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Waffenbrüder Staffel 1 - 8. Der Plan

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Aramis Athos Captain Treville D'Artagnan Milady de Winter Porthos
10.07.2020
12.07.2020
3
4.685
8
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 
12.07.2020 2.212
 
Hallo, meine Lieben!

Zum dritten Mal Willkommen an diesem Wochenende, zum letzten Kapitel von „Der Plan“!

Ich habe festgestellt, dass diese Geschichte ein persönliches Jubiläum für mich ist – nämlich meine 50. Geschichte, die ich hier auf ff.de poste! Und außerdem habe ich bei „Klopfen an der Tür“ von Deira mein 2.500stes Review bekommen!! Genau die richtige Stelle, auch heute wieder heißen Dank den lieben Reviewschreiberinnen zu sagen, die erneut von gestern auf heute schon ein Feedback dagelassen haben: Auma, Brigitte, nessi00, und Deira sogar zwei! Fühlt Euch mal fest gedrückt (100% virenfrei ;-)!

Wie ich einigen von Euch schon in den Reviewantworten verraten habe beinhaltet dieses Kapitel eine meiner liebsten Szenen aus der gesamten Serie – nämlich die, die mich zu dem Pairing und somit letztlich zu der kompletten Waffenbrüder-Reihe inspiriert hat! Am Kapitelende erkläre ich, was ich meine :-)!

Heute teile ich meine heißgeliebtes Eiskonfekt mit Euch und reiche dazu Kaffee oder Tee und wünsche noch einmal angenehmes Lesevergnügen!

Eure Ann

 

(...) „Nun - er hat bekommen, was er verdiente...“, erwiderte Athos schließlich ausdruckslos.

„Ja, natürlich!“, murmelte Serge mit bissigem Unterton für alle deutlich vernehmbar. „Waffenbrüder... Alle für einen - oder wie war das noch gleich?“ Damit drehte er sich um, verschwand in der Küche und knallte die Tür hinter sich zu.

Athos sah ihm sinnend nach.

Wenigstens einer in der Garnison, der ohne die Wahrheit zu kennen d’Artagnan die Treue hielt... Abrupt stand er auf und murmelte: „Ich bin drinnen, sollte man mich brauchen...“

Porthos und Aramis wechselten einen kurzen Blick, doch keiner von ihnen sagte etwas. Stattdessen nickte Aramis nur.

 

- Kapitel 3: Unverbrüchliche Freundschaft -


Weiter hieß es warten. Darauf, dass d’Artagnan ihnen irgendein Zeichen gab, wann und wie es weitergehen sollte.

Doch er schickte keine Nachricht - er kam selbst. Am Nachmittag betrat er mit großen Schritten den Hof der Garnison, die Hand schützend auf die Stelle gelegt, an der die Schusswunde sein musste.

Aramis war so erstaunt, dass er sich fast an seinem Wein verschluckte. Sofort überlegte er, ob etwas schief gegangen sei - ob es dem jungen Mann vielleicht schlechter ging, doch Porthos war der bessere Pokerspieler und rief provokant: „Oh, oh, oh!“ Gleichzeitig stand er auf, und Aramis beschloss, es ihm gleich zu tun. Gemeinsam stellten sie sich d’Artagnan also in den Weg.

„Wo warst du?“, verlangte Porthos angriffslustig zu wissen.

„Im Bett!“, erwiderte d’Artagnan, nicht weniger angriffslustig. „Verletzt!“

Die Scharade ging also weiter, verstand Aramis. Aus den Augenwinkeln sah er, wie mehr und mehr Kameraden zu ihnen traten und das Geschehen aufmerksam beobachteten. Und deshalb hakte er in spöttischem Tonfall nach: „Du warst nicht allein, denke ich. Wie geht es Madame de la Chapelle - oder benutzt sie jetzt wieder den Namen Milady de Winter? Hach - ich komm durcheinander!“ Er wandte sich mit übertrieben fragendem Blick an Porthos, der ebenso übertrieben die Schultern zuckte.

„Sie war wohlauf, als ich sie das letzte Mal sah“, erwiderte d’Artagnan laut und fügte bissig hinzu: „Kein Verdienst ihres liebenden Gatten!“

Und als sei dies sein Stichwort, betrat Athos in diesem Moment den Hof. Keiner beachtete ihn, aller Augen waren auf das Spektakel gerichtet, das d’Artagnan, Porthos und Aramis veranstalteten - sehr glaubwürdig übrigens. Und so nahm er sich einen Moment Zeit, um sich endlich mit eigenen Augen von d’Artagnans Wohlergehen zu überzeugen. Er war etwas blass, wirkte angespannt - in seiner Lage kein Wunder, auch wenn nichts von alledem echt war - aber ansonsten schien er wohlauf. Und Athos kämpfte mit aller Macht, sich seine abgrundtiefe Erleichterung nicht ansehen zu lassen. Stattdessen holte er tief Luft, bereitete so seinen Auftritt vor, und merkte weithin hörbar in scharfem Ton an: „Sieh an - wieder auferstanden aus dem Grab!“

D’Artagnans Blick fuhr auf, fixierte ihn, und er entgegnete wütend: „Du hast es nicht geschafft, mich zu töten, falls du darauf anspielst!“ Wieder verhakten sich ihre Blicke, und Athos tat es weh, den Schmerz über die Ablehnung seiner Freunde in d‘Artagnans Augen zu sehen - ob gespielt oder echt, tat dabei nichts zur Sache.

Da rief Tréville nicht unfreundlich von der Galerie herab: „Was sucht Ihr hier?“

Der Gascogner wandte sich ihm zu, breitete in einer Persiflage eines respektvollen Geste beide Arme aus und merkte bissig an: „Ich bin immer noch ein Musketier - auch wenn Athos sich das anders wünschen mag!“

„Das werden wir unter uns besprechen!“, befahl Tréville fest, drehte sich um und ging in seine Amtsstube.

Die umstehenden Kameraden murmelten leise, als d’Artagnan mit hoch erhobenem Haupt die Treppe zu Tréville nach oben ging, gefolgt von Aramis, Porthos und Athos.

 

Nebeneinander standen sie vor Trévilles Schreibtisch, und kaum war die Tür geschlossen, fixierte Athos den Jüngsten in ihrem Bunde, und das einzige, was er zu sagen wagte war in bemüht trockenem Tonfall: „Gut - du bist also nicht tot.“

Fast augenblicklich nahm d’Artagnan die Herausforderung an, erwiderte den Blick mit einem kaum merklichen Funkeln in den Augen, das Athos mehr freute als alles andere an diesem gottverdammten Tag, und entgegnete: „Und du nicht betrunken!“

Einen Moment lang herrschte angespanntes Schweigen - bis Porthos loslachte. Sein ansteckendes, mitreißendes, polterndes Lachen, und sofort stimmten d’Artagnan und Aramis mit ein, während Athos endlich ein befreites Lächeln über seine Lippen huschen ließ. Und wie von Magneten angezogen traten die vier aufeinander zu, umarmten sich gleichzeitig und bildeten einen Kreis untrennbarer Einheit. D’Artagnan spürte Porthos‘ und Athos‘ Arm über seinen Schultern und Aramis‘ leuchtenden Blick auf sich ruhen, warm, vertraut und voller Zuneigung. Athos erkannte deutlich, wie fast augenblicklich die Spannung aus dem Gesicht des Jungen, aus der Schulter unter seiner Hand wich, als sie ihm so ihre unverbrüchliche Freundschaft versicherten, und er warf einen kurzen, dankbaren Blick zu Tréville, der diesen besonderen Moment möglich gemacht hatte.

Der Hauptmann wusste auf eine geheimnisvolle Art immer, was seine Männer brauchten.

Als sie sich voneinander lösten, klopfte Athos noch einmal d’Artagnans Flanke, woraufhin dieser aufzischte und erklärte: „Vorsicht - denk dran, ich bin verwundet!“

Der leise neckende Unterton sollte seinen Worten die Schärfe nehmen, doch Athos ging darauf nicht ein, sondern erwiderte zwar ohne Schuld, aber doch voll tiefem Ernst: „Tut mir leid - wie schlimm ist es?“ Unwillkürlich streckte er die Hand aus, als wolle er damit die Wunde berühren - und d’Artagnan erstarrte. Für eine winzige Sekunde nur - doch da war etwas in Athos‘ Blick, in seinen ruhigen, fürsorglichen Worten, in seiner Geste. Etwas, das d’Artagnan zutiefst anrührte, das ihm mit einem Mal das Gefühl gab, wichtig und wertvoll zu sein.

Um seine Verwirrung zu verbergen, entgegnete er schließlich trocken: „Schlimm genug...“, und fügte in bewusst übertrieben vorwurfsvollem Ton hinzu: „Du solltest mir in den Arm schießen!“

Und er war Athos dankbar, als dieser auf den leichten Ton einging und scheinbar verwundert erwiderte: „Ein Schuss in die Seite ist viel authentischer!“, was ihm erneutes Lachen der anderen drei einbrachte.

„Ist Milady im Glauben, wir hätten Euch aufgegeben?“, brachte sich nun Tréville in das Gespräch ein.

Automatisch straffte d’Artagnan sich, als er seinem Hauptmann antwortete, doch Athos nahm sehr wohl wahr, dass er unbewusst dabei erneut die Hand schützend an die Seite legte. „So gut wie!“, erklärte d’Artagnan Tréville. „Es fehlt nur noch eine winzige Kleinigkeit, um sie zu überzeugen.“

„Und die wäre?“, wollte Athos wissen.

„Nichts so schwieriges“, erwiderte der Jüngere, suchte Athos‘ Blick, und das plötzlich darin auftauchende verschmitzte Funkeln hätte ihn warnen sollen. „Ich muss dich töten!“, beendete d’Artagnan seinen Satz, zog in einer unwiderstehlich neckenden Geste die Augenbraue hoch - und fand ein leises Lächeln in Athos’ Blick.

„Nun,“ erwiderte dieser gelassen, „das sollte machbar sein. Doch bevor wir irgendetwas unternehmen, wird sich Aramis deine Wunde ansehen.“

D’Artagnan stutzte, dann lachte er trocken auf und erwiderte: „Das geht nicht. Milady persönlich hat mich verbunden. Sie wird merken, wenn jemand anderer sich daran zu schaffen gemacht hat.“

Athos sagte kein Wort - nur sein Blick haftete fest an dem des Jüngeren. Der sah Tréville und die anderen an, die aber mit verschränkten Armen und abwartendem Blick signalisierten, sich nicht in die Verhandlungen einmischen zu wollen.

Athos dagegen griff nach seiner Schulter, schob ihn nicht unsanft auf einen der Stühle und hockte sich vor ihn, um auf Augenhöhe mit d’Artagnan zu sein.

„Du hast viel gewagt, d’Artagnan“, erklärte er voller Ruhe, was seine Worte aber nur umso eindringlicher machten. „Du bist verletzt und allein auf dich gestellt. Ich weiß, dass das alles notwendig ist. Aber es gefällt mir nicht. Und das Einzige, was ich tun kann, ist dafür zu sorgen, dass wenigstens deine Wunde ordentlich versorgt ist.“

Keine Sekunde hatten die klaren, grünen Augen d’Artagnans aus dem Blick gelassen - und da war es wieder: Dieses seltsame, unbekannte, warme Gefühl, auf eine ganz besondere Art geschätzt zu werden – zutiefst sicher und beschützt zu sein - das d’Artagnan einhüllte und völlig entwaffnet zurück ließ. Und so nickte er schließlich nur knapp. Sofort erhob sich Athos, brach damit den Blickkontakt und bat schlicht: „Aramis?“

Der Freund nahm Athos´ Platz ein, sprach in lockerem, freundschaftlichem Ton mit d’Artagnan, gab ihm Anweisung, sein Hemd auszuziehen und arbeitete mit behutsamen, geschickten Fingern, um das Ausmaß und den Zustand der Verletzung festzustellen - und doch fühlte d’Artagnan mit einem Schlag eine seltsame Leere, eine bis dahin völlig unbekannte Sehnsucht, als Athos´ Blick den seinen freigegeben hatte. Unwillkürlich spannte er sich erneut an, und Aramis musterte ihn besorgt.

„Hast du Schmerzen?“, wollte er mit zusammengezogenen Augenbrauen wissen. Stumm schüttelte d’Artagnan den Kopf.

Da spürte er eine Hand, die sich von hinten fest und doch sacht auf seine Schulter legte.

„Entspann dich, d’Artagnan. Im Moment bist du sicher...“, hörte er Athos´ ruhigen Bariton, und Aramis sah an ihm vorbei den älteren Freund dankbar an, als der junge Mann fast augenblicklich der Bitte nachkam, einmal tief durchatmete und gleichzeitig die Schultern sinken ließ.

„Schon besser“, lobte Aramis und fuhr mit seiner Untersuchung fort.

