Zusammen gewachsen (Arbeitstitel)

von Ein3
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Hermine Granger Severus Snape
10.07.2020
01.08.2020
9
10.621
6
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22.07.2020 1.376
 
Heute geht es endlich weiter. :)
ich bin super gespannt, was ihr dazu sagt - lasst es mich wissen, ja?

EDIT: Ups, da hab ich doch glatt das letzte Kapitel noch mal hochgeladen ><
Tut mir leid, jetzt passt es wieder ^^
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18.05.1998 – Teil V

„Wo bist du gewesen, Mine? Ich hab‘ mir schon Sorgen gemacht.“, murrte Ron, kaum hatte sie die Küche betreten. Molly war, wie seit der Beerdigung vor gut einer Woche üblich, nicht zu sehen. Sie kam meist erst gegen Mittag runter und ging nach dem Tee wieder zu Bett. Es war seltsam leer im Fuchsbau, obwohl mehr Leute als üblich ein und aus gingen. Morgens machte Hermine für alle Frühstück, mittags kümmerte sich Charlie oder Ginny um die Verköstigung, den Tee richtete meist Harry oder Mr. Weasley und das Abendessen kochte Percy. Percy stellte sich als ähnlich talentiert in der Küche raus, wie Molly und er schaffte es als einziger neben Arthur Weasley zu Molly durchzudringen, wenn sie im tiefen Loch der Trauer versank. „Dir auch einen guten Abend, Ronald.“, seufzte Hermine und ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Hallo Percy, was gibt es den heute Leckeres zu essen?“ Sie hatte keine Lust sich schon wieder mit Ron zu streiten. Sie wusste nicht mal, warum sie sich stritten. Sie hatte ihm verziehen, dass er sie zurückgelassen hatte. Es war zwischen ihnen sogar kurzzeitig richtig gut gewesen, sie hatten sich geküsst. Sie hatte gedacht, sie hätten eine Ebene gefunden. Und dann war Fred gestorben und alles war auseinandergefallen. Sie waren einfach nicht kompatibel in ihrer Art zu Trauern. Sie flüchtete sich in nahezu blindem Aktionismus, Trauer nur in winzigen Dosen zulassend. Ihr größter Schrecken war die Nacht, wenn sie versuchen musste zu schlafen. Das Gedankenkarussell wollte selten anhalten und oft kamen mit den Erinnerungen auch Emotionen, die sie zittern und weinen ließen, bis sie das Gefühl hatte in tausend keine Stücke zu zerspringen. Ron hingegen ging viel offensiver mit seinen Gefühlen um. Er trauerte um seinen Bruder und verging fast vor Sorge um seine Mutter. Viel Platz für Gedanken um sie schien er nicht zu haben, es sei denn, er konnte ihren Aktionismus kritisieren oder ihr ein schlechtes Gewissen machen, wenn sie sich nicht um die Familie kümmerte. „Wo warst du, Mine?“, fragte Ron erneut. „Ich war in der Winkelgasse, hab‘ mit Severus Snape zu Mittag gegessen und mich nett mit ihm unterhalten.“ „Verarsch mich nicht. Wenn du mir nicht sagen willst, wo du warst, dann halt nicht.“ Ron rauschte beleidigt aus dem Raum, während Teller auf den Tischen flogen und sich Besteck verteilte. „Kann ich dir helfen Percy? Es riecht köstlich.“ „Danke Hermine. Es ist aber schon alles fertig, muss nur noch etwas köcheln.“ Hermine nickte.
Nach dem Essen hatte Hermine wieder einmal Magenschmerzen. Sie saß mit einem Kamillentee in einem großen Ohrensessel in der Bibliothek der Blacks. Es war weit nach Mitternacht, aber sie konnte noch nicht schlafen. Ron hatte sie das ganze Essen über ignoriert, aber es hat sonst niemand bemerkt. Mr. Weasley und Percy hatten aus dem Ministerium berichtet. Sie war nach dem Essen schnell gegangen und hatte auf Harry und Ginny im Grimmaulplatz gewartet. Beide waren nicht lange nach ihr eingetroffen. Ihnen hatte sie ausführlich von ihrem Tag berichtet und auch von dem Gespräch über ihre Blutmagie. Viel dazu gesagt hatten die beiden jedoch nicht. Auch sie hatten sich mit solchen moralsichen Konzepten noch nicht oft beschäftigt. So saß sie da und dachte über die Worte von Severus Snape nache.


Severus Snape atmete durch. Sie war gegangen und er war allein. Seine Füße trugen ihn in die Küche. Er setzte noch einmal Wasser auf und lief dann nach oben. Endlich konnte er ein anderes Hemd anziehen. Mit einer knappen Geste hatte er die Einkaufstaschen vergrößert und eins der schwarzen Hemden aus der Verpackung genommen. Einen Reinigungs- und einen Frischezauber später streifte er es über und atmete auf. Viel besser. Die restliche Kleidung lies er, wo sie war. Er würde sich später darum kümmern. Erst einmal würde er sich im Haus weiter umgucken. Das ungute Gefühl vom Mittagessen im Bezug auf die Grangers hatte sich im Laufe des Tages verstärkt. Miss Grangers Tat ihre Eltern zu schützen war notwendig gewesen, aber die Art und Weise bereitete ihm Bauchschmerzen.  Sie schien sich selbst zu belügen. Sie glaubte, ihre Eltern würden sie mit offenen Armen empfangen, sobald sie ihnen alles erklärt hatte und doch zerging sie fast vor Schuldgefühlen. Er hoffte, die Grangers wären ebenso rational veranlagt, wie ihre Tochter und würden ihr verzeihen können. Aber es würde sie ängstigen, was mit ihnen passiert war. Eine Erinnerung zu verändern war immer eine seelische Vergewaltigung, egal aus welchem Grund sie geschah. Die Beziehungsdynamik der Familie war damit auf jeden Fall massiv verändert worden. Er hofft für Miss Granger, dass sich die Dynamik wieder einspielen würde, war aber nicht so naiv es zu glauben. Je nachdem, wie die Beziehung vorher war, würde es zu einem Bruch kommen. Alle Muggelgeborene hatten bis zu einem gewissen Grad das Problem zwischen den Stühlen zu sitzen. Ihre Eltern kamen bei den Beschreibungen der Magie in den Briefen irgendwann nicht mehr mit, eine einfache Erwähnung von irgendetwas führte zu unendlichen Fragen und Sorgen. Den Schülern gingen irgendwann die Analogien aus oder sie verloren die Geduld mit ihren Eltern. Die Briefe wurden oberflächlicher und seltener und ehe man sich versah, war man sich fremd geworden. Er wusste nicht viel über die Grangers, aber er wusste, dass Hermine mehr als einmal in den Ferien in Hogwarts geblieben war und er erinnerte sich auch an einige Mal, wo Albus erwähnt hatte, dass Miss Granger Teile der Sommerferien im Fuchsbau verbracht hatte. Das konnte man als Indikatoren für eine belastete Muggeleltern-Magierkind-Beziehung deuten. Vielleicht würde er ja noch die Möglichkeit bekommen mit Miss Granger darüber zu reden und sie ein bisschen vorzubereiten, auch wenn er das nicht glaubte und nicht wusste wie er dieses Gespräch mit ihr führen sollte. Sie hatte ja schon bei dem Gespräch über ihre Blutmagie gezeigt, dass sie sich mit dem moralischen Hintergrund der Dinge nicht auf allen Ebenen auseinandergesetzt hatte und dort lediglich intuitiv unterwegs war. „Warum interessiert es dich überhaupt?“, fragte er sich selbst. Es ging ihn alles doch überhaupt nichts an und sollte ihn wirklich weit weniger interessieren als es tat. Er betrat das Schlafzimmer der Grangers. Es war nahezu leer. Ein massiver Kleiderschrank bedeckte eine Wand des Raumes. Ansonsten gab es keine Möbel. Das nächste Zimmer, das er betrat, war das Zimmer von Miss Granger. Sie hatte es nicht betreten, nur die Tür für ihn geöffnet, um einen flüchtigen Blick hinein werfen zu können. Nun nahm er die Atmosphäre in Ruhe wahr. Selbst mit geschlossenen Augen nahm er kaum Magie wahr, sie war eindeutig schon lange nicht mehr hier gewesen. Es gab ein großes Bett, in zartem blau bezogen, mit vielen Kissen darauf und unter der Decke klebten fluoreszierende Sterne. Der Schreibtisch war aufgeräumt, aber der Papierkorb quoll über. In einer Art Regalaufsatz über dem Schreibtisch standen mehrere identische Notizbücher, die alle abgegriffen wirkten. Von ihnen ging eine schwache magische Signatur aus. Er wählte zufällig eins und sah hinein. Es schien sich um eine Mischung aus Notizbuch, Gedankensammlung und Tagebuch zu handeln. Von to do Listen, Fragen zum Unterricht mit Vermerkungen zu Antworten bis hin zu kurzen Einträgen über ihr Gefühlsleben, war alles dabei. Er klappte es wieder zu und stellte es zurück. Ihr Seelenleben als Zweitklässlerin interessierte ihn nicht wirklich, aber es war interessant, dass sie ähnlich zu ticken schien wie er. Er dachte an das Notizbuch einen Raum weiter, das darauf wartete mit Gedanken gefüllt zu werden. Zwei der vier Wände des Zimmers waren mit Regalen bedeckt. Es war eine interessante Mischung aus Muggelliteratur und magischen Werken und an einigen Stellen fehlten Werke als würden sie aktuell benutzt. Da waren einige Tränkebücher, die er selbst auch besaß, Grundlagenwerke über Alchemie -was wollte sie damit? - einige fortgeschrittene Werke zu Zauberkunst und Verwandlung, ein dickes Lateinwörterbuch und eine Grammatik, Bücher über Heilung, ein dickes Buch über Biologie, ein paar Romane und sogar einige Kinderbücher. Der Teekessel pfiff und er beendete seinen Streifzug.
Während seines Tees beschloss er noch schnell einkaufen zu gehen und sich dann früh zu Bett zu begeben. Er war doch erschöpfter als er erwartet hatte zu sein.
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