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Mum

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Burton 'Gus' Guster Henry Spencer Juliet O'Hara Shawn Spencer
10.07.2020
10.07.2020
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Jahrelange dachte ich, dass mein Vater schuld daran war, dass meine Mutter uns, mich, verlassen hatte. Ich tat alles, um ihn meine Verachtung spüren zu lassen, ihn zu kränken.

Ich war um die Welt gereist und hatte alle möglichen Jobs angenommen, nur um nicht Polizist, wie mein Vater, zu werden, obwohl die Detektivprüfung schon mit 15 und mit voller Punktzahl, bestanden hatte. Ich wäre ein super Detektiv geworden und ich bin es ja jetzt auch, nur in einer anderen Form, durch mein Psych Büro.

In letzter Zeit frage ich mich oft, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn meine Mutter nicht gegangen wäre. Seit ich weiß, dass sie mich aus freien Stücken verlassen hat, ist meine komplette Welt uns Wanken geraten. Nichts ist mehr wie es war.

Nun weiß ich es seit zwei Wochen und in dieser Zeit hatte ich wirklich viel Zeit zum Nachdenken. Ich wollte auch niemanden sehen, meine Telefon habe ich abgezogen und mein Handy ist auch aus. Ich sitze einfach nur auf meinem Sessel, noch mal das Licht mach ich Abend an. Essen und Trinken tue ich nur noch das nötigste und die Körperpflege habe ich komplett eingestellt. Bestimmt brauche ich eine Grundsanierung, wenn ich wieder bereit bin, am Leben teilzuhaben.

Nach einer Woche haben es mein Dad, Gus und Juliette endlich aufgegeben, an meine Tür zu klopfen. Selbst Lassi und Chief Vic waren da, aber auch deren Drohungen haben mich nicht aus meinem Loch holen können. Das zauberte mir aber ein kleines Lächeln ins Gesicht, denn auch wenn Lassi immer so tut, als ob er mich nicht leiden kann, bin ich mir ziemlich sicher, dass er mich mag und auch als Kollegen ein wenig respektiert. Vor allem seit er weiß, dass ich die vollen Punkte hatte. Das schlimmste war, als meine Mutter vor der Tür stand. Ich habe mir die Ohren zu gehalten, denn ich wollte und konnte ihre Stimme nicht hören. Jedes Wort kam mir wie eine Lüge vor. Mein gesamtes Leben kam mir wie eine Lüge vor und das nur wegen dieser Frau.

War ich wirklich so ein schlechter Sohn? Habe ich, in meinen jungen Jahren schon so viel falsch gemacht, so dass meine Mutter es mit mir nicht mehr aushalten konnte und geflüchtet war? Als sie mir sagte, dass sie freiwillig gegangen war, zog es mir sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Vor ihr und den anderen habe ich noch den starken Mann gespielt, aber als ich dann zu Hause war und ich mir alles noch einmal durch den Kopf habe gehen lassen, war es um mich geschehen. Ich sank auf den Boden und heulte wie ein kleines Mädchen, oder wie Gus.

Durch ein klopfen werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Tja Shawn zu früh gefreut. Ich raffe mich auf, beim Aufstehen spüre ich schon einen leichten Schwindel, und schaue durch den Türspion. Vor meiner Tür stehen alle zusammen. Was soll das denn jetzt werden. Ich ignoriere sie und schlurfe zurück zu meinem Sessel. Gerade als ich mich hinsetzen möchte, höre ich es krachen. Erschrocken fahre ich herum, was eindeutig zu schnell für meinen doch sehr geschwächten Körper war, denn ich bekomme noch mit, wie die Tür aufgeht und gleichzeitig der Boden immer näherkommt. Den Aufschlag und was danach passierte bekomme ich nicht mehr mit.

Das nächste was ich bewusst mitbekomme, ist, dass ich in meinem Bett liege. Meine Beine liegen erhöht und ich habe einen kühlen Lappen auf meiner Stirn liegen. Sehr komisch, ich kann mich wirklich nicht erinnern ins Bett gegangen zu sein, denn normalerweise war mein Sessel der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens geworden. Aber Ok, vielleicht erklärt sich alles, wenn ich meine Augen öffne.

Vorsichtig öffne ich die Augen. Mein Schlafzimmer ist abgedunkelt aber ich kann trotzdem die Präsenz mehrerer Personen spüren. Gequält will ich meinen Augen wieder schließen, doch da ich auch schon eine Stimme, die mich daran hintern will.

„Shawn, schön, dass du wieder unter uns bist. Du hast uns vorhin einen ganz schönen Schrecken eingejagt.“, eindeutig mein Vater. OK mit dem kann ich leben. Ich hoffe nur, dass meine Mutter nicht hier ist, denn ich weiß wirklich nicht, wie ich auf sie reagieren würde. Als ob mein Vater Gedanken lesen könnte meinte er: „Dein Mutter ist nicht hier, keine Sorge. Sie ist zurück nach LA geflogen.“, erleichtert atmete ich aus.

„Shawn wann hast du das letzte mal etwas richtiges gegessen?“, ich zucke mit den Schultern. Die letzten Tage ich habe ich mich nur noch von Chips und Resten ernährt, dass was halt noch im Haus war. „Du weißt, dass das nicht gut ist.“, tadelt er mich und im Prinzip weiß ich das ja auch. Aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen. Jetzt im Nachhinein war das alles ziemlich kindisch, nein das ist das falsche Wort, ziemlich dumm von mir. Denn schließlich bin ich auch ohne Mutter ein sehr ordentlicher Mann geworden, auch wenn einige behaupten, dass ich immer noch ein Kind bin. Ich finde es gut, denn das Leben ist ernst genug, da kann ein bisschen Spaß und Lebensfreude nicht schaden. OK ich sollte vielleicht noch lernen, wann es angebracht ist, Witze zu reißen und wann nicht, aber bisher habe ich mich gut geschlagen, denn ich leben ja schließlich noch.

„Gus und Juliette sind etwas Essen holen gegangen und die beiden wieder da sind, essen wir alle zusammen etwas.“, kommt es bestimmend von meinem Vater.

„Spencer, ich habe dafür wirklich keine Zeit. Deinem Junior geht es gut und ich geh zurück aufs Revier, schließlich macht das Verbrechen keinen Halt, nur, weil Shawn sich nicht in der Lage fühlt, etwas zu tun.“, kam es ruppig aus der andern Ecke meines Zimmers. Ich wusste doch, dass ich mehr als eine Präsenz gespürt hatte. „ist in Ordnung Lassi.“, kommt es von mir und ich bin erschrocken, denn ich höre seit Wochen das erste mal wieder meine Stimme und die ist nur ein Schatten von meiner eigentlichen Stimme. Das wird wohl mit meinem Körper das gleiche sein.

„Dad bevor Gus und Jules wiederkommen, könnte ich noch duschen?“, warum frage ich eigentlich meinen Vater? Ich bin doch Erwachsen, aber ich spüre auch, dass ich das alleine nicht schaffen werde. „Ja klar, komm Shawn ich helfe dir.“

Obwohl es mir doch peinlich sein müsste, dass mein Vater mich fast trug, fühlte ich mich seit langen mal wieder geborgen. Das Wort geborgen und Dad hätte ich früher nie in einem Satz gebracht, doch jetzt war ich mehr als froh darüber.

Im Bad zog mich mein Vater bis auf die Unterhose aus und ging dann vor die Tür. Diese lehnte er nur an, falls ich doch noch seine Hilfe brauchen würde. Dankbar nickte ich ihm zu und zog mir nun auch noch das letzte Kleidungsstück aus und stieg unter die schöne warme duschen. Es war eine richtige Wohltat und ich fragte mich, wie ich mich so hatte runterziehen hatte lassen können. Ich schwor mir, dass mir das nie wieder passieren würde. Ich fühlte mich zwar immer noch wie durch den Kakao gedreht, aber schon viel besser und ich schaffte es sogar, mich alleine wieder anzuziehen. Was so eine Dusche doch ausmachen konnte.

Ich war pünktlich fertig mit allem als es auch schon an der Tür klingelte. Mein Vater hatte sie wieder provisorisch eingehängt, aber ein neues Türschloss würde ich wohl trotzdem brauchen, aber damit konnte ich sehr gut leben. Als ich in die Küche trat, duftete es herrlich nach Pizza und Ananas Smoothie. Gus war einfach der Beste. Als wir alle am Tisch saßen, erhob ich mein Glas.

„Hört zu Leute, ich wisst, dass es mir sehr schwer fällt über meine Gefühle zu sprechen und das ich immer alles gerne ins lächerliche ziehe, aber ich möchte euch trotzdem von ganzem Herzen danken, dass ihr für mich da seid und ich möchte mich auch für mein Verhalten in den letzten zwei Wochen entschuldigen, aber ich musste mir über so viele Dinge, erst einmal klarwerden. Dad es tut mir leid, dass ich dir Jahrelang die Schuld darangegeben habe. Es war nicht richtig von mir, alles auf dich zu schieben, aber es war nun mal der Weg des geringsten Widerstandes.

Gus bei dir möchte ich mich auch entschuldigen. Immer ziehe ich dich in die gefährlichsten Sachen rein, obwohl ich doch weiß, dass du deinen Job liebst und die Gefahr hasst. Ich werde mich in Zukunft wirklich ändern. Vielleicht mache ich ja die Detektivprüfung noch einmal und fange dann als richtiger Detektiv an zu arbeiten.

Juliette, bei dir möchte ich mich auch entschuldigen, denn ich war nicht immer ehrlich zu dir. Ich bin eigentlich gar kein richtiger Hellseher, eher ein Mensch, der ziemlich schnell kombinieren kann. Meine Auffassungsgabe ist extrem hoch, auch dank meines Vaters. Ich wollte dich nie belügen, aber es hat sich alles so ergeben und dann warst du immer so begeistert davon, wie ich unsere Fälle gelöst habe. Ab heute werde ich immer ehrlich sein.

Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen und mein Verhalten der letzten Wochen entschuldigen. Es war wirklich nie meine Absicht, euch so vor den Kopf zu stoßen.“

Gus hatte Tränen in den Augen und seinen weinerlichen Gesichtsausdruck, über den ich meistens lustig machte, aber nicht so heute. Ich trat nah an ihn heran und umarmte ihn. Es tat nicht nur ihm gut, sondern mir und meiner Seele auch und ich beschloss, dass ich dies öfters tun sollte.

Mein Vater hatte einen stolzen Gesichtsausdruck und auch ihn umarmte ich, wobei er mir väterlich auf den Rücken klopfte und meinte: „Sehr gut gemacht mein Junge. Die Sache scheint doch etwas Gutes haben. Du scheinst endlich erwachsen geworden zu sein.“ Und ich musste zugeben, dass er damit vollkommen recht hatte.

Als ich zu Jules sah, dachte ich erst, dass sie mich Köpfen würde, da ich sie Jahrelang angelogen hatte, aber ihr Gesicht war weich und freundlich und es spiegelte auch etwas Triumphierendes wieder. Verwirrt schaute ich sie an. „Ich wusste es die ganze Zeit Shawn. Nur jetzt habe ich endlich die Bestätigung. Du musst wissen, dass ich auch ein sehr guter Detektiv bin und ich bin sehr erschüttert, dass Lassi noch nicht darauf gekommen ist. Und keine Sorge, die Sache bleibt unter uns dreien, die anderen brauchen das nicht zu wissen.“ Dann gab sie mir einen Kuss auf die Wange.

In diesem Moment war meine Welt wiederkomplett in Ordnung.

Ob ich die Sache mit meiner Mutter noch klären würde oder nicht, sollte unseren heutigen Abend nicht zerstören.
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