnte.

Fast jeden Abend weinte ich, auch wenn ich es so sehr verabscheute. Diese Zeit war unglaublich anstrengend. Ich fühlte mich nutzlos, meine Angst wurde immer größer und ich machte mir viel zu viele Gedanken über alles. Deshalb ließ ich einen Freudeschrei ertönen, als endlich ein Brief mit dem Siegel des Palasts ankam.

Ich ignorierte Mums Frage, was denn passiert war, und flüchtete in mein Zimmer. Natürlich stand nichts Wichtiges darin, da das Risiko viel zu groß wäre, in einem einfachen Brief über unseren Plan zu sprechen. Es war lediglich eine kurze Nachricht von Kriss, in der sie sich noch einmal für meinen Besuch bedankte, doch ich hatte sie verstanden und war schon auf dem Weg zu August, auch wenn ich mir nicht ganz klar darüber war, wie ich ihnen das erklären sollte. Egal, es ging weiter, das war das Wichtigste.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast