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Zusammen gewachsen (Arbeitstitel)

von Ein3
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Hermine Granger Severus Snape
10.07.2020
01.08.2020
9
10.621
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16.07.2020 1.317
 
18.05.1998 – Teil III

Das kleine Lokal war gut besucht und doch nicht überfüllt. Eine junge Kellnerin führte sie an einen Tisch auf einer Empore. Von hier aus konnte man den gesamten Laden überblicken, ohne sich eingezwängt zu fühlen. Die junge Frau legte freundlich lächelnd zwei Speisekarten auf den Tisch. „Darf ich Ihnen schon etwas zu trinken bringen?“ Hermine bestellte Wasser, Snape einen schwarzen Tee. Der Tränkemeister musterte Hermine, über den Rand der Karte hinweg unauffällig.  Sie war immer noch klein, er schätzte um die 1,65m, hatte aber beträchtlich an Gewicht verloren. Ihr Gesicht war schmal und unter ihren Augen lagen dunkle Schatten. Nur ihre Haare waren wirr und kraftvoll, genau wie er sie in Erinnerung hatte. Der kleine Stunt Potter am Leben zu halten schien ihr nicht gut getan zu haben. Als hätte sie seine Blicke gespürt, sah sie auf. Ihre Augen, schon immer aufmerksam gewesen, zeigten nun eine Reife, die jenseits ihres eigentlichen Altes lag. Wie alt war sie jetzt eigentlich? 18? Oder 19? Routiniert ließ er sich seine Musterung nicht anmerken. „Haben Sie schon gewählt, Miss Granger?“ „Ja, ich werde die Hähnchenschnitzel mit Kartoffeln nehmen. Und Sie?“, antwortete sie, während sie die Karte zuschlug. „Und Sie?“ „Ich nehme den Kartoffeleintopf.“ Dies war zwar nicht gerade eine saisonal passendste Wahl, würde ihm aber hoffentlich nicht allzu große Schmerzen beim Schlucken bescheren. Wie aufs Stichwort brachte die Kellnerin die Getränke und nahm ihre Bestellung auf. Hermine bat sie, den Koch zu bitten mit den Gewürzen bei Soße und Huhn sparsam umzugehen. „Haben Sie Probleme mit Ihrem Magen, Miss Granger?“, fragte Snape interessiert. Hermine lächelte ihn erneut an. „Leider ja, Professor. Die Zeit auf Reisen haben ihm nicht gutgetan.“ Ihre Worte wirkten beiläufig, ein Nicht-Eingeweihter hätte nicht verstanden, was sie alles mit diesen paar Worten vermittelte. Snape verstand jedoch sofort. Zum wiederholten Mal verfluchte er Albus und seine Geheimniskrämerei. Das dieses Himmelfahrtskommando überhaupt funktioniert hatte, war ein Wunder sondergleichen. „Ich verstehe. Aber Miss Granger, ich bin nicht mehr Ihr Lehrer und werde es, Merlin sei Dank, auch nie wieder sein. Professor ist also nicht mehr korrekt.“ Dass die Zaubererwelt den Titel Professor für Lehrer gebrauchte und ihn wieder entzog, wenn diese Anstellung nicht durch Tod oder Pension endete, war immer wieder ein seltsamer Gedanken und zeigte wieder mal eindrücklich, dass man zwar Dinge aus der Muggelwelt adaptierte, sie aber nicht zur Gänze verstand beziehungsweise verstehen wollte. „Sie werden nicht wieder unterrichten, Meister Snape?“, fragte sie ohne echte Überraschung. Er stolperte kurz über die Anrede. Der Meister war gleichzusetzen mit einem Doktortitel in der Muggelwelt, wurde aber nicht mehr oft als Anrede gebraucht. Einige Meister ließen sich von ihren Lehrlingen so nennen und einige Meister sprachen sich untereinander mit ihrem Titel an. Meist war die Beziehung dann aber von Spannungen geprägt. Allgemein verlockte ihn diese eher reinblütige Etikette nicht. Er haderte mit sich, ob er sie bitten sollte ihn mit seinem Vornamen anzusprechen, verwarf diesen Gedanken aber direkt wieder. Es war immer noch Miss Granger, Potters Anhängsel und Vertraute. „Mr. reicht völlig, Miss Granger. Ich kenne meine akademischen Grad. Und ja, wie sie sicher schon vermutet haben, werde ich nie wieder als Lehrer arbeiten.“, antwortete er also. „Ja, das dachte ich mir schon. Darf ich fragen, was Sie nun vorhaben, wenn Sie nicht mehr unterrichten?“ „Ich werde erst einmal ein Haus kaufen und ein Labor einrichten, dann werde ich privat brauen. Ich habe früher schon hier und da für das St. Mungo gebraut, ich denke, diese Beziehung lässt sich wiederaufleben. Wie sind Ihre Pläne?“ Das Essen wurde aufgetragen, es roch köstlich. Viel besser, als das, was man ihm die letzten Tage als Essen hatte verkaufen wollen. Hermine spießte das erste Stück Hähnchen auf und schloss genießerisch die Augen. „Das klingt gut. Ich plane nach Australien zu gehen und meine Eltern zu finden und zum ersten September trete ich mein letztes Jahr in Hogwarts an.“, erzählte Hermine freimütig. „Ihre Eltern sind in Australien? Hat der Orden sie so weit weggeschickt?“, fragte Snape. Hermine strafte unwillkürlich ihre Schultern und sah im direkt in die Augen. „Nein, das war ich! Der Orden hat damit nichts zu tun. Ich modifizierte ihre Erinnerungen und sandte sie fort.“, sie schluckte kurz, trank einen Schluck Wasser und spielte dann mit dem Glas. „Der Orden hat ihre Sicherheit also schlichtweg vergessen und sie damit allein gelassen. Kollektiv unfähiger Haufen.“, raspelte Snape und legte seinen Löffel in seinen Teller. Es war ein gutes Gefühl einmal ehrlich Stellung beziehen zu können, zu dem Murks, den der Orden oft genug verzapfte, ohne dafür bluten zu müssen. Sie hatte weit mehr geleistet, als die meisten doppelt so alten und erfahrenen Hexen. Er hoffte nur, sie hatte wirklich nur ihre Erinnerungen wiederbringlich modifiziert, er wollte nicht in der Zeitung lesen müssen, dass der Kopf des goldenen Trios ihre Eltern leider zu hirnlosem Gemüse hatte werden lassen, indem sie mit Erinnerungsmagie hantierte, die sie nicht zur Gänze verstand. Mental machte er sich an dieser Stelle eine Notiz den Tagesprofeten wieder zu abonnieren und fragte unverblümt nach ihrem Vorgehen. „Wie gedenken Sie die Modifikation rückgängig zu machen?“ Es entstand ein angenehmer, nahezu fachlicher Austausch über Gedankenmagie und natürlich hatte Miss Granger ihre Hausaufgaben gemacht. Sie würde die Erinnerungen ohne bleibende Schäden wiederherstellen können. Trotzdem störte Snape irgendetwas an der ganzen Sache. Er wusste nicht genau, was es war. Aber irgendwas übersah er, auf seine Intuition war verlass. Es lag direkt vor ihm, war aber nicht greifbar und frustrierte ihn. Irgendeine Information fehlte ihm scheinbar.
Nachdem Essen -nein, sie wollten kein Dessert- bezahlte der Träkemeister die Rechnung, während Hermine den Sanitärbereich aufsuchte, was sie später mit einem Lächeln und einem fast schon schüchternen „Danke, das wäre aber nicht nötig gewesen“ quittierte. „Wie sind Ihre weiteren Pläne für heute, Mr. Snape?“ erkundigte sie sich. „Ich werde neue Kleidung besorgen müssen und ein Zimmer für die Nacht mieten.“, begann er zu erzählen als Hermine ihm nahezu ins Wort fiel. „Wozu brauchen Sie ein Zimmer? Warum kehren Sie nicht nach Hogwarts zurück?“ „Miss Granger, benutzen Sie Ihren Kopf. Sehe ich so aus als würde ich je wieder im Schloss nächtigen wollen?“ Sie errötete leicht. „Verzeihen Sie, ich habe nicht nachgedacht.“ „Offensichtlich.“, schnarrte er in altbekannter Snape Manier. „Ich nehme stark an, Harrys Haus wird dann auch nicht in die engere Wahl fallen.“, überlegte sie laut, ohne seinem Einwand Beachtung zu schenken. „Der Tropfende Kessel wird es für ein paar Tage tun, versichere ich Ihnen.“ „Der Tropfende Kessel?! Sir, das kann nicht Ihr Ernst sein, Sie werden keine ruhige Minute haben. Glauben Sie mir, Sie waren viel zu involviert in alles, um nicht belagert zu werden.“ Und wieder fand sie eine so schöne Umschreibung der Situation. Seit wann war sie so direkt und doch umsichtig mit ihren Worten? Er würde Tom genug Gold auf den Tresen legen, dass er die Sache diskret behandeln würde und natürlich war er immer noch ein Zauberer. „Und was schlagen Sie vor, Miss Granger?“, gab er ihr den Spielball. Mal sehen mit welcher Idee Sie aufwarten würde. Hermine überlegte einen Moment. „Sie nehmen das Haus meiner Eltern. Es steht aktuell doch eh leer und ich lebe momentan bei Harry im Gimmaulplatz“ Er sollte was? „Das Haus Ihrer Eltern?“ „Ja, überlegen Sie doch mal, Sie suchen eine Bleibe, die sicher ist und wo Sie Ihre Ruhe haben und ich besitze ein momentan leerstehendes Haus, welches ich nicht nutze. Es ist eine logische Lösung für Ihr Problem.“, erörterte sie. Snape überlegte einen Moment. Warum sollte er dieses Angebot nicht annehmen? „Wenn Sie darauf bestehen, werde ich mich nicht wehre. Danke.“, antwortet er schlicht. Hermine lächelte. „Dann ist das beschlossene Sache.“
Sie verabredeten, dass sie sich in 3 Stunden wieder vor dem Lokal treffen würden, um zusammen in das Haus der Grangers zu apparieren und brachen in unterschiedliche Richtungen auf. Severus Snape ging Richtung Muggel London, während Hermine sich ihre Kapuze wieder tief ins Gesicht zog und Richtung Tropfenden Kessel eilte.
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