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Waffenbrüder Staffel 1 - 8. Der Plan

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Aramis Athos Captain Treville D'Artagnan Milady de Winter Porthos
10.07.2020
12.07.2020
3
4.685
8
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
10.07.2020 1.302
 
Hallo, Ihr Lieben!

Diese neue Waffenbrüder-Geschichte besteht aus 3 Kapiteln, die jedes für sich für meine Verhältnisse kurz sind und inhaltlich eng zusammenhängen. Das auf drei Freitage zu verteilen finde ich blöd – es würde alles zu sehr auseinanderzerren. Vor allem aber habe ich hier bei den Waffenbrüdern eine kleine, aber derart treue und liebe Leserschaft, dass ich Euch gerne einmal etwas Gutes tun möchte, und deshalb habe ich mich entschlossen etwas für mich sehr Ungewöhnliches zu tun: Ich werde die drei Kapitel alle nacheinander an diesem Wochenende posten – Freitag, Samstag und Sonntag jeweils eins. Ich hoffe sehr, das ist in Eurem Sinn :-)!

Nun könnt Ihr also entscheiden, ob Ihr jeden Tag ein Häppchen lest (990 Worte/940 Worte/ 1.600 Worte) – oder am Sonntag die ganze Geschichte in einem Rutsch.

Inhaltlich befinden wir uns in der Folge 1x10 „Tote leben länger“ („Musketeers don’t die easily“). Ich denke, die Handlung der Serie habe ich so in den Text integriert, dass man es versteht, auch ohne die Folge zu kennen. Die Dialoge in diesem Kapitel sind original aus der Serie, die Inneneinsichten von mir.

Heute stelle ich mal ein paar Toffifee und andere Nervennahrung in Form von Schoko-Cookies und Eis in beliebigen Sorten bereit und wünsche spannende Unterhaltung!

Ann



Der Plan

- Kapitel 1: Vertrauen -


„Athos - er hat eine Frau als Geisel genommen. Er droht, sie zu töten!“

Porthos‘ alarmierter Ruf war wie eine Erlösung für d’Artagnan.

Hier im Hof der Garnison zu sitzen, mit Aramis zu plaudern, als sei nichts Außergewöhnliches im Gange und dabei fröhlich und unbekümmert auszusehen, während er scheinbar geruhsam einen Apfel in Scheiben schnitt kostete ihn all seine Beherrschung. Doch sie mussten alle außerhalb ihrer kleinen, verschworenen Gemeinschaft davon überzeugen, dass alles, was von jetzt an geschah, echt war.

Und so ließ d’Artagnan den Apfel fallen und stürmte mit Aramis und Porthos los, Richtung Marktplatz. Die Besorgnis dabei musste er nicht spielen.

Ihr Plan, den sie seit nun knapp drei Monaten schmiedeten, war verrückt, voller Unwägbarkeiten. Doch er war derjenige, der darauf beharrt hatte, dass es durchführbar sei. Darauf beharrt, er sei in der Lage, Milady zu überzeugen, dass er sich um ihretwillen gegen seine Freunde und Kameraden stellen würde. So ihr Vertrauen gewinnen konnte - um letztendlich sie und den Kardinal zu überführen.

Um ihre Königin vor deren Intrige zu retten.

Nun war es soweit, zu beweisen, dass er halten konnte, was er versprochen hatte. Und mit einem Mal packte ihn Furcht.

Nicht um sich und sein Leben - er vertraute auf seine Fähigkeiten und auf die seiner Freunde - aber gleich würde er Athos konfrontieren, auf offener Straße; vor aller Augen zugeben, dass er mit dessen Frau geschlafen hatte.

Er wusste, dass Athos ihm nicht zürnte, ihm nichts nachtrug. Er hatte sogar im Stillen das Gefühl, der Ältere halte ihn für das Opfer in Miladys Ränkespiel. Und doch war es etwas völlig anderes, das unter vier Augen mit dem Freund zu besprechen - oder vor allen Kameraden, die den dreien jetzt auf den Marktplatz folgten, auszubreiten...

Sein Atem ging heftig, als Porthos, der voran rannte mit einem wütenden „Weg da! Aus dem Weg!“, Platz für sie schaffte. Dann abrupt stehen blieb, um in völlig anderem, beschwörenden Tonfall zu bitten: „Athos... Athos - lass sie los!“

Und dann fing d’Artagnans Blick die Szene ein. Wie aus einem Albtraum: Athos - leicht schwankend, mit blutunterlaufenen Augen, scheinbar betrunken - umklammerte mit der Rechten seine Pistole, mit der Linken Miladys Hals, zog sie so mit dem Rücken an seine Brust. Eine Geste, die etwas verwirrend Intimes und zugleich düster Bedrohliches hatte.

„Sie ist eine Lügnerin und eine Mörderin! Sie hat für den Kardinal spioniert!“, verteidigte sich Athos, und fügte mit Verbitterung hinzu: „Und sie ist meine Frau...“

Die drei wechselten einen entsetzten Blick, als sei diese Information völlig neu und schockierend für sie, während Athos ihren Hals ein wenig fester umklammerte.

D’Artagnan wusste aus unzähligen Trainingseinheiten um die Stärke dieser Hand, wusste, dass Milady keine Chance hatte, dem unerbittlichen Griff zu entkommen - und sie wusste es auch. Ihr Blick aus den panisch geweiteten Augen fand d’Artagnan, den einzigen, von dem sie sich offenbar Gnade erhoffte und flehte: „D’Artagnan - hilf mir! Er ist wahnsinnig!“

D’Artagnan fand sich dem nun ihm geltenden erstaunten Blick seiner Freunde ausgesetzt, und Athos fragte finster: „Du kennst sie?“

Er wusste, dass all das hier ein Schauspiel war, wohl überlegte Sätze und Szenen, und doch spürte d‘Artagnan erneut die Scham, die Sprachlosigkeit, die ihn überfallen hatte, als er das erste Mal erfuhr, dass Milady Athos‘ Frau war. Und so war sein unbehaglicher Blick echt, als Aramis scheinbar ein Licht aufging: „Sie ist also deine geheimnisvolle Wohltäterin? Seid ihr auch... ein Paar?“

„Nur einmal! Bevor ich euch kannte!“, versicherte d’Artagnan hastig, was ihn aber nicht vor Porthos entrüstetem Ausruf schützte: „Du hast mit ihr geschlafen?“

Seine Verzweiflung war nahezu greifbar, als er noch einmal versuchte, zu erklären: „Ihr versteht das nicht...“ Doch Porthos stieß ihn grob vor die Brust - und auch wenn er genau wusste, dass sein Freund es nicht im Ernst meinte, versetzte d‘Artagnan diese Zurückweisung einen sehr realen Stich. Denn egal, was Athos vor einigen Wochen gesagt hatte - in diesem Moment hatte er das Gefühl, genau das zu bekommen, was er verdiente.

Und dann sprach Athos. Voll kalter Wut. „Du hast es mir verheimlicht!“

Die beiden Männer fixierten einander. Vergaßen alle anderen um sie her, und ein letztes Mal versuchte d’Artagnan verzweifelt zu erklären: „Nein, Athos - ich schwöre, ich wusste das nicht! - Ich wusste es nicht!“

Der Tonfall des Älteren änderte sich schlagartig, wurde beinahe freundlich - wäre da nicht der beißende Sarkasmus gewesen, als er forderte: „Dann musst du dich jetzt entscheiden, d’Artagnan: Stellst du dich auf ihre Seite, hast du keinen Platz im Kreis der Musketiere!“

D’Artagnan versuchte zu verbergen, wie sehr ihn diese Worte trafen. Kurz schoss die Erinnerung an den Tag durch seinen Kopf, als sein Traum, ein Musketier zu werden, mit einem Schlag zunichte schien, weil sein Hof - seine einzige Einnahmequelle - dem Erdboden gleich gemacht worden war... Doch bevor das Gefühl ihn beherrschen konnte, riss er sich zusammen, fand in seine Rolle zurück und flehte Athos an: „Du darfst ihr nichts antun!“

Milady, die ihre vermeintlich einzige Chance witterte, das hier zu überleben, stieß in echter Todesangst noch einmal hervor: „D’Artagnan - hilf mir!“

Und als d’Artagnan eine kaum merkliche Bewegung auf die beiden zumachte, hob Athos die Pistole und zielte mit sicherer Hand auf den jungen Mann. Augenblicklich schob Porthos den Gascogner zurück, während Aramis die Hände in einer beruhigenden Geste zu Athos ausstreckte und eindringlich bat: „Lass uns darüber reden, Athos! Nimm sie runter!“

„Aufhören! Schluss damit! Das ist ein Befehl!“, donnerte in diesem Moment Trévilles Kommandostimme wie aufs Stichwort über den Platz, lenkte die drei älteren Musketiere einen winzigen Moment lang ab, und d’Artagnan nutzte die Chance und sprang auf Athos zu.

„D’Artagnan - nein!“, schrie Aramis - doch natürlich konnte er damit das Folgende nicht verhindern...

D‘Artagnan verhakte seinen Blick mit dem von Athos - und erkannte, wie dieser zögerte.

Für einen winzigen Augenblick versuchte der Jüngere verzweifelt, mit einem einzigen Blick seinem Freund eine Botschaft zu vermitteln:

Tu es! Ich vertraue dir...

Damit griff er nach der Pistole - und Athos schoss...

tbc...

 

Athos hat auf d’Artagnan geschossen – echt!

Und in der Serie ist zunächst nicht klar, dass das ganze ein ausgefuchster Plan der vier Unzertrennlichen und Tréville ist, um Milady zu überführen – man denkt wirklich, der arme d’Artagnan würde von seinen Freunden verstoßen! Ziemlich fies!

Wenn Ihr mögt, lesen wir uns morgen wieder um zu erfahren, wie es Athos mit seiner Tat geht.

Wie immer freue ich mich mächtig über Reviews – kann aber auch verstehen, wenn Ihr lieber bis Sonntag wartet und den Gesamteindruck kommentieren wollt :-)!

Habt einen ruhigen Freitag!

GLG

Ann
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