Schließlich bandagierte er die Wunde neu, stand auf, grinste seinen Patienten aufmunternd an und erklärte an Athos gewandt: „Guter Schuss.“ Als sich dessen Miene mit einem Schlag verfinsterte, während Porthos leise gluckste, fügte Aramis hastig hinzu: „Minimaler Schaden. Die Rippen haben nichts abbekommen, es ist nicht entzündet, und am Ende wird nur eine schmale Narbe zurückbleiben!“

Dankbar nickte d’Artagnan ihm zu, griff nach seinem Hemd, um es über die frische Bandage zu ziehen.

Athos stand immer noch hinter ihm, beobachtete den etwas ungelenken Versuch, den Stoff über die verletzte Seite zu ziehen und griff ohne Nachdenken zu, um ihm zu helfen.

D’Artagnan drehte sich zu ihm und nickte ihm dankend zu, bevor er mit ruhiger Gewissheit erklärte: „Ich wusste, dass alles in Ordnung ist. Du würdest mir niemals ernsthaften Schaden zufügen.“

Das blinde, bedingungslose Vertrauen, das der Junge ihm mit diesen Worten bewies machte Athos für einen Moment sprachlos, und so war dieses Mal er es, der zum Dank knapp nickte. Doch seine Augen verrieten für einen kurzen Moment, wie sehr ihn diese Worte berührten. Noch einmal verhakte sich ihr Blick und sie teilten etwas, was sie beide noch nicht zu deuten wagten...

Porthos räusperte sich. „Wenn es unserem jungen Helden also gut geht, sollten wir mal darüber sprechen, wie er Athos ins Jenseits befördert!“

D’Artagnans Kopf flog zu ihm herum. „Ich werde ihn nicht töten!“, erklärte er vehement - und stockte verlegen, als die anderen gutmütig lachten.

„Da bin ich dir sehr verbunden!“, erklärte Athos, der seinen trockene, stoische Art wiedergefunden hatte.

Alles war wieder normal - und einen Moment lang überlegte d’Artagnan, ob er sich die intensiven Blicke und die seltsamen Gefühle vielleicht nur eingebildet hatte. Doch dann lenkten die anderen seine Gedanken auf die Planung von Athos´ bühnenreifem Ableben...

 

 

Das war also „Der Plan :-)

Die Dialoge und Handlungen sind bis zu d’Artagnans launigem „Ich muss dich töten!“ original aus der Serie. Die Szene endet dort – aber mir war das zu wenig, weshalb Ihr mehr lesen durftet ;-)

Ich hoffe, dass insbesondere diejenigen von Euch, die der Szene in Trévilles Büro entgegengefiebert haben, zufrieden mit meiner Umsetzung sind *gespannt zu Auma hinüberschaue*. Genau diese ist eine meiner liebsten Stellen – und Athos‘ Satz und Geste „Tut mir leid – wie schlimm ist es?“ ist schuld an all den Waffenbrüder-Geschichten. Seine Geste, sein Tonfall haben irgendetwas in mir angerührt (so wie hier in d’Artagnan) – und auf einmal war die Idee geboren – dass Athos mehr für den Gascogner empfinden könnte als Freundschaft und Brüderlichkeit... :-)!

Ich kann übrigens echt verstehen, wenn man das nicht nachvollziehen kann; die Serie ist schließlich wirklich nicht auf Slash ausgelegt. Bei mir war es halt so *zwinker*!

Nächste Woche beginnt die längste Waffenbrüder-Geschichte (9 Kapitel – die ich definitiv NICHT an einem Wochenende poste, obwohl es da viel fiesere Cliffhanger geben wird ;-).

Zwei Hinweise, um vielleicht bei der ein oder dem anderen ein bisschen die Vorfreude zu schüren:

*Zum einen hat sie das Rating P18 Slash (also alle 9 Kapitel zusammen)...Warum auch immer... ;-)

*Zum anderen ist das erste Kapitel dieser Geschichte zugleich die allererste Waffenbrüder-Geschichte, die ich geschrieben habe, die erste Idee, die in meinem Kopf war, nachdem ich Folge 1x10 gesehen habe :-).

Deshalb freue ich mich unbändig darauf, sie Euch endlich vorstellen zu können! Zugleich danke ich allen von Herzen, die diese Reise bis hierher beständig mitgemacht haben!

Euch allen wünsche ich einen schönen Restsonntag und eine entspannte Woche!

GLG

Ann
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